Mittwoch, 8. November 1926.
Kasseler Neueste Nachrichten
10. Jahrgemg. — Nr. 255.
geringster Koch sei Vie Art der Wagnerschen Ge- schästsfirhrung nicht genehm gewesen, aber es war keine andere. PersönNchkeit für ihn vor- Händen. Dr. Theiß (Soz.) erörterte die
Kasseler Stadtparlament.
demokratischen
den schon bekannt gegebenen
stimmten dagegen.
-nn.
Die Möbel des Oberbürgermeisters; neue Heirschelsche Millionen-Stiftung; die Erhöhung des Schulgeldes.
In lima
Antrag ans Vorlage der Magisteratsaktcn über die Möbclanschaffungen ans ehemals königli-
richtung eines Paffagierlustschiffdienstes hat Deutschland seit dem Kriege beträchtliche Fott- 'chritte gemacht, und trotz der Einschränkungen, die der Friedensvertrag seiner Lustschisfahtt aus- erlegt, ist es möglich daß in absehbarer Zeit deutsche Luftschiffe den Handel nach Amerika und dem Osten bewerkstelligen weiden. Einstellung des Luftschiffbaues in England wurde bedeuten, daß Deutschland aus diesem Gebiet eine Führcr- stclluug erringen würde, die zu überholen uns erst nach Fahren gelingen könnte.
der gestrigen Stadtverordneten-Versamm- begründete Stadtverordneter Leineweber
Jeutschlaud und die AMerten.
Um die Zulassung zum Völkerbund.
(Eigener Drahtbericht.)
Genf, 2. November
Der Mitarbeiter eines Genfer Blattes hat dem Führer der hier eingetrofsenen japanischen Abordnung für den V ö l k e r b u n d, dem Senator Baron Megata die Frage unterbreitet, ob er für oder gegen die ZulassungDeutschlands sei. Der Japaner hat geantwortet, daß sich di: javanische Abordnung der Zulaffung Deutsch lands nicht widersetzen würde. Deutschland sei ein zu bedeutendes Land, als daß man es auf di: Dauer von einer allgemeinen Organisation ausschließen könne, wie sie der Völkerbund anstrebt. Fragen untergeordneter Bedeutung, wie diejenige Tsingtaus, müßten zurücktreten vor der hauptsächlichsten Aufgabe des Völkerbundes, sich selbst zu konstituieren.
gunq des schwebenden Gerichtsverfahrens vorgelegt werden, aber Bürgermeister Brunner gab bekannt, daß sie — dem Gericht bis zum 15. November zur Verfügung gestellt — auf dem Tische des Hauses liegen. Der Magistrat sei der Ansicht gewesen, daß die erst im September betätigten Verträge nickt der Genehmigung der Stadtverordneten bedürfen, weil die darin von der Stadt übernommenen Verpflichtungen sofort auf den Oberbürgermeister überaegangen seien, was übrigens schon mündlich vereinbart gewesen sei. Stadtverordneter Brill (Freie bürgerliche Vereinigung) hatte sich zunächst gegen Zurufe von der linken Seite des Hauses zu webren. Als er ersuchte, sachlich zu sein, bekam er die Antwort: Mit Ihnen nickt! Der Redner erklätte, er werde in dem schwebenden Gericktsverfahren das hervorheben, was nicht in den Akten stehe. Die Angaben des Bürgermeisters seien nicht ,utresfend. Schließlich wurde eine siebenaliedrige Kommission gewählt, von der die Atten zu prüfen sind. Zu gegebener Zeit wirb sie dann Bericht erstatten. Ihr gehören an die Stadtverordneten Sanitätsrat Dr v. Wild, Sttidienrat Müller ((Dem.), Magisttatsrat Dr Theiß, Architeht' Voepel und Wittrock (Soz.) sowie Rechtsanwalt Brill (Fr. b. V.).
