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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Nummer 77

Sonnabend, 9. April 1921

Fernsprecher 951 und 952.

11. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Keine Politik im ReichSheee.

Seulfch-ruMcherHande!

Ein KrtegSentfchSbigungsprohlem.

Bon \

Dr. rar. poL Gerhard Schacher. /

Ebenso tote England bemühen sich seit Wngerer Zeit auch die Vereinigten Staa­ten um den russischen Liarkt, und es unterliegt Wohl keinem Zweifel, daß nächst der Wiederher­stellung normaler Handels-Beziehungen zu Deutschland das Bestreben Hardings dar­auf gerichtet sein wird, der amerikanischen In­dustrie das russische Wirtschaftsgebiet zu offnen. Für die Vereinigten Staaten handelt es sich zunächst um die in Sibirien und Ostruß- lantz wartenden Aufgaben des Wiederaufbaues, die, wie alle Probleme in Rußland, in erster Reihe Transportfragen darstellen. Man verkennt jenseits des Ozeans die gewaltigen Schwierig­keiten der Dalutafrage Rußland gegenüber keineswegs. Immerhin liegen die Verhältnisse in Amerika aber wesentlich anderes als in Deutschland, weil sehr bedeutend- GoDmengen zur Verfügung stehen, über deren Verwendung für die Wiederaufdauarbeiten im Gegensatz zu allen französischen Aspirationen man sich In Amerika, wo man kaufmännisch denkt, klar ist.

Bereits die kommenden Monate werden wie­derum erweise^, ob es auf die Tauer möglich sein wird, durch politische Eingriffe die natür­liche Entwicklung wirtschaftlicher Verhältnisse aufzuhalten Den ersten und schwersten Ein­griff in die von der Natur gegebenen Handels­beziehungen zwischen Rußland und Deutschland stellt die Wirtschaftlich und geschichtlich geradezu ungeheuerliche Behinderung des Han­delsverkehrs durch Schaffung des pol­nischen Puffer st aates und die großen, handelspolitischen Vorrechte dieses Staates dar. Diese zwischen zwei Ländern, die aus den ver­schiedensten Gründen hinsichtlich ihrer wirtschaft­lichen Entwicklung so auseinander angewiesen sind, wie Deutschland und Rußland, mifgcrich- trte Mauer ist auf die Dauer unhaltbar; >enn es muß und wird stets das Bestreben bei­der Teile sein, sie nisderzuretßen. Für den Handelsverkehr mit Rußland sind wir heute tatsächlich auf br Seeweg angewiesen, und cs bedarf keines besonders scharfen Blickes für wirtschaftliche Entwicklungen, um zu erkennen, daß ein so widernatürlicher Zustand für die Län­ge der Zeit völlig unhaltbar ist.

Es ist heute weniger möglich als je, das Schicksal der innerrusstschen Politik vorauszu­sagen. Sicher ist mrr das eine, daß jede r u s s i - sche Regierung, sei sic mtn bolschewistisch, bür­gerlich oder reaktionär, der Anbahnung von Handelsbeziehungen zum Auslande, insbesondere aber zu Deutschland, sinen b-»- deutenden Teil ihrer Kraft wird zuwenden müs­sen. Der Aufbau von Auslandsbeziehunaen unter Ausschluß Deutschlands eröffnet Mr Ruß­land jedoch nur eine vorübergehende Möglichkeit der Heilung der schlimmsten, durch den Umsturz geschlagenen Mrischaftswunden, während ein ruhiger, shstematischer Aufbau und der wirkliche Eintritt Rußlands in die Weltwirtschaft ohne Deutschland weiter unterbunden bleiben müßte.

