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Kaffeler Abendzeitung

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Meter Nemste Nachnchtm

Hessische Abendzeitung

11. Jahrgang

Donnerstag, 2. Juni 1921

Fernsprecher 951 und 952

Nummer 121

Fernsprecher 951 und 952

Endlich Maßnahmen gegen die polen.

Riesen-Ausgaben.

Die Zahlung der Kriegsentschädigung.

Das Wiedergutmachungs-Programm stellt die deutsche Flnanzwirtschast vor die Noüvendtgteit, für eine ganze Reihe von Jahren eine Summe von nicht weniger als vierzig bis fünfzig Milliarden Mark in Papier aufzubrin­gen. Wir muffen damit rechnen, in unserem demnächfftigen Staatshaushalt diese Summe ein» zustellen. Wir sind das Denken in Milliarden Mitüerweile schon so sehr gewöhnt, daß wir uns Wohl kaum eine zureichende Vorstellung da- von machen können, was diese Summe von jähr­lich vier Milliarden Goldmrrk für unser Wirt­schaftsleben bedeutet. Man ist versucht, diese Riesensumme in Vergleich zu stellen mit Sum­men von ehedem. Man tonnte darauf verweisen, daß eine einzige Reparations-Jahreszahlung in GolLmark fast der gesamten ftanzösischen Kriegs­entschädigung gleichkommt, und daß, in Papier gerechnet, Deutschland in einem einzigen Jahre das Zehnfache dieser Summe aufzubringen hat. Wir müssen uns. um ein vollkommen klares Bild über unsere demnächstige Finanzlage und die fi­nanziellen Notwendigkeiten zu erhalten, aber fol­gendes vergegenwärtigen. Allein die demnäch- stigen jährlichen Reparationszahlungen kom­men dem Betrage unseres gesamten gegenwär­tigen Reichshaushaltes gleich Mit an­deren Worten: Wir müssen allein aus Anlaß des verlorenen Krieges so viel aufbringen, wie wir für alle Bedürfnisse des Reiches, für feine ge­samte Verwaltung» für alle seine Einrichtungen, für alle seine Unternehmungen und dergleichen an jährlichen Unterhaliungssummen zu beschaf­fen Halm.

Damit aber noch nicht genug. Zu diesen fünf­zig Milliarden jährlicher Kriegsentschädigung, nut denen also unser bisheriger Reichseiat nicht belastet war, künftig aber auf viele Jahre hinaus belastet fein wird, kommen nun aber auch noch die Besatzungskosten, die ebenfalls in das Kapitel der finanziellen Folgen des verlorenen Krieges gehören, und die für die Folge auf min­destens fünfundzwanzig weitere Papiermilliar- ben berechnet werden müssen. Wir werden also in Zukunft mit nicht weniger als fünfundsiebzig Papiermilliarden jährlich allein für die un­mittelbaren Zahlungen aus Anlaß des verlore­nen Krieges belastet fein, die mittelbaren finan­ziellen Wirkungen, die sich aus der gegenwärtigen Lage Deutschlands in Polttik und Wirtschaft er­geben, sind dabei noch gar nicht einmal in Be­tracht gezogen. Wollten wir diese fünfundsiebzig Milliarden Papiermark auf die Bevölkerung des deutschen Reiches, wie sie nach der Abtrennung bar Gebiete aus Grund des Versailler Verttages verblieben ist, »erteilen, so würde jeder einzelne Deutsche einen Bettag von 1500 Mark jährlich allein für die Reparationsverpflichtungen an die Entente zu entrichten haben.

