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Meter Neueste Nach

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Nummer 32.

Fernsprecher 951 und 952.

Dienstag, 8. Februar 1921

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Fernsprecher 951 und 952.

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11. Zatzrgaua.

Der Kamps gegen die Pariser veschliisse

Die zwölf Prozent.

Verschuldung des ganzen Volkes.

Tie Ausführungen des Reichsministers des Neußern Dr Simons über die Bedeutung der Forderungen der Entente werden in bemerlens- werter Weise ergänzt durch tatsächliche Fcsfftel- rngen des Reichstagsabgeordneten Dr. Reicheri, ter als Syndikus industrieller Verbände und ieoollmächtigter des Reichskoumtissars für Ein- und Ausfuhrbewilligung besonders zu einem sachverständigen Urteil über die Folgen für das deutsche Wirtschaftsleben berufen ist. Dr. Rei­chert weist nach, daß die zwölfprrzenttge Aus- suhrabgabe der gesamten deutschen Indu­strie Mt Last fallen würde, das heißt nicht nur den Unternehmern und den Aktionären, sondern auch den Angestellten und den Arbeitern. Das deutsche Volk soll also in eine neue Verelendung, in neue Zeitperioden von Entbehrung und Mangel hineingetricben werden. Die Rechnung der Miierten hat zur Voraussetzung, daß die deutsche Aussicht: in der Folge sich so gestaltet wie Anfang 1920 infolge des außerordentlichen Tiefstandes der deutschen Valuta. In Wirtlich­keit liegen die Dinge so, daß der Bedarf des Auslandes durch die damalige starke Aus­fuhr in weitem Umfange gedeckt, daß inzwi­schen die eigenen Industrien des Auslandes wei­ter erstarkt'sind und daß die erhöhten Kohlen- lieferungen, die uns auserlegt werden sollen, in steigendem Matze Be trie b sein schrän ku n- gen und Arbeitslosigkeit zur Folge ha­ben «Minen. Die Idee die Ausfuhr rein schablo- nenmäßia zu behandeln und keine Rücksicht auf die verschieden gearteten Absatz- und Wettbe- werbsverhälMisse zu nehmen,schlägt jedem ver­nünftigen wirtschaftlichen Denken geradezu ins Gesichts

Unter diesen Umständen muß man sich fragen, wie die Alliierten zu der Forderung einer zwols- prozentigen Ausfuhr-Abgabe gelommen sind Wahrscheinlich Wird man diese Bestimmung der Ententc-note auf Rechnung der Schwierigkeit zu setzen haben, die, wie Briand in der Rachmtt- tagssitzung der Kammer vom 3. Februar gesagt hat, .dadurch verursacht worden, daß in kurzer Frist ein Ausgleich zwischen den Ansichten aller Verbündeten hergestellt werden mußte". Die Aus- fuhrabgabc muß aber noch unter einem anderen Gesichtspunkte gewertet werden. Die Miierten Haden für die Wiedergutmachungen eine feste Dumme von zweihunDermndsechsundzwanzig Milliarden Goldmark festgesetzt, die in ziveiuno- vierzig Jahresraten gezahlt werden sollen. Man muß hier unterstreichen, daß es sich um Mil­liarden und um Gold mark handelt. Bon der Höhe dieser Dumme kann man sich nur durch eine Rechnung, die mit allgemein vorsieWaren Zahlengrößen arbeitet, einen zutreffenden Be­griff machen. Nach dem heutigen Wertstand würden die zweihundertsechsundKvanzig Mil­liarden Goldmark ungefähr vier Billionen Pa­piermari ausmachen. Auf den Kopf der Be­völkerung bereclmet, hätte man es mit einer Schuld von sechzigtauscnd Atari für Hoch und Niedrig, für Alt und Jung, für Arm und Reich und von zwedhundertvierzigtausend Mark für die vierköpfige Familie zu tun. Jeder, der heute in Dentschlättd stirbt, hinterläßt dem neugebore­nen Säugling eine Schuld von sechzigtausend Mark.

