Hessische Abendzeitung
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Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Nummer 127.
Donnerstag, 9. Juni 1921
Fernsprecher 951 und 952
Fernsprecher 951 nnd 952
11. Jahrgang
Die Alliierten in Oberschlesien.
p e n Rosenberg besetzt, im Süden ist ein Batoil-
Segen den Selbstschutz.
Fortdauernde Kampfe.
Die alliierten Truppen in Oberschlesten.
Insurgenten. Franzosen in daS Gefecht rückten und dabei drei Verwundete und drei unverwun- dcte Franzosen durch den Selbstschutz gefangen genommen wurden. Es ist zu befürchten, daß ähnliche Vorkommnisse während der Bildung der neutralen Zone durch die alliierten Truppen sich wiederholen werden. Die Engländer haben größere Abteilungen in der Richtung des Industrie- gebretS in Bewegung gesetzt, die in Gleiwitz ein- getroffen sind. Aus polnischer Seite kämpfen nur noch wenige Obcrschlester. Aus den südlichen
der Mitte der Front schieben sich die englischen unp französischen Truppen zwischen den deutschen Selbstschutz und den polnischen Insurgenten vor. Dadurch ist eS wohl zu erllären, daß während eines Gefechtes zwischen dentfchem Selbstschutz und polnischen
(Pttvat-Telegramm.)
Breslau, 8. Juni.
Jin Norden haben die englischen Trup-
Ärlandö Llnterörückung.
Amerikanische Einmischung.
(Eigener Drahtbericht.)
London, 8. Juni.
Am Oberschlefien.
Haltung der britischen Regierung.
lPrivat-Tclegramm.)
Berlin, 8. Juni.
Es war aus London berichtet worden, das! der deutsche Botschafter in London, Sthnmer, dem britischen auswärtigen Amt eine schriftliche Note über den Konflikt zwischen der i n t e r a l- liicrren Kommission und General Höfer überreicht habe. Dies wird nun in Abrede gestellt. Es handle sich nur um mündliche Borstcllungen des Botschafters, zu denen er von der Reichsregierung, ebenso wie die deutschen Vertreter in Paris und Rom beauftragt worden war. Die englische Regierung hat djc deutsche Regierung wissen lassen, daß die ve'- bündetcn Streitkräfte, die zur Verfügung der interalliierten Kommission stehen, in aller Kürze artf die nötige Stärke gebracht werden, um die Unruhen niederzudrücken und daß der deut- scheVorschlag.dcn englischen Truppen Hilfe zu bringen nicht angebracht sei.
Berlin, 8. Juni. (Privattelegramm.) Der cuglrsche und französische Botschafter in Berlin sind aus Anlaß des V» rrückcns des d e u t s ch e n Selbstschutzes in der Gegend von Kandrzin bei der ReichSregierung vorstellig geworden. Da cs bekannt ist, daß die Rcichsregierung auf den Selbstschutz in Oberschlesien keinen Einfluß aus- irben kann, so dürste die Rcichsregierung die beiden Botschafter in diesem Sinne beschiedcn haben — In ihrer letzten Note teilt die französische Rcglcrung der englischen mit, daß sie mit England darin übereinstimme, daß zunächst die Ordnung in Oberschlesien wieder hergestellt sein müsse, bevor eine Entscheidung getroffen werde.
Die Tschechen für Deutschland.
Prag, 8. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Im tschechischen Parlament erflärte der Minister des Aeutzern nm 6. Juni, daß Polen keinerlei Anrecht auf Oberschlesien hätte. Im Interesse des tschechischen Staates liege es, daß Ober, schlcsien bei Deutschland verbleibe.
Im Unterhanse wurde eine Anstage gestellt, ob cs der Regierung bekannt sei, daß eine a m e rikanische Kommission aus elf Senatoren, vier Mitgliedern des Kongresses, dreizehn Bischöfen und zehn anderen führenden Persöil- lichkeite« bestehend, aus Aussagen irischer und amerikanisckfcr Zeugen über die Vorgänge in Irland einen Bericht zusammengestellt haben a«S dem hervorgeht, daß England in Irland eine Schreckensherrschaft führt. Die britische Regierung sei dazu eingeladen worden, sich gleich in dieser Kommission auszusprechen. Die Regierung bat cs aber abgelehnt, da sie den Angehörigen eines fremden Staates nicht das Reckst zuerken- nen kann, eine derartige Untersuchung in inneren!
elegeuheiten Grotzbrftannieus vettzunehmeu.!
