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Kasseler Abendzeitung

Tie «effeler Sltueften 8lad)itctten erfdjetttcn roödjentlid) fedjÄmal und zwar oben«*. Ter SbouuemenUpretS beträgt monatUd) 6.00 dort bet tretet Buftetlimj tu» Hau«. Ku«, wärt« durch bte Soft bezogen 5.30 Wart monatUd) etnfchltetzUch Zustellung. Bestellung« iberben ieberitU Den bet Lelchäktrstelle ober den Boten entgegengenommen. Truckeret, SSerlag «nb Stebatttons Schlochthofftraße 28/30. Für unverlangt elngelandte Beiträge kann bte Kebaktton etne Verantwortung oder «ewähr tu keinem Falle übernehmen. Rückzahlung bei BezugSgelbe« Ober Lnivrüche wegen etwaigernicht ordnungsmäßiger Lieferung auSgeschlostm.

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Hessische Abendzeitung

Nummer 30. Fernsprecher 951 und 952. Sonnabend, 5. Februar 1921 Fernsprecher 951 und 952. 11.

Die Unsicherheit in der AuhenpolM.

Sie Beweggründe.

DaS innere Verhältnis der Alliierten.

(Von unserem Berliner Mitarbeiter.)

Allmählich sickern über die tieferen Beweq- fttünibe, die zu den alle Welt überraschenden Pa­riser Beschlüssen führten, Nachrichten durch, die einen interessanten Blick hinter die Kulis­sen gestatten. Wenn auch Wer diese Dinge von ren Beteiligten anfänglich Stillschweigen be­wahrt wird, so kann es doch nicht verhütet wer­den, daß sich die Wahrheit dnrchringt. Und diese Wahrheit geht, kurz umschrieben, dahin, daß die jetzigen Beschlüsse der Alliierten nicht überein­stimmen mit ihren politischen Zielen! Man wird nicht wenig erstaunt sein, dies zu hören in Anbetracht der auch jetzt wieder aller Orten verkündeten »unerschütterlichen Einigkeit" der Entente! Wir wollen auch keineswegs mit die­sen Mitteilunaen irgend welche Hoffnungen auf eine Uneinigkeit der Entente ertoecfen. Es wäre der geiährlichste und für unsere Interessen schäd­lichste Trugschluß, wenn auf solche Moment» etwa gar politische Hoffnungen oder Entschlie­ßungen ausgebaut würden. Wie weit die rück­sichtsloseste Anwendung der Friedensbedingun­gen von Versailles in Frage steht, wie weit es sich insbesondere darum handelt. auch über den Versailler Vertrag hinweg mit den schwersten Trugmitteln auf Deutschland einzuwirken, um das Möglichste aus d?m deutschen Volke heraus- zupressen. soweit wird sich die Gemeinschaft der Entente immer wieder zusammen sinken. Darüber darf es bei uns nicht den geringsten Zweifel geben?

Das alles darf uns nicht daran hindern, den Vorgängen innerhalb der Entente unser Augen­merk zu schenken. Und es steht fest, daß die Be­schlüsse von Paris nur unter der Furcht vor dem Bruch des Ententeaebäudes zustande ge­kommen sind? ES war Frankreich, das mit die­sem Bruch drohte. Die französischen Po­litiker spielten in der Pariser Konferenz ein gar verwegenes Spiel. Es kann nach den Infor­mationen die wir heute schon besitzen, kein Zweifel darWer bestehen, daß die Franzosen den Engländern gegenWer drohten, von all ihren Zugeständnissen hinsichtlich der Betätigung der englischen Politik im Orient und anderswo zu­rückzutreten, und sich gegebenenfalls auf eigenes Wagnis hinsichtlich Deutschlands volle Hand- lungAfreiheit zu schaffen! Die Gegenforderung von England bezüglich der finanziellen und son­stigen Leistungen Frankreichs an England ver­mochte nicht durzuschlagen. So stand tatsächlich die Pariser Konferenz letzten Endes unter dem Drucke einer unerhörten Angst vor dem Zersprin­gen. Daraus erklärt sich letzten Endes auch her Umfall Englands, das im gegenwär­tigen Augenblick ein solches Risiko auf dem Kon­tinent noch nickst wünschen kann, weil es seine anderweitigen Interessen-Sphären noch nicht ge­nügend gesichert hat.

