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Meter Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

11. Jahrgang.

Nummer 55

Sonnabend, 12. März 1921

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952.

Kritik an der deutschen Delegation

Ermahnung aus dem Zentrum.

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und meinten, daß man zu scharf vorgegan- sei und nicht weitergehen dürfe.

Die Äafftlet Neueste« Nachrichten erscheinen wöchentlich techönial und «war a den d S. Der »bonnenientrpret« deträgi monatlich 6.00 War! bei tretet gustellunx in« Hau«. «uS- warrs durch di« Poft teiogen 5.30 Marl monatlich einschließlich Lustellnng. Bestellungen werden jeder,eil von der ÄeschäftSstelle oder den Boten entgeecngenommen. Drncteret, Bering und »edaMone Schlllchthofstrabe 28/30. Für unverlangt eingefanbte Beiträge kann die Redaktion eine Verantwortung oder «ewöhr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung de« BezugSgelde« oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Liekerung auSgelchloffen.

Berlin. 11. Mürz. (Privattelegramm. Die AcntruMsparLanrentar. Konesponbenz schreibt zur Haltung der Sozialdemokraten in der Frage der Regiermrgsbikdung in Preußen: Wir ge­ben die Hoffnung auf eine befriedigende Lösung dieser Angelegenheit nicht auf, möchten aber

besteht wieder in vollem Umfange. An den Bahnhöfen mutzten sämtliche Schilder, die die abreisenden Oberschlester znr Treue znm Reich und zur Abstimmung für Deutschland ausiordcr ten, entfernt werden. Es ist auch schon zu klei­nen ZusammenstStzen zwischen Truppen und Arbeitern gekommen.

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Ausschließung der Sozialdemokraten?

Berlin, 11. Marz. (Privattslegromm.) Zu der Frage der Regiermlgsbildnna in Preußen schreibt der »Vorwärts*: Es bleiben nur zwei reale Möglichkeiten: Die alte Koalition und der RechtSblock Zeirtrmn bis zu den Deutsckmati oila- len mit oder ahne Demokraten. Nur zwischen diesen beiden Möglichkeiten haben die bürgerli­chen Parteien zu wählen. Eine dritte gibt es nicht. Die mohrheitssozialistische Landtags- fraktion hat beschlossen, das; sie die Au s sch l i e- ßung der Mehrheitssozialisten von der Regic- rlmgÄtikdung in Preußen nicht zu geben könne.

Ein Wechsel des Anßemninisters?

Berlin, 11. März. (Pnivottelegramm.) Mi nrster Simons wies darmif hin, daß die Be­richte ans London mehr lückenhaft gewesen seien und mißverständliche Auffassungen erzeugt hät­ten. An der Form des ersten deutschen Vor­schlages übten vornehmlich die Demokraten und Sozialdcmorkaten Kritik, die Sozialdemokraten übrigens auch an der Art des Empfanges der deutschen Delegation bei ihrer Ankunft in Ber­lin. Insgesamt hat man den Eindruck, daß keine Partei mit der Art der Führung der Verhand­lungen durch Minister Simons einverstan­den sei. Die Unzufriedenheit änßert sich aber nicht in einer Form, die auf die Absicht der mast- Sbcndcn P«rrteien schließen läßt auf einen Wcch-

1 im Reichsministerium zu drängen.

Rücktritt des Preutzenkobinettr

Schwierigkeiten in der Regierungsbildung.

(Pribat-Telegramm.)

Bersin, 11. März.

DaS preußische Siaatsmlnisterium hat unter dem Datum des 10. März seinen Rücktritt in den folgenden an den Präsidenten des neu ge­wählten Lmrdtages gerichteten Schreiben gege­ben:Nachdem der auf Grund der Verfassung vom 30. November 1920 gewählte Landtag heute zusammengetrcten ist, sehen die unterzeichneten Staatöminister den ihnen aus Grund dcS Gesetzes zur vorläufigen Ordnung der Staats­gewalt in Preußen am 20. März 1919 erteilten Auftrag zur Führung der Staatsgeschäfte als e k l e d i g t an. Sie beehren sich daher, ergebenst anzuzeigen, daß sie mit dem heutigen Tage von ihren Aemtern zurücktretcn Gemäß Art. 59, Abs. 2 der Verfassung werden sie die laufen­de n G e s ch ä f t e bis zu der Uebernahme durch die neuen Minister weiterführen. gez. Braun, Fischbeck, Hönisch, Am Zehnt,off, Oeser, Stegcr- wald. Scvering, Lüdemann.

