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Kasseler Neueste Nachrichten

Kaffeler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 51

Fernsprecher 951 und 952.

Dienstag, 8. März 1921

11. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

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Vorläufiges Abkommen in London.

Wohin steuert Smeriti!

Cino Auslegung der Antrittsrede Haeding /.

Die mit Spannung erwartete Botschaft des neuen amerikanischen Präsidenten Harding hat Mer das wichtigste Prr>l<.m der Welcholitik, über die Herstellung des Friedenszustande^ zwi­schen Amerika und Deutschland keiner lei Klärung gebracht. Auch sonst gab es kei­nerleiUekurraschungen", auf die manche Krei­se im deutschen Bolle ttotz aller anderweitigen Erfahrungen sich immer und immer wieder vor­bereiten zu muffen glaubten. Harding hat nichts gesagt Mer die Beziehungen Amerikas zu Ja­pan, er hat nichts gesagt über die Stellung der Vereinigten Staaten den Ententeländern, er hat nichts gesagt über den Versailler FriedenS- vertrag und dergleichen. Hardings Botschaft bedeutet nichts anderes, altz di« konsequente Verfolgung der. wie es scheint, für die Verei­nigten Staaten ein für allemal festgelegten po­litischen Linie und diese drückt sich aus in dem Willen der Vereinigten Staaten, keine Ein­mischung in die Angelegenheiten der alten Welt zuzulassen. Harding leugnet garnlcht, daß recht egoistische Momente bei dieser Politik im Spiele sindWir haben nicht die Absicht, uns in dies Wirrsaal hineinziehen zu lassen/' das ist das Motto der amerikanischen Politik. Mit der europäischen Wirrnis will Amerika nichts zu tun haben. Es will darum auch nicht in die Angelegenheiten der europäischen Politik hin- eingezogen werden.

Scharf ab gelehnt wird die Beteiligung an irgend einem stündigen militärischen Bünd­nis mit europäischen Mächten - als» auch die an einem Bündnis mit Frankreich. Das WortVölkerbund" kommt in der Rede nicht vor; dagegen ist von Schiedsgerichten etc. die Rede, von in- ternationaiben Ausschüssen zur Vermeidung von Kriegen und insbesondere der Organisation ei­nes .Weltgerichts". Diese Wendungen sollen os- senbar andeuten, wie Harding bei der Aussüh- rung dessen vorzngeHcn beabsichtigt, was von Wilsons Programm unerledigt geblieben ist. Das Wort .Völkerbund" ist eben seither ver­fälscht worden; die Paris-Londoner Karikatur der Wilson'schen Forderimg führt jetzt die Be­zeichnung. Harding will, unter Schonung von Empfindlichkeiten der Ententemächte, was Wil­son vorgeschlagen, unter der neuen Firma eines ^Weltgerichts" durchführen. Die Festlegung des Völkerrechts, die er verlangt, berührt englische Interessen im höchsten Maste. Bisher war Völlerrecht. was England von den anderen, nicht aber von sich selbst verlangte und er­wartete. Harding will mit allen Völkern der Erde, ob klein ob groß -Wo auch mit Deutschland über die Frage der Rüstn n g s- beschränkungen verhandeln; er betont sehr stark den Grundsatz nationaler Souveränität der Vereinigten Staaten. Er hat die Absicht, den »ersten Schritt"' zur Vermeidung künftiger Kriege zu tun. Was hier angekündkgt wir», muß aibgewartet werden. Die Aeustcrung .Nie­mand kann nehmen, der nicht gibt", kann nur zu beziehen sein auf die Absicht der Vereinigten Staaten, Geld in Europa zu stecken; gleichzeitig wird, abermals ein starker Stoß gegen England, die Forderung der »amerikanisch rn Ware unter amerikanischer Flagge* erhoben.