Die jetzige .Einigung" in Paris ist aber er­kauft mit einer großen Lüge. Tas gibt uns die Hoffnung, daß der Pariser Beschluß von der Wucht der Ereignisse mit der Zeit hinweggefegt wird. Man hat das französische Volk in einen Zahlenr ans ch versetzt und die französischen Politiker brachten es nicht zuwege, die Ernüch­terung vorzubereiten. England sieht die Un­durchführbarkeit dieser Illusionsvolitik wohl ein. und Lloyd George versuchte ja auch, klar zu machen, daß die wirklichen Summen, auf deren Ersatz Frankreich rechnen kann, notwendigerweise von den Phantasieziffern der Franzosen äbstechen müssen. Ser Pariser Berichterstatter der Lon­doner »Westminster Gazette" selber ist es, der in dieses Lügengespinst hineinleuchtet. Er spricht es rund Heraus, daß die französische Bevölkerung belogen und betragen worden ist, und daß es unheilvoll ist, längere Zeit mit einer Lüge zu leben. Es heißt dann wörtlich weiter: .In Eng­land fangen schon viele Leute an. die Wahrheit zu ergründen. Wer man verfügt über ein er­staunliches Maß von Selbsttäuschung. Falls der Lüge ein Ende gemacht wird, wird eine un­vermeidliche Folge davon sein, daß die En­tente ciuseinanderfällt. Die Entente war bereits längere Zeit gefährdet und nichts hat sie soviel benachteiligt, wie die Frage des Schadenersatzes." Das jetzige Pariser Ergebnis wird als eine .großMgige Maskierung" be­zeichnet.

In der Tat: Nach Versailles steht die Welt jetzt wieder vor Lug und Trug, vor einem er­bärmlichen Gaukelspiel. Und auf solcher brüchi­gen Basis sollen wir einen Vertrau zu einem Sklavendienste unterzeichnen, der nicht nur die lebende Generation und den nicht nur die eben erst geborene, sondern den auch noch eine künftige Generation leisten soll. Die Pa­riser Weltdiktatoren wollen mit solchem Pa st dekretieren, daß die Weltaes-bickste in den nächsten zweiundvierzia Jahren still steht! Und sie wisset selber nicht, ob nicht schon morgen ihrBund" von einem Sturm der Weltereignisse verweht! Sie, die heute schon innerlich vollständig aus- einanderstreben. und die nur noch durch den

Haß gegen die Besiegten, zum anderen durch das gemeinsame Interesse an Wucher- und Schieber- Geschäften grandiosesten Stiles zusammengehal­ten haben, wollen sich beute schon vermessen, daß dieser Dklavenhaltcrbund, als der sich die En­tente immer mehr entpuppt, in zweiundvierzig Jahren noch besteht! Wie lächerlich und wie er- bamlich macht sich dieses auf Sand gebaute Lust­schloß armseliger Wichte aus, wenn man es nur näher beirackstet! An der großen Lüge, mit der man den Ententevölkern auf Kosten einer Halbs ehrhundertjährigen Sklaverei eines hochkultivierten Volkes die Glückseligkeit ver­heißt, wird die Entente sterbeni

Sie aetiORflle MMWiMt.

Fortdauer der Verhandlungen.

^Vrivat-Tclegramm.)

Berlin. 4. Februar.

Tie deutschnationale Fraktion hat einen Bries an den Borsitzenden der DSL1 sche,i Volks Partei, Dr. (Strefrmann, gerichtet, in dem sie die Einjgnngöverhandrungen als nicht nbgcbrvchen betrachtet, »nd sich zu weiteren Aussprachen geneigt erflärt Die Deutsche BolkSpartei Hal in ihrem Antwortschreiben cn die Deutschnalioimle Fraktion ebenfalls ihre Be­reitwilligkeit zu weiteren Verhandlungen erklärt. AnS Hannover wird f eriditet: Die deutsch- hannoversche Partei hat ongestchtS-ber schweren Not des Vaterlandes eine innereEinhetls- front für daS ltzebot der Staude erfiärt und fordert alle für die Partei im Wahlkampf tätigen Redner auf. sich der größten Sachlichkeit zu befleißigen und alle Schärfen möglichst zu unterlassen. Die Partei wird die rückhaltlose Unterstützung der Reichsregiernng beobachten.

