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Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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10. Jahrgang,
Rümmer 261
Mittwoch, 10. November 1920
Fernsprecher 951 und 952.
Fernsprecher 951 und 952.
Hut Berlin feiert Öen Heoolutionstag.
Sie Mrtschaftsmoral.
Wie bessert man die LageV
tote Lehren, über die man in der reichen Zeit Vor denr Kriege angefangen hatte di« Achseln zu zucken und die man in Den Wirch schlug, wett man eS in der Tal nicht nötig hatte, müssen heu« wieder in ihre Siechte eingesetzt werden. Ich Möhr als das. Was schließlich nur priori- wirrschaftlich galt und der Einzelne schließlich mit sich selber abzumachen hatte, wird heute zu einer Noiwendtoteit im nationalen, sozialen und wirtschaftlichen Interesse. Trotz aller Nöte, die dem einzelnen nicht erspart geblieben sind, ist doch die schauere Zett bisher in einer Weise Überwunden worden, die man jedenfalls l.ichl für möglich gehalten hätte, wenn einem in glücklicheren Zeiten die Tiefe des Falle-, den wir erleben sollten, vorhergesaat worden wäre. Sind wir also im allgemeinen durch diese ungeheuer schweren Prüfungen durchgckommen, so soll man auch die Hoffnung nicht aufgeben, daß 18 auch weiter gelingen werde, der uns noch bevorstehenden Schwierigkeiten Herr zu werden. Natürlich darf damit nicht gesagt fern, daß man nur den lieben Gott einen guten Mann sein lafsrn und Wunder erwarten solle, sondern daß man nach Möglichkeit daS tut, was einem die für das allgemeine Beste anerkannt« Notwendigkeit auferlegt.
Bet Vielen Schwierigkeiten dürfte der letzte Grund darin liegen, daß wir in dieser Lage nicht eine Lebenshaltung erwarte» und genießen dürfen, die zu der allgemeinen Lebenshaltung wie die Faust aufs Auge paßt. Wenn also beispielsweise die Eisenbahn nicht auf ihre Kosten kommt, dann muß sie mit kürzeren Zügen und weniger Kohle fahren, das Publikum muß sich auf die notwendigsten Reisen beschränken und auf einen foulst gewünschten Grad v>m Bcqu-'w» lichte it verzichten. So ist es ja schon lange Zeit gewesen, und so wird eS weiter bleiben müssen, vis wir uns eben Besseres wirklich wieder leisten können. Das muß einzrsehen werden, und cS ist nur ein Beispiel für viele ähnliche Fälle. Aller dies hat selbstverständlich seine Grenzen da, wo etwa notwendige Geschäfts- und ErholmiaS- reisen dadurch unmöglich würden. Es muß also Überall die Mittellinie gesucht werden, die noch den erforderlichen Nutzeffekt gewährleistet, ohne irgendwie Perschwendung zu freit m. Sparsamkeit ohne Geiz. Wenn man vom Schließen gewisser Vergnügungsstätten fprichi, darf da- bei nicht verkannt werden, daß ein gewisses Maß von Ausspannung und Erholung notwendig ist, daß es also verkehrt wäre, ernste und hie und da auch heitere Kunst lahm zu logen, aber der Ueber- kluß, der damit noch durchweg getrieben wird, steht durchaus im Widerfpruch zu unserer Lage.
Andererseits wäre es falsch, etwa die Herstel- hing oder auch die Einfuhr von Süßigkei- ten, Schokolade und Apfelsinen usw., zu ver- bieten, weil diese Dinge nicht absolut notwendig stnd. Sie sind oftmals relativ sehr notwendig. Well der Mensch in der Tat nicht allein vom Brot lebe» kann, das heißt, weil er auch mal etwas Anregendes und „Außerdienstliches" braucht. Auf dem gleichen Gebiete liegt beijipielisweise die Mode und Kleidungsfrage. Während eS euch hier ganz verkehrt wäre, eine Kraft- und Stoffverschwendung zu begünstigen und zu be- sthönigen, so muß doch die Belebung der Jn- vustrie. des GesellschaftAebens und der seelischen Lebensfähigkeit, die durch die Abwandlungen in der Form und Gestaltung der Kleidung liegt, als eine Notwendigkeit im Leben eines denkenden und arbeitenden Volkes bezeichnet werden. Also man darf auch hier nicht das Kind mit dem Bade auSschütten, und es gilt auch hier im weiteren und höheren Sinne: Sparsamkeit ohne Gei». Wenn wir erreichen, daß dies in Deutschland jedem einzelnen in Fleisch und Wut übergehe, dann erst haben wir einen Grad von Wirtschafismoral wieder erricht, der uns einen guten und verhältnismäßig raschen Aufstteg ge- Währleistet.
