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Nr. 125.

Elfter Jahrgang.

Kaffeler Neueste Nachrichten,

Beilage.

Dienstag, 7. Juni 1921.

Aus aller

dl

Ein frecher Saunertritf.

DasHeldenstückchen" eines abgefeimten Be­trügers wird aus Berlin gemeldet: Ein fünf­zehnjähriges Kontormädchen hob im Auftrage seiner Firma bei der Filiale der Kommerz- und Diskonto-Banik in Berlin den Betrag von zwei- rausendfünshunbert Mark in Scheinen ab und steckte die Summe in einen Briefumschlag. In der Nähe des Potsdamer Bahnhofes wur- de das Mädchen von einem Mann angesprochen. Dieser gab an, von er Bank nachgeschickt wor­den zu sein, um das Geld noch einmal nachzu- zählen. Die Ahnungslose ließ sich durch das sichere Auftreten des Mannes bestimmen, ihm den Briefumschlag in die Hand zu geben. Gleich darauf gab der Unbekannte ihr den anscheinend gleichen Briefumschlag mit dem Bemerken zu- rück, daß alles in Ordnung sei, und ging schnell davon. Dem Mädchen waren inzwischen aber doch Bedenken aufgeftiegen, es öffnete den Um­schlag und sah zu seinem Entsetzen, daß er le­diglich Papierschnitzel enthielt. Auf die Hilfe­rufe der Bestohlenen nahmen Paflanten die Ver­folgung des Täters auf, und es gelang auch einem der Verfolger, den Burschen zu er­greif c n Das Geld konnte dem Mädchen ohne Verlust zurückgegeibcn werden.

*

Früher Kubierte ein Musiker, der ein tüchtiger Kapellmeister werden wallte, die Gesetze des Kontrapunkts und der Jnstrumentenlehre, be­schäftigte sich also eingehend mit Musik. Heute, in den Mületagen der Jazz-Musik, muß sich ein Kapellmeister in erster Linie als Akrobat rus- bildeu. Wenigstens scheint dies in England der FM zu sein. Denn ein Kapellmeister, der in einem her elegantesten Londoner Restaurants eine Musrktepelle dirigiert, erregt dort das größte Aufsehen, nicht wegen seiner mustkalHchen Dar­bietungen, sondern durch seine akrobatischen Lei. stungen. »Soeben hat er noch mit der höchsten Grafte und feinem Gefühl die Ouvertüre ans Mlbelm Teil" dirigiert", heißt es in einer Schilderung. »Run setzt er zu einem feurig: t Jaz, an, und schon ist er mit ein paar Riesen­sprüngen aber die anderen Musiker hinweg mit­ten unter das Publikum gelangt. Hier schlägt er einige Räder, spaziert auf den Händen ;wi- scheu den Tffchen hin und her, stebt auf dem Kopf und dirtgert mit den Füßen. Unterdessen ist das ganze Orchester wie wahnsinnig gewor­den, der erste Violinist raust sich die Haare, der Mann am Flügel rollt mit den Augen, und der Kapellmeister sitzt mit einem Satz auf dem Harmonium itrtb schlägt den Taft mit den Menbogen ..." DaS nennt sich Kunst!

Abnorm starke Gewitter. In der letzten Woche verzeichnete man in Südwestdeutsch» land eine seit Jahrzehnten nicht beobachtete außerordentlich rege Gewittertätigkeir. Durch zündende Blitze wurden in Baden und Würrtemberg nach den bisher vorliegenden Duldungen vierzehn Wohnhäuser und Bauernhöfe, darunter uralte SchwarKvald- anstedlungen, im Werte von mehreren Millionen Mark eingeäschert. Elf Personen sind getötet und zehn Personen betäubt und verletzt worden.

* Schloß Scharscnstein ei« Raub der Flam­men. DaS alte, mit wertvollen KunstschStzen an­gestillte Schloß Scharfenstein (im sächsischen Zschopau-Tal) der gräflichen Familie Einsiedel ist bis auf die kostbare Bibliothek ein Raub der Flammen geworden. Kostbare Sammlungen sind vernichtet.

* Im Streit erschossen. In Dudweiler et) erschoß nach einem Streit der Entfes- iskünstler Brodel den Tagelöhner Fries Der Töter ging flüchtig.

