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Abendzeitung

Kaffeler

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10. Jahrgang.

Donnerstag, 28. Oktober 1920

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 250

Fernsprecher 951 und 952.

Griechenland bleibt Monarchie.

Handel mit Rußland.

Derttschlands Teilnahme am Wettbewerb.

Die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen Mit Rußland ist für das gesamte übrige Europa ein Pro-blem, das ernsteste Beachtung verdient. Denn der otteurrchäische Markt ist ohne alle Frage der Markt der Zukunft. England und Ame­rika haben dies langst erkannt und ihre ganzen Bemühungen darauf gerichtet, in dem Augen- blicke, wo auch die politischen Beziehungen in dem ehemaligen Zarenreiche wieder ausgenom­men werden, sofort den ganzen Handel mit Ost­europa an sich zu reißen. Die Verhandlungen, die in den letzten Wochen und Monaten zwischen Lloyd George auf der einen, den Vertretern der Söwjetregicrung Krassin und Kamenew auf der anderen Seite geführt worden sind, dienten die­sem Zwecke. Allerdings haben die ungeklärten politischen Verhältnisse im Osten Europas eine reguläre Wiederaufnahme der Handelsbeziehun­gen mit Rußland bisher hintan gehalten, aber die englische geschäftstüchtige Handelswelt hat es trotzdem bereits fertig gebracht, die lange zer­rissenen Faden im Warenaustausch mit dem Osten wieder anzuknüpfen. In Deutschland, für das die Wiederaufnahme der Handels­beziehungen mit Rußland eine Lebensfrage ist, bignügt man sich an amtlicher Stelle vorläufig damit, immer neue Organisationen für die Her- stellung der Handelsbeziehungen mit Rußland zu gründen und glaubt offfenbar, damit alles ge­tan zu haben, was im Interesse einer wirtschaft­lichen Wiederanknüpfung mit Rußland notwen­dig ist. Man begründet den Mangel an Jni- ttottoe damit, daß die in Rußland allenthalben herrschend« VerkehrArisis den Handelsaustausch mit dem russischen Reiche unmöglich mache, und daß die Finanzierung von Goschäs.sabschlüffen mit Rußland an der Kwditftage fiheitere.

Es ist allerdings nicht in Wrede zu stellen, daß die Verhältnisse in Rußland noch immer ziemlich trostlos sind und einen geordneten Wa­renaustausch und die Innehaltung von abge­schlossenen Handelsverträgen als teilweise pro­blematisch erscheinen lassen können. Trotzdem aber muh den Beteuerungen unserer amtlichen und nichtamtlichen Stellest, daß eine Aufnahme des Handels mit Rußland zurzeit noch nicht möglich sei, die Tatsache gegenübergestellt wer­den, daß es England und auch Schweden bereits gelungen ist, große Abschlüsse mit der Sowjetregierrurg herdeizusühren. So ist in dr>i letzten Tagen zwischen England und der russi­schen HanoelsdelMation ein Vertrag zuftande- gekommcn, wonach große Tuchsirmen au3 Yorkshire für zwei Millionen Pfund Sterling Stoffe, Wollwaren und Anzüge noch Rußland liefern werden. Beträchtliche Abschlüsse sind auch über Lederwaren und Maschinen getätigt wor­den. Rußland hat unter anderem für funfzig- tauseud Pfund Motoren und für Hunderrftinfzig- tausend Pfund Medikamente aller Art von Eng­land gekauft. Im Austausch dafür liefert Rußland an Großbritannien große Mengen von Bauholz itrtb Holzeisenbahn­bohlen. Die Kreditfrage rst ebenfalls in einer Weise gelöst worden, die den Wünschen der eng­lischen Textilindustrie durchaus gerecht wird. Die englischen Textilfirmen haben eS nämlich erreicht, daß die Sowjetregierang fünfundzwanzig Pro­zent der Kaufsumme bei einer Bank in Reval in Gold deponiert hat

