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Kasseler Neueste Nachrichten

Kaffeler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Stammet 271

Dienstag, 23. November 1920

Fernsprecher 951 und 952.

10. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Ein neuer Völkerbund in Vorbereitung?

Industrie und Finanz.

Die ZusammenschlSffe.

In bet letzten Zeit hat man tot deutschen Wirtschaftsleben Erscheinungen beobachtet, wie sie sich etwa in Amertka »eisten. Unsere Grotz- industrie wie auch Urtiere Gicßfinanz stehen ge­genwärtig tot Zeichen doS truftartigen Zusam­menschlusses. Man scheint in jenen Kreisen gar nicht erst abwarten »u wallen, welche Maßnah­men seitens t(,er Reichsregierung unternommen werden, um aus der gagenwürtigen Wirtschafts- krise herauszuhelfen. Ter Zug in der Groß­industrie gehl ins Riesenhafte. Wer die Vor­gänge an der Börse in den letzten Wochen be­obachtet harte, mußte mit wachsendem Erstaunen die Kursentwicklung der Montanpapiere verfol­gen. Es Wae gar nichts Seltenes, daß ganze Mtienpakete in Höhe von mehreren Millionen Mark an der Btrsc zum Handel an einem ein­zigen Tage angeboten wurden. Die Montan- Jndustrie ist es nun auch, die durch einen trustartigen Zusammenschluß ein Gebilde schafft, inne es in diesem Umfange und in dieser gewal­tigen wirtschaftlichen Kraft in Deutschland, ja in Europa, nicht seinesgleichen hat. So hat kürz­lich der größte deutsche Montau-Konzern, die Rhein-Elbe-Union, die weitverzweigten Sie- mens-Schuckert-Werke aufgesogen. Dieser Prozeß hat eine überragende, allgemein-wirtschaftliche Bedeutung. War schon bisher in der Groß« Industrie das begreifliche Bestreben »tt beobach­ten. daß man sich die Herrschaft von der Urpro­duktion. also bett der Gewinnung der Kohle an, bis zum Fettigfabrikat sichern möchte, so sehen wir jetzt eine Vervollkommnung dieses Zieles, wie man es vordem kaum für möglich gehalten Hütte.

Die Rhein-Elbe-Union hat die fast unbestrit­tene Herrschaft über die Kohlenschatze Deutsch­lands. Dadurch, daß sie sich nun auch in die Fer­tig- und vor allem in die Edelwaren-JnLustrie des Elektrizitätswesens hineinarbeitet, sichert sie sich einen ungeheuren Einfluß, der nun weit über das rheinisch-westfälische Jnd ustri e- g e b i e t bis tief hinein nach Bayern, ja selbst bis O e st e r r e i ch hineinreicht. Die ganze Koh- lenproduktion nicht nur, sondern auch die Edel- waren-Fabrikation. tote auch die Berfeinerimgs- Jndustrie wird nunmehr in den Bann dieses riesigen Konzernes kommen. Nun darf man nicht verkennen, daß ein derartiger Zusammen­schluß erhebliche wirtschaftlich« Vorteile in ich birgt. Man wird verteuernd« Zwischenstufen auszuschalten in der Lage fein. Man wird auf Grund einer geregelten Rohstoffbeschaf­fung, wie auch eines gic rdneten und durch Zu- sammenfaffung aller in Betracht kommenden Kräfte ersprießlich gestalteten Arbeitsver­fahrens, wie auch durch einen geordneten Abfatzprozeß zweifellos günstige wirtschaft­liche Momente sich zunutze machen können. Man darf insbesondere auch nicht vergessen, daß eine derartige, mit solch riesigen Kapitalien und wirt­schaftlichen, sachlichen und persönlichen Mitteln ausgestaltete Organisation viel leichter als sonst ein Privatunternehmen ausländischen Kredit für Rohstoffe und sonstigen Produktionsbedarf erhalten kann. Es hat auch nicht nur eine toirt» schriftliche, sondern eine erhebliche politische Be­deutung, daß der Rhein-Elbe-Konzern bon dem i Norden Deutschlands nach dem SiiLen sich aus- dehnt. Die Erwägung, daß gerade in Badern die politischen Verhältnisse ein« sichtliche Be­ruhigung erfahren hüben, dürste nicht zuletzt für den Beschluß maßgebend gewesen fein.

