KL Johrgany. — ytt. za.
Kaffeier Neueste Nachricht«,
Sonnlag, 17. Oktober tSAL
I hieben“ um hie Mttel für eine Vevgnügungs- _____wtn 'n Fvirt Hills
Neues aus Kaffel
tznÄ Zwischen Mann ist ha, her den Frieve,Vertrag von Vcr- Snitfen sailles unterzeichnet Hat. ObLvoHl sich vom den
äöüas&iöass
I
#
Kasseler Allerlei.
Rote Woche in der Ex-Residenz.
Bunte» Allerlei.
Der ««logische Man«.
Selbst in hen besten kaiserlichen Zeiten, da ans hen MaHisttatsbriefbogen das Wort „Residenz“ noch Mchr hurchgestrichen wurde, sah Kassel nie so viele Reichskanzler und Miuisterprau- henten, Mnister und Parlamentarier in und nutzer Dienst zusammen als jetzt. Sagar jener
keine Koketterie zur Schau; ihre Hände sind nicht manicurt... gewiß, sie sehen etwas grob aus, aber doch nur, weil sie selbst im Haus mit an- satzi. Ahr Wesen atmet Selbstlosigkeit; ihre baumwollenen Strümpfe zeigen, daß sie sparsam ist?“ Macht er alle erdenklichen Anstrengungen, sie kennen zu lernen und für sich zu erringen? Nein, durchaus nicht. Er sieht sein Ideal vor sich und — flieht es. Tritt aber eine Dame in seinen Gesichtskreis, ausgestattet mit aller Eleganz der neuesten Mode, angetan mit feinen Seihenstrümpfen und kostbaren Spangenschuhen, mit künstlich onduliertem Haar, mit polierten Nägeln und zarten Händen — wendet der Mann sich dann mit Verachtung ab und sagt er: „Welch schreckliches Beispiel des Frauentyps, den ich verachte?“ Keineswegs; er sucht sie auf alle Weise kennen zu lernen und ihre Gunst zu erringen. Doch würde dieser Mann entrüstet fein, wenn man ihn unwahr und heuchlerisch nennen wollte. Aber unlogisch ist er, denn er begehrt in Wirllichkeg gerade das Gegenteil von dem an der Fran, was er in der Theorie an ihr schätzt.“
liebendem Herzen in ihm ein Entdecker zu sein und das aus ihm zu gewinnen, was, zu gewinnen möglich ist. Ich gewann für mein Inneres mehr, als ich jemals geglaubt hatte, und da ich nun außer meinem Berufe meinen Waldgarten habe und das Häuslein darauf, bin ich em zu
friedener Mann.
Und ich meine, dann kann jeder werden, der guten Willens ist! Und sollte einer sein, der trotz aller Vorsätze und edlen Mühen tn fernem Berufe nicht zufrieden werden kann, so foU er, wie man so sagt, daneben her sein Steckenpferdlein reiten, und er wird an ein gutes Ziel kommen!
Schanghai sind gesperrt. Die !
Tientsin und Nagasaki sind durchschnitten.
Monarchismus tu Wua.
. Flucht der republikanischen Regierung.
(Eigener Drahtbericht.)
Genf. 16. Oktober.
SonntagsgeLanken
Der Ma«n mit dem Gasten.
mal auffallend mildeS Winterwetter, während im allaemeinen in etwa siebzig von hundert Fällen der Winter mäßig kalt aussiel, wenn bte fintftantenreife vor dem 17. September ein» trat. Die Beobachtung ist leicht und sichern moq. lich, da her Kastanienbaum allenthalben m Stadt und Land zu finden ist.
wirklich durchgreifend auf innerem Gebiet, besonders der Entpolitisierung vorgenommen werden. Dann werden wir aber einen Polizeikörper erhalten .her trotz örtlicher Trennung seiner einzelnen Verbände em festgesüg- res Ganzes bildet .dessen einzelne Teile aber im Notfälle auf besondere Anordnung der Landespolizeibehörde (Regierungspräsidenten) je- dergeit außerhalb ihres Dienstortes verwendet worden können, wenn die örtlichen Po- lizoikräste irgendwo nicht ausreichen. Ka.