Es hat beinahe den Anschein, als ob man in Deutschland auch in bezug auf die Anknüpfung von Geschästsbeziehungen zu Rußland unter einer Ueberorganisatioa leidet. Rur die Bank­welt fdfeint bei der Anknüpfung von Geschästs- beziehungen erfolgreicher gewesen zu sein, ob­gleich diese Geschäfte nach außen noch nicht sicht- bar geworden sind. Darauf deutet neuerdings auch die durch die Darmstadter Bank erfolgte Gründung der Nordischen Bank für Handel und Industrie in Berlin hin. die im Verein mit ver­schiedenen russischen Barcken und Industriellen den deutsch-russischen Geschäftsver­kehr pflegen Will. Vor allem wird ein Aus­tausch von russischen Lebensmitteln und Rohstoffen gegen deutsche Maschinen angestrebt. Der Hunger nach deutschen Jnou- striefabrAaten in Rußland ist enorm. Der un­abhängige Abgeordnete Erispien hat auf dem Parteitag in Halle Über dieses Thema die be­zeichnende Anekdote zum besten gegeben, daß ihm Däumig geraten habe, sich Nägel in die Taschen zu stecken; denn für einen Nagel könne man in Rußland jeden Dienst und jede Gefälligkeit er­langen. In der deutschen Geschäftswelt schreckt man heute der Kredit- und Transportfrage we­gen noch vor Geschäftsabschlüssen mit Rußland und selbst mit der Ukraine zurück. Die Schwie­rigkeiten, die noch bestehen, können allerdings richt verhehlt werden. Aber darüber kann kein Zweifel besiehe^ daß den osteuropäischen Markt der Staat gewinnt, der das größere Risiko auf sich zu nrhmn bereit ist.. Ein tatsächlicher Anfang scheint ja jetzt doch gemacht worden zu sein, denn vor einigen Tagen berichtete uns ein Berliner TÄegvamm, daß Rußland Lokomotiven in

Deutschland bestellt habe. An der Erfüllung die­ses Auftrages sollen die großen deutschen Werke beteiligt sein, die damit für längere Zeit beschäf­tigt wären. Nun kommt es darauf an, die Ar­beiten gut und pünktlich auszusühren, denn ge­rade bei der Anknüpfung der neuen Beziehun­gen ist es wichtig, das Vertrauen der Abnehmer zu erwerben. Führen wir ums wieder durch Qualitätsarbeit im Handel mit Rußland ein, dann werden wir auch wieder dieses große Absatzgebiet für uns sichern könne».

Zfitonftage in SrieSenIand.

Widersprüche zum Tode des Königs.

(Eigene Drahtmeldung.l

Genf, 27. Oktober.

Die französische Telegraphenagentur meldete am Dienstag nachmittag aus Stilen: Ter Kö­nig ist eines natürlichen Todes gestorben. Die Todesursache ist in einer Erkrankung zu fu- chen. die den König vor längerer Zeit befallen hatte. Dem PariserTemps« wird auS Athen gemeldet, daß bcr Tod des Königs von Grie. chenland drei Tage lang geheim gehalten wor­den ist. Der Leibarzt verneint, daß die Ursache des Todes der Biß eines wllwütigen Affen sei. Ueber die Todesursache liegen in der Oeffent- lichtest nur Mütmaüungen vor, da ein Sektions- befimd nicht veröffentticht ist. Es verlautet auch, daß er an einer Wunde gestorben ist, die ihm bei einem militärischen Putsch hergebracht worden sei. Rach den Demonstrationen der letzten Tage ist eS in Athen ruhiger geworden. Der Tod des Königs ist ruhig ausgenommen worden. Die Oeffenllichkeit spricht lediglich darüber, daß kein ärztlicher Krankhcitsberichi veröffentlicht worden ist. Die Regierung wird voraussichtlich nähere Mitteilungen nur in einer geheimen Kammersitzung abgeben. Die am 7. November neuzuwühlende Kammer soll am 20. November zusammentrete«.

Proklamation des Ministerrats.