Gegen die Kntentesorderungen.

Berlin, 4. Februar. (Privat - Telegramm.) Der Ausschuß für Auswärtige Angelegenheiten trat gestern vormittag zu einer streng vertrau- licken Besprechung zusammen, an der Minister Dr. Simons teilnahm. Die thüringische Land- tagssitzung in Weimar gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung gegen die Pariser Forderungen der Entente.

Proteste drr HandelZtarnnrern.

Berlin, 4. Februar. (Privat - Telegramm.) Von mehr als dreißig deutschen Handels­kammern sind bis gestern abend Protesterklä- rungen beim Reichskabinett eingegangen gegen die Pariser Beschlüsse über die Erdrosselung des deutschen Handels und der deutschen Ausfuhr.

Wettere Konjerenzen.

Die Aufgaben der Brüsseler Beratungen.

Paris, 4. Februar.

(Eigene Drahtmeldung.)

In der Handelsabteilung des französischen Außenministeriums, die bekanntlich von Seydoux geleitet wird, wurde einem Mitarbeiter derLi­berte" erklärt, die Brüsseler Konferenz habe eine ganz andere Aufgabe zu lösen als die bevorstehende Konseren, in London. Sie soll Deutschlands Leiftungsfähigkrit unter- suchen und auch die Gesamtschuld feststellen, ferner bestimmen, wie Detschland seine Berpslich- tnngen in Naturalien und baten Zahlungen er­füllen könne. Die Arbeiten seien übrigens weit genug vorgeschritten, um auch ohne Mitwir­kung der deutschen SachversLändigrn erledigt werden ,u können. In Brüssel werden in den nächsten Tagen die Derhandlungen über das Ausgleichverfahren wieder ausgenommen. Die deutschen Vertreter sind bereits abgereifl.

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Eine zwecklose Tagung?

Paris, 4. Februar. (Eigener Drahtbericht.) DerTcmps" meldet, daß die Einladung an die Deutschen bereits vor Ueberreichmrq der Entente- notr ausgesprochen worden sei und daß nur noch der Termin der Sonbonct Tagung bett Deutschen nach seiner Festsetzung bekannt zu ma­chen sei. Der jetzt offiziöse Tempo schreibt zu der Debatte im deutschen Reichstag, sie werde nichts mehr an den Pariser Besprechungen und

Beschlüssen ändern, die diesmal unabänder­lich seien Man werde sie aber bereitwilligst den Deutschen in London erläutern.

Seine MlSemng?

Erklärung des Ministerpräsidenten Briaud. (Eigener Trahtbericht.)

Paris, 4. Februar.

In seiner Erklärung über die Resultate der Pariser Konferenz, die der französifchr Minister- prästdent in der gestrigen Kommersitzung abaab, bezeichnete er die Entwaffnung Deutsch­lands als die Lebensfrage für Frankreich, die zu seiner vollen Zrtfriedenheit gelöst worden sei. Tie Erledigung der WiedecautmachungSfrage sei mit einem Maß an Sicherheit und Recht er­folgt. fo daß ein Hintergehen (?) mm Deutschland unmöglich gemacht worden sei. Die Antwort der deutschen Regierung an bte Entente in der RepcrrationSfrage soll erst Mitte nächster Woche nach Paris abgehen. Tas Reichskebinett beschloß in feiner gestrigen Sitz zung, alcichteitig mit der Erwiderung die deut­schen Gegenvorschläge in Paris zu überreichen.

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Man rechnet mit einem Diktat.

