S2
Nr. 55.
Elfter Jahrgang.
KMeler Neueste Nachrichten
Beilage.
Sonnabend, 12. Marz 1921.
zur
Sitten- und Serfttertote
Der Fostzug bewegte sich vom Exerzierplatz nach * d'Anmurzio wird vernünftig. We erst jetzt dem Herrengarten, wo Appell und. Feftgottes- öffenttich bekannt wird, hat d'Annunzio vor
An unsere auswärtigen Leser, denen die Zeitung durch die Post zugestellt wird, richten wir schon heute die Bitte um tunlichst umgehende Bestellung für da§ zweite Vierteljahr oder auf Wunsch auch nur für den Monat Appl. Jeder Briefträger sowie jede Postanstalt nimmt schon jetzt Bestellungen entgegen.
wird die Oper trotz der Einwände der Polizei gegen Ewers in der nächsten Saison auf die Bühne gebracht werden.
* 300 Jahrfeier des Darmstädter Leibgarde- Regiments. In Darmstadt beging das frühere hessische Leibgarderegiment Nr. 115 die Feier seines 300jährigen Bestehens, zu der etwa 10 000 ehemalige Leibgardisten hier eingetroffen waren.
Aus der Heimst.
Krastsport in Marburg.
Am Sonntag veranstaltete der Marburger Athletik-Sportverein 08 ein Werde abend. Ein lebendes Bild zeigte sämtliche Sportarten der Leicht- und Schwerathletik, von mustergültigen, kräftigen, muskulösen Gestalten dargestellt. Die Damenabteilung bot Keulenschwingen und das zum ersten Male in Marburg vor geführte Fak- kelschwingen. Sechs Kraftvvramiden imponierten. Eine Musterriege zeigte alle Arten des Gewichthebens bis zur Höchstleistung. Auch die Borennannschaft überraschte. Den Abschluß gaben Bronzengruppen, die unter Leitung des Kreisfportwarts Horms! vortrefflich aetangen ». in die Zeit der alten Griechen zurückversetzten. Der Vorsitzende hatte bereits in seiner Ansprache das Beispiel der Griechen angeführt und mahnte, diesen zur Gesundung des deutschen Volkes nachzunfern. Die Athletik sei dazu der geeignetste Sport.
chen am fraglichen Abend längere Zeit im Kottbuser Stadtpark auf. Unter einem Vorwand entfernte sich Helene Sch. und Sem nicht zurück. Da man trotz allen Forschens keinen Anhaltspunkt fand, nahm man an, daß ein Freund des Mädchens an ihrem Verschwinden beteiligt sei. Der juiipe Mann, gegen den auch einige Indizienbeweise sprachen, wurde in Hast genommen und dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Erst nach Ae lauf eines halben Jahres wurde er aus der Untersuchungshaft entlassen, da sich die Verdachtsmomente nicht langer aufrecht erhalten ließen. Die Kriminalpolizei richtete mm besonders ihr Augenmerk auf die Bermißtenzentralen der einzelnen Städte. Doch auch hier wurde im Laufe dsr zwei Jahre nicht eine Vermißte gemeldet, auf die die Beschreibung gepaßt hätte. Da alle Nachforschungen erfolglos bliebe«, glaubt die Polizeibehörde, auf dem Weg- der Veröffentlichung zu einem Resultat zu gelangen. Es muß angenommen iverden. daß Helene Schlesinger, wenn sie nicht einem Verbrechen zum Ovfer gefallen ist, in irgend einem Ort Deutschlands versteckt gehalten wird. Das Mädchen war Zeit des Verschwindens achtzehn Jahre alt.
Tus aller Welt.
Seit zwei Jahren vermißt.
Das mvsteriöse Verschwinden eures jungen Mädchens beschäftigt die Kriminalbezirke Deutschlands. Am 12. November 1918 verschwand die in Kottbus bei ihren Eltern wohnlmste Helene Schlesinger auf unaufgeklärte Weise. DaS jung« Mädchen entfernte sich am Abend des genannten Tages, um mit einer ihrer Freundinnen einen Ausflug zu unternehmen. Von diesem Gang ist Fräu- y.n Schlesinger nicht zurückgckehrt. Der sofort benachrichtigten Kriminalpolizei ist es bis heute noch nicht gelungen, irgendwelche Spuren der Vermißten zu flnden. Wie die Freundin aussagt, hielten sich die jungen Mäd-
dienst statt fanden, woran sich die Grundsteinle- : sintfl eines JübiläMnsdeNkmals schloß. General . der Infanterie a. D. von Hutir hielt die Festrede.
