Kasseler Abendzeitung
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? Hessische Abendzeitung
11. Jahrgang.
Dienstag, 15. März 1921
Fernsprecher 951 und 952.
Nummer 57
Fernsprecher 951 und 952.
Rechtfertigung der deutschen Delegation.
IerBericht Über London.
Dr. Simons tm Reichstag.
IVvn unferm parlamentarischen Mitarbeiter.)
Die Aussprache itn Reichstag im Anschluß an den Rechenschaftsbericht des Reichsautzemmm- stets über die Londoner Konferenz endete mit der festen Erklärung, daß der Reichstag der ablehnenden Haltung der deutschen Re- gierumg und der Delegation vollkommen zustimmt. Damit ist die parlamentarische Absolution für den Reichsaußeninister und für das Rcichskabinett, das sich mit ihm solidarisch erklärt hatte, erteilt. Dagegen wird man an dem Verlause dieser Verhandlungen keineswegs eine reine Freude empfinden. Die Position des Reichsaußenministers ist doch weit mehr angefochten, als das anfänglich schien. Zwar hat sich der Hauptakt dieses Kampfes hinter den Kulissen vollzogen. Aber auch in den öffentlichen Ber- hal'.dlungon blieb doch mancherlei an herber Kritik übrig, das in einer so gespannten Situation, wie wir sie augenblicklich haben, sehr Wohl geeignet sein kann, schlimme Folgen für die ganze parlamentarische Basis, auf der die Reichsregie- run« steht, nach sich zu ziehen. Der Reichsaußenminister hat seine Politik von Anfang an darauf eingestellt, den Friedensvertrag als die nun einmal feststehende Grundlage für alle Politik der Reichsregierung anzuerkennen, demgemäß auch danach zu streben, die Verpflichtungen dieses Vertrages im Rahmen des Möglichen zu erfüllen. Dieser Anschauung hat er auch im Reichstage wieder Ausdruck gegeben; sie fand eine sehr scharfe Kritik durch die 'Deutschinationalen. Wieder andere Auffassungen des Reichsaußenministers, so die bezüglich der neuen Verhandlungen, haben die Linke zirr Oposifion aufgerufen.
Die Tatsache, daß der Reichsaußemninister, übrigens nach seinem eigenen Bekenntnis, teilweise über seine Befugnisse hinausgegangen sei und Vrrschläge gemuckst habe, die von den Sachverständigen nicht gebilligt werden konnten, hat wiederum die Regierungsvarteien und zum mindesten die Deutsche Volkspartei, die Demokraten wie die Bayerische Volkspartei aufgebracht. Doch hat man sich hier der Anffasiung des Ministers, daß die politischen Gründe überwiegen mußten und darum den Ausschlag gaben, zlim größten Teil angeschlossen. Die Regierungsparteien haben zudem erklärt, daß die bisherigen Angebote durch den Gang der Dinge nunmehr hinfällig geworden seien und neue Vorschläge ge- macht werden müßten. Daß die neue Verhandlungsbasis durch die inzwischen wirksam gewordenen Zwangsmaßnahmen sehr verringert wurde, daß insbesondere der Geist, in dem solche Verhandlungen stattfinden würden, sehr absticht von der Atmosphäre, welche die deutsche Reichs- regieruna in ehrlicher und offener Gesinnung, teyt in London pflegen wollte, ist ganz selbstverständlich. Es kann niemand liebenswürdig sein gegen jemand, der ihm soeben eine Ohrfeige verabreicht hat! lind die nationale Ehre muß gerade heute ein Gut sein, bas wir besser hüten müssen!
