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Kasseler Abendzeitung

11. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, 21. April 1921

Nummer 87

Fernsprecher 951 und 952.

Verschärfter Druck der Alliierten

ustv. etwa dreihundert Mann gebraucht werden, so benötigt Frankreich hundcrtfiinfzigtausend Mann für die Absverrimgsmaßnabmen. Und selbst dann, wenn diese 150000 Mann auch in tiefer Gliederung aufmarschiert sind, wird ein Schmuggelverkehr und ein Schieber- tum ohnegleichen einsetzen. Wahrend täglich in den Papi.rkörben der französischen ZoLkommis- ston in Ems hunderrtansende Bewilligungs-For­mulare modern, wird an der neuen Grenze das Paradies der Schieber und Schmuggler blühen, die ja schon ost genug den Beweis geliefert ba­den, was ihnen alles möglich ist, und die nun

Teilnahme der Beamten.

Berlin, 20. 9tyriL (Privattelegramm.) An den Beisetzungsfeierlichkeiten der Kaiserin in Potsdam haben nach einer Schätzung der Pots­damer Aeituna etwa 250280 000 Personen teil genommen. Von dem Berliner Magistrat sind über zweitausend Beamte dem Dienst ferngeblie ben, um an der Beisetzung teil,,«nehmen, obwohl Urlaub nicht erteilt worden war. Die Beamten berufen ffff> auf das B-'fviel beim ?vde bes we­gen Verbrechens des Hochverrats beschuldigten Kommuniftcirsilhrcrs Snlt, zu dessen Beerdigung der Magistrat allgemein Urlaub erteilt hat. Ebcnsogrotz ist die Zahl der vom Dienst frrnge-

Stoei Kontroll-Hauptstellek.

Solingen, 20. April. (Prirattelegramm.) Nach den Anweisungen der englischen Zollbeam­ten erfolgt die Zoükontrglle der Personen-, Eil­und Güterzüge in Ohligs, des Güterverkehrs im Bahnhof Opladen. Das Zollamt in Op­laden ist durch viele deutsche und mehrere eng­lische Beamte verstärkt worden.

Das Rheinland.

Abschnürung durch die Zollgrenze.

vliebencn Beamten des Berliner Polrzelpräsi- dlums und der übrigen Behörden. In dem größ­ten TeU der'Büros der BerwaUungs- uns Ge­richtsbehörden mutzten die Termine ausfallen, weil die Beamten in großer Zahl der toten Kai­serin die letzte Ehre erwiesen.

Deutschlands Doncyläge.

Dor der Aeberreichnng in Paris.

(Privattelegramm)

Berlin, 20. April.

DaS Reichskabinett hat am Dienstag seine Beratungen über die deutschen Vorschläge an die Entente zu Ende geführt. Aller Voraussicht nach wird die Vcröfscntlichu.ig der deutschen Vor­schläge erst nach ihrer Ueberreichung in Paris, das ist Ende dieser Woche, erfolgen. In Paris erwartet man die neuen deutschen Vorschläge schon heute oder morgen. Ter Inhalt dieser Vorschläge sei gestern von der Berliner Regie­rung festgesetzt worden, und man ist bereits in der Lage, sichere Andeutungen über ihren Inhalt anzustcllen. Es werden verschiedene Angaben gemacht und daraus kann geschloffen werden, daß die eine oder andere der Nachrichten nicht zutreffend ist cs sei denn, daß die deutsche Ne­gierung mehrere Programme anfgeftellt hat, die der Entente zur Auswahl vorgelcgt werden.

Die neue Zollgrenze.

Starke Erschwerung de« Güterverkehr«.

(Privat-Telegramm.)

Köln, 20. April.

DieCologne Post" schreibt in der heutigen Morgenausgabe: Die rheinische Zollgrenze tritt heute um Mitternacht in Kraft. Die Zollbeam­ten beginnen alsdann mit der Erhebung der Ab­gaben, die den Bedingungen derSanktionen" dir Alliierten entsprechen. Um 12 Uhr heute Nacht werden alle Güter, die über die ®renje kommen, dem Zolle unterworsen. Die Hauptstelle im besetzten Gebiet ist OhligS, wo Offiziere heute na<U den Dienst versehen. Das Zollaufsichtsamt teilt mit, daß vom 20. April an Frachtbriefe von Zollinhatlser- klärungen begleitet sein müssen Diese Er­klärungen müssen vollständig sein «. die richtige Einstufung nach dem deutschen Tarif enthalten.

