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Kaffckr Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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1921 Fernsprecher 951 und 952 11. Jahrgang.

Dienstag, 14. Juni

Nummer 131

Fernsprecher 951 und 952

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Frankreichs Willkür gegen Gefangene.

Die lebenswichtigen Betriebe.

Sn Hannover.

Nur sechzig Prozent streiken.

München, 12. Juni. (Privattelegramm.) Ans den weitere» Mitteilungen der Münchener Rotzeitung ist hervorzuhcben, daß Ministerpräst. dent von Kahr nach München zurückgekehrt ist-

Das Erscheinen des unabhängigen Blattes »Der Kampf" wurde durch den PilizeiprLfldenten bis auf weiteres verboten. Das am Sonnabend nachmittag erschienene Extrablatt derMünche­ner Post", wonach die Ausdehnung des Streiks auf die lebenswichtigen Betriebe angekündigt wurde, ist beschlagnahmt worden. Auch am Sonntag haben die Straßenbahnen den Verkehr auf sämtlichen Linien aufrecht erhalten, ebenso wird auch der Eisen­bahnverkehr glatt abgewickelt. Auch in den städtischen Werken wird der Betrieb auf­reckst erhalten. Ueber den Umfang des Streiks am Sonnabend wird noch mitgeteilt, daß nur etwa sechzig Prozent der organisterten Arbeiterschaft streikten, so daß von einem Gene­ralstreik nicht gesprochen werden kann. Ebenso wird auch aus Augsburg gemeldet, oatz sich der dort proklamierte Generalstreik nur in einem Tellausstand äußerte

München, 13 Juni. (Privatt-legraMM) Hn allen lebenswichtigen Betrieben ist die Technische Nothilfe eingesetzt. Gas-, Was­ser- und Elektrizitätswerke find im Betrieb. Ruch einer Mitteilung von Arbeitnehmerseite gehen für die drei Streittage der Münckstner Arbeiter­schaft Löhne für zusaumien vier Millionen Mur«' verloren.- Zu der Ennurduag GarciS' verlautet, daß die Annahme, daß überhaupt kein politisches Attentat, sondern eine persönliche Rachehandlung eines Gegners vorliegt, da. tmrch weiter gestörte wird, daß Gareis zur Er­mittlung anonymer Briefschrciber die Hilfe eines Detektivbureaus in Anspruch genommen bat.

München, 13. Statt. (Privattelegramm) Der wegen der Ermordung deS unabhängi­gen Führers Gareis cingeleitete AuSstand fin­det nur wenig Unterstützung. Dir am Erschei­nen verhinderten bürgerlichen Zeitungen Mün­chens haben gestern, Sonntag mittag, eine ge­meinsame Notzeitung erscheinen lasten, die in vielen Hundetttausenden von Errmplaren in den Straßen abgesetzt wurde. In diesem Mit­teilungsblatt wird in einem Leitartikel gesagt, daß das politische Ziel des Streiks, die Agita­tion gegen das Kabinett Kahr schon jetzt als völlig verfehlt angesehen werden kann. Dieser Streik sei noch nicht einmal ein politi­scher Eindruck und sei sogar als Demonstration verpfuscht. Unter den Streikenden sei eine star­ke Neigung vorhanden, den Streik am Mon­tag abzubrechen. Ueber den Mord an Gareis wird noch mitgeteUt, daß trotz aller Be­mühungen deS Gerichts mtb der Polizei mich heute noch kein wesentlicher Fortschritt in der Enthüllung des Verbrechens und seines Anlas- ses erfolgt ist und daß man vollstständig im Dunkeln tappe über den CharMter der Erschie­ßung. Anerkannt wird, daß es zu ernsten Aus- schreitungen und Ruhestörungen nicht kam.

aus, ttotz aller bisherigen Mißerfolge erneut die Freigabe der deutschen Stammesbrüder in Avignon zu fordern. Unseren Brüdern in Avignon rufen wir zu: Wir denken Eurer und werden nicht müde werden, für Eure Befreiung zu wirken." Nach Abschluß der Kundgebung bewegten sich lange Züge der Teilnehmer mit Musik und Gesang durch die Stadtteile. Die Kinder trugen Tafeln mit der Inschrift:Frank­reich gibt uns unsere Brüder wieder!",Frank­reich gib uns unsere Vater zurück!-

Der Münchener Streik flaut ab

Mißerfolg der reglerungsfeindNchen Agitation.