Wenn es auch: nicht mit voller Klarheit in den öffentlichen Reichstagsverhandlungen zutage getreten ist, so scheint es doch, daß Deutschland doch wieder den ersten Schritt in dieser Frage tun will, daß also von feiten der deutschen Regierung neue Vorschläge für die Entente vorbereitet werden. Welcher Art aber diese Grund, läge sein wird, läßt sich im Augenblick nicht übersehen. Es läßt sich auch nicht erkennen, ob und welche Anhaltspunkte dafür vorhanden sind, daß die Alliierten von der Grundlage der Pa- riser Forderungen abgehen. Denn vorerst stehen di« Dinge ja noch so, daß diese Pariser Beschlüsse und ihre Basis zur Bedingung für Verhandlungen mit den Deutschen gemacht Wochen sind. Die Unstimmigkeit, unter der wir heute in unserer Reichspolitik leiden, ist seit Spa auf die Differenzen zwischen den Trägern der wirtschaftlichen Anschauungen und den Vertretern der Politik zurückzuführen. Der Sitz der gegen Simons und die Rcichspolitik gerichteten Kritik befindet sich heute auch in den Wirtschasts- kreisen. Die Reichsregierunq befindet sich in die. sen Dingen in einer nicht leichten Situafion. Sie hat die selbstvEständliche Pflicht, auf das Urteil unserer Wirtschaftler und der wirtschaftlichen Sachvcrständiaen größte Rücksicht zu nehmen, aber man darf auch nicht verkennen, daß sie die politische Verantwortung trägt und daß diese auch die Berücksichfigung vieler anderer und gerade für manche Wirtschaft sfaftoren gar nicht erkennbarer Gründe erfordert.
Man mutz sich darauf einrichten, daß die Unstimmigkeiten noch weitere Fortschritte machen werden. Und man kann hetzte noch nicht wissen, wo diese Tinge in thron letzten Wirkungen schlfttzlich enden. Es ist für den Reichsautzenmini ster Simons ftn Grunde ein trrwriges Geschick, gerade aus den Wirischastsfteisen heraus so stark bekämpft zu werben, da et, als Vorsitzender des
GesmntverbcmdeS der deutschen Industrie, nach dem Ausscheiden aus dem Reichsdienste nach Versailles — bis zu seiner Wiedcrberufung als Minister — tätig war und in dieser Eigenschaft die engste Fühlungnahme mit den Wirtschastsin- tereffen hielt. Es dürfte auch schwer fein, eine andere Persönlichkeit zu präsentieren, die in stlci. cher Weise das umfassende Wissen juristische, vor allem völkerrechtlicher und gleichzeitig wirtschaftlicher Natur verfügt. Aber man mutz gerade politisch damit rechnen, daß seine Stellung nicht mehr unbestritten ist. und das ist schon ein großes Manko in unserer gesampolitischen Situation, weil di« Gegnerschaft sich naturgemäß auch auf das Kabinett überträgt und weil, wie ja die Verhandlungen im ReichSage gezeigt haben, diese Differenzen zerrüttend selbst in dem Block der Regierungsparteien sich geltend machen.
Neue Berbandlnnge«?
Vertagung bis nach dem 20, März.
(Drivat-Telcgramm.)
Berlin, 14. März..
Die Reichsregierung hat in der Kabinetts - sitzung am Sonnabend die weiteren Beschlüsse über neue Verhandlungen mit der Entente bis Mitte der nächsten Woche, das ist bis nach der «bstinttnnng in Oberschlesien, vertagt. Gegen die Besetzung selbst hat Dr. Simons bereits in London selbst Einspruch erhoben. Auch die Frage eines Protestes an den Völkerbund ist zunächst vertagt worden, bis über neue Bcrhand- lungen eine Entschließung des Kabinett» getroffen ift — Reuter meldet: Die alliierten Sachverständigen haben einen Bericht über die dentfchen Steuererträgnisse ansge- arbeitet, der zu dem Refultat gelangt, daß dir deusichen Steuererträgnisse um mehr als 150
Zumutungen der Feinde zurückzuweifen und mit der Herausgabe einer deutschen G r- genliste der KrirgsverBrechen nicht länger zu zögern, damft wir uns endlich verteidigen.
Sie HandekkMtrsöe.
Zollinir am Rhein und an der Grenze.
(Privat-Telegramm.)
Koblenz, 14. März.
