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Mieter Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung «affig» Hessische Abendzeitung ______________
11. Jahrgang.
Sonnabend, 8. Januar 1921
Fernsprecher 951 und 952.
Nummer 6
Fernsprecher 951 und 952.
Kein Ende des Notenwechsels.
Havdels-Nethodes.
Gemei«de»Eiuka«f oder freier Handel.
Don
Reichstagsbibliothekyr Dr. Paul Kirschner.
Dem privatwirtfchaftlicheu System werden viele Sünden in der Vergangenheit aufs Konto geschrieben, und es soll dafür setzt für alle Fehler herhalten, während das diesem entgegengesetzte gemeinwärtjichaftkiche Prinzip in jeder Beziehung alle Wunden heilen soll, die durch das privat- wirtschaftliche System und durch alle sonstigen Schäden der Zeit irgendwo und irgendwie entstanden sind Was den freien Handel betrifft, der ja ganz 'besonders nur aus dem Boden des privatwirtschastlichen Systems gedeihen und wachsen kann, so wollen manche diesem je eher je lieber den Garaus machen und an dessen Stelle eine allgemeine Versorgu.tg durch die Gemeinwesen einmhreu. Die behördliche Regelung und Zuteilung der Vcvbraucheranteile war im Kriege auf manchen Gebieten naturgemäß ein dringend notwendiger Akt der Selbsterhaltui-g Ob aber auch in der Jetztzeit durch derartige Maßnahmen das Gesamtwohl au-f dem richtigen Wege erhalten werden kann, dürfte sehr zu be- zioeifeln sein. Spricht man von den Vorteilen des Vertriebs durck die Gemeinwesen, so weist man in der Hauptsache hin aus die Verminderung der Betriebsunkosten und aus die günstige Stellung des Verkäufers dem Käufer gegenüber. Man übersieht hierbei aber häufig die Nachteile, die keineswegs gering zu bewerten sind, von denen besonders die der Gindeckung der Schwerfälligkeit bei der wahren Beurteilung und der Preisfestsetzung betont werden sollen. _ Bei der Eindeckung denkt man nicht an die vielen Fehler, die dadurch entstehen, daß nicht der gewandte, welterfahrene Kaufmann zur Melle ist, um die rechten Bezugsquellen stets aufzufinden. Es ist schon ein Unterschied, oh mau Weiß, welche Ware aus dem Süden oder aus dem Osten kommt, ob man die Bezugstellen kennt, die zmn Beispiel in der Schweiz, oder in Holland, oder in Spanien, oder in Norwegen liegen. Man muß aber auch die Derkaufsorgaiii- sationen an de:i verschiedenen Orten zu beurteilen wissen, man muß mit den Firmen, die für die Lieferung in Frage kommen können, ver- tiaut sein und deren Leistungsfähigkeit zu beurteilen verstehen. Aber selbst diese allgemeine Bezugskenntnis würde noch wenig nutzen, wenn nicht noch eine Mnz spezielle hinzukommt, welche persönlichen Wünschen gerecht zu werden versteht. Der gemeindliche Einkäufer ist in der Regel viel zu wenig vorgebildct, viel zu wenig persönlich interessiert, um sich die nötige Konkurrenz vom Halse halten zu können, und fo hat gerade die Kriegszcft bewiesen, daß sich von diesen Leuten in derselben Gegend bei demselben Lieferanten zu viele einfarchcn, wodurch das Gegenteil von dem erzielt wurde, was ein geschickter Einkäufer herbcisühren soll. Der Lieferant bewirbt sich dann nämlich nicht mehr nm den Einkäufer, sondern dieser muß dem Verkäufer nachlaufen, zumal, wenn eine unglückliche Verstärkung der Nachfrage nach an sich schon knappen Gütern derartige Zustände herbei- ge führt hatte.
