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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

Nummer 66.

Fernsprecher 951 und 952.

Freitag, 25. März 1921

Fernsprecher 951 und 952.

-11. Jahrgang.

Bolschewismus in Deutschland.

#1* la la MIM M ml Heilig.

Kommunisten als Werkzeuge der russischen Sowjetrepublik.

Jas Siegeszeichen.

Eine Karfreitagsbetrachtung.

Von

Arthur Bransewetter.

Karfreitag. Nicht nur ein religiöser, ein ern- cker Gedenktag für unser Volk ist dieser größte Lag der Christenheit. Denn er ist der Geburtstag einer neuen Kultur durch die opferwillige Liebe auf Golgatha. Niemals aber hat uns das Leiden auf Golgatha so viel zu sagen gehabt, tote >n un­seren Tagen. Denn auch wir befinden uns im­mer noch mitten auf dem Leidensweg Aber aus Leidenden sollen starke Ueberwindende werden. Ist das nickst der Weg, der auch uns -vo-rge,zeichnet ist? Aus Unterdrückten Ausrechte, aus Besiegten Sieger? Karfreitag mit seinem großen Sterben ist kein Tag der LebenSvcrnei- nung. sondern ein Tag der stärksten Ledens- b e j a h u n g. Durch seinen Tod wurde Chri­stus der Besieger der Welt. Damals, als er sein Leben am Kreuze Golgathas auAhauchte, Men die Sache der Christenheit verloren. Dies elen­de Sterben, dellck der Vater da oben gelassen zu­sah, ohne mit seinem Blitze die Mörder zu zer­schmettern. hatte auf die Anhänger Jesu, insbe­sondere aus seine Winzer, sine geradezu nieder­schmetternde Wirkung geübt. Sie glaubten nicht mehr an das Gute und Große seiner Sache. Sie mußten erst durch eine harte Schule der Demü­tigung und Entsagung gehen, bis sie sich zu der Wahrheit des siegenden Glaubens hmdurchge- rungen hatten. Daun aber hatten sie ihn gewon­nen, den Musftiea zu lichten Höhen.

Auch wir werden einen schweren Weg zu ytixr. haben. Aber das Siegeszeichen Golga- thas wird uns die Leuchte auf ihm sein. Denn dieser Tod auf Golgatha offenbart eine Größe der Opferwilligkeit und Liebe, wie sie auf der Welt ihresgleichen nicht hat. Und die Ausgabe, die uns Charfreitag tief in die Seele schreibt, ist keine andere, als uns diese Liebesgesinnung in­nerlich anzueignen. »Sehet, wir gehen hinaus nach Jerusalem!" sagt ^esus. als er sich zu fei­nem Leidenswege anschickt. Die entscheidende Frage bei allen Leidenswegen, die ein Mensch oder ein Volk geht, ist immer die: Ob sie ein Hinauf sind oder ein Hinab. Dnc Gradmesser für den Wert eines Volkes ist das Leid. Wol­len wir Deutschland neu aufbauen, aus welch anderem Geiste kann -?s geschehen als aus dem Geiste einer 'durch daz Leid gewonnenen Kraft? An dieser Kraft aber gebricht es dem deutschen Volke. Noch hat es das Leid nicht fruchtbar für feine Weiterentwicklung gemacht. Noch ist von der Adelung des Leids zu wenig ,u spüren Dazu müßte erst ein Zweites treten, was dem Karfreitag seine Bedeutung verleiht: Freudig und freiwillig gibt Christus am Kreuze Golgathas sein Leben in den Tod. Wer Gro­ßes will, muß zum Opfer bereit sein.

