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Meier Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

Sonnabend, 22. Januar 1921

11. Jahrgang

Nummer 18

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952.

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Erneute Stellungnahme gegen Deutschland

Ile Schuldeuzahlmg.

DaS fünfjährige Provisorium.

Der Versailler Vertrag bestimmt, daß die Ge­samtsumme der von Deutschland zu zahlenden Entschädigungen spätestens am 1. Mai 1921 festgesetzt werden müsse. Um dieser Forde- lung zu genügen, finden feit Wochen zwischen den beteiligten Parteien Besprechungen statt, die zu­letzt in Brüssel tagten und dort binnen kurzem fortgesetzt werden sollen, vermutlich allerdings nicht früher, als bis unsere Verhandlungsgegner über den Deutschland vorMschlagenden Zah­lungsmodus ins Klare gekommen sind. Zwei grundsätzliche Auffassungen stehen und standen sich bisher gegenüber: entweder die Summe, die Deutschland zu zahlen hat, wird cm dem ver­traglich festgesetzten Termine ein für alle mal bestimmt, oder aber, es wird ein soge­nanntes Provisorium geschaffen, das Deutschland einstweilen nur für eine bestimmte Reihe von Jahren verpflichtet, und nach Ablauf dieser Frist wird der endgültige Restbetrag der deutschen Schuld und die Art seiner Tilgung fest­gelegt. Ein dahiuzielender, das heißt also ein Provisorium versehender Vorschlag von framösi- scher und englischer Seite liegt zurzeit der Ber­liner Regierung vor. Es handelt sich um ein Provisorium von fünf Jahren, während deren bestimmte Raten zu tilgen wären. Tie Pariser offiziöse Presse ist bereits vor einiger Zeit mit derartigen Gedankengängen an die Oesfentlichkeit getreten, verschiedene begleitende Erörterungen legten aber die Vermutung nahe, daß es sich mehr nm einen von unberufener Seite stammen­den Fühler alS um ein wirkliches Angebot der alliierten Regierungen! handeln rennte. Gegen die letztere Annahme sprach vor allem die in dief.m Presseauslassungen wiedergegebene Zumutung an Deutschland, während dieser ersten fünf Jahr? zunächst einmal jährlichdrei Milliarden Goldmark zu zahlen. Diesen Vorschlag tonn niemand in Deutschland ernst nehmen, und matt kann sich kaum denken, vaß er bei Frankreich und noch viel weniger bei England ernstlich in Erwägung gezogen werde.

Das Interesse, das man in Frankreich der ratenweisen Festsetzung der deutschen Entschävi- gungSsumme entpegendringt, erklärt sich daraus, daß man sich schon heute darüber klar ist, Deutsch­land werd« und könne nicht die ungeheuren Summen erstatten, die die französischen Natio­nalisten, zumeist ans innerpolitischen Gründen, 'hrem erwartungsvollen Volke vorgerechnek ha­ben. Andererseits will man umgekehrt einen Sturm der öffentlichen Meinung Deutschlands vermeiden, wenn aus einmal eine allzu hohe Zif­fer als Wiedergutmmhungs - Leistung genannt wird In Deutschland ist die Meinung hinsicht­lich der Erledigung der Festsetzung der Schuld­summe geteilt. Grundsätzlich steht vor allem die deutsche Industrie auf dem Standpunkt, der ge­samte Entschädigungsbetrag mässe dem Vertrage entsprechend sofort und endgültig bezisfen werden, da gerade die Unsicherheit, die hinsicht­lich der uns auf.'.u er legen den Verpflichtungen be­stehe, die Hauptschuld an der Schwierigkeit un­serer wirtschaftlichen Wiederaufrichtung, beson­ders an dem verzweifelten Stande unserer Va­luta, trage. Andere Kreise sähen wiederum eine Verschiebung der Festsetzung nicht ungern, weil gerade unsere schlechte wirtschaftliche Lage, wie sie augenblicklich ist, einen zutreffenden Ueber­blick über unsere LeistnngSsähiakeit nicht gestat­tet, während andererseits eine Besserung unserer Verhältnisse auch eine im Jntersse unserer Geg­ner liegende umfangreichere Wiedergutmachungs­leistung möglich machte.