Rechtsfrage. Wagner sei sein schlechtes Geld gut losgewovden und habe das Vermögen der Stadt geschädigt, indem er unter Unterdrückung des währen Tatbestandes bei der Stadt einen Irrtum eregte. Der Tatbestand des § 263 R- Str.-G. fei erfüllt. Die ganze Versammlung
Der Oberbürgermeister
hat übrigens heute eine Miteilung aus dem Finanzministerium, dem die Verwaltung der Kafleler Schlösser untersteht, an die Presse eraehen lassen. Danach gehören die um 1830 entstandenen Möbel aus den Kavalierräumen des Bellevue-Schlosses im wesentlichen zu dem Inventar, das der Staat grundsätzlich nicht veräußern kann. Da jedoch im borlie^nbett Falle die Gegenstände der Oeffentlichkeit erhalten bleiben, zumal sie — wenn auch in städtischer Verwaltuna — am Ort ihrer Entstehung an besonderer Stelle ihre Verwendung finden, w bestehen keine Bedenken, sie zur Ausstattung der Empfangs- und Drbeitsräume des Oberbürgermeisters leihweise abzugeüen. Die Stakst übernimmt neben der Zahlung einer Leihgebühr die der bisherigen Krone Preußens in Bezug auf alle zum hessischen Fideikommis gehörigen Sachen obliegende Verpflichtung, die Gegenstände dauernd im Zu stand der Ucbergabe zu erhalten bezw. in Abgang gekommene Stücke zu ersetzen. Die Gegenstände von ausschließlichem GebrauchSwett, wie dw hier in Frage kommenden Betten, Teppiche, Gardinen, Wäsche und Wittschastsgegenstände, die sich im allgemeinen ihrer Natur nach auch nickt zur Verleihung eignen, sollen an die Stadt verkauft werden. Weiter heißt es: Die Möbel, von denen die Rede ist, sind nicht verlauft, sondern an die Stadt Kassel vermietet worden gegen Zahlung einer Mitgebühr, die deshalb verhältnismäßig niedrig bemessen ist, weil die Pflicht tadelloser Instandhaltung von der Stadt übernonnnen ist. Der entsprechende Absatz des Vertrages mit der Stadt Kassel lautet: Die Stadt Kassel verpflichtet sich, die vermieteten Gegenstände pfleglich zu behandeln, sic in dem Zustand welcher in den Angaben des Verzeichnisses festgelegt ist, solange irgend möglich zu erhalten und etwa unbrauchbar werdende Stücke durch gleichwertige zu ersetzen. Die Möbel dürfen nicht anders als zu Repräsentationszwecken der Stadt benutzt werden Die Gebraucksmö- bel sind durch einen vom Regierungspräsidenten bezeickneten vereidigten Tarator abgeschätzt und in gleicher Weise, wie in zahlreichen anderen Fällen vom Oberhofmar- schallami verfahren worden ,st. ebenfalls an die Stadt Kassel durch besonderen Vettrag vom 2. 7. 1920 verkauft worden.
Deutschland verlangt volle Stimme.
Berlin, 2. November. (Pttvattelegramm.) Wie wir zuverlässig erfahren, hat sich das. Reichs- kabinett bereits Wer seine Haltung gegenüber einer Einladung nach Genf, nur mit beratender Stimme an der Konferenz teilznneh- nten, schlüssig gemacht. Deutschland wird eine solche Einladung nicht annehmen. — Aus Paris wird gemeldet, daß die Einladung an Deutschland,Rn Gens mit „beratender Stimme" teilzunehmen, in der kommenden Woche abgehen soll Der alliierte Rat rechnet auch damit, daß die deutsche Regierung eine Einladung in dieser Einschränkung ab lehnen könnte.
