Hessische Abendzeitung
Nummer 43
SonnaSend, 26. Februar 1921
Fernsprecher 951 und SSL
11. Jahrgang.
Fernsprecher 951 und 952.
9Hf«rtt<mlpretfei a) Lwh-tmlsche Aufträge: Die einfpalttg» Lnjelg«n.Zell« 8». LOO, bte einfpalttge MeHamejetle ®L L5& b) BuSwärNge DilstrLge: Lt« etnfpaltige Anz-tgeazeU« a. LM, M« ttafpatttge Kettamejette M. 2.74, aller eiaschließltch reaerangSzaschlas unb Snjetgenlteueu Für Stnjeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag Für bte Sitchttgkett aller durch Fernsprecher aufgegedenen Anzeigen, sowie für Ausnahme, baten und Plätze kann eine Srwähr nicht übernommen werden. — Druckerei: Schlacht- hosstratz» 28/40. SeschistrsteL»: Kölnische Straß« 6. Telephon Rümmer 951 unb 9M,
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Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Krisenflimmung in Politik uni) Wirtschaft.
Um Sberfchlefieur Schicksal.
Vorbereitungen zur Abstimmungsfahrt.
AuS London wird gemeldet: In Bcantwor- tling einer Anfrage im Untrrhause legte die britische Regiernng dar, daß ihrer Ansicht nach hinsichtlich der Dauer der Rheinlandsbesetzung und ihrer etwaigen Verlängerung, falls Deutschland seinen Bertragsverpfltchtungcn nicht nach- klnnne, keinerlei Aenderung eingetreten sei. Rich wie vor seien hierfür die Artikel 428 bis 431 des Versailler Vertrages maßgebend, dir bisher einer Abänderung nicht unterzogen worden seien. — Damit hat die englische Regierung den franzö sischeu Wünschen und Anregungen auf Hinaus- schiebuug des Fristenlaufes der Rhrinlarrdobrlet- zu»L eine ßlaue Absage erteilt.
Die türkischen Forderungen.
London, 25. Februar. (Eigene Drahtmeldung.) In einem Artikel über die Konferenz erteilen die „Times" den Türken den Ratschlag, keine übertriebenen Forderungen zu stellen, denn die Konferenz Würde sie nicht berücksichtigen. Ans zustandign Kreisen erfährt das Blatt, daß die Möglichkeit einer kleinen Abänderung des Vertrages von Sevres zu Gunsten der Türken ins Auge gefaßt werde. Diese Abänderung werde sich auf die Frage von Smyrna beziehen.
ten niederleqt. Marschall Fach verläßt unmittel- bar nach der Ankunft der Deutschen London.
NeLoudonerBerhandlunseu. Meirmngsverschiedenhsiten über den Orient, lEigene Drahtmeldung.)
Rotterdam. 25. Februar.
Der bisherige Verlauf der Londoner Konferenz über das Orientproblcm versetzt die französische Presse in nicht geringe Verlegenheit. Sie ist enttäuscht, weil die Engländer an dem Vertrage von Sevres festbalten, ferner weil sie zu diesem Zwecke eine Annäherung zwischen Ka- logeropulos und Venizelos vermittelt haben und weil Llyod George die von Emir Faisas vertretene pan-arbisch« Bewegung unterstützt gegen die orthovoxe Türkei, über dir Frankreich das Protektorat wieder heben möchte. Man rechnet es Briand als persönliches Verdienst an. daß er mit dem Grasen Sforza zusammen eine 2?er= söhnung zwisclten Konstantinopel und Angora hcrbcigeführt hat. Die Aussprache über die Orientpolitik soll am Samstag abgebrochen werden. Man möchte die Uneinigkeit unter den Alliierten nicht hervortreten lassen, bevor noch die Diskussion über dicKrieAentschädigung begonnen hat
Ein polnischer Protest.
Breslau 25. Februar. (Eigene Drahttncl- dung.) Die Londoner „Daily Mail" berichtet zur oberschlesischen Abstimmung, daß Oberschle- sicn in drei Zonen abstimmt. — Die Festsetzung einer gemeinsamen Abstimmung In Oberschte sien hat in Polen starke Erregung hervorgerufen, zumal die Dresse noch soeben als Resultat der Londoner Reise Sapichas das englische Einverständnis zur getrennten Abstimmung gemeldet hatte. Ter Warschauer Reichstag faßte einstimmig einen Protest beschloß gegen diese Regelung der Abstimmungsfrage. Der Redner der Rationaldemokraten äußerle unter dem Beifall des Hauses, daß Polen im Falle eines ungünstigen Ergebnisses der Abstimmung für sein Recht kämpfen werde.