Kurze Vertagung.
Reichstag und Regierung.
(Don unferm parlamentarischen Mitarbeiter.)
Der Reichstag hat sich, wie gemeldet, nach oier Wort« und krisenreichen Tagen bis zum 14. Juni vertagt, nachdem er zuvor pflichtschuldigst dem Kabinett Wirth eine Art Garantieschein für die nächste Zeit übermittelt hatte. Als »Ver- ttauensvorum" kann die .Kenntnisnahme- des Retchslages und Einverständniserklä-
Die Kontrollkommission.
Besprechungen werden abgelehnt.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 8. Juni.
Laut dem „Malin" haben die Alliierten für die nach Berlin am 20. dieses Monats abrei- ende Finanzkontrollkommission für DeMschland die Exterritorialität bei den deutschen Behörden nachgesucht. Das Blatt meldet weiter: Die Finanzkontrollkommission in Bettln erhielt das Recht, in allen ihr dringend erscheinenden Fällen zur Sicherstellung der deut- chen Zahlungen direkt durch die Botschafter in Berlin Verordnungen und Maßnahmen der deut- chen Regierung bekannt zu geben, ohne zuvor die alliierten Kabinette benachrichtigen zu müssen. — Die Morninqpost meldet aus Varis: Die Wiedergutmachungs-Kommission hat am Montag eine Satzung abgehalten. Die hat sich gegen die Wiederaufnahme von Besprechungen mit dciftschen Sachverständigen in allen den- senigen Streitpunsten erhärt, die durch da« Ul- motmn endgültig entschieden seien.
1. für die Provinz Hessen-Nassau muß dick uebettra-gung dieser Reckte im allgemeinen auf die beiden Bezirkskommunalverbände erfolgen unter Aufrechterbalttlng der bisherigen Provinziakverwalttlng der Provinz Hessen-Nas- sau in bezug aus die Durchführung der sozialen Reichsarbeiter - Versicherung (landwirtschaftliche BenrfSgenoffenfchaft nnd Landesversicherungs- ,’—n - -----, anstatt) nnd unter Ermöglichunq der Uebertea-
Lugelcgerchcitcn SeopbrttmrmeuS vorzuuehmeu-iMug auch «wer« A«»gaben auf die
Der Gesandte Dard.
Eine Verkennung in München.
lPrivat-Telegr amm.)
München, 8- Juni.
Heber einen Zwischenfall mit dem französischen Gesandten Dard in München wird amttich gemeldet: Ter stanzösische Gesandte beabsichtigte am Montag vormittag unerkannt vom Hofgar« ten aus in das Haus Galleriestraße 6 einzu- treten, weil er in diesem Hause eine Wohnung für sich mieten wollte. Ties fiel Passanten auf. Ein Herr in Zivil, ein früherer sächsischer Offizier, sprach den französischen Gesandten an, ohne ihn zn kennen. Er fragte ihn, oh er jemand in dem Hause sprechen wolle. Der französische Ge- sandte verneinte dies und entfernte sich. Der Zivilist wandte sich hierauf an einen Schutzmann und ersuchte ihn unter Bezugnahme ans seine Beobachtungen, die Person des unbekannten Herrn, der sich inzwischen auf eine Dank im Hofgarten gesetzt hatte nnd in dem er einen Ausländer erkannt haste, festzustellen. Der Schutzmann ging darauf zur Bank und ersuchte den unbekannten Herrn um die Leqitimatton. Dieser wies sich als der stanzösische Gesandte Dard auS. worauf der Schutzmann sich fafort mit dem Bemerken entschuldigte, er hätte selbst, verständlich ein« Legitmratt« nicht verlangt.
Die Mobilmachung in Volen.