Petersburg eingenommen.

Kopenhagen. 11. März. (Eigener Dralft- bcricht.) Ritzaus Bureau meldet: Peters­burg ist in der Hand der Aufständischen. Gestern nachmittag haben Verhandlungen zwi­schen den Bolsck^wistcn und den Aufständischen begonnen. Laut einem Telegramm kann die Times melden: Die Revolutionäre haben, wie eine amtliche Meldung besagt, Petersburg mit Ausnahme von zwei Bahnhöfen besetzt. Tie roten Truppen erlitten die schwersteil Verluste. Die Times melden, daß aste bolschewiftj. scheu Führer in Autos aus Petersburg ge- flüchtet sind. Der russischen Vertretung in Riga wurde weiter gemeldet, daß sich sowohl Kraßnaja Gorka als auch Oranienbaum in den Händen der Aufstündisckseii befinden.

Bericht Wer London.

Dr. Simons rechtfertigt seine Haltung.

(Privai-Teftgromm.)

Berlin, 1h März.

' Zur neubesetztrn Gebiet.

Vermehrter Einmarsch der Ententetruppen. lPrivat-Telcgramm.)

Duisburg, 11. März.

Der Zustrom der Ententetruppen wird immer stärker. Vor allen Dingen ist es belgische Artil­lerie und Kavallerie. Letztere mit Fl-uhbahnge-

Keine weitere Besetzung?

Berlin, 11. März. (Privattelegramm.) Nach den Regierungserklärungen im Auswär- rigcn Ausschuß kommen weitere Besetzun­gen deutscher Gebiete zunächst nicht in Be­tracht. Im übrige» ist aus den Mitteilungen Dr. Simons im Auswärtigen Ausschuß die Tat­sache zu entnehmen, daß bereits Bestrebungen eingeleitet sind, um die Besetzung der rcchtS- iheinischen Städte rückgängig zu machen. Die sozialistische Kammergruppe in Paris hat sich, gestern mit der weiteren Besetzung deut­schen Gebietes und der Londoner Konferenz be­schäftigt. Verschiedene Abgeordnete kritisierten die von den Alliierten unternommenen Sankrio-

Die Mehrheitsparteien.

Berlin, 11. März. (Privattelegramm.) Nach dem die Mehrlftitssozialistcn die Bildung einer neuen Regierung in Preußen mit den Deutsch­nationalen endgültig abgelehnt haben, haben die Deutschnationalen nunmehr den offiziel­len Antrag allen bürgerlichen Parteien zngehen lassen, eine preußische Regierung auf Grund der Mchrhcitsverhältniffe im Landtag ans rein bür­gerlicher Grundlage unverzüglich zu bilden. Die Beratungen in den bürgerlichen Fraltionen wer­den kaum vor Mitte nächster Woche zu Ende gehen. Ma» glaubt, daß die Regierungsbil­dung erst nach Ostern vollzogen wirs.

Weitere Erörterung.

Berlin, 11. März. (Privattelegramm.) Die Beratungen des Ausschusses fiir Auswärtiges st»d in der neunten Abendstunde abgebrochen worden und werden heute vormittag fortgesetzt w-croen. Man erwartet, daß heute Abgeordneter Stinnes das Wort nehmen wird. Die Aussprache im Reichstag über die Londoner Konferenz wird SamStag stattftnden. Das Berliner Tageblatt erklärt dagegen, daß im wosenttichen eine lieb**« emist'mmmng darüber erfolgt sei. daß Re deutsche Delegation ihrer Aufgabe vollständig gc- reckst geworden ist. lieber das Ergebnis der Debatte läßt sich im. allgemeinen noch nichts sa- pM. Ter Ausschuß tritt zur Erschöpfung des Beratungsstoffes zu einer zweiten Atzung zu­sammen. Geplant ist, daß Reichsaußenminister Dr. Simons danach auch noch vor dem Auswär­tigen Ausschuß des Reichstages sprechen soll.

Weitere Kampsberichte.