Die Summe von dreitausend Milliarden Mark nach heutigem Papievwert wird von den Alliierten gefordert, ohne daß sie sich viel um die Frage bekümmert hätten, ob Deutschland je­mals in der Lage sein Wird, solche Beträge auf­zudringen 1 Erst die Brüsseler Konferenz, wie jetzt wieder LitenS der Handelsabteilung des französischen Außenministeriums betont wird, soll DEchlandk Leistungsfähigkeit untersuchen. Um ganz sicher zu gehen, daß sie mit den drei­tausend Milliarden Mark das deutsche Volk mxf) nicht genug knebeln, sind die Miierten auf die zwölfprozentige Ausfuhr-Abgabe versifflen. Diese Rechnung wird gang sicher eine große Enttäuschung bringen, denn es ist bei dem starken Warenangebot aus aller Welt mit so hohen Ansftchrziffern in Deutschland, wie die Entente-Rechnung annimmt. 'W entfernt zu rechnen. Rechnung und Wirklichkeit stimmen nicht '"cherein. Das hat der französische Mini- sterprSsident selbst anerkannt, indem er am 3 Februar in der Kammer sagte:Deutschland könne seinen Verpflichtungen nur Nachkommen, wenn es durch Entfaltung seiner Ausfuhr Reichtümer im Auslände erwerbe und seine Einfuhr auf das durchaus Notwendig« einschränk;. Das könne indessen nur zum Schaden des Han­dels und der Industrie der Verbündeten erfolgen. Die Aussuhrabaabc werde diese widersinnige Laae nach MSaftckkeit korrigieren."

Die widersinnige Lage, die die Miierten mit ihrem neuesten Diktat schaffen wollen, soll durch eine nicht minder widersinnige Maßnahme, die von französischer Seite voraeschlazene veränder­liche Ausstchräbnabe gemildert werden. Wider- 'nnifl ist die Maßnahme deshalb, weil die rutsche Ausftlhr zu der von den Alliierten er­

warteten Höhe sicherlich nicht aufsteigen wird, wenn weit mehr als die Hälfte der deutschen Arisfichrwerte in die Kassen der Entente fließt. Für alle diese Widerforüche und Unmöglichkeiten zeichnet verantwortlich das Bestreben der in die- sim Punkte völlig einigen Miierten. das deutsche Wirtschaftsleben an der empfindlichsten Stelle, in der Ausftrhr $u treffen und auf diese Weile Millionen deutscher Menschen, die in den Aus- fuhrindustrien ihr Brot finden, zum Verhungern öder zum Verelenden im Ausland zu verurteilen Deutschlands Industrie vüd Handel könnUn wieder einmal für England und Fran »reich unbequem werden. Deshalb sollen sie durch zermalmende Saften nieder ge­halten, soll ihnen durch VorbchM weiterer Jwangsvorschristen jede Hoffnung auf eine bes­sere Zukunft genommen werden Dem Sieger -lernt Mäßigung Frankreich und England be­weisen durch ibr Verhalten, daß sie nicht den Sieg errungen haben, daß für sic der Sieg, den ihnen die Vereinigten Staaten und ein Dutzend anderer Helfershelfer verschafft haben, ein lukra- rives Geschäft, ein dauernder R a u b z u g aus die Taschen deS bedrückten deutschen Volkes werden foff. B. P. N.

Hegen die Meiste VMWe

Protestkundgebung^« in Bechern.

<Pcivat-Tetearamm.l

München, 7. Februar.

Am Sonntag mittaa bat vor der Feldherm- halle eine grosie vaterländische Kundgebung statt gef'mden. Eine nach vielen Tausenden zählende Menscheum-nge. es mögen etwa dreh ßigtmffcnb Menschen gewesen sein, füllte den weiten Plai?. sodaß der Straßenbahnverkehr ein­gestellt werden mußte. An der Frldherrnßalle waren schwarze Fahnen ausgezogen. Oberst Mander hielt gegen die Pariser Forderungen der Entente eine Ansprache, in der er zur A b - l e h n u n g und zum festen Zusammenhalten ge- gen diese Forderungen ermahnte und mit den Worten schloß: Lieber tot als Sklave der Entente. Dann wurde ein Telegramm in diesem Sinne an die Reichsregierung unter lebhafter Zustim­mung verlesen und gutgeheißen. Im weiteren Verlauf der Kundgebung sang die Menge unter Begleitung d-r Musik entblößten Hauptes Großer Gott wir loben dich",Deutschland, Deutschland über alles", «Die Wacht am Rhein" und dasNiederländische Dankgebet".