Naturgemäß müssen derartige Vorgänge wieder ungünstig aus die Preise eintoirfeit und dieselben stark in die Höhe treiben, woraus in weiterer Folge ost überstürzte Angsteindeckun- gen herbeigesührt werden. Der Lieferant gibt nicht mehr Ricdngstpreise an, sondern erwartet einfach von den Käufern Höchstpreise, die immer mehr du sclzwächere Teil werden und einfach nachgcben müssen, während sonst der Verkäufer häufig Konzessionen macht, damit der Käufer nicht zur Konkurrenz geht. Die Schwerfälligkeit jeder behördlichen Organisation aber muß auf die Beweglichkeit beim Aufsuchen überaus hemmend wirken, denn der geschickte Einkäufer kann häufig nur durch die schnellste Entschloffenh.-ic, die nicht durch bureaukratische Rechenschaftslegung gehemmt wird, zu einem vorteilhaften Abschluß kommen. Wenn schon durch die genannten Ursachen die Preise, die bei der Warenknappheft an sich schon hoch sind, noch mehr in die Höbe getrieben werden, fo wirft hier ferner die Unkenntnis bei der WarenbeErteilung recht ungünstig mit. Wie will jemand über die Angemessenheit eines Preises urteilen, wenn ihm eine eingehende Kenntnis der Beschaffenheit der Ware abgeht, zumal, wenn unberufene Glem-nte sich bei den Behörden leichter als sonst Eingang verschaffen können. Den Schaden tragt hier ja die Gesamtheit, während im freien Handel der Unverstand durch sich selbst zu Grunde geht Privatfirmen, die um ihren Gewinn bangen, merzen unnachsichtig Unfähigkeit aus. die sich durch ständige Mißerfolge blaßstellt. Ter Faktor ,Regi- merttg-untoften* aber vertuscht leicht die Sünden Einzelner, nietn.inö fühlt sich zunächst stark go- schädigr, denn die Gesamtheit zahlt dte Arche.
Um angemessene Preise zu erzielen, nruß auck eine gediegene Ueb erficht Wer Vorrat und Bedarf vorhanden sein. Wie will man ober
zu solchen Kenntnissen gelangen, wenn nicht von einer zentralen Warte großer Handelshäuser aus, ffcte mit souveräner Beherrschung des Marktes auf dem Pl atze erscheinen, solch schwierige Han- delsausgaben in die Hand genommen werden, sondern wenn von vielen kleinen und mittleren Stellen aus selbständig, Mar mit gutem Willen, aber schwachen Kenntnissen, vorgegangen wich ES ist schon ost betont worden, daß das gemein- wirtschaftliche Sy stein eine notwendige Ergänzung der privatwirtschaftlichen Funktionen dar- stellt, wollen wir aber unsere Wirtschaft nicht zu Grunde gehen hissen, so müssen wir stets dafür sorgen, daß jedes System auf seinen rechten Platz gestellt wird. Es dürste oft der Schaden, der aus dem Egoismus einzelner Kreise stammt, die aber durch die Konkurrenz 'in Schranken gehalten werden, viel acrinacr sein, als der. welcher aus der UnsÄhiMit entspringt, zumal auch frier, wie die Geschichte jüngster Zeit lehrt, der Egoismus noch dazu wahre Orgien feiert. Daß aber durch privalwirtschastliche Mißstände die Gesamtheit, die Freiheit nicht geschädigt wird, dazu ist das Gemernwirtfftchastspringiv da, es hat eben mehr di- Aufgabe der Korrektur, nicht aber die der Initiative.
Set kntwaffrmngsAteft. Wettere Noten find unterwegs.
(Eigene Drahttneldung.l
Paris, 7. Januar.
Das „Pariser Journal" berichtet, daß Mei weitere R o t e n der Bcrbündeten mir dem Wege nach Deutschland sind. In einer der Roten wird die nicht genügende Kontrolle der deutschen Pri- vat-Mmtitionserzeugunn behandelt. Havas meldet .-Die deutsche Rote gegen die Auffassung der Entente von der militärischen Organisation der deutschen Einwohnerwehren ist ebenso wie die vorherigen deutschen Antworten den alliierten Kabinetten zur selbständigen Entscheidung überwiesen worden. Die Konferenz zur Besprechung der deutschen Entwaffnung findet zwischen dem 12. und 16. Januar dieses Jahres statt.
Amerikas Stellungnahme.
