Nummer 71
Sonnabend, 2. April 1921
Fernsprecher 951 und 952.
11. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952.
Monarchistische Versuche in Ungarn.
Russische Umtriebe.
bewilligte der Prawda zufolge weitere fünfzig
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Exkaiser Karl in Wien.
Wien, 1. April. (Eigene Drahtmeldunq.) Wie die Grazer Tagespost erfährt, hat Kaiser Karl aus seiner Fahrt durch Oesterreich zwei Tage in Wien verweilt und dort zahlreiche K o n-
3niemen6ptetfe. •> itinDtlmlfd)« iauftrage- $U einfvalNg- iln,-ig-n.Z«tte M. L30, die «nfpalttge iHeflamejetU SR. 1.—. b> Auswärtige Hufträge: Die einspaltige Anzeigenteil, M. 1.60, die emipultlfle Reklame,eile M. 8.80, alle« einschlieblich Teuerung«,Uschlag und Bnzeigenfleuer. gut Anzeigen mit besonder« schwierigem Satz hundert Prozent Ausschlag 3Ur die Richtigkeit oller durch gerniprecher ausgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahme, baten und Platze kann eine Gewahr nicht übernommen werben. — Druckerei: Schlacht. Hofflrabe 28/30. GefchäfiSflelle: »»Inisch« Strabe 6. Telephon Nummer #51 und 152.
Aus Norddeutschland.
Bremen, 1. April. (Privattelegramm.) Die kommunistische Bewegung in Bremen kann als gescheitert angesehen werden. Die streikenden Kommunisten haben bei der Weserwerft um Unterhandlung nachgesucht, deren Ergebnis war, daß heute die Arbeit von der ganzen Beleg, schäft wieder ausgenommen wird. Es wprde vereinbart, dast der kommunistische Ak- tioilöansschirtz aufgelöst wird und Betriebsversammlungen während der Arbeitszeit und andere ungesetzliche Akte seitens der Werst mit sofortiger Entlassung geahndet werden.
Regierung uud Truppe«.
Wien, 1 April. (Eigene Drahtmeldung.) Es ist möglich, dast die ungarische Siegierung sich erst Sichechesten darüber verschaffen will, ob Kaiser Karl foö8 er abreist, die Reise durch Oesterreich machen kann. Tie ungarische Regierung dementiert die Nachricht, daß die Truppen zu Kaiser Karl übertcgtntgen seien und versichert, dast die Truppen ihr treu geblieben seien. Sie könne weiter die Meldimg verbreiten, daß Kaiser Karl in der allernächsten Zeit Ungarn verlassen werde. Die von der Wcftgrenze einlaufende» NieLdungen besagen das Gegenteil.'
3m sächsischen Gebiet.
Halle a. d. ®„ 1. April. (Privattelegramm.) In der westlichen Lausitz streiken sämtliche Be. triebe bet der Lauchhammer Aktiengesellschaft. Die Arbeiter haben die Betriebe besetzt nnd sämtliche Lastautos requiriert. Es scheint, als ob bet Ausstand mich auf die übrigen Werke des Senftenberger Gebietes hinübergreifen werde. Die SXf«i’oWe«anrteh DlStz nnd Löbejün sind von den Ausständigen besetzt «nd drohen zn ersaufen, wenn nicht schleunigst Hilfe kommt — Der Generalstreiksplan der Kommunisten in Sachsen kann jetzt zweifellos als gescheitert angesehen werden. Mit verschwindend geringen Aus^ nahmen wird in allen Großstädten und in den Jndustriebezirken gearbeitet. Bon den in Dresden am zweiten Osterfeiertage verhafteten Kom- nmnisten sind nunmehr siebzehn der hiesigen Staatsanwaltschaft zu geführt worden.
Am Ende des deutschen Aufruhrs
Ausgehobene Putschnester. — Der Kommunistenführer Sylt ist tot.
