Einzelbild herunterladen
 

Meter Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

DU Äaffeler üemfteeNachrichten erfttjttnenwöchenMch Hd)«mai «nb near abtwbfc »er «boimemeettpret» beträgt monatlt» 6.00 Mark bet freier flufteUunj m« Hau«, «u«. märt« Our» bte »oft bejoge» 6.30 Mark monatlich Unfchlt-Sllch L«Nell«ng Bestellungen werbe» lederj.-it van der «eschäftsftelle ober beu Boten entgegengenommen. $ ruderet, «erlag »nb KedaMon, Schlachthofstrahe X/», Für unverlangt etngetonbte «etträge tarn» bte «ebetttee eine Verantwortung ober «eroäbr tn keinem Falle übernehme», «iutzahlung be« «etugSgelbe« ober UnsprSche wegen etwaiger nicht orbnung«»iger «efertmg »««gelchlokle».

JnferNonshretse. e) «nheimtlche Aufträge-. Die einspaltige «nzeigen-Zetle TL IM, bte etnfpalttge Reklame,eile M. 3., b) Auswärtige Aufträge: Die einspaltige An,eigen,eile M. MO, bte einlpettige Reklame,eile TL 8.60, ade« einschließlich Teuerung«,uschlag unb An»etgenfteuer. Für Anzeigen mit befonber« schwierigem Sah hundert Prozent Aufschlag Jur bte Richtigkeit aller durch Fern'precher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahme, baten unb Plage kann eine Gewähr nicht übernommen werben. »ruderet: Schlacht- holst raße 26/30. Geschäftsstelle: «kölnische Straße &. Telephon Stummer 951 unb «U.

11. Jahrgang.

Freitag, 29. April 1921

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 94

Fernsprecher 951 und 951

Ungewißheit über die deutsche Note.

Die Preisbewegung.

Hochkonjunktur und Krisengefahr.

Don

Reichstagnbibliothekar Dr. Paul Kirschner.

Der Reichtum eines Landes besteht nicht in der Menge der Umlau ksmittel, mögen sie in Pa­pier oder aus sonstigen Stoffen bestehen, son­dern in dem Vorrat an Sachgütern, die den sozialen Gruppen und den Einzelindwiducn zur Verfügung stehen, wobei der empfundene Bedarf eine große Italic spielt. Von dieser Tatsache aber schien man in unserer nenkausmünmschen Zeit selchst an maßgebenden Stellen leine rechte Ahnung mehr zu haben, da man im Kriege von einer wirtschaftlichen Hochkonjun ttu r sprach, von einer Blütezeit, denn das Geld blieb to tm Lande, es stiegen die Preise, es gingen auch die Löhne in die Höhe, ei war für Spehilatio-i und Spekulationsgewinn der doste Boden»^.so daß Verdienste erzielt werden konnten, an lne sich die bekannten Ätesten Leute nicht erinnerten. Die Volkswirtschaft hkitte ein Taumel ersaßt, der aber nicht nur beim Kapttallsten, beim Börsianer stehen geblieben ist, sondern auch Angestellte und Arbeiter erfaßte. Ob- schwn hier fett Jahrzehnten von einer Soziauge. rung gesprochen war, zeigte sich auch bei..ihnen ganz der Geist, der die Seele des Kapitalismus ausmacht. Die Idee des idealen Sozialismus WM das ganze Volk umfassen, der neue .unlau­tere" Kapitalismus aber kennt nur eine rück- sichtslose Raffgier, die über Leichen geht und sich am wahrsten kühlt, wenn alle Konkurrenz auf der Strecke geblieben ist.

So tvafen sich zwei entgegengesetzte Pole der Volkswirifchast, nämlich der soztali. fierende Arbeiter und der kapitalistisch denkende Gewinnler wie in einem Brennpunkte, sodaß fte zunächst Hand in Hand gingen, Weil nämlich beide vom gleichen Geiste beseelt waren. Und so kam eS daß man in der JndusMe höhere Löhne forderte, die gern und leicht bewilligt wurden, da sie einen willkommenen Anlaß für eine noch stärkere Preiserhöhung boten, und dann folgten wieder die Löhne und es stiegen die Preise und man beeilte sich in diesem necki­schen Wechselspiel, denn wer eine Ellenlänge dem anderen voran kam, genoß solange einen gewis­sen Vorteil, bis sich das Wirtschaftsniveau auf die neuen Ansprüche eingestellt hatte. ES s e n k t e sich aber der Geldwert, denn den ständigen Geldschöpfungen traten keine neu erstehenden Gitter gegenüber; so schien man erst in etne voch. konjunktur einzutreten, aber allmählich merkte man die Krise, denn ungestraft lassen sich keine Gesetze übertreten. Gesteigerter Lohn ohne vermehrte Leistung mußte die Gewinne drucken und so auch die Rente und den ZinS, wodurch dann wieder die Arbeitsgelegenheit vermindert wurde.