Gleichzeitig mit diesen VerschmelzungSbestre- bnngen in der Großindustrie beobachten wir aber auch eine Konzentration in der Groß-Fi- n a n z, di« nicht minder tief in dis wirtschaft­lich Leben Deutschlands einschneidet. Hier ist bezeichnend das Vorgehen der Deutschen Bank, die zu all ihren bisherigen Transaktionen nun auch noch die Braunschweiger Privatbank, die Privatbank von Gotha und di« Hannoversche Bank in sich aufnimmt. Daneben stellt sie nun auch eine Arbeits-Gemeinschaft zur HildcSheim- Bank dar und saugt auch di.' WürtteMbergische Bereinsbank auf. M« Deutsche Brak wird künf- tigfoin ein Grundkapital von nicht weniger als vierhundert Millionen Mark besitzen, so daß sie «nter Hinzurechnung der Reserven über ein Ge­samt! aptta! von nicht toeaiger alS siebenhundert- mrdfünfzig Millionen Mark, also dreiviertel Mil- liaidcn verfügt. Damit wird auch künftig die D>uische Bank an der Spitze aller Banken in Deutschland stehen. Es ergibt sich weiter daraus, daß auch iu der Grvß-Finanz die Beziehungen zwischen Rorddeutschland und Süd­deutsch land immer enger geknüpft werden, tote man andererseits auch Mitteldeutsch­land immer mehr m den Konzern der Groß­banken hineinzuziehen sucht. Ziehen diesen Transattionen in der Großindustrie und der Großsinanz vollziehen sich aber kleinere, nicht minder wichtige Zusammenschlüsse zu Jn- lereffengnneinschasten, sowohl in den einzelnen LndustrieNveigxn wie auch tot DaMeben. Es ist

nur zu wünschen, daß daraus auch wirklich eine Zusammenfassung M-r Wirtschaftlichen Kräfce und eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit durch Ausnutz,ing der Arbeitsmethoden entsteht. J. B.

Sos Mletbund-Rätsel.

Für »der gegen Deutschlands (Eigen« Drahtmeldung.)

Genf, 22. November.

Die Frage, »b Deutschland zugelaffen werden soll, schwankt IM tnti> her. Der Korrespondent des PariserMatin" will erfahren haben, daß dreißig Nationen Frankreich unterstützen werden, nm sich der Zulassung Deutschlands in den Völkerbund zu widersetzen, bevor Deutsch­land begonnen habe, seine Verpflichtungen ganz zu erfüllen. Weiter meldet derMatin" aus Gens, daß die japanische Delegation die strikte Aufforderung ihrer Regierung erhalten habe, in der Frage der Zttlaffung der Deutschen zum Völkerbund den formellen Borbehaft zu machen und den französischen Standpunkt zu ver­treten. Auch der Schwede B r a n t i n g (?) stellt sich auf die Seite Frankreichs, indem er erklärt, Deutschland den Eintritt in den Völkerbund so­lang» versagen zu müssen, bis es überzeugende Beweise seines guten Willens, den Vertrag zu erfüllen, geben werde. Auf diese Weise würde ein Votum über Deutschlands Zulaffung zum Völkerbund lediglich die Unterstützung von Süd­afrika durch Robert Cecil. Norwegen, Holland und Argentiniens haben.

Ei« neuer Völkerbund?