Di« interalliierte Kommission in den Rheinlanden erhielt bte Anweisung Lloyd Georges Mr Errichtung einer Zollinir am Rhein. An dieser Linie soll der Warenaustausch zwischen dem besetzten und uichtbesetzken Gebiet des deutschen Reiches komttolliert werden, nicht aber der Auslandshandel, der an der deutsch-französischen und deutsch-belgischen Grenze kontrolliert wird. Für die innere Zollinie am Rhein soll ei« besonderer Tarif ausgearbeitet werden, der sowohl die AuSsuhr wie die Eins«hx treffen soll und zwar die Einfuhr aus dem rechtsrheinischen Deutschland in wesentlich stärkerer Weise als die Ansfuhr aus dem Rheinland. Rux lebenswichtige unb allgemeine Gebrauchsgegen- stände, an betten das linksrheinische Ufer Mangel leiden würde, sollen zollfrei sein Die Franzosen bezeichnen den vormwfichtticheir Zollertrag aller Beschlagnahmten Einfuhr- und Ausfuhrzölle, das heißt, die Summe der an der Rhein grenz« unb an bet Westgrenze des Reiches erhobenen Abgabe auf höchstens 125 bis 150 Millionen Goldmark im Jahre, und man hält es deshalb, wir die Lgenrr Hasa« hinzrffügt, als besonders wichtig, daß die Entente durch die Besetzung der Rtchrhäfen die Kontrolle über fünfundzwanzig Millionen Tvtrnen Kohle erhält.
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Auch schwarze Kontrolleure.
Prozent hinter bett Gesamtsterter-Erträgniffen der vier Eierten Staaten zurückbleiben.
Befürwortung eines Vergleichs.
Rom, 14. Mär». (Eigener Drahchericht.) De« „Meffagero" urteilt halbmnüich: Die Londoner Konferenz bedeutet einen neuen Auffchuü in der deutschen und der Orientfrage, deren verwickelte Lösung naturgemäß nur etappenweise zu erreichen sei. In der deutschen Frage suchen beide Parteien eine nette Position, um die Ver- handlmtgen wieder aufzunehmen. In der Orientfrage sej die Basis des Sevresvertrage» nach der letzten Erklärung Lloyd Georges end- gülkig verlassen, nnd in beiden Fragen haben sich die Friedensverträge als undurchführbar erwiesen unb seien ftr bas Stadium der Revision eingetreten. Italien müsse den Abschluß eines etwgülttgen Vergleichs begünstigen ohne die Entente-Politik gtt verlassen.
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Die Haltung der Dürfe.
Berlin, 14. Müm. (Pttvattekegramm.) An der Berliner Börse hat auch am Sonnabend die günstige Benrteilung der in- ternationalen Lage bedeutsam angehalten. Rach einem Rewyorker Kabeltclegramm vom Sonnabend haben jedoch die Rewyorker Groß, bmckiers die weiteren Verhandlungen über eine amerikanifche Anleihe an Deutschland auf un- bestitmnte Zeit vertagt. An der Londoner Börse bat die deuffche Mark am Samstag eine leichte Steigerung erfahren.
Sie Kritik an bet Konferenz.
Stne Erklärung der deutschen Volkspartei.
(Privat-Telr Gramm.)
Stuttgart, 14. März.
Die deutfche Volkspartei in Württemberg hielt gestern in Stuttgart eine Tagung ab, in der Reichstagsabgeordneter Stresernaim sprach. Er erklärte dabei, daß aus den Reihen seiner Partei sachlich-, aber leine persönliche fträit an der Führung der Londoner Berhandlung geübt worden sei. Das sei das Recht und die Pflicht seiner Partei gewesen. Sie müsse es aber
Frankfurt, 14. März. (Prtvattelegramm.) Im Bahnhof Rödelheim sind acht schwarze nnd drei weiße französische Offiziere stationiert worden, die die Güterwagen kontrollieren. An bet Südwestgrenze von Frankfurt am Main bei Mit- teldick im Frankfurter StadiwÄd haben die Franzose« in ber Ziegelei von Holzmann u. Co. Büroräume mit Beschlag belegt.
llnethSkte Freveitat.
Dynamitanschlag in bet Berliner Siegessäule. (Privat-Telegramm.)
Berlin, 14 März.
