Meier Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 27
Mittwoch, 2. Februar 1921
11. Jahrgang
Fernsprecher 961 ttn> 951
Fernsprecher 951 und 951
Vie Wirkung der Variier Veschlüsse
Die Sitzung des Aussckuffes für auswärtige
frage hingewiescn wird. Jedenfalls verlangen Angelegenheiten findet heute mittag statt.
die Unabhängigen unter allen Umständen Verhandlungen zum Versuche von Abstrichen, da sie das Ententeprogramm trotz des tzinweises auf d!e Einigleit der Pariser Beschlußfassung nicht für unabänderlich halten. Die Deutschnationalen lehnen das Pariser Programm und selbst Verhandlungen auf seiner Grundlage ab. Im allge. meinen ist die Lage noch wenig geklärt, da die Entscheidung der Regierung noch aussteht. Heute soll eine Kabinettssitzung unter Hinzu- ziehng der Parteiführer stattfinden.
Die Raffelet Neuesten Tiachrlchten erscheinen wöchentlich sechsmal und paar ab,,»«. Der dlbonnernenispreis beträgt monatlich 6.00 Tiart bet tretet Zustellun, M Heu« CaO. »art« durch die P»N belege« 6M Start monatlich einschließlich Zustellung. Bestellungen »erden jeSerjett den bet Seschüstrstelle oder den Beten entgegengenemma*. Sruderet, «erlag «nb Kebattten-, SchlachtheMraße W/M. Für unverlangt etngefaabte Beiträge taen die «tebattten eine Berantieortuag ober «nuühr in keinem Falle übernehme». Itückzahlung bei »«»»gOgelbei Ober »nsprüche «egen etwaigernichtordnungrmäbiger Lieferung au«getchlosten.
Annahmestelle:
Geschäftsstelle dieser Leitung-
3nfertton«pretfe. e) Einheimische Catträge: Die einst,attig« Unzeigen-IeUe 91. 1.00, die elafpalttg« Reklame,eil« M. X50. b) Auswärtige aufträge: Die einspaltige Anzeigen,eile M. 1.10, bte einsaitige ReNamezeile M. 2.76. alle« einschließlich Teuernnqs^ischlag und Cnietgenfltuer. Für Anreigen mit betonter« schwierigem Sa» hundert Prorent Ausschlag Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher ausgegebenen Anzeigen. sowie für Ausnahme- baten and Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werben. — Druckerei: echlacht- hosftrahe »130. Geschäfts siele: USlnische Strafte 5. Telephon Kummer 951 und »62.
Regierungsparteien und Sozialisten.
Berlin, L Februar. (Privat - Telegramm.) Geyern abend sanden Fraktionssitznngen aller Parteien statt. Die Stellungnahme des Kabi- nctts und der Loalitionsparteien steht in jeder Beziehung fest. Die Dcuschnationalen werden im Reichstage beantragen, daß auf die Entente- fordcrungen ein glattes Unannehmbar gegeben wird. Die Mehrhettssozialisten werden in der Reparationsfrage mit den Re- gicrungs Parteien zusammengehen. Die Gerüchte vom Rücktritt des Außenministers Dr. Simons bezeichnet er selbst als Unsinn.
Sitte nationale Einheitsfront ?
Verhandlungen zwischen den Parteien.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 1 Februar.
Rach Beendigung der gestrigen Reichstags- sitzung fanden während des ganzen Nachmittags und Abends eingehende Verhandlrmgen zwischen den Parteien über die Pariser Entente- Beschlüsse statt. I« der Fraktion der Deutscksen Bollspartei wurde insbesondere die Bildung einer nationalen Einheitsfront von den Deutschnationalen bis zu den Sozialdemokraten, die zweckmäßig auch in der Kabinettsbil- düng zum Ausdruck zu bringen wäre, zum gemeinsamen Widerstand gegen die Pariser En- tentebeschlüffe erörtert. Entsprechende Beratungen zwischen den Parteien finden heute statt. Gestern nachmittag trat das Reichskabinett nochmals zu einer Sitzung zusammen, um sich mit bett durch die Ententenote geschaffenen Lage zu befas. sen. Wie der Lokalauzeiger von zuverlässiger Quelle erfährt, herrscht innerhalb des Reichs- kabinettö Einmütigkeit darüber, daß der Vorschlag der Entente in der RrparationSsrage für Deutschland undiSkutadel ist.
