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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Nummer 252

Sonnabend,. Oktober 1920

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952.

10. Jahrgang.

Notlage infolge der Kohlenablieferung.

Wie stehe« wir?

Die Ministerreden im Reichstag.

Die Ministerreden im Reichstage zur Einlei- tun« der politischen Debatte bedeuteten tm Grunde eine große Gewissensersorschmig über die Frage: .Wie stehen wir? Dem Reichskanz­ler Fehrenbach blieb es Vorbehalten, cm umfas­sendes Bild über unsere Lage im Innern zu zeichnen. Die zwangsläufige Norm, in der sich nun einmal unter den heutigen Verhältnissen unser gesamtes Wirken vollzieht, bedingte es, daß mit neuen Gchanken und Zielen und mit neuen Zieliweisungen naturgemäß nicht hervor- getreten werden konnte. Dennoch vermochte der Kanzler in seiner Rede manche Gedanken zu entwickeln, welche die politische Debatte der nächsten Tage zu befruchten geeignet und die Arbeit der Regierung wie der Parteien ju be­leben imstande sind. Die Lage Deutschlands von heute kennzeichnet Fehrenbach dahin: mili­tärisch gebrochen, politisch stilleglegt und wirtschaftlich zermürbt. Gegen die ZwangsverhÄtniffe, unter denen wir uns heute beftnden, kann wohl mit Worten angegangen werden aber Mittel und Wege, um vlcse Zwangslage zu beseitigen, können nicht gezeigt werden. , ...

Die außerordentlich großen militärischen Aufwendungen, die Frankreich gegenwärtig m Szene setzt, können wirklich nichl mit der Not­wendigkeit begründet werden, das zerschmetter­te Deutschland niederzuhalten. Es, war aber richtig vom Reichskanzler, daß er diesen fran­zösischen Bestrebungen den Gedanken der Abrüstuna gegenüberstellt, zu dessen Durch- führuna Deutschland sich bereit erklärt hat. Deutschland warte nur daraus, daß die anderen Mächte dem Beispiel folgen, das es gegeben hat. Daß diese Erwartung von eigenartigen Ge­fühlen begleitet wird, gab der Reichstag ganz unmißverständlich zum Ausdruck. Während die deutsche Industrie und das deutsche Wirtschafts­leben infolge der Verpflichtungen bezüglich der Kohlen-Ablieferung in schweren No­ten stecken, sind gegenwärtig in Frankreich Koh­len überreichlich vorhanden. Man stapelt sie hort schon. Es war richtig, diesen Tatbestand gegenüberzustellen mit dem anderen: der Aus- sauguna Deutschlands durch die furchtbaren Okkupationslasten. Diese Riesensummen fressen auch die letzten Hoffnungen auf dieRepara­tionen^ auf. Eine wichtige Schicksalsfrage ist di« Ernährungspolitik, die der Kanz­ler mit einigen Sätzen streifte. .Machen wir uns doch nichts vor/ so sprach er zur Linken gewandt,die Abbauung der Zwangswirt­schaft ist doch nur der Ausdruck der Tatsache, daß diese Zwangswirtschaft schon längst zusam­mengebrochen war.' Jetzt müsse alles daran gesetzt werden, bamit das deutsche Volk auch durch diesen Winter hindurch komme. Nur tatkräftige Mitarbeit könne hier hal­fen. nicht agitatorisches Reden Es gäbe heute keine Regierung, die dem deutschen Volke Be­quemlichkeiten schaffen könne. Nur Eharlatone oder bewußte Hetzer würden anders reden.

Einn besonderen Teil seiner Ausführung widmete der Reichskanzler unter lebhaftester Anteilnahme des Hauses der jüngsten partei­politischen Entwicklung, wie sie in der Spaltung der Unabhängigen und der Absplitte­rung der kommunistischen Elemente Ausdruck gefunden hat. Es seien jetzt Kräfte am Werk, welche die russischen Mechoden nach Deutschland verpflanzen wollten. Dolche Versuche werde aber die Reichsregierung mit allen Mitteln der Staatsgewalt abwenden. Das wiecht der Mei­nungsäußerung sei gewahrt, es müsse aber Halt machen vor dem Gesetz. Die Reichsregierung warnt davor, diese Schranken zu Merschreiten! Ganz ausdrücklich richtet der Kanzler diese War­nung an die kommunistische Partei Diese Par­tei tritt handelnd auf mit dem Moskauer Pro­gramm der kommunistischen Despotie. Der Weg führt aber nur durch den Bürgerkrieg. Wer den Umsturz des Reiches durch Mutige Gewalt urtb inneren Krieg herbeizuführen sucht, stellt sich außerhalb der bestehenden Rechtsordnung.

