Kasseler Neueste Nachrichten
Kaffeler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 51
Fernsprecher 951 und 952.
Dienstag, 8. März 1921
11. Jahrgang.
Fernsprecher 951 und 952.
gnfertWnäpreife i a) Einheimisch« Huf träge: Die einspaltige Anzeigen-Zetl- M. LOO, bU etnfpalttg« Reklamezetle N. 2.50. b) Auswärtige Aufträge: Die einspawg« AuzetgenzeUe M. WO, »U «tnfpattige Rellamezeile M. 2.75, alle« einschließlich TeuerungS,uschlag mtb Snzeigenfteuee. Nur Anzeigen mit besonber« schwierigem Satz hundert Prozent Ausschlag Fwr die Rtchtigkett aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahme- baten und Plätze kann eine Bewähr nicht übernommen werden. — Druckerei: Schlacht- hofflraße 28/30. Geschäfts stell,: NSlnische Straße 5. Telephon Nummer 951 uv- 952,
at» »afseler Neueste»Nachrichten erscheinenwüchentltch sechsmal und jroat abend«. Dm Lb»nnement«preiS beträgt monatlich 5.00 Mark bet freier Klstellung ms Hau«. Au«. würtS durch die Post bezogen SLO Marl monatlich eMschUeßltch Zustellung. Bestellungen werden jederzeit von der LeschästSstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, «erlag und Redaktto» ., Echlachthofstraße 28/30. Für unverlangt eingesandt« Beiträge laun die «ednktton eine Berantwortung ober Bewähr M keinem Falle übernehmen. Rückzahlung de« «rzugrgelde« oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ausgeschlossen.
Vorläufiges Abkommen in London.
Wohin steuert Smeriti!
Cino Auslegung der Antrittsrede Haeding /.
Die mit Spannung erwartete Botschaft des neuen amerikanischen Präsidenten Harding hat Mer das wichtigste Prr>l<.m der Welcholitik, über die Herstellung des Friedenszustande^ zwischen Amerika und Deutschland keiner lei Klärung gebracht. Auch sonst gab es keinerlei „Uekurraschungen", auf die manche Kreise im deutschen Bolle ttotz aller anderweitigen Erfahrungen sich immer und immer wieder vorbereiten zu muffen glaubten. Harding hat nichts gesagt Mer die Beziehungen Amerikas zu Japan, er hat nichts gesagt über die Stellung der Vereinigten Staaten den Ententeländern, er hat nichts gesagt über den Versailler FriedenS- • vertrag und dergleichen. Hardings Botschaft bedeutet nichts anderes, altz di« konsequente Verfolgung der. wie es scheint, für die Vereinigten Staaten ein für allemal festgelegten politischen Linie und diese drückt sich aus in dem Willen der Vereinigten Staaten, keine Einmischung in die Angelegenheiten der alten Welt zuzulassen. Harding leugnet garnlcht, daß recht egoistische Momente bei dieser Politik im Spiele sind „Wir haben nicht die Absicht, uns in dies Wirrsaal hineinziehen zu lassen/' das ist das Motto der amerikanischen Politik. Mit der europäischen Wirrnis will Amerika nichts zu tun haben. Es will darum auch nicht in die Angelegenheiten der europäischen Politik hin- eingezogen werden.
Scharf ab gelehnt wird die Beteiligung an irgend einem stündigen militärischen Bündnis mit europäischen Mächten - als» auch die an einem Bündnis mit Frankreich. Das Wort „Völkerbund" kommt in der Rede nicht vor; dagegen ist von Schiedsgerichten etc. die Rede, von in- ternationaiben Ausschüssen zur Vermeidung von Kriegen und insbesondere der Organisation eines .Weltgerichts". Diese Wendungen sollen os- senbar andeuten, wie Harding bei der Aussüh- rung dessen vorzngeHcn beabsichtigt, was von Wilsons Programm unerledigt geblieben ist. Das Wort .Völkerbund" ist eben seither verfälscht worden; die Paris-Londoner Karikatur der Wilson'schen Forderimg führt jetzt die Bezeichnung. Harding will, unter Schonung von Empfindlichkeiten der Ententemächte, was Wilson vorgeschlagen, unter der neuen Firma eines ^Weltgerichts" durchführen. Die Festlegung des Völkerrechts, die er verlangt, berührt englische Interessen im höchsten Maste. Bisher war Völlerrecht. was England von den anderen, nicht aber von sich selbst verlangte und erwartete. Harding will mit allen Völkern der Erde, ob klein ob groß — -Wo auch mit Deutschland — über die Frage der Rüstn n g s- beschränkungen verhandeln; er betont sehr stark den Grundsatz nationaler Souveränität der Vereinigten Staaten. Er hat die Absicht, den »ersten Schritt"' zur Vermeidung künftiger Kriege zu tun. Was hier angekündkgt wir», muß aibgewartet werden. Die Aeustcrung .Niemand kann nehmen, der nicht gibt", kann nur zu beziehen sein auf die Absicht der Vereinigten Staaten, Geld in Europa zu stecken; gleichzeitig wird, abermals ein starker Stoß gegen England, die Forderung der »amerikanisch rn Ware unter amerikanischer Flagge* erhoben.
