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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Nummer 119.

Fernsprecher 951 und 952

Dienstag, 31. Mai 1921

Fernsprecher 951 und 952

11. Jahrgang.

Der Kamps um Oberschlesien.

Der Reichstag.

Zu Erwartung des Regierungsprogramms.

Am 31. Mai beginnt der Reichstag nach drei­wöchiger Pause seine Sitzungen wieder, und am zweiten Tage (Mittwoch) beabsichtigt der Reichs- ianzler Dr. Wirth, das Programm der neuen Reichsregicrung zu entwickeln. Im Anschluß daran wird sich dann eine Aussprache anfnüpfen, deren Ergebnis zeigen soll, ob die Regierung über die zur Durchführung ihrer Pläne geeig­nete und gesicherte parlamentarische Basis ver­fügt. Die kommende Reichsiagssitzung wird un­ter diesen Umständen von einer ganz besonderen Bedeutung sein. Durch die Vorgänge bei der Entscheidung um Annahme oder Ablehnung des Ultimatums ist ein tiefer Riß in das gesamte deutsche Parteileben gekommen. Nun, da das Ultimatum angenommen ist, muß die deutsche Volksvertretung auch die Folgen beachten. Um diesen Zunkt wird sich daher fast ausschließlich der gesamte VerhandlungsPlan des neuen Ta- gungsadschnitics des Reichstages drehen. Es handelt sich jetzt um nichts geringeres, als daß die Reich sregiemng der Volksvertretung die zur Erfüllung des Ultimatums geeigneten finanz- und wirtschaftspolitischen Vorschläge macht. Man braucht dies nur anzudeuten, um sich darüber klar zu werden, welche Unsumme von Arbeit in der kommenden Reichstagstagung zu bewältigen ist. Desgleichen muß man sich Rechenschaft darüber geben, vor welche besonders schwierige, ja kritische Epoche parlamentarischer Verhandlungen wir gestellt werden.

Das Finanz- und Wittschaftsprogramm der Reichsregierung wirb auch jetzt noch keine gründ- sätzliche und grundstützende Aendernng, b-e in das gesamte gegenwärtige Wirtschafts- und po­litisch' System eina-riffc, mit sich bringen kön­nen. Wir muffen zufehen. die ersten Repattttions- derpflichtnngen durch Schaffung neuer Ein- nahmeguellen sicherzustellen. Zu diesem Zwecke wird allerdings auch schon ein Finanzpro- gramm erforderlich fein, wie es nicht allein in Deutschland, sondern auch noch in keinem anderen Land der Erde jemals eine Volksvertretung be­schäftigt bat. ES hat wenig Zweck, sich in ver­mutliche Einzelheiten dieses Programms $u ver­tiefen. Daß ganz gewaltige Eingriffe unver­meidlich sind, und daß die Finanz- und Wirt­schaftskraft des deutschen Volkes, namentlich des gesamten deutscheil Wirtschafts- und Erwerbs­lebens, auf das Höchste anaesvannt werden muß, ist ohnehin jedem klar.

Es läßt sich beute noch nicht abschen, ob die neue Regierung Wirth für ihr .Ersüllungs^-Prv- gramm des Ultimatums nicht nur die parlamen­tarisch. sondern auch wirtschaftlich ausreichende Unterstützung erhält. Leider ist das deutsche Volk gerade in diesem Augenblick, da es sich um größte Schicksalsfragen handelt, wieder einmal auf das Ueutzerste zerklüftet und zerspalten. Die Nichtbeteiliwmg der Deutschen Volkspartei an der Regierung braucht ja mm an sich noch nicht eine Oppositionsstellung zu dem Kabinett und seinen Maßnahmen in sich zu schließen. Aber ein un­erquicklicher Zustand besieht doch. Ohne das har­monische und verständnisvolle Zusammenarbei­ten von Arbeitaebern und Arbeitnehmern ist jede Aussicht, die Reparation zu erftillen, hinsWig. Zentrum und Demokratische Partei, die auch bis­lang zum Woble des gesamten Volkes mit der Deutschen Volkspartei in der Regierung zusam­men gearbeitet haben, würden sich auch jetzt kei­nen Augenblick strauben, diese Partei wieder zur Mitarbeit heranzuziehen. Ja. es sind gerade zur Stunde wieder Bemühungen im Gange, um eine solche Entwicklung herbeizuführen. Tie Schwie­rigkeiten liegen aber jetzt einmal in der ableh­nenden Haltung der Deutschen Volkspartei, die ihren Anschauungen treu bleiben will, das an­dere Mil in der weigernden Haltung der So­zialdemokratie, die von einer Beteiligung der »Dtinnes*ePartei nichts wissen will. Hier spre­chen agitatorische Gründe mit. Man darf aber doch nicht vergessen, daß auch führende Persön­lichreiten der Sozialdemokratie die letzte Möglich­keit einer Beteiligung der Deutschen Volkspartei an der Regierung nicht verbaut haben. Immer­hin ist der Zwiespalt doch zu groß, als daß er jetzt, wenn auch nur formell, ausgeglichen wer­den könnte.