Nun steht man vor der Riesenaufgabe, die Deckung für diese ungeheuerliche Summe zu beschaffen. Wir wollen es in Betrachtung der Decknngsmöplichkeiren nur einmal mit den für die eigentlichen Reparationsverpflichtungen an­genommenen fünfzig Papiermilliarden jährlich bewenden lassen. Wir müssen uns dabei steilich vor Augen halten, daß der gegenwärtige Reichshaushalt schon einen Fehlbetrag von nicht weniger als achtzig Papiermilliarden auf­wies. Daß diese Summe sich für den neuen Reichshaushaltsplan nicht vermindern kann, ja. daß sie sich noch ganz außerordentlich steigern muß, liech nach Lage der Dinge auf der Hand. Schließlich ist aber die Frage der Deckung des Reichshaushrlts-Defizits eine rein innerdeutsche Angelegenheit, mit der wir uns selber auseinan- dcrzusetzen haben. Die Frage der Deckung für die fünfzig Papiermilliarden der Reparations­zahlungen ist aber keine Angelegenheit mehr, die nur uns allein angeht. Durch das Londoner Ultunatirm und durch die finanzielle Regelung, die mit ihm künftig Platz greift, ist unsere ge­samte Reparationsschuld gewissermaßen intet- nationalisiert. Wir sind eine Verpflichtung ge­genüber den mächtiosten Ländern der Erde ein­gegangen, und gewissermaßen die ganze Welt ist an der pünktlichen und sicheren Ableistung dieser Schuldsumme durch Deutschlünd dadurch intet* ejlstert, daß die deutschen Schuld-Bonds vom in- temationalcn Finanzmarkte ausgenommen wer­den sollen.

Die Deckung, die wir für die fünfzig Milliar­den jährlich beschassen müssen, wird daher gut nicht ausschlaggebend unter nur innerdeutschen Gesichtspunkten in Angriff genommen werden müssen, sondern wir müssen uns bei der Lösung dieser Aufgabe auch so schwer und hart uns das «nkommen mag, nach bestimmten außerhalb un­serer politischen Machtsphäre stehenden Faftoren richten. In erster Linie kommt dabei die Ver­rechnung für die deutschen Kohlenliefe­rungen an die Entente in Frage. Eine Folge wird sein, daß die Kohlenpreise aus den Stand ocs Weltmarktpreises erhöbt werden Nüssen. Bisher war e$ in Wirklichkeit so, daß wir durch den Unterschied im Preis unserer Koh­

len gegenüber dem Weltmarktpreis der Entente die deutschen Kohlen viel zu billig verkauften, daß wir der Entente recht beträchtliche Summen also gewissermaßen schenken. Die Erhöhung auf den Weltmarktpreis hat allerdings inner- politische Bedenken, denn wir würden >ann im Inlands die Kohlen noch teurer bezah­len müssen. Dagegen muß eine Maßnahme ge­troffen werden, damit nicht die inbuftneöen Er­zeugnisse verteuert werden und der HanSbranv bis zur Unerträglichkeit belastet wird. Es könn­ten vielleicht für gezahlte K ohlensteuern ent» brechende Rückvergütungen vom Reich an die Länder und Gemeinden geschehen. Man erffebt ans diesen Andeutungen, vor welche Rie­sen-Aufgaben das deutsche Reich und die deutsche Volkvertretung dem rächst gestellt werden, und wie sehr jeder Einzelne von uns von den kom­menden Dingen unmittelbar berührt wird. *ss*

Am Oberschlesien.

Alliierte Truppen gegen die Polen.

(Eigener Drahtbericht.)

Opprtn, 1). Juni

Die eingetroffenen englischen Truppen, sechstausend Mann, gehen unter General Hen- niker am Donnerstag oder Freitag In das Aufstandsgebietvor. Ihnen schließen sich viertausend Franzosen an unter einem fran­zösischen General. Der englische General Hen- niler wird den Insurgenten eine vierlmdzwan- zigstündige Frist zur Riederlegung der Waffen stellen, nach deren Ablauf die englische Artillerie gegen die Stellungen der Insurgenten eingesetzt werden soll. Aus London wird gemeldet: Im Untechai.se teilte der Kriegsminister mit, drst England zwei Divisionen für Ober- fäffciich bereitgefteöt habe. Aus eine Anfrage des Abg. Henderson, wie wett die Vollmachten des Generals Henniker gehen, antwortete der Minister Churchill: Bis zur Befreiung der von den Insurgenten besetzten Gebiete. Ein Ba­taillon Engländer,' das in. Oppeln liegt, hat für heute, den 1. Juni, Auftrag erhalten, die Stadt Groß'Strehlitz im Sturm zu nehmen.

* » Der Oberste Rat vertagt.

