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Meier Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

11. Jahrgang

Dienstag, 1. März 1921

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 45

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Aus dem Wege M Londoner konseren;.

Sberschlefims Schicksal.

Vor der Abstimmung.

Neben der Londoner Konferenz und der preu- tzischelt Regierungsbildung wird die Anfmeri- famfcit auf Qberschbesten gelenkt, wo am 20. Diärz die Abstimmung stattfinden soll. Wie wird die Abstimmung in Oberschlesien ausfallenc Diese Frage hört man heute nicht nur in Ober- fchlesicn und dem angrenzenden Gebiet. Sic be­wegt jeden Deutschen, der die ungeheure Not des Vaterlandes erkannt hat. Freilich, sic ist nicht leicht zu beantworten. Und es soll audr nicht Aweck der nachfolgenden Zeilen sein, sie Ullt einem überhofsnungAfrohengut" oder einem kohfhünigerisehenschlecht" zu beantworten. Ob­jektiv die Dinge betrachten und dann tn Er­kenntnis der wirklichen Stimmung in OÄcrschlcsicn sich ein Urteil bilden, das kann mau wohl, ohne sich überspannten Hoffnungen hin- zugeben oder den traurigen Ruhm eines Mies­machers sich zu erwerben. Wenn wir deshalb im Folgenden einen kurzen Uebevblick über dir augenblickliche Stimmung in Oberschlesien geben, so geschieht das in der »sicht, den Leser selbst die Folgerungen für die Aussichten für die Ab­stimmung zehen zu lassen. Die erste Frage, vor ollem für die zahlreichen im Reiche lebenden, ab- stUNUlllitgsberechtigten Oberschlesier ist wohl die nach den Sicherheits-Verhältnissen im Abstimmungsgebiet. Nun, es muß zugegeben werden, daß es besser, diel besser gewor­den ist. Ueberaü in Oberschlesien merkt man, daß die Ententcmacht es sich angelegen sein läßt, für eine gesicherte und ruhige Abstimmung zu sorgen. Verschiedene Maßnahmen der Interalli­ierten Kommission lassen es erkennen, daß es ihr «tw* ihrem Ve-chaben ernst ist. Es muß ja auch ihr selbst viel daran liegen, die Sicherheit tn Oberschlesien, wo sie nicht vorhanden war. wie­der hcrzustcllen, wenn anders sie ihr Prestige als Basatzungsmacht wahren will.

Als besonders ernste Maßnahmen gegen die Unsicherheit sind die Waffensuchen zu be­trachten, dir überall im Lande veranstaltet wer­den. Daß den interalliierten Polizeibehörden freilich dabei manches Mißgeschick passiert, läßt sich wohl nicht immer vermeiden. Viel Aussehen znm Beispiel hat es erregt, als eines schonen Tages interalliierte Organe den Gasometer der Ryduiker Gasanstalt nach Waffen durchsuchten. Natürlich wurde nichts gefunden. ALer es ist bezeichnend für die Art und Weise, wie man folcke Streifen nach verborgenen Waffen vevan- staltet. Es ist nicht immer klar, welcher Partei die Waffenfmtde in die-Schuhe zu schieben sind. Doch ist in den meisten Fällen ses'gestellt. daß, wo Waffen gesunden werden, diese polnischen Ur­sprungs sind. Aber auch hier wird binnen kur­zem Abhilfe geschaffen werden. Die interalli- kertcn Behörden gehen streng vor. Der dcuffche Teil bedarf keiner Waffen von Stahl und Eilen. Mau Kmpft auf dieser Seite nur mit der Wahr­heit, und es ist bezeichnend, daß dic deutsche Propaganda im Gegensatz zu der polnischen viel ruhiger arbeitet und nach Möglichkeit die Hetze gut vermeiden sucht. Tie Führer der deutschen Propaganda gehen von der einfachen Tatsache aus, daß die Wahrheit letzten Endes sich selbst zum Siege verhilft. Die Gegenseite aber muß in Ermangelung der Wahrheit zu allerlei Knif­fen greifen die nicht ganz sauber sind. Man muß staunen, mit welcher Raffiniertheit die polnische Propaganda arbeitet. Ans dem Wege zur Er- r ei gütig ihres Zieles durchschreitet sie mit wohl­bedachter Absichtlichkeit verschiedene Etappen. Schritt für Schritt verseucht sie mit offener oder geheimer Hilfe ihrer französischen Freunde, das Dmrtschrnm zu verdrängen. Aber das alles ist ohne Erfolg. Das deutsche Plebiszitkontmissariat hat für rund zweihunderttausend auswärtige Oberschlesier Quartiere beschafft. Und zwar keine Massenquartiere, sondern fast durchweg Bürger- ouartiere Für das leibliche Wohl der Reichs­oberschlesier ist in jeder Beziehung gesorgt