Ter wichtigste Satz der Rede, der insbesondere auch bte Londoner Konferenz in ihrem weiteren Verhalten beeinflussen wird, ist der letzte. Hier wird schr energisch die Erledigung der Schulden verlangt, die aus dem Kriege herrühren. Bekanntlich erhebt die Entente nicht nur Forderungen bei uns; sie hängt vielmehr ihrerseits recht beträchtlich bei den Vereinigten Staaten. In demselben Satz ist aber auch nicht nur von Schulden, sondern auch vqn Verpflichtungen ans dem Kriege die Rede, deren man sich entledigen müsse, weil ihre Verleugnung keine Zivilisation überleben könnte. Sind die .Reparationen" gemeint, die uns nach dem Friedensvertrag obsiegen? Ohne Zweifell Das Wort in seiner kategorischen Fassung muß aber auch auf unerledigte Verpflichtungen bezogen werden, die der Union selbst obliegen und nicht etwa der Entente gegenüberl Von Deutschland ist in der Harding'schen Antritts-< rede unmittelbar nicht di« Rede; ebenso entbot
sie kein Urteil über den Friedensvertrag oder die zurzeit schwebenden Verhandlungen.
Die amerikanische Weltpolittk wird also auch weiterhin einzig und allein nach amerikanischen Gesichtspunkten und Bedürfnissen orientiert sein. Dieses Amerika als einen bestimmenden Faktor etwa in die deutsche Außenpolitik einznstellen. wäre darum abwegig. Wir müssen uns immer vor Augen halten, daß eine Mitwirkung Amerikas an den europäischen und damit an den deutschen Dingen nur in so weit in Bettacht kommt, als Mit ihr das amerikanische Interesse vorab eine Förderung erfahren würde. Diesser Erkenntnis kühlen Sinnes bewußt zu werdest, ist heute notwendiger als je
8. B.
Sie Londoner Berhandlnagen.
Ein Provisorium i« Anssichtl (Privat-Tslc gramm.)
Berlin, 7. März.
Es ist anzunehmen, daß heute der Boden für ein Provisorium gefunden wird. Sollten sich Schwierigkeiten ergeben, so würden sie bei den französischen Unterhändlern liegen, bie sich auf ein Kabinett Poincarec und eine Loslösung der Rheinlande einrichten. Da Briand aus Grim- den innerer Politik nicht vom Pariser Abkommen sich entfernen kann, so bleibt als einziger Weg ein Provisorium auf der Basis der Brüsseler Br- sprechungcr. des Scydourschen Planes. — „Daily Telegraph" zufolge hatte Dr. Simons am Freitag und Sonnabend große Rücksprache mit Lloyd George. Heber den Inhalt der Unter«» Vun« wurde keine Mitteilung gemacht. Der Der. tretet des „Daily Telegraph" suchte Lloyd George auf und gibt als Inhalt der Auslassungen des Premierministers wieder, daß Lloyd George an neue deutsche Vorschläge glaubt.
i* * *
Bemühung um weitere Verhandlungen.