Die deutsche Regierung scheint grund­sätzlich gegen eine spätere Festsetzung der Schuld­summe nichts einzuwenden tu haben, verflicht aber eine Annäh erung beider Stand­punkte. und zwar unter der Voraussetzung, daß Deutschland durch Erhaltung Oberschlesiens, durch Sicherung des deutschen Eigentums im Auslände, durch Milderung der Desatzunaskosten. Gewährung unbedingter Handelsfreiheit und Zurversüglmgstellunq ausreichender Tonnage die Bedingungen zu einem rascheren Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft geschaffen werden Von dem Entgegenkommen der Entente auf diese wahrhaftig nicht unbescheidenen deutschen Wünsche wird dann da? Maß unseres guten Kfl- lens abhängig sein, nach dem- die französische Presse ein so großes Verlangen trägt... Vor-- läufig wird aber von der Geaenseite wieder Ouertreiberei unternommen. Einer der neu- ernannten französischen Minister, Lo-ncheur. hat sich ja Aeuß-ruügen erlaubt, die eine Zwangs- Verwaltung Deutschlands befürworten.

Loncheur will nicht nur .das deutsche Budget in Ordnung bringen", sondern auch dem deut­schen Volke neue Steuern aufzwinoen. Er fügte Hinz«, .man werde mich für pünktlichen Eingang der Steuern zu sorgen wissen". Schließlich sprach Loucheur davon, daß Deutschland eine jährliche Leistung von zehn Milliarden Mark mifaehürdet werden könne. Außerdem sei jetzt ine .Zeit »mn Handeln" gekommen. Man kann an diesen

Auslassungen nicht vorübergehen, ohne sich auf dos ernsteste mit ihnen zu befassen. Derm Lou- cheur ist eine der wichtigsten Perfönlichleiten im neuen französischen Kabinett Immerhin bleibt noch festzustellen, ob es nur seine Privatmeinung ist, oder ob aus ihm der Geist des neuen Kabi­netts spricht Eine französische Zwangsverwal- iung wäre Deutschlands Untergang. Die Fran­zosen täuschen sich aber, wenn sie dann noch auf eine Entschädigung hoffen. Npk.

MkWeK-KS AWmmms.

Si^llrnkgnähme dsr Großindustrie.

(Vrivat-Telegramm.)

Kottewitz, 21. Januar.

Die oberschlesische Großindustrie hat zum er» stcn Male in aller Oeffentlichkeit zur Frage der oberschlesischen Abstimmung und ihrer Bedeutung für die oberschlestsche Großindustrie Stellung genommen. Es geschah dies beim Empfang der das oberschlesische Industriegebiet bereisenden amerikanischen, skandinavischen und holländischen Journalisten durch den Berg- u. Hüttenmänni­schen Verein. Der Vorsitzende des Vereins, Geh. Bergrat Dr. Williger erläuterte in längeren Aus­führungen. die später noch durch genaues Aif- fcriimaierial belegt wurden, daß Beim Uebergang der oberschlesischen Industrie an Polen nicht nur ein Rückgang der K o h l e u f ö r d.e. ruua in Oberschlesien, sondern auch ein Zu­sammenbruch der oberschlesifchen Eisen­industrie, wie schließlich auch der Kohlenin­dustrie zu befürchten fei, da Polen weder die nö­tigen Absatzmöglichkeiten für die oberschlesische Eisen- und Kohlenindustrie schaffen könne, noch der Industrie die nötigen Ersatzteile und maschi­nellen Einrichtungen und die fachmännischen Krästc zuznführen in der Lage sei.

Die polnische Gefahr.