Die Sozialdemokratie scheint sich immer noch der Hoffnung hinzugeben, daß bei Neuwahlen, die sie für den Fall einer nicht genügenden oder doch nicht genügend wirkfamen Unterstützung der gegenwärtigen Regierung fordert, ihre Position, wie überhaupt die Position der Linken wesent­lich verstärkt würde. Andererseits ist aber auch zwischen die Deutsche Volkspartei und das Zen­trum ein Riß gekommen. Das Zentrum fühlt sih beschwert durch aewisse Aeußerungen deutsch- volksvarteilicher Führer und Presseorgane über die Vorgänge bei der Entscheidung um das Ul­timatum und um die Rolle, die das Zentrum dabei gespielt habe. Das Zentrum macht aeltend, daß es bis zum letzten Aiiarnblick die Deutsche Volkspartei bei der Neubilbinw der Regierung beteiligt wissen wollte. Immerhin sind auch in

der Deutschen Volkspartei gewichtige Stimmen für die Unterzeichnung des Ultimatums eingetre­ten, und man glaubt in parlamentarischen Krei­sen, daß für die Sicherung der Erfüllung des Ul­timatums auch aus der Deutschen DoÄspartei noch wertvolle Unterstützung für die Regierung kommen wird. Man muß sich nach alledem aus recht heiß: parlamentarische Kämpfe für die nächste Zeit gefaßt machen. Die kommende Sit­zungsperiode des Reichstages wird nicht nur in 'er parlamentarischen Geschichte Deutschlands eine wichtig? Rolle einnehmen, sondern sie wird auch entscheidend sein für unsere ganze wirtschaft­liche und politische Zukunft.

Dreiteilung Oberschlesiens?

Ein englisch-italienischer Vorschlag.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 30. Mai.

Der Botschasterrat hat am Samstag Anwei­sungen an die interalliierte Kommission in Op­peln ergehen lassen, einen einheitlichen Borschlag zur Teilung des strittigen Gebietes in drei Abschnitte vorzunehmen. Die Zustimmung des französischen Delegierten im Botschasterrat zu dem Plane der Dreiteilung OberschlesienS bezeichnet den ersten Schritt der Annahme des Kompromisses durch die Franzosen. General Lerond hat dem telegraphischen Beriäft des eng­lischen und italienischen Mitgliedes der inter­alliierten Kommission, auf Grund dessen die Bot­schafterkonferenz ihren Plan faßte, einen Zufatz beigefügt, in dem er sich außersiande erklärt, sich an dem Bericht zu bcteiligeu, da die französtsche Regierung einen »leiche« Vorschlag früher abge- lehnt habe. Die Tatsache jedoch, daß das sranzö- sifche Mitglied der Botschasterkonferenz sich den Anweisungen an die Abstimmungskommifsion anschloß, führt zu der Annahme, daß auch Lc- rorid den neuen Vorschlag unterstützen werde, obwohl man in gewissen Kreisen glaubt, daß er vorziehen werde, znrückzutreten.

w Ms Vorläufige Lösung.

Paris, 30. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Der Erfolg des englisch-italienischen Entwurfs, mrchdem er von Frankreich mehr­fach abgelehnt worden war, wird als ein Anzei- cfan dafür angefehen, daß man in Paris die Ueberzeugung gewonnen habe, daß die Bereinig, ten Staaten den Plan der autonomen Zone un­terstützen. Diefe Regelung follte bis zum näch­sten Zufammentritt des Obersten Rakes in Bou- logne in vierzehn Tagen als vorlSusige Lösung des Problems getroffen werden.

protest-Kunögebung.