London. 7. März. (Eigene Drahtmeldung.) Die Bemühungen der deutschen Delegation zielen auf ein Provisorium als Grundlage für die offiziellen Verhandlungen hin. Eine Reuter - notiz betont, daß bei einer wefenttichen Aende- rung der Formen auch nur teilweise brauchbare Vorschläge genügen würden, um eine Prüfung durch die Sachverständigen zu veranlassen, was viellleichi die Möglichkeit einet Vertagung der für rhente erwarteten Entscheidung anfceutet Somit gibt es augenblicklich drei Möglichkeiten: Grundsätzliche Einigung, Vertagung oder Abbruch nrbst Sanktionen. Auch das Eintreten des letztgenannten Falles braucht einen weiteren. dann allerdiirgs ungeheuer erschwerten Versuch, zu sachlichen Verhandlungen zu kommen, nicht unbedingt austzüschsießen.
*
Man redet gut zu.
Loudon, 7. Mürz. (Eigene Drahttnekdung.) Bei den Alliierten gewinnt die Ansicht Boden, die Deutschen sollten wenigstens den Versuch einer Ausführung der Pariser Vorschläge versprechen. Beim Nachweis von der Unausführbarkeit könnte ja später eine neue Beratung erfolgen Für das erste Jahr lause ja doch das Pariser Programm ziffernmäßig auf das Weiche hinaus wie der Plan von Seydoux und die deutschen Gegenvmschläge, sodaß hier nur die Art der Erfüllung zu regeln wäre. Die deittfche Delegation scheut jedoch jede Form der Lösung, die die Heimat mißdeuten könnte.
Günstigere Stimmung.
Besprechungen hinter bett Kulissen.
(Eigener Drahtbericht.)
- London, 7. März.
Ei« Ereignis, das die Lage ein wenig z u - gunsten Deutschlands oder vielmehr allgemeiner ausgedrückt, zugunsten des europäischen Friedens geändert hat, ist die Tatsache, daß sich die Verhandkungsparieien endlich hinter den Knuffen zu Besprechungen zusannnengefunden haben. Diese Besprechungen hinter den Sitliffen haben ihren Gipfelpunkt in der Kön- ferenj zwischen dem deutschen Außenminister Dr. Simons, Lloyd George und Briand gefunden. Obwohl die Einzelheiten dieser Besprechung von allen Seiten geheim ^halten werden, darf man doch wohl annehmen, daß im Mittelpunlt der Debatte man ein provisorisches Abkommen gefunden hat, das vorläufig nur für die nächsten paar Jahre Gültigkeit haben soll. Man steht deutscherseits auf dem richtigen Standpunkt, saß wir über die nächsten drei Jahre hinaus gar nichts bestimmen können, da die Entwickluna des
niedergebrochenen deutschen Wirtschaftslebens zurzeit nicht zu übersehen ist. Andererseits wollen wir Frankreich es durch ein solches Pro- Morium auch ermöglichen, so schnell wie möglich Barmittel in die Hände zu bekommen.
8
Interesse an der Börse.
Köln, 7. März. (Privattelegramm). Die „Reue Holländsche Agentur meldet aus London: Die Stimmung der City ist ruhiger geworden. Auch die B ö r s e hat die Notierungen der deutschen Werte wieder ausgenommen. Während am Freitag mit einer tiefen Depression zu rechnen war, zeigte sich SamStag eine hoffnungsvollere Beurteilung Hierzu haben Lloyd Georges Erklärungen nach der letzten Konferenz wesentlich beigetragen, die die „Times" und die „Morning- vostt veröffentlichten. In Börsenkreisen wird erhöhtes Jntereffe fiir drn tsche Werte gezeigt, da sich die Meinung für eine Einigung immer mehr festigt. Kommt man auf der Konferenz zu einer BerstSndigirng, dann rechnet man mit einer Besserung der deutschen Valuta. — Bei Lloyds in London werden feit Freitag Wetten für und tlCßen den Abbruch der Verhandlungen mit den Deutschen angenommen. Am SamStag standen die Wetten für einen Abbruch auf zwei und für eine Einigung mit den Deutschen auf drei.
Befürchtung vor Rückwirkung.
Brüssel, 7. März. (Eigene Drahtmeldung.) In einem weiteren Telegramm sagt ,Et>fle Belge": Einer günstigen Auffassung begegnet uran auch in Hmrdels- und Finanzlreisen der Londoner Efty. Man spricht zwar von der cven. tuellen Notwendigkeit der Sanktionen, ftirchtet aber deren Rückwirkung auf Europa, England und die Welt. Deshalb gehe der allgemeine Wunsch dahin, daß Deutschland Vorschläge mache, die als Basis fiir eine gütliche Einigung dienen könnten. Diese Meldung des Brüsseler Blattes, das über die Stimmutta in England gut unterrichtet zu sein pflegt, ist ein weiterer Beleg für einen günstigen Umschwung.
