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Meier Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

11. Jahrgang

Mittwoch, 2. März 1921

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 46

Fernsprecher 951 und 952.

gnferttonipretfe i i| Sdlhetmtsche Aufträge! Die einspaltige Lnzetgen-Zeile M. 1.00, die dntpaltlg« Reklame»-»- M. LLO. b) Auswärtige Aufträge: Die einspaMg« Dnj-igenzetle M. 1.30, Me etnspalltge Reklamezeile M, 2.711, aller einschließlich Teuerungs,Uschlag und An,eigenfteuer. Für Anretgeu mtt besonders schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie sür Dutnahme- daten und Plätze kann eine Lewähr nicht übernommen werden. Druckerei- Schlacht» tzofstratz, 28/30. «elchästrstelli: «ölnisch, Straß, 6. Delephoa Nummer 951 und SSL.

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Beginn der Londoner Konferenz.

Empfang in London.

Die deutschferudliche Euleutepreffe.

Hcarte wurden die deutschen Detagierten in Donldon empfamMN. Sie überreichen die Gegen- bovsciMge, und die Enteutevcrtreter werden höf­liche Dsg-rüßiMgAworte sprechen, wie es dipta- NMtischer Brauch ist. Darüber hinaus wird es mit der Höflichkeit M Ende sein, denn die Ver- handLungen stehen auch diesmal nicht unter der Absicht freundschaftlicher Verständiglung, sondern unter dem Gebot der Gewalt. Wie auf allen bisherigen Inferenzen, so werden auch diesmal die TMierten als die Stärkeren, nachdem sie die deutschen Vernunftargumente angehört haben, die Pariser Forderungen durchzusetzen versuchen und die deutschen Vorschläge als Spiegelfechterei bezeichnen. Auf welcher Seite schließlich der groß re Erfolg sein Wird, das Loemnt darauf an, ot es den Gegnern noch einleuchten wird, daß sie nur etwas gewinnen Wunen, wenn sie ihre Forderungen mildern. Wird Deutschland aber durch gewaltsame Aus­pressung am Wiederaufleben gehindert, dann ver­ringert sich naturgemäß unsere schwache Zah- li'.ngsfäihigkeit noch mehr, urtb es könnte dann doch der Fall eintreten, daß die Gegner uns zu ihrem eigenen Nachteil in den Bankerott treiben, den Deutschland seither mit aller Anstrengung ver­hütet hat. Mögm sie sich also den Fall genau überlegen. Der Erfolg von Zwangsmaßnahmen ist sehr spekulativ. Gewifle Kreise der Alliierten scheinen sich zwar goldene Berge davon zu ver­sprechen, aber es tarnt auch das Gegenteil ein- tretcn. Die früiher geplante Besetzung des Ruhr­gebiets ist ihnen jedenfalls selbst zu gewagt er­schienen, da durch Streik und Sabotage dieser ganze Plan nutzlos gemacht werden könnte, des­halb geht die Absicht jetzt dahin, das Rhein­land mit Beschtag zu belegen und die Main- l i n i e zu besetzen, falls sich die Londoner Ver- handlungLn zerschlagen sollten.