* Sich selbst gerichtet. AuS München wird gemeldet, daß Bergführer jetzt im Zugspitzenge- biet die Leiche der Erzieherin Lilli StoPPeS ausgefunden haben, die vor vierzehn Tagen in

M Die An- und Verkaufsanzeigen in der RubrikKleine Anzeigen" der Kasseler Neu- M Hf esten Nachrichten sind seit langem schon der größte Markt Kassels. Die allmonat- W W lich nach Tausenden zählenden Kleinen Anzeigen verbürgen nicht nur die Beliebtheit, W W sondern auch die Werbekrast der Raffeier Neuesten Nachrichten. Versäumen Sie ® ® nicht, sich vorkommenden Falles der Kaffeler Neuesten Nachrichten zu bedienen, gj IwaaaaraeeeBeBBBaBeBeaBaaaaBBHa#

9)tünc6en die Gattin des Spezialarztes Dr. Hannemann erschossen hat.

* Die Kaiserkette. Der Berliner Lehrerge­sangverein befindet sich im Besitz der Kaiserket­te, die er in dem Frankfurter Gesangswettstreit von 1913 erworben hat. Auf eine Anfrage in Amerongen, wem dieser Ehrenpreis in Zukunst gehören soll, ist eine Antwort erfolgt, die nach demLokalanzeiger" besagt: «Der Kaiser stehe auf dem Standpunkt, die Kette bleibe im Besitz des Berliner Lehrergesangvereins, bis ein neu­er Gesangswettstreit durch einen neuen Kaiser ausgerufen wird."

* Die Folgen des Hungerkricges. Bei der Einschreibung der Kinder für den Schulbesuch mußten in Solingen auf Veranlassung des Oberarztes hundertsünfundsiebzig Kinder auf ein Jahr vom Schulbesuch zurückge­stellt werden, da sie infolge von Unterernäh­rung während des Krieges körperlich und gei­stig zurückgeblieben find.

* Die schwarzen Franzosen. Vor dem erster. Kriegsgericht der französischen Rheinarmec in Main; hatten sich zwei marokkanische Solda­ten wegen des Raubmordes an dem Kaut, mann Bergmann aus Höchst zu verantworten. Außerdem war der Gastwirt Mayer wegen Ver­abreichung von Spirituosen an die beiden Sol­daten angeklagt. DaS Gericht erkannte einstim­mig bei dem ersten MaroKaner wegen vorsätzlich ausgeführten Mordes, verbunden mit schwerem Diebstahl, auf Todesstrafe. Bei dem zweiten Marokkaner wegen Beihilfe auf lebenslängliche Zwangsarbeit mit Deportation und Ausstoßung an» dem Heere. Der Wirt Mayer wurde wegen Verabreichung von Spirituosen zu drei Mottaren Gefängnis und fünftausend Mark Geldstrafe verurteilt.

* Aus eine Mine gelaufen. Der schwedische MotorschönerRagnhild" ist nördlich von Got­land durch eine Mine in die Lust gesprengt worden. Die Besatzung von zehn Mann konnte gerettet werden.

* Radium-Funde in Belgisch-Kongo. In der monatlichen Vcrsammluna der Geographifchrn Gesellschaft wurde, wie die Deutsche TageSzei- tung meldet, mitgeteilt, daß in den Kupfermi­nen von Katanga in Belgisch-Kongo Erze gefunden wurden, welche große Mengen von Uranium und Radium enthalten.

Aus der Hekmat.

Kartoffewreife

der Rofierungskommissionen. Erzeugerpreise für Spcisekartoffeln in Mk. je Ztr. ab Verlade- stationcn: Berlin. 31. Mai, weiße 4142, rote 4142, gelbfleischige 42, Stettin, 30. Mai, weiße 4445, rote 4445, Schwerin, M., 31. Mai, weiße 38, rote 3536, Magdeburg, 30. Mai, weiße 4042, rote 3840, gelbfleischige 4244, Hamburg. 2. Juni, rote 4550, eingeführte dän. Kartoffeln upto date und maanum bonmn franko Waggon oder Schift 5860, Frankfurt a. M, 30. Mai, weißschalige Speisekartoffeln 58-60 Mark.

Selbach, tz. Juni. (Stiftungsfest des Turn- vereins.) Hier fand kürzlich dar erste Stif- tunHssest unjeres feit etwa einem Jahre beste- benden Turnvereins statt Gutsbesitzer Weltecke hatte bereitwilligst seine Feldscheune und deren Umgebung zur Verfügung gestellt. Acht cmswär-

ttqe Vereine waren erschienen. Nach beendetem Umzug durch d..s Dorf wurden einige Wört­her Begrüßung gesprochen. Dann zeigten die einzelnen Vereine ihr turnerisches Können an den verschiedenen Geräten. Auch Frei« und Stabübungen wurden oorgeführt.