Gegen di« französisch-polnische Gewalt.

(Privat-Telegramm.l

Berlin, 30. Mai.

Selten hat der Lustgarten eine so gewalitge Massenkundgebung gesehen, wie gestern nachmit tag. Die Heimattreuen Oberschlesier hatten die Bevölkerung Groß-Berlins aufgefor­dert, zum Protest gegen die polnifch-französische Gewaltherrschaft in Oberschlesien zu erscheinen. Der weite Platz vor dem Dom und die breite Straße entlang Unter den Linden war mit vie­len Tausenden besetzt. Aus den einzelnen Stadt­teilen waren die Oberschlesier mit Musik in lan- gen Zügen eingetroffen. Auf Hunderten von mit­gebrachten Tastln las man: Gerechtigkeit für Oberschlesien, weg mit Le Rond. Im Lustgarten sprachen an verschiedenen Stellen Führer fast aller Parteien, Vertreter der Gewerk­schaften aller Richtungen und Flüchtlinge aus Oberschlesien. Diese schilderten ihre Erleb­nisse, die entsetzlichen polnischen Greuel und das Verhalten des mit den polnischen Aufruhrer» im Bunde stehenden französischen Militärs. Stete Entrustungsrufe drangen über den weiten Platz und unter lebhafter Zustimmung wurde eine Entschließung von der vieltausendköpfigen Menge widerspruchslos gut geheißen.

*

Zusicherung des Reichskanzlers.

Berlin, 30 Mai. (Privaftelegramm.) Im Anschluß an die Oberfchlester-Kundgebung im Lustgarten erschien eine Abordnung in der Reichskanzlei. Tie wurde vorn Reichskanz­ler Dr. Wirth und vom Außenminister Dr. Rosen empfangen. Die Abordnung überreichte die im Lustgarten gefaßte Entschließung. Hierauf hielt der Reichskanzler eine Anfprache an die Abordnung worin er unter anderem betonte, daß er nichts unterlassen werde, was zur Befei tigung der Korsantyschei Diftatur fuhren und die gefetzmäßigc Wiederherftellung der Ordnung ge währleisten kann. Teutfchland habe die Stirn

menmehrheit und das Recht für sich und dieser Umstand würde sich hoffentlich siegreicher erwei- fen als die Maschinengewehre der polnischen sa* natischen und irregeleiteten Aufständischen.

Die polnischen Amtriebe.

Alliierte Truppen gegen die Aufrührer. tPrivat-Tclegramm.)

Oppeln, SO. Mai.

Die Lage ist weiter unverändert. Nament­lich Loslau ist der Mittel-unkt der gefährlichen Banden geworden. Aus Nikolai und Nybuik werden erneut starke Plünderungen gemel­det. Sogar die Wohnung des italienisü-en KreiS- koutrolleurs ist beschossen worden. In Oppcln waren bis Sonnabend abend viertaufcndfftuf. hundert Engländer eingetroffeu. Wei­tere dreitausend englische Truppen sollen Im An­rollen sein. Sie führen ungewöhnlich viel Ar. tilleriematerial mit sich, auch viele Tanks. Auch für italienische Offiziere sind in Oppeln zum 2. Juni Quartiere angefordert. Der Vor» morfch der Engländer in dad Aufftandsgebiet beginnt Montag stüh. Die Auflösung der deutschen Freiwilligenverbände gegen Oberschlesien war bis Sonnabend beendet. Die Abtransporte aus Schlesien konnten dagegen noch nicht durchgeführt werden und können erst Mitte der Woche zum Abschluß kommen.

ÄM englischen Bergbau.

Amtliche Vermittlung im Streik.

(Eigener Drahtbericht.)

;> Loudon, 30. Mai.

