10. Jahrgang.
Freitag, 18. Oktober 1920
Fernsprecher 951 und 952.
Nummer 239.
ZZ2
Die Ausstandsbewegung flaut ab
des
den Streikenden haben für die Annahme Schiedsspruchs 1303, dagegen 539 gestimmt.
m den Streik den selbst die
KannsverS Straßenbahn fahrt wieder.
Hannover, 14 Oktober. (PtivattelSgramm.) Ter Schiedsspruch des SchlichtungSausschnffeS im Straßenbahner streik ist von beiden Parteien angenommen worden. Damit hat der Straßenbahnerstreik nach mehr als zehn- wöchentlicher Tauer sein Ende erreicht. Der Betrieb wird sofort wieder ausgenommen. Mit einer Wiederaufnahme des Personenverkehrs ist jedoch vor Sonnabend nicht zu rechnen. Bon
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Btttoimmg in Rußland.
Dorfrisde und kämpfende Heer«.
(Eigener Drahtbericht.)
Riga, 14. Oktober.
Der Waffenstillstand und der vorläufige Friedensvertrag zwischen Polen und Räterußland ist vorgestern abend unterzeichnet worden. Währenddessen gehen die Kämpfe an der Front weiter. Die Polen melden: Unsere Abteilungen, die den Widerstand zwei bolschewistischer Divisionen brachen, nahmen am 12. Oktober Molotetschno ein. Im Süden kehrte unsere Reiterei nach einem tiefen Borstoß gegrli Korostynyi zurück. Nach der Zerstörung der Stadt rmd der Brücken habe« unsere Wteilun- gen die 17. Sowjetreservebrigade und die 7. Sowjetdivifion vernichtet, über zweitausend Gefangene gemacht, zwölf Geschütze ützd vierzig Maschinengewehre erbeutet. Zwei erbeutete Panzerzüge und vier Tanks, die sie nicht mitnehmen konnten, wurden in die Luft gesprengt. — Rach einer in Paris eingelaufenen drahtlosen Meldung hat Machnow, der volkstümliche ukrainische Führer, seine Haltung wieder geändert und unterstützt nun di Bolschewisten im Kampfe gegen Wrangcl. Tschitscherin meldet nach Riga, daß die Ursache von Machnows vet inderter Haltung die revolutionäre Bewegung unter den Bauern sei.
SentWnhs Finanznat.
Sine Konferenz unserer Minister.
tPkivat-T elearamm.'i
Berlin, 14. Oktober.
Die Konferenz der deutschen Finanzminifier, die mehrfach vertagt war, ist nunmehr auf die letzte Oktoberwoche nach Berlin einbe- rufen, um zu der Finanzlage und zu den großen Steuerpläneu des Reichsfinanzministers Stel- luna zu nehmen. Wir wir erfahren, haben die Veranlagungen zum Reichsnotopser in Grotzberlin die Finanzämter allgemein ent- täuscht. Der von Erzbergrr ausgerechnete Einnahmcbetrag des Reiches aus dem Rcichs- notopfer wird allgemein in Grotzberlin um fünf- unddreitzig bis vierzig Prozent hinter den Erwartungen zurückbleiben, die auf Grund der früheren Kriegsveranlagungen errechnet waren. — Der Reichsfinanzminister hat die Anordnung erlassen, daß alle an die Reichsbeamten auf die neue Besoldungsordnung gezahlten Vorschüsse am 1- Januar zurückzurechnen sind.
Ein Landarbeiter-Ausstand.
Halle a. S., 14. Oktober. (Privattele- gramm) In dreiundneunzig Ortschaften der Mansfelder Kreise sind die Landarbeiter
Anr der Stteikbewrsung.
Der Zeitnngsstreik vor dem Ende.
(Privat-Teleacamm.)
Berlin, 14. Oktober.