* Kirchhain, 6. Juni. «Wechsel im Kreistag.) Der Landwirt Heinrich Hohl dahier hat sein Amt als Kreistagsmitgliod niedergelcgt. An seine Sielle ist der Bäckermeister Adam Bo- denbender in Rauisch-Holzhausen getreten.

* Treysa, 6. Juni. (Glückliches Aster.) Rentter Sigmund Strupp dahier feierte am 30. Mai u. Witwe Katharina Knaufs dahier am, heutigen Tage ihren einundachzigsten Ge­burtstag. Beide Greise sind körperlich noch voll­ständig gesund und geisüg rüstig.

* Treysa, 6. Juni. (Preisgekrönte Turner.) Der erste Bezirk des Fulda-Eder-Gaues beton« staltete fein erstes BezirkSwetturnen nach dem Kriege in dem nahen Frielendorf. A« demsel­ben nahmen auch die beiden hiesigen Turnver­eine teil; zweiunddreitzig derselben, nämlich zwanzig Turner und zwölf Turnerinnen, konn­ten mit dem schlichten Eichenkranz geschmückt abends die Heimreise antreten.

* Heringen, 6. Juni. (Zum Postmeister be­fördert.) Der langjährige Verwalter unseres Postamtes. Poftsekretär Schneider, ist zum Postmeister befördert worden.

* Heringen, 6. Juni. (Gründung einer Müt­terberatungsstelle ) Hier ist von der hiesigen Ortsgruppe des Vaterländischen Frauenvereins eine Mütter-Beraiungsstelle ins Leben gerufen worden. Die ärztliche Leitung hat Dr, P r ü ß übernommen. Jede Mutter kann die Sprechstun­de mit ihrem Säugling aufsuchen und erhält un­entgeltlich Rat und Auskunft betreffend Pflege und Ernährung ihres Kindes.

Aus den Nachbar-Gebieten.

Rieder-Waroldern (Waldeck), 6. Juni. (Hausbrand.) Hier brach im Wohn Hans bei Landwirts Schuchard Feuer auS. nachdem kur; vorher mit dem Elektromotor, der an hie Haus- leitung angeschloffen war, Hoch gefügt worden war. Die elektrische Leitung liegt unter dem Boden weg, der zum Glück nur noch wenig Stroh enthielt. Die Vermutung, daß Kurzschluß die Ursache des Brandes war, liegt nahe. Der Dachstuhl brannte ab. Viel gelitten hat das Haus mich durch die hereinstürzcnlden Wasser- Mengen.

* DranSfeld, 6. Juni. (Neunzig Jahre alt!) Körperlich rüstia und geistig frisch konnte die älteste Bürgerin unserer Stadt, Frau Kauf­mannswitwe Isenberg dieser Tage unter Be­teiligung der gesamten Ortseimvohner ihren neunzigsten Geburtstag feier«.

Börsen-und Marktberichte.

Wirtschaftliche Rundschau.

Nach dem Stande vom 4. Juni 1921.

Geldmarkt: Die anhaltend unklare poli- tische Lage läßt nur wenig Unternehmungslust auskommen. Die Stimmung an den Börsen war mich unsicher wegen das neuen Steuerpro- granuns. Man befürchtet .ine starke Sonder- bestenerung der Aktienunternehmungen. Das Reich will Gold im freien Verkehr aufkaufen da­durch, daß die Besitzer von deutschen und frem­den Goldmünzen sowie Goldwaren ausgefor- dert werden, diese zum ungefähren Goldwelt-

marltprcis anzubieten. Im Mai haben 108 (im April 141) Gesellschaften Anträge auf Er« Höhung ihres Mtienkapitals um insgesamt 886,18 (1686,79) Mill. Mark gestellt. Die Zahl der Konkurse betrug im Mai 284 gegen 276 int April und 308 im März. Handel und I n« dustrie: Die Rohstoffversorgung der Leinen- industrie hat .sich stark verbessert. Nicht nur die Einfuhr ausländischen Flachses, sondern auch der Anbau inländischen hat stark Angenommen. Der Beschäftigungsgrad der sächsischen Baum- Wollindustrie bleibt erheblich hinter dem Durch­schnitt der gesamten deutschen Baumwollindn- strie zurück. Die geschäftliche Lage in der So­linger Industrie ist zurzeit sehr schlecht. Die Betriebe arbeiten stark eingeschräntt. Der Ab­satz nad) dem Auslande ist minimal. In Bre­men wurde der Verband deutscher Zigarrenver­sandhäuser gegründet. Der Absatz beim Kalt- syndikat hat sich im Mai nur wenig befriedi­gend gestaltet. Er bleibt beträchtlich hinter dem des Vorjahres zurück.