Paris, 1. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Die Antwort der französischen Regierung auf die englische Rote über Oberschalen tst ge- stern abend dem englischen Botschafter in Parts übergeben worden. In der Rote wird gesagt, daß die französische Regierung eine Gmberulung des Obersten Rates nicht für notwendig halt, um die Mitglieder der vorgeschlagenen Dachverstan- digen-Kommission für Oberschlesien zu ernennen. Erft wenn der Bericht dieser Kommtftion vor- liegt, wäre es angebracht, den Obersten Rat nach Voulogne einzuberufen. Frankreich fordert außerdem bte e nglische Regierung aus, alte Schritte in Berlin, Warschau und Oppeln zu unternehmen, um die Maßnahmen zu tteffen, die die Lage in Oberschlesien erfordert.

*

Die polnisGen Ausrührer.

Oppeln, 1. Juni. (Eigene Trahtmeldmtg.)

Landsberg besetzten die Polen ein Waldstück, das im Gegenangriff wieder genommen wer­den konnte, wobei die Polen fünf Tote hatten. Albrechtsdors wurde mit zwanzig Schutz Arttlle- riefeuer belegt. Bei Kretzscham explodierte die Lokomotive eines polnischen Panzerzuges. Sie wurde vou einem Warschauer Lokomotivfüh­rer bedient, der den Mechanismus nicht kannte.

Bayerns Entwaffnung.

Die Regierung hat Anweisung erteilt.

(Privat-Telsgramm.)

München, 1. Juni.

Tas bayrische Kabinett hat am Montag abend dem Reichskommiffar für die Entwaffnung an­gezeigt, daß tut Durchführung der Entwaff­nung in Bayern die erforderlichen Anwei­sungen erteilt worden sind. Der Landes­hauptmann der bayrischen Einwohnerwehren wird in den nächsten Tagen einen entsprechenden Ausruf an alte Einwohnerwehren Bayerns er­lassen MinisterPräsident v. Kahr erklärt, daß v.e bayrische Regierung entMossen fei, alles zu tun, was ihr möglich sei, wobei die Termine tunlichst eingehalten werden sollen. Da­gegen sei die Regierung nach wie vor der An­sicht datz die Einwohnerwehren nicht a n f g e - l ö st zu werden brauchen. In einer Zusam­menkunft der Hauptleute der bayrischen Ein­wohnerwehren mit Forstrat Escher ich wurde eine Entschließung angenommen, in der zum Ausdruck gebracht wird, daß das von der bayri- fffjen Regierung dem Reich und der Entente An- gebotene die Grenze des Möglichen bar-

stellt. Dem Ministerpräsident und dem Landes­hauptmann wurde das Vertrauen ausgesprochen.

Französische Vorschläge.

Maßnahmen nm Sberschlefien.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 1. Juni.

Die französische Regierung schlägt eine Reihe von Maßnahmen und Schritten vor, welche die Ruhe und Ordnung in Oberschlesien wieder Her­stellen sollen. L Eine geeignete Mion der alli­ierten Vertreter in Berlin und Warschau, um beide Regierungen zur völlige« Entwaff­nung und Einstellung der Feindseligkeiten in Oberschlesten zu veranlassen. 2. Die Absendung einer Mitteilung der alliierten Kommission in Oppeln, die der Bevölkerung von Oberschleflen den Rat erteilen soll, sich ruhig zu verhal­ten. 3. Die Ernennung einer Sachverständigen­kommission, die die stattgefttndene Volksab­stimmung zu kontrollieren hat und die geo­graphischen und wirtschastlichen Fragen prüfen wird, die zur Vorlegung an den Obersten Rat unentbehrlich find. Hierauf soll der Oberste Rat zusammenberufen werden, um nach allgemeiner Kenntnis der Berhältniffe eine Entscheidung zu treffen, wie die . Ruhe und Ord­nung in Oberschlesten wieder hergestellt wer­den kann, gemäß der Rede Briands im Senat.

Der deutsche Selbstschutz.

n, i. Jur^. (Privattelegramm.) Ge­neral Höfer hat gestern der interalliierten Korn- misston feine Antwort auf das ihm im Auftrage Le RondS durch einen französischen Oberste« ge stellte Ansinnen, mtt den Polen zu verhan­deln, erteilt Der General legt entschieden Verwahrung dagegen ein, daß von der in­teralliierten Kommission die Formationen des deutschen Selbstschutzes mit den polnischen In surgenten auf die gleiche Stufe gestellt werden. Den Vorschlag der Entente, eine neutrale Zone zu schaffen, müsse er unter den gegenwärtigen Umständen nvlehnen. Es.sei bei der äugen- blicklichen Sage ausgeschlossen, die von den Selbst­schutzformationen gehaltenen Linien zu räumen.