Mit ein paar Worten zeichnet der Kanzler dann noch das Programm der Regie­rung. In der Landwirtschaft und in der Industrie sollen alle Kräfte zur Wieder- eroberung der deutschen Arbeitsfähigkeit mobil gemacht werden. Unsere Pcrkehrspolitik muß saniert, unsere Finanzen muffen geordnet werden. Die Rückkehr auf den Weltmarkt ist zu erstreben. Vor allem muß auch unsere Arbeiterpolitik nach modernen Grundsätzen um­gestaltet werden. In diesem Zusammenhang« erwähnt der Reichskanzler auch die S o z i a l i- sierungsfrage. Eine Vorlage über die Sozialisierung des Kohlenbergbaues wird ange- küMigt, die Regierung habe diese Frage mit der Sorgfalt geprüft, die ihr durch ihre Ver­antwortung gege-iMer dem Volkswohle vorge- idwtben sei. In diesem Lussnmenhavqk prägt

der Reichskanzler den Satz, daß das Deutsche Reich heute keinesfalls Krieg in feiner Wirtschaft gebrauchen könne. Bei aller Trostlosigkeit un­serer Lage von heute gewähren die Bekundun­gen der Zusammengehörigkeit, wie sie in den Abstimmungen, so auck wieder in Kärnten, zutage getreten sind, doch einen großen Trost. Die treue und einsichtsvolle Mitarbeit aller Parteien erbittet sich der Kanzler für die Regierung. Von den Parteien, die die jetzige Regierungskoaiition stützen, wird ihm diese Mitarbeit sicher zuteil werden. Kr.

Frankreichs Kohlemmrfnhr. ReSerschnh ans der deutschen Ausbeute.

«Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 29. Oktober.

Der amtlichen ftanzöfischen Ableugnung, daß Frankreich Kohlenreserven aus dem Ueberschuß der deuffchen Kohlen anlegt, stehen zahlreiche Erklärungen ftanzösischer Industrieller und Koh- len-Jmporteure gegenüber. In diesen Aeußernn- gen wird daraus hingewiesen» daß die franzö­sische Regierung angeordnrt habe, daß erhebliche Kohlenlager angelegt werden sollen, tret zunächst den Jnlandverbrauch für sechs Monate sicherzustellen. Nachdem dies geschehen ist, will Frankreich den Ueberschuß aus den deutschen Sohlen wieder an die Schweiz und Ita­lien Weiterverkäufen, wozu bereits Bee- Handlungen eingeleitet sind. Mit Italien sind selbst fiir den Fall Abschlüsse getätigt, daß «r englische Streik länger dauern sollte, sodaß nach diesem Lande schor in einigen Wochen Kohlen geliefert werden sollen. Ebenfalls find von stan- zöfifcher Seite den Marinestationen in Spa­nien mtt> Portugal sowie einigen engli- scheu Stationen Kohlen angeboten worden.

Um bas Ruhrgebiet.

Arbeiterführer Hue gegen die Entente.

«Eigene Drahtmeldung.)

Rotterdam, 29. Oktober.

Der deutsche Bergarbeiterführer Otto H u e hat sich in einem längeren Artikel inHet Volk' über die Befürchtungen einer Besetzung des Ruhrgebietes durch die Franzosen ausgesprochen. Er erklärt zunächst, daß die Gerüchte, wonach Deutschland an Holland keine Kohlen mehr liefern wolle oder könne, nicht stichhaltig feien. Die Ruhrbergleute seien gerne bereit, soweit es in ihren Kräften stände, dafür zu forgen, oatz Holland feinen Atteil Kohlen erhalte, aber Mer die deutschen Kohlen verfüge nicht mehr die deutsche Regierung, sondern die Entente. Der Austausch von Kohlen gegen Lebensmittel werde von den Bergleuten wann befürwortet, damit der kapitalistische Kohlenhandel ausge­schaltet werde, wodurch fich auch die Möglichkeit biete, die Kohlen billiger zu liefern, was dann von den Lebensmittellieferungen ebenfalls er­wartet werde. Für die Preisbildung der Le- bensmittel i:t Deutschland bilde diese Frage eine außerordentlich wichtige Rolle.