Washington, 22. November. (Eigener Draht­bericht.) Der künftige Präsident Amerikas, Har- ding, wird, wie in politischen Kreisen verlautet, in der nächsten Zeit die Ministerpräsidenten von England, Frankreich, Italien, Japan und Deutschland zusammen mit dem amerikanischen Staatssekretär Elihu Ruet zu einer Konferenz einberufen, um die Grundlagen eines neuen Völkerbundes zu studieren. Dieser Völ­kerbund soll sich aus einen internationalen Ge- richtshos stützen, über den Elihu Ruet einen Plan ausgearbeitet hat. Die französische Presse beschäftigt sich bereits mit diesem Plan. So schreibt dieAction francaise": Was in Amerika zurzeit gebraut wird, ist unendlich interesianter als die Genfer Debatten. Der Hardingsche Völ­kerbund biete Deutschland keine besonderen Vor­teile und deshalb könne Frankreich gut auf die amerikanisch« Ideen eingehen, um so mehr, als die Bereingten Staaten sich niemals zum Gen- cr Völkerbund bekehren kaffen werden. Alles, was in Gens gegen die Union unternommen werde, falle aus den Völkerbund zurück. Das Blatt hofft, daß eines Tages ein wohlberatener und mutiger Mann sich erheben werde, nm M er­klären, daß die ganze Genfer Arbeit nichts taug«, solange sie sich gegen Amerika richte.

Amerika gege» Genf.

Genf, 22. November. (Eigene DvahtmeKmng.) DerHerakd" meldet aus Rewyork: Das Staats, departement hat beschlossen, auch zu der Sach- verständigenkonferenz in Genf im Dezember keine Vertreter zu entsenden.

Sie östlichen Wirren.

Litauen klagt gegen Polen.

(Prwat-^elearamm.)

Königsberg. 22. November.

Wie aus guter Quelle verlautet, versucht die litauische Regierung Wasfenstillstandsverhand- lungen anzubahnen, da ein neuer Vorstoß des Generals ZeNgowski die Lage Kownos wie­der stark gefährdet. Die Umzingelung der litauischen Hauptstadt kann in wenigen Tagen vollendet fein. Die Völkerbundskommifsion, die soeben eine Ofsensivstellnng verlangt hat. ist völ­lig machtlos. Das Abenteuer d«S Generals Zeli- gowAi erscheint trotz des Ersolges täglich ver­zweifelter, da die allgemeine Lag« sich für Polen durch den Verlust von Samenez-Podolsr erheb­lich verschleiert hat. Eine neue und wahrschein.

lich sehr starke bolschewistische Offen­sive gegen die Front des Generals Balacho- witfch steht unmittelbar bevor. Der litauische Gesandtschaststtäger in Paris Milofch, der ge- genwärtig in Genf wellt, hat dem DölkerbundS- präsidenten eine Note überreicht, wonach Polen angeklagt wird, daß es Zeligowski mtt polnischen Divisionen unterstützt. Die litauische Regierung erstickst den Völkerbund auf Grund des Artt- krls 16 der Bölkerbundssatzungen einzuschreiten.

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. Der bolschewistische Erfolg.

HelsingforS, 22. November. (Eigm« Draht- melonna.) In einem Moskauer Funkspruch an Alle heißt es: »Die Halbinsel Krim ist nun gänzlich befreit. Sinefernopol, Sebastopol. Theo­dosia an der Südo-sMste der Krim sind in unserer Hand. Obgleich wir Wrangel nun erle­dig: haben, können wir das Schwert doch nicht beiseite legen. Wir haben noch mit den Rosten der Wrangel-, Pelljura- und Balachowltsch- Banden aufzuräumen Wrangels Niederlage wird natürlich auf di; internationale Lage zu- vücktoirken. Der letzte General, der um sich alle unzufriedenen Elemente versammeln konnte, ist zu Boden geschmettert. Es gibt niemanden, der an seine Stelle treten kann. Mit seiner Flucht ist der Sammelpunkt fiir alle konterrevolutionären Kräfte in Rußland beseitigt."

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An der polnischen Front.

Warschau, 22 November. (Eigene Draht- melouuig.) In hiesigen politischen Kreisen kur­siert das Gerücht, daß die polnischen Truppen eine Abteilung der Armee des Bolschewistcn-Ge- nerals Balachowitsch entwaffnet ha­ben, nachdem diese die polnische Grenze über­schritten hatte und vorrücken wollte.

Polnisch-litauische Kampfe.

Danzig, 22. November. (Privattelegramm.) Aus Warschau toirt) heute früh gemeldet: Die Pol;n haben von Kotono die Prawa bei Keito- toitschki überschritten. An der Bahn Kowno- Wilna standen gestern abend die Polen bei Jetoja. Kotono soll von den Litauern aufs Aeußevste verteidigt werden. Auf litauischer Seite kämpfen rote Truppen.