Sine Entschließung in München.

München, 7. Februar. (Privat-Telegramm.) Bei der gestrigen Kundgebung vor der Feld- hcrrnhallc wurde folgende Entschließung angenommen: Die hier versammelten Deutschen aller Kreise fordern von der Reichsregierung so- fortiae strikte Ablehnung der Schandsorde- nm Ren der Entente mit einem klaren «Rein, nie­mals". Aufs schärfste verurteilen sie jeden Deut- scheu, der es wagen sollte, die Hand zu einem Selbstmord zu bieten, den die Unterzeichnung dieses Erzeugnisses verworfenen UebermutS be­deutet. Die Reichsregierung hat nicht nur auf scheinbare materielle Forderungen zu achten, sondern vor allem eine Hüterin des Lebens und der E h r e Deutschlands zu sein.

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Weitere Kundgebungen.

München, 7. Februar. (Privat-Telegramm.) Gestern vormittag veranstaltete di« in einer Reih, von Verbänden organisierte Münchener Künst- !l er schäft im Glaspalsst eine Kundgebung ge­gen die kulturvernichtenden Forderungen der Pariser Konferenz. Aus Nürnberg wird gemeldet: Vor dem Hotel oct Abnahmekommis­sion der Entente demonstrierte gestern eine große Menge von Teilnehmern an einet vorher abge- haltenen Poteftversammlimg gegen die Forde­rungen der Entente. Die Geschäftsleitung des Hotels ließ zur Bernhigung der Demonstranten die schwarz-weiß-rote Fahne crufziehen, worauf sich die Menge ohne weitere Zwischenfälle verlief.

IiimMm der Hoffnungen.

Die Stimmung i* den EntentelSndeon. (Eigener Drahtbericht.)

Frank'urt a M.. 7 Februar.

Der Frankfurter Zeitung wird aus Genf Se richtet: Mm- wird hi Deutschland gut hm, sich über die Stimmva in den Ländern der Entente nicht zu täuschen. Die kommunistische Bewegung in Frankreich ist durchaus ohn­mächtig. Die willkü-rlicheu Derhaftungen. die die Polizei aegenwärtig wieder in Massen

vornimmt, ohne Widerstand tu finden, nntr drücken jede nennenswerte Bewegung Es ist nur das GewerkschaftSblattLe Pcvple", das die Forderungen der Entente aus Solida? tSt mit den deutschen Arbeiterorganisationen be­kämpft und die englischen Gewerkschaften . zur gemeinsamen Abwehr aufruft.

Sie Proteste im Reich.

Trotze Massenversammlung in Hamburg.

(Privat-Telegramm.)

Hamburg, 7. Februar.

Die bürgerlichen Parteien und alle bedeuten­den Wirtschafts-Organisationen Hamburgs hat ten für den gestrigen Sonntag zu einer Riefen­volkskundgebung auf der Moorweidegegen den Pariser Verfklavungsversuch" ausgerufen. Bon den zahlreichen beteiligten Verbänden seien nur genannt der Bund der Innungen, Bund für Han­del, Gewerbe und Industrie, Verband des Ham­burger Einfuhrhandels. Verein Hamburger Ex­porteure, Verein Hamburger Reedereien, Ver­einigung Hamburger Banken und Bankiers, Zentralverband des deutschen Großhandels, Ge- werbekcunmer, Tetaillistenkammer n. a. m.

Die Gewerkschaften.

Berlin, 7. Februar. (Privattelegramm.) Der Vorstand des Gewerkschaftsringes deutscher Angestellten-, Beamten- und Arbciter- uerbände weist mit Entrüstung die wirtschaft lichen Friedensbedingungen zurück und richtet an die deutsche Reichsregierung die Aufforderung, die verlangte Gesamtsumme von zweihundert- mchfechsnndzwmizia Milliarden und die Aus- fuhrabgabe abzulehnen. Ferner fordert er die Arbeiter, Angestellten und Beamten zu festem Zusammensckstntz auf und erwartet, daß die In­ternationale sich im Interesse der Solidarität ge­gen die von den Alliierten geplante Versklavung der deutsüxn Arbeiterschaft wendet.