Da ward verübt die grause Tat, Die früh man erst gemärten hat: Die Fahne fehlt, nur schwer maus glaubt, UNd doch ist's wahr: Sie ward geraubt! Ein Fahnenraub! Es knurrt ein Fluch- Wo ist's, wer stahl das Fahnentuch? Wer mag der freche Räuber fein? Man schleife ihn zum Rabertstein!
Nur eine rote Flagge weht Jetzt vor her Säulen Majestät. Leer stiert ein Mastbaum auf den Platz — Wir haben nicht einmal Ersatz.
Doch etwas Gutes demonstriert Der Flaggenraub, der ha passiert: Wo man so prächtig klettern kann. Da geht es sicherlich voran.
Wesenheit entsprach, kam köstlich vorwärts und trug ungeahnte Frucht-'
Der Erzähler unterbrach sich, und er bückte sich nieder und seine Hand fuhr wie liebkofend über den Grund hin- Und er lächelte. Dann sprach er weiter: „Was ich wollte, ist geworden. Der Boden und ich haben ein Meisterstück vollbracht. Und was ich ersehnte, ward Wirklichke; die über Erwarten schön ist. . , „ -•
Ader ich danke dem Bodem noch mehr: Er „Da ist die Fran, die ich luche; hat all bte
hat mich mit meinem Berufe — ich bin Kauf» Eigenschaften, die ich am meisten bewundere;
Aus Tientsin wird der „Newyork Sun" gemeldet: In den Süd-Provinzen werden Truppen zusammengezogen. Der Militärputsch in Peking hat zur Flucht der Regierung geführt. Die Haltung der Provinztruppen ist schwankend. Mit Peking ist keine Verbindung möglich., —Der „Malin" meldet aus Newyork: Ein amerikanisches Geschwader, be- stel)end aus dreiundzwanzig Schiffen, ist nach den chinesischen Gewässern ausgelaufen zum Schutze der amerikanischen Interessen in China. Der „Newyork Herald" meldet aus Tokio: Der Umsturz in China beschränke sich auf die Großstädte, die in den Händen deS monarchistischen Heeres find. Die chinesischen Häsen, mit Ausnahme von Tientsin, Futschou und
reife zu erlangen. Aus Zeitmrgauzeigen hin gingen sie zu dem Kaufmann Rosendahl in her WörtWraße und rrkunhigten sich nach dem Preise von Platin mid Silber, in der Abachi, dort eine günstige Gelegenheit zum Stählen am-- Mundschaften. Sie schmiedeten nun folgenden ruinierten Plan: Justus Appel sollte bet Rosendahl Silbergeld verkaufen, bann sollten bte anbenr plötzlich als Kriminalbeamte auf der Bildfläche erscheinen und das angeblich gestohlene SilberqeQ beschlagnahmen und dabei die Familienmitglieder des Kaufmanns Roscndayt überfallen und betäuben, um alsdann alle greifbaren Wertgegenstände und namentlich Bargeld zu rauben. Justus App.'l und Lotz verkauften NUN auch tatsächlich für etwa fünfzig Mart Silbergeld an Frau Rosendahl. Sie versuchten für nun die Beschaffung von Aether und Chloroform. Sie stiegen in den Keller der Firma Schneider u. Gottfried ein und entwendeten etr. Kilo Aether und ebensoviel Chloroform. In derselben Nacht brachten die Einbrecher die Beute in ihr Hotel und füllten sie in kleine Sel- terflaschen um, wobei ihnen die Gotting behtlf-
Da ist der Ausstieg, der fo not.
Kein inhaltloses Zeitgebot,
Ta zeigt die Fahnenräuberei,
Der Aufstieg .. wir sind schon habet!