Die Warenpreise.

Folgen der niederen deutsche» Valuta.

Von

Professor Dr. H. Koppe in Marburg.

Unterbietung ausländischer Konkurrenten auf ' den Auslandsmärkten ist nicht nur das Ziel, sondern tm Zeitalter freien Wettbowers auch das gute Recht der einheimischen Warenerzeuger. Gehen sie dabei unter die Preise der dem Ab- fiitzlande angehörcnden Warenerzeuger herun­ter, so ist auch das noch immer eine reine Frage des Spiels der freien Kräfte. Ein ganz an­deres Gesicht bekommt aber ihre Tätigkeit, wenn sie die niedrige Preisstellung im Auslande er­möglichen durch entsprechend höhere im Inland«, durch die sie sich für die Einbuße bet jener schad­los bähen. Durch dieses .Schleudern" oder .Dumping- wird nämlich begreiflicherweise die, solche Ware weiterverarbeitende heimische Indu­strie, werden aber auch die ausländischen Erzeu­ger gleichartiger Ware geschädigt, während die ausländischen Weiterverarbeiter natür­lich großen Vorteil davon haben. Die ersteren rufen die Hilfe ihrer Regierung in der Regel mit Erfolg an, zunächst so, daß der Preisunterschied in Form eines besonderen Einfuhrzolles vom Staate für sich nutzbar und damit zugleich für den Benachteiligten unschädlich gemacht wird. Diese .Schleuderpolitik" hat sehr dazu beigetva- gen die Sphäre des Uebelwollens gegen Deutsch­land zu schassen, in der die Kriegssttunnung auswuchs.

Wenn nun jetzt wiederum und heftiger als je über deutsches Dumping im Auslande geklagt wird, so bedarf es keines Eingehens auf die sonst na für vorgebrachten Rechtfertigungsgründe. Denn heute liegt der Antrieb ja Zwang zur Ausstrbr in den Verhältnissen unserer Valuta begrün­det. Die Kaufkraft der Papiermark im Jn- lattbe, ihr Binnenwert, ist nicht in gleichem,Maße gesunken wie dem Auslande gegenüber, also tote ihr Außenwert. Diese Unterschiedlichkeit ist, too Papiergeldwi itschast besteht, allgemein, weil na­turgemäß. Denn die Preise der Jnlanderzeug- niffe auf den Inlandmärkten, sowie die inländi­schen Löhne, Mieten ufw. werden vom Verkehr mit dem Auslände nicht betroffen, wogegen die Auslandware mit dem Agio bezahlt werden tmttz, welches das ausländische Metallgeld ge­genüber dem inländischen Papiergelde hat. Da die zur Bezahlung der Einsuhrware dienenden Auslandwcchsel (Devisen) ihren Wert von der Summe ausländischer Währung empfangen, über die sie lauten, so zeigt der für sie gezahlte Preis (Kurs) den jeweiligen Grad der dem Aus­lande gegenüber eingetretenen Papiergeldenttoer- tungen. Je höher dieses Agio steigt (und eS steigt mit wachsender Einfuhr, wenn die Aus­fuhr, was beute und noch lange für uns unmög­lich ist, nicht int gleichen Wertumfang steigt), tnnsfo mehr heimisches Papiergeld kann man also dagegen eintauschen. Daher der Anreiz, umso mehr Ware im Ausfuhrwege in fremde Metall­währung umzusetzen. Der dabei erzielte Gewinn bat also mit dem Inland preise nichts zu tun. Der Auslandvreis kann niedriger, höher ode- gleichhoch wie dieser fein. Nur wird er natürlich niedriger sein als der Preis von Konkurrenz­ware im Absatzlaude (dort erzeugter oder frem­der).