Breslau, 21. Januar. (Privat-Teleramm) Tie Stellnngnrhme der oberichlesifchen Großin­dustriellen gegen Polen wird wie folgt begrün­det-. Es wäre nicht nur ein S ch a d e n für Ober­schlesien, sondern für Polen selbst, vor allem ein schwerer Schäden für Deutschland, das die ober­schlesischen Kohlen heute noch nicht entbehren könnte, und teEndes sogar ein schwerer Schlag für die europäische und außereuropäische Wirtschaft, wenn das oberschlesische Industriege­biet an Polen falle. Diese in aller Oeffentlich­keit gemachten Ausführungen des Geh. Berg­rats Dr. Willi«: C sind umso bedeutsamer, als durch sie von oberschlesischen Großindustriellen, soivie ihren Generaldirektoren, die bisher stän­dig abgelehnt haben, in der Frage der V-olksab- stimmung Oberschlefiens eine klare und eindeu­tig.- Haltung einzunehmen, klargestellt wird, daß die Großindustrie der Ueberzeugung ist, daß der Uebergang Oberschlesiens an Polen den Ruin der Großindustrie bedeuten würde.

3eftao6me eines Slsiisserr- Frankreich verlangte die Verhaftung.

(Privat-Telegramm.)

Stuttgart, 21. Januar.

Aus Wildbad berichtet das Neue Tagblatt, daß dort der frühere elsässische katholische Prie­ster und jetzt an der dortigen Reform-Realanstalt beschäftigte Oberlehrer Eugen Jung auf Er­suchen der französischen Regierung, die einen Antrag auf vorläufige Festnahme Jungs beim Auswärtigen Amt gestellt habe, verhaftet worden sei. Gegen Jung schwebt Beim Landge­richt Babent eine Anklage wegen Brandstiftung und Mordversuch. Tatsächlich handelt es sich aber um eine politische Verfolgung. Jung hat als deutscher Divisionspfarrer den Krieg miigemacht und nach dessen Ende für den An­schluß des Deutsch-Elsaß an DeMschland agitiert. Er ist dann aus dem Elsaß entflohen und hat in Wildbad eine Anstellung gefunden. Der Verhaf­tete hat vor dem Gericht in Neuburg die Anschul­digungen als unwahr zu Protokoll gegeben und fich der Festnahme durch die Flucht entzogen.

Eine deutsche Erklärung.

Stuttgart, 21. Januar. (Privat-Telegramm.) Halbamtlich wird erCäti: Die Verhaftung des früheren Deutsch-Elsässers Jung hat mit dem

Friedensvertrage nur insofern etwas zu tun, als Frankreich auf Grund einer Bestimmung des Friedensvertrages die Wiederinkraftsetzung des Auslieferungsvertrages verlangt hat. Nach­dem nun der Auslieferungsvertrag in Kraft ist, hat die Reichregiermig und die württembergische Regierung keine andere Wahl, als dem Verlan­gen Frankreichs nachzugeben und den strafbarer Handlungen beschuMcften Jung vorläufig festnehmen zu lassen. Eine Auslieferung an Frankreich kann selbstverständlich erst nach Eingang und Prüfung der Papiere erfolgen.

3ranf«i4s ElchkWslitik. Immer weiter gegen Deutschland.

(Eigener Drahlbericht.)

Paris, 21. Januar.

Das Ministerium Briand hat sich gestern nachmittag im Parlament mit der ministe­riellen Erklärung vorgestellt, die in der Kammer von Briand selbst, im Senat vom Mi­nister des Innern verlesen wurde. Briand streifte in seiner Erklärung alle Probleme der äußeren und inneren Politik und erklärte bezüg­lich der Ausführung des Friedensvertrages: Wir haben einen Vertrag mit Deutschland, aber wir haben noch keinen Frieden, feinen wirklichen dauerhaften und soliden, der die Si­cherheit Frankreichs (?) garantiert. Wir werden diese Sicherheit erst erhalten, wenn Deutsch­land entwaffnet (!) fein wird. Dies ist eine Lebensfrage für uns alle. Die Rückkehr zu einem normalen Warenaustausch ist nur dann möglich, und das Mißbehagen, das auf uns allen lastet, kann nur dann zerstreut werden, wenn die von unseren Gegnern verübte Ungerechtigkeit (!) wieder gutgemacht wird. Deutschlands Fabriken sind nicht zerstört, feine produktiven Kräfte sind imokt geblieben. Selbst die Bewegung des Wechselkurses, die seine Niederlage mit sich ge­bracht hat. eröffnet ihm die Hoffnung auf feine wirtschaftliche Wiederaufrichtung.