Oppeln, 8. Juni. (Eigener Drahtbericht. Einige aus Groß-Strehlitz eingestoffene Personen berichten von einem Zusammenstoß in der Gegend von Radzionka, der zwischen dem oberschlcsifchcn Selbstschutz und stanzösischrn Truppen stattgefunden hat Bei Kalinow wurde der Selbstschutz bei Nacht durch anhaltendes Ge- wehrfcuer beunruhigt und entsandte eine Pa- trouille zur Feststellung der Gegner. Die Patrouille wurde in ein lebhaftes Gefecht verwickelt und machte mehrere Gefangene, die sich als Franzosen entpuppten. Der Selbstschutz sandte die Gefangenen unter Führung eines Offiziers zurück und sprach durch diesen seine Entschuldigung über den Zwischenfall aus. In Polen findet wettere Mobilisierung statt. Der Kriegsminister hat die Jahrgänge 1899 bis 1901 einberufen.
rung, .daß die Regierung alles daransetze, um die übernommenen Verpflichtungen gegenüber den Alliierten zu erjäiben“, kaum betrachtet . „ , ....
Serben. Unbestimmt wie das Programm derjlon der Italiener in Kramnitz eingerückt. In Regierung, ist auch der Ton dieser Reichstags-QO!-“- '— - -
kundgebung, der man auf den ersten Blick die inneren Schwierigkeiten ihrer Konstruktion ansieht. Für diese Erklärung ftinunten Zentrum. Demokraten, Sozialdemokraten und Unabhängige, eine Parteigruppierung also, die eine Verbreiterung der RegierungSbchis nach links bedeu. tet. Die Deutsche Volkspattei Hai sich der Abstimmung enthalten, stimmte aber aud? gegen das von den Deutschnationalen einasbrachte Miß» ttauensvotum. Das Kabinett Witth hatte mit dem Ergebnis der Mbsttmmung also eine relativ günstige Mehrheit von 213 gegen 77 Stimmen bei,48 Enthaltungen zu verzeichnen, wenn ... Dieses .Wenn' ist der Keim neuer kommender Konflikte, die den. Stand der Regierung und des Reichstages möglicherweise emft(id) gefährden können, wenn die Patteien nicht endlich die enge Kette ihrer Patteipokittk abwerfen und sich dazu entschließen, eine positiv deutsche Poli - t i k zu treiben, die der Gesamtheit, nicht einer einzelnen Partei und ihrer Mandatsziffer zum Vorieil gereicht.
v 5: Sajpwie
kann nicht verwirklicht werden, zumal in Hessen« Nassau der eigentliche Mittelpunkt für die Pro- vinzialbauptstadt fehlt. Die Interessen von Kassel gehen mehr nach Norden, die von Franlsutt nach Süden oder Westen. Beide Gebietsteile sind obendrein durch Oberhessen ge- rrennt. Was den Entwurf anbettifst, so kommr Dr. Heldmanns Gutachten zu dem Schluß, daß eine Ettveitemng der Selbstverwaltung wün- chenswert ist, aber in der Weise, daß grundsätzlich die beiden Bezirksverbände beibehalten werden Loslösungs-Bestrebungen sind m unserer Provinz nicht besonders ernst zu nehmen Ein Bedürfnis nach Übertragung gesetzgeberischer Gewalt auf die ttovinzial-Jttstanz ist nicht hervorgetreten.
Dann erstatteten noch Landrat Ludwig und Professor Dr. Trümpler je ein Gutachten hinsichtlich der finanziellen Seite und der zu überweisenden Angelegenheiten. In der erwähnten Sitzung des Ausschusses betonte Oberpräsident Dr. Schwand er, daß daS deutsche Volk eine Weltmachtstellung nur wiedererringen kann, wenn wir über die Kleinstaaten hinwc «kommen, im Einheitsstaat mit starker Zentralgewalt. Ein Vettreter der Hessen-Nassauischen ArbeitAgemein- shaist erklärte unter anderem, daß die Besttebum- gen auf Schaffung eines ,Groß-Hessettt im Provinziallandtag keinen Anklang finden. Der Antrag eines Kommunisten, den Provinzialaufü bau nach dem Muster der russischen Sowjet- Republik vorzunehmen, wurde mit allen gegen die eine Stimme des Antragstellers abgelegnt Dann genehmigte ein Unterausschuß
eine Entschließung,
wenn er die Person des Gesandten erkannt hätte. Der Gesandte hat von sich aus jede Beteiligung des Zivilisten an der Angelegenheit abgelchnt und ihn weggeschoben. Das Staatsministerium des Aeußeru hat Anlaß genommen, wie dies auch bei den Vertretern anderer Länder erfor- derlich wäre, dem ftanzösischen Gesandten das Bedauern auszusprechen, daß sich dieser Zwischenfall zuHeiragen hat.