Auch Mr den internationalen Handelsver­kehr selbst aber liegt hier die einzige Lösung einer Besserung der mißlichen Verhältnisse. Un­ter den gegenwärtigen Umständen des interna­tionalen Absatzmangels die zunächst aNcrdfnos den deutschen Export aus valutarischcn Gründen nicht in dem Matze in Mitleidenschaft gezogen haben, wie den anderer Staaten, bleibt für Deutschland, wenn es überhaupt in die Lage kommen soll. Enffchädigungen an die En­tente zu leisten, nur der russische Absatz­markt. um ervortköhige Werte herein zu bekom­men. Wird aber diese Möglichkeit durch den Ausbau einer Ententekontrolle im Handelsver­kehr oder auch durch Polen unterbunden, so ist es die Entente, mit ihr aber auch Amerika, das an dem Aufkommen der deutschen Ent­schädigungen hinsichtlich der Rückerstattung seiner den Alliierten gewährten Darlehen ein gleiches Interesse hat, die bierunter leidet.

. So liegen in dem russischen Problem zahl­reiche Fragen verborgen, an denen man nicht vor- übcrgehen kann, wenn man das Gebiet der deutschen Entschädigungen betrachten will Alle LösungM, die man Bier findet, haben Hnen mehr oder weniger provisorischen Charak­ter, so lange das wichtigste internationale Wirt­schaftsproblem des Wiedereintritts Rußlands in die Weltwirtschaft nickst gelöst worden ist. Auch in anderer Hinsicht bleibt das Problem Ruß­lands mit dem Deuffchlands eng verknüpsi. Hicr sei beispielsweise wrr an die oberschlefi- sch« Frage erinnert. Rußland kann und wird niemals freiwillig dulden, daß die Macht Po­lens durch die Einverleibung Oberschlesiens zu einer dauernden osteuropäischen Gefahr wird, die eine friedliche Entwicklung der wirffchastki- chen Beziehungen zwischen Deutschland und

I Rußland ständig unterbinde-. So tarnt erst der I Zeitpunkt, an dem das zerschlagene und dennoch so außerordentlich entwicklungsfähige russische Wirtschaftsreich wieder in die Weltwirtschaft Antritt, auch die großen Fragen der Politik und des internationalen Handels zu einer wirklichen Klärung bringen.

Militär und Politik.

Ei» Verbot durch de» Reichswehrminister. lVrivat-Telegramm.)

Berlin. 8. April.

Der Reichswehrminister hat unter dem 1. April eine Verfügung erlassen, worin es heißt: Auf Grund des Paragraphen 36 des Wehrgesetzcs verbiete ich hiermit allen Soldaten, Offizie­ren, Unteroffizieren und Mannschaften: 1. Die Teilnahme an politischen Versammlun­gen. Versammlungen, die zwar ohne Angabe eines politischen Zweckes einberufen worden find, aber im Laufe der Verhandlungen sich mit po litischen Angelegenheiten befassen, hat jeder Sol­dat sofort zu verlassen, sobald ihm diese Aende- rung des Zweckes erkennbar wird. 2. Die Zuge- HSrigkeit zu politischen Vereinen. Politisch ist ein Verein, wenn er eine Einwirkung auf politische Angelegenheiten bezweckt. Svlche Einwirkung auf politische Angelegenheiten liegt schon dann vor, wenn die Bestrebungen des Vereins daran gerichtet sind, die Gesetzgebung oder die Verwal­tung des Reiches oder der Länder zu becinflusscn-

Politische Vereine.

Berlin, 8. April. (Privattelegramm.) In der Verfügung des ReichSwehrministers werden einige politische Bereinigungen na­mentlich gekennzeichnet. Zu solchen politischer» Vereinen, denen die Soldaten nich angehö- ren dürfen, zählen beispielsweise a) sämM- che Organisationen politischer Parteien, also so­wohl Zentralverbände wie auch Landesverbän­de nnd Ortsgruppen, b) der Verband deutscher Offiziere, t) der Verband nationalgesinnter Sol. baten, b) der Republikanische Führerbund, e) die Osfiziersvoreinigung der deuffchen Republik. Ist einem Soldaten zweifelhaft, ob es sich um eine unter das Verbot fallende politische Bereinigung handelt, so hat er sich an seine vorgesetzte Dienst, stelle zu wenden »md Entscheidung abzuwarten.

Bebetgtlffe in Sbrrschlefien.

Verbrecherische polnische Banden.

(Privat-Tckcgramm.)

Beuthen (Oberschl.), 8. April.

