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Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

11. Jahrgang.

Mittwoch, 23. Februar 1921

Nummer 40

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952.

Vreuhenmahl, Parteien und Regierung

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Deutschnationalen lehnen bereits setzt ein Sn* sanrmengehen mit den Mchrheitssoziatisteu ab.

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Wiederaufbau ter zerstörten Gebiete durch internationales Syndikat zu schaffen, soll heutigen Dienstag weiter beraten werden.

SDt« löffelet Neuesten Nachricht« erscheine» wöchentlich lech «mal imB zwar a Den B«. Ter eDonnernentfptei« beträgt monatlich 1.00 Mark bei tretet RufteEun; In« Han« Au«, wart« durch die Poft bezogen MO Matt monatlich einschließlich Zustellung. Bestellungen werden lebet«-« nnn der tSeschäftiftelle ober Beu Boten entgegengenommen. $ruderet. Verlag und Nedaltton. Schlachthofstrabe 28,'M, güt unverlangt eingesandte Beiträge tann die Nedaktton eine Berantwortung oder Sewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung de« vezug«gelde« oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung aulgeschloffen.

Falschs 6ieuermatfen.

Einziehung bis Ende Februar.

Auf Veranlassung der Finanz- und Posiver« waltuna ist der Vertrieb ter Einkommensteuer - marken zu 25 Marx mit sofortiger Wirkung ein- gLstellt morsen, nachdem bekannt geworden ist, daß täuschend nachgebildete Falschstucke, die un- rcr Verwendung non Wasserzeichenpapier herge­stellt sind, in beträchtlicher Zahl in den Verkehr gebracht worden sind. Die in den Händen der Brmvtzer befindlichen echten Stenermaiken M 25

Aus den Industriegebieten.

Berlin, 22. Februar. (Privat - Telegrarmn.) Der kommunistische Wahlsieg beschränkt sich auf die Großstädte und das westdeutsche In­dustriegebiet Die Zunahme der Wahlsttmmen der Deuischnationalen ist besonders stark, im besetzten Gebiet. Der Rückgang der Wahl­beteiligung in den Hochburgen des Sozia­lismus, in den Großstädten ist ein so bedeuten­der, daß in dem durch und durch sozialistischen Spandau nur achtundfünfzig Prozent der Wäh­ler. in Köpenick nur sechzig Prozent der Wrchl- bcrcchtigten zur Wahlurne gelingen sind.

3n1ertion«sreife. e) Einheimische aufträge: Di- etnfpatttge Anzeigen-Zeile Ai LOO, bte einfpaltige ReNamezeile Dl. ZM. b) Auswärtige Aufträge: Die etnfpattige Anzeigen,eile M. 1.20. bte einspaltige Settamejetk DL 2.76, alle« einschließlich Teuerung«,nschtog unb Anzeigensteuet. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Sa« onndert Prozent Aufschlag Für bte Richtigkeit aller Burd) Fernsprecher aufgegebene« Anzeigen, sowie sur Ansnahuie. baten und Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werden. Druckerei: Schlucht- hokftrabe 28/30. SeschäftSstelle: Kölnische Straß« 6. Telephon Nummer 051 unb 052,

Zusammentritt des Landtags.

Berlin, 22. Februar. (Privat - Telegramm.) Der neue preußisch« Landtag wird nm Don­nerstag, 10. Btärz, zusammentreten. Tie Frak­tionen werden bereits Ende dieser Woche in Berlin zusammenkommen, um die politische Kon­stellation zu besprechen und die Richtlinien über die zukünftige preußische Politik sestzulcgen. Die

Persönlichkeiten der Koalitionsparteicn im Reiche Besprechungen über die Bildung ter neuen Regierung in Preußen und über eine Umbildung der Reichsregierung stattgesunden hätten und daß man sogar im we­sentlichen einig geworden sei. Daß vorgestern sich Vertreter der Koalitionsparteien unterhalten und dabei auch über die Preußenwahlen ge­sprochen haben, wird wohl richtig sein. Soviel man weiß, halten es aber die verantwortlichen Parteileitungen, bevor sie sich über die Bildung neuer Negierungen einigen, für zweckmäßig, erst das Wahlresultat in Preußen abzuwarten. Nach dem vorläufgen Ergebnis der Wahlen haben bereits am Montag Besprechungen der Mehrheitssozialisten mit den Unab­hängigen und den K o m m u n l st e n begon­nen über eine Arbeitsgemeinschaft im neuen Preußen-Parlament. Die sozialistische Regierung hat noch am 19. Februar, am Tage vor den Wahlen, sechzehn Berliner G-werlschastsbeamte in ministerielle Stellen berufen.