Tragt Euch in die Listen ein!
Dank der treuen Arbeit der Otts-, 2$ejltfS* und Laüdesgruppen der Vereinigten Verbände Heimattreuer Oberschlosier und der Mithilfe vieler deutscher Dlanirer und Frauen gehen die t«Mischen Vorbereitungen für die Ab. stimMung rüstig vorwärts. Schon heute ist di« Mehrzahl der erfaßten oberscülesrschen -Stimm« berechtigten in die Stimmlisten eingetragen. Tausende von Anträgen lausen täglich noch ein, aber viel ist noch zu tun Noch gibt eS laue und verängstigte Landslettre. die bisher keine An» träge gestellt haben OberschLfier und deutsch« Volksgenossen, nehmt Euch dieser Landsleute an und sorgt dafür, daß sie sofort di« OrtS» grupven der V. V. aussuchru, um fort ihren Antrag ordnungsmäßig auszufüllen. Dir Reichsregierung kann nur dahin wirken, daß in Obec- chlesien geordnete Berhälrniff« herveigesüchtt werden. Ausgabe und Pflicht der abstirmmrugs» berechtigten deutsch/en Bevölkerung ist es, den Sieg für Deutschland durch den Stimmzettel selbst zu erringen. Reichsminister Dr, Simosrs betonte in einer Ausspruche am 25. Ja» nucr: .Wer die rcchWoriige Anmeldung Mr Em»
Berlin, L Februar. (Pttvat-Telegrauvm.) Wie immer an Krisenlagen war der Reichstag gestern eine Brutstätte phantastischer Gerüchte. Eine dieser Meldungen besagte auch, daß Dr. Simons als Reichsministcr des Aeutzern zutticktreten werde. Dr. Simons wird sich aber in der gegenwärtigen Situation der Verantwortlichkeit und Mitwirkung an einem Einheitskabinett nicht entziehen. Für seine Unentbehrlichkeit sprechen entscheidende außenpolitische Gründe und die Tatsache, daß er einer der wenigen verantworüichen Politiker ist, die alle Au- sammerchänge klar überblicken können. In allen Parteien konnte man die Ansicht sestftcllen. daß für die Verwirkliästtug eines Einheitskabinetts keine Aussichten bestehen. Die Regierungspar- leien wünschen indessen einmütig eine Erweiterung des Kabinetts. Eine Einigung darüber mit den Mehrheitssozialisten, die zuerst vor die Frage gestellt werden müssen, ob sie sich an der Regierungsbildung zu beteiligen gedenken, ist aber noch nicht erreicht. Fest steht, daß ein erheblicher Teil der Mehrheitssozialisten von der Notwendigkeit überzeugt ist, daß wähl- taktische Erwägungen ans Berantworttichkeits- gefühl zurückgestellt werden müssen.
MWeßkMO dkM Mstl I Zeichnet Grenzspendei
Dauersitzungen.
Berlin, L Februar. (Privat-Telegramm.) Neber die gestrige Dauer-Sitzung des Reichs- kabinetts wird gemeldet: Die Sitzung des Kabinetts dauerte von 2 bis 9/ Uhr. Beschlüsse wurden noch nicht gefaßt, doch besteht innerhalb des RcichSkabinetts Einigkeit darüber, daß der Vorschlag der Entente in der Entschädigungsfrage für Deutschland abzulehnen ist. Man will aber Verhandlungen auf anderer Grund- ,age einleiten. Heute vormittag verhandelt Reichs-Außenminister Dr. Simons im Auftrage des Kabinetts mit den Parteifüh- re r n. um Einigkeit unter ihnen herbeizuführen.
lPrivat-Tclegramm.)
Berlin. 1 Februar.
Die Ergebnisse der Beratungen während des gestrigen Nachmittags und Abends lasten sich dal,in zufmumenfaffen, daß in der gegenwärtigen Lage die Regierungsparteien und die Mehrheitssozialisten einig in der Ab- lehnung de: Pariser Beschlüsse sind. Die Haltung der Unabhängigen ist abwartend. Ein Teil der Unabhängigen versucht eine Schuld der Regierung künstlich zu konstruieren, indem ans das Verhalten der Regierung zur EntwaffnungS-
9er MMarden-Wahn.
Deutschland untrem Joch.