Die Feier nahm einen ungestörten Verlauf .
* Wiederherstellung der Wartburg-F»rsken. Mit den Mederherstellnngjsarbeiten der Fresken Moritz von Schwinds auf der Wartburg, die unter den WitternnaseinfWssen schwer gelitten halben, sind dir Weimarer Künstler Professor Otto Fröhlich und Arno Metzerott betraut worden.
* Unterschlagungen eines Bankbeamten. Bei der Frankfurter Filiale der Darmstädter Bank wurden Veruntreuungen im Betrage von etwa 125 000 Mark entdeckt. Es ist der Bank jedoch gelungen, den unterschlagenen Bettag zum weitaus größten Teil zurückzuerhal- ten, so daß sie tatsächlich nur um rund dreißigtausend Mark geschädigt wurde. Der Defraudant ist der Bankbeamte Karl Mansbach, der sich auch sonstiger Verfehlungen schuldig machte.
* Fremdenbestenerung in Bonn. Die Bonner Stadtverordneten beschlossen die Einführung einer F r e m d e n st e u e i für den vorüb ergehenden Aufenthalt. Die Steuer beträgt zehn Prozent des fiir die Zimmer bezahlten Entgelts und wird voraussichtlich 150000 Mark jährlich erbringen.
* 100000 Mark Postgelder unferferjagen Die Polizeibehörden fahnden seit einiger Zeit auf den in Buer in Westfalen ansässigen Postgehilfen Paul Ktoapisch, der nach Unterschlagung von Postgeldern in Höhe von hunderttausend Mark flüchtig geworden ist. Der ungetreue Beamte, der sich die Gelder durch Unterschlagungen und Schiebungen mit Fahrkarten angeeignet hat, ist bereits in Berlin gesehen worden.
* Der kommunistische Studienrat. Dem kommunistischen Studienrat Resch in Remscheid hat des Provinzialschulkolleamm in Koblenz aus ein Jähr die Erteilung des Religionsunierttchts untersagt, es aber abgelehnt, ihm auch den Unterricht in Geschichte und Deutsch zu entziehen. Der Studienrat hatte vor feinen Schülerinnen durch Besprechungen über die Ehe Flitterwochen und Freie Liebe das sittliche Gefühl vieler Schülerinnen verletzt.
* Neunzig amerikanische Milchkühe für Berlin. Der deuffche Zentralcnvssckmß hat ans der Spende der American Dairy Cattle Company der Stadtgemeinde Berlinnennzig Milchkühe zur Verfügung gestellt. Es ist beabsichtigt, die Tiere auf dem städtischen Gute zu Tasdorf unterzubringen. Die gewonnene Milch soll den am meisten gefährdeten tuberkulösen Kindern der Stadtgemeinde Alt-Berlin zugeMrt werden.
* Selbstmord zweier Kriminalbeamten. Im Polizeipräsidium in Dresden haben sich zwei Krimtnaloberwachtmeister erschaffen. Sie waren von einem Mann, der der Salvarffanverschiebum- aen beschuldigt ist, der Teilnahme daran verdäch- titzt worden. Eine Untersuchung ist- im Gange.
* Der mißliebige Hanns Heinz Ewers. Aus Budapest wird gemeldet: Hanns Heinz Ewers wollte am 10. Marz in der Bi'.dapefter donte einen Vortrag haften. Die Polizeibehörde verweigerte jedoch, tote »Az Est" erfährt, die Er- lanbnis hierzu, und zwar mit der Begründung, Ewers habe in feinem Buche ,Mlt meinen Augen"" Ausdrücke gebraucht, die als Schmähung Ungarns angesehen werden. Die S1 a a t s o p e r bereitet die Aufführung eines Werkes von Doh- nanyi vor, zu dem Hanns Heinz Ewers den Tert geschrieben hat. Wie Dohnanyi erklärte,
Dollarprinzeffinnen als Pflezerirrnen.