So also wurde aus der Hochkonjunktur eine Krisis, mit Men ihren Schattenseiten. Dre Waren Wieben unverkäuflich, es tft gleicyiam eine Ueberprodvktion vorhanden, bte aber genau besechen, eine Unterkonsumtion darstcllt. denn die Preise Haden allmählich eine Gestalt an­genommen, daß sie den Martt nicht mehr anf- nöchmeMig machen, und nun kam man zu einem recht verzweifelten Mittel; die im eigenen Lande unverkäuflichen Waren warf man aus den Welt" markt und zwar zu einem Schleuderpreis, der am Weltmarktpreis gemessen, zwar wie tut Almosen anmutete, das von außen kam, gleich­wohl aber bei der Unterwährung in der Herma, doch noch Riesengewinne aowars- Nun möchte man gern alle Schuld dem Besitz und dem pn- vatwirtschasklichen System zuschreiben, das ja nur Frdhnarbeit kenne, während der soziale Staat der Glücksbringer wäre, wo gleichsam müheloses Leben einem jeden von selbst in den Schob fiele. Blind ist man aber gegen die Tat­sache gewesen, daß gerade der neue G--st dc« von so vielen geklafften .unlauteren Kapitalismus den größten Teil aller Kreise gepackt hatte, so daß der Volkswirtschaft em solcher Schaden erwachsen mußte. Wenn wir die Auswiühw des Kapitalismus bekämpfen wollen, so Een wer in erster Linie den unlauteren Geist des,erben vernichten, dann werden seine Früchte nicht ver­derbenbringend der Gesamtheit werden. Wenn wir aber dielen unlauteren Geist der kritiklosen Raffgier, des Verlangens nach arbeitslosem Gewinn und Genuß auch unter sozialer Flagge aroßaiehen, dann dürfen wir uns nicht wundern, daß die Früchte vollständig denen deS Ausbeute- fystemS gleichen. u

Richt auf den Namen des WrrtschastSsy- stems kommt er an, sondern auf den G ei st, der das Wirtschaftsleben durchweht, und je mehr der einzelne den Genuß in dem Augenblicke er« strebt, in welchem für jeden fleißigste Arbeit die dringeiidste Pflicht wird, dann kann es nicht ausbleiben, daß ans diesem Geiste pes .unlau­teren- Kapitalismus auch nur jene traurigen Früchte wachsen können, die statt Segen Vorder, den dem Lande bringen.

Man hat gesündigt auf beiden Setten. Hier

dachte man nur privatwirtschaftlich, übertrat die elementarsten Gesetze der Volkswirtschaft und sah nicht die Pfeudohochkonjunktur; dort glaubt man sozial zu denken, fährt aber unter demsel­ben Mud« und gelangt zum Abgründe, in dem angeblich nur die Sünden des Gegner- treiben. Wollen wir aber gerettet worden, so muß das privatwirtschaftliche Handeln vom sozialen Geist? durchttänft fein, die soziale Leitung aber die privatwirtschaftlichon Kräfte zu benutzen ver­stehen. Außerdem darf man nicht Ausgaben, die nie die Gesamtheit erfüllen kann, gemeinwirtschast- lich regeln wollen oder tot umgekehrten Verfah­ren das Heil suchen. In allen Dingen aber M das Wohl de s Volkes das oberste Gesetz, und hiergegen hat nuni von allen Sei­ten am meisten verstoßen.

Die deutschen Vorschläge.

Günstige Meinung in Amerika.

(Eigener Drohtberlcht.s

London, 28. April.