Berlin, 4 .Februar. (Privat - Telegramm.) Die auswärtige Lag» ist auch noch der Rei-bs- tagsauSsprache unverändert. Der festen Hal­tung des Auswärtigen Amtes steht die schrof­fe Haltung der Entente gegenüber, die weder über die Gesamtzahlungen, noch über Vic Ententekontrolle Verhandlungen mit Deutsch, kand anfnehmen will. Die Absage der Brüsseler Konferenz hat die Lage für Deutschland weiter kritisch gestaltet. In den Berliner parlamenta­rischen Kreisen hat mim jede Hoffnung auf eine Verständigung aufpegebru und macht sich aus ein Diktat der Entente gefußt.

Veschräukunq unserer Selbständigkeit.

Paris. 4. Februar. - (Eigene Drahtmeldung ) Die WieveryutmachnngLkommisston ist am 2. Februar in Paris zufammengetreten. Sie hat von den Beschlüssen bet Pariser Konferenz Kenntnis genommen und sich in der allgemei­nen Aussprache für die Beschränkung der deutfchen Selbständigkeit zu Gunsten der Reparation erklärt. Beschlüsse wurden nicht gefaßt und die Sitzung vertagt.

Äa6ienausnlSa5etaag.

Wie nufere Kohlen verteuert werden.

(Privot-Telegramm.)

London, 4. Februar.

In bet Dclegietten-Konsetenz des britischen Bergarbeiterblindes erklärte der Leiter des Be­zirks vou Südwalcs, James Winston, daß Frankreich einen Teil der deutschen Kvh- lenlieferungen an Deutschland zurück- verkaufe. Rach den Bedingungen von Spa habe Deutschland jährlich on Frankreich sechS- »ndzwanzig Millionen Tonnen jährlich zu kie­fern. Bor dem Kriege habe sich der britische Ex­port nach Frankreich aus jährlich dreizehneinhalb Millionen Tonnen belaufen. Frankreich bezieht also jetzt dreizehnundeiuhalb Millionen Tonnen mehr als vor dem Kriege, wobei aber in Betracht gezogen werden muß, daß es noch längerer Zeit bedarf, bevor die Kohlcndistrikte wieder den nor­malen Betrieb aufnehmen können, Winston er­klärte, er habe Informationen, daß deutsche Kohle mit der Eisenbahn nach Frankreich kommt und danach an Deutschland zurückver­kauft werde, ohne den Wagen zu verlassen. (!)

Deutsche Kohlen für Ungarn.

Budapest, 4. Februar. (Eigene Drahtmel- dung.) Die Wiedergutmachungskormuission hat die ungarische Regierung verständigt, daß in­folge ihrer Anfrage in Paris zwanzigtanfend Tonnen deutfche Kohlen für den Mona! Februar nach Ungarn ü&e.wiefen werden, die von Kattowitz dorthin verladen werden. Auck) größere Mengen Koks muräeu .zugesichert-

Brbeits-ZeMMluirg.

Arbeitsnachweis und Presse.

SofratSr- filau« 93uftt,mcnr.»»ceinßabt 6ct flitz mit dem ArbeltSvermittlriuaCwe bcfOtäftigt. Er kommt im nachstehend ^ri Aniscrtz zrr dein Er- gebnio, datz neben 6cm Arbeitsnachweis auA da« 3eitaing6inferat bestehen bleiben mutz.

Zentralisierung. Monopolisierung, Soziali- sieruna: drei Blinkfeuer in finsterer Rächt, die uns die Richtung aufzeigen wollen aus schwerer See nach dein Hafen wirtschaftlicher Sefunbuttg und sozialen Friedens. Aber ob wir diesen Kurs tveuden halten können? Ob nicht der Sturm unser Schiff/verschlagen und es nur auf wei­ten Umwegen dem erstrebten Ziel ganz langsam näher kommen lassen wird? Niemand vermag das vorauszusagen, denn unser Schicksal bestim­men letzten Endes höhere Mächte, nicht wir. Und doch, das erste Feuer ist schon erreicht, dem zwe>- tat sind wir nickst mehr allzu fern. Mehr als

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Zeichnet Grenzspende!