Di« Raffeln Neuesten Nachrichten erscheinen wLchenUtck sechsmal und »war abend S. Ter vbonnewenlSprelS beträgt monatlich 6.00 Mart bet fr ein Anstellung tni kaut. Aus­wärts durch bte Post bezogen 6.30 Mart monatlich einschließlich gustellung. Bestellungen werben tednz-tt van der «eschäftSNeUe oder den Boten entgegengenommen. Druderet, «erlag und Redaktion. kchlachthofftraße 28/30. gut unverlangt eingelandie Beiträge tarnt die RedaNivn eine «erantieortong »der Bewähr in teinem Falle übernehmen. Rückzahlung des BezugSgeide» ober Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungSMätzign Lieferung auSgeschlosten.

auch sicher wenigstens die §älfte des Warenver­kehrs bewältigen werden. Daß damit eine Er­höhung aller P r e i s e um fünfzig vom Hmi- bert oder auf das Doppelte verbunden ist, wird sich wohl bald zeigen. Aber die Völker der Welt können sick damit trösten, daß ein befrnchtend-r Goldstrom eine gewaltige neue Finanzaristokratw der § Lieb er aufblühen lassen wird, gegen die alles bisher Dagcwesene ein Kinderspiel ist Es sei nur noch bemerkt, daß von dem Waren­absatz der deutschen Industrie im besetzten Ge­biet, soweit er für das deutsche Reich bestimmt war, neunzig vom Hundert in das unbesetzte Gebiet gehen. Wirb dieser Abstrom gehemmt, fo wird das Rheinland bald Hn'iderttausende und Aberhunderttausende von Arbeitslosen habe", die der Besatzung wohl auch nicht wenig Kopf- chmerzen machen werden. ss=

tim die Zahreszahlungen.

Paris, 20. April. (Eigener Drabtbericht.) Nach einer Andeutung soll die deutsck-e Regierung in erster Linie den Vorschlag wiederholen, den Dr. Simons am Vormittag des 7. März in Lon­don gemacht hat, nämlich die bekannte Pau­schalsumme, die in den ersten fünf Jahren feste Zahlungen vorsieht, und zwar in den ersten zwei Jahren je zwei Milliarden Goldmark, im dritten, vierten und fünften Jahre je drei Mil­liarden Goldmark, also insgesamt dreizehn Mil­liarden Goldmari in den ersten fünf Jahren. Danach die bekannten veränderlichen, anpas­sungsfähigen Jahrcszahlungen, enftprechcnd dem wahrscheinlichen Ergebnis der zwölsprozentigen Abgabe aus die in die Ententelöudcr eingcfimr- ten deutschen Waren. Für die folgenden Jahre wären wiederum entsprechend dem Londoner Vorschlag von Dr. Simons weitere feste Jahres­zahlungen vorgeschlagcn, ferner veränderliche Zahlungen, die auf einer von Sachverstnndtgcn ^estzulegenden Grundlage kalkuliert werde«

Wieveraufbau und Geldmittel.

P a r i s, 20. April. (Eigene Drah-tmekdung) Wie verlautet, wird die deutsche Regierung einen W i c d e r a u f b a u p l a n für die zerstörten Provinzen vorlegen, der eine Beteiligung der deutschen Arbeitskräfte und Lieferung von Roh­stoffen oder Erträgniffen vorsieht, außerdem eine Beteiligung der Entente an den Ge- Winnen der deutschen Jndustrieunternehmun- gen und zwar bis zu einem Gesamtbeträge von dreißig Prozent, und schließlich in wichtigster Linie würde Deutschland die Ententeschul den gegenüber Amerika auf sich nehmen und die Zinsen dieser Schulden tragen.

Der Leichenzug.