Die Autonomie.
Entschließung des Provinziallandtags.
Die HO® gestern zu Ende geführte Tagung b«4 Pr°vn!,iLl.Landtag« für die Provinz Seficn- SRaffau nahm ein» deackrtenswerte SreUnng J“ der geplanten Erweiterung »er Eeii-it. standigkeitSrethtr der Provinzen, unter R. H . Mitardriter drrickitet darüSer Folgendes. Der preußische Minister des Innern hatte sämtlichen Ollerpräsidenten den bekannten Gesetz- enttourf zugehen lassen, der das Programm deS Attikels- 72 der neuen preußischen Verfassung in dem den Provinzen eine Erweiterung ihrer Zuständigkeit auf dem Gebiete der Verwaltung zw» gesagt ist. näher ausführen will. Danach sollen die Provinziallandtage in Zukunft berechtigt fein, auf den ihnen durch das Autonomiegesetz übertragenen Gebieten bindende Rechtsnormen zu geben Neben die Gewährung des Gesetz- gebungsrechts soll auch eine wesentliche Erweiterung der Zuständigkeit der Provinzen auf dem Gebiete der Selbstverwaltung treten. Entsprc- dfcnb der Anweisung des Ministers hatte sich nun der neue Provinziallandtag schon bei seinem ersten Zusammentritt im April mit der Singe- legenheit zu beschäftigen. Er beauftragte damals einen besonderen Ausschuß, den ^lutonmnie- Ausjchuß, bestehend aus zwanzig Mitchiedern, nut der gutachtlichen Stellungnahme zu dem Entwurf. Das ist inzwischen geschehen Wgeotv» netcr Dr. Held mann erstattete ein bemerkenswertes Gutachten. Danach ist der Entwurf auch von dem Hessischen Volksvunde auf das ent- chiedenste abgclehnt worden. Er kommt also dic- cr Bewegung nicht entgegen. Daß, so heißt es in dem Gutachten, von einem Entgegenkommen gegenüber der Dr. Dottenschen Bewegung keine Rede sein darf, darüber bedarf es keiner Aus- uhrungen. Rach Dr. Heldmann fft schon vor Jahrzehnten ettannt worden: Die Bildung einer rein wirtschaftlichen Interessengemeinschaft durch
Schaffung einer gemeinsamen Provinz
rattonsvorlage einbringen wird. Hier wird es sich zeigen, was der Reichstag aus der Vergangenheit gelernt hat, und ob die Parteien nun endlich gewillt sind, neue Wege einzuschlagen und damit den Parlamentarismus vor einer noch weiteren Diskreditierung zu bewahren. «ck.
der gestern auch vom Provinziallandtag — nach Berichterstattung durch den Abg. Gräf- Frank- furt — zugestimmt wurde. Danach stimmt der Provinziallandtag einer Erweiterung der Selb- ständigkettsrechte der Provinz zu, sieht jedoch in dem vor gelegten Entwurf keine geeignete Grundlage zu einem organischen, zielbewußten Ausbau solcher Rechte. Er glaubt vielmehr befürchten zu müssen, daß die zusammenhanglose Ueberroet« fung von Aufgaben aus allen möglichen Verwvl- tungSgebictcu, wenn auch einzelne zur sosortt- gen U ob erfuhr ung in die Selbstverwaltung wohl geeignet erscheinen, statt zn einer Verbesserung, Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung zu ihrer Verteuerung, Verschlechterung und Der- ivirrung führen und daher lediglich eine Schwächung der Zentralgewalt des Reiches und Preußens bedeuten würde. Bei der Erweiterung ixu Rechte der Provinzen sind folgende Gesichtspunkte zu beachten:
, - g ja tun ge^enft, um die
übernommenen Verpflichtungen restlos zu erfüllen, das liegt zurzeit noch sehr im Dunklen. Die Programmrede des Reichskanzlers war nichts anderes als eine AufMlung alles dessen, was pu tun ist, nicht aber ein Schlüssel zu der Kardinalfrage unserer gesamten Politik, wie es ge- tan werden soll. Auch die Aussprache im Reichstage hat bei aller Länge und Vielseitigkeit der Reden keinerlei Licht in dieses Dunkel gebracht; vielmehr wurde, wie nicht verwunderlich, auch diese Gelegenheit benutzt, um in der ernsten Stunde, in der sich das deuffche Volk notgedrungen anschickt, eine Riesenlast aus feine schwachen Schultern zu nehmen, Parteipolitik zu treiben. Die Zukunftsaufgaben der deutschen Politik können nicht nach Patteigesichtsipunften oder mit wechselnden und zufälligen Mehrheiten gelöst werden. Hier bleibt nur eine Losung: Alle Mann an Bord! Jeder, der einen Baustein herbeizutragen vermag, der bringe ihn herbei und sei willkommen, gleichgülttg wo er steht. Es geht nicht an, daß sich die Linke gegen die Rechte und dre Rechte gegen die Linke aus Prinzip auf- bäumt. weil sie polittsche Gegner sind. Wenn der Kanzler seine hohe Ausgabe ttchttg ersaßt, dann muß er mit aller Kraft der Persönftchkeit und aller Energie, selbst auf die Gefahr hin, hüben oder trüben einmal gründlich anzuecken, die Fäden an sich zu reißen und die Patteien unbar» teüfch zu führen und in dem Gedanken zu einigen suchen, daß es nicht das Wohl oder Wehe einer Partei, sondern des ganzen Vaterlandes gilt.