Daß eS auch daran fehlt, daß die Selbstsucht durch die ungeheuren Schicksalsschläge und Leiden, die über uns gekommen, nicht zrück- gedrängt, sondern im Gegenteil gewachsen ist, das ist wiederum das Bedenkliche In der Ge­schichte unseres Volkes. Deshalb ist eine zeitge­mäßere Predigt wie die des Karfreitags gar nicht denkbar. Christus stirbt aus dem Drange einer Liebe heraus, die nicht einzelne VoKs- oder Gesellschaftskreise, nicht bestimmte Richtun­gen oder Parteien, ja, nicht einmal ein besonde­res Volk, sondern die ganze Menschheit um­faßt. Etwas ganz Neues vollzieht sich unter seinem Kreuz«: Die Starrheit des Gesetzes zer­bricht. das Evangelium der Liebe tritt feinen Siegeszua an. Damit wird die Tat Christi die größte, die je für die Menschheit getan ist. So groß und überwältigend ist sie. daß sie fortan nur noch unter dem Gesichtspnntte der Ewig­keit betrachtet werden kann und durch sie erst das Wort seine volle Bedeutung erhält: -Die Liebe höret nimmer auf

Nur einen Hauch der Liebe, die in Golgatha bewährt wird, einenAtemzug, nur jener Op- serfreudigkeit, die drnt ihr Letztes gibt und uns wäre geholfen. Fänden wir uns erst in dieser Liebe wieder, welche Grausamkeir oder Tücke der Feinde hätten wir noch zu fürch­ten? Di« Kraft der Selbstverinnerrichung war bisher das Wertvolle im Leben des deutschen Volkes. Wir werden sie aufs neue erfahren, sowie uns die Karfreitagstat zur freudigen Nacheiferung und selbstlosen Hingade an den anspornt, der in Golgatha Welt und Tov be­zwang. Tapfer sein und todesbereit, wenn die Liebe es geb ut, entsagen lernen und Treue üben im Großen wie im Kleinen, unsere Pflicht erfüllen auf dem Posten, auf den uns Gott ge­stellt bat. immer daran denkend, nie davon spre- ttienb, weise und stark Mitarbeiten an dem Aufbau unseres gekreuzigten Vaterlandes, uns stets vor die Seele halten, daß alles, was wir hier tun. einmal gemessen wird am Lichie der Ewigkeit, das heißt wach leben und den Tod nicht fürchten, heißt einen Karfreitag feiern, des­sen Tod verschlungen ist in den Siegt

Halle a. S., 24. März. (Privattelegrammsi Im mitteldeutschen Industrie-Gebiet zeigt sich überall eine Verschärfung der Lage. Die Bahnlinie E i 8 l c b e n - H a l l e ist in dem nach EiSleben zu gelegenen Teile von den Aufrührern besetzt, die in Eisleben die Sowjetrepu­blik ausgerufen haben. Gegen Mitternacht war die Drahtverbindung mit Eisleben abgeschnitten. Starke Abteilungen der Sicherheits­wehr sind gestern abend in das mitteldeutsche Industriegebiet abgcgangen, wo für heute mit größeren kommunistischen Putschen gerechnet wird. I« Ammendorf bei Halle wurden gestern größere Dynamitvorräte der Kommu­nisten beschlagnahmt. Bei Dieskau wurde er­neut auf einen Zug geschossen. Aus Eisleben wurde neun Uhr abends gemeldet, daß dort am Marktplatz und in den Rebenftraß-'n große Plünderungen begonnen haben.

*

Gewehrfeuer und Handgranaten.

Eisleben, 24. März. (Privattelcgramm.) Ter gestrige Rachmittag brachte schwere Schte­st e r e i e n in den S t r a tz e n. Die Kommunisten begnügten sich nicht die Schutzpolizei von den Straßen zu vertreiben, sondern warfen auch Aonbaranaten in die Polizein>ack»kt>'be int Ratbaus. Hierbei wurden drei PMze'.wach»- meister erheblich verletzt. Es ist kein SicherheitL- beamter mehr auf der Straße zu sehen. Die auf­rührerischen Elemente haben die Oberhand. Der in der Mädchenvolksschute liegenden Abteilung der Schutzpolizei wurde ein Ultimatum gestellt, falls sie sich nicht bis zmn Abend ergeben haben, werde die Stadt an allen Ecken angezündet wer­den. In der Nähe der Krughüttc der Gewerk- fchaft kam es gleichfalls zu Schießereien.

Keine Gegenmaßnahme».

Sie Regierung hofft auf Ruhe. (Prrvat-Telegramm.)

Berlin. 24. März.