SwMS toirt «»Steiss». Die Scheu vor drm Abbruch.
«Eigene Drahtmeldung.)
Brüssel» 7. März.
„Etoile Belge" gibt in einem Londoner Tele- gramm folgenden Situationsbericht: Die öffentliche Meinung Englands ist nach tote vor der Ansicht, daß die Santtionen in Kraft treten müßten, wenn Dcuffchland unnachgiebig bleibe. Indessen ist sestzustellen, daß in einer Reihe von Zeitungen und Zeitschriften, die sich mit den Einzelheiten der wirffchastlichen Lage befaffen, die Tendenz zu einer Fortsetzung der Verhandlungen vorherrscht. Die Anwendung von Zwangsmaßnahmen würde kaum dazu bettragen, Deutschland zum Zahlen zu bringen und ihre Folge würde fein, daß der Wiederaufbau Europas und die wirtschaftliche Wiedergenesung nur verzögert würde.
6tefl«n»na6meüet Regierung
Neue Richtlinien für die Delegation.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 7. März.
Halbamtlich wird mitgeteill: Nach vorliegenden Meldungen fanden am Sonntag in Berlin unter Vorsitz des Reichspräsidenten Ebert zwei Kabiuettssitzuugen statt. Zwischen beiden Sitzungen fand eine Besprechung mit den Sa ch verständigen statt, soweit sie erreichbar waren. Auf Gnuw der Beratungen sind an die Delegierten Instruktionen für die am Montag stattfindende Sitzung der Konferenz ergangen. — Die Beratungen der deutschen Sachverständigen in Berlin am Sonnabend haben neue Bromente nicht ergeben. Der Bericht mit den weiteren Instruktionen der Reichsregierung an Dr. Simons ist am Sonntag nach London abgegangen. Von der Antwort der Alliierten am Montag wird es abhängen, ob die Londoner Besprechungen sortdauern. Trotz der Regierungserklärung im Reichstag am Sonnabend bleibt die Gesamtlage bis dahin in der Schwebe.
Fortsetzung der Verhandlungen.
Berlin, 7. März. (Privattelegramm, i Gestern abend 8 Uhr erhielten die Frattionsführrr vom Reichskabinett Mitteilung über den Inhalt der dmttfchen Instruktionen an die Londoner Delegation. Soweit die Vertraulichkeit der Be- fpreck-ungen Mitteilungen an die Preffe zulassen, kann als authentisch angenommen werden, die Teuffchen werden heute in London fein bedingungsloses Rein sagen, sondern sich zu neuen Besprechungen bereit erklären. Die Pariser Beschlüsse dagegen werden als undurchführ- bar bezeichnet.
Was wir verloren!
Bildliche Darstellung des FriedeusverttagS. Eins Ausstellung im Kasseler Bürgerbund.