ßmova vor einet Stifts?
Die Gefährlichkeit der Eutenteforderungen.
(Privattelegramm)
Berlin, 25. Februar.
Infolge der seit den Pariser Beschlüssen ein- getretene« wtrtschastlichea Krise ist die Zahl der von der Reichstelegraphenverwaltung seit L Februar beförderte« Telegramme in« nahezm die Hälfte zurückgegangen. — Aus London wird gemeldet: Die englischen, französischen und belgischen Gewerkschaften sind in London zu einer Sitzung zusammen getreten. Die Eröffnungsansprache des Borsttzcndrn der englischen Trade Union bezeichnete die weltpolitische Lage als s e h r e r n st. Von der Londoner Konferenz sei die Frage neuerKriege in Europa abhängig. — Daily Telegraph meldet. daß Marschall Foch dem alliierten Rat ein fristliches Memorandum überreichte, das dc«
(Privat-Tclegramm)
Berlin, 25. Februar.
An amtlicher Stelle trifft man bereits Vorbereitungen, die etwa 180 000 Stimmberechtigten im Reill-e nach Oberschlesteu zu dringen. Donnerstag nachmittag Ijat im Reichsverkehrs- ministcrium eine Konferenz unter Vorsitz des Reichsv erkehrsministers Gröner stattgefunden. In dieser wurde beschlossen, daß die Trans- > o r t e der Abstimmungsberechtigten nach Ober- chlesien allen anderen dringenden Transporten voranzugehen haben. Sie werden im ganzen Reiche mit Vorrang abgesertigt. Das rollende Material soll vom 1. März an zur unmittelbaren Verfügung der Zentralbehörde stehen. Dem Vcr- kchrsministeriunl sind bereits Meldungen der Verbände heimattrencr Oberschlesier zugegangen, wonach auf allen Durchgangsbahnhöfen Verpflegungsstellen für in dic Heimat fahrende Oberschlesier eingerichtet werden sollen.
PreutzeuMesiermMvrMenr
Spannung ««ter den Parteien.
(Privat-Telcgramm.)
Berlin, 25 Februar.
Die innerpolitische Lage in Preußen hat eine bemerkenswerte Richtung genommen. Die M:hr- heitSsozialisten sind an die Führer der Unabhängigen hcrangetreteu mit der Anfrage, wie sie sich jetzt zu einer Verschmelzung der beide« sozialistischen Parteien stellen wolle». — Das Verharren der Mehrheitssozialisten in den leitenden Regierungsstclln Preußens wurde in de» gestrigen FraktionSsitzungett der Deutschrmtionalc« und der Bollspartei als Verfassungsver. l e tz u n g bezeichnet. Von beiden Parteien wird unter Berufung auf die bürgerUche Mehrheit von über hundei Abgeordneten im Landtag die Bildung eines rein bürgerlichen Kabinetts für Preußen gefordert. De« für den nächsten Sonntag einberufenen Kundgebungen gegen das Fortbestehen der sozialistischen Herrschaft in Pieuße« stehe« die beiden Rechtsparteien fern, wie sie erklären.
Vor ernsten Entwicklungen.
Berlin, 25. Februar (Privattelegramm) Wie der Lokalanzeiger aus parlamentarischen Kreise« erfährt, Hai die Deutsche Vollspartei an die KoalitonSparteien des Reistages die Anregung weiter gegeben, die Frage der Kabinettsbildung vorläufig zu vertagen. Innerhalb der Deutschen Bolkspartei ist man der Meinung, daß uns der Gang der Dinge in London vor Situationen stellen kann, die es geboten erfdjeüteit lassen, jede vorherige Stellungnahme zu vermeiden, die nach außen krisenhaft wirke.
Feste Haltung.
Dr. Simons Rede im Reichsiviktschastsrat, (Eigener Bericht.)
Berlin, 25. Februar.