In den Krankenhäusern Newyorks wischen jetzt alltäglich Damen ans der besten und reichsten Newporter Gesellschaft die Fußböden auf. sortieren die Wäsche aus und sind, soweit sie die Krankenpflege gelernt haben, als Kran- penpflegerinnen tätig. Der Mangel an Pflegepersonal in den Krankenhäusern war in den letzten Monaten so groß geworden, daß sich das Rote Kreuz mit einem Ausruf an die Frauen- tvelt wandte, zu helfen. Besonders richtete man die Bitte an. diejenigen Damen, die während des Krieges in der Krankenpflege tätig gewesen waren. Diese Maßnahme hatte Erfolg, und es stellten sich auch eine ganze Reihe »Dollar-Prinzessinnen" zur Verfügung.
** Frankfurter Börsenbericht. Die Börse war auf auswärtige Anregung gestern günstiger disponiert und zeigte auf den meisten Geln?- ten eine befestigte Haltung, die sich auch auf dem Abendverkehr übertrug. Eine Ausnahme machten Montanaktten. die ihre mittags erzielte Verbesserung vereinzelt wieder hergeben muß- ten Die Mark wurde gemeldet a«8 Amerika 1,58, Enolanp 245%, Frankreich 22%, Holland 4,62%, 'Deutsch-Oesterreich 1198%, Tschechoslowakei 119%, Schwei, 9,42%, Schweden 7,15, Norwegen 9,60, Dänemark 9,80.
** Berliner Produttennmrft. Im gestrigen Geschäft blieb Mais für baldige Lieferung gefragt, wobei sich aber die Preise bei sehr mäßigem Angebot sehr wenig änderten. In H Ü lsen f r ü ch t e n hat sich die Kauflust erwas gr- btffert. wobei auch die Warenbesttzer mit ihren Forderungen teilweise etwas in die Höhe ginnen. Nennenswert« Umsätze sind nicht zuftande gekommen. Für die übrigen Arttkel ist die Geschäfts-Preislage unverändert geblieben.
* Oberzwehren, 11. März. (Das Licht wird teurer!) Infolge Erhöhung der Dezugskoften des elektrischen Stromes durch die Stadt Kassel beschloß die bieffge Gemeinde-Vertretung tn ihrer dieswöchigen Sitzung folgende neue Sätze für elektrische Strom-Abgabe (rückwirkend ab 1. Januar 1921): Licht pro Kilowattstunde 2,50 Mark (bisher 2,00 Mark), Kraftstrom die .Kilowattstunde 2,30 Matt, bei Abnahme von mehr als 200 Kilowattstunden 2,20 MI., bei Abnaüme von mehr als 3000 Kilowattstunden 2,10 Mark. Die Zählermieten wurden allgemein nm hundert Prozent erhöht und betta- oen in Zukunft für Lichtzähler je nach Anzahl der angeschlossenen Brennstellen 70 Pfg. bis 1,40 Mark, bei Zählern für Kraftsttodn 1,20 Mark bis 3,20 Mark pro Monat. Die jetzt zur Erhebung gelangenden Sätze decken sich mit denen der Edertalsperre.
* Kirchhain, 11. März. (Deutschamerikanischr Hilfe.) Von einer früheren Ernwohnerin, Frl. Luife Neebe Es Newyyork. gingen dem Bürgermeisteramt eintanfend Mark mit der Befti.a- mung zu, diefe Summe unter die städtischen Ottöarme zu verteilen.
* Kirchhain, 14. März. (Technische Nothilfe.) Für den hiesigen Kreis ist eine Ortsgrppe der echnischen Nothilfe errichtet worden. Sie macht sch zur Aufgabe di« Aufrechterbaftung lebenswichtiger Betriebe: Gas, Wasserp Elektrizität Landwirtschaft, Bergbau usw. im Falle von Ar- beitscinstelluna, Hochwasser und dergleichen. Führer der Ortsgruppe ist Dr. Ster »hauen. Direktor der landwirtschaftlichen Winttr- chule. technischer Berater Kreisingenieur Böttner
* Tkevsa, u. März. (Pflege der Heimatkunde.) Die hiesig' Ortsgruppe des KnuMubS
Don den Vichmättten.
Berlin 9. 3. Rinder 350-800 Jt. Kälber : 500—1050 M. Schafe 350—725 Jt. Schweine 900—1200 M; Leipzig. 9. 3. Rinder 350 bis 850 Jt. Kälber 450-1050 Jt, Schafe 4-50—775 M, 'Schweine 950—1400 Jt. Breslau9. 3. Kälber 580-800“ KWer 86&-4W- Jt, Schüft SCO—750 Jt. Schweine 800—1200 Jt. Dresden 9. 3. Rinder 200-850 Jt. Kälber 700-950 Jt. Schafe 300—750 Jt, Schweine 850-1350 Jt.
einiger Zeit in Gardone, seinem je feigen Wohnsitz, in aller Stille geheiratet. Seine Gattin ist die in Italien sähr bekannte Pianistin Luisa B a c c a r a.