Aus Hsffen-Raffarr.

Frankftwt a. M., 22. Februar. (Privat-Te- legramm ) Bis auf neun Landkreise steht nach amtlidter Mitteilung Mr den 19. Wahlkreis Hes­sen-Nassau folgendes Ergebnis fest: Fraktions­lose Partei 60, Wirtschaftsyartci 7768, Mehrheits sozialiften 307 244. Zentrum 126 701, U. S. P. 37 236, Kommunisten 42 818, Demokraten 81881, Deutschnaiionale 144 058, Christliche Vo»spartet 456, Deutsche Volkspartei 148 722. Danach kön­nen als gewählt betrachtet werden: 3 (bisher 2) Deutschnaiionale, 3 (1) deutsche Bolkspartei, 3 (5) Zentrum, 2 (5) Demokraten, 7 (8) Sozialde­mokraten, Unabhängige 0 (0), Kommunisten 1 (0) Die eingcklammerten Ziffern beziehen sich aus die letzten Vertretungen in der Landesversammlung.

Set der Londoner Konferenz.

Beratung der deutschen Sachverständigen.

(Privat-Telcgramm.)

Berlin, 22. Februar.

Tie Besprechungen im Unterausschuß der Sachverständigen für die Beratung der deut fchen Gegenvorschläge sind gestern noch nicht zum Absä-lutz gekommen. Die Verhandlun­gen sollen heute fortgeführt werden, und man hofft, daß das Plenum der Sachverständigen morgen die Erörrerung der Beschlüffe vornehmen kann. Minister Dr. Simons wird wahrscheinlich an der Sitzung des Unterausschusses teilnehmen. Die Sachverständigen-Beratungen im Aus- wärtigen Amt über die deutschen Gegenvor­schläge für London haben am Montag zu einem bestimmten Ergebnis geführt. Ueber den deut­schen Hauptvorschlag, eine Organisation zum

Sie preußischen Gahlen.

Stellungnahme der Parteien.

(Privat-Tclegramm.)

Berlin. 22. Februar.

Ein Berliner Blatt überrascht die Oeffentlich-

Sie Ansfastonz im Ausland.

Sie Pariser Presse und die Wahlen.

.(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 22. Februar.

Usber die Prcmßenwahlen hält sich die Pa­riser Presse vorläufig noch zurück bis alle Ergeb- niffe vorliegen Inerten, nur wurde einstimmig zur Kemttis gebracht, daß ter Wahltag ruhig verlaufen und der bereits erwartete Ruck nach Rechts erfolgt zu sein scheine. Die Berliner Korrespondenten melden übereinstimmend, daß die Wa-hlbetcäiMag sehr gering war. DieSi= Berte", die offenbar nach den ersten Telegram­men urteilt, glaubt einen Sieg der Recht spar - teien feststellen zu können, während nach den letz­ten Nachrichten dieser Sieg weniger stark er- Ktxiv.t DerIntransigent" überschreibt d^m auch seinen vorsichtig abgesaßten Leitartikel: Eine schwache Wendung nach rechts".

Kosten ter Demokraten, teilweise muß aber auch die Deutsche Volkspartei an die Deutschnationa- len beträchtliche Stimmen abgeben. Innerhalb der sozialistischen Parteien bietet sich dort das gleidje Bild wir bei den Preußenwahlen.

Die politischen Interessen konzentrieren sich setzt um die Frage der Bildung ter neuen Regierung. Wenn auch nach dem bisherigen Ergebnis es als wahrscheinlich angesehen wer­den kann, daß die bisherige Koalition von Mehr- teitssozialdemokraten, Demokraten und Zentrum stimmen- und mandatsmäßig eine kleine Mehr­heit erlangen wird, so kann doch nichts darüber hiuüvegtänschen, daß die Basis, aus ter diese Mehrheit bisher stand, wesentlich eingeengt wurde. Ob auf ihr eine Regierung aufgebaut Inerten kann, die einen starken Rückhalt im Volke haben soll, dürfte höchst unwahrscheinlich fein Bei der auch jetzt norfr überragenden Position, die die Sozialdemokraten in Preußen einneh- men, ist es selbstverständlich, daß sie sich wieder an der Regierung beteiligen werden. Infolgedes­sen ist damit zu rechnen, daß dadurch auch die Politik im Reiche beeinflußt wird. Aber eine Verbreiterung ter Regierungsbasis ist auch schon aus allgemeinen Gründen notwendig, toeil unter tem Druck von außen nur eine einheitliche Po­litik int Reiche und in Preußen ansgeübt wer­ten kann. «ss»

Boll Md Politik.