Die Franzosen jubeln. Ihre Erdrosse» lungs Politik hat auf der Pariser Konferenz gesiegt. Das waffenarme Deutschland soll noch mehr entwaffnet werden Und das geld- arme Volk soll Milliarden bezahlen, die es nicht hat- Ueber zweihundert Milliarden in Golio- mark, außerdem Kohlen und anderes werden gefordert. . In dem Pariser Bericht steht unter anderem: „Trotz der hohen Zahlen des gegenwärtig ausgeliefetten und zerstörten Kriegsmaterials muß die Entwaffnung fortgesetzt werden. Insbesondere ergeben sich be-> deuren'de Ueberschüsse dadurch, daß mit der Ver- minderuug aus die Hundcrttausend°-Mann>-Hee- resstärke die Äblieferring des dieser Verminderung entspreclzenden Matettals nicht Schritt ge-- haLen hat und große Tiengen Material bei den Truppen in den Depots und Arsenalen sich an» gehaust haben Insbesondere verlangt die deutsche Regierung als Ersatzmaterial oder als Uebungsmaterial Quantitäten zu behalten, welche die im Vettrag festgesetzten weit überschreiten. Schließlich befinden sich noch zahlreiche Waffen in den Händen der ZitzibbepWerung. Auch die Entwaffnung der Festungen ist nicht erfolgt, wie es die Alliierten verlangt haben." — Wenn man so etwas liest, muß man glauben, daß die Alliierten, insbesondere die Franzosen, an Verfolgungswahn leide» Deutschland ist so wehrlos, daß es kaum imstande ist. die Ordnung im Innern aufrecht zu erhalten. Eine ebenso kranlhafie Erscheinung ist die Milliarden- Forderung, die sogar von England gutgeheißen wird. Är, diesem Fall ftacn man wieder die englische Heuchelei erkennen, die fdjöne Worte zugunsten Deutschlands 'fand, aber zu ^Frankreichs Gunsten handelt.
In Boulogne, wo damals die Staatsmänner der Alliierten unter sich waren, hatten sie sich darauf geeinigt, daß Deutschland eine Kontribution von siwfdun.dsschz.ig Milliarden Gold- matt aufbringen solle, obwohl schon damals Sackwerstandige der Alliierten daraus hrnwiesen, daß kein Land, am allerwenigsten eines, das einen vierundeinhalbjährigen verlustreichen Krieg hinter sich habe, eine solche Kontribution aufbringen tonne. Seitdem aber hat der Z ah le n- rausch allgemein eine Steigerung erfahren, so daß er jetzt beim ausgesprochenen Milliar - den betirium angelangt i{t lieber dir Summe von hundert Milliarden, mit der längere Zeit jongliert wurde, kam man zu 15b. zu 160. M 200 Milliarden Und jetzt haben die Alliierten in Paris feierlich ein „Zahlungssystem" beschlossen, das einigermaßen an die Geschichte von dem Erfinder des Schachspiels erinnert, her von dem Schah angeblich für ,edes Feld eine Verdoppelung der Grundgebühr verlangt Haden toll, wobei sich herausstellte, daß alle Reichtümer des Schahs nicht zur Zahlung hin- iridrten Dies Ergebnis wird sich auch bei dem in Paris beschlossenen Wiedergntmachuugs- ihstem Herausstellen, das .bescheiden" mit drei Milliarden Goldmatt jöhrüch beginnt, bann auf vier, fünf Milliarden steigt, um den Beharrringszustand von je sechs Milliarden jährlich zu erreichen. Wohl gemerkt, nicht die deutsche Papiermatt, sondern die Matt tu dem Gold, das toir nicht mehr haben.
Es hat keinen Zweck, über solche Zahlen zu streiten, die kein Sachverständiger erirst nimmt. Run soll ja freilich am 28. Februar in London eine neue Konferenz zusarnmentreten, zu der bie_ deutschen Vertreter ungeladen werden. Man könnte meinen, daß in London vielleicht eine nüchternere Stimmung herrschen wird als in Paris, aber nach den Darlegungen und Beschlüssen von Paris ruht eine solche Hoffnung nur auf sehr schwachen Füßen. Hat doch der Finanzminister Domner unter Zustimmung der Alliierten achtundvierzig Milliarden Golvmatt als Entschädigung für den Wiederaufbau Frankreichs und vierundfünfzig Milliarden Mark für Pensionen gefordert, während der Engländer Keynes die Kosten für den Wiederaufbau mit zehn Milliarden unb den Gesamtverlust Frankreichs mit sechzehn Milliarden eingeschätzt ha:. Daß -Frankreich Wucherforderungen stellt, geht am deutlichsten daraus hervor, daß sein Ge- famtvermögen vor dem Kriege aus zweihundert Milliarden Francs .gleich einhundertundsechqrg Milliarden Goldmatt, geschätzt wurde Man hat eben den Franzosen das Wort .Deutschland wird alles bezahlen" so lange eingebämmcrt, daß di-- .deutsche Subvention" zu einem Fettffch geworden fst.