Voraussetzung bei alledem ist aber auch die' Regelung der Finanzen. Wie in der Kriegszeit ein Weg gefunden worden ist, so muß Sch auch jetzt ein Weg finden lassen, auS dem Wirrwarr heran sz »kommen. Die Finanzen fürs im Kriege immer ü-rbsckiätzt worden. Man erinnert sich noch sehr genau an die zahlreicken Vorhersagen zu Kriegsbeainn, daß der Krieg noch wenigen Wochen zu Ende sein müsse, weil kein Staat mehr über daS nötige Geld verfügen würde. An diesen Rapitaliertum denkt man nicht mehr gern zurück. An Geld ist der Krieg nicht gescheitert, sondern lediglich durch die Phy. fischen und moralischen (politischen^ Umstände ist er beendigt worden; die Finanzen folgten willig jeder Anforderung und zeiaten sich in einer Anpassungsfähigkeit. die keine Grenzen zu kennen schien. Freilich gab eS und gibt es keine Grenzen, und diese fieaen da. wo die Bolkskrast aiifhört: sei es an Menschenersatz, sei es an Bo- denschätzen, an Warenvorrat, an Arbeitswillen. Von diesen vier Dingen ist heute in Deutschland der Warenvorrat am eriMichsttn be
droht. und zwar nicht so sehr durch den allgemeinen Warenhunger, als vielmehr durch oie schwindelhafte Gewenttvertung. Diese Ge-ahr kann nur dadurch endgültig aufgehalten werden, daß Deutschland fortfährt, die Arbeit mit gleichem Gekdmaß zu entlohnen wie den unproduktiven Handel, der Deuttschsgnd auSpowert Mit Zollpolitik allein und internationalem Handelsverkehr ist di nicht alles getan: Der ©teuer Politik muß in letzter Stunde eine allerernsteste Warnung zugerufen werden, wenn sie den Kampf der d-ukschen Arbeit um ihre Existenz und ihren Lohn nicht endgültig zur Niederlage verdammen will ...! Hg.
Revolutioiu krinnemngrtag.
Die Berliner Großbetriebe liegen still.
<Prtvat-Te!earamm.l
Berlin, 9. November.
Allem Anscheine nach wird der heutige Revo, lutionS-Erinnerunstag in Berlin ruhig ver. laufen. Die meisten Betriebe der Groß- industrie und deS Handels sind auf Grund der gestrigen Abstimmungen heute geschlossen. In den Mittel» und Sleinbettieben wird nur insoweit gefeiert, als die Arbeitnehmer organisiert stnd. Die Mchrheitssozialisten warnen ihre Mitglieder vor der Teilnahme an kommunistischen Umzügen, besonders vor der Betretung des Reichstags» und des Regierungsviertels, die abgespertt sind. Die noch immer in Berlin weilenden russischen Dowjrtver» tret er, die dem letzten kommunistischen Parteitag heimlich beiwohnten, sollen heute in mehreren kommunistischen Versammlungen sprechen. Da ihre Festnahme und Abschiebung be» hördlich angeordnet ist, so ist mit kleineren Zu- sammenstößen im Lause deS Nachmittags und Abends zu rechnen. — Die für heute getroffenen Sicherungsmaßnahmen beschränken sich auf eine erhöhte Alarmbereitschaft der Sicherheitspolizei unp der Reichswehr. Die Bewachung der öffenttichrn Gebäude ist nur im In- neren der Gebäude verstärkt. Die Bahnhöfe und dir Reichsbank haben keine besondere Bewachung. Die von den Linksradikalen angekün- digtcn Straßenumzüge kommen erst am späten Nachmittag in dem StraßenbUd zur Geltung.
Verkehrseinschrankung in Berlin.