Oberschlesien bietet heute eil viel ruhigeres Bild, als noch vor kurzem. Demgemäß ist auch überall wahrzunehmen, daß der deutschgesinnte Teil der Bevölkerung, der im Augustaufftaude niedergedrückt und geknebelt wurde, heute seinen Mut wieder gefunden hat. Man läßt sich heute in Oberschlesien nicht mehr einsschüchtern, mich nicht durch Androhung von Gewalt, weil man weiß, daß dies alles doch nur Täuschung ist. Wer den Terror zur Erreichung seiner Ziele braucht, beweist im übrigen nur, daß cs um seine Sache faul steht. Und faul, oberfaul steht es heute mit her polnischen Sache in Ober­schlesien. Dic Zeit der ersten Ucberraschungen ist vorüber. Von den mit großem Tantam ge­gebenen Versprechungen hat Korfaniy nichts ge­halten. Und nachdem In er und da dock) kongreß- polnische Mütter Eingang in das Haus des ein­fachen Mannes finden, die aus der Misere und der furchtbaren Not jenseits der Grenzen keinen Hehl machen, dämmert langsam, aber umso siche­rer, die Erkenntnis der wahren Sachlage auf. Die großartiae Schlachzizenwirtschaft im Hotel Lom- uitz tut das ihrige. Sektgelage unid große Fest­

essen sind nicht fürs Volk. Und all die Lügen und Verleumdung, mit der Korfanty vor einem Jahre noch vielleicht Erfolg hatte, ziehen heute nicht mehr Oberschlesien weiß, daß Deutschlano schweren Tagen entgegengeht, os weiß aber auch, daß es vermöge seiner Dolkskrast die Krise über­winden wird. Polen aber trägt den Keim des Zerfalles in sich. Der Oberschlesier hat leine Lust, sein Schicksal einem Staate anzuvertrauen, der mit Blut und Elsen errichtet ist, der heatte noch in Wissen starrt, der achtzig Prozent feines Staatshaushalts auf Rüstungen verwendet. Oberschlesien will den Frieden, und den kann ihm Polen nickt geben, wohl alber Deutsch­land Und so wird es sich am Tage der Ao- stiMMuna auch dem Frieden zuwcnden. Es hat genug von polnischer .Friedfertigkeit" gekostet. Tos ist heute die wahre Stimmung in diesem Ländchen. p-

Sie deutsche Delegation. Abfahrt von Berlin nach London.

(Privat-Tclcgramm.)

Berlin, 28. Februar.

Am Sonntag mittag um 12 Uhr verließen die deutschen Unterhändler Berlin in einem nah Ostende durchlaufenden Sonderzug. Auf dem Potsdamer Bahnhof war schon kurz nach 11 Uhr lebhaftes Gewühle. Die Berliner Vertreter der deutschen und ausländischen Presse waren als erste zur Stelle, dazu ein Heer von Photogra­phen. Ein stattliches Verabsckfiedungsgesolge er­wartete auf dem Bahnhof die Delegierten. Tie Herren vom Auswärtigen Amt waren in der Ueberzaul. Mm« sah von ihnen StaatSsekreWr von Hantel mst dem deutschen Gesandten in Ko­penhagen, der gegenwärtig im Auswärtigen Amt ist. Die Reichskanzlei war vertreten durch ihren Leiter. Eine Viertelstunde vor der Abfahrt kam Dr. Simons mit seiner Gattin, vom Publikum und den Reichsbeamten mit Wrerbietung be­grüßt. Bald darauf erschien der Reichskanzler Fehrenbach und zog Dr. Simons in eine längere Unterredung. Minister Simons war zuversicht­lich gestimmt. Bom Abteilungsfenster sprach er noch freundlich mit dem Kanzler und anderen Herren, teilte zuletzt mit dem Pressechef der Reichsregierung, Ministerialdirektor Heilbronn, Wort und Händedruck, dann setzte sich der Zug in Bewegung. Hundert Stimmen riefen:Biel Glück, fest bleiben, fest bleiben!" Simons machte eine Haudbewegng und der Zug fuhr ab.