Riga, 11. März, (eigener Draht bericht.)' Die Revaker Zeitungen melden übereinstim­mend, daß die Kronstädter Revolutionäre sich der Festung K r a s n a j a G o r ka bemächtigt Haven, deren Garnison zu der provisorischen Regierung in Kronstadt übergogangen s.lin soll. Die Kr o n st a d t er Matrosen haben die funken- telegraphische Verbindung mit W i b o r g wie­der üergestellt und die Garnisonen des Peters­burger Bezirks drahtlos aufgeforvcri, den Kampf gegen die bolschewistischen Be­drücker aufzunehmen, der ein Kampf für die bürgerliche Freiheit und die russische Konstitu- ante sei. Sie teilen ferner mit. daß das Is- mailloÄy-Regimcnt, das älteste Regiment der ruffiföen Garde, zu den Aufständischen über» gegangen ist. Der revolutionäre Rat tn Kron­stadt verkündet als sein Programm: 1. Einbe­rufung einer neuen Konstituierenden Dersamm- lung: 2. Gewährleistung der perfönlichen u. po­litischen Freiheit für alle Bürger; 3. Weigerung mit der Räteregicrung zu verhandeln.

Auch die RachbarMdte.

Duisburg, 11. März. (Privattelegramm.) Die Absperrung der Grenze zroischen Dem besetz­ten und unbesetzten Gebiet ist vorläufig nur schwach durchgeführt. Es wird davon gespro­chen. daß es nickt bei der Besetzung der Städte Duisburg i«nd Düsseldorf bleiben soll, sondern daß man hier einen Brückenkopf von zwölf Silymeiet Umkreis bilden will, in den auch die Nachbarstädte einbezogen werden sollen.

schützen und Mörsern, die gestern eintraft« und

einguarticrt wurden. Dir Besatzung von Ham- .. .......

born ist wieder zurückgezogen worden. Nur die nicht verfthlien, darauf hinWwcfien. daß auch Hafenmrlagen in Walsum sind starker besetzt!die Geduld der anderen Parteien ein kostbares worden. Der Verkebr mit dem neubesetztenIGut ist, das nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt Gebiet ist noch mchr gesperrt. Der Zugverkehr'werden soll.

Kopenhagen. 11. Mäoz. (Eigener Drcchtbe- richt.) Aus Helsingfors wird gemeldet: Dom Ausstand in Kronstadt Haven sich alle. Kreise der Bevölkerung arogeschtosicn. Die Tätigkeit des revolutionären Komitees, das sich sich zur provisorischen Regierung konstituiert hat, ging ohne Beteiligung der politischen Parteien vor sich. Die provisorische Regierung setzt sich aus Matrosen und Arbeitern ohne Parteizugehörigkeit zusammen. Das Programm der Kronstädter Regierung enthält als Haupt- puntte: Einberufung der Konstituante und so­fortige Freigabe des Privathandels. Das revo­lutionäre Komitee erlaßt folgenden Fnnkspruch: Die Besatzungen fast aller Schiffe der- nschen Mott.*, die sich in Kronstadt befinden, ha­ben die neue cmti bolschewistische Regierung an­erkannt. DorauSgcgangcn ist die Besatzung deS KreuzersPctropawlowsk", die auf Weisung der revolutionären Regierung die bolschewfitt- schen Kommissare der baltischen Motte und den

Frftdensvertroy M berufen, den die Entente formell zwar vernichtet hat, in welchem aber die Berufung Deutschlands au den Völker­bund vorgesehen ist. Ein schwacher Stroh­halm, aber wir müssen uns an ihn Sammern; In politischen und parlamentarischen wie wirt­schaftlichen Kreisen herrscht weiterhin Ruhe, Fe­stigkeit und Entschlossenheit. Das deutsche Volk, das kann man heute schon fegen, hat eilte fürch­terliche Feuerprobe glänzend bestanden. Wollte Gott, daß in diese einheitliche Stimmung nichts, was wir an fchweren Prüfungen in nächster Zeit zu erwarten haben, eine Bresche schlage! J. B,

Mell an Amerika?

Kriegsschuldfrage und Friedensvertrag.