Berlin, 9. November. (Privattelegramm.) Fn den Eisenbahnwerkstitten sanden Abstimmungen statt, denen zufolge mit Zweidrit- tel-Mehrheit beschlossen wurde, die Arbeit am 9. November einzustellen. Das Reichsverkehrsmini- terium teilt mit, daß der Eisenbahnverkehr am 9. November aufrecht erhalten bleibt. — Heute iüh ist auch der Verkehr der Hoch- und Ü n - t ergrundb ahn eingestellt worden. Rur die Omnibusse fahren. Infolge des allgemeinen Streiks können heute abend und morgen früh keine Zeitungen in Berlin erscheinen.
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Lohn und Fahrpreiserhöhung.
Berlin. 9. November. (Privattelegramm.) Die Direktion der Berliner Straßenbahngefcll- ckaft hält es für den Fall, daß den Führern und Schaffnern eine neue Lohnerhöhung zuae- ttmden werden sollte, für unbedingt notwendig» abermals eine Tariferhöhung vorzmi-ch- inen, um den Betrieb rentabel zu erhalten. Sie hat dem Magistrat voraeschlagen, mit dem 15. November den Achtzig-Pfennig-Tarif einzufuh- re r. Die städtische Verwaltung hat zu diesem Antrag noch nicht Stellung genommen.
Set Berliner AuMnd.
Forderungen nach einheitlichem Lotz«. (Vrrvat-Telearammä
Berlin, 9. November.
In einer stürmisch verlaufenen Sitzung der Elektrizitätsarbeiter wurde gestern beschlossen, daß die Streikleitung heute vormittag mit dem gesamten Betriebsrat über die Wiederousnohme der vollen Arbeit in den städtischen Kraftwerken verhandeln soll. Eine andere Versammlung der Funktionäre und De:- trauen8kute empfahl den Arbeitnehmern die Aufnahme der Arbeit unter dem Gesichtspunkte, daß der Schiedsspruch zu verwerfen sei wegen der darin enthaltenen Klassifizierung AlS Spezialisten gilbt es für uns nur eine einheitliche Lohnaufbesserung oder keine. Wir verzichten im Hinblick auf den gegenwärtigen Stand auf jede Lohnaufbesserung und verlangen auf Grund dessen erneute Verhandlungen zu einer gleichmäßig?» Lohn- zahkuna für alle Arbeitnehmer. — Der Mag straf der Stadt Berlin hat auf Anordnung des Bo- ttzeipräsidenien bin sänttliche Angestellte
der Elektrizitätswerke aufgefordert, ihren Dienst unverändert weiter zu versehen und hat ihnen Schutz gegen Maßregelungen oder irgend Welche wirtschaftlich« Nachteile zugesichert.
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Mutwillige Zerstörung.
Berlin, 9. November. (Privattelegramm.) In der Berirauensmännerversammlung der streitenden Elettrizitätsarbritrr erklärte der Obmann Sylt, daß es diesmal der eingesetzten Technischen Rothilfe nicht gelungen sei, die Maschinen zum Laufen zu bringen. Wir haben nämlich, so erllärte Sylt, aus den früheren Streiks gelernt und Sorge getragen, daß die notwendigen M a. fchinenteile vorher entfernt wurden. Wie der „Vorwärts" erfährt, haben die beiden Stodträte Weise und Leid, welche die Erklärung von Sylt in der Verttauensmännerversammlung mit angehört haben und denen die Sabotageakte bekannt sind, beim Magistrat die erforderlichen Maßnahmen gegen Sylt veranlaßt.
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Der AuSstand in Schlesien.
Beuthen (O-S.j, 9. November. (Privat- felegramm.) Der S i r e i k in den obcrfchkeflfchrn Elettrizitätswerken ist gestern abend sechs Uhr abgebrochen worden, nachdem eine Be- ttiebsräteversammluan sich mit der Angelegenheit besaßt hatte. Die Lage im Eisenbah» »erstreik bleibt weiterhin gespannt.
Saurhaltr-Bsmtimgen.
Srrt-s gssnnngSfrage«, MikchkLhe und anderes (Prrvat-Telearammä
Berlin, 9. November.