Am 1. April, in der Nacht, wurde die Grenz­wache in KoSlowagora meuchlings von Banditen überfallen. Die Apobeamten, zwei Polen und vier Deutsche, wurden von den Banditen nach Polen verschleppt. Sie wurden zuerst zu einem polnischen Kompagnieführer geschleppt und hierauf in Sosnowice eingeliefert. Auch hicr in Sosnowice wurden sie eingehend vernommen. Die deutschen Beamten sollten mit Au§nahn»e ihres polnischen Führers dort bleiben, bis eine Enffchcidung Korfantyö cingegangcn sei. Erst gegen acht Uhr abends erhielten die deutsck-en Beanlten ihre Freilaffungsscheine.

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Versuche mit Handgranate».

Beuthen, 8 April. (Privattelegrarmn.) I» Zaborze wurden drei Männer von einem Mnschinenarbcitcr beobachtet, die den vorüber- gehrndcn Apobeamtcn zurtefcn:Wir sind von der Bojowska Polska". wobei, sic eine Hand­granate nbznzichen versuchten. Einer der drei Btünner konnte später vo-i den Apobeamtcn fest genommen weiden. Es stellte sich heraus, daß der Fcstgcnommenc, ein Angehöriger der Bo- jowska Polska, ein schwerer Verbrecher war.

Ilm biezwgngzmsßnllhmen.

Beteiligung der Tschscho-Slowakei?

(Eigener Drahtbericht.)

Prag, 8. April.

Tie PragerTribuna" meldet aus diplomati­schen Ententrkreiscn in Prag: Es wird einmütig der Anschauung Ausdruck gegeben, daß durch die Besetzung der südlichen deutschen Gebiete durch die Entente das Santtionsprogramm gegen Deutschland nicht erschöpft ist. Man erwartet

weitere Schritte von Frankreich. Frankreich be­harrt bis jetzt hartnäckig auf der Teilnahme der Tschechoslowakei an den Sanktionen. Man er­wartet, daß Frankreich die Tschechoslowakei auf­fordern wird, auch an den militärischen Beset­zungen teilzunehmen An der Tschecho-Slowakei beurteilt man die Loze nicht sehr optimistisch. Man Mhlt, daß sich eine große politische Krise nähert zu einer Zeit, wo alles die Ruhe kerbeiwünscht. Ein tschechischer Angriff gegen Deutschland würde nur widerwillig sein. Er würde vielleicht nur aus politischen Verpflich­tungen gegenüber Frankreich erfolgen.

Die alliierten Truppen.

Genf, 8. April. (Eigener Drahtbericht.) Die Havasagentur meidet, daß die alliierten Truppen fnK£en 1. Mai zur Verfügung des Marschalls Foch gestellt wurden, um zur Durch­führung der neuen Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland Verwendung zu finden. Havas meldet weiter, daß an eine Wiederaufnahme der direkten Besprechungen zwischen Deutsch­land und den Alliierten infolge des deutschen Widerstandes kaum zu denken sei.

Set Stritt in England.

Die Verhandlungen find abgebrochen.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 8. April.

Die Verhandlungen der englischen Re­gierung mtt den streikenden B e r g l e it t c n ha­ben zu keinem Ergebnis gcMhrt und sind a 6 - gebrochen worden. Sowohl die Eiscnbah. ner als auch die Transportarbeiter erwarten mmmehr die Streikparole. In Schottland wur­den Bomben geworfen, um die Freiwilligen von den Bergwerks-Pumpen zu verjagen. Der Hydc- park in London ist geschlossen und eine Funken- suttion dort errichtet. Nebcrall lagern Trup­pen aus Irland und vom Rhein zum Schutz der Bedienungsmannschaften an den Pumpen. Aus Malta sind Truppen der Garnison eiligst »ach England geworfen worden. Die Delc- gierten der englischen Eisenbahner haben nach dem Bekanntwerden des Abbruchs der Verhaus, lungen sofort eine Versammlung einberufcn. Sie lmbcn beschlossen, den Streik der Bergleute so­fort weitgehend zu unterstütze».