Das Reichskabinett und auch die preußische Regierung haben sich gestern mit der Lage in Mitteldeutschland und in Hamburg beschäftigt. Es wurde erwogen, über Mitteldeutschland den Ausnahmezustand zu verhängen. Davon ist zu­nächst Abstand genommen worden, da man an­gesichts der ruhigen und besonnenen Haftung der Arbeiterschaft hofft, daß die kommunistische Ak­tion in Mitteldeutschland auch ohne Anwendung außerordentlicher Mittel abflauen und im Sande verlaufen werde. Verstärkungen im Rahmen des Notwendigen werden entsandt werden. Kom­munistische Agitatoren versuchen übrigens auch die Eisenbahner daz» anzustistcn, die Beförde­rung von Polizciverftärkung zu verweigern.

Aufrufe von Parteien und Aufrührern.

Halle a. d. Saale, 24. März. (Privat-Tele- Gramm.) Fn Halle erließen gestern nachmittag die Parteileitungen der MehrheitSsozia- listen, sowie der Unabhängigen und des Gewerkschaftskartells der Angestellten einen Aufruf, worin sie sagen, daß die Betriebe »och nirgends, auch im ManSfeldischeu nicht, von Truppen besetzt seien. Es liege deshalb kein Grund vor. sich der Streilbewegnng anzuschlic. ßeu. An Halle selbst wird noch überall gearbei­tet. Dagegen verbreitet die kommunistische Fugend Proklamationen, in denen sie ruft: Auf die Barrikaden, hoch Sowjetrußland! Das revolutionäre Ruhrgebiet ist durch den Entente, impcrialismus abgetrennt worden. Damit ist Mitteldeutschland der KernpunN der deutschen Revolution geworden. Aus die Barrikaden, er- stürmt für euch die Welt!"

Haltung des Gewerkschaftbundes.

Berlin, 24. März. (Privat - Telegramm./ Ter Ausschuß des Allgemeinen Gewerk- schaftSbundetz nahm in seiner Sitzung vom 23. März eine Entschließung an, in der die Streikbewegung im mitteldeutschen In­dustrie- und Grubenbrzirt aufs schärfste v e r u r. t e i l t und gesagt wird, daß seitens des Gewerk- schaftöbundes die Arbeiterschaft wiederholt ge­warnt ist. sich an bie*-« Treiben zu beteiligen

und daß der Gewerkschaftsbund mit den Strei­kenden in keiner Weise im Zusammenhang steht. Schüsse gegen Menbahnzssge.

Gefährdung des V-Zugs Kassel-Halle.

<Privat-Tclegramm.)

Halle a. S., 24. März.

In und um Eisleben haben sich gestern nach­mittag Kämpfe entwickelt, die eine große Aus­dehnung annehmen. Die Arbeiter in den soge­nannten Runddörfern haben sich bewaffnet und rücken zum Angriff auf Eisleben vor. Der Stützpunkt der Schutzpolizei in der Mädchen- volkSschule liegt unter dem Feuer der Streiken­den. Die Sicherheitspolizei hat eine Straße be­setzt, in der heftig geschossen wird. Der D-Zug Kassel-Halle, der gegen %3 Uhr nachmit­tags in Hatte eintrifft, geriet in der Gegend von Wolferode und EftÄeben in das Gewehr- feuer. Die Kommunisten hatten den Eisewbahn- damm besetzt und schossen in den Zug hinein, glücklicherweise ohne jemand ernstlich zu verwunde». Die Belegschaft der Leuma-Werke samt achttausend Bauarbeitern, die dort beschäf­tigt sind, hat gestern die Arbeit niederMlegt.

Endlich verstärkter Bahnschutz.

Halle a. S., 24. März. (Privatteregramm.) Das Ammendorfer Eisenbahnunglück der vergangenen Woche und das Dieskauer Eisen­bahnunglück der vorvergangenen Nacht beranlatz- ten die Eisenbahndirektion Halle zum Schutze der Eisenbahnbramien, wie auch zum Schutze der Reisenden einen verstärkten Bahnschutz einzuführen. Zahlreiche Patrouillen und Strek- kenläufcr werden Tag und Nacht sich längs der Schienen aufhallen. Des weiteren werden an den Strecken Doppelposten aufgestellt. Patrouillen und Posten haben die Anweisung, auf jeden zu schießen, der sich in der Nacht in unbefugter LLeise den Eisenbahngleisen nähert.