Gefahr durch Frankreich.

Essen, 29. Oktober. (Privattelegramm.) Aus Rotterdam wird über den Artikel Hu-°s noch be­richtet: Hus sagt zum Schluß seiner Ausführun- aen, daß er hoffe, die Kohlenförderung in Deuffckland bald steigen zu sehen, damit die europäische Kohlennot durch Deutschland mit ge­lindert werden könne. Die fortwährende Be­drohung und Beunruhigung jedoch seitens Frankreichs bilde die schwerste Gefahr, und falls die ftanzöfischen Militc.isten tatsächlich zu diesem Zwangsmittel greifen sollten, würde, an­gesichts der Streiks in andern Ländern, in Europa eine Katastrophe entstehest, da durch eine solsche wahnsinnige Tat Europa den Todes­stoß erhalte für feine Wirtschaft.

MgMteit in Griechenland.

Die Frage de« Volksabstimmung.

(Eigener Drahtbericht.)

Gens, 29. Oktober.

Der frühere König Konstantin hat von der Schweiz aus mit seinem Gegner, dem griechischen Ministerpräsidenten Benizelos, Verhandlungen über die Thronfolge gepflogen. Der grie­chische Ministerpräsident fei geneigt, dem Ex­könig gewisse Zugeständnisse zu machen, um sei­nen endgültigen Verzicht auf den Thron für feine Person fwefff wie für die des Prinzen

Georg Herbeizuführen. Andererfeiis besagen bej der hellenischen Kolonie in Genf umlaufende Nachrichten, daß Konstantin auf der freien und unbeeinflußten Volksbefragung be­stehen werde, da er der UeberzeuWNg fei, daß das griechifche Volk ihn oder feinen Sohn Georg auf den Thron berufen werde.

Wahl-Agitation.

Athen, 29. Oktober. (Eigene Drahtmeldung.) Der Wahlfeldzug in Griechenland hat be­gonnen Die erste Wahlrede hielt auf dem Pi­räus der Vizeministerpräsident Repulis in An­wesenheit Venizelos und zahlreicher anderer Regierungsmitglieder. Repulis betonte, daß der Sturz der liberalen Regierung Griechenland um das Vertrauen seiner Freunde bringen würde und schloß mit einem Vergleich des Zustands, in dem Venizelos Griechenland im Jähre 1917 vor sand, und der heutigen glanzvollen Ent­wicklung (?) Groß-Griechenlands.

Mch Sem englische« Streik.

Berechnung auf Grund der Gewinne.

(Eigene Drahtmeldung.)

Haag, 29. Oftober.

Mit der Bewilligung einer Erhöhung um zwei Schilling soll eine Umbildung des gan­zen Lohnwesens im englischen Bergbau verbunden werden. Der prinzipielle Vorschlag besteht darin, daß die Löhne nach dem Kohlen- aussuhrgewinn berechnet werden. Die Folge wird sein, daß nach diesem System auch die Un- ternehmergewinne berechnet werden. Welche Gewinne gemacht werden, wird jedenfalls der Öffentlichkeit stets bekannt fein, ebenfo welchen Einfluß auf die Lohnverhältniffe der Bergar­beiter sie haben. Es ist nicht gelungen, diese weitgehenden Pläne geheim zu halten; infolge­dessen ist bereits bei den Bergarbeitern, na­mentlich in den radikalen Kreisen in Südwales, eine Opposition entstanden.

Geleerte Streikkassen.