In seinen Roden hat Lkoyd George gegen - scher der Verwahrung des deutschen Außemnini-- stcrs Simons in der Kriegsschuldfrage gesagt: Dieser Punkt sei der fundamentale Satz des Fricdensvertrages. Wir halten uns an disfts Wort und wir werden uns immer darauf berufen. Wir haben allerdings durch unsere er­zwungene Unterschrift auch den Satz unterschne- ben, daß Deutschland die alleinige Perantwvct- kichkeit an dem Kriege trage. Wir haben eine Lüge unterschrieben. Lloyd George hat scÄbft vor noch gar nicht langer Zeit ansgcspro- chen, daß es ein Unding wäre, einer einzi­gen Nation die alleinige Schuld an diesem Weltkriege zuzv.schreiben, und er fügte hinzu, es seien die Staatsmänner aller Länder ge­wissermaßen in diesen Krieg hineingetorftlt Wenn nun Lloyd George die Richtlinie au fite 3t, daß mit de Entscheidung darüber, ob Deutsch- laftd der allein schuldige Teil ist oder nicht, der Versailler Vertrag steht oder fällt, so müssen wir mit aller Entschiedenheit von jetzt an diese Schuldfrage mit in den Mittelpunkt der Erörterungen rücken. Denn er stellt nun­mehr in der Tat den Angelpunft für den völli­gen Umsturz pes Versailler Vertrages dar, den die Alliierten freilich durch ihr jetziges Borg-Heu in London formell schon in Fetzen gerissen ha­ben. Deutschland hat seine Archive, soweit ir­gendwie ein schuldhaftes Vergehen von Staats- männern, Politikern oder MMtärs in Frage kommen könnte, über Gebühr, und selbst Wer »en Rest von Würde und Ehre, den es noch be­saß, hinaus gt öffnet. Es muß rrun aber gefor­dert werden, daß das in dmischen HÄnden be­findliche Material, das über die Kriegsschuld­frage der Anderen Auskunft gibt, der Ocf- ftntlichftit übergeben wird, und ebenso muß vie deutsche Oefftntlichkeit immer und immer wieder daraus drängen, daß auch die Archive in den Enftnteländern geöffnet werden.

Es kommt allmählich Licht in diese KriegS- schuldfrage, und kein Sträuben und kein dikta­torisches ADschneiden solcher Erörterungen durch eine Lloyd Geovge's'che Bemerkung, day es sich hier um eine ausgemachte Sache handele, könnet! darüber hinweghelfen. Unser Protest gegen Deutschlands alleinige Schuld an diesem Kriege, und damit unser Protest gegen die Läge des Versailler Vertrages und gegen diesen selber muß täglich und stündlich aus allen Organen der deutschen öffentlichen Meinung in die Welt ge­rufen werden! Was jetzt not tut, ist nüchterne, klare Erkenntnis der Lage. Wir müssen uns frei machen von allen Illusionen auf fremde, neutrale Hilft. Wir müssen uns Mchenschaft darüber ge­ben, daß niemand in der gangen Welt uns hilft, wenn wir es nicht selber tun! Vor allem muß vor übertriebenen Erwartungen hinsichtlich Amerikas gewarnt werden. So konnte man dieser Tage otftnals hören, daß von Amerika etwas geschehe!! werde, um das Inkrafttreten der Sanktionen zu verhindern. Bei alledem war der Wunsch Water des Gedankens. Daß Amerika unter von gegenwärtigen Verhältnissen nicht da­ran denkt, sich in die europäische Wirrnis einzu­mengen. hat der Präsident Harding in seiner Antritts-Botschaft unzweideutig ausgesprochen. Denjenigen, die trotz allddem noch hofften, daß Amerika durch die Wiederherstellung des Frie­denszustandes mit Deutschland unmittelbar in die Dinge eingrifft, wird die jetzige Erklärung Hatdings eine schwere Enttäuschung bereitet haben, wonach dieser Friedensgustano vorläufig noch nicht wiedcrhergesiellt werden soll. Ein­mal will Amerika den Anschein vermeiden, als beständen Zerwürfnisse mit den Alliierten und zum zweiten will es vermeiden, daß Deutschland sich mit Einern Appell an Amerika wende!