Berlin, 20. April. (Privattelegramm.) Der Traucrzug setzte sich »m 9J4 Uhr in Bewegung, Dem Zuge voran schritt die Geistlichkeit. Es folgten die Offizicrkorps der Regimenter, deren Chef die Kaiserin war. Dem Sarge wurden In­signien vorongetragen. Auf einem mit vier Pfer­den bespannten Wagen ruhte der Sarg, der mit einem violetten Barluch bedeckt war. Das Tuch trug ebenso wie die gleichfarbigen Schabracken der Pferde das königliche Wappen. Der verhängte Sarg zeigte keinen Kranz oder Blumensamtuck. Der Zug nahm in atemloser Stille seinen Weg. Trauermusik war nicht bestellt. Hinter dem Sarge schritten Prinz Eitel Friedrich und die Kronvrtnzessin. Ihnen folgten Prinz Adal­bert und August Wilhelm und Prinz Oskar mit Gemahlin, sowie die beiden jüngsten Söhne des Kronprinzenpaares. Unter den zahlreichen Fürst­lichkeiten bemerkte man die Großherzöge von Baden Hessen, Oldenburg, Sachsen-Weimar und Mecklenburg-Scktzverin, ferner den Herzog von Braunschweig und König Ferdinand von Bul­garien. Hinter den Fürstlick^eiten schritten als Se Hindenburg und Ludendorff. Ihnen folgten freidje hohe Generale, unter ihnen von Mak- kensen, Kluck und von Tirpitz, sowie frühere Würdenträger des Reiches und Hofstaates. Den Schluß bildete wiederum die Geistlichkeit. Der Sarg wurde im Antiken Tempel aufqebahrt. An der Feier dort nahmen nur die nächsten Ange­hörigen teil. Die Rede hielt der Oberhofprediger Dr. von Dryander. Während der Feier brachte ein Flieger mit einer Kranzspende aus den Lüsten der Kaiserin den letzten Gruß.

Am Tage der Beisetzung.

Die Menge der Leidtragende«.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 20. April.

Unter einem Andrang von etwa fünfzigtau­send Menschen ist die letzte Kaiserin gestern zu Grabe getragen worden. Schon am Montag etzte die Zuwanderung ein, so daß die wenigen Gasthöfe bald überfüllt waren und wohl mehr als zehntausend Personen die Nacht im Freien, in den Straßen nnd Parks verbringen mutzten. Am Dienstag morgen setzte dann ein Strom von Fußgängern, Fuhrwerken und Automobilen nach Potsdam ein. Der Ordnungsdienst in Wild­park wurde von tausend Beamten der Schutz­polizei versehen, die sich freiwillig dazi,t ge­meldet hatten. Gegen Z47 Uhr begann dann der Aufmarsch der Reichswehr, die aus den allermeisten Garnisonen Deputationen entsandt hatte. Die in Berlin garnisonierenden Regimen­ter waren fast ohne Ausnahme vertreten. Die Potsdamer Garnison warEschloffen zur Stelle. Insgesamt waren etwa fünftausend Mann des Rcichsheeres in Wildpark eingetroffen. Unter der großen Zahl der Deputattonen fielen beson­ders diejenigen der Studenten mit ihren Chargierten in vollem Wichs auf. Vertreten war unter anderem auch der Bund der Schleswig- Holsteiner und der Deutsche Treubund. Außer diesen Deputationen bildeten Vereine und Kor­porationen Spalter. Die Absperrungsrnaßnah- men waren gut organisiert, so daß die Trauer- Feierlichkeit ohne jede Störung verlief.

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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung ____

vierundachtzig Fernleitungen

Waren zerstört. Am. Sonnabend war diese Zahl auf fün.zig, am Sonntag auf dreiunddreißig utt» gestern auf zweiundzwauzig herabgcdru-tt. An Telegraphenleitungen waren fiinsund- iebzig kaput. gestern noch dreiunddreißig. Da auch m der Umgebung die Telegraphen- und Fernleitungen zerstört, mußten die dadurch hcr- vorgerufenen Störungen mit einer gewissen Be- chleunigung beseitigt werden, da sonst der große Durchgangsverkehr Kassel ist ein bedeutender Knotenpunkt lvhmgelegt worden wäre. Bei­spielsweise hätten Hamburg und Frankfurt lerne Verbindung gehabt und nicht mehr arbeiten kön­nen. Die eigentliche Störungsurfache, die in der Nacht zum Sonnabend zur zeitweiligen Be­triebseinstellung führte, waren söge- nannte Dauerbrenner. Die vor den Lei­tungen eingeschalteten Sicherungen brannten durch und dadurch waren auch die Hauptstcherun- gen erledigt. Wären andere Sicherungen einge­schaltet worden diese Maßnahme Hätte die ganze Batterie-Anlage vernichtet und den Ver­kehr mit den insgesamt sLnftausend Anschlüssen in Kassel überhaupt auf längere Zeit lahmgelegt, denn ... das gleichzeitige Brennen aller Lämp­chen hätte ungeheuren Strcm beansprucht und die Batterien zum Schmelzen gebracht. Do wurde rasch der Entschluß der Betriebseinstellung ge­faßt, und erst am Sonnabend gegen elf Uhr mit­tags konnte der Betrieb wieder ausgenommen werden, nachdem ein einigermaßen klarer Ueber- blick geschaffen war. Seitdem wird fieberhaft gearbeitet, aber ... di« Verwaltung ist nicht in der Lage, einzelne bestimmte Anschlüsse mit Vor­rang wieder betriebsfähig $u machen. In erster Lime müssen Feuerwehr, Polizei, Krankenhäu­ser, Aerzie ustv. bedacht werden, da von diesen imfer aller Wohl und Wehe abhängt. Aus ge» schöfttiche und andere Interessen kann twrlaufig keine Rücksicht genommen werden. Der Telegra- phendirestor erwähnte, daß Berge von Gesuchen dieser Art vorliegen und fügte dann hinzu: Jetzt müssen systematisch die

