Einzelbild herunterladen
 

Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Tie Kasseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abends. Der AbonnementSpreis beträgt monatlich 6.00 Mark bet freier Zustellung in» Haus. SuS- würrs durch die Post bezogen 5.30 Mark monallich etnschlieblich Zustellung. Bestellungen werden lederzstl von der EeschLftLstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, Ber^g und Redaktion-. Schlachthofstrabe 28/30, Kür unverlangt eingesandte Beiträge kann di« Redaktion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung der Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen envaigerntcht ordnungSmabiger Lieserung ausgeschlossen.

InserltonSpreisev y Einheimische Austräg«! Xie einspaltig» Anzeigen.Zeile M. L20, die einspaltige Reklamezeile M. 3.» b) Auswärtige Aufträge: Die einspaltig» AnzeigenzeU» M. L50, di« einspaltig« Reklamezeile M. 8.50, alle» einschließlich TeuerungSzuschlag und Snzeigensteuer. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Ausschlag Für dir Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für «ufnahme- daten und Plätze kann eine Bewahr nicht übernommen werden. Druckerei: Schlacht- hofstratze 28/30. Geschäftsstelle: Kölnisch« Straß« S. Telephon Rümmer 951 und 952.

Nummer 125

Dienstag, 7. Juni 1921

11, Jahrgang,

Fernsprecher 951 und 952

Fernsprecher 951 und 952

Das Problem der Zahlungen.

DeutschlandsZukunst.

Dürfe» wir hoffe»?

In Frankreich spricht man gern von dem Zeit alter des Reichtums, dem Deutschland gerade jetzt entgegengehe. Obwohl Frankreich kei­neswegs das Seinlge tut, um diese Entwicklung, die es doch um seinetwillen hetbciwünschen müßte, zu fördern, sollten doch auch wir eine zuversichtliche Voraussage nicht einfach mit trü­bem Lächeln ablehnen, sondern sie möglichst un­befangen auf ihre Wahrscheinlichkeit prüfen. Kei- neAfalls darf man gegen die Hoffnung auf wirt- fchastlich bessere Zeiten und noch weniger gegen das Bestreben, sie nach Kräften herbeizuführen, einwenden, daß Deutschland umso mehr bezah­len müsse, je mehr es erwerbe. Das ist, inner­halb ztenmch weitgezogener Grenzen, vielleicht richtig, spricht aber nur für, nicht gegen eine vermehrte Anstrengung. Deutschland ist in der Lage eines Mannes, der sehr hoch be­steuert wird; er wird immer noch lieber von einem großen Einkommen entsprechend viel Steuern zahlen, als die Vorteile der niederen Steuerklasse bei einem geringen Einkommen zu genießen. Was aber erwirbt das deutsche Volk und was kann es zu erwerben hoffen? Zur Be­zifferung des Volkseinkommens gibt es heute drei Werteinheilenr die Papiermark, die Gold- mark und die .Friedensmark- entsprechend dem Werte dessen, was vor dem Krie-g für eine Mark zu kaufen war.

Um 1913 hatte Deutschland ein Volkseinkom­men von rund vierzig Milliarden Mark. Heute beträgt dies Einkommen nach günstigster Schät­zung dreihundert MiNarden Papiermark oder /nach dem Sachwert, nicht nach dem Kurs be- rechnetl dreißig Milliarden Goldmark. Auch diese dreißig Milliarden GoMnark aber sind weniger, als sie scheinen; da die Kaufkraft des Goldes ge­sunken ist, bedeuten steetwa vierundzwan- zig MilliardenFriedenSmark". Das tat­sächliche deutsche Einkommen verhält sich also zu dem früheren heute bestenfalls wie drei zu fünf. Aber man muß, um vergleichen zu können, nicht nur mit der früheren Höhe, sondern auch mit der gleichsam natürlichen Zunahme des deutschen Eiickommens rechnen. Die betrug in den Jahren vor dem Kriege jährlich drei vom Hundert. Ohne Krieg und Kriegsfolgen hätte Deutschland (in seinem jetzigen Umfangs um 1930 ein Volksein­kommen von 66 oder, unter Umrechnung auf den heutigen GoKwert, von 82 Milliarden erreicht. Die Ursachen solcher Zunahme: Bevölkerungs­zuwachs, verhältnismäßig noch rascher anwach­sende Zahl der Arbeitskräfte, technischer Fort­schritt bestehen jedoch weiter und haben selbst während der letzten sieben Jahre, gleichsam un­terirdisch, fortgewirkt; man darf sie nicht außer Berechnung lassen. Nimmt man an, daß Krieg und Kriegs folgen das bezifferte Ergebnis dieser Entwicklung um ein volles Drittel kurzen, so bleibt um 1930 noch ein mögliches deutsches Einkommen von sünfundfünfzig Gold- Milliarden, oder ans Preise von 1913 umge- rechnet von vierundvierzig Milliarden. Wir brauchten also die Hoffnung nicht aufzugeben, daß Deutschland schon in einem Jahrzehnt, selbst nach Abzug der Auslandsabaaben, den Grad des Wohlstandes erreicht, den es unmittelbar vor dem Kriege innohatte, vorausgesetzt natürlich, daß die Entwicklung der deutschen Volkswirt- ichaft nicht von außen her gehemmt würde.