Koblen: Die Lagerbestände der Zechen tot Rnhrgcbier sind zurückgegangen. In der Vcr-» sorgung des süddeutschen Marktes ist merkliche Verschlechterung eingetreten, und zwar dadurch, daß von der Ruhr aus jene Bezirke mitbeliefcrt werden mußten, die bisher schlesische Kohle er­hielten, die aber bekanntlich fast ganz fehlt. Die neuen Preise für Steinkohlenbriketts wei­sen durchweg Herabsetzungen auf, die in erster Linie aus das Sinken der Pechpreise zurückzu­führen sind. In den seit 25 Jahren stillgeleg­ten Bergwerken bei Ilfeld im Harz soll der Steinkohlenbergbau neu aufgenommen werden. Die Kohlenlieferungcn für die Entente sind im Mai um fast 400 Tausend Tonnen zurückge­blieben Warenmarkt: Im Sebennarft1 kommt die Haussestimmung weniger zum Durch­bruch wie am Häutemarkt. In Schuhen hat der Absatz befriedigt, besonders wurde farbige Ware gut umgesetzt. Der Markt in Altpapier­abfällen ist andauernd flau. Die Preise gehen nach unten. Auch der Export hat nachgelassen. Die deutschen Znckerraffinerien haben einen Antrag an die Reichszuckerstelle gerichtet, wel- djer eine Mehrverteiluna von Zucker für die kommenden Monate vorstebt.

Landwirtschaft: AuSgiebige Reaen ha. ben in vststn Gegenden das Wachstum sehr ae- fördert. In guten Lagen hat die Heuernte be­reits begonnen. Viehmärkte: In Schlachtvieh waren die Preise auf den meisten Märkten schwankend. Der Handel ging vielfach recht flau, bester in Jungvieh. Die Landwirte sind fn der Viehabgabe zurückhaltend geworden und verlegen sich teilweise mehr auf die Zucht. H olzmarkt: Die Lage ist weiterhin recht ruhig und kommen nur wenig Geschäfte zu­stande. Eingeweihte Kreise glauben an eine baU dige Besserung. Wie wir hören, schweben Un­terhandlungen mit der Reparationskommission wegen einer Aufbesserung der Holzdiktatpreise, deren Ergebnis indessen sehr zweifelhaft sind. Baumarkt: IM Vergleich zum Vorjahre ifl eine, wenn auch bescheidene Belebung der Bau­tätigkeit erkennbar. In Stockholm hat eine Bauansstelluna stattgefnnden, die am stärksten mit deutschen Erzeugnissen beschickt war. Die Franzofen fehlten ganz.

GHlachtvkeyprelse.

in Mark fist bett Zentner Lebendgewicht.

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Kühe

BerNn 1. 250700 400-1400 2S0-esn 1000WO#

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Magdeburg 81. 250- 800 300800 300000 900-1300

Dresden 1. 200-750 450- 825 250-825 9001110

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Samburg 26.31. 2001100 800925 300«50 9001250

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Elberfeld 30. 300- 875 500873 300000 8901300

Mannheim 30 . 3008 0 750950 300550 10-01250

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Stan Majas Md.

14) Roman von Hedwig EourthS-Mahler.

Warum und zu welchem Zweck der Schatz ver. Siben worden war und für wen man die Ju­rist hinterlassen hatte, ging aus derselben nicht hervor. Aber es war gaiiz zweifellos, daß es sich um einen bedeutenden Schatz handeln mußte.

Erregt betrachtete nun Professor Werner einige Photographien, die ihm Sven vorlegte.

»Sieh hier, Vater, zufällig haben wir auch hier am Haupteingang des mittelsten Tempels den Figurenfries, von dem die Rede ist, extra ausgenommen, weil uns die Darstellung dieser Legende stark interssierte. Hier siehst du ganz denttich die Mittelfigur zwischen den Säulen. Ich taxiere, daß sie einen Meter hoch und nicht ganz so brett ist. Dementsprechend groß müßte die Oessnunq dahinter fein. Der Fries ist noch ganz unverletzt und demnach ist angunehmen, daß die Höhlung dahinter noch nicht entdeckt toot* bett ist. Wenn also die Bnddhapriester nicht selbst den Schatz wieder gehoben haben, ist anzunch- tnen, daß er sich noch an dieser Stelle befindet."