Ein Dynamitanschlag wurde gestern, Sonntag, auf die Siegessäule in Berlin verübt. Gegen 11 Uhr fanden die BesÜcher im Innern des Ge- büudeS der Siegessäule in einem Pappkarton sechs Kilo D y n a rn i t, an dem sich eine mehrere Meter lange bereits brennende Zündschnur befand. Stur dem enffchloffenen unb sehr schnellen Eingreifen einiger Polizeibeamten, bie im letzten Augenblick bie brennende Zündschnur abschnitten, ist eS zu bauten, daß der ruchlose Anschlag mißlang. Die Täter, bie beobachtet werben konnten unb die eine fremde Sprache redeten, weshalb man Ausländer vermutet, entkamen in einer rotbraunen Auto- droschke, die zwischen Siegessäule und Reichstag gehakten hat. Die Dynamithülle trägt bie Firma An haitische Sprengwerke. Die weitere Unter« suchung führt die politische Polizei.
Die Gefährdung vieler Mensche«
Berlin, 14. März. (Privattelegramm.) Der Königsplatz war ziemlich belebt. Hunderte von Menschen gingen zwischen Siegessäule unb Rcichstagsgebaude spaziere«. Etwa fünfzig Personen befanden sich in der Siegessäule, darunter zwei Reichswehrsoldaten, die beim Abstieg von der oberen Plattform im dritten Stock den Pappkarton bemerkten, aus dem eine brennende Lund« herausragte. Der Versuch, bte Lunde gM löschen, mißlang. Die Soldaten trugen den Karton schleunigst ins Freie und riefen Beamte ber Schutzpolizei herbei, die die Lunde abschnitten und die Sprengkapsel entfernten.
Die Nachforschungen.
Berlin, 14. März. (Privat - Telegramm.) In der Untersuchung des Dynamitanschlagrs auf die Berliner Siegessäule haben die bisherigen Vernehmungen vor den Kriminalsekretären Gutbkut und llth ergeben, daß nur Auslände r als Täter in Frage kommen. Fünf der Be-
ablehnen, über Simons den Stab zu brechen, wie dies von der Rechten geschehen sei. Man könne nicht bestreiten, daß SimonS ein Mann von Ueberzeugtmg sei, der zu seinem Wort steht. Strefernenn versicherte des weiteren, daß die Politik der Koalition bestehen bleiben muß. Di« Politik der Mitte fei das einzige Möglich« bei den heutigen Berhältniffen in Dcnffchland. Die Tagung nahm eine Enffchließung an, in der die Regierung und Parteivertretung anfgrfardct
fucher der Siegessäule, die mit den verdächtigen drei Männern gleichzeitig das Innere des Denkmals betraten, hoben misgcsagt. daß die Personen, die das Dynamit niederlegien, sich französisch unterhalten haben. Die Menge des hinterlegten Sprengstoffes hätte genügt, nm das nahegelegene
wurde, auch in den kommenden Auseinander- guue ircuuBt, um nu^
setzungen mannhaft entschlossen die unrrfüllbareuf Reichstagsgebäude schwer zu beschädige«.
Preußens kruteySches.
Mitteilung des Statistischen Landesamts.
Das Ergebnis ber amtlichen Umfragen bet den Landwirten Über die Anbauflächen im Jahre 1920 liegt vor und ist für bie wichtigsten Fruchtaiten angegeben. Zum Seti'Jeich sind den Angaben die entsprechenden Zahlen des Vorjahres und ber Bodenbenutzung von 191:* gegenübergestellt. (Die Abtretungsgebiete, das Saargebiet sowie die Streife Eupen und Malme- dd sind in den Ergebnissen nicht einbegriffut.) Wie bte Vergleiche ergeben, hat die Eiuzelerhe- bung gegen die vorjährige (1919) fast durchweg erheblich geringere Zahlen aufjitttoeifett, und zwar tm ganzen nur 7 613 571 gegen 8202042 Hektar, somit um 588 471 Hektar oder 7,2 v. H. weniger. Bei den wichtigen Brot- fruchtarten Weizen, 'Spelz, Roggen tottroen nur 3416922 Hektar gegen 3925627 Hektar sest- gestellt, sodaß ein Rückgang von 508 705 Hektar ober 13,0 v. H. vorhanden ist, obwohl Sommerweizen und Sonimetroggen etwas größere Zahlen aufweisen. Den Hatiptanteu an diesem Ausfall hat Winterroggen mit allein 4Tß 794 Hektar, was besonders schwer ins Ge- totöt fällt, da sich auf diese Getreideart meist dl« ganze BrotverforMng stützt. Die