London, 29. Oktober. (Eigene Drahtmeldung.) Die Regierung versucht die Verhandlun­gen auf der Basis der neuen LohNberechnungsn zu einer dauernden und verpflichtenden Einrich­tung zu machen, um alle zukünftigen Streiks zu vermeiden. Dagegen wollen die radikalen Arbei- tcrfteise nicht aus zukünftige Stretks verzichten Rach der Ansicht Londoner Blätter erfolgte der Zusamnienbrucb des englischen Bergarbeiter- stteiks infolge der Weigerung der Trade Unton, zur Untersetzung des Bergarbeiterstreiks den Generalstreik zu erflären. DerDaily News" zufolge waren die St r e t k k a ss e n seit Montag leer und die Unterstützungen sollten am Sonn­abend anfhören. Der Streik habe den Bergleu­ten das gesamte Gewerkschastslkapttal -gelo'ffet.

Sm gärende« Stallen.

Ableugnung militärische« Putsch-Pläne.

(Eigener Drahtbericht.1

Mailand, 29. Oftober.

Die Gerüchte und Behauptungen, die von der Organisation eines bevorstehenden Militär­putsches unter gemeinsamer Führung des Sic. gers von Bittorio Bcneto, des Generals Eavig- lia und d'Annunzios wissen wollten, werden von General Eaviglia in der enffchiedrnsten Weise «IS unwahr bezeichnet. Der General betont, daß er und alle Offiziere der italienifchcn Armee als ihre erste Pflicht die Aufrechterhal­tung der Disziplin ansehen. Er habe die ener­gischsten mllitärischen Maßnahmen in Triest und anderen Orten Istriens getrofftn, um feder Be­wegung putschtftischer Ratur vorzubeugen. d'An- nuuzio gibt gleichfalls dre Versicherung, daß er keinerlei Absicht hege, Fiume zu verlassen.

*

Der Abenteurer d'Annunzio.

Lugano, 29 Oftober (Eigene Drahtmeldung.) Wie italienische Matter berichten, hat d'Annun­zio einen Dampfer gekapert, damit er ein Pfand in der Hand habe, um von der ita­lienischen Regierung eine finanzielle Beihilfe zu erzwingen. Auf die Weigerung Giolittis, eine Beihilfe zu gewähren und die Aufforderung der italienischen Regierung, den Dampfer frei« zugeben, hat d'Annunzio beschlossen, die La­dung des Dampfers an den Meistbietenden zu verkaufen, ohne auf das Interesse der Be­sitzer Rücksicht zu nehmen. Giolitii hat vor An­kauf dieser Ware gewarnt und droht im Falle eines Ankaufs mit Prozeß.

Sie deutsche Währung.

Warburg« Rede auf dem Bankiertag.

Den ttelegraphisw erwähnten) Ausführungen des Hamburger Bankdirektors Warburg über Me notwendigen Vorbedingungen fit« die Gesundung der deutschen Währung-« wird in der Bankwelt große Bedeurung »ugeswrieben. Wir geben einen interessanten Auszug wieder. An die Spitze stellte Bankdirektor Wavbuvg den Satz, daß die Gesundung der Währung nur durch Heilung des Wirtschafälebens, nicht durch währungstechnifche Maßnahmen erfolgen könne. Die Gesundung der deutschen Währung sei nicht in der Wiederherstellung der alten Goldparität zu erblicken, vielmehr sei unter der Gesundung die Stabilisierung zu verstehen, die sogar cus dem gegenwärtigen Tiefstand für die Pro­duktion und Me im Wirtschaftsleben tätigen Bolkskreise eine Verbesserung gegenüber dem jetzigen Zustande bedeuten würde, aber im In­teresse unseres volkswirtschaftlich wertvollen Mit- tctftanbeS auf einem höheren, als dem jetzigen Niveau zu erstreben fei. Dieses Ziel könne nicht durch einen genialen Vorschlag erreicht werden, Vielmehr seien eine Reihe von Vorbedingung m innen-- und außenpolitischer Natur erforderlich. Im Inlande

