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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 113»

Fernsprecher 951 und 952

Dienstag, 24. Mai 1921

Fernsprecher 951 imb 952

11. Jahrgang.

Erhöhte Gefahr für Oberschlesien.

Lleberflüssige Einfuhr.

Luxuswaren «nd Volkswirtschaft.

Von

Ur. sc. poL Winters-Oldenburg.

Eine Volkswirtschaft, das ist der organische Zusammenhang aller Einzelwirtschaften eines staaflich zusammengefaßten Volkes, kann auf die Dauer nur gedeihen, wenn ihre Produktion an Gütern größer ist als der Verbrauch. Allerdings, hatte Deutschland vor dem Kriege stets eine pas­sive Handelsbilanz, das heißt der Wert der Ein­fuhr war größer als der der Ausfuhr. Wenn wir bei diesem Dauerzustand nicht verarmten, vielmehr unser Nationalvermögen zum größten Neid unserer Konkurrenten aus dem Weltmarkr in raschem Steigen begriffen war. so nur des­halb, weil wir unsere Zahlungsbilanz durch die großen Einnahmen aus der deutschen Seefahrt und dem to: Auslande angelegten werbenden Kapitalbesitz aktiv gestalten konnten. Wie stehen wir aber heute da? Durch die feindlichen Maß­nahmen hat sich das deutsche Volksver­mögen auf vielleicht die Hälfte des früheren herabgemindert. Haben wir die aus dieser Lage sich für uns ergebenden Lehren beherzigt, oder haben wir nicht allzu leichtsinnig uns wie in einem Strudel willenlos forttreibend gern durch die bis dahin unerhörte Inflation über den bitteren Ernst unserer Lage hinwegtäuschen lassen, die Aufblähung für wirkliche Reichtums­vermehrung hinnehmend?

Das Gebot der Stunde wäre äußerste Sp a r- sämteir gewesen, um der größten Rot zu be­gegnen. Ein arm gewordenes Volk kann nicht dieselben Ansprüche stellen, wie ein reiches, son­dern muß sich einschränken. Um arbeiten zu kön­nen Arbeitsleistung ist die Voraussetzung für eine Verbesserung der Lage muß Mr die Le­bensnotwendigkeilen zunächst gesorgt sein, wobei der Bedarf in erster Linie aus den eigenen Mit­teln, aus dem Lande selbst zu decken ist. Alle Aufwendungen Mr Dinge, die über eine einfach« Bedarfsdeckung hinausgehen und insbesondere für solche, die nur aus dem Auslande zu bekom­men sind, können nur schädlich wirken. Leider haben weite Kreise im deutschen Volke gar kein Verständnis gezeigt Mr die Schwere des Augen­blicks. Statt sich nach der Decke zu strecken und sich einzuschränken Mr den Besitzenden in der gegenwärtigen Zeit die schönste vaterländische Tat sehen wir sie einen großen Luxus ent­falten, und wie unendlich viele sind es, die, ohne es eigentlich zu können es ihnen nachmachen, als wenn es uns gar nichts ausmachtr, ob wir ein paar Milliarden Mark mehr oder weniger im Jahre Mr Luxuswaren an das Ausland zahlen. Ob sich Wohl einer der vielen tausend Konsumenten von englischen Zigaretten um nur ein Beispiel zu nennen jemals klar ge­macht hat, daß er durch sein Verhalten mittel­bar zur Vermehrung der Arbeitslosigkeit bei­trägt, und mit jeder englischen Zigarette der deutschen Wirtschaft die Drittel vermindert wer­den, die sie zur Beschaffung von Nahrungsmit­teln für Kranke und Kinder unbedingt braucht?