Die gestern aus Washington hier einge­troffenen Nachrichten deuten darauf hin, daß man Frankreich zn verstehen geben werde, daß eine Besetzung deS Ruhrgebie'tcS, so- lange nicht alles versucht worden ist, um vorher zu einer Berständigung zu kommen, in Ame­rika unangenehm empfunden würde. Rach der Meinung Lloyd Georges müsse Frank­reich damit rechnen, daß eine Entscheidung nicht vor dem 10. Mai getroffen werden könne, da die Wiodergutmachungskommisston und die Tachver ftändigen erst gehört werden müssen. Es wird angcnimunen, daß die amerikanische Regierung rasch handeln wird, damit möglicherweise noch vor dem 1. Mai eine Vermittlung stattfin­det und demzufolge die Besetzung deS Ruhr­gebietes verhindert werden kann»

Erwägung der Note.

Amsterdam, 28. April. (Eigene Draht. Meldung.) Aus Paris wird gemeldet: ES wird erklärt, die deutsche Note sei feit zwei Tagen in HardingS Hand. Man versuche ergänzende Angebote von Deutschland zu erlangen, Ber­lin habe dem Staatsdepartement verfichert, es sei bereit, vernünftige Berbefferungen anzubringen. Fn ftanzöstschen diplomattfchen Kreisen glaubt man, die fortgesetzten Unterredungen zwo scheu Hughes und GeddeS seien ein Anzeichen da- für, datz eine Grundlage für Erwägung der Borschläge erreicht werde.

Die alliierten Kabinette.

Rotterdam, 28. April. (Eigene Drahtmeldnng.) Die Times meldeten gestern mittag: Die alli­ierten Kabinette sind in einen teleMaphi- schen Meinungsaustausch über die Rote eingetreten. Sowohl die italienische Wie die eng­lische Regierung haben bedingte Ansage gegeben. Die Erwiderung der ftanzöstschen Regierung steht noch aus. Llohd George konferierte mit Asquith und auch mit den Vorständen der Ar­beiter-Partelen. Er warnte bei diesen Unter­redungen vor voreiligem Optimismus.

Englands Haltung.

Es besteht Hoffnung aus eine Lösung.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 28. April.

ßen einen Eintritt in Verhandlungen mit Deutschland keine ernsten Bedenken geltend mache.

Ergänzende Aufklärung.

Berlin, 28. April. (Privattclegrammft Laut Vossisschrr Zeitung Hai der englische Botschaft ter gestern den Reichsminister Dr. SimonS ausgesucht, der ihm weitere Aufklärungen zu den deutschen Vorschlägen gab.

Frankreich ist unzufrieden.

Gegen die deutschen Bedingungen» (Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 28. April.

In der gestrigen Sitzung des Auswärtigen Ausschusses sprach Briand, daß der Schluß der deutschen Note so gefaßt sei, daß die Sankti­onen auf der Stelle aufhören sollen und daß Deutschland wieder zur freien Welt­wirtschaft zugelassen wird. Diese Bedin­gungen seien für Frankreich vollkommen unan­nehmbar und sie würden auch dem FriedenS- verttag vollkommen widersprechen. Frank­reichs Stellungnahme zu den deutschen Vorschlä­gen bespricht der gestrigeMatin". Er verlangt im Warnen der französischen Ration eine f i - nanzielle Kontrolle Deutschlands, um die deutschen Zahlungen für alle Zeit zu sichern.

*

Der französische Botschafter.

Paris, 28. April. (Eigene Drahtmeldung ) Der ftanzösische Botschafter in Washington hat das amerikanische Staatsdepartement darauf aufmerksam gemacht, daß die deutsche Note über die neuen Vorschläge in Frankreich einen ungünstigen Eindruck hervorgerufen habe. Der Botschafter habe weiter betont, datz der Wert der deutschen Vorschläge durch die am Schluffe anfgestellten Bedingungen znm größten Teil wieder zerstört werde.

Um bas Ruhrgebiet.

Amerika ist gegen weitere Besetzung.

(Eigene Drahnneldung.)

Paris, 28. April.

Eine Agenturmeldung aus Washington be­sagt, die amerikanische Regienmg sei im Begriff die französische Regierung zu ersuchen, die Be­setzung des Ruhrgebietes a u f z u s ch i e b e n, so­bald England und Italien die denkfchen Vor­schläge nicht zurückweisen. Wenn England und Italien der amerikanischen Regierung zu ver­stehen geben, datz sie die neuen deutschen Ange­bote prüfen und errötern möchten, so wird ver­sichert, datz die amerikanische Regierung die ftanzösische Regierung wahrscheinlich ersuchen wird, die Truppenbewegung im Ruhrgebiet noch nicht anzuordnen, bevor neue Bemühungen ge- mackst worden sind, zur Verständigung.