müsse Ruhe. Ordnung und Sicherheit herrschen. Die Wehrmacht dürfe aus finanziellen Gründen nicht aus einem Söldnerheer bestehen. Tas Staatsbudget müsse ausgeglichen, der Be- emtenapparat verringert werden. Letzten Endes ist die Währungsftage eine Budget- und Steuer­frage. Weitere Vermögenssteuern erscheinen aus Jahre hinaus nicht mehr möglich. Der steuer­liche Mehrbedarf des Reiches müsse durch in- dirette Steuern und durch Steigerung der Ein­nahmen aus den werbenden Anlagen durch Ent- bureaufratifieruttg der Reichsbetriebe gedeckt werden. Die Kapitilfluchtbestimmungen müssen vereinfacht werden, Brief- und Telegrammzensur aufgehoben werden. Warburg wünscht die Wie­dereinführung des BanSgcheimnissss, die strenge Durchführung der Einfuhrverbote für Lttxns- urtb sonstige entbehrliche Auslandswaren. Die Ausfuhr müsse in jeder Weise gefördert werden, der Handel in Termindeviftn muß eingerichtet tr-eiben. Wenn wir von Sparsamkeit reden, so handelt es sich in erster Reihe darum, daß die Arbeitskraft des Einzelnen richtig ver­wertet wird. Die richtige Reihenfolge der je- WeilS notwendigen Arbeiten zu beftiurmen, ist fast das Schwierigste, sowohl für den Einzelnen, wie für den Staat. Im Deutschen Reiche findet augenblicklich die richtige Verwertung der Ar­beitskräfte noch nicht statt. In den StaatSbetrir- ben haben wir zu viel» Kräfte, in Privatbetrie­ben zu wenig Auf dem Lande schien Kräfte, in in der Stadt sind Arbeitslose. Ein Land, dai seine

Arbeitsftäfte nicht richtig ausnutzt, wirtschaftet falsch. Die Arbeitslosenunterstüt­zung war nach Beendigung des Krieges berech­tig, sie muß aber allmählich in eine Arbeits­losenversicherung umgewandelt werden. Bis zu einem gewissen Grade ist auch ein internatio­naler Ausgleich der Arbeitslosigkeit denkbar. Re­ben den vorwiegend finanziellen Fragen spielen die allgemein wirtschaftlichen Fragen eine ent­scheidende Rolle. Der Redner will auf die ver­schiedenen Auffassungen von Sozialisierung in diesem Zusammenhänge nicht eingchen, aber er betont, daß wir beim Aufbau unserer Wirtschaft zu irgendwelchen neuen Formen einer Ar­beitsgemeinschaft für das Zusammen­arbeiten zwifchen Arbeitern, Arbeitgebern und Arbeitnehmern werden gelangen muffen. Unbe­dingt abgelehnt maß habet nur die Verstaat­lichung von Wirtschaftszweigen werden. Im Kampfe der Ideen muß unter geringster Erschüt­terung des Wirtschastskörpers der neue Weg ge­funden und dann in gemeinsamer Arbeit aller ausgebaut werden. In außenpolitischer Hinsicht verwies Warburg darauf, daß eine Ge- sundung der Währung so lange unmöglich fei, als die deutsche Kriegsentschädtgungspflicht in ihrer endgültigen Höhe nicht festgesiellt sei; das müsse schleunigst geschehen. Aus bte Repressalien­klausel müsse verzichtet werden, da sich während der Dauer der Repressaliengefahr kein geregel- ter Handels- und Zahlungsverkehr mit den früher feindlichen Ländern entwickeln könne. Das Iabresbudqet für 1920 allein fähe 131 Milliar­den Mark für Entschädigungen vor, wobei an­scheinend noch ein Kurs von ungefähr 40 Mark für den Dollar zugrunde gelegt sei, während der Dollar jetzt über 70 Mark stehe. Die zahlreichen Vor schlage für die Heilung unseres Fi­nanz- und Währungselends durch Einstellung des Zinsendienstes oder Rückzahlung der Kriegs­anleihen in bar, durch Devalvation, befristete Geldzeichen, neues Vorrechtsgeld, Konversions- kaffen, Hypothese-tvrluta, Wiederherstellung der DevisenorduunL Reickswirlschaftsbank. Valuta- zweckderbättde. Clearinginftitut fiir Ware«, Welt- rotenbanl, internationale Finanzkontrolle, Or­ganisation für die Bildung der im Ausland H-- findltchen Wtarfnoten, Zwangsom leihe ustv. feien teils unzweckmäßig; reW verfrüht. Ins-