Annahmestelle:

Geschäftsstelle dieser Zeitung.

raraKsanassam je zuvor -wird zurzeit bei uns organisiert, zen­tralisiert, bureankratisiert; ja, es hat fast den Anschein, als ob der von den Nöten des Krie­ges und feinen Folgen diktiert gewesenen Zwangswirtschaft überhaupt keine letzte Stunde schlagen werde. Allein, Zwang ist immer ein zweischneidiges Schwert, das sich leicht gegen den kehrt, der es führt. Jetzt liegt dem Reichs­rat ein R e g i e ru n g s e u tw u r f für ein Ar­tz e i t s n a ch w e i ö g e s e tz vor. Im Folgenden foll nun lediglich vom Monopol nnd den Mitteln zum Zweck die Rede feilt Ter .Mel­de z w a u g", so annehmbar er auf den ersten Blick erscheint, ist wirtschaftlich nicht ohne große Gefahr infofern, als durch ihn der Arbeitgeber, besonders wenn es sich um kleinere Unterneh­men handelt, oder wenn ans Konkurrenz grün­den die zu vergebende Stelle unbedingt geheim gehalten werden muß, von der Besetzung abgo schreckt Wird. Ganz entschieden abwegig wär« einÄnnahmezwang", dessen Befürwortung nur aus dem Streben nach Gewinnung der vollkom­mensten Gewalt Über die Arbeiter sich erklären läßt. Dieser Zwang würde nicht nur auf beiden Seiten als entwürdigend und unerträglich emp- ftmden werden, sondern sick) auch als ein Hinder­nis im Fortschritt der Produktion und des Wirt­schaftslebens überhaupt erweisen. Der Regie- ningsentwurs des ArbeitsnachweiSgefetzes ent­hält sich deshalb Wohlweislich einer derartigen Zwangsvorschrift, ja er bestimmt ausdrücklich, daß die Vermittlung unparteiischunter Berück sichtigung der Wünsche des Arbeitgebers und der Eignung und Familienverhältnisse des Arbeitnehmers" zu erfolgen bat. Dabei muß es bleiben.

In der Monopol-Frag»

ist die Meinung selbst bei den Gewerkschafter! einstweilen noch stark geteilt. An praktischen Ver­suchen in dieser Richtung hat es inzwischen nicht Mehlt. In Jsayern erhielten die öffentlichen Nachweise schon am 29. November 1918 das Mo- nopol, indem durch Verordnung des Staatskom- missarS für Demobilmachung aller gewerbsmäßi­gen Vermittlung der Betrieb vorübergehend nn- terfacf wurde. Württemberg folgte Ende 1919 dem bayerischen Beispiel, sah sich aber schon nach einem Vierteljahr veranlaßt, die Neuerung, mit der selbst die Arbeitnehmer-Organisationen nicht znsrieden waren, wieder rückgängig zu machen. Auch das Reichsarbeitsministerium sieht in sei­nem Gesetzentwurf von der Monopolisierung und damit von einem Verbot des Stellenmarktes in der Presse noch ab, beschränkt sich vielmehr auf ein» Verbindung aller vorhandenen Formen nnd weitestgehende Zentralisierung der Dtbeitsver- mittlung, unter vorläufiger Duldung, bis 31. Dezember 1930, auch der gewerbsmäßigen Stel­lennachweise. Gerade deshalb aber genügt der Entwurf den radikaleren Reformern nicht. Mit guten Gründen verlangen sie, daß die Verwor­renheit auf dem Gebiete des Nachweiswesens und der Wettbewerb zwischen den verschiedenen Vermittlungsstellen anHören sollen; wenn sie zu den letzteren aber neben der gewerbsmäßigen Stellenvermittlunq und dem Arbeitsnachweis in allen möglichen Formen und Schattierungen an erster Stelle auch das Zeitungsinseral zählen, fo über sehen sie einen wesentlichen Un­terschied.

DaS Zcittrngs-Inserat

ist keine eigentliche Vermittlung, die Zeitung ver­schafft nur dem Stellenangebot ober -gesnch eine weitgehende Verbreitung.' Es wird durchaus keine Zwischoninstanz eingeschaltet. wie dies bei den Vermittlungsstellen der Fall ist. die Wirkung der Asizeige ist daher auch nicht abhängig von