Dis gestrige Versammlung .
brachte zunächst eine erfreuliche Mitteilung des Oberbürgernteisters: Geheimrat Dr. Henschel bat der Vaterstadt zweieinhalb Millionen Mark zur Errichtung von Wohn, bauten gestiftet! Der Oberbürgermeister sprach dem Stifter herzlichen Dank ans, dem sich au» der Vorsteher G r z e f i u s k j anschloß.
zu beiden Gerichten nickt hinausgesckoben werden, daß nur eine neue Verordnung abzuwarten ist. Bevor dann die Taaesordnung mit der Genehmigung zahlreicher Rachbew-lli« gungen erschöpft war, stand noch die Frage der
Erhöhung des Schulgeldes
zu ernsten Debatten. Der sozialdemokratische Dichter, Lebrer und Stadtverordnete Valentin Traudt beqann seine Begründung der Won anssützrlick bekannten Vorlage mit einem schwungvollen Vergleich: Di, Dickter aller Völker und aller Zeiten haben als Höckste« die Mutterliebe besungen, aber es wird au» bwick- ret, daß verzweifelt» Mütter ihre eigenen Lieblinge geopfert und der Dernichtuna vreisgeaeben baben Heute haben wir denselben Wider- fvrnck Wir treten für Unentgeltlichkeit der Bildungsstätten und Bildrmgsmittel ein und die Not. die sich aus dem sogenannten Frie- densvettraa ergibt, zwingt uns. die Kultur W verteuern. Der G ebner trat dafür ein, daß bei der Auswahl der Anwärter auf Freistellen, deren Zahl von 10 auf 15 Prozent erhöht wird, nach der sottalen Lage und der Beaabung verfahren wird, t'tn sodann einen Antrag zu stellen, der über die Machstratsvottoge hinarrsgeht:
Die auswärtigen Schüler
'ollen, gleichgültig. ob sie hier ht Pension sind oder nicht, ein Schulgeld zahlen, u. zwar 700 Mark, also 200 Mark mehr wie -die einhei- nnschen. Bei den Mittelschulen sollen die Einheimischen 300. die Auswärtigen 500 Mark zahlen. Sobald irgend eine Erleichterung der Steuerlasten eintreten sollte, müssen die Schuldsten zuerst abgebaut werden. Die Stadtverordnete von Kaestner trat für sorgfältige Auswahl der Begabten ein, während Prof. Hebel (Fr. b. D.) den Traudtschen Antrag bekämpfte. Die fjier in Pension befindlichen auswärtigen Schüler geben Vielen, namentlich Witwen, die Möglichkeit zum Leben. Dieser Erwerb durch Aufnahme von Pensionären darf ihnen nicht genommen werden, umso mehr, als bereits von einer neuerlichen Schttlgelderhö" b n n g jm nächsten Fahre gesprochen werde. Stadw. Schwab (Zetttr.) erklärte sick schweren Herzens bereit. Spräche er nur als Volks» schullehre. so müßte er die Vorlage ablehnen. In der Aussprache brachte Hauschildt (Soz.) u. a. zum Ausdruck, daß dtrrch diese Schulgeldverteirerung vorwiegend der neue Mittelstand — Feskbosoldete — und die Arbeiter getroffen werden, die ihren Kindern nicht die Bikduna zukomm.m lassen können wie sie möchten, während der
erste beste Schweinehund von Schieber keinen Kindern Pelz: für 10 bis 18000 Mark rm'bängt Werden solche Schieber erfaßt, so '.misse Bet ihnen Schulgeld-Dacherhebung ein« treten. Mm Mehrer Mütze (Dem.) HÄt eine Kulturkrise für unausbleiblich, wenn es so weitergeht. Nur unter der Voraussetzung, daß es sich bis zur angekündigten Staffelung nm ein Provisorium bandele, stimme er zu. Im übrigen, drehten sich die Bedenken vorwiegend um die Belastung der auswärtigen Schuler und zum Schluß der Debatte stellte der zeitweilig den Vorsitz führende Stadtv. Keck (Fr. b. V.) fest: Alle ^arteten sind einig, daß die höheren Schulen als Kulturstätten nicht erschlagen werden dürfen, daß sie vielmehr auszugestalten sind. Die Abstimmung eraäb eine knappe Mehrheit für den ungeheuren Satz von 700 Mark für alle auswärtigen Schüler. Die Freie bürgerliche Vereinigung und ein Teil der Demokraten
Besalduugsresarm.