Ist dieser durch den Valutatiefstand verur­sachte Gewinn aus dem Ausfuhrgeschäft nun ein Vorteil oder ein Nachteil für unsere Volkswirtschaft? Auf den ersten Blick ein Vor­teil. Denn je größer die Ausfuhr, umfo mehr lebensnotwendig E-nuhr (Nahrungsmittel, Rohstoffe) können wir damit bezahlen und umso eiger gestaltet sich also auch unsere Zah- lbilanz. Aber bei näherem Zusehen erscheint der "Zusammenhang in ganz anderem Lichte. Im Auslande sind die Warenpreise nicht annähernd io hoch gestiegen wie bei uns. Durchschnittlich vielleicht um das Zwei- bis Dreifache, bei uns um das Zehn- bis Fürrfzehirsache. Wir müflen nun, um konkurrenzfähig zu sein, die Ware etwas unter dem ersteren Preise anbieten. Kostete sie im Frieden in England und Deutschland gleich­viel also zum Beispiel do« 100 Pfund Sterling und also nach der Valutaparität (1 Pfund Ster­ling gleich 20,43 Mark) hier 2043 Mark, so kostet sie jetzt oott etwa 250 Pfund Sterling (das Zweieinhalbfache), hier rund 24 500 Mark (das Zwölfsache). Der deutsche Aus sichrer, der die Ware etwas unter 250 Pfund Sterling dort ab­fetzt, bekommt für diese Stimme aber zum Bei­spiel bei einem Kurse von 1 Pfund Sterling gleich 260 Mark, wie am 1. Mai 1921, fast 65000 Mark, also zweifiebenzehntel mal soviel, wie sie ihm in Deutschland cinbringen würde.

Der große Gewinn blendet jedoch. Für unsere Volkswirtschaft bedeutet er einen enormen Verlust, denn bekanntlich wird im Grunde genommen nicht Ware gegen Geld, sondern Ware gegen Ware getauscht. Das Geld Vermittelt nur, trübt aber dabei den Blick für die Zusammen­hänge. Das heißt, da die Preise den Herstel- lungs-kosten entsprechen: Ware, deren Herstellung uns 24000 Mark (den FnLmdpreiS) teuftet unb;

Gegen Avignon.

Eine Protest-Kundgebung im Stadtpaek.

Kassel, 13. Juni.

Zu einer mächtigen Kungebung gestaltete sich die arm Sonntag morgen tm Dtcötpark vom Reichsbund ehemaliger Kriegsgefangenen ein- berufene Protestoersammlung. Nach Eröffnung durch Herrn Fiedler ergriff Herr Spohr das Wort und machte folgende Ausführungen: Zweieinhalb Jahre sind feit dem Kriegsende vergangen und noch immer schwach.eu deutsche Krieger im Zuchthaus zu Ävignon in Gefan­genschaft. Die Rückkehr der in Rußland befind­lichen Deutschen ist gesichert. Während Amerika, Belgien und England die Gefangenen unmit­telbar nach der Ratifikation heimschickten, hielt es Frankreich noch nicht für nötig. Erst im Ja­nuar 1920 mackste es die ersten Anstalten urtbi erst im März war die Heimsendung vollenver. Aber Nicht all« kehrten zurück. Gestützt auf den Paragraphen 219 des Friedensvertra- ges behielt es die bestraften Gefangenen, außer den zu Disziplinarstrafen verurteilten Gegange­nen zurück, obwohl Deutschland sämtliche Ge­fangene herausgegeben hatte. Und zwar sind es die Freiheitsdurstigsten, die-auf der Flucht sich kleiner Vergehen schuldig machten und dafür heute noch langjährige Gefängnisstrafen verbü­ßen muffen. Die von den stanzösisckeu Gerich- ten verhängten Strafen stehen in keinem Ver- hMnis zu den Taten. Folgende Urteile lassen erkennen, was für eine Justiz die armen Opfer des Krieges richteten. So erhielten Gefangene für Gehorsamsverweigerung fünf Jahre, für Materwfljerftrang zehn Jahre, für Augr-i^ fünf I., für Munraub zehn, I., f. mMtartzchen Diebstahl zwanzig Jahre, für Gegenwehr zwan, ita Jahre Zwangsarbeit. An die deutsche Be- völkerung ,an die Neutralen und an die weni­gen Einsichtigen wenden sich die Protesttttndge- bringen, hie heute in ganz DeutsMand stattfinden. Zum Schluß forderte dann der Redner noch einmal die Herausgabe der letzten Gefangenen. .