Berlin, 1. April. (Privat - Telegramm.) Die Entspannung der Streiklage im Reiche hält an. Nachdem vier Hauptquartiere der Roten Armee auSgehoben sind, glaubt man die Gesanrtkeitung der fetzigen AnfstandS- brwegung unschädlich gemacht zu haben. Don den rechtsstehenden Parteien wird eine Interpellation an die Regierung im Reichstage eingebracht werden, die die A « 8 w e i su n g des russischen Gow- jctvcrtreterS in Berlin mit all seinen Hilfskräften auS dem Reichsgebiet verlangt, da deren Mitwir- kung an dem Berliner Ttznamitanschlaq durch aufgefundene Schriftstücke in den Hauptquartieren der Roten Armee einwandfrei nachgcwiesen ist. Ein Zwischenfall in Berlin hat eine Störung der bisherigen Ordnung hervorgerufen. AlS der Kommunistenführer Sdlt verhaftet werden sollte, schlug er den Beamten mit der Faust ins Gesicht und entfloh. Darauf jagte ihm der Beamte einen Schuß nach «der den Kommunisten gefährlich verletzte und ihn an der Flucht hinderte. Kommunisten in den Berliner Elektrizitätswerken haben nun eine Protestkundgebung veranstaltet. An der Abstimmung über den Streik haben von den dreitausend Äeschäf- tifiten nur vierhundert teilgenonrmen. — Eine spätere Meldung sagt: Der Kmmnnnkstenführer Sylt ist heute nacht im Polizeipräsidium seinen Verletzungen erlege«»
Wird Oberschlefien gefeilt?
Paris, 1 April. (Eigener Dnchkbertzht.) Es wird in sämtlichen französischen «reisen bestätigt, daß dem General Le Rand Auftrag erteilt ist, in den Abstimmungs-Gebieten, die fitr Polen gestimmt Haven, bereits Maßnahmen zn treffen, daß diese Orte nicht mehr nuter deut- fdient Einfluß bleiben. Darum hat der General auch eine Anzahl Deutsche, die den Wahlkom- Missionen angehört hatten, aus diesen Gebieten aus weisen lassen. Die französische Regierung hat den Gesandtenrat ersucht, die oberschlesische Frage in der nächsten Sitzung zur Verhandlung zu bringen. Dies wird jedoch noch nicht möglich sein, da die Zollgesetze dem Rate zur ErlediMrng vorliegen. Aus der letzten Sitzung des Gesandtenrates, wo die oberschlestsche Frage berührt wurde, geht hervor, daß die Zuteilung bet ober- schlesischen Orte mit polnischer Mehrheit an Polen von den Alliierten, mit Ausnahme Englands, dringend ^wünscht wird. Die militärische Besatzung soll ftffr bald eingeschränkt werden, doch ist vorgeschen. daß Eierte Truppe» noch einige Jahre in Oberschlcsten bleibens
scheitert. — Aus Braunsch^veig wird berichtet: Tie von den KommuniMn für den heutigen Tag beschlossene Proklamieruna des Generalstreiks ist nicht in die Erscheinung getreten.
Gescheiterte Ausstande.
Hannover, 1. April. iPrivattelegr.rmm.) Die kommunistischen Machenschaften bei der «ktienge- ellschast „Wefer1' können als endgültig ge- «heitert «nt> erledigt betrachtet werden. Don b« zirka 9000 Mann starken Belegschaft waren gestern nur noch 1500 bis 2000 Mann ausständig. In einer eeftern abgehaltenen kommunistischen Bersammlunq beschloß man durch eine Deputation in Verhandlungen mit der Werstleituna über
Soll der Plan mm mit der Abschiebung aus Budapest erledigt sein, oder handelt eS sich hierbei nur um ein Vorspiel? Heißt eS doch, daß Karl sich entschlossen Hobe, fei Ungarn zu Werben, und sich noch in Steinamanger aushalle. Aber es handelt sich allem Anschein nach, mag auch die Mehrzahl der Magyaren monarchisch gesinnt fein, um ein hoffnungsloses Unternehmen, da die Widerstände von außen zu groß sind. Hat doch di« sagenannte kleine Entente erst unlängst, und zwar sichtlich auf Betreiben
Rotterdam, 1. Aprzl. (Eigene Drahtmeldung.) Die Morningpost meldet aus Moskau: Der Große Sowjet hat Radek seines Amtes als Organisator für Deutschland entsetzt, weil
Der Kaiser habe mich Schönbrunn besucht und zu dem alten Kastellan, dem er sich zu erkennen gab, gesagt, er kehre nun bald «nd hoffentlich für immer ivieder. — Gestern trat der Ausschuß für Auswärtiges in Wien zusammen. Rach den Erklänmgen der leitenden österreichischen Staatsmänner ist es bereits gewiß, daß die A b - r e i.s e des Kaisers Karl in Steinamanger in allernächster Zeit erfolgen werde. Er erhält freies Geleit durch Oesterreich und wird wieder in der Schweiz Aufnahme finden.