Die Forderungen der Beamten.
Der zweite Beamtentag des Damschen Beam- tenbundes, der mehr als 1% Millionen Beamte vertritt, hat eine Entschließung angenommen, durch die Regierung, Volksvertretung und Oes- sentlichkeit in zwölfter Smnde gewarnt Werden, die letzte wirtschaftliche Wiserstandskraft der Beamtenschaft durch kurzsichtige Sparmaßnahmen zu vernichten imb dadurch das Rückgrat des Staates zu zerbrechen. Voraussetzung für, den Erfolg der unbedingt nötigen aer.xftten Lözung der Besoldungsfrage ist es, daß alle Wege be- sckritt.m werden, die geeignet sind, die Kanflrast des Geloes zu beben. Während Arbeitslohn und werbendes Kapital bis zur Unerträglichkeit durch Steuern belastet sind, feiert die Spekula-
Nachdem der „Fall Wagner" durchgesprochen und die Möbelfrage „vermöbelt" war, beschäftigte sich die Versammlung mit dem demokratischen Antrag an den Magistrat auf Prüfung der Frage der Nutzbarmackung der amtlichen städtischen Fürsorgestelle für Kriegsbeschädigte nsw für alle in Bedrängnis geratenen usw. Personen, insbesondere für Arbeiterinva- liden. Die Stadtverordnete von Kästner befürwortete ibn, ebenso ein Vertreter des Magistrats und die Stadtverordneten Hoß (Dem.) und Francke (Fr. b. $.), Letzterer trat vor allem dasür ein, daß den Arbeitsinvaliden irgend ein kleiner Nebenverdienst verschafft werde, damit sie nicht das drückende Gefühl haben, Unterstützung zu enwfcmgen Frl. von Kaeltn-r batte dies? Kategorie Notleidend.-r als Kriegs- beschädiate bezeichnet. Die ausführlich besprochenen Anträge zu den Ortsttatuten für daz Ge' werbe- und Kauftnannsgettcht wurden geneh- nehm-gt. Dabei cas es eine Mitteilung des Ttadttatz Rosenstock daß die Dahlen
Eine Amnestie.
Riga, 2. November. (Eigene Drahtmelonng) Von bolschewistischer Seite wird zur Beruhigung gemeldet, daß das Volkskommissariat für Justiz in Petersburg Material sammelt für eine Amnestieliste, die am Tage der dritten Jahresfeier der russischen Revolution erlassen werden soll. — Inzwischen kommt aus Petersburg die sensationelle Meldung, daß der bisherige politische Generalagent der Svwiettegierunq für Europa, Litwinow, auf hoher See vvn einem englischen Kriegsschiff verhaftet und nach Batum gebracht sein foC. Da bisher nicht bekannt war, daß Litz winow sich auf einer Fahrt im Schwarzen Meer befand, m-uß die Bestätigung dies« Meldung bis auf Weiteres abgewartet werden.
Schiffsverkehr rutt Suglsuß.
Frachtfahttr« deutscher Dampfer.