Bon einem solchen unmittelbaren Hilferuf an die Vereinigten Staaten und seinen neuen Prä­sidenten haben sich mcmche Streife unseres Volkes viel versprochen Man verband damit den Ge­danken, daß Amerika gewissermaßen als Schieds­richter in den zwischen Deutschland und der En- tente obwaltenden Streitigkeiten fungieren könne. Diese Hoffnungen müssen begraben werden. Richt allein, daß das amerikanische Interesse ii» allen diesen Mngen nicht engagiert ist, so daß die Amerikaner leinen Anreiz sehen, sich für Deutsch- land zu verw enden, sie wollen auch, was Harding jetzt offen ausgesprochen har, nichts tun, was das Verhältnis zu den Alliierten stören könne. Tie Haltung der Pereinigftn Staaten entspringt also einer nüchternen, um nicht JM sagen rein egoistischen Taktik. Das schließt fteilich nicht aus, daß eine Lage enfftehen könnte, die Anrerika veranlassen könnte nud müßte, unmittelbar aktiv gegenüber der Lage in Europa sich zu betätigen. Uber diese mögliche Hilfe, sei c5 nun militäri­scher oder materieller Art, als einen politischm Faktet in unsere Rechstung ciuzusteüen, müssen Wir füglich unterlassen.

Was wir in dieftn Augenblick und in der ent­schlichen Situation, in der wir uns befinden, tun tonnen, ist nichts anderes, als uns auf den

Der Reichsausschuß für auswärtige Angelegenheiten trat gestern nachmittag 4 Uhr zu einer Sitzung zusammen, an der fast sämtliche ReichSminifier teiluahmeu. Minister Tr. Simons erstattete in ausführlicher Weift Bericht über die Londoner Konferenz. Die Ver­handlungen wurden für vertraulich erklärt, trotz­dem sind einige Mitteilnngen daraus bekannt ge­worden. Außenminister Dr. Simons hat in kur­zen Umrissen seine Haltung gegenüber der Kritik, die von den Vertretern aller Parteien geübt würde, verteidigt. Die schärfsten An­griffe scheinen von dem Sprecher der Deutsch nationalen Dr. Helfftrich ausgegangen zu fein, der vornehmlich das fünfjährige Provisorium unter Zugrundelegung der Pariser Beschlüsse in der MontagSsitzung der Londoner Konferenz dem Außenminister zum Vorwurf machte. Minister Simons räumte ein. daß er mit diesem Dor- schlag die Grenzen feiner Vollmacht überschritten habe und ebenso die Grenzen der deutschen Leistungsfähigftit, begründete seine Haltung aber mit der Situation, in der oft deutsche Delegatton sich befunden habe «. mit dem Wunsche, auch das Aeutzerste $a tun, um einen Bruch und Zwangsmaßnahmen zu vermeiden.

Ier Aufruhr ^Rußland-

Was geht im Offen vor?

Die 9ta<6rirt;*ct: ß6er den «ofrnhe ta Ruß­land übeeftttrjen stck», »hne dag man einen genauen AcderdliS über die wahre Lage erhält. Die nachstehenden Einzelheiten mögen zur allgemeinen gnformatton dienen

Aus Riga wird berichtet: Die RevolAtions- regi-rung in Kronstadt verhandelt mit den roten Führern in Petersburg. Der sozial- revolutionäre Führer Tschernow ist von Paris in Reval eingetroffen. Von der Grenze wird gemetbet, daß 37 000 Mann Aufständischer von Kronstadt auf Petersburg in D! ar sch smd. Die Rätersimenmg hat ihnen ein finnisch-baschkiri­sches Schützenregiment, chinesische Truppen und drei Batterien Artillerie entgogengefandt. In der Nähe von Bassilih-Ostrow erfolgte der Zu- fammi.'nftof,. Die Finnen versuchten, die vorge­henden Aufrührer auf das Eis zu dräneen, aber der Panzerkreuzer ,Patropawlvrfk" eröffnete ein wirksames Sperrfeuer, sodaß das Eis im Rücken der Finnen in Stücke ging, sodaß sic vom Lande abgeschlossen wurden. Das ftanze siunische Re­giment wurde gefangen genommen. Aus Ne­pal kommen Meldungen hierher, daß die Aus­rührer in Kronstadt an Tschitscherin ein Tele­gramm gesandt haben, in dem sie erklären, daß der Ausstand keine rtoe:f,e Offlzic'.scrhebung" sei. sondern der Versuch zur Gründuna einer neuen republikanischen Nogienmg. die die wirchlicben Interessen der Arbeiter ver­tritt und die gtäteregiieruna bekämpft. .Stock­holms Tidning-en" wollen wissen, daß die Mos­kauer Regiennre. bereit -st. den Aufrührern «veitaehend entgegen zukommen. In der Fnnk- fpruchdiskussion zwifchen Moskau und fi ronstadr soll Kronstadt eine außerordentlick) energische Sprocks geführt haben.