$er Aufruhr in Hamburg.

StratzeukäMpfe. Tote und Verletzte.

(Privat-Telegramm.)

Hamburg, 24. März.

Gestern nachmittag durchbrach eine Gruppe von linksrabikalen Arbeitern die Postenkette der Sicherheitspolizei aus der Steinwärderseite Und versuchte, die Mannsckmstcn zu entwaffnen. Einige der Demonstranten griffen die Sick»er- heitspolizisten tätlich an, worauf die Beamten von ihrer Waffe Gebrauch machten. Hierbei wurden auch Handgranaten geworfen. Bier Tote und mehr als zwanzig mehr oder weni­ger schwer verletzte Demonstranten blieben am Platze. Die Feuerwehr sandte zwei Sani- tätSzüg eus. Von der Krankentransportstelle wurden acht Krankenwagen, sowie ein Leichen­wagen auögefandt Bei einem anderen Angriff der Kommunisten auf der Emsbüttelerstraße, wobei die Angreifer Schußwaffen bei sich führ­ten, erwiderte die Ordnnngspolizei das Feuer. Von den Angreifern blieben mehrere Tote auf dem Platze. Bon der Sicherheitspolizei wurden zwei Mann erschossen Die Verwundeten- zahl ist bedauerlicherweise sehr groß.

* * *

Polizeiliche Maßnahmen.

Hamburg, 24. März. (Privattelegramm.) Es find bis Mitternacht über dreißig Tote ftstgestettt. Von den Schwervenvundeten sind im Emsbüttcler Krankenhaus in der Nachi noch drei gestorben. Vorläufig ist die Absicht der Demon­stranten, sich dem Weichbilde der Stadt zu nähern, durch die Absprrrungsmatznahmen und das ener­gische Eingreifen der Lrdnungspolizei verhindert worden. Am Hauptbahnhof Hamburg prangten heute früh rote Fahnen, die in der Nacht angebracht worden waren, aber heute früh von der Sicherheitspolizei wieder herunter geholt- wurden. Heute früh wird tu den Be­trieben Hamburgs und Altonas nur zum Teil gearbeitet. Panzerautos durchfuhren heute früh Vic Straßen der Stadt, ohne daß sich die Ansammlung größerer Meuschenmaflen zeigte. Bis acht Ul/r morgens dauerte Vie Ruhe an. Die vollziehende Gewalt während des Aus­nahmezustandes ist dem sozialdemokrati­schen Senator Hrns übertragen worden, der zum Rczicrurrgskouunisiar ernannt worden ist.

(Siehe auch 2. und 3. Seile.»

Jas Reichs-Mietsgesetz-

Verbandstag der Haus- und Grundbesitzer.

He»er di« Stellungnahme der Saas, und Grunddegtzerverein« zur WshnrrngSnot und zur MietSpreiS-Regelunq erhärten wir von unserem Mitarbeiter aus Weimar folgenden Vrrtidt,

Weimar, 22. März.

Der Zentralverband deutscher Haus- und Grundbesitzer - Vereine (e. V) hielt am 20. d Mts. in Weimar einen autzer- ordent lichen Verbandsiag ab. der überaus gut besucht war. Der Verband hat!« etwa siebenhundert Delegierte aus allen Teilen oes Reiches nach Weimar gezogen, webhe eine Mitgliederzahl von dreihundertfünfzigtaus.>n- re­präsentierten. Stadtrat H u m a r - München sprach über den Entwurf eines Reichs- Miet engesetzes und stellte dabei folgende Gesichtspimkte in den Vordergrund: Die Zwangswirtschaft hat auf allen ihr unterworfe­nen Gebieten des Wirtschaftslebens versagt. Die Wiederkehr freier Wirtschaft bricht sich über­all mehr und wehr Bahn. Aus dem Gebiet des WohuungS- und wirken die Nach­