Ein jeder Angeklagter hat das Recht, feine Tat zu beschönigen. Jeder Staff dauer darf also die Mopserei an der Stadthalle nach irgend ein-cr guten Stelle ableuchten. So kommt man am besten darüber weg ... genau so glatt, wie wir durch die immerhin abwechslungsreiche „Rote Woche“ hindurchgekommen sind. R.H.
stellung durch juristische Klauseln zu festigen. Diesem Zweck allein dienen die einundzwanzig Bedingungen. Die russischen Kommunisten haben deshalb nicht gewagt, die Antwort der mmb- hängigen Sozialdemokratie in Rußland zu ver- öffentlichsm Bei der letzten Verhaftung von achtundvreitzia menschewtsttschen Mttgliedent wurde auch die Antwort her unabhängigen Partei. die durch das Zentralkomitee der Menfche- wisten verbreitet werden sollte, beschlagnahmt. (Entrüstungsrufe der Rechten begleiten diese Feststellung des Redners.) Die Rede geisett denn weiter die imperialisttschc Politik Rußlands gegenüber Polen, deren völliger Zusammenbruch sich schon gezeigt habe, als in Polen keine revolutionäre Bewegung entstand, fondem die natio- nalisttschen Instinkte auss höchste entflammt tori- hen, so daß die russischen Armeen schwere Nie- drÄagen erlitten und nunmehr den Frieden bixn Riga annehmen mußten.
Bekenntnisse eines Selbstmörders.
Der amerikanische Kinoschauspieler Edward F i n l e v hat seinen Ehrgeiz darein gesetzt Wer seinen Selbstmord möglichst genaue Aufzeichnungen zu hinterlassen. Wie Newyorker Blätter berichten, nahm er eine starke Dosis von etwas, das ihm als Cyantali vertäust worden war, setzte sich dann an seinen Schreibttsch und brachte seine Empfindungen zu Papier. Es war oe- rctts das zweite Mal, daß er feinem Leben ein Ende zu machen versuchte. Seine erste Aufzeichnung lautete: „Ich habe nun das genommen, was mir der Apotheker als Cyankalt verkauft bat. Ich sagte, ich wollte einen Hund damit vergiften. Es sind bereits zehn Minuten ver- gangen, fetthem ich diese angeblich tödliche Dosis zu mir nahm, aber ich fühle mich noch ganz lebendig und verspüre gar keine Wirkungen. Dem Selbstmörder kam bann wohl der Gedanke, daß der Apotheker ihn betrogen habe; er schreibt nämlich weiter: „M habe noch etwas Strychnin, das ich jetzt nehmen will, ich hoffe, daß ich damit meinem Leben ein Ende machen tarnt. Ich werde noch bis fünf Uhr nachmittags damit warten.“ Die Schlußauszeichnung ist augenscheinlich mitten tm TodeAampf geschrieben, denn sie ist nur schwer lesbar. Es heißt da: .Run habe ich eine ganze Menge Strychnin genommen. Mein Arzt sagte, daß es genug iei, um zehn Hunde zu töten. Das Cyankali wirkte nicht. Ich fühle mich noch vollkommen Kn Bewußtsein und bin ganz klar Ich hoffe, dies ist mein letztes Lebewohl.“ Das war es tn der Tat. Denn als die Polizei am andern Morgen gewaltsam die Tür »eines Zimmers erbrach, sand sie nur noch seinen verkrampften Körper IM der Nähe des Tisches auf der Erde siegend. Was der Apotheker ihm vertäust hatte, war dovvel- kvhleusatrres Natron getixfew,
Fragt man einen Mann, welcher Frauentyp ihm am besten gefällt, und beobachtet dann, welcher Frau er wirklich seine Verehrung zu Füßen legt, so muß man einen gewaltigen Widerspruch seststellen. Aus dieser Tatsache leitet eine Fran den Schluß her, daß der Mann tn Sachen der Liebe höchst unlogisch ist. „Die Man- ner,“ so schreibt sie, verlangen von der Frau die Unschuld des Babys zusammen mit dem.Raffinement der Mondäne. Sie wünschen in ihr vereint: die Reinheit der Taube, die Weisheit der Schlange und die Bersührungsrunst des Teufels. Und sie find so naiv, zu glauben, daß man das alles in ehter Frau finden kann. Wenn die Erwähl« diesen Anforderungen nicht entspricht, so kiagt der Mann: „Sie hat mich nie verstandenl“ und gibt ihr allein die Schuld. Erkundigt man sich bei einem Manne nach seinem Frauenideal, so wird er bereitwilligst erklären, daß die Züge, die er an dem schöneren Geschlecht cm meisten bewundert, Güte, Bescheidenheit, Sittsamkeit, Selbstlosigkeit und Sparsamkeit sind. Aber wenn derselbe Mann einer schlicht gekleideten Dame begegnet mit einfacher „tttiiur, baumwollenen Strümpfen und festen Schuhen, leuchtet dann fein Auge auf? Sagt er zu sich:
Parteitag der Unabhängigen.