Wiedereinstelluna zu trete«. Die Verhandlungen _______________... ................
sind noch nicht zum Abschluß gelangt und werde« bet jetzige Aufruhr mißlungen ist. Der Sowjet heute wieder aufgenommen werden. — Die Ab- l "... *_ ,Z___
icht der Kommunisten, in den hiesigen Großbe- Millionen Zareurubel für die Fortsetzung der trieben den Generalstreik herbeizuführen, ist ae- kommunistischen Bewegung in DeutsÄand.
Ser ungarische Staatsstreich.
Wettere monarchistische Kundgebungen.
eigene Drahtmeldung.)
Wien, 1. April.
Aus Budapest wird gemeldet: Die monarchistischen Kundgebundeu habe« sich auf das ganze Land ausgedehnt. In Budapest hat eine Abordnung deS OfstzierSkorps beim ReichSvtt- totfer vorgesprochen, der ihnen die beruhigende Erttärunq abgab, daß dem Willen und der freien Entschließung des Landes in der KönigS- wahl keine Beschränkung auferlegt werden soll, daß aber die Regierung den jetzigen Zeitpunkt zur Regelung der Sönigsfrage für noch nicht ge eignet erachtet. In Grim und Waizen kam e§ bei monarchistischen Veranstaltungen des Militärs zu einer Gegenkundgebung der Arbeiterschaft, wobei es eine Anzahl Verwundete gab. — Die Lage in Ungarn wird m Prag, Belgrad und Bukarest mit einer gewissen Erregung verfolgt. Ma« nimmt au, daß sich Frankreich in der Angelegenheit des Exkaisers passiv verhalten wird. Tatsächlich soll eine Unterredung mit französischen Politikern stattgefun- de» haben Die Arbeiterzeitung behauptet, der ftanzöfischr General d' Esperay habe in Gemeinschaft mit Marschall Fach das Unternehmen des Exkaisers eiftig unterstützt.
Stephanskoone, trotz der überwiegend morrarchi- chen Gesinnung der Magyaren, sich dadurch we- entkich verschlechtert Haven. So wird der gc- treue Chronist die Worte aus Goethes Clavigo anwenden müssen: Da macht wieder mal iemand einen dummen Streichs Dr. P.
der Habsburgischen Monarchie als Kriegsfall/zu betrachte» sei, weil man eben die Erpanstons- geluste der Habsburger fürchtet. Auch hat der ftanzösische Oberkommissar Foucher in einer off- zielle« Rote an die ungarische Regierung fest- gestellt. daß die Alliierten sich der Rückkehr Karls mrf den ungarischen Thron widersetzen. Allerdings ist eS trotz dieser Feststellungen noch nicht sicher, wie sich die Alliierten verhalten werden, da ans Paris neuerdings auch Aeußerungen Imrt werden, wonach von französischer Seite Exkaiser Karl sogar unterstützt werde.
Vorläustg glauben in Ungarn weite Kreise, und auch Karl der Vierte scheint des Glaubens zu fein, daß England in diesem Fall viel- leicht geneigt fein tonnte, den Vermittler zu spielen; denn die Ztrsammenhänge .stoischen der ungarischen Aristokratie und einflußreichen Kreisen Londons sind bekannt. Aber diesen ^»ekulaiio- iten hat die Erklärung des englischen Dberfom» mistors In Midapest, die er kurz nach seiner Rückkehr aus London und einer Besprechung mit Lloyd Georg- abgab, ein End« gemacht; denn eS hieß darin unzweideutig: .Der einheitliche Standpunkt der gesamten Entente in der unggri- toen Köniqsfvage ist, daß sie die Rücfiehr . _r Dynastie Habsburg auf den ungarischen Königsthron unter keinen Umständen gestatten kann.' Angesichts dieser Haltung der Alliierten wird man Karls Qsterspaziergana bock Äs einen unüberlegten Streich kennzeichnen
Folgen der Sovbelaftrmg.
Ausschaltnng des deutschen Wettbewerbs.
(Eigener Drahtbericht.)
Brüssel, 1. April.
Die in der Kammer geäußerten Bedenken gegen die Zollbelastuna deutscher Waren sind bereits rm Handel fühlbar. Die belgischen Fabriken, welche bisher ncit der deutschen Konkurrenz zu rechnen hatten und demzufolge ihre Preise in der letzten Zeit erheblich herabsetzen mußten, erhöhen ihre Preise an: 1. April wieder. Fgbrt- tantenberbänbe der Eisen--, Stuhl- und Glasvm- ren-tFndustrie haben sich entschlossen, die Erport- >reise besteben zu lassen, dagegen die belgischen Inlandspreise zu erhöhen. Auch soll eine Er- whung der Preise nach den Ländern durchqe- führt toetben. wo die deutschen Waren ebenfalls der Belastung unterliegen. In der ersten April.