In seiner gestrigen Sitzung hat sich der Reichs- Wirtschaftsrat mit den Entente-Forderungen und her Londoner Konferenz beschäftigt. Der Vorsitzende Edler v. Braun wandte sich in den Eröffnungsworten entschieden gegen diese Forderungen, woraus der Außenminister Dr. Simons feine ebenfalls ablehnende Stellung- nahme darlegte. Er begrüßte-es, daß er vor seiner Londoner Reise mit den deutschen Wirt- schaftsvertretern über diese ernste Angelegenheit sprechen tonne. Dabei ging er zunächst auf di» Frage der Entwaffnung ein, die von dem ganzen Problem nicht getrennt werden könne. Die Pariser Beschlüsse setzen sich zum größten Teile ous den E n tw a ffn ungSfrageu und zu einem kleineren Teile aus den Reparations* fragen zusammen. Ich wiederhole den Grundsatz, sagte er, den ich in meiner Reichstagsrebe ausgedrückt habe. Die Grundlage meiner Ausführungen war dabei, daß die Reichsregierung gewillt ist, die Entwaffnungsverpslichttmgrn, die der Friedensvertrag von Versailles und das Mb- kommen von Spa uns auserlcgt haben, in der Form, wie sie jetzt in ihren gemäßigteren Terminen dem deutschen Volke tn Paris auferlegt sind, loyal innerhalb des Rahmens dos Frie- densverttages zu erfüllen. Wir habe« uns jo militärisch so ziemlich
bis auf das Hemd aus gezogen.
(Sehr richtig!) Es ist meiner Ansicht nach eint voMonimtene Verwirrung dos Tatbestandes, nxim man immer noch davon spricht, daß die Gefahr bestünde, daß wir militärisch angreifeu könnten. Nach dem, was uns übrig geblieben ist, können wir mit knapper Not den ruhigen Gang unserer wirtschaftlichen Produktion ge- Währleisten (Widerspruch) Aber von einem militärischen Angriff aus fremde Völker kann unter ernsthaften Leuten keine Rede mehr sein. (Lebhafte Zustimmung.) Soweit sich tn der Durchführung der Entwafsnungsaftion unter der Kontrolle der interalliierten Kommission Anstände ergeben haben, wie sie in großer Zahl in den Pariser Beschlüssen wiedergegeben sind, werden diese Anstände nach Kräften beseitigt werden, allerdings immer mit dem Hinblick ans das, was uns der Friedensvertrag auserlegt. Es gibt aber unter diesen Anständen, abgesehen von vielen Unklarheiten und Allgemeinheiten, auch einige, ivo wir der Ueberzeugüug sind, daß unter dem Deckmantel der »militärischen Abrüstung" eine wirtschaftliche und industrielle Herabdrückung der deutschen Leistuugs- sähigkeit gedacht ist. (Sehr richtig!) Drrau ist auch der Reichswirtschaftsrat interessiert. Hier wird versucht werden, eine Verständigung aus der Basis des Friedensvertrages zu erzielen und den Gegnern zu sagen: Hier geht ihr über das Maß eurer Rechte hinaus Ich will nur Hinweisen aus die Frage der Dieselmotoren, d:e noch immer nicht im Sinne unserer Auffassung geklärt ist, auf die eigentümlichen Methoden, di- jetzt von der Gegenseite auf friedliche, zum Beispiel chemische, Geschäft sgeheimni fit usw ausgedehnt werden Ich hoffe, daß in London sich Gelegenheit bieten wird, über diese Frage sich verständig mit den Gegnern zu unterhalten Unzweisekhast aber ist, daß wir in der Entschädigungsfrage
einen außerordentlich harten Sturm
Weiteres Wahlergebnis.
Magdeburg, 25. Februar. (Privat - Tele- anatnm.) Nach dem vorliegenden Ergebnis haben die Wahlen zum Provinzial-Landtag oer Provinz Sachsen eine knappe sozialistische Mehrheit ergeben. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß die endgülttge Feststellung noch eine Verschiebung in den Mandatslisten bringt.