Sin Wort zur preußischen Wahli Man wird nicht behaupten können, daß

Um die Äusfuhr-Abgabe.

Rom, 22. Februar (Eigene DMhtmeldung.) Der außenpolitische Kammerausschluß Italiens verurteilte den Plan einer Abgabe auf die deutsch Ausfuhr. Verschiedene Redner stellten fest, Ita­lien müsse die Meterherftellung Deutschlands nach Kräften fördern. Italien soll Protest gegen die Ausfnhrabgabe erheben. Darauf wurde eh« Unterkommission zur Ausarbeitung des Resultats der Debatte ernannt. Nach demGior- nale d'Italia* erklärte Giolitti, er tome den Deutschen in Italien einen eigenen Wahlkreis (?) einrichten, damit alle ihre Besorgnisse wegen einer nationalen Pergewaltigimg Wegsielen«

Lberschiesie«» Schicksal.

Beschlutzsassung der Alliierten,

«Eigener Trahibericht.)

Paris, 22. Februar.

Der Oberste Rat versammelte sich gestern vor­mittag um 1154 Uhr unter tem Vorsitz von Llotzd George» Anwesend waren Briand und Barthou und ter französische Botschafter in Lon­don, Lord Curzon für England, Graf Sforza und Herr von Mattino für Italien. Baron Hayafhy für Japan, sowie belgische Ge­sandte Baron Monthur. Die Kommission faßte einen wichtigen Beschluß bezüglich der Ab­stimmung in O b e r s ch l e s i e n. Es wurde ver­einbart. daß die in Qberschlesien geborenen und setzt innerhalb Deutschlands lebenden Stimm­berechtigten an demselben Tage abstimmen wer­den. wie die in Oberschlesien lebenden.

Jeutsch Sesterreich.

Sine Unterredung mit Dr. Renner.

®er nad) Sesterr-tth entfanbie Londrrv»»tretetz unfered Racyriaieendütos, fft)efrebatteur 'Btrt- hslb Wall, beciä>t*t t>on feiner Steife Folgende».

Wien, Februar 1921.

Dr. Renner, der frühere Bunteskanzser, ter erste in der neuen Republik, empfing mich zu längerer Unterredung und führte wörtlich folgendes aus: Seit dem Frietensvertrag vom 11. September ISIS ha: sich die Lage ständig verschlechtert, derart, daß jetzt eigentlich die Vor. aussetzutiigen des Friedensvertrages nicht mehr bestehen. Elemenceau hat mir im Januar 1920 die Kredite binnen vierzehn Tagen zu gesichert. Valid darauf erfolgte sein Rücktritt, und bte Krone, die damals 20 Centimes galt, ist heute 1 Centime wert! Wenn heute Kredite Re geben werten sollten, so ist es nicht mehr dasselbe, denn damals hätte ein kleiner Betrag geholfen, heute reicht ein großer nicht mehr ans. Deshalb hat meine Partei erklärt, daß sie sich nicht mehr an den Vertrag van St. Germain, ben sie mitunterzeichnete, gebunden fühlt, weil seine Voraussetzungen nicht mehr zutreffen. Ich sehe die Lage sehr pessimistisch an. Ein B.rnkeiikonzern soll statt ter Staaten die Hilfe bringen und dafür eine Finanzkon­trolle erhalten. Auck das ist im Prinzip et­was anderes als das Versprochene. Die Shm- trolle durch Private ist unerträglich, sie lanu zur schrankenlosen Ausbeutung führen.

Die wirtschaftliche Lage.