Es wird nunmehr die Ausgabe der deutschen Sachverständigen sein, nochmals den Alliierten zu erklären, daß diese Entschäbigungssorderün- äen, die das ©efamttoerm5 gen und die Lefftrmgs- fälhicckett bes beutscken Volkes weit Wettteigen, lediglich als Wahnsinn anzusprechen sind. Selbst ein siegreiches und reiches Land könnte Summen, die sich auf Über zweihundert Milliarden Pa- piettnatt belausen. niemals aufbringen, ge-
FMetzung der Antwort. DaS ReichSkadinett beim Reichspräsidenten.
(Privat-Telcgramm.)
Berlin, L Februar.
DaS Reichskabinett tritt heute zu einer neuen Gesamtsitzung beim Reichspräsidenten Ebert zn- sammen. In biefer Sitzung wirb bie Euscheibung des Kabinetts auf die Enteutebeschlüsse in Paris fallen. Auch der deutsche Botschafter Mayer nimmt an der Kabinettsitzung teil. Nach Erklärungen des Reichsministers Dr. SimonS auf dem Presseball am Sonnabend abend sei es für ihn ausgeschlossen, baß er sich freiwillig derartigen Beschlüssen per Entente unterwerfen würde. — In Berlin ist man über den Verlauf der Pariser Verhandlungen eitttänscht. Führende Parlamentarier der Zentrnmspartei sprachen am Montag früh beim Reichskanzler Fehrenbach vor. Der Kanzler erklärte bie ihm bekannten französischen Forderungen als vollständig n n - diskutabel und die Beschlüsse über die deut- scheu Goldzahlungen alsZahlenwahnsiim.
Maßnahmen hi Sberschlefiev.
Sicherung durch engkisch-italrenksche Truppe«.
«Siaener Bericht.)
' Kattowitz, f. Februur.
Dl« MtfmettsanÄrit, die das Ausland den unsicheren Zuffründen in Oberfchiesien zngswanbt hat, hat bereits ihr« Wirkung gezeigt. Die Interalliierte Kommission hat sich W energischen Eingreifen entschlossen. Die Waffen kov» trolle auf den Bahnen ist verschärft worden. Patrouillen tontrotocren nachts auf den Stta» ßeu fahrende Autos und wtterstlchen fi« nach Waffen. Selbst bas ^Hotel Srmmitz", baS Haupt, guartier KoufantyS, ist biefer Tage nach Waffen durchsucht wvvdsn. Auch bei Sitz der Vereinig»
WWW W «MW iO MO.
Dringliche Beratung in der Regierung. — Stellungnahme der Parteien.
ten Verbünde Hermatrreuer OberschLesier tu Kattowitz wurde tontroliiert. BÄ HochzeitS- feiem werben die anwesenden Gäste stets durch die Polizei mäh Waffen untettucht. Patwuillen kontrollieren täglich bie Kaffees unb Wirtschff- ten und es ist mehrfach gelungen, eine größere AnzwU unsicherer Elemente festzunehmen. Die Wirkung dieser Maßnahmen fft dir. daß M- nächst bie
öffentliche Sicherheit zu genommen hat. Die Bevölkerung hat sich inzwischen beruhigt. Ein Unrecht bilbet auch heute noch bte falsche Zus armnensetzung der Avsünmrungspo- lizei, die diese Truppe für bea Ernstfall völlig attionsuniAhig macht. Schon heute verraten bie polnischen Beamten ben Polen alle Amtsgeheimnisse. Di« JnteraWierie Kommission sollte besser ans die nötige Schulung her Beamten achten Ein Uebelftand ist noch immer die offene polnische Grenze, bte allerdings in letzter Z eit stärker, aber noch nickt ans reichend bewacht wird. Es ist zn hoffen, daß die ange» kündigten englisch-italienischen Truppsnverstär- tungen nrögNMt bald eintreffen. Die Bevölkerung setzt große Hoffmtngen auf sie und die polnischen Banden sürclsten niemand mehr als bie engjüschen und italienischen Soldaten. Die GrenzabsPerrurtg wird, wenn sie energisch durch» geführt wirb, bie völlige Beruhigung der vRlerung herbei führen.