Ilm Griechenland» Thron.

Rhallis als Ministerpräsident.

(Eigener Drahtbericht.)

Wien, 22. November.

'Der griechische Ministerpräsident Rhallis erklärte einem Pressevertreter, es sei gewiß, daß König Konstantin zurückkehren werde. Rhallis legte ungeachtet des Protestes des Re­genten seinen Eid in die Hände eines herbei­geholten gewöhnlichen Priesters ab, der als ein politisches Opfer Venizelos eben erst aus der Gefangenschaft befreit worden war. Die Vereidi­gung durch einen Metropolitan, eine Kreatur des Kreters, hat Rhallis abgelehnt. Die venizelistische Leibgarde wurde entlassen. Der Befehlshaber der griechischen Truppen in Kleinasien erließ einen Tagesbefehl, in dem er zum Gehorsam gegen die neue Regierung auffordert. Der heilige Sy wd hat die Wiedereinführung der Namen der Mit­glieder der königlichen Familie in die Gebete an­geordnet. In den Gefängnissen dauern die Ent­lassungen der politischen Gefangenen fort. Alle von Venizelos cnüaffenen Lftiziere und Unter­offiziere treten sofort wieder in die Armee ein.

Keine Einmischung Italiens.

Zürich, 22. November. (Eigene Drahttnel- a Urtier die augenblickliche Krise in Grie- ii> meldet ein italienischer Berichterstatter in einem offiziösen Artikel, die italienische Regierung habe nicht die Absicht, sich einer Aktion auzrschließen, die einer fremden Ein­mischung in die inneren Angelegenheiten einer befreund-ten und verbündeten Nation gelten sollte. Italien habe sich auch vor dreieinhalb Jahren der Aktion Frankreichs und Englunds nicht ungeschloffen, obwohl diese beiden Staa­ten es damals für ihre Pflicht hielten, König Sonftantin aus Athen zu entfernen.

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Korfu für König Konstantin.

Wien, 22. November (Eigene Drahtmel­dung.) Auf Korfu hat die Bevölkerung die veuizeliftischenOrtsbehördenabge- fctzt. Tie Regierung wird eine Liste der aus­ländischen Journalisten veröffe.rtlichcn, die von Venizelos mit Geld unterstützt wurden. Sem- zelos ist mit feinem Sohu, feinem Sekretär, sowie einigen Mitgliedern seines Kabinetts und andern Parteigängern in Messina cingetroffen,

Sozialifierungsproblem.

Die Erörterung im Reichstage.

(Eigener Bericht.)

In der Sonnabend-Sitzung hatte stch de, tztelch« tag mit der Frage der Sozialifiernng de» Berg, daues zu beschäftigen, di« so viel umstritten wird und deren Erfolg noch gänzlich ungewitz is»

Auf der Tagesordnung der Sonnabend-Sit­zung stand eine sozialdemokratische Jnterpella- rion, in der die Regierung gefragt wird, wann sie den zugesagten Gesetzentwurf über die So­zialisierung des Kohlenbergbaues vorlegen wird, und zwar einen Entwurf, der die Bollsoziafisierung durchführt. Abg. Löffler <Soz.) begründet die Interpellation. Zunächst hat der Reichsarbeitsminister Braun die So- zicÄisierung des Kohlenbergbaues versprochen. Dann hat das Reichskabinett den Reichs wiri- schaftsminister aufge fordert. einen Entivurf vor- zülegeu und schließlich hat der Reichsschatzmini- fter von Raumer im ReickBtoirtschaftsrat erklärt, das Reichskabinett stehe noch heute geschlossen auf dem Boden der früheren Erflärung. Seit­dem ist in allen Regierungstoipfeln Ruhe. Wir verlangen Nipp und klar eine Antwort, oh das Wirffchastsprinchip ein privatkapitalistisches Mo­nopol bleiben soll oder ein gemeintoirtschaftliches Unternehmen, das dem Volksganzen zu dienen hat. Neichstoirtschastsminister Scholz: Die Reichsregierung wird auf Grund der Erklärung vom 27. Ottober einen Gesetzentwurf über die gemeintoirtschaftliche Regelung des Bergbaues mit möglichster Beschleunigung vorlegen. Die Regierung glaubt, einen geraden, aber wohl überlegten Weg einschlagen zu müssen. Daß die Frage der gsmeinwirtschaftlichen Regeluna nicht einfach zu lösen ist. geht schon daraus hervor, daß auch die Partei der Interpellanten, di« an­derthalb Jahre in der Regierung gesessen hat, einen solchen Weq nicht vorzuschlagen vermochte. (Zustimmung rechts.) Es wäre daher vermessen, diejenigen Beratungen zu mißachten, die gerade im Augenblick unter den ersten Sachverstän­digen auf diesem Gebiet stattfinden. Wir müfl sen vielmehr unter Zurückstellung aller pcrrteipo. litischen Ansichten rein