Hllfferdings Antwort an Sinowjew. (Eigener Drahrbericht »
Halle a. d. S., 16. Oktober.
Auf den Versuch des Russen Sinowjew, die bolschewistischen Ideen flar zu machen, folgte lebhafte Unruhe. Die Rechte fchictte ihren fähigsten Redner und Wissenschaftler Hilsferding zu einem langen Korreferat vor. Hilsferding erklärt aus zwei großen Gesichtspunkten die ganze Tastik, mit her Sinowjew in demagogischster Art versuch hat, den Parteitag irrezufuhren. Er erklärt,*daß allein aus russischer Psychologie all die Zumutungen verständlich seien, die Sinowjew an die Partei gestellt habe. Russischer Psychologie entspräche es, die ganze Welt in Menschewisten und Bolschewisten einstellen zu wollen. Eine Formel, die schon für Deutschland nicht zutreff«. Der Hauptgrund aber aller Anssühruiigen Sinowjews fei die russische Machtpolitik. r .
Nach der Mittagspause nimmt der ruisische Menschewist M a r t o w das Won. Deine Rede wird durch den ehemaligen russischen Menschewisten Stein verlesen. Martow ertlärt, daß die russischen Menschewisten stets die Taktik der unabhängigen Sozialdemokratie als die einzig richtige revolutionäre Taktik anerkannt bäten. Tie Fehlexperimente der kommunistischen Putschisten aber hätten die Stärkung des Refortn- sozialismus zur Folge gehabt. Zum ersten "Mal habe der Kampf der Heiden großen Weltanschauungen des Marxismus und des Bolschewismus auf westeuropäischem Boden begonnen. Er sei nicht im Zweifel, daß der Sieg in diesem Kampfe beim revolutionären .Marxismus fein werde. Die Rede kennzeichnet bann die Stellung der dritten Internationale. In dieser Internationale stehe eine Partei, die den aanzen Regierungsapparat eines großen Reiches hinter sich habe gegenüber kleinen machtlosen Setten und Grüppchen aus anderen Ländern. Es fei felbstverständsich, daß die russische kommunistische Partei einzig und allein die Dittattnöglichkeit innerhalb der dritten Internationale besitze und den übrigen Sekten ihre Meinung aufzwinge.
Jetzt aber drohe die Gefahr, daß durch Eintritt «ftoßer Parteigruppen anderer Länder die Leitung den russische Kommunisten entgleiten würde. Deshalb versuchen sie hie auf der rein materiellen Macht aufgebaute Vorherrschafts-
lich war. ,,
Am 23. Januar vormittags machten sich nun die beiden Appel. Schmidt und Lotz an die Ausführung des Planes. Während Lotz Mnachft unten sichen blieb, gingen die drei andern in die Wohnung Rosendahls, wo sie nun die Frau und ihre Schwester antrafen. Willi Appel und Schmidt gaben sich als Kriminalbeamte aus und verlangten das angeblich gestohlene Silbergeld zurück, daß Lotz dort am Tage vorher verkauft hatte. Lotz wurde zur Bekräftigung nach oben gohcftt.