Herr Rocholl schilderte daraus in eindring­licher Weise die Leiden der Gefangenschaft und forderte auf, derer zu gedenken, die jetzt noch im Elend sind und ihr Los durch Unterstützun- gen zu erleichtern. Zwei Entschließungen wur­den einstimmig angenommen. Die eine begrüß­te mit Genugtuung die baldige Rückkehr der letz­ten deutschen Krieger aus Rußland, und die an- bete fordert die Regierung aus, trotz der btshe- rigen Mißerfolge sich mit aller Macht für die Befreiung der 116 deutschen Stammesbruder m Avignon einzusetzen. Den Brüdern in Atngnon aber ruft sie zu: Mir gedenken euer und wer- den nicht müde werden, für eure Befreiung zu wirken."

Ernste Schulfragen.

Die Ausbildungszeit an Hochschulen.

Man schreibt uns: In der Pfingftwcche sand in Jena der Vertretertag deutscher Philologen statt, der von allen deutschen Ländern und preu­ßischen Provinzen beschickt war; auch Deutsch- Oesterreich. die freie Stadt Danzig und die an Polen verlorenen deutschen Gebiete waren ver­treten. Staatssekretär Schulz, Vertreter der Un- rerrichtsministerien der einzelnen deutschen Lan­der, der Hochschulen, des deutschen Lchrervererns, des Vereins akademisch gebildeter Lehrerinnen und andere wohnten den Verhandlungen bet. Dist wichtigste Frage, die verhandelt wurde, die zu­gleich von der größten allgemeinen Bedeutung ist, war die Frage der D a u e r der Schul z e i t bis zum Abschluß der höheren Allgemembil- düng und Erlangung der Hochschulreife. Bekanntlich dauerte der Lehrgang unserer hohe- e ren Schulen bisher neun Jahre. Es war aber besonders in Norddeutfchland in Orten mit gut entwickeltem Schulsvstem möglich, nach dreijähri­ger Vorbildung (in einer Vorschule) Ausnahme auf der höheren Schule zu finden, so daß man mit einer E^samtschnlzeit von zwölf Jah­ren die Reife für die höhere Berufsausbildung erlangen konnte. Durch Einführung der allgemei­nen vierjährigen Grundschule beträgt die ©* samtschubzeit überall jetzt dreizehn Jahre. Nun sind Viele der Ansicht, daß aus finanziellen und wirtschaftlichen Gründen "oiefe Schulzeit tu : lang fei. Man fordert deshalb von vielen Scr- ten die Herabsetzung des Lehrgangs der i höheren Schulen auf acht Jahre.

Dagegen erheben sich aber schwerste Beden- ten: die Verkürzung des LehramtgeS muß, zu- : mal die Zahl der Wochenstunden auf dreißig I herabgesetzt werden wird, notwendig eine Ser» i Minderung der Bildungshche unseres Volkes : herbeifübren. Dadurch wird ohne Zweifel auch i seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit beeintröch- t tifft. Haben doch führende Scanner unferes wirtschaftlichen Lebens immer auf die Notwen- bi gleit einer guten Allgemeinbildung Hins! errie­fen; und in Amerika hat man mit dem Cirftan.

Hannover, 13. Juni. (Privattelegramm.) Der Reichsverband ehemaliger Kriegsgefangener veranstaltete gestern mittag in Hannover unser Beteiligung zahlreicher anderer Vereine und Ver­bände eine machtvolle Kundgebung für die Freilassung der hundertfünfzehn im Zucht­haus von Avignon noch fchmachtenden deutschen Kriegsgefangenen. Auf dem Platz vor dem Opernbaus wurden von drei Tribünen Anspra­chen Erhalten, ip denen die Bevölkerung aufgefor­dert wird, sich ohne Unterschied der Par­tei an der allgemeinen Attion für die Freilas funfl unserer in Avignon schmachtenden Brüder zu beteiligen. In einer einstimmig angenomme­nen Entsckfließuug wurde die Forderung der Freilassung der Gefangenen erhoben.

* 3n Breslau.

Bressau, 13 Juni. (Privattelegramm., Die von der Vereinigtmg ehemaliger Kriegsge­fangener in Breslau veranstaltete Kundgebung gegen die S ch m a ch von A v i g n o n hat gestern unter Teilnahme von vielen Tausenden von Per­sonen aus allen Ständen und Parteien mit Auf­nahme bet Sozialdemokraten stattgefunden. Sämtliche Redner, unter ihnen zwei soeben aus der Gefangeuenhölle Avignon zurückgckehtte Ka­meraden, betonten die Notwendigkeit eines ein­mütigen Widerstandes aller Deutschen.