Seit einiger Zeit besteht wieder ein regel« mäßiger Dampfewerkehr zwischen Breme n- Hull und umgekehrt, den eine deutsche Reederei mit deutschen Sckiffen unierhM. Huü ist bekanntlich an der englischen Osiküste der wichtigste Hafen für Rordengland und das mittel« englische Industriezentrum, so daß diese Ver- biickung für die Wiederaufnahme des Handelsverkehrs mit England eine außerordentliche Bedeutung gewinnen wird. Für die Verlader empfiehlt sich diese Linie nickt nur deshalb, weil der beutfdjen Volkswirtschaft durch die Wiedererstattung der deutschen Handeksflotte ein gar nickt heck genug zu schät- Sder Dienst erwiesen wird, sondern auch des-
b, weil die FrachtvcrhSltnisse bei Benutzung
sei einig in der Verurteilung der Wagnerschen Handlungsweise. Bemerkenswert war folgende Erklärung des Vorsitzenden Grezefinski: Sehr oft habe ich Gelegenheit gehabt, die Be- cksir brndlung verschiedener Angelegenheiten durch "**" Wagner zu rügen. Niemals war ich im Zwci- sel, daß kein besonderes Kunststück dazu gehörte, irie Wagner die Stadt Kassel reicklick versorgt bat Wer so wie er als Vertreter der Stabt Kassel über unbeschränkte Mittel verfügte. hatte es leicht, erbcblicke Menaen von Lebensmitteln und sonstigen Bedarfsgegenständen einzulaufen. Die Dezernenten anderer Großstädte haben Wagners „Unter allen Umsiänden-Einkaufspoli- ttk" verurteilt. die beigetragen habe, daß die Preis» in Deutsckland schon früher stiegen. Der Äribeiterkekretär Bohr (Fr b. B.- fragte später, ob es richtig gewesen sei, daß Wagner solche Machtvollkommenheit hatte, und erhielt einen Zuruf Hauschildt's (Soz.): Paschaherrlichkeit' Der Reit der Debatte wurde in der vertraulichen Sitzung behandelt, die einem Vergleich zustimmte, der allerdings anders geformt ist als der von Wagnw vorgeschlagene, aber die betrübliche Angelegenheit wahrscheinlich ans der Welt dringt. H-
' t Schlössern, weil Zweifel darüber bestehen, wie 8 38 der Städteovdnung für Hessen-Nassau au zulegen ist. Oberbürgermeister, Schordemann war während der Behandlung dieser Angelegen' nickt im Saale. Die Akten sollten nach Erledi-
der deutschen Dumpfer in vielen Füllen fliinitiget sind, als bei Benutzung der von anderen deutschen Häfen fahrenden englischen Linien.
Ser deutsche Luftverkehr.
Die Freigabe durch die Alliierte«.
Wie gestern durch Telegramm berichtet wurde, verzichtet die datierte Kommission auf die Zer- Etng der deutschen Flugplätze und erlaubt deutschen Luftpostdienst, diese Plätze zu benutzen. Des weiteren hat die Kommission auch die Luftfahrten zu Zivilzwecken über Deutsckland und auch Fahrteil nach dem Ausland« (mit einigen Einschränkungen) freigegeben. Im Zusammenhang damit wird es für die deutsche Oeffeutlichkett von Interesse sein, zu erfahren, daß man schon seit tangereer Zeit in England gegenüber den deutschen Bestrebungen aus Ausgestaltung rind Ausbau eines eigenen Lufwerkehrsnetzcs zu Passagier- und Handelszwecken größter Aufmerksamkeit an den Tag legt und den bisherigen Leistungen Deutschlands auf diesem Gebiete große Anerkennung zollt.
In einem jungst erschienenen Buche des Ober- inacnicurs der Lustsckiffabrtsabtcilnng der englischen Pickers-Wette, Pratt, wird in Der Vorrede darüber ansgcsührt: „Deutschland weist uns auf diesem Gebiete bereits den Weg. Sn der Etn-
Der Aufflaud in Rußland.
Die Nahrungsmittel bleiben aus.
(®igene Drahtmeldung.)
Helsingfors, 2. November.