Viele Tausende starben bei uns i» Deutsche land in den letzten Jahren an Unterernährung Es ist Wahrlich nicht erhebend, zu wissen, daß wir uns Mr unsere kranke und hungernde Be­völkerung Lebensmittel von ausländischen Wohl­tätern schenken ließen, andererseits ober viele Milliarden Mark einem verderblichen Warenhun­ger nach ausländischen Luxuswaren opferten und somit unsere Abhängigkeit noch stark vermehrten. Die seelische ErschöpMng unmittelbar nach dem Kriege mag es verständlich erscheinen lassen, wenn uns dre klare Erkenntnis bisher fehlte, wie wir durch das Festhalten an dem Vorkriegs- Auswand immer schneller an den Abgrund ta­rnen, aber heute darf man diese Erkenntnis von jedem verlangen. Wer auch heute noch auf lieb­gewordenen, aber nicht lebensnotwendigen Au», wand nicht glaubt verzichten zu können, versün­digt sich an der VoWgesanttheit. Die wirtschaft­lichen Sankttonen auch sie haben etwas Er­freuliches, haben die zunächst beteiligten Kreise, den Großhandel, aufgerüttelt, und von überall her im Reiche liegen Meldungen vor, die seinen festen Willen, keine ausländischen Luxuswaren mehr zu kaufen, bekunden. An uns ist es nun, daß wir den verantwortungs­bewußten Kaufmann in diesem Bestreben unter« stützen. Machen wir uns also frei von alten Vor­urteilen und beseitigen uns der für uns im Augenblick einzig förderlichen, bescheidenen, ja sparranischeu Lebensweise. Somit wäre schon

viel gewonnen, besser allerdings Wäre es, wenn sich die wahren Pattioten Patrioten der Tat nicht damit begnügen würden, durch ihr Bei­spiel vorbttdlich zu wirken, sondern, wo auch inMtcr sich die Gelegenheit dazu bietet, Mr eine solche auf Aeußerlichkeiten verzichtende, mehr auf daS Innerliche gerichtete Lebensauffassung und Lebensfichrung würben. Nur eine starke Herab­minderung unserer Ansprüche an das Leben kann uns davor bewähren daß wir zu der völligen politischen Abhängigkeit von mrsereu früheren Feinden noch die wirtschaftliche Unterwerßmos unter die Aussaugungspolitik.

Die oberschlesischen Kämpfe. Verteidigung gegen die Pole».

(Privat-Tclegramm.)

Berlin, 23. Mai.

Die Verbindung mit den von den Polen be­setzten Städten in Oberschlesien war auch am gestrigen Sonntag nicht hergeftellt. Die Besorg, nis über das Schicksal von Kattowitz dauert fort. Auch die anderen oberschlesischen Industrie­städte befinde« sich nach wie vor in bedrängter Lage. Jensetts der Grenze gegenüber Kreuz» borg und Rosenberg werden starke pol­nische Truppenkonzentrationen festgestellt. Teil­weise haben polnische Truppen auch die Grenze überschritten. Rach schweren Kämpfen in der Gegend von Rosenberg wurden die Aufständi­schen gezwungen, Alt-Rosenberg, Albrechtsdorf und Llwoischau zu räumen. Bei G o w l l n im Kreise Groß-Strehlitz blieb ein Angriff der In­surgenten erfolglos. In der Nähe von Gowlin wurden grauenhaft zugerichtete Leichen deutscher Apobeamten aufgefunden. Die Lage in dem Ab­schnitt Krappitz ist Mr die Deuffchen seit dem vorgestrigen großen Angriff auf den Annaberg, den stärfften Stützpunkt, günstiger geworden. Die Stadt Reustadt ist von deutschen Freiwilligen mit stürmender Hand ohne Artillerie unter Füh­rung des Generals von Höfer genommen wor­den. Erbeutet wurden fünf polnische Kanonen und über zwanzig Maschinengewehre. Die Ver­luste sind beträchtlich, jedoch betragen die pol­nischen Verluste ungefähr da« Vierfache.

* * * »

Volllische Greuel.