*

Französische Sondergelüste r

Gens, 28. April. (Eigene Drahftnelvung) Der Schweizerische Preffetelegraph meldet auS Baris: Lmrchrur ist aus London zurückgekeiirt. Fm ftanzöstschen Finanzausschuss teilte Marshal mit, datz kein Franzose den Vorschlag der Deut­schen annehmen möchte. Die militärische Macht Franfteichs muffe bis hundert Kilometer rechts des RheinS gehen. Die Basier Rationalzel- runq berichtet von der Möglichkeit einer sran- zösischen Sonderaktion und sagt, dir ganze Ent­wicklung der Zukunft der Welt hängt jetzt an einem Faden, und diese Tage werden nicht we Niger entscheidend fein, als jene im Juli 1914.

Die englische Regierung soll den Wortlaut der neuen deutschen Vorschläge bereits von Washington erhalten haben. Sie habe sestgrstellt, datz der Wortlaut von dem durch die deutsche Regierung veröffentlichten erheblich verschieden sei und der englische Botschafter in Berlin sei darum gebeten worden, die deuffche Regierung um Aufklärung zu bitten. Die amtliche Auffas­sung in London fei die, datz die neuen deutschen Vorschläge dem Pariser Abkommen ge­nügend nahekommen und die deutsche Rote noch die Hoffnung bestehen lasse, datz eine L ö - fungzufindensei.

Neigung zu Verhandlungen.

London, 28. April. (Eigene Drahtmeldnng ) Das britische Kabinett beriet gestern über die deutsche Rote und man glaubt, datz daS Kabinett schon Aufklärung über verschiedene Punkte erh-rl. len habe Das Auswärttg- Amt gibt den Zei- tungskorresvondenten der englischen Presse eine Information, wonach die englische Regierung gr.

Französische ^Rüpelei.

Etrasieukampf in Mülheim bei Köln.

(Privat-Telrgramm.)

Köln, 28. April.

In Mülheim bei Köln riefen franzö­sische Soldaten einen Streit mit einem Deutschen hervor und schoflen dann blindlings auf die Stratzenpassanten. In ihrer Wut machten die Franzosen keinen Unterschied zwischen Freund und Fernd. Englische Soldaten wurden zu Boden gerissen und mit Tritten und Kolben- schlägen in bestialisclnr Weise misshandelt. Später wurde die Strassenbahn unter Feuer ge­nommen. Der britischen Milttärpslizei, die ge­meinsam mit der deutschen vorginq, wurde hef­tiger Widerstand entgegengesetzt. Ein ftanzöst- scher Soldat wurde gefesselt von den Engländern abgesülirt. Das Gewehrs euer hat eine Stunde gedauert. Tie Zahl der Verwundeten steht noch nicht fest. Die britische Militärbehörde hat eine Untersuchung ciimekitct

Die neue Zollgrenze.

Trennung vom besetzten Gebiet.

®ie Schwierigkeiten, bte burch di, neue Zoll­grenze rechts des «Heins entstanden sind, werde« im nachstehender» Bericht deutlich gekennzeichnet

DaS Hindernis bei der Durchführung der neuen rheinischen Zoll-Linie übersteigt schon jetzt sicherlich alle Erwartungen der geistigen 'Bätet des Gedankens. Persönliche und sachliche Schwie-- rigketten häufen sich in einem Matze, daß ein auch nur entfernt nennenswerter Rutzenfür die Eli. tenteländer in absehbarer Zeit nicht zu er» warten ist. Alle diese Schwierigkeiten beleuch­tet der Rcichstagsabgeordnele Dr. Reichert in einem beachtenswerten Aufsatz in den Wirtschaft, liehen Nachrichten aus dem RUHrbezirk, in weft chem er sich über die Frage der Gegenwatz. nahmen von deutscher Seite folgender­maßen äußert: Die rheinische Industrie sitzt gewissermaßen in der Falle. Sic zahlt auf jeden Fall Zölle, mag sie auf die Einfuhr von Roh» urtd Halbstossen über die West- oder Ostgrenze, mag sie aus die Ausfuhr nach Norden oder Süden anaewi.'sen fein Nur für den Bezug und für den Absatz innerhalb des besetzten Gebietes ist sie noch frei. Die Folge wird fein, daß die rheinischen Firmen bestrebt sein werden künfttg möglichst das naheliegende rheinische Geschäft zu pflegen, ebenso wie die Industrie tot unbesetzten Deutschland zollfreie Geschäfte östlich der rheini­schen Zoll-Linie vorziehen wird. Da aber Stil- krönen von Jndustriebeziehungen in Einkauf und Verkauf, in Rohstoffbezug und Warenlieferungen über die östliche Rheinzolltoie hinüber und her» Wer führen, werden zahlreiche Geschäfte unter die Zollbelastung fallen, soweit nickst Verstau» digungen Mischen den Konkurrenzfirmen über den Austausch oder über bte