Darin liegt aber gerade die Gefahr. Die AM- terten, vor allem Frankreich, wollen gar nicht, daß sich Deutschland schnell erholt. Sie tun alles Mögliche, uns niederzuhalten. Sie verlangen von uns Leistungen, die unsere Kraft übersteigen. Die feste und bewegliche Leistung an den Verband sollen im Jahresdurchschnitt etwa drei bis vier Milliarden Goldmark erreichen. Das sind, gering gerechnet, dreißig bis vierzig Milliar­den Papiermark. Die Gesamteinnahmen des Reiches haben 1920/21 etwa fünfzig Milliar­den Papiermark ergeben, ohne aber den Aus- gabenbedarf zu decken. Moser ist um fünzig bis sechzig MiNarden Papiermark höher, der einstweilen als Fehlbetrag durch schwebende Schulden beglichen wird. Nun können wir nickst einfach neue Notenpressen aufftellen, um dreißig bis vierüg Milliarden Papiermark mehr zu druk- tin. Wir haben nicht in Papiermark, sondern in Goldmark, das heißt in Waren oder in Waren­wechseln zu leisten. Für das Reich besteht nun die Aufgabe darin, die feste Jahresrate von zwei Milliarden Goldmark unmittelbar auf Mb ringen Hier sind auch Sachleistungen möglich und zu- gelassen. da es einen anderen Weg der Aufbrin­gung überhaupt nieht gibt. Zunächst kommt der Gegenwert für die Kohlenlieferungen in Be­tracht. Es ist beabsichtigt, den Inlandspreis für Kohlen so hoch anzusetzen, daß er den Preis auf den Auslandsrnärkten erreicht. Das soll ge­schehen, um nicht unter der Last der Kohlenauf- lage allein zusammenWbrechen. Zurzeit vergütet uns der Verband nur den Inlandspreis für Kohlen, der weit unter dem Auslandspreise liegt. Der Ausgleich soll durch die wertere Anifpannung der Kohlensteuer geschaffen werden. Gelingt

es, auf diesem Wege In- und Auslandspreise zu nähern, so ist daurit schon ein Teil der festen Jah­resrate beglichen. Aber leider hat auch das deutsche Volk wieder darunter zu leiden. Bei allem wirb vorausgesetzt, daß wir unsere Koh- lenförderung beträchtlich steigern. Das April­ergebnis beträgt nur rund neun Millionen Ton­nen Steinkohlen, gegen 11,5 Millionen im März Me Ursache dieses Rückganges ist der Fortfall der Ueberschichten. Wenn alle leisten müssen, dann dürfen auch die Bergarbeiter nicht znrück- stehen. Me wollen es in der Mehrzahl auch nicht, aber sie werden ständig von linksradikalen Elementen beunruhigt, deren Absicht es ist, zu­nächst die Kohlenwirtschaft zu zertrümmern. Das Minderergebnis für April zeigt auch, wohin wir kommen, wenn die Siebenstundenffchickt einge- Mrt wirb. Wir müssen unsere Kohlenförderung steigern, um nicht nur die eigene Wirtschaft zu versorgen, sondern um auch erhebliche Mengen für die Ausfuhr in neutrale Länder freizubekom­men Nur das stellt die Tragfähigkeit für dis Verbandsleiftungen einigermaßen her. Dr. C.

Erfüllung des AltimaMms.

Eine Rede des Minister» Schiffer.

(P rivat-T elear amm.)

Elberfeld, 6. Juni.