In den Räumen des Landesmuseums am Wilhelmshöher Platz befindet sich gegenwärtig eine vom Bürgerbund veranstaltete Ausstellung von Kartenmaterial, auf dem die Lasten, die uns der Versailler Vertrag aufcrlegt und die Verluste, die er uns zufügt, im Bilde zu Jedermanns Verständnis anschaulich gezeigt werden. Der Bürgerbund hat sich ein großes Verdienst damit erworben, daß er dieses Material, das aus Bremen stammt, hierher hat kommen lassen, um es der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Wenn man diese Ausstellung gesehen hat, empfindet man tief bewegt, wie dringend notwendig eilte solche graphische Darstellung ist, um die Kenntnis des Fricdensvertrags zu verbreiten. Alan darf wohl sagen — und Jeder mag es ruhig zugeben —, daß das deutsche Volk den Vertrag lcider noch nickt kennt. Nur sehr Wenige haben das dicke Buck in der Hand gehabt, und die Vielen, die die Veröffentlichungen vor anderthalb Jechren in den Zeitungen lasen, haben das meiste wieder vergessen. Wer könnte auch ans den Paragraphen die vielen wichtigen Einzelheiten im Gedächtnis behalten — und selbst wenn man es könnte, so fehlt doch meist die richtige Vorstellung davon. Einen deutlichen Begriff erhalten wir erst, wenn wir den gedruckten Inhalt durch
das plastisch wttkende Bild
vor Augen sehen. Deshalb ist es wärmstens zu empfehlen, daß Alle, Mann und Frau, Alt und Jung, hingehen und die vortrefflichen Zeichnungen an sehen — Am Sonna bend nachmittag wurde du: Ausstellung durch den Vorsitzenden des Bürgevbundes. Herrn Bankier Pfeiffer, im Beisein von geladenen Gästen eröffnet. Herr Pfeiffer wies in seiner Ansprache auf die Londoner Konferenz hin, bei ber die Ententemächte das deutsche Volk völlig unterjochen wollen. Wer sich Wer die Ursachen des Krieges klar fei, der erkenne in der Entente Politik die Verfolgung der alten Ziele. Deutschland ist niedergeschlagen toDtihit und ist all seiner Drittel beraubt, die ihm zum Wiederaufftiüg helfen fimnten. Im Westen und Osten hat man wertvolle Landes- teile abgetr-nnt, Kohlen- und Erz-Mchiete genommen, die große Handelsflotte und die überfeeV ficken Besitzungen geraubt, so daß wir ansge- plündert dastehen. Frankreich hat jetzt das, was es wollte, die Herrschaft auf dnn europäffchcn Festttnde und England hat desgleichen sein Ziel erreicht: den deutschen Konkurrenten vernichtet. Herr Pfeiffer brachte die Kriegsziele unserer Feinde folgerichtig in Zusammeuh^rng mit der heutigen Lage, woraus man auch die künftige Politik der Entente klar berechnen kann: das ist die weitere Kneckftung. Aber haben die Feinde, uns auch diese Materiellen Wette genommen, so können sie unS doch nicht den deutschen Geist nehmen: den Fleiß, die Gründlichkeit, das Wissen und den Willen zum Wiederaufstieg. Wenn wir diese Errungenschaften behalten, mutz auch
wieder eine bessere Zett kommenr
Vorläufig ist diese Ausstellung ein Zeichen der Trauer. Deshalb ist auf dem Landesmufeums- Gebäude halbmast geflaggt. — Unter Führung und fachkundigen Erklärungen durch Herrn Dr. Bell wurde die Ausstellung besichtigt. Zahlreiche große Karten bedecken die Wände. Man reht ganz ausgezeichnete Gegenüberstellungen von dem, was vor dem Kriege war und was jetzt ist, sowie van dem ungeheuren Besitz der Entente und dem geringen deutschen Rest, und sieht, was wir verloren haben. Ich greife mrr einige Bei spiele heraus: Länder» besitz der Entente, Deutschlands und Oesterreich-' Ungarns vor dem Kriege. Die Ländergier der Feinde. Rüstungen vor dem Kriege. Das alte und das neue Europa. Zerreißung der Mittelmächte und Errichtung neuer, nicht lebensfähiger Staaten. Gebietsabtretungen. Verlust an Sied- lnngsland, Verlust an Kohlen, Getreide, Bi eh. Gehälter der Besatzungsttnppen und Alliietten- komnrissionen, daneben die Gehälter unserer Minister. (Ein Entenie-Unteroffiziet im besetzten Gebiet erhält soviel wie unser Reichskanzler.) Die Reihe der Karten geht noch weiter, aber schon hieraus ist ersichttich, wie vielseitig das Material ist. Es gibt in fesselnderUebersicht die besten Vergleiche, die nicht nur für den Politiker, sondern für jeden Deutschen interes- ffnt sind. Es rft einerlei, welcher Partei jemand angehören möge, auch einerlei, weß Standes er 'ei. Alle Patteien und alle Kreise der Bevölkerung, Arbeiter, Bauer, Handwetter, Kaufmann, Beamter oder Gelehrter, alle solllen den Friedensvertrag im Bild kennen lernen. Dadurch gewinnt man die beste Aufklärung. Es finden täglich bei der Besichtigung Führungen und Erläuterungen statt. K.F.Dr.
* * »
Telegramm nach Berlin.
Die nachstehende Entschließung ist an den Reichspräsidenten, Minister des Aeußern und