Professor Werner richtete sich mit strahlenden Augen auf.

.Mein lieber Sven, ich gratuliere dir zu dem schönen Erfolg deiner Arbeit."

»Unsere Arbeit, Vater, du hast daK deine auch dazu getan/ sagte Sven herzlich.

Der alte Herr lächelte.

»Run ja das, was leichter zu entziffern war, habe ich gefunden. Aber dein Anteil an der Arbeit wär der schwerere Der Schüler hat den Meister überflügelt. Ich freue mich neid­los, mein Sohn. Du haft noch die Elastizität der Jugend und Nerven von Stahl. Und ich kann beruhigt mein geistiges Erbe in deine Hönde leaen. Gerade in den indischen Höhlen- tempeln ist noch manches Geheimnis zu erfor­schen. Und jedenfalls hast du der Wissenschaft einen großen Dienst geleistet. Abgesehen davon, ob der Schatz noch an dieser Stelle lagert, hast du doch mit der Entzifferung dieser Inschrift ein wertvolles Dokument geschaffen. Aber wenn ich dir roten darf halte dies Geheimnis noch verschlossen."

»Ich wollte mit dir darüber sprechen, Vater, und deinen Rar ho rem Was soll ich nun tun ?"

Professor Sßerner ging aufgeregt im Zimmer auf und ab. Dann trat er wieder an die Auf­zeichnungen unb Photographien heran unb sah lange darauf nieder. Endlich wandte er sich und blickte in Svens Augen.

»Ich will dir sagen, was du tun sollst. Du wolltest ohnedies Ende des Jahres noch einmal nach Indien reifen, um untere Forschungen fortzugetzen. Du wirst ja bei dieser Gelegenhai auch nach Haidarabad kommen und die HöHlen- tempcl von 21b Manta aufsuchen. Vielleicht kannst du dick schon früher auf die Reise machen tch würde dir raten, so bald als möglich aufzndrechen. Rach diesen Aufzeichnungen wird cs dir nicht schwer werden, den Ort zu finden, wo der Schatz vergraben worden ist. Und du kannst, ohne Aufsehen zu erregen, nachforsch-n. da wir ja in der ganzen Gegend bei den Einge­borenen und bei Den Behörden als harmlose Forscher bekannt sind. Ich an deiner Stelle würde mir erst auf irgend eine Weise Gewißheit schaffen, ob tue Bronzekaflctte noch in der Höh­lung vorhanden ist. Wenn die Mittelsigur zwi­schen den Säulen wirklich mit Mörtel wieder befestigt worden ist, nachdem man sic aus dem Stein gelöst hat, ist dieser Mörtel sicher mit ge­eigneten WerHerrgcn leicht zu entfernen, wcnig- siens so Weit, daß du mit einem Instrument die Höhlung durch einen Mörtelspalt abtastcn &mft Du mußt dich mit solchen Werkzeugen versehen. Bist du deiner Sache sicher, dann gehst du zu den dortigen Behörden und machst dich anheischig, den Schatz nachzuweifen, falls er noch vorhanden ist, wenn man dich mit f'g,-t wir zwanzig bis fünfundzwanzig Prozent am Reingewinn beteiligt"

Sven atinete auf.

So ungtführ hatte ich mir die Sacke auch überlegt lieber Vater. Die Behörden werden allerdings handeln und feilichen, oder versuchen, ganz ohne eine Entschädigung an mich hinter das Geheimnis zu kommen

.Wahrscheinlich. Aber du biss ja McmnZ ge­nug, dir nichts ablisten zu lassen. Vorausgesetzt der Schatz ist nock ungehoben, tobran ich kaum zweifle nach der Lage der Dinge, so wirft du Daran partizipieren. Und ie nach dem Wert

den derselbe heute noch repräsentiert. wird wjn Anteil hoch oder niedrig bemessen sein. Es muß sich schon, nach der angewandten Vorsicht der Buddhapriester, um bedeutende Werte handeln. Edelsteine verlieren ihren Wert nicht. Wer weiß, lieber Sven, ob dich Diese Entdeckung nicht zum reichen Manne macht/

Sven sah mit seltsamen Lächeln vor sich hin. Er dachte an Susanne. Für sie hätte er alle 'Schätze Indiens heben mögen, ihretwegen würde es ihm große Freude machen, reich zu sein.