Oppeln, 23 Mai. (Privattelegramm.) Aus dem Kampfgebiet von Kofel wird berichtet, daß die Polen deutsche Gefangene töten. Der englische Polizechaupttuann in Krappitz sah ver­schiedene Greuelfälle. Auch Dumdum-Geschosse wurden wieder von den Polen verwendet. Der englische Polizeihauptmann hat hierüber nach Oppeln berichtet. Die Engländer und Italiener erwarten die Rettung Oberschlesiens von den deutsche« Freikorps. Die Bevölkerung ist infolge der Berliner Erlasse, wonach die Frei­korps aufgelöst werden sollen, in Panik geraten. Doch die Freikorps wollen sich nicht entwaffnen lassen. Großes Mißtrauen herrscht gegen die Apo, obwohl ihre meisten Mttglieder Deutsche find. Das Verhältnis der Freikorps zur Apo ist mehr als kühl. Das Berlangeu der Franzosen auf Entwaffnung der Freikorps wurde von den Engländern und Italienern schroff abgelehnt. Große Bezifferung herrscht über den täglichen Zustrom von Freiwilligen, aber bis jetzt haben sich noch lange nicht genug gemeldet.

Nahrungsmittel für die Bedrängten.

Berlin, 23. Mai. (Privattelegramm.) Rach einem llebereinkommen zwischen der interalliier­ten Kommission in Oppeln und den deuffchen Eisenbahnern ist ein Lebensmittelzug nach Gleiw itz abgegangen unter der Bedin­gung, daß die französischen Begleitmannschaften in Oppeln zurückbleiben muffen. Außer einem englischen Offizier fuhr eine Kommission von Eisenbahnern mit, die seststelle« wird, ob der Zug ungestört bis Gleiwitz kommt und die Rah- rungsmittel in die Hände der Deutschen gelan­gen. Sollte dies der Fall fein, so wollen die Eisenbahner weitere Züge ablafle«.

*

Königshütte in polnischer Hand.

Breslau, 23. Mai. (Privattelegramm.) Die Vorstädte von Königshütte sind von den polnischen Insurgenten besetzt worden. Die Franzosen haben ihre Truppen aus KönigS- hutte nach Benthe« zurückgezogen und nur ein

Wachtkomnmnöo von zweihundertfünfzig Mann im Rathause zu Königshütte belassen.

Verbot des Selbstschutzes,

ie Alliierten gegen bie deutsche« Freikorps.

(Eigens Drahimeldung.)

Paris, 23. Mai.

ES wird mitgeteilt, daß die interalliierte Kommission in Oppeln den deutschen Behörden Oberschlestens eine Rote überreicht hat, welche die Aufmerksamkeit dieser Behörden auf die Ge­fahr (?) lenkt, welche für Deutschland (?) in dem Aufmarsch der deutschen Freiwilligen­truppen besteht. Der englische Vertreter in bc Kommission in Oppeln, Oberst Perrival, soll im weiteren persönlich und mit Erfolg sich bei den Führern dieser Freiwilligenformationen da- für eingesetzt haben, daß diese auf die ange­drohten Angriffe verzichten. Man vermerkt hier die Wiederaufnahme der Tätigkeft des Obersten Percival in der interalliierten Kommission mit besonderer Befriedigung, da durch seine Enthal­tung von allen Attionen der Komnnsston seit einigen Wochen die normalen Funktionen der Koucmission unwirksam geworden seien.

Die deutsche Regierung gibt nach.

Berlin, 23. Mai. (Privattelegramm.) DaS deutsche Auswärtige Amt hat auf Die Rote der interalliierten Militärkormnission über die Rekru­tierung für Oberschlesien eine Antwort erteilt, in der der Auffassung der interalliierten Kom- miffion über die Unzulässigkeit der Anwerbung von Freiwilligen für ObeffÄefien zu ge­stimmt wird. Die^deutschen Behöroen werden, so heißt es in der Antwort, weiter, mit größter Strenge gegen solche Anwerbungen und Zusam- menschlietzungen vorgehen. Die Polizei und die Gerichtsbehörden find angewiesen, von den in Frage kommenden Bestimmungen des Sttaf- ges^buches unnachfichtlich Gebrauch zu machen und zwar namentlich gegen Zeitungen, in denen Werbeinserate erscheinen.

Die armen Flüchtlinge.

Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 23. Mai.