Die führenden Teilnehmer.

Berlin, 28. Februar (Prrvattelegr.ttmn.) Der Salonwagen ist in seiner größeren Hälfte zu einem Kons er mzzimmer hergerichtet für Mini­ster Dr. Simons, die Staatsssekretäre Schröder und Bergmann vom Reichs- fimiiwninifterium, Erzellcnz Lewalb vom Reichs-Ministerium des Innern, General von Sc eckt vom Reichswehrministerium, Mim- sterialldircktor Von L e s u r c vom Reichswirt- sckcstsministerium. Geheim Ob-rregierungSrat Fellinger vom preußischen Handelsmini­sterium. dem bayerischen Staatsrat Exzellenz von Meinel und Oberregierungsrat Birmcr, dem bayerischen Sachverständigen fiir Einwoh­nerwehren. Insgesamt besteht die Delegation mit den Hilfskräften aus 55 Personen,

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Eine Protestkundgebung.

Magdeburg, 28. Februar. (Privattelegramms Eine am Sonntag von der Landesgruppe Mag­deburg der Liga zum Schutze der deutschen Kul­tur veranstaltete öffentliche Versammlung ge­gen die Pariser Beschlüsse gestaltete sich zu einer gewaltigen Kundgebung. Redner der verschiedenen politischen Parteien bekundeten den festen Willen, auf einheitlicher Front geschloffen hinter demNein" der Regierung zu stehen. In einer Entsckliestunq wurde die Regierung und dic Delegation aufgeford-:rt, jeder unbilligen Lösung die Zustimmung zu versagen,

Kundgebung der Sberschlestrr. Eine Versammlung von Stimmberechtigte«.

(Privattelegramm)

Frankfurt a. M., 28. Februar.

Dem Ruse zu einer großen Tagung aller stimmberechtigten Oberschlcsier der Landesgruppe Frankfurt am Main für Südhefleu und den Re­gierungsbezirk Wiesbaden hatten am Sonntag mehrere tausend Personen Folge geleistet. Der Feftsaal auf dem Festhallengelände war übervoll. Herr Glemnitz, der Leiter der Frankfilrter Ge­schäftsstelle, wies darauf hin, daß der eigentliche

Wahlkampf der Oberfchlesier bereits geschlagen sei. Jetzt gelte es, am 20. März das Belen n t- nis zum Deutschtum an der Wahlurne ab- zulegeu. Mit der Waffe der Scgeiftetung werde der Sieg vollendet, denn mit der Erhaltung Ober- chlesicns faße oder steige auch das Vaterland.

Der Redner gab dann bekannt, daß die Abstim­mungsberechtigten aus den vierundzwanzig Krei­sen die Fahrt in fünf Transporten zurück- legcn. Die Sonderzüge nehmen von Frankfurt ihren Anfang. Der erste Zug fährt am 9. März.

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Die Vorbereitungen zur Fahrt.

Frankfurt a. M., 28. Februar. (Privattele- gramm.) In der Versammlung der Oberschle­ier in Frankfurt wurde noch mitgeteilt, daß die meisten Arbeitgeber sich bereit erklärt haben, ihren nach Oberfchlesien fahrenden Arbeitern den Lohn die Dauer der Abwefenheit weiterzu­zahlen und auch die versäumte Zeit nicht auf den Urlaub anzurechnen. Während der Zufammen- kunft liefen aus zahlreichen anderen Städten wie Mannheim, Karlsruhe, Nürn­berg ufw. Begrüßungstclegramme ein, die von den dort ebenfalls tagenden Oberschlestern abge­gangen waren und die Alle frohe Siegeszuver­sicht zeigten. Die reichliche Bewirtung der Ober- schlcsicr hatte ein unbekannter Teutsch-Amckri- kaner gestiftet, der auch die Fahrkosten der aus­wärtigen Teilnehmer zahlte.

Aufruf zur Abstimmung.

Breslau, 28. Februar. !Prw<rt-Teiegr<rmm.) Der Vorsitzende des deutschen Abstimmungs- Kommissariats für Oberschlesien erläßt einen Ausruf, in dem er auf die bevorstehende Entschei­dung hinweist und die Notwendigkeit, daß Oberschlesien ungeteilt und deutsch bleibt, znm Ausdnick bringt.