Die Angeklagten begannen nun die Wohnung zu durchsuchen und verlangten auch die Schlüssel vom Geldschrank. Fran Rosendahl entgegnete, daß ihr Mann in die Stadt gegangen sei und den Schlüssel mitgenommen habe. Ans die Drohung der angeblichen Kriminalbeamten, die Frau Rosendahl ebenfalls verhasten zu wollen, schloß diese den Schreibttsch auf, in dem sich etwa tausend Mark in Papiergeld und andere Wertsachen befanden. Die Angeklagten nahmen alles tu die Hand, legten es aber wieder an Ort und Stalle. LW Frau Rosendahl sich einen Augen- bfick nicht beobachtet glaubte, warf sie den Schlüssel vom Wäscheschrank, in dem sich eine Tasche mit etwa achtzigtausend Mark in Papiergeld befanden, In eine Schachtel zwischen Werkzeug. Die Angeklagten batten dies alber gemerkt und einer von ihnen holte den Schlüssel heraus. Sie schlossen nun den Schrank auf und fanden die Tasche mit dem Geld, das sie auf den Tisch ausbreiteten. Dann hörten Frau Rosendahl, wie sie sich beratschlagten und einer meinte: „Jetzt ist es Zeit!“ Darauf wurden die beiden Frauen von den Verbrechern rückwärts gepackt und zu Boden gerissen. Zu gleicher Zeit wurde ihnen ein mit Archer getränkter Lappen in bett Mund gesteckt.
Als die Frauen auf diese Weise betäubt waren, machten die Räuber sich mit ihrer.Beute an8 dem Staube, nachdem sie zuerst noch die Tücher aus dem Munde ihrer Opfer entfernt hatten. Diese erwachten erst etwa eine Stunde später. Die Angeklagten ttafen sich inzwischen tm Hotel. Mit dem nächsten Zuge fuhren nun hie beiden Appels nach Frankfurt, wahrend hie übrigen Angeklagten zunächst w einem Mttetsauto, für das sie zwölfhundert Mark bezahlten, mich Eisenach fuhren und von dort ebenfalls nach Frankfurt, wo sich alle wieder trafen. Das Geld wmtde dann in Hamburg. Berlin und anderen Städten durchgebracht. Die Geschworenen bejahten die Hauptschuldfragen nach'Raub und schwerem Diebstahl, bezw. Ber- lilfe und Hehlerei. Der Staatsanwalt beim* fragte für Schmidt sieben Jahre Zuchthaus, zehn Jahre Ehrverlust und Stellmig unter Poltzei- ailsstchi, für Lotz fünf Jahre sechs Monate Zuchi- hans und fünf Jahre Ehrverlust, Heinz ein Jahr sechs Monate Gefängnis wogen Hehlerei, Minna Götting wegen Beihilfe und Hehlerei acht Monate Gefängnis.
Das Urteil lautete: Schmidt sechs Jichre sechs Monate Zuchthaus, zehn Jahre Ehrverlust, Lotz vier Jahre Zuchthaus fiinf Jahre Ehrverlust, Göttiny zehn Monate Gefängnis, Heinz ein Jahr sechs Monate Gefängnis. Ein Teil der Unter
«n ZuM-„Gesch3ft".
Um 20 000 Mart geprellt.
In dem Laden eines hiesigen Geschästsmau- nes kam ein funaer Mann und bot Zucker an: Das Pfund 7,80 Mark! Wo greifbar? Inder Niederzwehren er Kaserne, beim Zahlmeister. Einige Bedenken wurden überwunden. Bald darauf erfdiien ein Soldat in Fliegerunifornt. Der Meister und her Soldat begaben sich zur Kaserne, der Letztere trug sich ein — scheinbar stimmte alles — und der Weg ging zur Kantine.
So sagte der Soldat, nun trinke« Sie hier mal ein Glas Bier. Ich gehe gleich zum Zahlmeister Sie können inzwischen telephonisch den Wagen bestellen dann wird der Zucker aufgela- den und weg ist er' Noch eins: Wie iffs mit dem Geld? Der Zahlmeister will daS Geld sehen Der Meister, durch alles, was er sah und hörte, sicher gemacht, zählte — 20000 Mark auf, der Soldat nach. Stimmt! Dann ging er zum Zahlmeister!