Der Zentralverband deutscher Kriegsbeschä­digten und Kriegshinterbliebenen hat eine Ein­gabe an den Reichspräsidenten gerichtet, worin erklärt wird, daß die in Oberschlefien ansässigen Angehörigen dieses Zenttalverbandes infolge ihrer Abstimmung für Deutschland sich den Haß der Polen zugezogen haben; Viele von ihnen haben Haus und Hof zum Teil mit ihren Familien unter Zurücklassung ihres gesamten Besitzes fluchtartig verlassen müssen, um ihr Leben zu retten. Durch die Strapazen der Flucht und die seelischen Aufregungen ist vielfach eine Verschlimmerung ihres Kriegsleidens wie­der etngctrete.r. Der Vorstand des Zenttalver­bandes bittet daher die Reichsregierung, die Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen, mit Rücksicht auf ihre allgemeine schwierige wirt­schaftliche und persönliche Lage sichihreran- zunehmen und bittet um Mitteilung, welche Maßnahme« getroffen find, die vorhandenen Röte zu lindern und die bestehende Gefahr von Gut und Leben abzuwenden.

Truppen der Alliierten.

Englische Bataillone für Oberschlefien?

(Privat-Tett gramm.)

Köln, 23. Mai.

Die britische Garnison in Köln steht seit gestern abend in Alarmbereitschaft. Die Urlaube für Offiziere und Mannschaften sind gänzlich aufgehoben. Zu der Frage, ob die Mo bilbereitschaft mit den Vorgängen in Oberschle­sien in Verbindung stthe, bemerkt eine spätere Meldung: Wie wir aus zuverlässiger Quelle hö­ren, sind im Laufe des Sonntags vier Ba­taillone englischer Infanterie nach Cber-- schlefien auf den Weg gebracht wurden.

*

Zurückhattung £>er Italiener.

Rom, 23 Mai (Eigene Drahtmeldung.) TerMessagero" schreibt, daß Italien zwar nicht die Zurückziehung seiner Truppen ans Oberschsii- sien beschlossen, ivohl aber die Verbündeten daran erinnert habe, daß die italienischen Trup­pen dort nur zu Polizei-, nicht aber zu Kriegs­zwecken dienen sollten, weshalb fie denn auch von jetzt ab die Berührung mit den Aufständi­schen meiden würden. Falls die Zustände in Oberschlesien sich verschlimmerten, fei ihre Zu­rückziehung nicht ausgeschloffen.

Der Arbeitsmarkt.

Dte Lage in Hessen, Hessen-Nassau, Walde», Da» Landesamt für ArbeteSnattzwriS in Sr<m«fnrt am Main gibt über bie Lage be« Arbeitsmarkie« in ihrem Gebiet folgenden Bericht ans bem Mona« «pr» diese» Jahre«

Die Landwirtschaft zeigte sich im WiU nur noch wenig aufnahmefähig. I« zahlreichen Gemeinden, die in mit Industrie durchsetzten Gegenden liegen, sind die infolge von Betriebsstillegungen uni» Betriebseinschränkun- gen entlassenen Arbeiter in der Landwirtschaft tätig. Neuerdings macht sich, nachdem auch von den landwirtschaftlichen Arbeitgebern die Taris- Whne gezahlt und anerkannt werden, der Dteb> lenwechsel wett weniger zahlreich als in de« Vorjahren bemerkbar. Auch der Versorgung der Landwirtschaft mit deutschen Arbeitern haben sich bisher keinerlei Schwierigkeiten nennenswer­ter Art entgsgengestellt. Selbst mit weiblichen Arbeitskräften, die von jeher sehr schwer zu be­schaffen waren, war die ausgesprochene land­wirtschaftliche Gegend der Wetterau gut ver­sehen; man gibt sich sogar der Hoffnung hin, daß im kommenden Jahr Mädchen für andere Be­zirke von dort aus abgegeben werden können.