Dle Leipziger Vrozeffe.

Angeklagter Rarndohr fretgesprocheu.

kPrivat-Tclegramm.)

Leipzig, 13. Juni.

Im fünften Ktiegsbeschttldigtenprozetz wurde am Sonnabend das Urteil verkündet. Ter Ange- Nagte Max R a rn d o h r wurde vom Reichsgericht von der Anklage der Erpressung von Geständnis­sen freigesprochen. Tie Kosten werden der Staatskasse auferlegt, der Angeklagte fosort aus der Hast entfallen. In der Urteilsbegründung kommt zum Ausdruck, daß einzelne b e l g i f ch e Zeugen bestimmt die Unwahrheit ge­fugt haben und daß die Vorgänge, rote fie von ihnen geschildert wurden, sich unmöglich ereignet haben können. Demgegenüber habe der Ange­klagte in ver überwiegenden Mehrzahl der Fälle Wetter nichts als seine Pflicht getan.

einbringt, geben wir an das Ausland ab tm Em- tausch gegen Ware, die wir mit 65 000 Mark (Weltmarktpreis) bezahlen müssen. Da ieder Preis sich letzthin in Arbeit auslost, muffen wir also zftveisiebenzehntel mal soviel Arbeit auf- wenden wie die Engländer, um Erzeugtaffe mit ihnen tauschen zu können. Einzig dem Fall un­serer Valuta danken wir dieses Mitzverhaltms. Je tiefer sie sintt, unrtf» stärker nimmt es l«, umfo mehr unbezahlte AÄeit müssen wir iür die Länder mit hochwertiger Valuta leisten - unausgesetzte Fronarbeit noch neben der uns durch den .Friedensvertrag" auferlegten. Als Mittel gegen den sonst zum Ruin führenden Schleuberausverkauf kommt in erster Linie ui Betracht, daß die Ausfuhrindustrien nicht nn- nötig billig verkaufen. Die Preise müffen so koch gestellt werden, wie es der Wettbewerb aus den Auslandsmärkten irgend gestattet.

Kriegsgesaugeueu-Vrotefte.

Die Kundgebung in Berlin.

lPrivat-Telegrannn.)

Berlin, 13. Juni.

Wie überall im Reiche, sind auch in Berlin die Kundgebungen eindrucksvoll verlaufen. Zwi­schen der Terrasse des Museums und der Rampe deS Schlaffes Kopf an Kopf gedrängt standen Sm vormittag Hunderttausende und l;ten den Rednern, die ihnen von der Not der hundertfünfzehn Kriegsgefangenen erzählten, die in Frankreich im Zuchthaus von Avignon und in den Arbeitslagern von Cuers und Agay dasVerbrechen" büßen, deutschen Stammes zu sein. Die Verbrechen fast alter Zu- rückgehaltenen haben nichts mit ehrenrührigen Verbrechen zu tun, fonder« sind meist aus R o t und Nahrungsmangel oder zur Dewerk- stellignng der Flucht begangen und aus dem see­lischen Zustand der Kriegsgefangenen zu erklä- ren. Der Lustgarten, der zu oft der Schauplatz parteipolitifcher Demonstrationen war, bot heute das Bild eines gelassenen BolkSwillenS. Deutsche allerParteien.vou Schmerz und Mitleid erfüllt für die treuen Brüder, die als letzte für ihr Deutschtum leiden, bekannten sich einmütig zu der machtvollen Kundgebung, die in folgender

Entschließung ihren Ausdruck fand: ^Während das deutsche Reich fofort nach dem Waffenstillstand sämlliche in Deutschland befindlichen Kriegsgefangenen der alliierten Mächte in die Heimat zurüK>eför- dett hat, einschließlich aller wegen gemeiner Ver­brechen bestraften, müffen die Deutschen es dul­den, daß hundertfünfzehn ihrer Brüder zweiein­halb Jahre nach Deensigung des Krieges in kranzöfifchcr Kriegsgefangenschaft ihrer Frei­heit beraubt sind und in Sehnsucht nach ihrer Heimat und ihren Angehörigen die schwer­sten seelischen Qualen erleiden müsse«. Tie Ver- tsammlung ftwdcrt batet die deutsche Regierung