Auf dem demokratffchen Parteitag sprach Reichsminister Schiffer über Vie politische Lage. Zur Frage der Annahme bcS deutschen Ultimatums wies er darauf hin. daß jedes Rein", um nicht nur gesprochen, sondern auch ansgeführt zu werden, die eine Voraussetzung habe, daß das ganze Volk geschlossen hinter die­sem Rein stehen müsse. Es hat sich gezeigt, daß diese Voraussetzung beim deutschen Bolle nicht gegeben sei. DaS Grundproblem der Er­füllung ist nach Schiffers Ansicht keine rein wirtschaftliche, sondern auch eine polit'ischc Frage, weil hier wiederum die großen wirtsckmst- lichen Zusammenhänge und Probleme hineinspie­len. In der oberschlesischen Frage wurde eine Entschließung angenommen, die dem Reichskanz­ler übermittelt wurde, und in bet schärfster Ein­spruch gegen die Vergewaltigung Ober­schlesiens durch polnische Banden unter Dul­dung der Franzosen erhoben wird.

* * *

Beratung über Die Zahlungen.

Berlin, 6. Juni. (Privattelegramm.) Zu Besprechungen über die Durchführung des En­tente-Ultimatums sind die SachverftSnbi- g e « zum 1L Juni in bas Auswärtige Amt be­rufen worben. Auch die einzelnen Steurrvor- lagen sollen ihnen vorgel^gt werden. Der Ne- parntionskommission sind am 31. Mai als zweite Rate aus die eine Milliarde Golbmark fünfzig Millionen Golbmark angeboten worden. Diese sünfzig Millionen Golbmark sind nun­mehr in ber gleichen Weise wie die hunbertunb- fünf$ig Millionen Golbmark für bie Frederal Re­serve-Bank in Rewyork überwiese« worbe«.

'»le JMlliarden-BesetzungSkosten.

Rotterbam, 6. Juni (Eigener Drahtbe­richt.) DieTimes" melbe.t den Eingang einer neuen deutschen Note bei den Alliierten ne gen bie Belastung Deutschlands mit den B e - setzungskosten. Nach ber deutsck/en Aufstel­lung seien bie Kosten für die Rheinlandbefetzuuq von 2,8 Milliarden Mark im Jahre 1919 auf 3,9 Milliarden Mark im Jahre 1920 gestiegen, und sie würden nach den Aufwendungen in den ersten vier Monaten des Jahres 1921 auf 4,5 Milliar­de« sich steigern. Tiefe Summe neben bet Wieder­gutmachung zu zahlen, sei Deutschland unmöglich.

ÄaterlänöischeKunögebung.

Au der Porta Westfalica.

(Privat-Telegramm.)

Minden i. Wests 6. Juni.

Gestern sanden sich am Pottadenkmal weit über zehntausend Männer und Frauen aus dem ganzen Mindener Bezirk zusammen zu einer großen vaterländischen Kundgebung. Es spra­chen Abgeordneter Koch-Dehnhausen über gei­stige Erneuerung, Abgeordneter Ritte r-Berlin über deutsche Volksgemeinschaft und Universi- tätsproffeflor Dr. Röte-Berkin Wer nationale Auferstehung. Es wurde folgende Entschlie­ßung einstimmig angenommen: »Zehntausend Männer und Frauen am Kaiserdenkmäl an der Pona versammelt, sind entrüstet darüber, daß die Lüge von der Schuld am Kriege durch unser Schweigen inimer neue Nahrung erhält und er­warten unter dem Druck der Leipziger Prozesse gegen dcuffche Kriegsteilnehmer, daß die Reichs­regierung nun endlich die deutsche Gegen­liste veröffentlicht ind> endlich den Uxr mögli­

chen Nachweis von der weltgeschichtlichen Schuld der Feinde am Kriege fichtt. Wir grüßen die deutschen Brüder in Oberschlesien bei ihrem verzweifelten Kampf und fordern von der Reichsregierung, daß sie das Aeußerste tut, um Qberschlesien dem Vaterlande zu erhalten."

Aus Oberschlesien.

Dauernde Ausschreitungen der Pole».

(Eigener Drahtbericht.)

Breslau, 6. Juni.

Die polnischen Aufrührer begingen wieder schwere Ausschreitungen in O str ow o. Im Ver­laufe von Straßendemonstrationen gegen bie Deutschen kam es am 4. Juni zu Plünderun­gen deutscher Geschäfte und Wohnungen. Biele Deutsche wurde» mißhandelt. Die Poli­zei erwies sich als machtlos. ES mußte Mllitär herangezogcn werden, um bie Ruhe toicber her- zustellen. Die polnische Arbeiterschaft hat bie Entlassung ber beutschen Arbeiter einer Waggon­fabrik erzwungen. Tie beutschc Bevölkerung wurde mit weiteren Plünderungen bedroht, wenn sie nicht sofort auswandere. Während der Unruhen sind einige zwanzig deutsche Ge­schäfte vo» den Polen ganz oder teilweise g e - plündert worden. Mehrere Deutsche er­litten Verletzungen. Die Unruhen haben sich am Sonntag mittag erneuert, wobei die polnische Polizei sich wieder passiv verhielt.