werden zu bestehen haben, denn die Pariser ®e* Müsse sind nicht etwa aus der Luft gegriffen, sondern sie sind in heißen Kämpfen und, wie ich sogar glaube, in großer Hast zustande gekommen, um den unbedingten Notwendigkeiten der finanziellen und wirtschaftlichen Lage unserer Gegner gerecht zu werden. Fetzt hoben sich die Gegner auf diese Fassung geeinigt, und eS wird ungeheuer schwer sein, sie v-rn dieser Einigung zu einer anderen Einigung zu bringen. Ohne eine Einigung auf der allgemeinen Basis der Interessen unserer Gegner dürfen wir nicht hoffen, zu posifiveu Ergebnissen in London zu tont« m="L und wir werden unsere Gegenvorschläge fo einrichten müssen, daß wir auf eine Einigung unserer Gegner rechnen können Freilich wird jetzt in der französischen Presse gesagt, in Loudon handle esbsich nicht mehr um einen Sturz der Pariser Beschlüsse, sondern um deren Durchführung. Dann gehen wir berge« bcns nach London; denn eine Anwendung und Durchführung dieser Beschlüsse halte ich für völlig ausgeschlossen. (Sehr richtig!) Es liegt mir fern, vor Ihnen alle unsere Gründe dafür auszubreiten Ich will mich nur aus einen Punkt beschränken, nämlich auf die Unmöglichkeit der Jahreszahlungen und auf die Unmöglichkeit der zwölsprozerrttgen Abgabe aus den Export. Eins besondere Annuität ist bekanntlich die Lei- sumg bis sechs Milliarven Goldmark jährlich.
Mit noch mehr Erstaunen aber und Erbitterung wie diese Feststellungen über die gute Koh- lenlage in Frankreich hat man vernommen, was jene Kommission übe® bie Landwirtschaft Frankreichs berichten tonnte. Danach sind die Franzosen schon längst in der Lage, neben L ndustrieerzeugnissen auch jn wachfen- fcem Matze Lebens mittel auszuführen Die amtlichen französischen Ziffern ergeben eine 116-prozentige Steigerung des Rahrungsmittel- crportes und ein 154-prozentiges Wachstum gegenüber 1919. Während am WaffensiiWands- lage 1918 sieben Millionen Aeres französischen Bodens verwüstet dalageu, war dieses ganze Gebiet schon im vorigen Jahve bis auf nur zwei- hunderttauserch Arres Wieder urbar gemacht. Auch die französische Textilindustrie war schon damals wieder bis zu vieruNdueunzig Prozent ihrer normalen Leistungsfähigkeit beschäftigt. Don der französischen Handels- Marine wirb, und zwar sehr bescheidcuer- toeife, von der Kommission nur behauptet, sie habe den Stand wieder erreicht, den sie vor dem Kriege einnahm. Tatsächlich hatte sich aber die französische Handelsflotte von zwei Millionen Brutto-Registertonnen des Standes vom 30. Juni 1914 hauptsächlich durch den Schiffs raub auf nicht weniger als drei Millionen Brutto-Registerdonnen am 30. Juni 1920 vergrößert. Schließlich teilte die Kommission noch mit, daß die Regierungseinnahmen während der ersten zehn Monate des kaufenden Jahres mA neun Milliarden Franken sich itm eine Milliarde 636er stellten, als Frankreich für seinen Haushaltsetat 1920 überhaupt braucht. Hoffentlich wird die deutsche Delegation, dieses amtliche französische Material auf der Londoner Konferenz vothringen.
Trotz dieser Kriegsgowirme fordert die fron» »ösifche Presse von ihrer Regierung, daß sie in London aus ihrem Standpunlt beharren soll und selbst ohne Zustimmung Englands ihre vorge- uommenen Zwangsmaßregeln gegen Deutschland zur Durchführung bringt. Die Art dieser Plaue ist auch in der Presse hinreichend besprochen woroen, doch ist man von der itr- fprünglichen Absicht, das Ruhrgebiet und andere rechtsrheinische Orte zu besetzen, abgekommen, »veil die französischen Politiker die Militaristen davon überzeugt haben, daß ntit einem solchen Vorgehen nichts erreicht, aber manches verschlimmert wird. Ter Plan, den General Foch schon vor einiger Zeit ausgearbeitet hatte, nachdem damals Bfillerand schon bemerkte, daß für neue Besetzungspläne von England keine Hilfe zu erwarten sei, besteht darin, daß das ganze linke Rheinufer systematisch von dem übrigen Deutschland getrennt werden soll. Da sich daran aber Amerikaner und Engländer nicht beteiligen wollen, so sind die getroffenen Maßnah- tnen allein der Ausführung Frankreichs und Belgiens Vorbehalten geblieben. Eine wesentliche Verstärkung der Besatzuugstruppcn dieser beiden Länder in den lebten Wochen ist bereits erfolgt, und zwar wird das linke Rheiu- uscr, den ganzen Rhein entlang, allgemein m i - litärisch besetzt und die Brückenübergängc mit besonderen Derwaltungs truppen, die den Verkehr kontrollieren, wobei natürlich »der Paß-