schweige denn ein geschrcigeneS. ausgepDnherteS, feiner Kolonien und Kohlen, seiner Schiff« und wertvoller Gebietsteile bermibtes Land. Mau hat uns für beit Fall, daß wir nicht zahlen, mit der Beschlagnahme der Zolleinuah» men gedroht. Aber die Alliierten werden, wenn sie unsere Zollamt« besetzen, die Ettah- rmtg nmchen, daß in ein offuptertes, zwanas» verwaltetes Deutschland niemand etwas einführen würde, wobei noch zu bemetten ist, daß TentsMänd nur Lebensmittel mti> Rohstoffe im« pwMert, die es brauckfi, damit das deutsche Volk uwd die brutsche Industrie arbeiten tonnen. Die Wiedergutmachung wird durch die Forderungen und ZwwnaSmaßitaHmeu! der Alliietten völlig sabottert. Wenn in Brüssel und London nicht eine gründliche Revision der Pariser Beschlüsse erfolgt, dann wird sich das deutsche Volk in rückhaltsloser Einigkeit auf den Standpunkt stellen, den der Außenminister Dr. Simons erst vor toentgeit Tagen in bte Worte gefaßt hat: Ein unbilliges Diktat ist einer unerfiiWoren Verpflichtung vorzuziehen!" Dr. P,
Unsere Schiffe und Flugzeuge.
Berlin, 1. Februar. (Privat - Telegramm.> Die meisten Forderungen der Entente sind nach dem Friebensvertra« unberechtigt. Sogar alle Marinepläne unb Karten sollen abgeliefert werden. Der Umbau der Kriegsschiffe unb Handelsschiffe ist bis auf ein einziges in Angriff genommen, ebenfo die Zerstörung der U-Boote. Die geforderte Auslitterung und Ber- Minderung cntfpricht nicht dem Friedensvertrag. Tie deutsche Anregung, die Armierung auszulje- fent, wenn sie auf Reparationskonto angerechnet wird, ist unbeachtet geblieben. Deutschland hat im Kriege 46 000 Flugzeuge gebaut. 27 000 sind verschrotet worben. Eine ungeheure Menge von Flugzeugen ist beim Rückzug unb später verloren gegangen. Andere große Mengen sind ausgeliefert worden. Obwohl nach dem Frie- bensverttaq ber Neubau von Flugzeugen mir für drei Monate zu im ter bleiben hat, verbietet die Entente auch weiterhin ben Neubau An zuständiger Steve sieht man in den Pattser Beschlüssen eine Rückkehr zu den Bon- logner Vereinbarungen.
(Huie in her Ablehnung.
Ergebnis der gestrigen Parteiberatnage«.
VSllige WehrloSmachuug.
Berlin. 1. Februar. (Privatttteyramm.) Der außerordentliche Ernst der Lage infolge der En- tente-Forderunarn ergibt sich schon aus dem Umstand, daß sämtliche Fraktionen deS Reichstages biS spät in die Abendstunden getagt haben. Die Sitzung des Reichskabinetts bauerte bis kurz vor neun Uhr. Die habet gefaßten Beschlüsse sind noch nicht bekannt Von zuständiger Stelle wird mittet eilt: Dio Forderungen bezüglich der Entwaffnung gehen weit über ben Frtedensvertrag hinaus. Die Ablieferung unb Zerstörung unseres Kriegsmaterials ist ziemlich weit vorgeschritten. Was noch vorhanden ist, sind Rückstand«, aus denen eine Auswahl für die Reichswehr vorgenommen werden soll. Deutschland hat bezüglich ber ost- preußischen Grenzwehren darum nachgesuckt, baß kein fester Termin für bie Auslieferung ber Bewaffnung vorgesehen werde, bevor nicht der Krieg zwischen Polen und Rußland vollständig beendet ist. Der jetzt festgesetzte Termin bedeutet ein Hinweagehen über dos deutsche Ettucheu. Die Festung Königsberg mit ihrer langen Landfront darf nur zweiunbr>wanzig Geschütze behalten, bas heißt: auf neun Kilometer kommt nur ein veines Geschütz.