Paris. 27. Oktober. (Eigene Drahtmeldung) Der .Temips" erfährt zur griechischen Throu- fraze unter dem 26. Oktober aus Achen, daß der Ministerrat eine Proklamation an das Volk gerichtet habe, in welcher der Schmerz der Nation über die verlbrene Jugend des Königs Alexander zum Ausdruck gebracht wird, und daß es chm nicht vergönnt gewesen sei, über Groß­griechenland zu regieren. Die Proklamaiion teilt mit, daß Prinz Paul zum Thron­folger berufen wird, daß jedoch wegen seiner Abwesenheit vom Lande und angesichts der Lage der Nation gegenüber der Dynastie des Exkönigs Konstantin die Regierung die aufgelöste Kammer wieder einberusen werbe, um euren Regenten zu ernennen. Die Kammer wird am Donners­tag zusammentteten. Das Leichenbegängnis deS Königs wird am Freitag nachmittag stattfinden. Der Ministerrat hat nicht die Absicht, die Rück- lcchr des Exkönigs Konstantin nach Griechenland zuzulassen. Andererseits ist auch kein Antrag an dös Parlament auf Aenderung der grie­chischen StaaiSsorm in Aussicht genommen.

Der neue König.

Paris. 27. Oktober. (Eigene Drcchtmel- düng.) Der Ministerpräsident Venizelos erklärte einem Korrespondenten, daß es sicher sei, daß Prinz Paul den gtiednfdyen Thron besteigen werde. All: gegenteiligen Gerüchte feie« eine Machenschaft der Anhänger des Königs Konstan­tin. Die Regierung werde, wie Venizelos sagt, eine Regentschaft einfetzen, und nach den Wahlen werde Prinz Paul den Thron besteigen. In diesem Augenblick würde« König Konstanttn und der Thronfolger aller ihrer Rechte enthoben. Die griechische Regierung habe weder die Aus­rufung der Republik beabsichtigt, noch habe fie die Berufung eines auswärtige« Prinzen auf den griechischen Thron ins Auge gefaßt.

Lar SszialifterMgrvroblem.

De» Standpunkt der Bergarbeiter.

lDrivat-Teleacamrn.>

Berlin, 27. Oktober.

In der gestrigen Sozialifierungskonferenz gaben die Arbeitnehmer -Vertreter zur Frage der Sozialifieruna des Kohlenbergbaus folgende Erklärung ab: Die Arbeitnehmer­verbände habe« von den Ausführungen der Herren Arbeitgeber-Vertreter Kenntnis genom­men. Sie erkennen in den Ausführungen des Herr« Siloerber«, der eie Bergarbeiter am Ge­

winn des deutschen Kohlenbergbaus beteiligen will, das Bestreben, die Arbeiterschaft von der Forderuna der Sozialisierung, die ja doch eine Forderung zu Gunsten der Gemeinschaft ist, durch Verheißung persönlicher Vorteile abzulen- ken. Die Pläne deS Herrn Stinnes find gerich­tet auf eine bezirksweise Vertrustung der Koh- lenwirtschaft, für die die Arbefter durch Zulas­sung ihrer entwicklungsfähigste« Köpfe zur Führung gewonnen werden sollen. Die Ge- fomtlntereffen der deutschen Volkswirtschaft und zwar sowohl der kohlenverbrauchenden Jndu- strie und der Landwirtschaft, als auch bcr öf­fentlichen nnb privaten Verbraucher würbe bcr Herrschaft einiger weniger Tmstkönige geopfert werben. Die Arbeitnehmerschaft hält bemgegen- Über an ber Zentralorganifation bei Kohlenwirtschast auch weiterhin fest.

Jeutschland» Ausbeutung.

De» Weg zur SntschSbigungs-Zahlung.

(Eigene Drahtmeldunaä

Haag, 27. Oktober.

Rach ben Times« hat bie letzte Rote bcr französischen Regierung an England über ben Weg, auf bem bie beutschc Kriegs, entschäbigung festzusteklen sei, folgenben Inhalt: Es wirb eine Sachverständigen-Konfe­renz der Hauptmächte, Belgien einbegriffen, ein» berufe«, bie von dem Wiederherstellungs-Aus­schuß berufen wird und bie deutschen Vorschläge, dje von den deutschen Sachverständigen vorzu­legen find, untersucht. Die alliierten Regierun­gen prüfen das Ergebnis der Untersuchung auf der Konferenz in Genf. Die deutschen Vertreter werden dorthin berufen, um- wie in Spa, gehört zu werben. Sachverständige nehmen an diesen Beratungen teil. Die letzte Entscheidung geht an ben Oberste« Rat. bet von ihr Kenntnis nimmt und entscheibet, welche Maßnahmen zu einet Konferenz zu treffen find.

*

Frankreich läßt nicht nah.