£y> werde bdnen Rat befolgen, lihber Va­ter. Roch mache ich mir keine Hoffnungen. Habe ich den Schatz nicht, begnüge ich mich mit dem wissenschaftlichen Erfolg. Silber sage, willst du mich diesmal wirklich nicht nach Indien be­gleiten ?"

Professor Werner schüttelte aufsetikzend den Kopf.

»Rein, Sven, damit ist es für mich vorbei. Ich merke doch, Daß ich mich der Siebzig mit Rie­senschritten nähere. War ich doch schon kaum den Strapazen der letzten Reife gewachsen Das kann ich mir nicht noch einmal zumuten. Mein Herz macht mir viel BesckAverde und ich nut8 mit meinen Kräften haushalten/ Sven safte seinen Arm und drückte ihn an sich.

Ich will dir nicht zureden, Vater. Aster leid wird es mir sein, wenn du nicht mit m Es waren doch herrliche Tage, als wir so mit« einem oer die Wunderwelt Indiens durch- streiften."

Die Augen des alten Herrn leuchteten auf.

»Unvergeßlich schöne Tage! Ich werde von der Erinnerung zehren bis an meines Lebens Ende. Was haben wir für unver.gleichlicke Schönheiten gesehen. Wunder der Natur und der Schöpfung menschlichen Geistes. Und im Geiste werde ich auch diesmal mit dir ziehen', mein Sohn."

Die beiden Herren sprachen noch Vie! über diese Angelegenheit. Und später olS sonst gingen sie zur Ruhe.

Sven stand dann noch eine Weile am Fenster seines Schlafzimmers und sah nach dem kleinen Häuschen hinüber, das sein ersehntes Glück barg. Und sein Herz rief sehnsuchtsvoll nach der Gc- liebten.

»Sie muß mich nach Indien begleiten, muß

alle Wunder dieser schönen Welt sehen. Wie sie staimcn wird, wie ihre Augen leuchten werden. Sie ist selbst das schönste Wunder auf Gottes weiter Welt. Meine Susanne mein! Wir werden unsagbar glücklich sein, werden ittettt» anoer aufg-hen eine wundervoll harmonische Ehe führen. Nicht so wie meine Pflegeeltern, die aneinander vorbei leben. Meine Susanne wie liebe ich dich."

Und er ahnte nicht, daß sie ihn betrogen unb ihre Hand einem andern gereicht hatte, wenig Stunden, nachdem sie ibn geküßt.

Heute ist ein Glückstag für mich," dachte er, als er zur Ruhe ging. Unb er träumte, baß er Susanne einen herrlichen Schatz zu Füßen legte.

Arn andern Morgen erwachte Sven mit einem frohen Gefühl. Schnell kleidete er sich an unh ging dann ins Frühstückszimmer hinunter. Dort fand er Frau Berger, die treue Pflegerin seiner Jugend. Sie hantierte am Ftühfmcks- rifch und setzte allerlei Appetitliches zurecht.

Sven umfaßte sie im Ucbermut seines Glücke- und drehte sich mit ihr im Kreis.

Guten Morgen mein Altchen I Schon wie­der auf den Füßen! Du sollst doch nicht so stütz ausstcben/ schall er dann liebevoll und küßte sie auf die Wange.

Lachend rückte sie an ihrer Haube.

Jung', du rungenierst mir ja meine schöne Haube! Bist doch ein Unband und wenn du zehnmal jetzt Professor bist. Warum soll ich nicht stütz aufstehen? Ich bin es mein Lebtag so gewöhnt und will es auch nicht anderes ha­ben. Grad die Morgenstunden sind für mich die schönsten. Da hab ich doch was von dir. Wenn nachher Herr nnd Frau Professor auf sind, bann hab ich nichts mehr von bir."

(Fortsetzung folgt.)

Humor in ernster Zeit.

Die Militärhose. Neulich suchte ich mit eine alte Militärhose heraus und bracht« sic zu meinem Schneider, um sie für den täglichen Ge­brauch zurecht machen zu lassen. Stolz auf meine schöne Zivilhose, Die ich nun besitze entfalte ich bi« beiliegenbe Rechnung:Den Militarismus aus einer Hose entfernt zehn Mark."