Das Land hungert fort S8tr erfebett den großen Ausverkau'f infolge ter Valuta, und alle dir Elemente, die sich terra:, beteiligen, die daran verdienen, füllen die ösfeittlichen Lo­kale Wiens und verbreiten eine Atmosphäre hei­teren Genusses, während daneben in der inneren Stadt ter bürgerliche Mittelstand darbt und in ten Vororten die Kinder der Proletarier ver­hungern, soweit ihnen nicht die Hilfe des Aus­landes etwas Rettung bringt. Das Landvolk hat die Kästen voll Papiergeld, aber dieses ist entwertet, und es sohlen die Mittel, das In­ventar zu ergänzen und die Landwirtschast zu heben. Und hiervon ist die Lebeusmittelverwr- ,ajung abhängig! Indessen ist die Vollswittschast im ganzen keineswegs verloren. Sie brauchst nur den ns chluß an ein großes Wirtschaftsgebiet, das Rohstosie und Lebensmittel liefert und Fa­brikate kauft. Anders steht es mit ter Staats« wirtschaft. Die Erfordernisse des öffentlichen Dienstes steigen ins Ungemessene, und die Sanie­rung ter Staatsfinanzen ist nicht mehr denkbar. Die Verminderung der Beamten' und Angestellten nützt nichts, da die Entlassenen nur unter un­terem Ditel ihre Pension beziehen müssen, und ihr bisheriges Gehalt war auch nur kümmerlich. Die Vermögensabgabe kommt setzt, aber sie kommt zu spät. Sie kann setzt der Geldeniwer^ tung nicht mehr Einhalt gebieten. Ihre EinnoA men werten vom öffentlichen Dienst ausgezehrt.

Welche Schlußfolgerungen

sind nun zu ziehen? Drei üluswege waren gk. »einen Entweder Donmisöteration oder An­schluß oder Kredite. Den Anschluß verbietet Pa­ris, die Tonausöderation wrrd in Prag. Bei­nrad und Bukarest ab gelehnt, und die Kredite kommen vielleicht! wie die Medizin, Wenn ter Patient aestorben ist. Man sieht, die En- tente laßt uns keinen richttgen Anstieg, deshalb müssen wir ihn selbst suchen und deshalb muß ter Auaenblick kommen, wo wir ten anderen es überlassen, uns den Prozeß ;u machen, weil Wir als die Erstickenden die Fenster einstlpagen, um Lust zu bekommen. Welche Fenster Wir ein» schlagen werden, das versteht jedermann!

Die Parteiverhättnisse.

Die österreichische Sozialdemokratie hat sich nach ter Revolution unter der Zustimmung ter Ar­tz eil erscha st bereit erklärt, die Regierung zu toter- nehme-: Sie blieb ungespalten, die Konmui- nisten sind nur eine kleine Sekte! Nach ten Wah- lon tz.'ben wir die Regierung an die Ehttsttich- Sozialen abgegeben, Weil Wir als -Wejtstärffie Partei als Opposition glaubten, dem Lande bes­ser dienen zu können, zumal, Wenn wir die Freiheit auch gegenüber ten internationalen Vertrügen wietererlangen. Wann und unter welchen Formen die Zeil zu einer neuen Miau kommt, das wird sich zeigen.

Berthold Wolf

nunmehr getätigten preußischen Wahlen einen tieferen politischen Sinn erkennen ließen. Recht wenig Klarheit im Willen und im Ziel, dafür umso mehr Wirrnis im Streben um die Ver­wirklichung ter Absichten. Das ist das charak­teristische Zeichen auch dieser Wahlen, Wie aller anderen seit dem Zusammenbruch vorgenomme- nen, und das macht die Preußenwahlen auch so polittsch bemerkenswert über die Grenzen Preu­ßens hinaus. Es ergibt sich aus ihnen wieder einmal, daß ter politische Sinn des Volkes noch keineswegs in die rechte Bahn geleitet ist und daß demgemäß ter politische Volkswille keine feste Norm und Form hat. Ein Uebriges zur Verwirrung tragen die bei jeder Wahl nun ein­mal üblichen Zersplitterungs-Bestrebungen bei, die von einzelnen Jnteressenten-Gruppen genährt Werten, die aber zum wenigsten sich auf Son- ter-Organisaiionen und Sonterparteien kvnzen- trieren, sondern in ter Hauptsache nur die Wir­kung haben, daß die Partei der Nichtwähler nur noch umso größer Wirb! Nun hatte man gewiß nicht erwartet, daß kaum acht Monate nach den letzten Reichstagswahlen, die zwar auch nur eine Wahlbeteiligung von etwa sünfundsiebzig Pro­zent gezeigt hatten, jetzt eine überragende An­teilnahme ter Wählerschaft an den Preußen­wahlen zu verzeichnen wäre Mindestens dreißig Prozent der Wahlberechtigten blieben auch jetzt wieder zuhause. Man sollte das in einer po­litisch so hoch gespannten Zeit, in ter wir uns jetzt befinden, kaum füt möglich halten. Diese Tatsache ist ein erschreckendes Zeichen für die

rff-weftLL^ÄEs-wes Rottes- Wer sich nicht irn ven Wahlen beteiligte, wer nicht von tem vornehmsten staatsbürgerlichen Recht, ter Bestimmung ter politischen Geschicke des Landes durch eigenen aktiven Einfluß Ge­brauch macht, ter hat auch das Recht zur Kritik an politischen Dingen und Vorgängen verwirkt.