Sberfchlestens Zukunft.
Nach de« Bestimmungen des Friedensdittats.
Da« SchUksat $>berffttefl«n« hängt «tun, tee» de» fÄ» Deutschland günttigen AbMnttnnng, noch von be» Entfcheidung der iuttiaHiierten flom» «isfion ab, di» wahrscheinlich eine bent-Oftinb. Nch r Haltung «Innintmt. Dagegen hat Deutsch, land noch nnerntüb-tch Protege auSzusechten. Artikel 88 LrS Vertrages von Versailles de- S'nnt mit den Worten: .In dem von den be- /rtebenen Grenzen eingesihLossenen Teil Oberschlesiens werden die Bewohner aufgerufen, durch Abstimmung zu entscheiden, oh sie zu Deutschland oder zu Polen zu gehören würvschen." Nach beendeter Abstimmung lohnt es sich wohl, nun dea Gang der weiteren Verhandlungen gemäß der Bestimmungen des Vertrages sich zu vergegenwärtigen. Das Hauptvotum ist ausgesprochen, aber noch werden wir bei der endMfige« Grenzregulierung viel Schwierigkeiten haben. Wichtig ist für den Augenblick der Schlußsatz des Paragraphen 4 zum Anhang des Artikels 88, der lautet: .Das Ergebnis ver Abstimmung wird nach Gemeindrn festgestellt." Was erfolgt nun nachher DurchzäH- lung, deren Resultate wir kennen? Paragvaph S setzt fest, daß die Mbstimmungsergebnisse mit einem genauen Bericht über den Heraana bei Volksentscheids den Alliierten mitzuteilen ist. Gleichzeitig hat der Bericht einen genauen Vor- schlag zu enthalten Wer die endgültige Grenz- reguLierung. ®k sieht dle Komm« ffton aus, die wesen Bericht und Grenzvvrschwg anS- zuarbeiten hat? Sie besteht auS sieben Mitglte- dem, von denen fünf durch die alliierten und assoziierten Hauptmächte ernannt werde». Deutschland »nd Polen find durch je einen Bevollmächtigten vertreten. Dre KommWon beschließt mit Stimmenmehrheit. Deutschland hat eine Stimme von sieben. Die Arbeiten der Kommission werden sehr schwierig sein uud es können Wochen vergehen, biS eia ttarer VvrscÄag zustande kommt. Heißt eS doch ausdrücklich in Paragrahh S deS erwähnten Anhangs zu Ar- rLkel 88, daß außer den Stimmenverhältnissen .auch die geographische «nd wirtschaftliche Lage BerücksichMgnng findet". Diese «liausel «st sehr dehnbar. Die Kommission schlägt Var nnd die Hauptmächte entscheiden. Erst wenn dvS geschehen ist, können die deutschen Behörden t^r Täfiakoit unbehindert wieder anfnebenen. Rach erfolgter Urbergabe beschließt die Konvmisswn ihre Tätigkeit. — Der Vokksentschekd ist ein deutlicher Sieg des Deutschtums in feinem mit soviel Slbweih und Blut gedüngten, kulturell eroberten Gebiet. Das letzte Wart aber über die neuen Grenzen sprechen die HmchwÄchte, dir be« Vertrag von Versailles geschaffen haben. Gut ist freilich, daß sie infolge des Plebiszits vor den Auge» aller Webt handeln müsft».
können, und es kann kaum ein Zweifel darüberjf e renzen mit österreichischen Politikern gehabt, bestehen, daß seine Aussichten aus die vakante D" '*■—»— -*■ **'-^*—‘ .
an« «afleler Wtueiieu Kadjrtottn ertoetnra n>o*«nl(ldi tedttmal und rroar a bea 6« Ter »bennementlpret« betragt monatlich 4.00 Mart bei tretet fiufieBun» m« Hou» ®u«. «ärt« durch Me Poft bezogen 6.80 Tiart monatlich itnlchliedlich Zustellung Bestellungen werden lederznt von der ®efebdfl«fteüt oder Den Boten entgegengenommen Druckerei. Verlag und «edaUion Lchlaedlhofftrabe 28/30, ftut unverlangt eingelandte Beitrage tann Me Redattton eine «erannaortung eher »etvadr in t ein em galle übernehmen Rückzahlung de« ve,ug«gelde« pder Lniprüche wegen etwaiger nicht otbnungsmahiger üteterunq outgelchiollen
Karls Staatsstreich,
®ee monarchistische Versuch in Ungarn.