einzelnen Linienzüge

instand gesetzt werden, nnd dann wird wohl dvÄ Schlimmste bald beseitigt sein. Aus die Frage, wann mit einer Beendigung der jetzigen Kala­mität zu rechnen ist, antwortete Terearajchen- direktor Ehemann: I ch denke, ineinbts Mei Tagen. Dann kann mindestens das Gros her Teilnehmer wieder befriedig werden. Einzelne mehr auswärts gelegene Teilnehmer werden wohl längere Zeit in Anspruch nehmen. Jeden­falls: Heute (Mittwoch) abend sind wir wieder auf dem Laufenden. Was zu tun ist und getan werden konnte, wurde getan. Wir hatten am Sonntag Werftagsdienst. Die Kolonnen, die neue Anschlüsse Herstellen Men, die Neuan­schlüsse müssen allerdings jetzt zurücktreten antz die Leitungen instand zu hakte« haben, die Be» zirkskolonnen für Fernleitungen, die Angestellten und Beamten der Störungsstellen alle war» den zusammengeworfen. zu weiter nichts an- - berem als der Beschäftigung: So rasch aks mög­lich in den nächsten Tagen alle Störungen zu > beseitigen! Nochmals versicherte der Telegra- - pheudireftor beim Abschied: Was getan werden - tarnt, das wird getan, um die Folgen des Natnr- ereignisses rasch zu überwinden. UedngenS, et-

Wie die Alliierten, insbesondere die Franzo- \ fen versuchen, außer durch die militärischen 1 Zwangsmaßnahmen auch durch wirtschaftliche Raubmethoden das Rheinland vom deutschen > Mutterlande zu trennen, das ist aus der Errich- tung der neuen Zollgrenze ersichtlich. Gegen btefe Abschnürung des Rheinlandes hat die deutsche Reichsregieruna zunächst P r o t e st er- hoben, ob mit Erfolg oder nicht, wird schon eine nahe Zukunft ergeben. Den Protest hat die 1 Regierung sogleich nach Androhung der Srraf- Maßnahmen gegen die beabsichtigten Anorbnnn- gen eingereicht, da diese nach ihrer Meinung gegen den Vertrag von Versailles und gegen das Völkerrecht verstoßen. Nunmehr hat die Inter­alliierte Rheinlandkommission, die von den alliierten Mächten mit der Einführung eines be­sonderen Zollregimes beauftragt worden ist, den Versuch gemacht, dieser Maßnahme ben Schein der Vertragsmätzigkeitzu geben, indem sie sich zu diesem Zwecke der Rechte und Befug­nisse bedient, die ihr das Rheinlandabkommm für ganz andere Aufgaben gewahrt und indem sie die Anordnung in Form einer Ver­ordnung gemäß Artikel 3 des Abkommens Nei­det. Indessen gewährt auch btefe sunstische Form der Anordnung nicht die ihr fehlende rechtliche und vertragliche Grundlage.

Die Verordnung stellt vielmehr nach Form mb Inhalt eine neue flagrante Verletzung oeS Vertrages von Versailles unb bes Abkommens über bte militärische Besetzung der rheinischen Gebiete dar. Artikel S des Rheinlandabkam- mens gibt der Interalliierten Rheinlandkommis- sion nur das Recht, Verordnungen zu erlassen soweit dies für die Gewährleistung des Unter­halts, der Sicherheit und bet Bedürfnisse der Streitkräfte der alliierten und assoziierten Mächte nötig ist. Dar besondere Zollregime steht mit dem Unterhalt, der Sicherheit oder den Bedürfnissen der Streitkräfte in keinerlri Zu- fcrmmenhanq Für den Erlaß der Verordnung kann sich die Rheinlandkommissivn weder aus den Friedensvertrag, noch auf das Rheinland- abkommen noch auf fonstige völkerrechtliche Ver­träge stützen. Das räumliche Zuständig- kettsgebiet für die Wirksamkeit der Inter­alliierten Rheinlandkommissivn überhaupt u w für die von ihr erlassenen Verordnungen ist im Rheinlandabkommen fest umschrieben: Es um­faßt mir das Unke Rheinufer und die Brücken­köpfe Mainz. Koblenz und Köln. Es ist ein Verstoß gegen diese Bestimmung wenn bte Rheinlandwmmifsion ihrer Verordnung Gel­tung beilegen will für die neubesetzten rechts­rheinischen' Städte und den Mischen den Bruk- 'enköpfen Main, und Koblenz liegenden söge - rannten Flaschenhals.