Aus den widersprechenden Meldungen von London, Paris und Washington kann man auch bei schärfstem Spürsinn keinen sicheren Schluß aus den Verlauf der Londoner Konferenz ziehen. Llovd Georges Rede ist nach wie vor doppel­sinnig. Es ift vernnrtlich die alte englische Me­thode, schön zu reden und unfair zu bandeln. Zieht man in Erwägung, daß die führenden Londoner und Pariser Zeitungen ein Spie­gelbild der Regierungspolitik find, dann mutz' man nach deren Aeutzerungen auf alles gefaßt fein. Besonders die Pariser Preffe süßt sich sehr deutlich vernehmen. Der .Temhis" gibt sich alle Mühe, in den Drohungen und Ver- rÄchiiMngen an der Spitze zu bleiben. Er unter­stellt zum Beispiel dem deutschen Außenminister Dr. Simons, daß er nur nach London komme, um dort mit Lärm seinen Rücktritt zu verkiin-- digen und die Konferenz zum Scheitern zu brin­gen. DieHumanits" die angeblich die Menschlichkeit vertritt erklärt,wenn die deutschen Delogierten etwa mit der Faust auf den Tisch schlagen, so könnte das die Franzosen nur verlocken, die Kräfte i h r e r F ä n st e zu zeigen". Auch Minister Barthon, einer der größ­ten SpektaLelmacher, versucht gegen Dr. «Amons dadurch) Stimmung zu machen, daß er törichter­weise sagt, die deutsche Regierung wolle die mo- narchistisihe Propaganda fördern. Wie einst Gras Brockdorfs-Nantzau. einSchützling Wilhelms des Zweiten", als Wortführer eines fogialistl- schen Kanzlers ausgetreten fei, so wirke jetzt Si­mons für eine Negierung, die rechts gerichtet und durch den Ausfall der Preußenwahmn noch mehr in ihrem Widerstand gegen die Entente be- ftärft tvorden fei. Die Ententepreffe ist übri­gens der Auffassung, daß sie sich nicht zu beun- ruhigen brauche, wenn Simons nicht unter­zeichne. dann werde eben ein anderer deut­scher Minister nach London kommen. Das ist zwar leicht gesagt, aber vielleicht täuscht man sich darüber in Landon und Paris. Diejenigen Po- fitifer Deutschlands, die die deutschen Vorschläge ausgearbeitet haben, bezeichnen ihr Angebot als letztes Entgegenkommen. Welche Stimmung in den Berliner ReaicrunMkreisen herrscht, kann man aus den Wbschiedsworten entnehmen, die der deutschen Delegation am Sonntag bei der Abfahrt nachoernfen wurden:Fest bleiben! Richt nachgckbvn!"

Es wäre tatsächlich zu wünschen, daß die Dc- legaiion, das heißt die deutsche Regietun«, die den Delsgierten tote Instruktion erteilt, fest bliebe. damit auch einmal den breiteren Vokks- kreisen in England und Frankreich klar werde, daß die V o k i t i k ihrer Staatsmänner falsch ist Daß dort die Remerungspolitik kei­neswegs immer mit der Bolksmeinung überein- fSmmt, geht beispielsweise aus der Behandlung der in Nerdfrankreich zerstörten Gebiete hervor. Schon vor längerer Zeit hatte die deutsche Re­gierung einen Plan für den Wicderanfltan dieser zerstörten Gebiete ausgearbeitet und sich bereit erklärt, mucrbakb kurzer Zeit mit deutschen Ar- heftern und deutschom Material bimderttairsend SSäufer zu errichten. Die französischen amtlichen Stellen lehnten den Plan ab itr.t»r der Begrlm-

dung, daß dadurch ei.te deutsche Kolonie dort ent­stehen könne. In Wirklichkeit waren die Gründe ganz andere. Die Regierungsabteilung für den Wiederaufbau jener Gebiete und die große Zahl der 'dazu gehörigen Beamten wären damit aus­geschaltet worden. Die nordfranzösische Bevölke­rung denkt aber anders, wie sie gerade in diesen Tagen in großen Versammlungen samt Ausdruck gebracht hat. Ein Pariser sozialistisches Blatt, das darüber berichtete, sagt, den Leuten sei ein von den Deutschen gebautes Haus immer noch lieber als gar keins. Trotzdem wird es wohl bei de-m ablehnenden Bescheid der Regierrmg bleiben. Hoffentlich wird die deutsche Delegation in London nicht versäumen, den Ententevertre­tern auch einmal die Frage vorzulegen, ob etwa England in der Lage wäre, die Pa­riser Forderungen zu erfüllen. Es wird sich' sicher kein englischer Sachverständiger finden, der darauf bejahend antworten würde. Was aber dem re taten England mit seinen Kolonien und seiner Motte nicht möglich wäre, das kann mau von dem verarmten und verkleinerten Deutsch-- land nicht verlangen. Also kann man nur den Zuruf an die deutsche Delegation wiederholen: .Festbleiben!" K-F.Dr.

Sie Londoner BerhanMngen

Ankunft bet Deutschen in London.

(Eigene Drahtmeldung.j

London, 1. März.