Der Meister wartete. Er wartete weiter und er stände vielleicht heute noch an der Kantine, wenn er nicht bald Lunte gemerkt hätte. In Zwehren War weder ein z-ucketverkaufender Zahlmeister noch Zucker und der, der das Geld empfangen, war längst damit aus der Kaserne t
Der Raubüberfall in der Wörthstraße.
Eine Verbrecherbande vor dem Schwurgericht.
In zweitägiger Sitzung verhaiidelte das Kasseler Schwurgericht unter dem Vorsitz dis Landgerichtsrat Dr. Becker gegen eine funsköpfige Verbrecherbande,, die seinerzeit die Frau und Schwägerin des Kaufmanns Ro, en - d a h l in der Wohnung überfallen, mit Aether. betäubt und dann aus einem Schrank einen Geldbetrag von etwa achtzigkausend Mart geraubt hatten. Auf der Anflagebank haben Platz genommen: 1. der frühere Kellner und jetzige landwirischaftliche Schüler Johannes Schmidt, geboren im Jahre 1899, wegen Diebstahls und Urkundenfälschung vorbestraft, 2 der Schlosser Justus Appel, genannt Gustel, 25 Jahre alt, vorbestraft wegen Diebstahls und militärischer Vergehen, 3. der stühere Bürogehilfe Willi Lotz, 20 Jahre alt, ebenfalls vorbestraft, 4. her Klempner Heinrich Heinz, 20 Jahre alt, 5. die ledige Arbeiterin Minna Götting, wegen Diebstahls zweimal vorbestraft, sämtlich aus Kassel. Der Bruder des Gustel, Willi Appel, der ebenfalls zu der Gesellschaft gehörte, war seinerzeit auf dem Transport in Frankfurt entwichen und ist bis heute nicht aufzufinden gewesen.
Die Minna Götting hatte damals mit Heinz ein Verhältnis. Da den Gebrüdern Appel der Boden in Kassel iu beiß wurde (einer von ihnen wurde von der Polizei gesucht) suchten sie nach einer passenden Gelegenheit, ein „Ding zu
Emporen her Stadt halle herab manche Opern- cftäftr auf ihn gerichtet haben, nietnanh hat ent- heckt, haß hie Hand verdorrt ist.
Unter Oberbürgermeister hat bei her Ouvertüre zur Operette „Rote Woche“ ein HohoslieL auf die Stadt gesungen, hie er zu repräsentieren hat. Er hat sie in allen Tonarten gelobt, sogar als Pensionopolis» nach hem die kleinen Rentner zogen, -veil man hier billig lebte. Heute, sagte mir ein Delegierter, ist es etwas anders. Mau merkt es schon am Pflaster — es ist ein ttu-eS! Uttd habet gibt es in Kassel nicht mal weiße Brötchen, nicht mal Butter!
Etwas Besonderes findet sich aber heuer« diwgs in den Metzgerläden ... ganz richtiges Schweinegichacktes! Woher auf einmal das langentbehrte Schiveinefleisch? Das Theater gab die Aufklärung. Weil ein Sänger einen Blift- sturz bekommen, gcdb’g statt des „Vielgeliebten“ den vielbe liebten „Freischütz“, durch dessen Wolfsschlicht fftt altersher eine gespenstige Wildsau mit glühenden Augen läuft. Auf diese „Schweinerei“' verzichtet selbst hie kleinste Schüttere nicht. Am „Staatlichen“ aber gibts keine Sauerei und, was nie bisher gesehlt, bei der Neueinstudierung des „Schreiftitz“ fehlte die Sau!! Hat sie nicht hie Maul- unh Klauenseuche geholt, drnn ist sie es, die den Rohstoff geliefert hat für das Gehackte in den Metzger-
Don
Reinhold Braun.