Lloyd George hat an Williams als den Ver­treter der Grubenbesitzer und an HodgeS als den Vertreter der Bergarbeiter ein gleichlautend^ -Schreiben gerichtet, in dem er die Mitglieder des Vollzugsausschusses der Vereini­gung der Grubenbesitzer und der Gewerkschaft der Bergleute ciuladet, zusammen mit Vertretern der ;Regierung zu neuen Verhandlungen im Handelsministerium zusammenzutreten. Dem Daily Expreß" zufolge ist anzunehmru, daß die Regierung Sir Erie GeddeS zum Schiedsrichter zwischen Zcckirnbesitzern und Bergleuten bestellen wird, daß jedoch mit cflrer langen Dauer dieser demnächst beginnenden Schlichtungsverhandlun- gen zu rechne« ist. Wie das Blatt wissen will, sind die Bergarbeiter geneigt, Sir Erie Ged­des als Schiedsrichter anzuerkenne«.

Hilfe aus Deutschland?

G i r tz e n, 30. Mai. (Privattelegramm.) Hier tagte die Generalversammlung des alten Berg­arbeiterverbandes Denffchlands. Es wurde dabei der englischen Kohlenarbeiter mit lebhafter An­teilnahme gedacht. Die Versammlung stimmte einmütig einem VorMag der Leitung zu, den Engländern eine Million Mark aus der deutschen Verbandshauptkasse und aus den Bezirkskassen, für jedes Mitglied drei Mark, zu stiften. (!) Auch seien Abmachungen getroffen worden, damit die ReparationSkohlcu nicht nach England gehen. Die deutschen Bergarbeiter­kassen scheinen zu viel Geld w besitzen. Gibt es nicht in Deutschland genug Rot, zu deren Linde­rung ba^ Geld verwendet werden könnte.

Abstimmung in Salzburg.

Für den Anschluß an Dentschlaud. (Eigener Trahtbericht.)

Salzburg, 30. Mai.

Die gestrige Abstimmung hat einen imposan­ten Verlauf genommen. Beim Empfang der aus­wärtige« Stimmberechtigten, besonders derjeni­gen aus Tirol «nd Bayern, war es zu großen, erhebenden Kundgebungen der Zusam­mengehörigkeit gekommen. Soweit bisher Ergebnisse vorliegen, haben in Salzburg selbst von 23 700 Stimmberechtigten ungefähr 20 500 das Stimmrecht ausgcübt, wovon 20 450 mit Ja (für Deutschland) und 225 mit Nein stimmte« I« einigen Gemeinden gab es nicht einmal eine Stimme mit Nein Bis 2 Uhr nachts lagen aus 172 Gemeinden Abstimmungsergebnisse vor Davon lauteten 114620 mit Ja (für Deutschland) und 1027 mit Rein. Tas Gesamtergebnis wird erst am Dienstag früh vorliegen. Im Bezirk Salz­burg stimmten 31304 mit Ja und 495 mit Nein.

Die beeinflußte Wiener Regierung.

Wien, 30. Mai. (Eigene Drahtmelidnng) Die Bundesregierung hat abgelehnt, das Volksabstimmungs-Ergebnis von Salzburg zur Kenntnis zu nehmen. Den Staatsbeamten anßerlnrlb Salzburgs war die Reife zur Teil­nahme an der Abstimmung verweigert worden.

Milch und Butter.

Die Freigabe vom 1. Juni ab.

Wir kur» mitgeteilt, wird die Zwangswirtschaft für Milch «nd Bulter am 1. Juni ausgeholru. tlebcr die mntmatzltche Wirkung auf den Der. brauch und die Preise wird »ns geschrieben» Die Aufhebung by: Zwangsbewirffchaftung von Milch und Butter wird voraussichtlich die Versorgung der Bevölkerung stark beeinflussen. Die bisher amtlich festgesetzten Höchstpreise sür Butter, wie and) die Erzeugerhöchstpreise für Milch fallen mit dem 1. Juni fort, Der Preis tvird sich dann nach Angebot und Nachfrage rich­ten. Ter sehr starken Nachfrage stand bisher eine beschränkte einheimische Prodrrktion gegen­über. Nachdem die Zwangswirtschaft gefallen ist. ist eine beträchtliche Vermchrring der Produttion zu erwarten. Dieser vermehrten Inlands-Pro­duktion wird aber eine erhebliche Nachfrage so- wohl nach Butter wie nach Milch gegenüber- stehcn. Es wird danach bei Butter mit einer gewissen Preissteigerung zu rechnen sein, die sich aber in beschränkten Grenzen halten dürste, weil gleichzeitig mit der AuHebung der inländischen Zwangsbewirffchaftung auch die Einfuhr von Auslands butter freige­geben ist, und weil den Verbrauchern anßer But­ter noch andere Speisefette, insbesondere Schmalz und Margarine, in hinreichenden Mengen zur Verfügung stehen. Schmalz kostet 11 Mark bis 12 Mark, Margarine in guter Beschaffenheit 7 bis 10 Mark das Pfund. Dänische Butter kostet in Dänemark gegenwärtig 24,50 Mark. Danach würde sich