Die Leipziger Vrozeffe. Verhandlung der dritte« Anklage.

(Privat-Tclegramm.)

Leipzig, "L Juni.

Gestern begann die Verhandlung gegen den 30 Jahre alten verheirateten Arbeiter August Reumann aus Güstrow. Hierzu sind fünf­zehn deutsche und fünfundzwanzig englische Zeugt« gelobe«. Die englischen Zeugen gaben an, sie hätten an mehreren Tagen von früh bis mittag stillstehen müssen und da sie schließ­lich vor Kälte gezittert Haden, habe der Ange- flagte ihnen erlaubst sich zu bewegen. Ter Än- gcüagie gibt an, er habe den Gefangenen i« die- fern Falle warmen Kakao gebrachst Irgend wel­che Gewalt habe er gegen die Gefangenen nicht angewendet Es werden dann die Protokolle von yftr unter dem englischen Polizeigericht »er. nommenen Zeugen verlesen, ans denen hervor­geht, datz die englischen Gefangenen an einem Tage streiken wollten und dafür von den Wachmannschaften geschlagen worden seien. Auch der Angeklagte Reumann habe fte geschlagen. Der deutsche Zeuge, Direttor Hörne- mann aus Stettin, hat von Ausständen wegen »er Verpflegung nichts gehört. Zeuge Krause hat nicht gehört und nicht gesehen, daß Reu- mann die Gefangenen mißhandelt habe. Zeuge Aufseher Bergmann sagt aus, daß die Gefange­nen gut behandett worden seien. Er sei einmal von einem Engländer geschlagen worden.

Der frühere Landgendarm List bestätigt, daß ein englischer Gefangener den Auffeher bei der Ar­beit ins Gesicht geschlagen habe. Der Bngeflagte teilt mist daß auch noch andere Auffeher von den Engländern geschlagen worden find, was bet Zeuge Bergmann bestätigst Tie anberen sechs deutschen Zeugen betätigen, daß die Engländer nicht arbeiten woll­ten. Reumann fei ein anständiger Mensch ge­wesen Er habe die Gefangenen nicht geschlagen. Ein Zeuge sagt noch ans, daß es die Gesänge- nen besser gehabt hätten als die deutschen Sol­daten. Der Zeuge Webb bekundet, daß bte Ar­beit schwer war. Er hätte vorher in seinem Le­ben nie einen Sack getragen. Deshalb konnte er den Sack nicht austichten. Er will gesehen ha- ben, wie der Angeklagte einen anderen engü- sihen Gefangenen geschlagen habe, weil er nicht schnell genug arbeitete. Darauf wird die Ver­handlung um acht Uhr abends abgebrochen und ans Mittwoch Vormittag vertagst

NeichÄogS-Gitzung.

Der Wiederbeginn «ach den Ferien.

(Eigener Bericht.)

Berlin, t Ium.

Die gestrige erste Reichstagssitzung nach den Pfingsiserien hatte hauptsächlich einen geschäft­lichen Charakter. Die politischen Probleme, die in den nächsten Wochen die Volksvertretung be- schäfttgen müssen, wurden in dieser Vollsitzung des Reichstages noch kaum angedeutest Aber als sie beendet war, da lieferte man sich doch schon die ersten Gefechte hinter verschlossenen Frattionstüren, wo man eine Fülle von Arbeit vorfand. Im Verlaufe der ersten Sitzung ver­suchten die Kommunisten eine schroffe Obstr uk- rion. Zunächst forderte Abg. Hölle in, daß alle Anträge betreffend Amnestte und Sonder- gerichte sofort beraten würden. Er tat das in der giftigen Art und Weise, die chm nun einmal eigen ist. Nachdem Widerspruch gegen dtesen Antrag erhoben worden war, sprang so­fort der Abg. Malt zahn zur Tribüne, um zu fordern, daß alle Anträge, die dem Retchs- tage über die Erwerbslosen vorliegen, so. fort beraten würden. Dabei stecken diese An- ttäge noch im Ausschuß des Reichstages, sie sind noch gar nicht durchberaten. Es gab ein heftiges Hm und Her, aber den Kommunisten ist doch ihre Absicht, schon am ersten Tage durch ihre Obstruktion den Reichstag arbeitsunfähig zu machen, nicht geglückt Erst nach diesem Zwt- schenspiel. das ein recht bezeichnendes Signal für die kommenden Dinge abgab, konnte der Reichs­tag in seine Tagesordnung eintteten. Es gab eine

Reihe von Anfragen.