Die deutsche Delegation ist gestern pünktlich X4 Uhr hier eingetroffen, nachdem die Fahrt über Ostende-Dover erfolgt war. R»f der Vik­toria-Station in London wurde Dr. Simons von bem deutschen Botschafter Ktbann-r und ein-m Mitglied des englischen Auswärtigen Amtes empfangen. Eine beträchtliche Anzahl Reugic- riger hatte sich eingefunden. Tie Begrüßung war kurz. Die ganze Delegatton ist im Satwy-Hotel uniergebracht. Ans Kreisen, die mit dem eng­lischen politischen und öffentlichen Leben in stän­diger Fühlung stehen, verlautet, daß man hier mit Dermiitlungsbemühungen Lloyd Georges fest rechnet, daher steht die gesamte öffentliche Meinung hinter dem Premierminister. Sie be rechUgt aber zu keinem Optimismus, denn ein Erfolg Lloyd Georges ist ungewiß. Die erfte Vollsitzung der Konferenz, in der die Re­parationsfrage besprochen werden soll, findet heute vormittag um l/t 12 Uhr im Laneaster-House statt. Dr. Simons wird Lloyd George bei die­ser Gelegenhett die Erklärung der deut- schon Regierung abgeven. Darauf werden die Alliierten am Nachmittag darüber beraten.

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Beiderseitige Vorschläge.

London, 1. März. (Eigene Trachtmeldung.) Daily Chroniele" schreibt, daß die deutschen Gegenvorschläge in London noch nicht amtlich bekannt seien. Das, was man auf Grund verschiedener Meldungen aus Berlin über bnt wahrscheinlichen Inhalt dieser Vorschläge weiß, wird in der Londoner Presse aber eifrigst besprochen mtb als unannehmbar bezeichnet. Aus Paris wird berichtet:Temps",Matin" undJournal" bringen am Sonntag gleichlau­tende Londoner Telegramme, wonach die al­liierten Sachverständigen am SamS- tag ihren Bericht für die Deutschen ferttggestellt haben, der zu dem Schlußsatz gelangt, die Sach­verständigen der Entente könnten ihren Regie­rungen keine Herabsetzung der Gesamt- höhe der Zahlungsforderungen Vorschlägen.

Pläne zubwMgrmMahmen

Einigung Englands und Frankreichs.

(Eigene Trahtmeldung.)

Paris. 1. März.

Die Konferenz zwischen Lloyd George, Briand und den Marschällen Fach und Weygand hat den Zweck verfolgt, tote Fräste der Sanktionen (Zwanqsmaßnahmenj zu regeln. Rach französi. scheu Berichten soll es dabei zu klaren Beschlüssen gekommen sein. Man hat, gestützt auf die Be­richte aus Deutschland, den Fall ins Auge ge­faßt. daß man sich schon am Ende dieser Woche (?) genötigt sehen werde, die Sanktio­nen spielen zu taffen. Die Engländer hätten zu­erst sinanzielle und wirtschaftliche Maßnahmen ins Auge gefaßt, seien aber nun ebenfalls da- für, daß im Falle einer deutschen Weigerung nur militärische Sanktionen wirksam seien.

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Die militärische Vorbereitung.

Paris, 1. März. (Eigene DrahtmiekdiMg.) <Sta;o de Paris" meldet aus London, daß die. Fvage der internationalen Anleihe für Deutschs

land in London nicht beraten werden soll, son­dern einer späteren Konferenz unterbreitat wird. DerMatin" berichtet aus London, Mtr- schall Foch habe eine längere Besprechung mit dem englischen General Wilson gehabt, die die englische Zustimmung zu den französi­schen Zwangsmaßnahmen gebracht hat. Am letzten Sonnabend ftrhren zahlreiche Züge mit Truppen aus südfranzösischen Garnisonen durch die Pariser Bahnhöfe. Die Truppentransporte gingen nach Elsaß-Lothringen und in toa® be­setzte Gebiet Deutschlands.

Deutschlands WWen.

Die ausländische Preffe über London.

(Eigener Drahtbericht.)

Rotterdam, 1 März.