Abtretung von Aufträgen stattfinden. Es Eßt sich leicht der Fall denken, daß zum Beispiel eine rheinische Baumwollwebe- rei auf vorliegende Aufträge aus deut östlichen Deutschland verzichtet, Wenn sie dafür in solche Aufträge eintreten kann. Welche im unbesetzten Gebiet gelegene Webereien mit rheinischen Be­stellern abgeschlossen Haden. Es wäre jedoch falsch, anzuuehme«, datz sich auf diese Weisse ein voller Ausgleich von Aufträgen schaffen ließe, welche die diesseits und jenseits der Rheinzoll, linie ansässigen Fabrikanten aller Wirtschafts» zweige heranholen könnten. Vielmehr werden bei der verhältnismäßig stärkeren LeistungSsBhi^ett der rheinischen Industrie die besetzten Ge­bt e t e bei weitem nicht soviel Absatz bieten, wie ihn die im unbesetzten Deutschland liegenden Fabriken in den Gegenden östlich der Entente» zollinie finden können. Daher müssen die rheini­schen Werke, wollen sie größere Arbeitslosigkeit vermeiden, nach wie vor dem Geschäft in dem rechtsrheinischen Deutschland nach- geben, auf die Gefahr hin, von der Zoll-Last ge­troffen zu werden. Das Deutsche Reich hat bei seiner bekannten mißlichen Finanzlage keine Mit­tel, um solche Zölle zn tragen und den betreffen­den Kreisen Schadenersatz zu leisten. Die Streit- frage,

ob Lieferant oder Abnehmer die Zölle bezw. die Statistische Gebühr der En« tente beim Verkehr über die Rheinzollinie zir tragen bat, erfüllt jetzt schon die Erörterungen der Fachpresse unb Fachverbände. Mit der nahe- liegenden Erklärung, daß die Lieserbeb ingunmn und unter diesen der On der Erfüllung die Frage en!scheiden, ist nicht viel geholfen. Trotz- dem wird der Briefwechsel mit den Geschäfts» freunden Klagen aus Klagen häufen. Daher wer. den die Fachverbände der Industrie, mögen e$ Sdndikate. Kartelle oder Konventionen fein, nicht um die Frage herumzukommen, ihr>m Preis- Zcchlungs- urtb Lieferungsbedingungen zu ent« scheiden, 0b sie die Zollbelastung auf ihre Mit- glieder als Sieteianten oder auf ihre Kunden als Abnehmer abwälzeri wollen. Dollen die bei- berf ei tigert Geschäftsbeziehungen zwischen dem besetzten unb unbesetzten Deutschland aufrecht­erhalten bleiben das ist nicht nur eine drin­gende wirtschaftliche, sondern auch eine wichtige politische Angelegenheit, dann mutz diese Frage auf gütlichem Weae gelöst werden. Macht sich doch jetzt schon Zurückhaltung der Besteller gegenüber den rheinischen Lieferanten recht un­angenehm bemerkbar. Jetzt muß ssch zeigen, in­wieweit die deutschen Industriellen und Kauft Icute gesonnen sind, ihre so häufig gehörte Ver­sicherung in die Tat nmz »setzen, daß keine Gewalt die Zusammengehörigkeit der links- und rechtsrheinischen Deutschen trennen könne.

Arbeits-Beschaffung.

Gc-egenheit für Arbeitslose.

Ans dem Reichspostministerium wird uns fit» schrieben: Um der zunebmenven Arbeitslosigkeit zu steuern, hat der ReichSpostministcr die Lber- Postdircttioncn beauftragt, die für bas Rech­nungsjahr 1921 geplalttcn größeren Beränbe- rungen an den Telegraphenlinien