* Fünfzehn Millionen für einen Schreibtisch Napoleons. Im Palais Pttffy in Wien fand dieser Tage eine Versteigerung aus dem Nachlaß des Grafen Janos Palffy statt, bei der auch der Schreibtisch Näpolloons, auf dem er seine AÄdan- kungsurkund« schrieb, öffentlich preisaebvten wllrde. Der Ausrufspreis betrug vier Millionen Kronen. Der Schreibtisch Würde schließlich, nachdem ein französischer Liebhaber zwölf Millionen geboten hatte, von Baron Reitzes für fürrszehn Millionen Kronen erworben.
Die schlaserrde Wöchnerin.
Ein besonderer Fall wird aus dem in der Nähe von Ronbaxi gelegenen französischen Städtchen L a n n o y berichtet. Dort lag eine vierurrd- dreißigjährige Frau feit Monaten an der epidemischen SchilaffrauiLheit, die auch in Frankreich gegenwärtig herrscht, darnieder, und der Zustand hatte sich in den letzten Wochen so verschlimmert, daß der Arzt befürchtete, die Frau würde nicht mehr EZ dem Schlafe erwachen. Zu aller Heber« raschung wurde die Frau vor einigen Tagen gerade im krittschert Augenblick der Krankheit, von einem Zwillingspaar entbunden, wobei sie au? dem Starrkrampf erwachte und sich leidlich wohl befand, während die Neugeborenen die Rolle der Mutter weiterführtm und in ihrem Korbe friedlich fchliefen. Mnttcr u. Kindcr befinden sich im übrigen wohl, und man hat alle Hoffnung, Die Frau bald völlig hergestollt zu sehen.
veranstaltete in der „Burg" einen Familien- äbend. Privatdozent der Archäologie Dr. Are' mer aus Marburg führte an der Hand von Lichtbildern die zahlreichen Anwesenden in die graue Borzeit unseres Hessenlandes zurück unv zeigte. Wie aus Hünengräbern, Ausgrabungen und Funden mamherlei wertvolle Ausfchlüffe über du Urgeschichte der Menschheit gewonnen werden können.
* Betziesdorf, 11. Mai. (Frühlingsboten.) In der Nähe unseres Dorfes wurde eine Gabelweihe gesehen. Bekanntlich ist dieser Vogel einer Ver ersten, die aus dem Süden zu unz zu- rückkcbrcn.
* Fulda, 11. März. (Wenns im Gefängnis langweil!» wird.) Der feit Mitte Dezember vorigen Jahres in Untersuchungshaft sitzende Mar Neumann, der Spitzenkandidat der Eifen- bvihndiebstähle auf Bahnhof Fulda, machte den Gefängnis-Wachtmeistern viel Sorg«. Ver- fchiedene Selbstmordversuche „probierte" er. die mißalückten. Nun steckte et sogar den Sttohsack in feiner Zelle an um die ersehnte Freiheit mit Gewalt zu erlangen. Dank des «nergifchen Eingreifens der Beamten, die durch den sich be- merkbar gemachten Brandgeruch auf den Vorfall aufmerksam wurden, ward jede weitere Gefahr verhindert. Um N. vor weiteren „tollen Ein- fällen" zu sichern, sind schärfere Bestimmungen erlassen worden.
Ans den Nachbar-GeSieLen.
* Usseln, H. März. (Neues Geläute.) M- fo viele andere Gemeinden wird Ech die hiesige zwei neue Kirchenglocken anschasfen, va die alten während des Krieges abgeliesert werden mußten. Die für diefen Zweck in Den letzten Tagen vorgenommene Sammlung in der hiesigen Gemeinde ergab für den Anfang die erfreuliche Summe von über zweitausend Mark. Die neuen Stahlglocken werden von der Glok- kcngießerci in Apolda bezogen und kosten zwau» zigtausend Mark.
* Wellen, 11. März. (Dem Andenken der Gefallenen.) Dem Beispiele anderer Gemeinden folgend, will nun Ech unser Ererdorf den im Weltkriege gefallenen Söhnen Wellens ein Van- ,-rndes Ghreudenkmal errichten, das Zeugnis ablegen soll, daß die fürs Vaterland gefallenen Krieger uns unvergessen sind Die Ausführung des Gedenksteines ist dem Steinhauer Friedrich Hohmann In Bergfreiheit übertragen worden.