Ter wichtigste Satz der Rede, der insbeson­dere auch bte Londoner Konferenz in ihrem weiteren Verhalten beeinflussen wird, ist der letzte. Hier wird schr energisch die Erledi­gung der Schulden verlangt, die aus dem Kriege herrühren. Bekanntlich erhebt die En­tente nicht nur Forderungen bei uns; sie hängt vielmehr ihrerseits recht beträchtlich bei den Vereinigten Staaten. In demselben Satz ist aber auch nicht nur von Schulden, sondern auch vqn Verpflichtungen ans dem Kriege die Rede, deren man sich entledigen müsse, weil ihre Ver­leugnung keine Zivilisation überleben könnte. Sind die .Reparationen" gemeint, die uns nach dem Friedensvertrag obsiegen? Ohne Zweifell Das Wort in seiner kategorischen Fassung muß aber auch auf unerledigte Verpflichtungen be­zogen werden, die der Union selbst obliegen und nicht etwa der Entente gegenüberl Von Deutschland ist in der Harding'schen Antritts-< rede unmittelbar nicht di« Rede; ebenso entbot

sie kein Urteil über den Friedensvertrag oder die zurzeit schwebenden Verhandlungen.

Die amerikanische Weltpolittk wird also auch weiterhin einzig und allein nach amerikani­schen Gesichtspunkten und Bedürfnissen orientiert sein. Dieses Amerika als einen be­stimmenden Faktor etwa in die deutsche Au­ßenpolitik einznstellen. wäre darum abwegig. Wir müssen uns immer vor Augen halten, daß eine Mitwirkung Amerikas an den europäischen und damit an den deutschen Dingen nur in so weit in Bettacht kommt, als Mit ihr das ameri­kanische Interesse vorab eine Förderung erfah­ren würde. Diesser Erkenntnis kühlen Sinnes bewußt zu werdest, ist heute notwendiger als je

8. B.

Sie Londoner Berhandlnagen.

Ein Provisorium i« Anssichtl (Privat-Tslc gramm.)

Berlin, 7. März.

Es ist anzunehmen, daß heute der Boden für ein Provisorium gefunden wird. Sollten sich Schwierigkeiten ergeben, so würden sie bei den französischen Unterhändlern liegen, bie sich auf ein Kabinett Poincarec und eine Loslösung der Rheinlande einrichten. Da Briand aus Grim- den innerer Politik nicht vom Pariser Abkommen sich entfernen kann, so bleibt als einziger Weg ein Provisorium auf der Basis der Brüsseler Br- sprechungcr. des Scydourschen Planes.Daily Telegraph" zufolge hatte Dr. Simons am Freitag und Sonnabend große Rücksprache mit Lloyd George. Heber den Inhalt der Unter«» Vun« wurde keine Mitteilung gemacht. Der Der. tretet desDaily Telegraph" suchte Lloyd Ge­orge auf und gibt als Inhalt der Auslassungen des Premierministers wieder, daß Lloyd George an neue deutsche Vorschläge glaubt.

i* * *

Bemühung um weitere Verhandlungen.

London. 7. März. (Eigene Drahtmeldung.) Die Bemühungen der deutschen Delegation zie­len auf ein Provisorium als Grundlage für die offiziellen Verhandlungen hin. Eine Reuter - notiz betont, daß bei einer wefenttichen Aende- rung der Formen auch nur teilweise brauchbare Vorschläge genügen würden, um eine Prüfung durch die Sachverständigen zu veranlassen, was viellleichi die Möglichkeit einet Vertagung der für rhente erwarteten Entscheidung anfceutet So­mit gibt es augenblicklich drei Möglichkei­ten: Grundsätzliche Einigung, Vertagung oder Abbruch nrbst Sanktionen. Auch das Eintre­ten des letztgenannten Falles braucht einen wei­teren. dann allerdiirgs ungeheuer erschwerten Versuch, zu sachlichen Verhandlungen zu kom­men, nicht unbedingt austzüschsießen.

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Man redet gut zu.