Der Nicuwe Rotterdamsche Courant bringt einen Artikel über die Londoner Konferenz und sagt, eS könne den Miierten nichts schaden, wenn noch etwas Zeit verstreiche. Lloyd George rechne mit einer Dauer von mindestens vierzehn Tagen. Zum Ende dieser Wollte findet der Präsidenten­wechsel in Amerika statt. Der Oberste Rat habe Amerika bis vor kurzem nur als stillen Zu­schauer in seiner Mitte gehabt. In aller Kürze kommen die FriedenSverhandlnngen zwischen den Bereinigten Staaten Amerikas und Deutschland in Washington auf die Tagesordnung. Neben an­deren schwierigen Problemen sei "auch die Frage bedeutungsvoll, ob die amerikanischen Besat­zungstruppen am Rhein bleiben sollen. Ein FriedestssatzUk Nm.rikas werde aber auch nicht ohne Einfluß auf die militärischen Maß­nahmen der Alliierten bleiben.

Bnrerttanischer Einspruch?

Washington. 1. März. (Eigener Draht- hericht.) Es verlautet, daß der neue Präsident sich mehr mit der europäischen Politik beschäf­tigen werde. In dem Augenblick, da Wilson das Weiße Haus verläßt, werde sich Amerika den Beschlüssen deS Obersten Rates k-ezüglich des Mandats über die Insel Yap. das Japan übertragen worden sei. widersetzen. Europa werde bald gezwungen sein, seine Aufmerksamkeit dem Friedensprogramm des neu ernannten ame­rikanischen Staatssekretärs Hughes zuzuwenden

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Italienischs sachliche Beurteilung.

Rom, 1. März. (Eigener Drahtbericht.) Der .Messagers" weist auf die feindselige Haltung der englischen Norchclisfe-Presse gegen die deutsche Delegation hin. Aber diese feindselige Haltung habe bisher keinen Erfolg gehabt, vielmehr werde man die Deutschen duvchEs objektiv beurteilen. Das Berliner An­gebot, innerhalb dreißig Fahren IVz Milliarden Pfund (über 250 Milliarden Goldmark) zu be­zahlen, würde entschieden guten Eindruck ma­chen. Die Summe sei vernünftig und es werde sich darüber reden lassen, sodaß hoffentlich Euro­pa neue Krisen erspart bleiben werden.

Sberschlesische Fragen.

Protest gegen de« Aebergriff der Entente. (Privattelogramm)

Berlin, 1. März.

Der oberschlesische Justizbeauttenbund hat ge­gen den Uebergriff der interalliierten Kom­mission in dem Prozeß gegen den Mörder K u p k a ebenfalls Einspruch erhoben. Der Bund ist der Ansicht, daß eS sich keinesfalls um einen politischen Prozeß handele, sondern lediglich um gemeinen Mord. Die Haupwerhandlung hätte allerdings vermuttich Aufklärungen erbracht, die für die interalliierte Kommission nicht erwünscht sein könnten. Der Bund ist ferner der Ansicht, daß General Lero-nd seine früher gegebene Zu­sage nicht gehalten habe, daß die interalliierte Kommission sich in Rechtsfragen nicht einmischen würde. Der Angeklagte leugnet nach wie vor.

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Militärische Berichterstattung.

Rotterdam, 1. März. (Eigene DrahtmeBdung.) Kriegsminister Barthou ist gestern morgen von Paris nach London abgereist General Le Rond erstattete dvm Minister im Eisenbahnwagen Be­richt über die Lage in Oberschlesien. Der frühere englische Botsschafter in Paris, Lord Derby, ist mit Barthou nach London abgereist.

Her Menbahndlenft.

Mißverhältnisse im Verwaltungrapparat.

(Eigener Bericht./

Berlin, 1. März.