Im ReichsarbeitSminifierium fanden gestern unter Leitung des MinisterialrÄs Dr. Sitzler und in Anwesenheit des Staatssekretärs Dr. Hirsch vom Reichswirtschaftsministerium »wischen Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer des Großberliner ZeitungS- gewerbes Verhandlungen statt. Sie Wirten nach längerem Verlauf dirrch weitgehendes, beiderseitiges Entgegenkommen z« einer vöM- gen Einigung. Das Ergebnis war, daß die Angestellen eine Gehaltserhöhung von zwölfcinhalb beziehungsweise gehn Prozent, die jugendlichen eine solche von 15 Prozent erhalten. Die Betbeirateten erhalten außerdem noch zweieinhalb Prozent. Mle Angestellten und Arbeiter werden wieder eingestellt. Die Strriftage werden bei den Angestellten nicht bezahlt. Den Arbeitern werden fünsundsiebzig Prozent des Lohnausfalles sogleich bezahlt, die Zahlung der restlichen fünfundzwanzig Pro^nt von der Entscheidung des Schiedsspruches abhängig gemacht. Die getroffenen Vereinbarungen bedürfen noch der Zustimmung der beteiligten Verbände und Gewerkschaften, die heute vormittag erfolgen dürfte. Es ist zu erwarten, daß in den von dem Streik betroffenen Zeitungen noch heute die Arbeit ausgenommen wird.
Frankreich hat feix Intereffe.
Genf, 14. Oktober. (Eigener Drahtbcrlcht.) Aus Paris Wird gerneldft, daß das sranröstM
Kabinett nach Entgegennahme des Berichtes der Brüsseler Delegatton sich auch mit der Einberufung einer zweiten Brüsseler Konferenz besaßt Habe. Die Stellungnahme des französischen Kabinetts sei dahin erfolgt, daß für F r a n k r e t ch zunächst kein Interesse an einer zweiten Brüsseler Konferenz besteht.
zweite Stöffeln Konferenz?
Englisch-belgische Vereinbarung.
(@taent Drahtmeldung.)
London, 14. Oktober.
Der Londoner Telegraph veröffentlicht eine Unterredung mit Delacroix. Darin wird von der Uebereinftmst mit Lloyd George gesagt, daß das Spaer Abkommen bezüglich Genf abgeän- dert werden soll »orbehaftlich der Zustimmung der Alliierten. Es soll eine sofortige Zustun- menkunst der Mitglieder der Reparationskom- mission stattfinden unter Zuziehung eines Sachverständigen unp zwar in Brüssel zur Sera, tung der Entschädigung Deutschland soll zwei Delegierte entsenden, denen Rcde- freihett, aber kein Beschlußrecht zusteht. Es soll dann die Berichterstattung an die Regierungen und »ackchem die Entscheidung des Obersten Rates nach weiterer Anhörung deutscher Mini- stcr erfolgen. — Der „Temps" meldet, daß die damalige ftanzöfische Zustimmung zu einer Gen- fet Konferenz nur erfolgt sei unter Vorbehalt der Souveränität der Wiedergutmachungskommission
Vorteil, daß er
billiger als Kohle
ist. Torf ist aber auch bei uns in großen Mew gen vorhanden; wird doch, wie Dr. V. Martell in der -ChemischDechnischen Wochenschrift* ausführt, die Fläche der Torfmoore in Deutschland aus nahezu drei Millionen Heftar berechnet, die etwa der Größe Württembergs ent- fpricht. Bayern allein besitzt eine Torffläche von 70000 Hektar; im übrigen trifft man die Torfmoore überwiegend in der norddeutschen Tiefebene an, und auch deren Ausläufer nach Holland und Rußland weisen zahl- reiche Torfmoore auf. Man unterscheidet nach ihrer geographische« Lage Gebirgsmoore, Wiesenmoore, Niederungs. und Hochmoore, während die Beschaffenheit des Torfes von der vorherrschenden Pflanzenart abhängig ist, nach deren Absterben aus Mangel an Lust, oder Sauerstoffzufuhr der Torf sich gebÄdet hat. Demgemäß unterscheidet man Sumpf-, Heide-, Wald-, Moos- und Schilftorf. Unter einem Hochmoor versteht man ein Moor, das sich mit seinem Untergrund über die Höhe des normalen Wasserspiegels erhebt. Diese Hochmoore ergeben, den besten Brennstoff. Bet den geroßen in Hannover, Oldenburg und Siidbayern gelegenen Mooren handelt es sich meist um Hochmoore, während die im Spree-, Havel- und Odergebiet anzutreffenden Moore sich meist aus sauren Grasartcn auf Lehmboden gebildet^haben. Man bezeichnet sie daher auch als Grünlandmoore. Die Nutzbarmachung und Verwertung dies«, großen deutschen Torfmoore, die erst gu einem kleinen Teil eingeleitet ist, bildet