Nach hier eingetroffenen Meldungen ist die Stimmung in Moskau infolge der Erklärung des Belagerungszustandes und der Mobilisierrmg aller Kommunisten außerordentlich erregt. Tic Lebensmittelkommiffare haben mitgeteilt, daß in elf Gouvernements die Bauern wegen der Awangsrequisitionen von Korn sich erhoben haben. Die Gerüchte von neuen schweren Bn- grifen des Generals Wrangel auf die Bolschewi- stenfront haben unter der Bevölkerung groß: Unruhe verbreitet. In Moskau werden fortgesetzt Verhaftungen vargenommcn. Alle Gefängnisse find überfüllt. Unter den Gefangenen befindet flch auch der General Brussilow, sowie General Nurnets. Die „Prawda" meldet, daß eimmdreitzia sibirische Bufsiändischc in Omsk hingerichtet worden seien. Aus Sebastopol kommt die Meldung, daß die Bolschewisten an der Wolga fieberhaft tätig find, aus Chinesen, Ungarn, Deutschen (??) und anderen Richtruffen, besonders Tartaren, ein internationales Heer aufzufteklen und an die Front zu schicken.
Einmal wöchentlich Fleisch.
Eine ernste Mahnung des HaussrauenvereinS.
Jetzt, da alle Metzgerläden vollhängen mit Fleisch, ttingt dieser Appell etwas eigenartig. Manche Frau sagt: Kostet das Fleisch auch viel, so wollen wir uns doch nach all den Jahren der arammweisen Zuteilung einmal ordentlich fatt- esscn D a S ist es gerade, was dem Appell der fdrusfrauen-Oryanisation besondere Bedeutung verleiht. Die Frauen, die so denken, besitzen das nötige Geld zur Befriedigung ihrer Brar- wünsche. Aber Tausende von anderen Hausfrauen haben die gleiche Sehnsucht, dock nicht das gleiche Geld In dem erwähnten Aufruf heißt es: Wir alle wissen, daß bei freiem Handel Angebot und Nachftage in Wechselwittung stehen,, daß also jetzt im großen Maße von dem Fleischeinkauf das Schlachten des Viehs ab- hängt. Wenn die Ware Absatz findet, wird sie auch in bett Handel gebracht, findet fle keine Käufer, läßt das Schlachten des Viehs nach, und wir kommen zuz dem, was unumgänglich notwendig ist, nämlich auch ferner den Fleischverbrauch gewaltig eiuzuschränken. Wissen denn die Hausfrauen, wieviel Schlachtvieh der furchtbaren Seuche immer noch zum Opfer fällt? Sagen sie sich, wenn von Maul- und Klauenseuche in den Zeitungen steht, daß das auch sie sehr ernstlich angeht? Wissen sie noch immer nicht, daß ibr Haushalt eine Zelle des Volks Haushalts ist und daß deshalb in jedem Haushalt so @e- wittsckastet werden muß, daß Me Allgemeinheit davon keinen Schäden hat? Und das hat sie, wenn wir nicht pfleglich mit unfern Viehvorräten umgehen Von Landwitten ist uns gesagt worden, gan, offen heraus, daß nur dann wir anskommen können mit dem. waS unS nach allem von Fleisch noch zur Verfügung steht, wenn niemand mehr allS einmal wö- »entlieft Fleisch ißt. DaS sollte «ns ein« ernste Mahnung sein und Richtschnur an un- serm Herde! .
Der HauSsrauenverein wendet fick dann a« die Männer, denen die Frauen Mt zu reichlichen Fleischaettckten Freude machen möchten, und sagt: Ihr Männer, verlangt vo« eurer HauS- ftem nickt daß sie volkswirtschaftlich fünblgt Hierauf kommt wieder die Frau an die Reihe: Ihr Hausfmuen, bereitet aesckmackvolle Speisen, ihr könnt euren Küchenzettel auch Fleischgerichte abwechselungsretch und nahrhaft aestalten. Ihr findet auch dafür Rat mtbjta- leituna durch den HauSfraneuvereiw und Wcmr ihr reichlichen Mscheinkauf tmtettaßtz wemt ihr dadurch daS allzu vitte Viehschlachten nn. terbindet. tut ihr das. VMS ihr allezu tim bereit fein müßt, nämlich eine vaterländische Pflicht!
Kasseler Statistik.
BevölkerungsvorgLnge im DepiemLer.