Loudon, 7. Mürz. (Eigene Drahttnekdung.) Bei den Alliierten gewinnt die Ansicht Boden, die Deutschen sollten wenigstens den Versuch einer Ausführung der Pariser Vorschläge ver­sprechen. Beim Nachweis von der Unaus­führbarkeit könnte ja später eine neue Beratung erfolgen Für das erste Jahr lause ja doch das Pariser Programm ziffernmäßig auf das Weiche hinaus wie der Plan von Seydoux und die deut­schen Gegenvmschläge, sodaß hier nur die Art der Erfüllung zu regeln wäre. Die deittfche De­legation scheut jedoch jede Form der Lösung, die die Heimat mißdeuten könnte.

Günstigere Stimmung.

Besprechungen hinter bett Kulissen.

(Eigener Drahtbericht.)

- London, 7. März.

Ei« Ereignis, das die Lage ein wenig z u - gunsten Deutschlands oder vielmehr all­gemeiner ausgedrückt, zugunsten des europäischen Friedens geändert hat, ist die Tatsache, daß sich die Verhandkungsparieien endlich hinter den Kn­uffen zu Besprechungen zusannnengefunden ha­ben. Diese Besprechungen hinter den Sitliffen haben ihren Gipfelpunkt in der Kön- ferenj zwischen dem deutschen Außenminister Dr. Simons, Lloyd George und Briand gefunden. Obwohl die Einzelheiten dieser Besprechung von allen Seiten geheim ^halten werden, darf man doch wohl annehmen, daß im Mittelpunlt der Debatte man ein provisorisches Abkom­men gefunden hat, das vorläufig nur für die nächsten paar Jahre Gültigkeit haben soll. Man steht deutscherseits auf dem richtigen Standpunkt, saß wir über die nächsten drei Jahre hinaus gar nichts bestimmen können, da die Entwickluna des

niedergebrochenen deutschen Wirtschaftslebens zurzeit nicht zu übersehen ist. Andererseits wol­len wir Frankreich es durch ein solches Pro- Morium auch ermöglichen, so schnell wie mög­lich Barmittel in die Hände zu bekommen.

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Interesse an der Börse.

Köln, 7. März. (Privattelegramm). Die Reue Holländsche Agentur meldet aus London: Die Stimmung der City ist ruhiger geworden. Auch die B ö r s e hat die Notierungen der deut­schen Werte wieder ausgenommen. Während am Freitag mit einer tiefen Depression zu rechnen war, zeigte sich SamStag eine hoffnungsvollere Beurteilung Hierzu haben Lloyd Georges Er­klärungen nach der letzten Konferenz wesentlich beigetragen, die dieTimes" und dieMorning- vostt veröffentlichten. In Börsenkreisen wird erhöhtes Jntereffe fiir drn tsche Werte ge­zeigt, da sich die Meinung für eine Einigung im­mer mehr festigt. Kommt man auf der Konfe­renz zu einer BerstSndigirng, dann rechnet man mit einer Besserung der deutschen Valuta. Bei Lloyds in London werden feit Freitag Wetten für und tlCßen den Abbruch der Verhandlungen mit den Deutschen angenommen. Am SamStag standen die Wetten für einen Abbruch auf zwei und für eine Einigung mit den Deutschen auf drei.

Befürchtung vor Rückwirkung.

Brüssel, 7. März. (Eigene Drahtmeldung.) In einem weiteren Telegramm sagt ,Et>fle Belge": Einer günstigen Auffassung begegnet uran auch in Hmrdels- und Finanzlreisen der Londoner Efty. Man spricht zwar von der cven. tuellen Notwendigkeit der Sanktionen, ftirchtet aber deren Rückwirkung auf Europa, Eng­land und die Welt. Deshalb gehe der allgemeine Wunsch dahin, daß Deutschland Vorschläge mache, die als Basis fiir eine gütliche Einigung dienen könnten. Diese Meldung des Brüsseler Blattes, das über die Stimmutta in England gut unterrichtet zu sein pflegt, ist ein weiterer Beleg für einen günstigen Umschwung.

SwMS toirt «»Steiss». Die Scheu vor drm Abbruch.

«Eigene Drahtmeldung.)

Brüssel» 7. März.