* *

Militärische Maßnahmen.

Rotterdam, 8. April. (Eigene Drahtmel- dung.i Rach Berichten aus London hat sich der Arbeiter-Verband gegen einen weiteren Ein­tritt von Gewerkschaften in den Streik er- fiärt, solange keine endgültige Erledigung der Einigungsvorschläge vorliegt. Von den Eisen­bahnen verkehren noch MnMndsiebzig Prozent der fahrplanmäßigen Züge. Die Bergarbei­ter verhindern die Ab fahrt der Kohlen züge. Bei Dcrbh sind die Bahngeleise von den Ausständigen aufgeriffen. Die englischen- f e n sind am Mittwoch militärisch besetzt und der Admiralität untersttllt Warden, um Sabotage­akte zu verhindern. Daily Telegraph meldet: Fn Portsmouth sind am Dienstag unter vem Schutze schottischer Truppen drei französische Dampfer mit einundzwanzigtausend Tonnen deutschen Ruhrkohlcn entladen worden.

Ausdehnung des Streiks.

London, 8. April. (Eigens Drahtmeldung.) Die Eisenbahner der Linie London-Edin burgh und London-Glasgow sind in den S y m- pmthieftreik getreten. Fn Liverpool streiken fünfttndzwanzjgtausend Hascnarbeiter. In Manchester haben die Gewerkschaften den Generalstreik für Montag proklamiert. In Lon­don sind in Erwartung größerer Unruhen das Parlamentsgebäude und die öffentlichen Gebäu­de von schottischen Truppen besetzt worden. Rack einer Reiitermeldung erwarten sowohl die übrigen Eisenbahner als auch die Trans­portarbeiter die Stteikparole für heute. In Swansea marschierte ein Zug von etwa tausend Bergleuten mit wehenden rote-r Fahnen nach den Bergwerken und entwaffnete die Soldaten.

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Folgen der Krisis.

Rotterdam, 8. April. (Eigener Drahtbericht.) Evcning Standard meldet aus London, daß zwei Millionen Tonnen Schiffsraum in England stillgelegt worden sind. Die ausfahrenden Fischdampfer erhalten nur die .Hälfte ihrer ge- wöhnlichen Kohlenmenge. Der Berkaus von Fi­schen in ausländischen Häfen ist verboten wor­den. Zwei englische Regimenter sind von Malst, nach England br" «eben.

Sberschlestsche Kohlen. Der wirtschaftliche Zusammenhang.

®ie Zukunft Oberscyleslcn» ist bekanntlich «och von der Entsch.idnng dir Alliierten abhängig. Wenn fle nach Gerechtigkeit ent­scheiden tooU<Ä, können sie unmöglich das Wirtschaftsgebiet anseinanderreitzen» beffen Zusammenhang nachstehend geschildert ist.

Nach dem Verlust der Saarbohle mit fast neun Prozent der Gesmntförderung deutscher Kohlen droht der Vevluist der oberschlesischen * Kohle, der mit fünfundzwanzig Prozent der deutschen Ge- famifürderung anziinchmen ist, wenn Oberschle­sien nicht ungeteilt Deutschland Werbt. Denn die Unteilbarkeit Oberschlesiens ist eine Lebens- E'@e des Kohlenbergbaues und der ganzen Jn- strie des Landes. Die Beziehungen von Kreis zu Kreis sind so mannigfaltig, daß bei einer Äuseinanderreißung derselben diese ein vernich­tender Schlag für alle Teile fein muß. Die Koh­lenflöze ziehen sich von Kreis zu Kreis. Dir noch nicht erschloßenen in dem einen Kreis die­nen als Reserven für die bereits in Angriff ge­nommenen. Bei einer gewissen Tiefe wird dir Förderung der Kohlen so teuer, daß ein Unter­nehmen nur dann rentabel bleiben kann, wenn es neue Felder in geringerer Tiefe zur Vcrfü- gung hat. Die Ausbeutung der uneischlvssenen Flöze durch neue Gesellschaften würde anderer- fcils aber neue Ricsenkapitalien und lange Zeit in Anspruch nehmen. Da diese Felder gerade in denGebieten liegen, die eine polnische Mehrheit ergeben haben, so würde Polen die Aufgabe Zu­fällen, diese Kapitalien zu beschaffen; dazu aber ist es selber keinesfalls in der Lage.