Paris, 7. Januar. (Eigene Drahtmelduag.) Die Vereinigten Staaten sind, wie aus Washing- rou gemeldet wird, mit dem französischen Stand- puntt in der Entwaffmtnzsfrage nicht einverstanden. Das Staatsdepartement habe die französische Regierung wissen lassen, daß cs geneigt sei, dafür einzuneten, daß Deutschland ÄmMich und nach Maßgabe seiner inneren Verhältnisse entwaffne. Die Vereinigten Staaten würden protestieren, wenn militärische Besetzungen für eine nicht wortgetreue Durchführung der Bestimmungen von Spa vorgenommen werden.
6t686te KMenlieietMg. Verschärfte französische Forderungen.
(Eigene Drahtmeldung.l
Berlin, 7. Januar.
Die Kohlenfroge wird wieder in einer Rlii- iertennote behandelt. Tas in Spa getroffene Abkommen über die deutschen Kohlenlieferungen läuft mit dem 31. Januar ab. Das Ergebnis der bisherigen Verhandlungen mit der Entente über die Kohlenlieferungen und über diejenigen Lieferungen, die nach Abschluß des Spa-Abkom- mens ans Grund des Friedensvertrages statffiu- den sollen, ist vorläufig »urrfraits unbefriedigend. Die WiesethersteUnngskommisfion hat der deutschen Kriegslastenkommisfion in Paris am 27. Dezember über die von ihr in Aussicht genommene Regelung eine Mitteilung gemacht. Darin heißt es: Mit Rücksicht auf die Wahrschcinlichheit von Rückständen in den deutschen Kohlenliescrun- gen auf Grund des Spa-Abkommens war die Wiederherftellungskommission damit einverstanden, daß diese Rückstände in den ersten Monaten Februar und März — es handelt sich nm 250 000 Tonnen — ausgeglichen werden können. Diese Rückstände müßten dann vorweg geliefert werden, das heißt vor den erft fpä ter kommenden Leistungen, die von uns in der Neuregelung angestrebt werden.
Verlangte Mehrleistung.
B e 11 i n, 7. Januar. (Privattclegramm.) In dcr Kshlennolc wird von der Wiederherstellungs- Kommission jetzt das Verlangen geäußert, naß wir außer den Rückständen noch die zwei Millionen Tonnen monottich liefern, das heißt alfo zweihunserttausend Tonnen mehr, als wir auf Grund des Spa Abkommens.verpflichtet waren Der Teil, der von diesen 2,2 Millionen Tonnen
etwa nicht abtransportiert werden könnte, solll zur Verfügung der Wiederherstellungskommission' in Deutschland gelagert und erst später nach den Wünschen der Kommission geliefert werden.
Lberschkckens Abstimmung.
Herbeiführung größerer Sicherheit.
(Privat-Tclcgramm.)
Oppeln, 7. Januar.
Die Vertretungen der deutschen und polnischen Arbeiter-Organisationen wurden gestern von der interalliierten Kommission empfangen, um ihre Wünsche bezüglich der Herbeiführung besserer SicherheitSzustände vorzubringen. Es wurde dabei von polnischer Seite der Wunsch vertreten, nach beiden Ländern hin die Grenzsperre gleichmäßig stark zu handhaben. General Le Rond meinte, daß das Banditentum international fei und sich je nach den Umständen bald hinter dieser oder jener patriotischen Fahne verberge. Er versprach, weitestgehende Sorge für die Bekämpfung der Unsicherheit zu tragen. Wie aber Mitglieder der Kommission sagten, verstand er es geschickt zu umgehen, daß die der französi- schen Sprache nicht mächtigen Arbeiterführer ihr eigenes Material vorbringen konnten. Die Verdolmetschung war fo mangelhaft, daß das itatienifdje Mitglied der Kommission de» Dolmeffcher anwies, vollständiger zu übersetzen. Das Vertrauen auf wirksame Abhilfe ist gering.
Term!« und Wahlvorschrlften.
Berlin, 7. Januar. (Privattelegramm.) Die deutsche Regierung wird, wie die Frankfurter Zeitung hört, gegen das Abstimmungs- Reglement für Oberschkesien auch noch beim Vorsitzenden der interalliierten Kommission General Lerand Einspruch erbeben. — Reuter meldet aus Paris, daß die befchlenmate Verstärkung der Abstimmmtgspolizei für Ob er schlemm ungeordnet ist, um die Sicherheit des Wahlaktes zu' verbürgen. Dem gleichen Büro zufolge ist der Termin der Volksabstimmung bereits festgesetzt und seine Veröffentlichung den aiffiicrfn Vertretern in Oberschlesien überlassen, sobald die Vorbereitungen für den Wahlakt beendet sind.