vom wirtschaftlichen Standpunkt aus mit den Sachverständigen prüfen, welche Er- ledigung dieser Frage uns nützen kann. Deshalb kann die Regierung im gegenwärtigen Augen­blick, wenn sie ihre Aufgaben ernst nimmt, an diesen Beratungen nicht vorübergehen, die hof- fenllich einen gedeihlichen Ausgang haben wer­den zum Segen unseres Vaterlandes. Abg. Bolz (Zentr.) billigt die Erklärung der Regie­rung Hoffentlich leistet die Kommrssion rafch« und Ritte Arbeit. Kommt eine Verständigung zustande, dann müßte di« Regierung ihrerseits mit einem Gesetzentwurf kommen. Abg. Leo­pold (D.-Ntt.): Durch das Schlagwort Sozia­lisierung darf man sich nicht blenden lassen. Dar hat selbst der sozialdemokratische Abgeordnete Bernstein eröärt. Bei der vorliegenden Frage sollte aber die Politik vollständig aus- scheiden. Die Drohung mi idem Streik kann uns nickst wankend machen in der Erwägung, dass diese Frage des Wirtschaftslebens nur nach ru­higer und klarer Ueberlegung behandelt und ge­löst werden kann. Die Sozialisierung wäre Ver­armung und Verelendung. Die fi* anbahnende Besserung der Produkttcmsverhältuisse würde in ihr Gegenteil verkehrt werden. Eine Dollsoziali' sierung dieser Art kann weder eine Verbilligung der Kohlen, noch eine Förderung der Produktion bringen irnd ist daher alles andere, nur nicht so­zial. Alle Stände müssen sich zum gemeinsamen Aufbau zusammenschließen. Die Einheit allein kann uns wieder hoch bringen. Im übrigen wis­sen wir sehr wohl, daß die Aiveiterschaf durch­aus nicht in ihrer Allgemeinheit hinter der For­derung der Sozialisierung steht. Abg. Dr. C u r- tiu3 (D. Vp.): Wir billigen das Verfahren der Regierung Es ist geradezu eine verfassungsmä­ßige Pflicht der Regierung, vor Einbringung ei­nes foUdjen Gesetzes

den Reichswirtschastsrat zu befragen.

Es gibt zwei Wege zur Sozialisierung, den her Wirtschaft, und den der Politik. Der Weg der Pofitik ist aekennzeichnet durch den Generalstreik vom 20. März. Die Arbeiten der Sozial) sie- rimgslommission stehen ganz unter dem politi- chen Gesichtspunkt. Wir werden an allen Maß­nahmen weiter Mitwirken, die die Produktion fördern und itnfere Bolksgemeinschaftwirtfchast wieder aufbauen. Wir wollen nicht, daß di« Kohlentoirtschaft aus unferem einheitlichen Wirt- chastskörper herausgeschrtitten wird. Abg Leicht (Bahr Vp.): Die Regierungserklärung cheint begründet. Wir entarten, daß der bald kommende Gesetzenttours die Interessen des gan­zen Volkes berücksichtigt Aba. Henke (U. S.) Die Wirffchaftspolitik der Rechten besteht darin, möglichst viel Provit einzuheimfen. Mr verlan­gen di« Dollfozialisierung. Die Arbeiter müsse.