Zu einer solchen Politik gehört ein starker, selbstbewußter, von jeder engherzigen Partei- unbeeinflußter und unvoreingenommener Politiker, bet es verstünde, die höheren Ziele der Politik in den Vordergrund zu drängen, ein Mann nut Ideen, mit weitschauendem Blick und von größter Selbständigkeit, der die Sckablone des unsicheren Tastens und traditionellen Weiter» regierens verwirft und die widerstrebenden Gei» stet zu einer befreienben Tat entzünden kann. Ob Reichskanzler Witth dieser Mann der großen Tat ist, vermag man jetzt nicht zu ettennen. Wenn er sich wirklich, was von ihm gesagt wird, als ein Jünger Erzbergers fühlt, und rnffchlossen fern sollte, die Bahnen dieses Allerwcltspoli- ttkers em Zuschlägen, dann wäre alle Hoffnung umsonst. Für jeden aber, der sicb berufen fühlt, an der Neugestaltung der deutschen Politik mitzuarbeiten, kann kein Anreiz vorlicgen, sich in die bequeme Defensive einer fruchtlosen Opposition zu flüc6ten. Nur eine positive Mitarbeit aller berufenen Kräfte ist geeignet, die Erfüllung der nun einmal übernommenen Verpflichtungen durwzunihren. oder wenigstens den ernsten und guten Mllen dazu zu beweisen; denn ob wir das erfüllen können, was die Regiettina Witth versprochen und was Minister RaiheiE in einer plötzlichen Bekehrung für durchaus möglich hält, ist eine noch völlig ungelöste Ftaae. Der viertägige Kamps um das Vertrauensvotum, die sckvvachc, in sich nicht einmal einige Regienmgs- faalition, und die noch immer leidenschaftlich vorherrschende Patteivolittk ermutigen nicht zu großen Hoffnungen, daß das Ziel, das Kanzler Witth rethottsch hcrvorgehoben bat. durch Arbeit zur Freiheit zu getanen, in absehbarer Zeit erreicht werden kann. Der neue Kampf werd entbrennen. wenn die Regierung ihre erste
Bezirken Pletz und Rybnik wird gemeldet, daß die polnischen Bergarbeiter meistens in die Betrieb,: zmückgekehri sind.
Lebensmittel-Rot.
Brcslau, 8. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Bon beut schwerbedrängten Kattowitz ist ein Hilferuf an die Kulturnationen ergangen, worin cs heißt: Woche für Woche vergeht, und die in Aussicht gestellte Hilfe ist ausgeblieben. Die Not ist inzwifchen ins Ungeheuere gestiegen. Hcme ist die Stadt ohne Wasser. Die Leb- - mittel gehen zur Neige. Man mutz Nachricht verlangen, ob und wann der kaum noch zu er- wattcnde Entfatz der Stadt erfolgen wird. — Ans Oppeln wird gemeldet: Die Interalliierte Kommission hat die deuffche Regierung zur schleunigen Besorgung von Lebensmitteln für die oberschlesischen Städte aufgefordert, um die große Not dieser Gebitte zu mildern.