Fm Hauptausschutz des Reichstages wurde gestern die Beratung des Etats des Verkehrsmi­nisters fortgesetzt. Reichsverkehrsminister Gro e- n e r führte aujs, die statzke V Dr mehrung des Personalbestandes sei außer durch die Einführung des Achtstundentages und ein Sinken der Einzelleistungen auch durch die Be­arbeitung des Steuerabzuges, bei der 1706 Köpfe beschäftigt werden, verursacht. Auch die veränderten Lohnzahlungen verursa­chen einen Mehrbedarf von 3648 Kopsen. Zufolge ihrer Tätigkeit in Beamten- und Arbei­ters rtretungen sind 2212 Köpfe ganz oder teil­weise vom Menst befreit. Durch die Gewährung eines verlängerten Urlaubs wurden 26517 Köpfe mehr als früher benötigt. Der Acht­stundentag verursacht einen Mehrbedarf von 30 Prozent. Für 1920 bedeutet dies ein Mehr von 240000 Köpfen mit einem Mehraufwand von 3,5 Milliarden Mark, für 1921 würde dieser Mehraufwand 3,7 Milliarden Mark betragen. Die Verwaltung sei dauernd bemüht, den Be- triebsmittelpark zu stärken. Es sei dies im we­sentlichen eine Reparaturfrage, die natür. sich nur allmählich gelöst werden könne. Abg. Bräunig (U. S.) erklärte, wenn der Wieder­aufbau des Eisenbahnwesens glücken sollte, so müßte das bisherige VerwttltungSsystem stark geändert worden und sehr viel niehr technische und wirtschaftliche Gesichtspunkte in den Ser« waltu ngsavp grat hineingetragen werden. Abg. Dr. Reichert (Dn.) trat dafür ein, daß das Prinzip der Selbstkostendeckung ebenso ener­gisch beim Personenverkehr angewandt werden müsse wie beim GRerverLshr. Abg. Merck (Bapr. Vpt.) stimmt der vom Minister empfohle­nen Erweiterung der Befugnisse der unteren und mittleren Beamten zu. Zu einem Anträge, der die Einführung der

vierten Wagenklaffe

in die Eilzüge empfahl, erklärte ReichsvcrkehrS- ministet Groener, aus betrieblichen Grün­den sei die Einflchrung der vierten Wagenflasse in die Eilzüge ganz unmöglich Er ver­urteilte auf das schärfste das Schmiergelderun­wesen und werde rücksichtslos jeden aus dem Dienst entfernen, der sich habe bestechen lassen. Bezüglich der Zentralisienmg der Verwaltung habe er bereits betont, daß er für eine über­triebene Zentralisation nicht zu ha­ben sei. Dies gelte auch für Bayern. Er muffe aber darauf Hinweisen, d» vor der Uebernahine der Staatsbähnen durch das Reich grade in der bayrischen Verwaltung eine sehr starke Zenttali- sterunig in München geschaffen sei. Die einzel­nen bayrischen Eisenbahndirektionen seien viel unselbständiger als die preußischen. Eine gleich­mäßige Organisation durchzuführen sei aber na- tt'rlich nur allmählich möglich. Abg. Schuldt (Dem.): Das Mißverhältnis zur Tarifierung zwischen den Diätaren, die bei der Gshaltsauf- befferung bisher ht keiner Weise berücksichtigt worden seien nrtb den Arbeitern muffe ausge­glichen werden. Staatssekretär Stielet lReichsverikehrsministerium) erklärt, daß in der Frage der Wagen Verteilung sich weder rechtlich noch tatsächlich irgend etwas durch die Ver- reichffchung geändert habe.

Sie innerdeutsche Kslonisntion.

Eine Tagung in Berlin.

In den Räumen des Arbeitsministeriums in Berlin fand die diesjährige Mitgliederver­sammlung bet Gesellschaft zur »Förderung der inneren Kolouisatton" unter zahlreicher Teilnahme von Vertretern der Reichs- und Staatsbehörden, der Di­rektoren der großen gemeinnützigen Siedlungs­gesellschaften, den Vertretern der tandwirt- schastlichen und gewerkschaftlichen Organisrtio- nen und zahlreichen interefiierteii Verbänden und Vereinen statt. Nach Eröffnung der Ta­gung durch den Vorsitzenden, Regierungsprösi- denten a. T. von Schwerin-Wustrau gab der erste Geschäftsführer der Gesellschaft, Dr. Kaup, einen Geschäftsbericht über die Tätigkeit der Ge- sellschait. Dann zeichnete Ministerialdirettor Articus vom Preußischen Landwirtschaftsmini- sterimn ein Bild von der augenblicklichen Lage

der Siedlungsbewegimg in Preußen

an Hand eines praktischen Besiedlungsvorgan- aes woran er Vorschläge zur Abhilfe der Schwierigkeiten, die auf dem Gebiete des Ver- taussrechtes, der Regelung der öffentlichen recht­lichen Leistungen und Steuerbesreiung zutage getreten sind, anknüpfte. Oberamttnann Dr Eichhorn von t>e- bayerischen LandeSsiedelung gab einen Ueberblick über die bayerische Sicdlungs - Handhabung, di« ano