Etoile Belge" gibt in einem Londoner Tele- gramm folgenden Situationsbericht: Die öffent­liche Meinung Englands ist nach tote vor der Ansicht, daß die Santtionen in Kraft treten müß­ten, wenn Dcuffchland unnachgiebig bleibe. In­dessen ist sestzustellen, daß in einer Reihe von Zeitungen und Zeitschriften, die sich mit den Ein­zelheiten der wirffchastlichen Lage befaffen, die Tendenz zu einer Fortsetzung der Ver­handlungen vorherrscht. Die Anwendung von Zwangsmaßnahmen würde kaum dazu bettragen, Deutschland zum Zahlen zu brin­gen und ihre Folge würde fein, daß der Wie­deraufbau Europas und die wirtschaftliche Wiedergenesung nur verzögert würde.

6tefl«n»na6meüet Regierung

Neue Richtlinien für die Delegation.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 7. März.

Halbamtlich wird mitgeteill: Nach vorliegen­den Meldungen fanden am Sonntag in Berlin unter Vorsitz des Reichspräsidenten Ebert zwei Kabiuettssitzuugen statt. Zwischen beiden Sitzungen fand eine Besprechung mit den Sa ch verständigen statt, soweit sie erreichbar wa­ren. Auf Gnuw der Beratungen sind an die Delegierten Instruktionen für die am Montag stattfindende Sitzung der Konferenz er­gangen. Die Beratungen der deutschen Sach­verständigen in Berlin am Sonnabend haben neue Bromente nicht ergeben. Der Bericht mit den weiteren Instruktionen der Reichsregierung an Dr. Simons ist am Sonntag nach London abgegangen. Von der Antwort der Alliierten am Montag wird es abhängen, ob die Londoner Besprechungen sortdauern. Trotz der Regierungs­erklärung im Reichstag am Sonnabend bleibt die Gesamtlage bis dahin in der Schwebe.

Fortsetzung der Verhandlungen.

Berlin, 7. März. (Privattelegramm, i Gestern abend 8 Uhr erhielten die Frattionsführrr vom Reichskabinett Mitteilung über den Inhalt der dmttfchen Instruktionen an die Londoner Delegation. Soweit die Vertraulichkeit der Be- fpreck-ungen Mitteilungen an die Preffe zulassen, kann als authentisch angenommen werden, die Teuffchen werden heute in London fein beding­ungsloses Rein sagen, sondern sich zu neuen Besprechungen bereit erklären. Die Pari­ser Beschlüsse dagegen werden als undurchführ- bar bezeichnet.

Was wir verloren!

Bildliche Darstellung des FriedeusverttagS. Eins Ausstellung im Kasseler Bürgerbund.

In den Räumen des Landesmuseums am Wilhelmshöher Platz befindet sich gegenwär­tig eine vom Bürgerbund veranstaltete Ausstel­lung von Kartenmaterial, auf dem die Lasten, die uns der Versailler Vertrag aufcrlegt und die Verluste, die er uns zufügt, im Bilde zu Jeder­manns Verständnis anschaulich gezeigt werden. Der Bürgerbund hat sich ein großes Verdienst damit erworben, daß er dieses Material, das aus Bremen stammt, hierher hat kommen lassen, um es der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Wenn man diese Ausstellung gesehen hat, em­pfindet man tief bewegt, wie dringend notwendig eilte solche graphische Darstellung ist, um die Kenntnis des Fricdensvertrags zu verbreiten. Alan darf wohl sagen und Jeder mag es ruhig zugeben, daß das deutsche Volk den Vertrag lcider noch nickt kennt. Nur sehr We­nige haben das dicke Buck in der Hand gehabt, und die Vielen, die die Veröffentlichungen vor anderthalb Jechren in den Zeitungen lasen, ha­ben das meiste wieder vergessen. Wer könnte auch ans den Paragraphen die vielen wichtigen Ein­zelheiten im Gedächtnis behalten und selbst wenn man es könnte, so fehlt doch meist die richtige Vorstellung davon. Einen deutlichen Be­griff erhalten wir erst, wenn wir den gedruckten Inhalt durch