Stand drr RoldunMage-
Dis Haltung bet Eisenbahner.
(Privat-Tclegramm.)
Berlin, 7. Januar
Nachdem zwischen den Vertretern des Reichs- verkehrsministerlums und des Sechzehneraus schuffes eine Einigung zustande kam, hat sich der Reichsverkehrsminister ©tönet bereit erklärt, de» Einigungsvorschlag im Kabinett zu vertreten. — Wie ferner mitgeteilt wird, hat der Vorstaud deS Deutschen Eisenbahnerverbandes am Sonntag, den 9. Januar, den erweiterten Vorstand zu einer Konferenz zusammenberufen. die zu den Ergebnissen Stellung nehmen fall. — Wie die Tägliche Rundschau berichtet, wollen die Berliner Eisenbahner, die im Deutschen Eisenbahnerverband organisiert find, am kommenden Sonntag in der angekündigte» Versammlung gegen die Zulage, die für die Arbeiter ungenügend sei, Einspruch erheben. Die Werkstättenarbeiter betrachten es als eilte soziale Ungerechtigkeit, daß trotz der in Aussicht stehenden neuen Lohnregelung die ihnen zugestandene Bezahlung auch nicht enffernl die Löhne in der Privatindustrie erreiche.
$es neue GrteÄsniimd.
eine Thronrede des Königs Konstantin.
' (Eigener Trahtbericht)
Achen, 7. Januar.
Das neue griechische Parlament eröffnete König Konstantin, stürmisch begrüßt, mit der Verlesung einer Botschaft, die' von dem Glück spricht, daß das Volk ihn so liebe, und von der Anerkennung und dem Wohlwollen der Alliierten (?) gegenüber dem Reich der Griechen. Der König sagte sodann: Die feste Entschlossenheit des griechischen Volkes und der lofralc Willen für ein Zusammenarbeiten mit den Großmächten würde den allgemeinen Interessen dienen und dazu freu tragen, ausgezeichnete Beziehungen mit den Alli- terten zu unterhalten. Das Parlament werde dem Kampf in Kleinasien einen neuen Impuls geben und ihn politisch realisieren. Das Bünd- n i s mit Serbien sei eine Garantie zu dem Frieden in Europa und auf dem Balkan. Tie Botschaft verspricht ferner demokratische Rcformen im Innern Griechenlands. Der König druckt schließlich seinen Schmerz über den Tod des Kronprinzen Alexander aus.
Bolschewistische Bestie». De« Tod der Zarenfamilie.
Aus neueren ruiftfrben Veröffentlich»»-,««, wird jetzt bekannt, was mit bet SerenfemUle geschehen ist und warum bie Untat bet Boi. schewiften so lange geheim gehakten tourte.
Die Ermorldung der ZarenfamMe war bisher noch nicht völlig aufgeklärt. Ivan Borbansft berichtet nun nach Sowjetquellen über das Ende des Zaren unld feiner Familie. Danach wurde Nikolaus der Zweite nach feiner Entthronung mit der Familie nach Sibirien verbannt, ilian wollte den Kaiser und feine Familie als wertvollstes Pjiandobjett behalten. Demgegenüber faßte aber der Zentralrat des Uralgebietes den Entschluß, die ganze kaiserliche Familie zu ermorden. Wie diese furchtbare Tat vollbracht und neti welcher Bestialität sie burdxuefiifrrt wurde, ergibt sich ans nachfolgender Schilderung nach den Aussagen eines Beteiligten: .Dem Zaren und den ©einigen wurde mitgeteitt, daß man in Anbetracht der unsicheren Verhültuisse fix m eine andere ©t.tbt bringen wolle, und daß sie, da Eile not tue so angekleidet wie sie seien, sofort folgen müßten. Man brachte sie in den Keller des von ihnen bewohnten Gebäudes, sie roh die Stufen hinabstoßend, wobei der Zar, den kranken Thronfolger auf den Armen tragend, furchtlos seiner Empörung durch scharfe Worte Ausdruck verlieh. Unten angelcmgt. konnten den armen Todesopfern keine Zweifel mehr über das, was ihnen in den nächsten Sekunden bevorstand, auftontmett, und noch bevor sie von- einander Abschied nehmen konnten, kaum fähta. sich durch Bekreuzigen in die Hände ihres Gottes zn empfehlen, krachten schon in dem Retter« gcwölbe die Revolverschüsse, welche nun diejenigen verstummen machten, denen noch vor Monaten begeisterte Massen zugejubelt hatten, für dte noch in aller Stille Millionen und Millionen tagtäglich Gebete zum Himmel emporsandten. Zar Nikolai hatte aus gelebt, die Henkerskugel batte gut getroffen. Alerer der Thronfolger, ein kranker Knabe, hing trotz seiner physischen leiden zäh am Leben Ihm fiel das Sterben so schwer. Ein halbes Dutzend Kugeln mutzte er empfangen, bevor dis Kinderherz zn schlagen oushötte, bevor der am Böden zuckende Knabe a- köuper für ewig ruhig dalag.