Die Wasserversorgungder östlichen Gebiete geschieht 'durch ein einziges Wasserwerk, Rosaliengrube. Die Kreise, die von ihm versorgt werden und eine andere Landeszugehörigkeit er­halten würden wie diese, würden also bei dem grotzen Wassermangel in Oberschlesien und dem großen Bedarf an Wasser in größte Not geraten. Die elektrischen Stromnetze, bte nicht nur die Ortschaften und die Industrie, sondern vor allem auch die Stmßenbahnen versorgen, gehen über alle Kreise des-Ostens. Auch hier aff» würden sich die verhängnisvollen Folgen bei einer Trennung der Staatszugehörigleit zeigen. Die Straßenbahnen haben eine ganz be­sondere Bedeutung, da sie anstelle der Effen- bahncn den Verkehr der Arbeiter von ihren Woh­nungen zu ihren Arbeitsstätten vermitteln.

Ganz besonders würde aber auch die Le­bensmittelversorgung der östlichen Ge­biete leiden, wenn ein Teil von ihnen am Po­len fallen sollte. In sehr erheblichem Maße wird der Osten vom Westen des Landes, der haupt­sächlich Ackerbau und Viehzucht treibt, versorgt. Diese Versorgung würde erheblichen Schwierig­keiten ausgesetzt fein; Polen aber könnte die ihm zugefallenen Gebiete nicht mit Lebensmitteln ver­sorgen, da es ja bekanntlich trotz der reichen wsenichen Gebiete selbst hungert und darbt. Diese kurzen Erwägungen beweisen deutlich, daß Oberschle,ien ein geschlossenes Ganzes und daher unteilbar ist. Es darf eine Abtren- nung der Kreise, die eine polnische Mehrheit er- * geben haben, im Ges amttvi rtschastsi ntere sie nicht erfiffgen, und der Friedensvertrag erfordert die Denicksichtigung wirtschaftlicher Gesichtspunkte bei der Festzetzung der neuen Grenze. Deutschland hat em Recht auf das ganze Oberfchlesien.

3m preußischen Landtag.

Stürmische Debatte mit den Kommunisten.

«Siftener Bericht.)

Berlin. 8 April.

Der preußische Landtag nahm am Donners­tag seine Sitzungen wieder auf. Der Auftakt !var reichlich stürmisch. Die Kommunisten woll­ten zwei Anträge über dir Vorgänge in Mitteldeutschland auf die Tagesordnung gesetzt Haden. Der Abg. Eberlcin (Kam.) erging sich in so schweren Angriffen, daß der Lärm im Hause kein Ende nehmen wollte und daß Präsident Seiner! wiederholt energisch ein­greifen mußte. Wie zu erwarten war. erreichte» die Kommunisten ihr Ziel nicht. Die beabsich­tigte Mohrenwäsche wird voraussichtlich erst in der zweiten Hälfte der nächsten Woche vorge.iom- men. Siachdem sich dieser Sturm gelegt hatte, erledigte man die vierzehn Gegenstände der Ta­gesordnung in ruhiger Beratung. Man nahm in dritter Lesung den Gesetzentwurf, der big vor­läufigen Wahlen zum Staatsrat in der Provinz Oberfchlesien regelt, an. Für eine Reihe von Materien setzte man ständige Ausschüsse ein. Besonders heevorzaiheben ist die Einsetzung eines ständigen Poamtenausschuffses wie er im Reichs- iage besteht. Die Gesetzentwürfe über die Neu­regelung der Verfassung der evangelischen Landeskirchen wurde nach längerer Aus­sprache in erster Beratung erledigt. Eitle län­gere Aussprache gab es bei dem Antrag Porsch lZtr.) auf Erhöhung der Dienstaufwandscittscha- digung der Generalsuperintendenten usw. und der Besoldung der katholische« Geiüliu