Abg. Graes-Thüringen (Tn.) bittet um Auf­klärung über die Angelegenheit des Majors Müller-Brandenburg, des Chefs der Thür in- ger Staatspolizei. Ein Regierungsver­treter stellt fesst daß Müller bis auf weiteres be- urlaubt worden ist und daß gegen ihn von der thüringischen Staatsregierung eine Voruntersu­chung geführt wird. Gegen Müller wurde der Vorwurf erhoben, daß er besonders Mitgfieder der unabhängigen Sozialdemokratie und der Kommunisten bevorzugt hat. Tatsächlich haben auch Angehörige der Polizei den Sowjet- Stern an der Uniform getragen. (Hört, hort.) Ein Beamter, der zum Leutnant befördert wur­de, bezeichnet sich als Anhänger der Moskau­er Internationale; er ist enüassen wor­den. Einzelne Angehörige der Polizei sind hoch­verräterischer Umtriebe beschuldigt worden. Eine Untersuchung ist tm Gange. Mitglieder der thüringischen Staatsregierung haben mtt der Angelegenheit nichts zu tun. Aba. Dr. Moldenhauer (D.Vp.) beschwert sich Wer Ausschreitungen französischer Sol­daten in Köln-Mühlbeim. Die Regierung teilt mit, daß es zwischen ftanzSsischen Soldaten und Zivilisten am 26. v. Mts. zu Reibereien, aber nit-fff zu Tätlichkeiten gekommen sei.

Französische Abteilungen schossen darauf in die Menge und grffffen die Paffanten mit dem Bajonett an. Deutsche und englische Polizei schritt ein; aber erst durch das Eingrei­fen französischer Offiziere konnte die Ruhe wie­der hergestellt werden. Abg. Haag (Dn.) führt Beschwerde darüber, daß in Württemberg die anderthalbprozentige Umsatzsteuer auch von bet Weinsteuer erhoben wird. Don der Re­gierung wird erwidert, daß nach der Entschei- dung des Reichsfinanzhofes der Lieferung von Wein, der sich vom Abnehmer die Weinsteuer neben dem Kaufpreis erstatten läßt, nicht be­rechtigt ist, den erstatteten Weinsteuc^-Ertrag vom steuerpflichtigen Anteil abzuziehen, Der Reichslagsbeschluß, betreffend Aufträge an die Reichsbekleidungsämter nur für Reichss- und Schutzpolizei zufolge einer Anfrage Dr. Wien­de ck (Dn.) wird grundsätzlich durchgesührt. Die Einstellung des Betriebes auf der Zeche »Maxi miliar * bei Hamm (Anfrage J.anschek (Soz^) ist Tatsache. Zwei Drittel der Belegschaft sind inzwischen anderweitig untergebracht, die begon­nenen Baulichkeiten auf der Zeche werden fertig- gestellt. um seinerzeit den Betrieb wieder auf- nehmen zu können Ein Regierunasvertreter gibt Auskunft über die Mitrapa Anfrage v. Schreiber-Krigger (Soz.). Das Reich erhält eine Vorabgabe von 2 Prozent und eine Kewimrbeteiliguna. Mit dem Verbot der .Hal­leschen Ztg.* Hemeter (Dn.) glaubte Oberprösident Höfting im staatlichen Interesse zu handeln. Die Aufhebung ist inzwischen ver­anlaßt worhen. Eine Erhöhung der Reichs- Bier- und Getränke-Steuer Anfrage Edler v. Braun ist notwendig. Das Gesetz über den Volksentscheid wird darauf dem ReichSaus- schutz überwiesen. Legafionsrat v. Malt- zahn teilt daraus mit, daß wegen der Der» schleppung des Abg. Hartmann eine Rote an die interalliierte Kommission gerichtet wurde. Graf P ra schm a hat mündlich Einspruch erhoben.