Aufruf in Sachsen.

Dresden, 7 .Februar. (PttvattÄogrMMn.) Der Vorstand der Demokratischen Pattei Sach­sens, die demokratische Landtagssraktion und die sächsisch» Mitglieder der demokratischen Reichs- tagSfraktion erließen einen gemeinsamen Auf­ruf gegen die Pariser Beschlüsse. Dem Bernich- tungswillen der Gegner müsse von beutf-ijer Seite ein geschlossener, unbeugsamer Selbsterhaltungs- iville entgegengestellt werden. Rur ein enffchlos- senes deutsck- Volk könne die Anerlennung deö Rechtes auf Selbsterhaltung erwarten.

Weitere kntenteWaßnnhme»? Botschafterkonferenz in Paris.

(Eigener Drahtbericht.)

Patts, 7. Februar.

Vorgestern mittag fand in Paris eine Bespre­chung der englischen, amerikanischen und italieni­schen Botschafter statt. DasJournal" meldet über die Besprechung, daß sie den Pariser Be­schlüssen gegolten habe, und daß der Boffchaster Amerikas keine Korrektur, sondern nur eine Ergänzung der Pariser Beschlüsse an­geregt habe, die die Ausführungsklausel betref- fen. Die Konferenz wird von Havas registriert mit dem Hinzufügen, daß die Boffchaster in der Durchführung des Versailler Vertrages einig seien. Reuter meldtt aus Paris: Ein Antrag Tardieus verlangt die Einsetzung ttner Finanzkommission in Deutschland zur Sicherung des Friedensvettrages. Der Auttag soll am Mittwoch zur Beratung kommen.

Sie Holtum Ser Regierung.

Beratung über die deutsche Antwort.

lPttvat-Telcaramm.1

Berlin, 7. Februar.

Sonnabend abend haben die unverbindli­chen Besprechungen über eine Verbrettetting der Regierungsbasis fortgedauert. Der S o a t i tionsgedanke für das Reichs'avlnett ist nicht attfgegeßen, obwohl die Sozialsten ableh nen. Bemerkenswert ist. daß derBorwättS" über die Vorbesprechungen sich völlig auS- schweigt. Die deutsche Rote nach Patts soll jetzt am Dienstag oder Mittwoch abgehen Die vo. ljffsche Sage ist heute Montan früh unverändert, Die Bera-ungen im ReichSkitb'neu über den In­halt der Antwortnote sind beendet. Das Reichskabinett hat fick gcciniot, daß es die Ver­handlungen mit der Entente nicht ablehnen wird, um die NndurchMrüirkeft der Pariser Beschlüsse «achzuweisew

Handel Md Gewerbe.

A-brrblick über den Geschäftsgang.

Dl« fltfltntoiiriifl« Lage ist ungünstig, da bi« internationale «rlstS einen nachteiligen «SinfZuB hat. Das größte liebel ist das ichle-hi- 3er- hiiltniS 8»lfd>cn Denrs-hlanb unb den «Liierten, toobit. ti die b'.utfdte Snttoidlune gestört wird.

Aus den Berichten, die die preußischen Han- bctofamTnem über den Geschäftsgang in Handel und Jndusttte an das Handelsministerium er­stattet haben ergibt sich, daß im Januar die Beschäftigung einzelner Industrien sich vermindert hat. daß Warenabsatz und Auftragseingang fast allgemein zurückgegan- gen find und daß die Aussichten für die nächste wirtschaftliche Zukunft als wenig g ü n- stig beurteilt werden. Dabei sind wichtige Grü ide, die die Entwicklung des deutschen Wiri- sckwstslebens in den letzten Jahren vorzugsweise behinderten, fortgejaUen. Ban der Kohle abge­sehen, sind Rohstoffe reichlich, zum Teil überreichlich (Eisenerze) verfügbar. Arbeits­kräfte sind genügend vorhanden, der Ar­beitswille hat stch gehoben. Tie Vettehrsverhält- nisse such nach Ueberwindung der Nachwehen der vormonatlichen Tiestvassernot im Eisenbahn­güterverkehr erheblich gebelfert. Wenn gleich­wohl der Beschäftigungsgrad der Industrie sich 'm Beri.htsmonat nicht nur nicht gehoben, son­dern sogar vermindert hat, so ist dies zu einem erheblichen Teile eine Wirkung des Mangels au ausreichenden Kohlenmengen und passenden Kohlensorten, zum anderen Teil aber ist es eine Folge der