Sie ftecher Naudnbersell.

Wildwest in der Berliner Umgegend.

(Privat-Telcgramm.j

Berltn, 28. Februar.

Am Sonnabend abend zwischen neun und zehn Uhr überfiel eine bewaffnete Räuber- b a n d e den zwischen Straußberg und Wriezen fahrenden Auto-Omnibus. Als der mit zwanzig Personen besetzte Wagen auf der Fahrt war und sich an einer Stelle befand, an der zu beiden Seiten der Straße Baumanpflanzungen sind, stieß er plötzlich auf ein Hindernis. Mitten auf der Straße lag ein Mann, der fchcinbar be­trunken war. Der Ehauffeur brachte den Wagen zum Stehen und der Begleitmann stieg vom Bock. Als er den anscheinend betrunkenen Mann erreicht hatte, sprang dieser auf, hielt dem Be­gleiter einen schußfertigen Revolver vor die Brust und forderte ihn auf, die Hände zu heben und sich nicht von der Stelle zu rühren. Im glei­chen Augenblick wurde es im Wagen lebendig. Zwei Fahrgäste litten ebenfalls zur Schuß­waffe gegriffen und alle anderen Jnfaffen er» sucht, mit erhobenen Händen im Wageninnern stehen zu bleiben. Aus einen Pfiff der Räuber sprangen aus der Schonung vier weitere Män­ner hervor, die den Autobus umstellten und eben­falls mit gezogenen Pistolen den Wagenführer in Schach hielten. Run plünderten die Räuber im Wageninnern alle Fahrgäste aus.

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Polizeiliche Verfolgung.

Berlin, 28. Februar. (Privattelegramm.) Uefber den Rand wid noch gemeldet: Die Bande raubte den Fahrgästen die Uten und Ketten, alle anderen Schmuck- und Wertsachen und das bare Geld und gingen sogar soweit, ihnen die Ringe von den Fingern zu ziehen. Die ganze Beute warfen sie in eine Reisetasche, die sie einem der Fahrgäste wcggenommen hatten. Als sie dic Gcsclffchaff ausgeeaudt hatten, ver­schwanden sie, ihren Rückzug immer mit schuß­bereiten Revolvern und Pistolen deckend, tm Dunkel der Nacht. Von der Strautzberger Poli­zei wurden sofort die Polizeistellen der umlie­genden Ortschaften und auch die Berliner Kri­minalpolizei benachrichtigt. Der Leiter des Raub­dezernats, Kriminalkommissar Berneburg, mit feinen Beamten traf alle notwendigen Maßnah­men. um der Räuberbande, von der angenom­men wird, daß es sich um Berliner handelt, hab­haft zu werden. Di- bisherigen Nachforschun­gen Laben ergeben, daß cs sich um eine organi­sierte Bande handelt, die eine Beute im Werte von über drcißigtaufcnd Mark gemacht hat.

Eisenbahn-Verteuerung.

Beratung im Hanptavsschutz des Reichstags.

In be» Ssnnabenb-Signng toutb« die Er­örterung übet den Etat des Reichsver- kehrsministers fortgesetzt und dabei die Rot- Wendigkeit einer Tariferhöhung dargelegt.

. Der Zeitpunkt der Tariferhöhung wird jetzt für denkbar ungünstig bezeichnet, Wie der Zen- trumsvertreter Glöckner ausführt, trotzdem stimme feine Fraktion den Maßnahmen zu, weil das Defizit unter allen Umstanden beseitigt wer- den müsse Redner erwähnt speziell Duisburg, Dortmund und Dortmund-Süd, wo fast täglich Menschen sich vor den Schaltern stauen und mangels Fahrkarten die Züge nicht er­reichen. ReichAverfcbrsminisljer Groener childert die Sckiwicritffeiten bei dem Wiederaus- mu der Eifenbachnverwaltung. Er warnte vor einer Ueberfpannung der Anforderungen in der etzmen Zeit der Gesundung. Er sehe es als crste^Aufgäbe der Verwaltung an, den technischen Apparat auf eine möglichst hohe Stufe zu brin­gen, um allen Ansprüchen des Verkehrs gswach- sen zu fein. Gleichzeitig fei er bonrüGt, den inne­ren Betrieb der Verwaltung zu festigen und überall moderne Gedanken der WirtschaftlickLeit zur Durchführung zu bringen. Die Zerschlagung der Staatsbakm in ocmischtwirtschaftliche Be­triebe lehne er ab. Zur Steigerung der Ver­kehrsleistungen sei eine größere Bewegungsfrei­heit der Verwaltung notwendig, die nur durch eine L-osWsnng aus der allgemeinen Staatsver­waltung erreicht werden kann. Die bevorstehen- den Tariferhöhungen feien unbedingt notwendig, um das Betrieb sdeffzft zu decken. Es fei unmöBich, die Betriebskosten einer Verkehrs- unternebninng etwa durch Stenern mifzubringen, deshalb' seien einschneidend? Matzuahinen auf der Einnahmen- und AuSgabcMseite der Eisen­bahn erforderlich