Der Hauptausfchuß des Reichstages beriet gestern den Haushalt zur Ausführung des Friedensvertrages, sowie den Haus- halt des RrichSministeriumö für Ernährung und Landwirtschaft. Ein Vertreter des ReichsrninisteriumS des Innern behandelte die Frage der FürforgetätiAeif für die aus Elsaß Lothringen Vertriebenen. Die Zahl der aus El- satz-Lothringen Vertriebenen beträgt hundert- nndzehntausend. Ans eine Frage nach dem Stand der Entwaffnungsfrage gab der Entwaffnungs-Kommissar Dr. Peter- zur Antwort, daß bisher über zwökstaufend Maschinengewehre und über eine Million Gewehre abgeliefert bezw. angcmeldet und erfaßt worden seien. Die Aktion darf burdjauS günstig beurteilt werden. Darauf wurde der Titel zur Durchführung des Gesetzes für die Entwaffnung mit zweihundert Millionen Mark angenommen. Neber die Mitteilung der auswärtigen Presse betteffend die Ablieferung von achthundertundzehntausend Milchkühen gab Ministerialdireltor Simsen die Erklärung ab, es müsse betint werden, daß die Ziffer 810 000 die Endsumme der in den vorläufigen Listen der Entente aufgenommenen Stückzahl bedeute. Eine amtliche Mitteilung darüber, daß auf biefer Ziffer unter allen Umständen bestan- den würde, liege bisher nidrt vor. Längere Un- lerhandlungen feien noch erforderlich.
Schwierige Nahrungsversorgung.
Berlin, 9. November. (Prkvattelegramm-) Bei der Beratung des ordentlichen Haushalts oes Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft wurde auf die Gefahr und Schwierigkeiten hingewi.-sen, denen die Versorgung des deutschen Volkes mir Lebensrnitteln im kommenden Wirtschaftsjahr entgegensehe. Auf die Anfrage nach der Herausgabe von Aktien usw. an die Entente gab Ministerialdirektor Simson bekannt, daß die brutschen Besitzer n.ch Maßgabe des AusMrungsgesetzes zum Frie- densvertrag zu EntschaSigungsanspruchen für diese Auslandswerte berechtigt seien, soweit tatsächlich die Abgäbe von Aknen Usw stattfinden sollte. Die Beratungen werden heute fortgesetzt.
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Höhere Holzpretse.
Der Harrptlutsschutz der Lanbesverfammkung beschäftigte sich am Montag in allgemeiner Bussprache mit der Forstverwalttmg. Ei« Redner wirs auf die infolge des erhähien Holzpreises und des gesteigerten EinMags zu erwartende Steigerung der Einnahmen hin, btc sich auf eineinhalb Milliarden beziffern würden.
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Die Deamtenbesoldung.
Berlin, 9. November. (Privattelegrarmn.) Der Befokdungsausschuß der prc-ußifchen Landesversammlung g-rb in seiner Sitzung am Sonnabmd und Montag den Drrttctern der Beamtenschaft Gelegenheit, sich zu dem neuen Entwurf einer neuen Fassung der Besoldungsordnung zu äußern. Der Ausschuß begann dann mit der Eingruppierung der ersten Stufen
Rußland geht abwärts.
Zersetzung im Inner».
et« Laa« i» 9tutlcmb Rrtrb mit der »un«hmr» bett «Lire immer schlecht««. 1>f« städtisch« Be. »dltetuag friert unk hungert. S«lt>R bi« 6'derer sehen jetzt «io, vatz s.« bar» abaeiotrkschaf. tet haben, tote au* folgen»em Bericht tzervoraeht Ans HoLstngforS wird untcrm 8. November gemeldet: Trotz ber Niederlagen Wrangels» btt aber in ihrem tatsächlichen Umfang auch noch gar nicht bekannt und bestätigt find, geht es jetzt mit Svwjetrußland unaufhaltsam abwärts. Nicht mehr von außen droh, die Gefahr, sondern sie kommt von innen und sie ist um so gefährlicher, als die Svwjetregierung nichts mehr gegen ste unternehmen &mn. Die Berichten on Aufständen und von einer Krise in Siowjetrußland werden jetzt von keinem anderen als von den Führern in Sowfetrnßland, Lenin und Trotzki vollauf bestätigt. Lenin schreibt in der „Proletarskaja Prawva": Niemals hat Sowjetrußland eine solche Ernährungskrise erlebt