Hauptursache für biefc große Verminderung ist auf den ftühzeittgen Eintritt des strenge« Winterwetters Ende Oktober 1919 zurückzuführen Weite Mücken, deren Bestellung mit Win- tergeireide beabsichtigt war, müßen unbestellt liegen bleiben: dazu kam, baß ein erheblicher Teil der bereits bestellten Mächen wegen starker Auswirfternug und Mäuseschäden im Früh > abr mngeackert werden mußte. Auch die Anbausiäche für Kartoffeln ist um 95111 Hektar geringer angegeben worden als tm Vorjahr; dock sind nach Angabe vieler Kreisbehörden die Kartoffel- flächen im Klctnanbau — Siedelungen, Schrebergärten. Deputate nsw. — nicht aufgeführt, sodaß der wirkliche Kartoffelanbau jedenfalls _eiton4i zugenommen hat, da bei den Städten, größeren Ortschaften und überhaupt in den Industriegebieten weite Strecken mit dieser Frucht bestellt worden sind. In Anbetracht des imaewöhnlich großen Rückganges an Ernteflächen für Win. tetfletreibe mußte wegen ber beschriebenen Ursachen als wahrscheinlich angenommen wer, bett, daß die Frühjahrsbestellungen an Som- mergetretb e eine diesem Rückgänge annähernd entsprechende Steigerung erführen Würden. Diese konnte jedoch leider nicht festgestellt werden, da der Abnahme an Fläche bei Win- rerweizen und Winterroggen um 541462 Hettar nur eine Zunahme des gesamten Sommergetreides von 56 990 ektar oder nur 10.5 v. H. gegenübersteht. Aus dem ganzen Ergebnis gewinnt man den Eindruck, daß die Angaben der diesjährigen Einzelbefragung der Landwirte ziemlich statt hinter bei Wirklichkeit zurückgeblieben sind. Oben ist bereits erwähnt worden, daß den Ergeh nissen der
gemeinbeweisen Anbauflächenerhebungen ein gutes Maß von Zuverkässigkeit beigemessen werden kann, wofür noch weiter spricht, daß die Angaben von 1920 zu den entsprechenden der Erhebung 1919 in einem nach Lage der Verhältnisse ziemlich wahrscheinlichen Verhältnis stehen. Ein Per gleich mit der Vorkriegszeit zeigt einen erheblichen Rückgang, besonders Beim Winter- weizen und Winterroggen. Für Getreide und Kartoffeln zusammen betrug 1913 der Anbau 1792 968 Hektar oder 17,2 v. H. mehr als 1920, wovon auf Mnterweizen und Winterroggen allein 1093292 Hektar oder 61,0 v. H. entfallen. Aber auch bie Haserfläche ist um fast XA Million Hektar seit 1913 Heiner geworden, wahrend der Rückgang des Kartoffelanbaues etwa % Million Hektar beträgt. Die Ursachen hierfür sind der ständig vermehrte Anbau von Futterpflanzen infolge des großen Mangels an Hattfutter und der von Leguminosen als Ersatz für die knapven Düngemittel, seruer aber auck die Zunahme her Brachflächen, Ackerweiden, Kleinsied- lungen und schkießflch der große Mangel an Hand- unb Spannkräften wie überhaupt aller Betriebsmittel während der langen Kriegszeit.
PoMeMachMg im RhriÄmrd.
Borsicht im Briefverkehr.
Bon unterrichteter Sette wird uns geschrie- brn: Die vor dem Inkrafttreten des Vertrages von Versailles vom 28. Juni 1919 in den Besetz- ten rheinischen Gebieten von den SB e- satzungsbehörden ständig ausgeüdte all- gsmrine Uehevwackamg des Postverk.'hrs ist fett, äem zwar toeagefaCen; die interalliierte Rhein. laiÄLmmnifsion in Koblon- bat sich aber im Artikel 11 ihrer auf Grund des Abkommens über die militärische Besetzung der Rheinlande erlassenen Beiordnuna Nr. 3 vom 10. Januar 199) das Recht -ugefprocken, jederzeit die Artshändi- gung von Briefen und Postsendung^ von bet*