teile der Zwangswirtschaft gleichfalls unver­kennbar und in stets steigendem Maße. Zahl­reiche bestehende Wohnungen sind wegen des unzulänglichen Mietpreises bereits verfallen. Wenn nicht schleunigst Wandel geschaffen wird, schreitet der Verfall unaufhaltsam fort in einer Weise, daß ein erheblicher Teil der Woh­nungen geräumt werden muß Die Neueinrich­tung von Wohnngen bleibt hinter dem nötigsten Bedarf zurück. Die Wohnungsnot nimmt stän­dig zu. Das Baugewerbe und das mit ihm verwandte Handwerk leiden hierdurch schwer. Die Schaffung der ersordeMchen Wohnungen ist unmöglich ohne Privatkapital und privates Un- ternehmevtirm. Die Mitwirkung dieser wirt­schaftlichen Kräfte ist aber nur denkbar, wenn dem Hausbesitzer das wird, was er haben muß, um fein Wobnunasunternehmen zu unterhalten, nämlich: 1. Die Verzinsng des im Hause ange­legten fremden und eigenen Kapitals einsMieß- lich Tilgung. 2. Die Deckung aller mit dem Hause verbundenen öffentlichen 4tttb notwendi­gen privatrechtlichen Lasten. einschließMch der Aufwendungen für bauliche Unterhaltung. 3. Eine angemessene Vergütung für die Verwal­tung des Hauses. 4. Eine angemessene Vergü­tung für Abnutzung, für Risikoprämie. für Miet- verlusie An die Stelle des bisherigen RechtS- zustandes Wer MietpreiSvildung i-st eine Rege­lung zu setzen, die

Gerechtigkeit nach beiden Seiten walten läßt und die dem berechtigten Verlange» von Dermicter und Mieter Rechnung trägt, um den Hausbesitz zur Erfüllung seiner bedeutsa­men volkswirtschaftlichen Aufgaben als haupt­sächlichsten Träger des städtischen Wohnungs- markt.'s. als Quelle von Arbeit unfh Verdienst für weite Teile des Handwerks, als Grundlage des Realkredits und als Rückgrat des Stenerwe- sens in Gemeinde, Land und Reich leistungsfä- hig zu erhalten. Sofern die Reichsregieruna die Miechreisbildüng durch Reichsmieten- gesetz regeln will, ist u. a zu fordern: 1. Das Reichsmietengesetz darf als Notgesetz nur eine begrenzte Dauer halben. 2. Grundsätzlich mutz eS gestattet sein, den Mietpreis in einem Mietver­träge frei zu regeln, unbsschadet des Rechtes beider Teile, die gesetzliche Slict» anstelle der vertraglichen zu fordern. 3. Das Gesetz mutz bei Bilduna des gesetzlichen Mietpreises den ei»' zelnen Länd.-m einen hinreichenden Einfluß zu- gestehen wogen der

örtliche» Verschiedenheiten und weil die den Mietpreis bestimmende» Grundlagen des Steuerwesens, der Betriebs-, und Unterhaltungskosten in einzelnen Gegenden sehr verschieden sind. 4. Die für Instand ictzuug der Wohnungen und Erhaltung der Häuser zu- gebilligten Zuschläge sind vom Vermieter einer ordnngsmStziäen Verwendung zuzuführen. 5. Mieterausschlüsse und Mieterräte sinh abjulel)- nen. 6. Die gesetzliche Bestimmng über die Ab­führung von Zuschlägen für große Reparaturen an eine Selbstverwaltungsstelle darf nicht zur Errichtuna einer Organisation analog der Kriegsgesellschastcn führen. 7. Die Kosten der Sanimelheizung und Warmwasscrleitung sind losgelöst von der übrigen Mietpreisbilhung zu behandeln. 8. Die im Entwurf zum Rcichs- mietenqesetz vorgesehenen Verzeichnisse sollen nicht mx einer der Grundbüchern ähnlichen An­lage werden, deren Schaffung und Führung mit Kosten verbunden wäre, die in keinem Verhalt, nis zu ihrem Wert stehen. Zu bemerken tft noch, daß der deutsche Hausbesitzertag davor warnt, durch ein Reichsmietengcsttz im Volke den Glauben zu wecken, als wenn damit der Wohnungsnot abgeholfen werde. Ein Reichsmietengesetz schafft keine solche Ab­hilfe. Darum hat es ohne gleichzeitige Schaf- ffing eines großzügigen Wohnungsbaupro.

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