der inländische Kleinhandelspreis für Butter auf etwa 27 bis 28 Mark stellen, bis die steigende Produktion eine weitere Preissen­kung herbeiführt. Der künftige Bntterprcis wird hiernach zwar höher sein als die bisher amt­lich festgesetzten Preise für die rationiert aus- gegebene Butter, aber niedriger als die bisher»« gen Schleichhandelspreise, wie sie insbesondere in den Großstädten gezahlt wurden. In jedem Fall wird der Preisunterschied zwischen Butter einerseits und Schmalz und Margarine anderer­seits fv beträchtlich fein, daß ein großer Teil des Konsums sich an die wohlfeilen Fettkarten halten wird. Einen bestimmten Einfluß wird der Butterpreis auf den Preis der Milch ausüben: je mehr es gelingt, den Butterpreis durch Stei­gerung der inländischen Erzeugung, durch Eßa- sühren von preiNwerter Anslandsbuttcr und durch Minderung des Butterkonftnns infolge Verwendung von Schmalz und Margarine za senken, umso billiger wird sich auch der Preis für Frischmilch stellen Einen Anhalt bietet, daß in vielen Gegenden

MilchliefernngS-Bcrträge abgeschlossen sind, in denen der Preis für Frisch­milch auf ein Zehntel des Butterpreises festge­setzt ist, wozu dann noch die den Händlern bei dem Absatz an die Verbraucher erwachsenden Un­kosten hinzutretcn. Dieser zunächst unvermeid- baren Preissteigerung steht die Aussicht gegenüber, daß die bisher unter dem Druck der Zwangswirtschaft dauernd Mrückgegangene Milchwirtschaft fortan durch Einstellung von mehr Milchkübcn und durch reichliche Verwen­dung von mikstsördernden Krafffuttermitieln die Steigerung erfährt, die für unsere Milchversor- gung, zumal für die Wintermonate, dringend notwendig ist. und daß dann mehr Milch als bis­her in die Städte fließen wird. Die Ge­meinden sind berechtigt, durch besondere Millbordnungen die Verteilung der Milch in der Weife zu regeln, daß zunächst die beson- ders milchbedürftige Bevölkerung, also vor allem die Kinder, Mütter und Kranken, mit Milch ver­sorgt werden. Auch sind Sichenmgsmaßnahrnen getroffen, daß Molkereien und Milchwirtfchafts- güier, die bisher Frisckmtilch an die Städte ge­liefert haben, angeb alten werden, dies auch künf­tig zu tun, damit die Fttschmflchversorgung der Kinder und Kranken nicht unterbrochen wird.

Deutsche 'Bofftoartet

Bericht der Mitgliederversammlung.

Es wird uns geschrieben: Die Ortsgruppe Kassel der Deutschen Volkspattei hielt am 26. d. Mts. eine außerordentliche Mitgliederversamm­lung ab, die vornehmlich der Aussprache über die gegentoärttge politische Sage und der Bericht­erstattung über die Tätigkeit der Stadwerord- ncten und Kommunallandtagsabgeordneten ge» widmet war. Der erste Vorsitzende, Herr Dr. Fr. Becker, gab einen klar und übersichtlich auf- gebauten Bericht über dieinnen- und außen­politische Lage seit der Preußenwahl. Einen besonderen Raum in seinen Ausführun­gen nahmen die Vorgänge bei der Regie» rungsbildung in Preußen und den Ver­bandlungen über das Ultimatum ein. Die Versammlung billigte einmütig die Haltung der Patteileituna und die sich mit ihr deckende Stel­lungnahme des Ortsarupvenvorstandes. Hett Professor Hebel behandelte in ruhiger, teil-