Wie das Statistische A«tt der Stadt Kassel mitteilt, betrug im Monat SeptenckerdieZabl der Geborenen 310 (gegen 397 und 203 in den gleichen Monaten der beiden Vorjahre) z daru.l- ter waren 31 (40, 32) unehelich.
Prozent (10,1, 15,8 Prozent). In der Gesamtz zahl der Gsdntten sind 6 Totgeburten (gegen q und 7 in den gleichen Monaten der betden Vorjahre) enthalte t: der Prozentsatz der Tvtge- butten beträgt 1.9 Prozent (gegm 2P und 34 Prozent). Die Zahl der Sterbefalle Mief sich auf 157 (158, IM), darunter befanden sich W Ortssrentde Von den Derftvwenen waren 32 (29 231 Kinger unter einem Jahre und 57 (52, 47)’ Personen über sechzig Jahre. Mithin ist tn diesem Monat ein Ueberschuß der Geburten über di'- Sterbesälle festzustellen; et beträgt 147 (gegen 930 im gleichen 5ßouat des letzten und gegen 37 Im gleichen Monat d-s vorletzten Jahres. Rach den bei bett hiesigen Polizcireviereu emgegangc- nen Meldungen sind zugezogen 1939^(2829, 30M Personen, weggezogen 2584 (3301, 3114) Pett^ tun. Mithin beträgt der Wanderungs-Verlust 645 (gegen 472 im gleichen Monat des letzten nm» gegen 84 im gleichen Monat des verätzten sichres). Die Zahl der Eheschließungen bet den hiesigen Standesämtern betrug 193 (fielen 232 und 86 in den gleichen Monaten der beiden Borjayre).
9
Wochen-Statistik.
In der 43. Jahreswoche (vom 17. bis 2X Oktober 1920) starben nach den Mitteilungen des städtischen Statistischen Amtes in Kassel 27 Per- sonen (gegen 40 in dcr Paraüelwoche des Dor- jahrrs). Darunter Waren vier (wie im Periahr:) Kinder im ersten Lebensjahre. Unter der Gesamtzahl der Sterbeiälle waren Vier durch Tuberkulose, fünf durch akute Krankheiten der At- muugsorgane und einer durch Brechdurchfall. Magen- und Darmkatarrh veruttacht. Einen $> waltsumim Tod erlitten zwei Personen. Die Zrhl dcr Lebend geborenen betrug (in der vorhergehenden Woche): 56 gegen 89 in der gleichen Woche dcs Vorsicht eS.
Steuerbescheid und Lohnabzug.
Der Gewettschastsbund der Angestellten (®. d. A) Berlin teilt mtt: In den Kreisen der Lckmempfänger hat die Versendung des vorläufigen Steuerbescheides vielfach Beunruhigungen hcrvorgerufen. Man ist der Meinung, daß der in dem Steuerbescheid angegebene Betrag in bar neben den Lohnabz^en zu entrichten, daß also doppelte Steuer zu zahlen ist. Diese Atrfiaffung trifft nicht zu, es werden vielmehr aus den im vorläufigen Steuerbeicheiv enthaltene« Betta« die bereit! entrichteten
tion mühelos Triumphe. £er »Wette Beamten- tag verlangt, daß hiergegen enÄlich mit rücksichtsloser Energie vorgegangen Wird. Insbesondere fortiert er, daß jeder Mehrwert an Grund und Bohrn, der aus der Arbeit der Gesamtheit mtsteht, die Grundrente sowie alle arbeitslosen Gewinne aus Monopolen und Valutanvt restlos den Zwecken der Mgemeinheit nutzbar gemacht werden. Nur hierdurch ist es möglich, die deutsche Volkswirtschaft Wieder lerfdungsMtg zu machen und zu befestigen, nur dann kann mit den MMarden-Austvendungen für die Bearnten- besoldung eine Wirkliche und wittsmnc Bssol- dungSreform geschaffen Werden."
Neues aus Raffel.