Bergangelchett.
43) Roman von M. Dirkner.
»In welcher Weife aber, lieber Vater?"
»In einer fehr einfachen Weife — indem ich jetzt deine Mutter zum zweitenmal heirate, unter meinem richtigen Namen. Der Freiherr von Letzingen heiratet Fran Matta Gattner, die von ihrem elften Manne geschieden ist. Und dann ist es ein Leichtes, wenn ich den Sohn meiner Frau adoptiere. Mein Adoptivsohn kann ohne weiteres meine Tochter betraten, da ja keinerlei Blutsbande zwischen euch bestehen. Maria — willst du mir die große Gnade erweisen, ein zweites Mal meine Frau zu werden?"
Maria Gartner war abwechselnd rot und blaß geworden. Sie sah eine Weile nachdenklich vor sich hm. Dann sagte sie unsicher: »Du meinst es gut — du willst ein Unrecht gut machen — aber bedenkst du nicht, daß du mit dieser Heirat das Majorat aufgeben müßtest?"
Seine Augen faheu groß und ernst in die ihren. „Ja, Maria, das habe ich bedacht. Und dies Opfer bringe ich dir mit Freuden. S-o ost habe ich bereut, daß ich dich für das Majorat aufgegeben habe. Daß ich das Mnforat für dich aufaebe, werde ich nie bereuen."
Sie wurde fehr bleich. Daß er ihr dieses Opfer brachte, zeigte ihr, wie ernst es ihm damit toar, ihr Genugtuung zu geben. Aber sie hatte noch einen Einwand.
„Wenn ich mich entschließen könnte, dir meine Hand zum zweitenmal zu reichem dann könnte ich es nur unter der Bedingung tun, daß du mit mir dahin zurückkehricst, wo du mich verlassen hast. Ich könnte nicht auf die Dauer hier in Deutschland an deiner Seite ein tatenloses Leben führen. Meine Arbeit ist mir Bedürfnis."
Er stickte das Haupt. „Du. hast Bestimmungen zu treffen. Maria — ich füge mich ohne weiteres in alles, was du beschließest Ich habe mir
aus den mir gehörigen Einkünften des Majorats ein Vermögen erspart, das es mir gestattet, überall zu leben. Warum soll ich nicht drüben in Amerika meinen Lebensabend beschließen? Hier wäre ich allein — Drüben hätte ich dich — meinen Sohn — Lottemarie und auch Regina, die sich drüben verheiraten wird. Vielleicht bleibt mein Schwager Kanltz auch drüben, oa seine einzige Tochter sich mit Mr. Howard verheiratet Es wird sich ja auch für mich drüben noch ein Wirkungskreis finden, in dem ich meine Kräfte betättgen kann. Alfo — sage ja Maria, damit ich weiß, daß du mir wirklich rückhaltlos verziehen haft."
Maria Gartner fah unschlüfsig, als müsse sie ich Rat holen, auf ihren Sohn. Dieser faßte ckötzlich bewogt die Hände seiner Eltern und legte ie zusammen. „Darf ich meine Sitten mit den meines Vaters vereinigen, meine liebe Mutter?"
Da sich sie ihren einstigen Gatten mit feuchten Augen an. »Wir sind alt geworden, Fred — aber als getreue Freunde können wir ja unseren Lebensweg vereint miteinander weitergehen. Es soll sein, wie du willst. Ich will nicht, daß dein Lebensabend einsam sein soll."
Da preßte Alfred von Letzingen seine Lippen ans Mattas Hand. „Dank — heißen Dank, Maria. Ich will versuchen, gut zu machen, was ich dir angetan habe."
Mit leuchtenden Augen sprang Fred auf. »Jetzt kann ich euch unbesorgt eine Weile allein lassen — ich eile zum Telegraphenamtt, um Lottemarie Nachricht zu geben. Keine Stunde länger als nöttg soll sie in Unruhe bleiben."
Damit eilte er davon.
Die Depesche, die er an Lottemarie absandte, lautete:
»Meine geliebte Braut! Ein Wunder ist geschehen, alles ist gut. Habe Deines Vaters Einwilligung. Ich liebe Dich und bin unsagbar glücklich Dein Fredp "
Lächelnd sah er auf diese Worte nieder. Wie uütfce sich seine Lottenmtte nun das holde Köpf-- chen zerbrechen! Ausführlicher tonnte er ja nicht werden. AlleL weitere mußte er ihr selbst sagen.