als jetzt. Moskau ebenso, wie die anderen großen Städte werden durch den Druck des Hungers lahmgelegt. Selbst da» Heer hungert! Dashalb ist es notwendig, die Bauern mit den allerschärfsten Mitten zu zwingen, die Lebensmittel auszuliefern. Und Trotzki faßt: Der Mangel an FouerungSma- teriat und die Unruhen, die durch aufrührerische Banden hervorgefufen werden, erschweren die Bewegung der Truppen. Der roten Armee fehlt es an Kleider» und Stiefeln. Die Situation ist so gefährlich daß ohne Abstellung dieser liebel alle übrigen Anstrengungen SberMssig sind. Damit wird zum ersten Mal von berufenster Seite das beftätigt, waK wir fett Wochen gemeldet haben. Aber be®
Anzeichen für den Zerfall
gibt eS noch mehr. Kommunisten, Me gewiß nicht im Verdacht stehen. Sowjetfeindlich zu fein, erklären, daß zahlreiche Sowjetkommissare unter Mitnahme von Gold, Juwelen und Wertsachen aus Rußland ins Ausland flüchten. Mr der scharfen politischen Witterung, die man de» meisten Sowjetbeamten nicht absprechen tonn, scheu diese Leute den Zerfall Sowjetrußlands voraus und suchen auf alle mögliche Weise Svw- jetposten im Ausland zu erhalte». Der Dichter Marim Gorki, gewiß ein Wverkässiger Zeuge, schrieb kürzlich i» einem bolsthewi fluchen Blatte: .Jetzt ist alles Volkseigentum geworden. Nichts- destoweniger wird die Z e r st örnn g und V e i- nichtung in immer steigendem Maße strtge- setzt. Die Barbaren tu Saratow vollziehen die ZevslSrungsarbeit in Pensa, während die Barbaren aus Pensa daSsekb« in Saratow tun. Ma» zerstört Wohnhäuser, statt Holz verbrennt man alte wertvolle Möbelstücke. Postpakete w-rde» in Oelbilder eingebaut. Von der Zerstörunig gewöhnlicher Gegenstände lohnt eS sich überhaupt nicht mehr zu reden. Dabei glaubt man noch mit der Vernichtung deS toten prahlen zu können. Es wird besonders nachlässig gearbeitet, in böswilliger, nachlässiger und verständnisloser Weis«. AuS Dummhett, aus Mangel an Achtung vor seiner eigenen Arbeit vernichtet man Werte, zerstört die Wirtschaft der Re, publik. Die revoluttonäre sozialistische Politik ist gewiß etwas sehr Schöner. Im ganzen wird durch sie ober eine Atmosphäre des allgemeinen SchlendttanS, der Faulheit und der Verbrecherischen Nachlässigkett geschaffen. Mr haben noch nie so
schlecht «nd unredlich gearbeitet
tote jetzt. Teilweise ist das «tne Folge bet schlechten Ernährung, der körperlichen Schwache, aber in noch viel größerem Maße ist es bet Manael an Berantwortlichkeitsgefühl für das, was in Rußland geschieht. — In einem Aufrufe der bolschewistischen Regierung, der die Einführung der allgemeinen Arbeitspflicht in Svw» tetrußland betrifft, heißt eS: »Die arbeitenden Städte und Teile des Landes ,-rfticken unter dem Drucke des HungerS. Die Eisenbahnen kttechen tonnt, die Häuser sind zerstört, die Städte erftif- ken im Schmutz. Epidemie» grassieren und der Tod mäht rechts und links. Die Industrie ist zerstört. Der Krieg, die Blockade, der Ansturm der Gegenrevolution der ganzen Welt, beständige innere Verschwörungen der Reichen Koben daS Ihre getan. Der freie Handel bietet keine» Ausweg. Auch auf die alten Vorräte Mrückzug-ei- fen ist kein Ausweg: sie sind nicht mehr. Fetzt gibt es nur einen Ausweg — die Arbeit. Die Lokomotiven reparieren, die Häuser säubern, den Unrat hinausschaffen, Maschinen bauen, Holz fällen, Getreide in die Städte führen, Waggons bauen — mit einem Worte: nützliche Arbeit lotsten, neu« Werte schaffen, bei dieser Arbeit helfen — darin mir liegt die Rettung. Ohne dies bringen
drei Hauptseinde — Tod, Hunger und Pest unmittelbare Gefahr: den Untergang der Anbei* ter, den Untergang der betriebsamen Städte®, den Untergang der Intelligenz, den Untergang vieler Bauern.- — Und in der neuesten Sunt-,