Artikel 270 des Vertrages von Versailles ge- stattet den alliierten und assoziierten Mächten die Einführung eines eigenen Zollregimes für die besetzten Gebiete nur unter der Voraus- setzung, daß eine solche Maßnahme erforderlich erfdieint, um die wirtschaftlichen Interessen der "B e v ö l k e r u n g dieser Gebiete zu wahren. Tie beteiligten Mächte und die Rheinlandko-m- misston haben aber gar nicht versucht, die Maß­nahme mit der Notwendigkeit der Wahrung der wirtschaftlichen Interessen der besetzten Gebiete «u rechtfertigen. Sie haben sie vielmehr als Repressalie unb Strafmaßnahme charak­terisiert. Der Herr Minifterpräiident ber französischen Republik hat in bei Deputierten- tammer ausdrücklich anerkannt, daß es sich bter nm ein über die Bestimmungen des Vertrages »n Versailles hinausgehendes Vorgehen handle. Wie wenig in der Tat daZ besondere Zollregime den wirtschaftlichen Interessen »er besetzten Gebiete gerecht wird, zeigen am »eutliwsten die zahllosen Proteste aller wirt- chafilichen Vereinigungen dieser Gebiete.

Man kann einer Aeußcrung die der Kölni­schen Zeitung aus industriellen Kreisen zugegan- zen ist. nur zufiimmen, wenn darin gesagt wird, die neue Zollkontrolle verursache nicht nur eine Stockung des Verkehrs Mischen dem besetzten Gebiet und dem übrigen Deutschland, sondern sie sei auch eine beabsichtigte HandelSsPio- nage Tie Nachteile werden sich aber auch noch auf andere Weise vermehren. Die Zoll-Linie ist zum Beispiel fünfhundert Kilometer lang. Rechnet man, daß für die Bewachung jedes Kilo­meters in drei Schichten täglich mit Ablösungen

Lenzschnee-Folgen.

Die Zerstörung »e« Kasseler Draht-Verkehr», «ie für das ganzeSittfCbafte- ««d D-rledrtz. leben in Raffel »erhSngnibvolle etärung tM Se»nfb»e<Sh>efenS vcranlatzte unseren H-H.-SSit- arbeitet zu einet antetrebuna mit Sei«. grapt»cnblt«ttor Ehemann vorn Telegraphenantl

Den Ernst der Lage, den der unerhörte Schneefall in der Soinnäbend-Nacht geschaffen, kennzeichnet am besten eine barmherzig- Schwe­ster vom Elisabeth-Krankenhaus. Sie bittet un Interesse der Kranken um Wiederherstellung der Leitung. Zur Sache selbst. Der Telegraphen- dircttor gibt zunächst folgende Darstellung der Störung. Die Leitungen werden in Limenzugen oberirdisch geführt. Jeder Zug hat 100, 80 m>er 50 Leitungen. Sind nun ein oder zwei Drahte gerissen, so sthlingen sie sich um die anderen Drähte und verursachen aus btefe Art die große Störung. Auch die anderen Leitungen, dis an sich intakt, sind danin nicht mehr betriebsfähig. )is die dazwischen hängenden Drähte repariert ind. So liegen die Dinge augenblicklich in Kas­el und das Telegraph en amt mußte zunächst dar­auf bedacht sein, die zerrissenen Drähte zu besei» tigen und durch neue zu ersetzen. Das erfordert naturgemäß ungeheuere Mühe und Arbeit. Hiev unr ein paar Angaben über den Grad der Zer­störung. Mehrere Gestänge sind birrft umge- fniett, die Rohrstangen umgelegt, so m der Mit- telaasse, am Steinweg, in Rothenditmold (dort allein vier), in ber Artilleriestraße usw. Zerris- ene Leitungen lagen fast überall ^herum, vor allem in der Sedanstraße, Orleansstraße, Wil- helmshöher Allee, am Steinweg, am Altmarkt, in Bettenhausen, Rothenditmold, VrasseWberg, Äringshausen, Frommrrshausen und noch wei­ter hinaus. Sogar