Die Urfadxn der finanziellen Notlage

der Eisenbahn liegen in dem Kriegsver» schl e i tz, der A b g a b e an Bctriebsmaterial an die E n t e n t e, in einem vorübergehenden Rück­gang des Verkehrs, der Steigerung der Beizüge des Personals und einer unge» heureu Erhöhung aller M a t e r i al­preife. Auch die Maßnahmen der Domobil- machung hätten zu einer Schwächung der Eiscn- bnbuverwaltung dadurch geführt, daß sie gegen ihren Willen zur Aufnahme zahlreicher überflüs­siger und ungeeigneter Arbeitskräfte gezwungen sei. Die Beseitigung des Defizits werde in der Weise zu erfolgen haben, daß zehn Milliarden durch Tariferhöhungen und fünf Milliar­den durch Ersparnisfe eingebracht werden. Die Verminderung des Personals fei im Gange und werde auch weiterhin unairfhaftfam betrie­ben werden müssen. Damit werde jedoch an eine plötzliche Mafsen-Entlassung nicht gedacht. Ein Ei scnbahn-G inanzgefetz zur Ausführung dos Ar­tikels 92 der Reicksverfassung sei in seinem nisterium in Vorbereitung, um die Fiuanz- gebanlng auf einen mehr wirtschaftlichen Boden zu stellen und ihr die nottvendige SÄbftändigreit zu neben. Tas Sinken des Verkehrs und der Betri cd s leisturigen sei zurückznKhren auf die militärischen Anforderungen im Kriege und gleichzeitiger Unmöglichkeit, den Betriebsapparat tu Ordnung zu halten. Iw der Zeit der Umwäl­zung fei dazu die plötzliche Umstellung auf den Achtstundentag gekommen, an der die Eisen­bahner noch heute krantten. Der Tiefstand der Leistungen habe im Winter 1919/20 gelegen, sei aber in tanglfamer Hebung begriffen. Die

Ausgestaltung des Fahrplans

sei besonders überdacht. Die Besfcruwg könne aber nur allmählich nach Maßgabe der verfüg­baren Kohlen und Lokomotiven erfolgen zzn erster Linie werde er dabei den Berufs- und Ar- beiterverköhr zu verbessern suchen, aber auch der internationale Verkehr müsse ansMstMet werden. Der Wagenmangel, über den fo häufig ge­klagt werde, sei in den meisten Fällen ein Man­gel, hc rvorgernfen durch Betri c bsfchäden an L o - komotiven. Auch in der Wagengestellung sei eine Besserung zu verzeichnen. Die Eisenbahn- Werkstätten feien während des Krieges m' tech­nischer Beziehung notgedrungen in Rückstand ge­raten; ihre Leistungen seien weiter erheblich cn- funten während der Demobilmachung. Die Ab- hiMc sei schwierig gewesen wegen der politischen und wirtschaftlichen Derthältnisse. Die technische Ausrüstung der WerkstStlen fei im letzten Jahre erheblich veibesscrt worden. Hand in Hand da­mit geht die planmäßige Organisievung der Ar­beit, der Uebergang vom handwerksmäßigen zum fabrikatorischen Betrieb. Dadurch fei sck-on jetzt eine wesentfich bessere Ausnutzung der Lokomo­tiven und Wagenbeftünde und eine wirtschaftliche Befestigung der Arbeitskräfte erreicht worden. Er fei bestrebt, die ungeeigneten Arbeitskräfte ab- zrfftoßen und hochqualifizierte Kräfte heranzuziehen. Die

Qualität der Arbeit

erreicht jetzt wieder die alte Friedensleistung DaLei sei zu beachten, daß tm Frieden etwa 25