das plastisch wttkende Bild

vor Augen sehen. Deshalb ist es wärmstens zu empfehlen, daß Alle, Mann und Frau, Alt und Jung, hingehen und die vortrefflichen Zeich­nungen an sehen Am Sonna bend nachmittag wurde du: Ausstellung durch den Vorsitzenden des Bürgevbundes. Herrn Bankier Pfeiffer, im Beisein von geladenen Gästen eröffnet. Herr Pfeiffer wies in seiner Ansprache auf die Lon­doner Konferenz hin, bei ber die Ententemächte das deutsche Volk völlig unterjochen wollen. Wer sich Wer die Ursachen des Krieges klar fei, der erkenne in der Entente Politik die Verfolgung der alten Ziele. Deutschland ist niedergeschlagen toDtihit und ist all seiner Drittel beraubt, die ihm zum Wiederaufftiüg helfen fimnten. Im Westen und Osten hat man wertvolle Landes- teile abgetr-nnt, Kohlen- und Erz-Mchiete genom­men, die große Handelsflotte und die überfeeV ficken Besitzungen geraubt, so daß wir ansge- plündert dastehen. Frankreich hat jetzt das, was es wollte, die Herrschaft auf dnn europäffchcn Festttnde und England hat desgleichen sein Ziel erreicht: den deutschen Konkurrenten vernichtet. Herr Pfeiffer brachte die Kriegsziele unserer Feinde folgerichtig in Zusammeuh^rng mit der heutigen Lage, woraus man auch die künftige Politik der Entente klar berechnen kann: das ist die weitere Kneckftung. Aber haben die Feinde, uns auch diese Materiellen Wette genommen, so können sie unS doch nicht den deutschen Geist nehmen: den Fleiß, die Gründlichkeit, das Wis­sen und den Willen zum Wiederaufstieg. Wenn wir diese Errungenschaften behalten, mutz auch

wieder eine bessere Zett kommenr

Vorläufig ist diese Ausstellung ein Zeichen der Trauer. Deshalb ist auf dem Landesmufeums- Gebäude halbmast geflaggt. Unter Führung und fachkundigen Erklärungen durch Herrn Dr. Bell wurde die Ausstellung besichtigt. Zahl­reiche große Karten bedecken die Wände. Man reht ganz ausgezeichnete Gegenüberstel­lungen von dem, was vor dem Kriege war und was jetzt ist, sowie van dem ungeheuren Besitz der Entente und dem geringen deutschen Rest, und sieht, was wir verloren haben. Ich greife mrr einige Bei spiele heraus: Länder» besitz der Entente, Deutschlands und Oesterreich-' Ungarns vor dem Kriege. Die Ländergier der Feinde. Rüstungen vor dem Kriege. Das alte und das neue Europa. Zerreißung der Mittel­mächte und Errichtung neuer, nicht lebensfähiger Staaten. Gebietsabtretungen. Verlust an Sied- lnngsland, Verlust an Kohlen, Getreide, Bi eh. Gehälter der Besatzungsttnppen und Alliietten- komnrissionen, daneben die Gehälter unserer Mi­nister. (Ein Entenie-Unteroffiziet im besetzten Gebiet erhält soviel wie unser Reichskanzler.) Die Reihe der Karten geht noch weiter, aber schon hieraus ist ersichttich, wie vielseitig das Material ist. Es gibt in fesselnderUebersicht die besten Vergleiche, die nicht nur für den Politiker, sondern für jeden Deutschen interes- ffnt sind. Es rft einerlei, welcher Partei jemand angehören möge, auch einerlei, weß Standes er 'ei. Alle Patteien und alle Kreise der Be­völkerung, Arbeiter, Bauer, Handwetter, Kauf­mann, Beamter oder Gelehrter, alle solllen den Friedensvertrag im Bild kennen lernen. Dadurch gewinnt man die beste Aufklärung. Es finden täglich bei der Besichtigung Führungen und Erläuterungen statt. K.F.Dr.

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Telegramm nach Berlin.

Die nachstehende Entschließung ist an den Reichspräsidenten, Minister des Aeußern und