eine der größten Zukunstsaufgaben
der deutschen Volks wirtschaft und Technik, zumal jedes abgebaute Torfmoor einen entsprechenden Gewinn an landwirtschaftlichem Boden darstellt, der die VoAsernährung verbessern Hilst. Die Mächtigkeit der Torfmoore beträgt im allgemeine« drei Meter, ght aber in einzeln Fällen bis zu fünfzehn und zwanzig Meter. Ausschlaggebend für die techmsch-indeOrrell, Verwertung deS Torfes ist sein Heizwerk, der von seinem Aschege^lt avbänmn ist Torf^ die weniger als fünf Prozent AichegehM auf- weisen, gelten als aschearm, fünf bis zehn Prozent gelten als mittlerer Aschegehalt, während Torfe mit mehr als zehn Prozent alS aschereich z« bettachten sind. Im allgemeinen liegt ttte letzte Grenze der Verwendbarkeit dez Torfes Mt Feuerungszwecken bei fünfundzwanzig Prozent Aschegehalt. Im ftischen Zustand hat der Torf einen Wassergehalt von achtzig bis neunzig Prozent, die sich durch Lufttrocknung Ns aus etwa zwanzig Prozent herunterbttngen kaffen Die Entwässerung des Torfes kann durch künstliche Trocknung herbei geführt werden; wir hcSen es dann mit Darrtorf M tun, oder die Entwässerung geschieht durch Pressen, wobei sich sogenannter Preßtvr'f ctrgibt. Mr den Hausbrattd findet der Tgrf seit langer Zeit äußerst nützliche Verwendung; auch zur Kessel- und Nammenofenfeuerung ist Torf schon mit Erfolg herangezogen worden. Wo hohe Hitzegrade, in FtzWe kommen, tote heim Be-
Damit wird ein Punkt hervorgehoben, der allerdings von entscheidender Bedeutung ist. Wir müssen uns Aar machen, daß manches in unfe« rem wirtschaftlichen System auf eine neue Basis gestellt werden mutz. Wir werden mit der jetzigen Betriebs- und Wirtschafts-Ordnung kaum diejenige Kräftescunuckung vollziehen können, die erforderlich erscheint, uns über die ungeheuerlichen Schwierigkeiten unserer Zeit hin- wsgzubriugen. Man möchte als Wirtschaftsund Finanzpolitiker nur dringend wünschen, daß dieser Umbau vollzogen wird, so lange noch Gewähr dafür vorhanden ist, daß dieser Riesen- prozeß ohne äußere Störungen in Ruhe und Ordnung sich vollzieht. Im anderen Falle gibt es nur ein wüstes, ödes Trümmerfeld. Dar Kamps um die Sozialisierung ist durch den Ka- binettsbeschlutz vom 2. September 1920 in Fluß gekommen. Der Reichsschatzminister von Raumer hat erneut erklärt, daß das Kabinett einstimmig die Vorlage eines Gesetzentwurfes über die Sozialisierung des BerAbau.es gefördert habe. Mit dieser Regierungserklärung fallen alle in letzter Zeit in einem Teile der Presse erörterten Kombinationen über die Stellung der Deutschen VoWpartei zu diesem Kabinettsbeschluß, der also auch unter voller Zustimmung der deurschvolkspartetlichen Minister erfolgte, in sich zusammen. Das Kabinett ist in dieser Frage durchaus einig, und wenn innerhalb der Deutschen Volkspartei, was ja unbestritten ist, gegensätzliche Auffassungen in dieser Frage bestehen, so ist deren Austrag eine rein häusliche Angelegenheit der Deutschen Volkspattei selber. Im übrigen hat diese ja auch erklärt, daß eine ent» gültige Stellungnahme selbstverständlicherweife erst nach Kenntnisnahme des zur Vorlage ge-
Polen und Ukraine.