Ein bemerfenätoertcr Rückgang der Tätig­keit zeigte sich im Bergbau. Durch die zoll- politischen Maßnahmen der Entente wurden neu* errichtete Steinkohlenbergwerke zu Sim, die Ar­beiter aus dem Kreis Bingen beschäftigten, ge­schloffen; auch die Steinkohlenbergwerke am Glan in der Nahegegend, unter deren Belegschaft sich gleichfalls Leute aus Bingen befinden, kämp­fen mit den gleichen Schwierigkeiten. Auftrags­mangel zwang in Limburg ein großes Phos» pbatmtternehmen zu Arbeiterentlassungen. Die Eksengniben im Herborn-Wetzlarer Bezirk Haden gleichfalls recht erhebliche Arbeitsstreckimgen vor­genommen.

Der Beschästigungsg.-ad in der Stein­industrie war durchweg recht zufriedenste!« lend; neue Basaltsteinbrüche werden zurzeit im Oberwesterwaldfteiz erschlossen. Die Hartstein­industrie der Lahngegend verfugt wieder über zahlreiche Aufträge; namentlich die Ziegelei- betriebe an der Bergstraße, sowie in der Geln» bäuser und Gießener Gegend arbeiten normal. Sehr zufriedenstellend war das Geschäft in der Steingutindustrie zu Staffel bei Limburg und Wächtersbach

In der Metallindustrie schwellen die Arbeitslosenziffern allerorts langsam und allmählich an. In allen Branchen stockt der Absatz; vielfach haben in FranLMrt am Main, Mainz Kassel und Wesbaden Betriebseinstel­lungen ftattgefurtben, andere Firmen nahmen innerhalb ihrer Arbeiterschaft Verschiebungen vor, nm Arbeiterenllassunaen zunächst vorzubeu- sien. Die feinmechanischen und optischen Werke in Wetzlar haben erhebliche Verminderungen ihrer Belegschaften vornehmen müssen. Auch die aus beendigter Lehre entlassenen jungen Leute belasten, besonders im Metallgewerbe, den Ar- beitsmarft. Mit überaus großen Schwierigkeiten hat die Hanauer Edelmetall- und Diamanten- industrir zu kämpfen; Diamanffchleifereieu haben mit ganz wenigen Ausnahmen ihre Bettiebe eingestellt, während die Gold- und Silberfirmen nur noch 2436 Stunden arbeiten.

Die chemische Großindustrie hat keine Neueinstellungen vor genommen; vereinzelt kamen in den Fabriken, die sich mit der Her­stellung von Kunstdünger befassen, bereits Ent- lossungen vor. Die pharmazeutischen und che- misch--technischen Betriebe arbeiten immer noch verkürzt.

Eine erftenliche Zunahme hat die Bau­tätigkeit zu verzeichnen; in den Städten des besetzten Gebietes sind es meist Neubauten für die Besatzung, die den dortigen Bauhandwerkern Arbeit gebrcüht haben. Sonst wurde an Villen Orten die produktive Erwerbslosenfürsorge zur Errichtung von Wohnhausneubauten, zur Be­schaffung von Baumaterial, Justandsetzunqs- arbeiten unb zur Anlage von Einrichtungen für gemeinnützige Zwecke, wie Strandbäder, Spiel­plätze, Regulierungsarbeiten und Friedhofs-An­lagen, in Anspruch genommen. Größere Projekte in dieser Beziehung sind zurzeit in Frankstirt am Main durch den Ausbau des Osthafens, so­wie in Hanau a. M. ebensalls durch den Reu- bau eines großen Umschlaghafens in Vorberei- ftrng. Bei Meliorationsarbeiten auf dem hohen Westerwald, die teilweise aus Mitteln der pro« dukttvm Erwerbslafenfürsorge finanziert wer­den, wurde,« durch daS Landesarbeitsamt zehn Erwerbslose aus Hanau a. M. untergebracht. Durch die Maßnahme sollen in Bezug auf die Verwendung von Erwerbslosen Erfahrungen gesammelt werden für das noch in Vorbereitung befindliche umfangreiche Projekt der Schaffung von Fettweiden, tun die Milchversorgung der an­liegenden Großstädte zu beben.

Ein unbedeutender Aufschwung ist in der Möbelindustrie zu verzeichnen die sowohl in Frankfurt a. M. wie in Darmstadt wieder zahlreichere Aufträge erhielt. Auch die Tätigkeit tu bat Kammßchriken an der Bergstraße getzal-