lechten Rheinnfer Wird dann dem Zollverkehr nnterliegen, da der Plan Fochs, die Vorlegung bei Zollgrenzen an den Rhein mitenthält. Die Zoll einnahmen erhebt Frankreich als Sicherheit für seine Ansprüche. Der gesiume Eisenbahn- und Postverkehr auf der linken Rheinseite soll ebenfalls von Deutschland abgetrenirt werden und nach dem Plan Fachs eine besondere Verwaltung erhalten. Im übri- gen gilt die militärische Verwaltung vorläufig als Obrigkeit, der sich die deutschen Zollbehörden auf dem finke« Rheinuser zu fügen hätten. Gleichzeitig ist daran gedacht, daß alle diejenigen deutschen Beamten, welche nicht mehr im Dienst in diesem Gebiet bleiben wollen, ab- reifen können, und solche, die beit Dienst sabotte- ren tonnten, ausgewiefen werden. Mit einigen Führern der französischen Großindustrie ist der Plan besprochen worden, evtl, die bedeutende Industrie auf dem linken Rheinuser dem franzö- si scheu Handel nutzbar zu machen. Es verlautet, daß seitens der Industriellen in Frankreich für den Plan keine große Sympathie bestehe. Rach den letzten AMßerungen Briands vor seiner Abreise scheint aber vMkoutmen feschustehen, daß ein* Uebereinstimmuna in dieser Frage zwischen Briand, Millerand, Poinears und Fach stattge- funden hat. so daß die tn Betracht tommenften Führer der verschiedenen Auffassungen jetzt geschlossen diesen Plan irr London verteidigen wollen. j. p. u.
’ welche zweiundvierzig Jahre laug auf der deutschen Wirtschaft lasten soll. Es ist der Ueder» jchutz dsS EMorÄ über ssie LirOchr. bte dies»
Kvang auch wieder eingeführt wirb.
Set Handel zwischen dem tunten rmd devuEi»marsch tu Deutschland i« all« Eiuzelhtzj.
Bus dem besetzten Gebiet.
Di« fremde« Truppe« im Rheinland.
(Privat-Tclegramm.)
Köln, 25. Februar.
Frankreichs Doppelspiel.
Kriegsgewinne und. Forderungen.
Sie Alliierten haben die Pariser Beschlüsse damit begrürtdet, daß Frankreich durch die deutsche Kriegsführung ungeheuer geschädigt worden sei und Deutschland demgemäß zur fran- zöstschen Gesundung beitragen müsse. Es hat sich aber inzwischen herausgostellt, daß Frankreich sich schon in hohem Maße auf Deutschlands Kosten »gesund gemacht" hat, wie aus amerikanischen Berichten hervorgoht. Frankreich verfolgt in Europa eine Politik, um das allgemeine Mitleid aus seine Lage zu lenken, womit es seine Maßlosen Forderungen an Deutschland zu verdecken sucht. Gegenüber Amerika schlägt e-s eine andere Politik ein. In der Absicht, amerikanische Geld- und Handelskreise für Frankreichs Interessen geneigter zu machen, hatte „die französische KonumWon in den Vereinigten Staaten" Berichte über den Fortschritt Franrreichs in den zwei Jahren seit dem WasfenstiWand veröffentlicht. Während Frankreich von Deutschland die diesem aufgezwimgenen Kohlenmengen bis zur letzten Tonne.herauspreßt, stellt die ftanzSUchc Kommission in Amerika triumphierend fest, daß die Kohlenproduktion Frankreichs so gut wie wieberhergestelkt sei. So hatte die Produktion der Kohlengruben des Nord- Departements sich von nur fünfimdachtzigtausend Tonnen im Januar vorigen Jcchres bereits auf dreihunderttausend Tonnen im September vorigen Jahres gehoben. Der noch bestehende Ausfall an Kohlenproduftion im Norden wurde zum großen Teil durch die Kohlenförderung in den elsaß-lothringischen Grubet'., die im September allein MveieinbaW Millionen Tonnen betrug, wetrgemacht.