* * *

Brutale polnische Willkür.

B r e s l a n, 6. Juni. (Privattelegramm.) Beim Uebergang des deutschen Selbstschutzes Wer bie von ben Polen bei Slowenitsch ge­sprengte KlodnitzbrÜckc stürzte ein noch stehender Restteil ein unb forderte acht Tote und zwölf Verwundete auf deutscher Seite. An dem Industriegebiet herrscht vollständige Drs- ziplinlostgkeit unter den polnischen Insurgenten. Sie üben besonders in Hindenburg eine brutale Willkürhetrschast aus. Die Franzosen tun nichts gegen die polnischen Banden und dul- ben. daß die Pole« bie Gefangenen mißhan­deln und Löfegeld erpresse«.

Das englische Dorgehen.

Berlin, 6. Juni. (Privattelegramm.) AuS Oppeln wird gemeldet: Der englische General Hemitter gibt bekamst, daß er das neue Was­sen stillst andsangebot der polnischen Insurgenten an ben englischen Stab abgelehnt habe. Zwischen Kreuzburg unb Lnblinitz ist eng­lische Artillerie in die polnischen Stellungen ein« gedrungen. Gegen Pletz waren i« ber letzten Nacht neue polnische Banden mit Geschützen im Anmarsch aus ber Richtung Rybnil.

Anwetter-Nachrichten.

Aus dem südwestlichen Dentschland.

lPrivat-Trlegramm.1

Frankfurt a. M., 6. Juni.

Am gestrigen Sonntag nachmittag entlud sich ein Gewitter von ungewöhnlicher Heftigkeit über Frankfurt und das Untermainge­biet, das überall großen Schaden anrich- tete. In ber Stadt Frankfurt schlug der Blitz viele Bittle ein. Verschiedene Male hat der Blitz in bie Straßenbahnleitunge« unb i« Straßenbahnwagen eingeschlagen. Die beschübig- tcn Wagen mutzten fortgeschafft werden. Mo ein Braud entstand, konnte er jedoch bald gelöscht werde«. Ungeheure Wassermengen ginge« nieder. I« ber Umgebung des Bahnhofs waren bie Straßen in einen See verwandelt. Ber- schiedene Gebiete des badischen Landes wurden am Sonntag von einem schweren Un­wettet heimg^ucht, so vor allem bie ©eßenb um Buchen, bet Taubergrund «sw. In Buchen hat cs saft eineineviertel Stunde gehagelt. Die Ernte ist vernichtet, das Obst von bett Bäumen gerissen. Die Hagellöner lagen stellen­weise bis zwanzig Zentinleter hoch. Das UMvet- ter richtete unübersehbaren Schoden an.

Lewitter über Berlin.

Berlin, 6. Juni. (Pirvattelegramm.) Im Laufe des gestrigen Tages sind in Berlin bei dem Unwetter fünf Blitzeinschläge gezählt worden. Tödliche Folgen hatte jedoch keiner. Mehrere Todesopfer Hal dagegen das Ba­den an verbotener Stelle gefordert. Allein im DiüggeUee fanden vier Personen de» Lad.

Bergseler.

Kundgebung auf dem tzeiligenberg.

Di« Deatsche Bvlkspartet veranstaltete am gest» eigen Sonntag eine vaterländisch« Bergseier ans dem Seurgender, del Geusungen. Ein Sonderzug brachte mehrere Uanfende FestteU- oehmer nach Eensnngen. Neber den Verlaus der Feier berichtet unser H. k -Mitarbeiter. Ein langer Menschenstrom schlängelte sich bie Bergstraße vdn bem Dorfe Gensungen zum Hei- ligeuberg hrncm, ber trotzig das umliegende Hü­gelland krönt. Es ist sehr heiß. Dunstig lagert es sich über die Fluren, doch sieghaft fchnellt die Sonne ihre blitzenden Strahlen herab. Unb rund umher ist ein Leuchten, ein Jubeln unb Freude Zuerst geht es eine staubige, sonnige Landstraße entlang, doch bald spenden Buchen unb Tannen erlösenden Schatten. Das letzte. Ende hinauf ist ein wenig steil. Daun ist Rast.