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Anwendung von Gewalt.

Paris, 21. Januar. (Eigener Drahtbericht ) Die Stellungnahme des Kabinetts Briand gegen Deutschland kommt auch in folgenden Wendun­gen der Regierungserklärung zum Ausdruck: Der Gegensatz zwischen dem« heutigen Wohlstand des deutschen Volkes. (?) das der Angreifer (?) war, und dem Ruin des siegreichen Frankreichs (!) bleibt eine scharfe Herausforderung der Gefühle unserer Nation. Wir haben die Gewalt in Hän­den und wir werden uns ihrer zu bedienen wis­sen, wenn es fich darum handelt, die Beachtung der unterzeichneten Verpflichtungen durchzm'etzm. Frankreichverlangt, was man ihm fchul- dig ist. Es verlangt nichts Unmenschliches. Wir mässen schon jetzt Wert darauf legen, daß alle Zahlungs Möglichkeiten des Gegners in Bar und in Waren in Anspruch genommen und zugunsten des Gläubigers ausgenutzt wer­den. Das ist nur Gerechtigkeit. Es ist unser? An­sicht, daß dieses Ziel nur durch volle Eintracht unter den Verbündeten erreicht werden kann Wir werden alles tun, um diese Eintracht auftechk zu erhalten uund weiter zu entwickeln, und wir ha­ben auch die feste Zuversicht, daß unser großer Freund und Verbündeter England uns darin mit allen Kräften unterstützen wird.

Keine militärische Schwächung.

P a r l 8, 21. Januar. (Eigene Drahtmeldung,) Das enge Bündnis mit England ist die Grund­lage der französischen auswärtigen Politik. Nach­dem Briand die guten Beziehungen zu Ita­lien und den Bereinigten Staaten in seiner Rede geftreift und die Durchführung der Verträge mit den österreichisch-ungarischen Nach­folgestaaten als notwendig bezeichnet hatte, sagte er, daß Sowjetrutzland nicht anerkannt werden könne. Frankreich habe nicht das Recht, in Rußland zu intervenieren, aber es könne nicht zulaffen. daß die Sowjetannee die mit Frank­reich verbündetest Polen angrcift. Briand schloß mit der Feststellung, daß Frankreich sich hüten werde, seine militärischen Mittel zu schwächen, aber er hebt hervor, daß sie auf das notwendige Matz beschränkt werde« müßten.

Unsere SolksernShrvng.

Dte Förderung der Produktion.

auf der in Dresden adgehsttsuen Konferenz b«e deutschen Srnührungsminister entwickelte Dr. Seime» feine Pläne, wodri er folgendes mitteilt» Die Forderung der Produktion streben wir an durch umfangreiche B erwendung von Düngemitteln und durch die Einfuhr von Futtermitteln. Unsere Brotver» sorgung ist schwierig infolge des dauernden Rückganges unserer Ernten (wir Häven diesmal einen Minderertrag von einer Million Tonnen) und schwierig infolge eines gewissen Versagens der Exekutive. Wir dürfen aus die- fen Schwierigkeiten nicht den Schluß ziehen, als ob wir uns nunmehr immer so durchhungern müßten. Denken Sie an 1920: schlechtes btot und geringe Mengen gab es damals. Es gibt m. E. keine bessere Anlage von Kapital als unsere Bevölkerung reichlich zu versorgen. Wir mußten eine ungeheure Meng« von Brotgetreide aus dem Auslande heranschaffen. Um diese durchgu- sühren, wollen wir zweieinhalb Millionen Ton­nen für das laufende Jahr einfiühren (gegen einige tausend Tonnen im Vorjahre). Es ist uns gelungen, erhebliche Teile dieses Einfuhr-Pro­gramms bereits abzuwickeln. Die weitere Durch­führung ist zwar sehr schwierig, äber nicht un­möglich vorausgesetzt, daß uns die Entente auch in Zukunft eine gewisse Unterstützung angsdeihen läßt. Wir sind gezwungen, die Entente auch in Zukunft darauf hinzuweisen. Wir dürfen natür- lich nicht auf die Dauer diese Politik der Einfuhr fortsetzen. Ich tot mir klar darüber, daß wir das im Auslände auch in Zukunft nicht entbeh­ren können. Das war vor dem Kriege auch fi». Aber dieses Mißverhältnis werden wir zu verringern anstreben dirrch Hebung der inländi- schen Produktion. Das führt uns auf die Dünge­mittel. Ich habe dem Gedanken, mit Reichs» Mitteln eine