Paris, 27. Oktober. (Eigener Drahtbericht.) Journal des Debats« meldet, daß auch bis 20. Oktober bte im Oktober fälligen Kohlen- senbunge« von Deutschland bis auf wenige Tonnen geliefert Worden sind, daß aber für Frankreich auch durch bie pünktliche Erledigung der eingegangenen Verpflichtungen keine Veran­lassung gegeben sei, feine Vorsichtsmaß­nahmen für den Fall eines Versagens der deutschen Verpflichtungen zu milder».

Sos Suflcntaget in Hameln-

Notschuh gegen russische Gefangene.

(Privat-Telearammö

Hameln (Weser), 27. Oktober.

Zu bcr Meldung übet eine Annäherung des Komitees der Kommunistenpariei an die kriegs­gefangenen Bolschcwisten in Hameln schreibt der Magistrat der Stadt Hameln: Als vor einiger Zeit das hiesige Gefangenenlager mit etwa acht­tausend russisü-cn Bolschewisten belegt wurde, tra, bie Notwendigkeit hervor, ben städti­schen Rotschutz wieder zu beleben. Aus eine Anfrage des Magistrats hat der Oberpräsident Noskc erwidert, daß der städtische Rotschutz in Hameln auf tmrchauS gesetzlicher Grundlage be- ruhe. Die starke Belegung des Gefangenen­lagers laste cs immerhin möglich erscheinen, daß von dieser Seite die öffenttich« Sicherheit und Ordnung, insbesondere Eigentum und Leben in Stadt und Land bedroht wird. Dem entgegen» zuttetrn, ist Aufgabe des städtischen Notschutzes. Sie zu erfüllen, ist er jedoch nickst in der Lage, da nur hundert Mann zur Verfügung stehen.

Das politische Intereffe.

Hameln, 27. Oktober. (Privat-Telegramm.) Ueber bie Angelegenheit im Gefangenenlager teilt der Magistrat noch aufWrend mit: Die Tätigkeit der russischen Offiziere im Lager wird von politischen Kommissaren überwacht. Bei ihrem Eintreffen in Hameln Waren die Rus­sen natürlich froh, aus der jahrelangen Un­sicherheit des Kriegslebens im Lager ein ruhi­ges Unterkommen gefunden zu haben. Aber in­zwischen beginnen sie sich zu erholen. Auch ihr politisches Interesse ist Wieder starkimWachsen begriffen. Die Bewachung des Gefangenenlagers besteht augenblicklich nur aus hundertfünfundgwauzig Mann. Hieraus dürste zur Genüge hervorgehen, daß eine derar- ttge Bewachung völlig unzureichend ist und angesichts der aufgefundenen Flugblätter der K. P. D. von einem vorhandenen Schutz von Stadt und Land nicht gesprochen werden kam,.

Sie Leichtlebigkeit.

ein Trieb, daS Geld los gu Werden.

Das deutsch« Do» war «Urft grotz enb stark unb reich geworden. Nun vergeuden bie Enkel was bie Dorfahren znsamwengedracht hatten In der Friedenszeit und noch während des Krieges haben gelehrte Volkswirte uns vorge­rechnet, wie reich das deutsche Volk sei, und mancher biedere Staatsbürger war erstaunt über den Anteil, der auf seinen Kopf entfallen sollre. Jetzt heißt es in all den trübseligen Betrachtuu- gen, die wir hören oder lesen müssen, Deutsch­land sei ein bettelarmes Land. Es gibt zwar Idealisten, die behaupten, nun, da das deutsche Völk von materiellen Reichtümern be­freit sei. werde cs umso mehr das G e i st.i g « zu schätzen wissen und jene Reichtümer pflegen, die weder von Aääusen und Ratten gefressen, noch von der Entente toegyenmnmen werden kennen. Das klang beinahe so, als ob man in bte Ermahnungen des hl. Franziskus von Assisi einstimmen sollte, der den Menschen riet, alles, was sic besäße», fortzugeben und nur mehr auf ihr Seelenheil bedacht zu sein. Nun haben Mar die Lebensbeschreibungen des Wundermannes ben AWi und nicht zum wenigsten die köstlichen »Blümlein -des hl. Franziskus" auch in den Kreisen, die nicht an Heilige glauben, viele dank­bare und entzückte Leser gefmiden, aber die Zahl der Jünger von AM dürfte kaum gugenotmnen haben. Und doch gewöhnt sich das deutsche Volt immer mehr an den Gedanken, arm zu sein und eS zum mindesten auf Jahrzehnte zu bleiben. Der Marschall Richelieu schenkte einst fernem Enkel eine Börse voll Gold, damit er sich einen guten Tag machen sollte. Der junge Manu bracht« abends die Hälfte davon zurück. Der Großvater riß das Fenster auf und warf den R e st auf die Straße. Ein junger Edelmann mußte ünstande feil, ein paar Louisdor au einem Tage zu verjubelst. Tas waren Begriffs des alten französischen Regimes. Und heute? Die Regierung des freien deutschen Volks-, staateS spielt jetzt