Vielleicht wird der ungarische ReichSverweser Horthy, trotzdem man ihm sehr starte Sympathie» für die Thronkaudidatur der Habsburger nachsagt, doch, als der Exkaiser und Kiknig Karl seinen .Osterspaziergang- nac Budapest ausführte, erschreckt ausgerusen haben: .Der Knad« Karl sängt an, mir fürchterlich Pl werdenl- Karl der Vierte, an dem Jü- gendfehler der Ungeduld leidend, hat manche Kreise und Zirkel gestött, die in Ungarn und sonstwo an seiner Wiederbeleihung mit der Krone arbeitete, M er seinen, mit ganz mrzureichenden Mitteln unternommenen Staatsstreichversuch oder vielmehr Staatsstreichbesuch in Budapest machst. Statt, wie eS die Leute nach dem Schlage des ungarischen Ministerpräsidenten Grafen Teleky wollten, die Tinge reifen zu lassen, hat er der Weltgeschichte einen Dreh geben wollen und sich dabei verrechnet Denn der Massenjubel blieb aus, ebenso die Begeisterung der Magyaren, die ihn auf den vakanten Thron heben sollten. Der Reichsverwe'ser Horthh war vernünstig genlllg, ihn höflich zu verabschieden und ihm klar zu machen, daß man ihn wenigstens zurzeit und offiziell in Ungarn ckwgern sieht. Wenn es auch offiziös anders fein mag. Wenn der Minisstrpväsident Gras Te- lekv, sowie der Minister des Innern und der ErnÄhrungsminrfter befchukdigt werden, die Putschreise Karls begünftiigt zu haben, so könnte freilich manches für diese Behauptung sprechen Muß man sich doch erinnern, dast Graf Apponyi erst vor kurzem im Auftrage des Ministerpräsidenten dem Exkönig Karl in Prangin seine trn* tertänigste Aufwartung machte. Seitens der Bafternabgeordneten ist denn auch dem Grasen Teleky eine offene Absage erteilt worden, und sie erWärtett, mit ihm und feinen Gesinnungsgenossen nicht weiter arbeiten zu wollen.
Zur Erklärung dieses Umstandes ist zn be» meinen, daß die Anhänger des nationalen Königtums zwar vor allem tm Lager der Landwirte zu finde« sind, aber ein Teil van ihnen möchte die StePhanKrone wiederherstellen will jedoch von Karl dem Vierten nichts wissen; eine in letzter Zeit wachsende Anzahl ist sogar der Meinung, daß das Ungartum nichts verliert, wenn die Krone des heilige» Stephan in der wohlversiegelten Dhronlammer von Cfnt liegt. Jedenfalls hat sich Karl getäuscht, wenn er glaubte, daß ihm ganz Ungarn mtgogenjubeln würde. Seine Reife hat sv ungünstig geendet, daß die ThrouauSsichten sich >Ttercb zweifellos verschlechtert haDen. Was aber hat er damit bezweckt? Daß es sich nicht um eine Privatreise gehandelt hat, geht schon daraus hervor, daß Karl der Vierte erst vor einiger Zeit brieflich beim FürftprimaS Cftrnoch anfragte, ob er im März feinen Einzug in Budapest haltm könne. Man beachte das wohl. ES liegt also tatsächfich bei feiner Putschreife ein Pro- . gr amm vor.
Kasseler Nmsie Nachrich
Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
Vorbereitung zm Rückreise.
Freie« Geleit durch Sesterresch.
(Eigener Drahtbericht.)
Wie», 1 April.
Der Ml fiarische Geschäststtäger in Wien ist Seffern nachmittag bei Dr. Mayr erschienen und at im Namen seiner Regierung nm bie Erlaubnis für die Rückreise des Exkaisers durch Oesterreich nach der Schweiz, sowie die Bekanntgabe des frichesten Termins, wann diese Durchreise vor sich gehen könne, ersucht. In politischen Kreisen ist man der Meinung, daß fich die ungarische Regiernnq vorher der Zustimmung Karls zur Abreise vergewissert hat, da der Kaiser völlig zusammengebrochen sei und da das Unternehmen seinem Ende entgegen gehe. Die österreichische Regierung hat der Durchreise grundsätzlich zugeffimntt. Für sicher gilt es aber noch nicht, daß eine Verständigung zwischen Kaiser Start und der ungarischen Regierung erfolgt ist