Heute besuchte ich den Besitzer des klemeri Hauses am Wakdhange über der Heide. Er zeigte mir das Innere des schönen, schlichten Banes, der ganz aus Hol» beliebt und dann zeigte er mir seinen Waide arten. Das war eine erquickliche Stunde voll feiner Lehrsarnkeit. Da oben auf dem Hange- Und der Mann redete also:
„Ich bitte meinen Oheim, der mir das Haus und das Waldstück vererbte täglich im Stillen um Verzeihung, daß ich ihn damals zürnte unb einen Unverständigen nannte, mir ein solches Anwesen zu vererben! Was sollte ich mit dem Walde beginnen- Wohl hatte ich einen Garten lange ersehnt- Aber wie sollte ich dieses Stück Heidedürfttgkeit zu einem Garten umschaffsen?
Da eines Tages sprach etwas in mir: Vielleicht kannst du ein Meisterstück vollbringen! Schasse einen echten und rechten Waidgarten! Suche die Kräfte zu erlösen, die in dem Boden schlummern, erforsche seine Wesenheit und laß ibn Frucht tragen, was er zu tragen im Stande ist!
Und der Boden und ich wurden Freunde mit einander und er schenkte mir fein Bestes. Und ich lernte auch das aus dieser Freundschaft, daß geduldige Liebe der beste Weg in ein Herz ist- Ich machte Versuche um Versuche,.
Vieles, was ich pflanzte, kam nicht fort. Aber was der Boden aunabm und feiner Kraft und
Die Roßkastanie als Wetterprophet.
Seit alter Zeit pflegte man auf die Witterung des bevorstehenden Winters aus dem Verhalten gewisser Tiere, namentlich der Zugvögel Und .einiger Jnfckten, zum Beispiel der Wespe«, seine Schlüsse zu ziehen. Wie die jahrelangen Beobachtungen des Gießener Professors dec Botanik, Dr H. Hoffmann, dartun, besitzen wir in der überall angepflanzt«« Roßkastanie einen ziemlich zuverlässigen Propheten dafür, ob der Winter streng ober milde ausfallen wirb. Professor Hoffmann stellte folgendes fest: Die Früchte her Kastanie reifen in Deutschland tm allgemeinen um den 17 September herum: in Süd- deutstbland fällt die Reife etwas früher, in Norddeutschlaiw ein paar Tage später. Je eher nun überhaupt hie Frucht'.eise eintritt, das heißt je eher die grünen stachelige« Schalen aussprin- gen unb die braunen Kastanien zur Erde fallen, desto mikderez Wetter bringt der folgende Winter. Im Durchschnitt gab es in zehn Fällen einer sehr irShen Reist der Äastanienfrüchte neun«
lüden!
Gelegentlich der großen Galavorstellmtg „Tannhäuser“ drängten sich viele Parteitagler auch in her ehemaligen Kaiserlage. Hier saßen votwiegtift» hie Ausländer, hie Där en, her Hol- (äither und Andere. Es hat sich nicht mit Sicherheit seststellen lassen, ob die Russen- und Kaiser- loae mit rotem Samt ausgeschlagen war. Jed-n- sasts: Vie goldene Krone her Loge wurde sto-z übersehen. Viele wundern sich, daß sie über- baupt noch ha ist, aber ...es war mal eine be- sondere BaukontmWon von Berfin hier, um zu prüfen, wie man hie Krone wegbringen könnte. Die Herren fuhren wieder heim, die Krone ist geblieben! Unnötige Mühe. Die Kaifertoge ist in weiser Voraussicht her späteren Entwicklung der Dinge bereits dieser entsprechend angelegt Man hole das Tldreßbuch, suche den Thettervlaii. drehe ihn um, und hie Ho flöge präsentiert sich ols ... Ballonmütze ä la WÄirer Jakob! Das Stadtgespräch ist soeben das nächÜiche Ereignis an der S-tadchalle, her große
Fahnenraub.
Die Mitternacht zog näher fdon» Dumpf Itinbet sie her Glockenton. Zwei rote Fahnen, die ha sind StadthaNen-Posten. Wehn im Wind______