bie Rolle be3 Marschalls Richelieu, und das Volk folgt ihr wWg und gibt das Geld mit vollen Händen aus. »Nach uns die Sund- flut!" Kürzlich sagte mir die Braut eines Stu­denten, sobald ihr Bräutigam mit dem Studium fertig sei. wollten sie nach Amerika auswandcrn. Als ich fie aus die Schwierigkeit wegen der Geld- Verhältnisse aufmerksam machte, antwortete sie mir srifch und fröhlich:Akin Bräutigam hat nichts, und ich hab« auch nichts. Folglich kann uns der Tiefstand der Mark egal sein. Unsere Verwandten in Amerika schicken uns das Reise­geld. und teil werden uns schon durchschllMeu. Heute ist der am besten dram, der nichts besitzt« Diese jugendliche Sorglosigkeit bat tatsächlich weite Kreise des Volkes ergriffen. Man sagt sich: Wozu sich plagen und sparen? ES nützt ja doch nichts. Was man betfeitelegt, nimmt der Staat uns m Steuern fort, und in letzter Linie arbeiten wir nur für die Entente. Daß die Regierung jetzt an Steuern herauszw- holen sucht, was nur irgendwie möglich ist, >st leicht begreiflich, aber man darf nicht außer acht lassen, daß alles seine Grenzen hat. Wenn man Industrie und Gewerbe das Kapital entzieht, so sind sic lahn...elegt, und wenn man dem Pri­vatmann den Anreiz zum Sparen nimmt, fo

untergräbt man die Grundlage beS Staates und macht ans einem soliden, ordntmgslieben- ben Volk systematisch ein Volk entwurzelter Men­schen. Daß der Staat die Kranken-, Unfall- und Invaliditäts-Versicherung cinsührt«, war nicht bloß schön und lobenswert, sondern auch ge­radezu iwtto-enbig. Die Einrichtung war segens­reich, obschon sie auch mißbraucht wurde und viele Leute sich seither allziftehr aus den für alles sorgenden Staat verließen. Der neue freie VoWstaat ging noch weiter, indem er die Ar­beitslosenunterstützung einführte. DaS war gut­gemeint, obschon weniger die sozialen Empfm» düngen die Regierung dazu veranlaßten, alS vielmehr das Bestreben, die große Masse für sich zu gewinnen und die noch sehr un­sichere Herrschaft zu befestigen. Konnte man mit dem Grundsatz der Arbeitslosenunterstützung einverstanden sein, fo war die kritiklose Art, mit der sie bewilligt wurde, ein Anreiz zum Nicht­arbeiten, und das War vom Uevel. Wir lesen in den Zeitungen von dem riesigen Heer der Steuerbearnten, bie di« Finanzverwaltung jetzt in den Dienst des Staates stellt. Es Werden sogar besondere Hochschulkurse zu deren Heran­bildung abgehalten. Hat man seit der Revolution gehört, daß auch nur irgend welche Anstrengun­gen gemacht wurden, solche Mengen produktiv schaffender Beamten hermBuziehen? Und doch hatte man dazu die Möglichkeit, da der Staat ja nicht bloß das Recht hat, zu produzieren, son­dern auch zu sozialisieren, was er will.. Geben wir uns keiner Täuschung darüber hin: Solange der Mensch die Mgölichkeit hat, mit seinen träf» tigen Armen öder feinem findigen Kops etwas iu erreichen, hat « Lust tut Arbeit, Ist