Ein schweres Ende
batte auch die Zarin Alexandra, die einstige Hessen-Prinzessin Alice. Stets gottergeben von einer seltenen Frömmigkeit, geriet sie in dieser furchtbaren Stunde in höchste religiöse Erregung. Von der ersten Profosen-Kugel zu Boden gestreckt, qedoch nicht tödlich getroffen, richtete sie sich tote, der kniend auf, und. die Hände zmn Himmel aufhebend, rief sie laut: .Gott, der läßt ein Wmidcr geschehen, ich soll nächt fterben.* Ein brutales 'Lachen mit dem Ausruf: „Ich werde dir deinen Gott zeigen!" war die Antwort, und eine weitere Kugel eines Teufels in Menschen« gi statt schloß eines der furchtbarsten Kapitel ans Rußlands Geschichte. Da lagen sie nun auf schmutzigem, kaltem Kellerboden, die entfeetien Körper des Zaren von Rußland, seiner ganzen Familie, der Großfürstin und einiger treuer Za- tendierter, welche ihrem Schwur: »Treue bis in den Tod" in erschütterndster Weise gerecht gewor- den waren. Und ein kühles, verborgenes Massengrab nahm alle diese Leichm in sich auf; verscharrt wurden sie, ohne Kreuz, ohne das kleinste Zeichen der Menschlichkeit. Nur des Zaren Leiche wurde nicht in Uralcrde gebettet Tie Nachricht tont furchtbaren Geschehnisse kam nach MoAa». Ein Schreckens- und Wutgeheul im Kreml. Jedoch man stand vor unabänderlichen Tatsachen, und wegen cines russischen Zarenlebens und dcr Leichen seiner Familienglieder mit den Ural» genossen in Konflikt kommen, das hätte sich für einen .Experimentator" Lenin nicht gelohnt Fetzt mußte den
möglichen Folgen diefes Geschehnisses vorgebeugt werden. Das Voll könnte den Tod seiner einstigen Herrscher» samilie zu früh erfahren, in einer nicht ansge- schlossenen mystischen Aufwallung, geschürt durch die Gegenrevoluttou, das Mirtyrergrab aufsuchen in», durch die furchtbaren Geschehnisse aus seiner Apathie aufgerüttelt, Lenin und seiner Regierung eine blutige Vergeltung bereiten. Nie und nimmer durfte dem Volke die Möglichkeit gegeben werden, am Grabe seines einstig in Herrschers zu beten und zn erwachen. Und da wurden nun auf Befehl von Moskau hin die irdischen Hebertest- des Zarm tn einem sorgsam verschlossenen Behälter unter Beobachtung der strengsten Geheimhaltung aus Jekaterinburg mich Moskau in den Kreml verbrrnht Dort wurde dann die Leiche als die des rnssischsn Zaren Nikolai des Zweiten untrüglich fefigeftvfft und daraufhin mehreren zuverlässigen Kommunisten zur Verbrennung in einem der Kremlöfen übergeben. .Zwei Tage dauerte wiunterbroche» diese Prozedur, da man ja spezielle Krematorien» öfen in Rußland nicht hat. Dann haben die Winde die Asche des unglücklichen Zaren vom alten historischen Mos lauer Kreml-Beug in alle