Verbilligung der künstlichen Düngemittel herbeiznführen, nicht näher treten können, ersten- aus dem Gedanken heraus, daß es jiür die Reichs- 'inanzen eine Ausgabe verewigen heißt, wenn ivir Reichsunterstützungen auf die Dauer gewäh­ren, und zweitens, weil nicht mit Sicherheit fest­steht, daß die Landwirte dieser Leistung des Reiches eine Gegenleistung gegenüberstellen. Das kann die Landwirtschaft vielfach nicht, da die Ernte nicht nur vom Dünger, sondem auch von der Witterung abhängt. Für Stickstoff selbst haben wir eine große Industrie, die beute erheblich mehr erzeugt, als im Jahre 1913. Kali haben wir ja als Monopol. Leider sind uns durch den Versailler Vertrag große Kaligebiete verloren gegangen. Bei der Phosphor-» säure liegt es wesentlich anders. Diese Indu­strie muß ihr Rohmaterial erst aus dem Aus­land« heranholen und steht unter dem großen Druck der Valutaschwankungen. Wir ha­ben versucht, durch eine gewisse Reichsgarantie des Dollarkurfes eine starke Basis zu schaf- feit. Auf dieser Basis wurden eine halbe Million Tonnen Rohphosphate eingesiihrt, so daß wir annehmen können, die Düngerbersorpung der Landwirtschaft ist befriedigend für das Erntejahr 3921 gedeckt, wenn die gesetzgebenden Körper­schaften dieser letzterwähnten Maßnahme zustim­men. Der RohphoAphorpreis ist um das DMi- ßigifache gestiegen, Kali und Sficksivff ffir um das Drei- bis Sechsfache, so daß die Land­wirte über die hohen Preise klagen. Man darf ober nicht übersehen, daß die Landwirte wohl die hohen Einnahmen gewöhnt sind, sich ober nicht an die hohen Ausgaben gewöhnt halben. Aber auch da sind wir

auf dem Wege der Besserung.

Ich habe daran festgehalten, daß im laufenden ,tahre eine Verbilligung des Kunstdüngers abge- lehnt wird, weil viele bereits bezogen haben- und dann Schadenersatzansprüche erheben könnten. Aber rm nächsten Jähre soll der Abbau vollzogen werden. Wir produzieren gegen dreihunderltau- fenb Donnen reinen Stickstoff, unsere Erzen- gungssahigkcit ist aber fünshunderttauseNd Ton­nen. Wenn sich die Slickstoffindustrie einen Matz auf dem Weltmarkts sichern kann, würden wir uns aus dem Mehrerlös einen Fonds sammeln können zur Verbilligung des deutschen Dünger­marktes. Schon verhältnismäßig Üeine Mengm ausgeführten Stickstoffes hoben es uns ermög­licht, eine Krcdilorganisation in der Stickstoff­industrie M schaffen. Ein weiteres produktions­förderndes Mittel besieht darin, wenn die Land­wirte wissen, welche Preise sie für die kom­mende Ernte erwarten können. Ueber das System der Mindestpreise haben heute die Mini- ster der Länder beraten. Mr hoffen, in den näch­sten Wochen zum Abschluß zu kommen; denn wir Baben uns unverbindlich unterhalten über dir Frage der Getreidewirtschaft. Mr waren uns im Reichsernährungsministerium klar darüber geworden, daß wir zu einem anderen System kommen müssen, das uns zu höheren Lieferun­gen befähtat. Unter anderem wurde heute das

Umla^eshtzem erörtert Wir haben eine