Befriedigt kehrte er wieder ins Hotel zurück zu feinen Eltern. Er sand ste Hand in Hand, mit seuchtschlmmernden Äugen.
16.
Cs war nun beschlossen worden, daß Alfred von Letzingen sich sogleich mit Maria verheiratete. Sie sollte so lange in Deutschland bleiben, bis alles geordnet war. In spätestens vier Wochen hoffte er alles erledigt zu lxrbcn, um klare, reine Verhältnisse um sich zu schaffen. Sofort leitete er alle Schritte ein, um das Majorat abzutreten, seinen Abschied zu nehmen und seine Vermählung einzuleiten.
Fred konnte seine Mutter unbesorgt in Jbcr aufmerksamsten Hut seines Vaters zurücklassen. Ihn selbst trieb die Sehnsucht heim — zu Lottemarie.
Rach einem innigen Abschied von seinen Eltern trat er die Heimreise an. Die Publizierung von Freds und Lottemaries Verlobung sollte verschoben werden, bis Freds Eltern in New- York ci-.trafen.
Fred hatte Lottemarie seine Ankunft gekabelt. Gleich vom Dampfer Es fuhr er zur Wohnung des Herrn von Könitz. Es war niemand zu Hause als Lottemarie. Herr von Kanitz war im Amt, und seine Frau und seine Tochter hatten eine Einladung zu Howards nicht absagen können.
So trat Lottemarie ihrem Verlobten allein entgegen Blaß bis in die Lippen, ein zaghaftes ängstliches Licht in den Augen, fah sie ihn an. Sie wagte trotz feiner Depesche noch nicht zu glauben, daß ihr Glück ohne Samtten sei.
Fred eilte auf sie zu — er riß sie in feine Arme mit einer heißen, leidenschaftlichen Iw nigteit.
»Du — du — daß ich dich an meinem Herzen halten darff," murmelte er, halberstickt vor Erregung.
Zitternd schmiegte sie sich cm ihn. »Darf es denn fein, Frcdtz?"
Er küßte sie bis zur WemLesigkett. »Gottlob, Lottemarie, es darf fein, cs ist nun ockles licht und Car zwischen uns,"
Er mußte sie stützen und halten. Sie wankte in seinen Armen.
„Seit ich dein Telegramm erhielt, bin ich nicht zur Ruhe gekommen Wer die Frage, wie sich alles geklärt hat. Mutter war also doch im Irrtum?" sagte Lottemarie, mit ihren schönen Augen zu Fred auffehend.
Er streichelte zärtlich ihr Haar. Nein, Mein Luckes — sie war nicht im Irrtum. Alfred von Letzingen ist wirklich mein Vater. Aber — erschrick nicht — du bist dennoch nicht meine Schwester — weil du nicht seine Tochter bist."
Und feto tumb .erzählte er ihr alles, was sie wissen mußte Und als er zu Ende war. sagte er auifatmend:
„Dies alles bleibt vorläufig zwischen uns. Mr wollen meinen Eltern nicht vergreifen. Sie selbst fettett deinen Verwandten und Howards sagen, was sie für nötig finden. Es ist mir schr tob, daß ich dich allein mtiraf, damit ich mich mit dir aus sprechen tonnte. Sobald meine Eltern drüben alles geordnet haben, folgen sie mir. Sage, mein Liebstes, bist du nun glücklich und zufrieden?"
Sie umfaßte seinen Hals und fegte ihre Wange an die feine. „Mein Fredy — ich Hütte ja sterben müssen, wenn unsere Liebe Sünde gewesen wäre. Gott hat wirklich ein Wunder an uns getan, daran will ich dankbar glauben."
(Schluß folgt.)
Volkslied.
Irgendwo hinter blauschimmernden Bergen, Hinter Wolken Purpurumglüht,
Tönt von Hei'mat, Vaterlano und SShnsuchtz Ein altes, längst vergessenes Lied.
Einst trugen wir'S in der Seele Und zitternd durrhgog's die Brickt, Da ivard's flammendes, feuriges Loben Und tiefe, glühende Lust.
.....Urbe~ die blauen Berge
Streicht mit leisem Hauch der Wind',
Heimat, Vaterland und Sohnfncht,
Lüsuand mehr weiß, wo St und! K G,