stark verminderten Kaufkraft sowie wettwirffchastlicher Zusammenhänge. Di« AufnahmeMigkeit ist in gleicher Weise bei den öffentlichen Körperschaften, bei industriellen Un« ternehmungen und bei den Privaten zurückge- gangen. Dies wird durch die schwierige Finanz- läge von Reich, Ländern und Gemeinden, die mit neuen Aufträgen sehr zurückhalten, sowte durch die neuen Steuern bewirkt Zahlreiche Verbrauck-er, insbesondere des Mittelstandes, htbeii ihre Ett'parnisse aufgezehrt. Indem die verminderte Naüffrage die Beschäftigung vieler Fndusttiezweige beeinträchtigt, verschärft sie rück- wittend den Rückgang der Kauflraft. Eine ähnliche Wirkung geht von der Weliwirffchafts- tttsis aus. Die deutsche Ausfuhr hat durch sie bereits empstndlich gelitten. Ferner sind bedeu­tende Warenbestände in Deutschland durch Preis­rückgänge am Wettmarft entwertet. Vor allem besteht eine Zurückhaltung der Abnehtner, so daß in vielen Füllen nicht festzustellen ist, welches der eigentliche Grund für den Nichteingang neuer Aufträge ist. Bon der ßlestaltung des Mark- kurses wird es im weftutlichen avhängen, wie stark die Wirkungen der Weltwirtschafts'kttsis auf die deutsche Volkswirffchast sein werden. Eine Stetigfeit seiner Entwicklung wird als das beste Mittel betrachtet, um die deutsche Industrie vor bet Beschäftigungslosigkeit zu bewahren, die an­gesichts der gegenwärtig geringen Auftrags­bestände vielfach für möglich gehalten wird.

Eingriff in die Berfaffnng.

Friedensvertrag und Reichseinheit.

Die Einganasformel des Friedensvertrages nennt die Vertreter der alliierten und assoziier­ten Hauptmächte (die Vereinigten Staaten von Amerika, das Briffsche Reich, Frankreich, Fia- lien unb Japan) und die zweiundzwanzig alli­ierten unb assoziierten Mächte. Nach bieser Auf- zöchluna heißt es, baß die deuffchen Bevollmäch- Hgten zeichnen: .Im Namen bos Deuffchen Reiches unb im Namen aller Bundes­staaten sowie jedes Einzelnen von ihnen." Es folgen die Wort«: Mit dem In­krafttreten des gegenwärtigen Vertrags nimmt bet Kriegszustand ein Ende. Von diesem Au­genblick an werden unter Vorbehalt der Bestim­mungen des gegenwärtigen Vertrages die amt­lichen Beziehungen bei alliierten und assoziiev- ten Mächte zu Deutschland unb bem einen oder anderen der deutschen Staate« wieder ausgenommen." Die von uns gesperrten Worte sind von Frankreich in den Vertraa hin­ein redigiert worben. Man hat sie so mtsge- leat. daß sie eine Sicherung Bieten sollen. Bei einem Zerfall des deutschen Bundesstaates sollen für alle sein- Glieder alle Bestinrrnungen des Versailler Vertrages verbindlich sein. Al­lein es handelt sich nur um eine Sicherung für die Erfüllung des Vertrages.

Ähon nach der Rttchsversassung vom 16. April 1871 war die auswärtige Vertre^ tung Deutschlands in der Hauptsache rffchS- einheiffich geregelt. Nach der neuen Reichsver» sassttng ist sie nur noch von Reickswegen Zulässig. Der Friedensvertr?.« indessen sieht bi Aufnahme der Beziehungen zudem einen oder anderen der deutschen Staaten" (!) vor. Das bedeutet einen Eingriff in das deutsche Vevlassunosrecht unb eine schwere Gefahr für die in biefett Rol-eiten mühsam erhaltene beut-