Nachdem die politischen Tinge so von Grund aus anders geworden sind, als sie früher Waren, nachdem insbesondere die politischen Rechte des Staatsbürgers eine ganz andere Bedeutung als früher gewonnen Haden, und nachdem es nicht zuletzt gerade in die Hand eines jeden Einzel­nen gegeben ist, darüber zu bestimmten, Wie und von Wem er regiert sein will, müßte.die Frage ter Wahlbeteiligung an ter Spitze aller politischen Diskussionen stehen. Die Wahlfaulen sind immer Treibholz. Ihre Beteiligung Würde das Wahlbild jeweils noch ter einen öder an­deren Seite ganz entschieden verändern. Da man bei dem ungeheueren Agitations-Apparat ter Linksparteien und bei dem viel ausgeprägt teren Politischen VerantwortungsaeMfl und po­litischen Sellstbswußtsein dieser Kreise ganz be- stimmr damit redmen kann, daß die Nichtwahler dort in ihrer großen Di ässe sicher nicht zu suchen sind, so ergibt sich, daß die bürgerlichen Parteien und die bürgerlichen Interessen den schwersten Schaden von diesem durch nichts zu rechisertigen- te.n Verhalten haben. Zur Stunde, da diese Zeilen geschrieben werden, läßt sich noch nicht erkennen, wie politisch sich die Dinge in Preu­ßen auf Grund tes Wahlergebnisses ausWirken. Go und stürzende Umwälzungen, die zu einem po­litischen Schub innerhalb ter jetzigen Koalition bcrechttzen oder auch nur einlaten können, schei­nen sich nidn vollzogen zu haben.

Das Merkmal ter Ergebnisse, soweit man es bis jetzt beurteilen kann, ist eine Verschiebung ter Machtverbältnisse nach rechts auf beiten Sei­ten. Sowohl innerhalb der bürgerlichen Parteien ist dieser Ruck nach rechts zu beobach­ten, wie innerhalb ter s o z i a l i st i s ch e n. Den außerhalb ter Regierung stehenden Deutsch- n a t i o n a l e n hat die Oppositionsstellunff einen bettächtlichen Sttmmen- und Mandatsacwinn ans Kosten der Deutschen Volksvartei und der Demokraten gebrasst. Die Deutsche Volks- Partei blieb in Preußen mit leidtragend, ob­wohl sie an ter preußischen RegrerungÄdakition gar nicht beteiligt war. Dafür bat sie einen be­trächtlichen Zuwachs von feiten ter Dernost-aten erhalten. Die Rückwirkung ter Reichs-Politik auf die Entscheidung bei ten Preußenwablen zeigt sich hier besonders sinnfällig. Die Folge wirb auch sein, daß die Dinge innerhalb der Reicks- Politik gerade auf Grund tes preußischen Wahl­ergebnisses eine wesentliche Umgestaltung erfah­ren müssen!

Innerhalb der sozialistischen Parteien be­obachtet man zwar einen Abmarsch aus den Reihen ter Unabhängigen in das Lager ter Kommunisten, aber man beobachtet dock auch eine Rückentwicklung von ten Unabhän­gigen zu ter Mchrbeitssozialdemokra- tie. Gerade diese Erscheinung ist mit die Po- littsch wichtigste an der jetzigen Wahl. Der Ruck nach rechts einmal bei ten bürgerlichen und zum anderen bei den sozialistischen Parteien machte sich auch bei ten Reichst agsw ahlen in Schleswig-Holstein und in Ostpreußen geltend. Leihweise gewinnt die Deutsche VoWpartei auf

Bisheriges Gesamtergebnis.

Feststellungen bis heute früh.

gP rivat-Delc gr amm.) ,

Berlin, 22. Februar.

Bis 9,30 Uhr waren folgende Resultate ge- ,zählt: Deutfchnationale 71, Sozialdemokraten 97, Zentrum 69, Volkspartei 46, Kommunisten 23, Unabhängige 24, Demokraten 20. Welfen 7. Die bisherige Koalition hat eine knappe Mehrheit von acht lnz neun Stimmen, die sich vielleicht noch etwas durch die restlichen Resultate vergrö­ßern wird. Andererseits haben die Bürgerlichen die absolute Majorität in der Lmrdesversamm- Ittng. Es sind über achtzig bürgerliche mehr als sozialistische Abgeordnete.