Im Kreis stehen zwei Reihen von Birken und in ber Mitte elfte Linbe. Die Menschen nehmen auf schlichten Holzbänken Platz. Ter Blick schweift hinüber ins Tal. Zfarrer R em p- p i s aus Wabern steigt aus eine rasch errichtete Kanzel. Worte klingen an bie Ohren ber Hö­rer, bie reben von sittlicher Wiedergeburt und Erneuerung. Psalmworte mischen sich hinein, so klar wie Tautropfen. Lautlose Stille herrscht. Leise rascheln die zarten Blätter der Birken und ein Vöglein mischt sein helles Sümmchen be­scheiden hinein ... Die Worte des Pfarrers klingen frisch und freudig und seine Augen glän­zen. Und alles erwacht wie aus einem Traum, als zarte Mödchenstimmen das alte Luthersche Schutz- und LrutzliedEin feste Burg ist unser Gott" a,-stimmen, das sich fortpflanzt durch die andächtig verfunkene Menge und anschwillt, daß erschrocken des Vögelchen sehnsüchtig Lied in den Zweigen verstummt. ...

Dann lagerte sich die Menge umher oder be- stesift die Kuppe des Berges, auf dem dereinst eine stolze Feste trutzig in die Täler hernieder­schaute. Seltsam ist es, streicht man mit der Hand über das grobe Gestein, das der einzige Zeuge entschwundener Macht ist. Weit schwerst der Blick ins Tal. Wie eine silberne Kette win­det sich die Edder hindurch. Drüben liegt die . Hessische Schweiz" und gerade gegenüber dem Heiligeuberg ans einem kecken Fels die Felsburg oberhalb des Dörfchens Felsherg. Unweit da­von in einer Biegung der Edder liegt auf einem Berg die Feste Altenburg. Wir sind wieder ans der Festwiese angelangt. ReichStagsabgeord- ncTer Hepp hält eine kurze, aber schneidig« An­sprache, deren Kerninhalt die starke Betonung d?S deutschen Nationalbewußtseins ist. Dr. Stresemann, ber zum Schluß noch sprach, be­merkte zu Hepp:Da haben Sie fa alles gesagt unb mir nichts übrig gelassen

Einige Mitglieder der Jugendgruppe musi­zieren unter der schönen Linde, und tanzen alt­deutsche Reigen. Margareten und Kornblumen tragen die Mädchen im Haar, das offen über ihre j'.iaendl!chen Schultern stießt oder in zwei dicken Zöpfen im Tanze luftig fliegt. Ein rei­zender Anblick, der froh stimmt.

Reichstagsabgeordneter Dr. Stresemann, mit lautem Jubel empfangen, teilt in seiner Rede mit daß der Reichskanzler Dr. Wirth ihm folgende Erklärung überreicht hätte:Tie oemo- kratrsche Fraktion erklärt, aus der Koalition austrettn zu müssen, wenn bie Deutsche Dolks- parrei brm Vertrauensvotum nickst zu stimmt. In biefern Falle müßte er bie Auflösung des Reichstages ins Auge fassen." Man sieht dar­aus, so meint Dr. Stresemann, welche Macht Die Deutsche Volkspartei verkörpert. Diese Er­klärung sei die beste Anerkennung, denn nun sehe man ein. daß es doch wohl ohne die Deut­sche Volkspariei schlecht ginge. Der Redner ermahnte bann, bas nationaldeutsche Empfinden nicht zu vernachlässigen und es zu einer Selbst­verständlichkeit werden zu lassen. Die mehr be­rüchtigte als berühmte Objektivität der Deut-" schen solle man bei nationalen Fragen unbe- rücksichtrgr lasser Für ben wahren Deutschen stehe sein Deutschlanb im Vordergrunb ber In­teressen. Von beiy Wahn von der Rettung durch den Jirternationalismus solle man lassen .Deutschland kann nur Deutschland helfen!" Was wir von der Demokratt^zu erwarten ha­ben. sehe man an der'Antwort auf unser demo- krGisches Gcbähren 1918: der Friede zu Ver­sailles! Mebr Achtung müßten wir haben vor Deutfchlouids Veraangenheit unb nicht mit Spott unb Hobn seine Ruhm- unb Glanzzeiten Wer­gs Heu wollen, sondern sich daran begeistern uns sich daran bochrichten. Wer da glarrbt, Deutsch­land schmähen zu können, der wolle mit ihnen hier oben nichts zu tun haben. Das deutsche Volk müsse noch einmal erwarben und fein« istamlematur abstreffen. bie es nur tn vagen Zweifeln von Hanbl»"-gsn abschreckt Es ist fdiabe. baß der Platt mangelt. die Rede des Reichswascrbgeorbneten Dr. Stresemann hier gan, wiederzugeben

^bluk vielt man etnert Schwank SoE