Danzig, 14. Oktober. (Privatteilegramm.) Berichte aus Warschau besagen: Nachdem Polen sich mit General Wrangel hat nicht einigen tonnen, versucht die polnische Regierngg eine Verbindung mit der Ukraine durchqufuhren, in der Annahme, daß auch nach dem Frieden mit Rußland die BrHchswisttn den Kampf nicht aufaeden und fick vermutlich wieder der Ukraine ,u bemächtigen such en. Dadurch würde Polen von neuem ocdrosift. Die Uftainer haben bekanntlich mit W/eangel schon eine Verbindung und suchen di-cftn nach Kräften zu unterstützen. Es ssk deshcLb sehr fraglich, ob sie sich nun auch uni Polen dinlassen wollen. Der polnische Mt- inistervräftdcnt Witos ist selbst nach der Ukraine gereift, um dort Verhandlungen zu führen.
*
Zunahme des Aufstandes.
Helsingfors, 14 Oktober. (Eigene Draht- meldnnet Die Telegraphen-Stationen haben seit Dl- iPZ keine Funksprüche aus Petersburg aufgetum-—-n, während der Verkehr mit Moskau normal ist. Aus Pinsk wird gemeldet: In der russische« Front hinter Pinsk müssen Kämpfe im ruMchen Heer fiattgefunde« haben. Man hörte in Pinsk deutlich Artillerie und Maschineugetvehrfeuer hinter der Demarkationslinie. — Ter polnische Gesandte in Paris hat gestern abend mitgeteift, daß die polnische Regierung General Seligowstt vollständig desavouiert und daß sie alle Maßregeln ergriffen hat, um die Truppen, die in dir Stadt Wilna eindranV«, zur Bermmst zurückzubringen, -
Torf als Kohlenersatz.
Seine Bedeutung und sein Heizwert.
Bei dem Mangel an Nehlen wendet man sich in Deutschland jetzt mehr dem Verbrauch von - Tort gu, der in gedrehtem Zustand« ,nr Ber, drennung im Haushalt sehr geeignet ist. Es wird versuch«, ihn für di« Jndtistri« nutzbar gn machen
Wieder steht der Winter vor der Dstr, und abermals bedrückt uns schwere Sorge vor den kommenden Monaten mit ihrer unvermeidlichen Kohlennot. Deutschland, das bis zum Kriege unter den kohlefördernden Ländern der Erde an dritter Stelle stand, und nur von den Vereinigten Staaten und von England darin übertroffen wurde, ist heute, nach dem Verlust des Saargebietes und unter der Wirkung des Abkommens von Spa nicht mehr imstande, soviel Kohle zu fördern, wie Industrie und Hausbrand $ur Deckung der dringlichsten Bedürfnisse gebrauchen, obgleich nun auch bereits die geringwertigere Braunkohle für industrielle Bedürfnisse nutzbar gemacht wird. In dieser Not bleibt nichts anderes übrig, als nach einem Ersatz Ausschau zu halten, der uns über die Bereu Jahre des Kohlenmangels nach Mög- eit hinwogbringt. Da Holz wegen seines hohen Preises, wegen seiner immerhin begrenz- ten, zur Verfügung stehenden Mengen und auch Wegen seiner zum Teil nut geringen Eignung als industrieller Heizstoff als Ersatz für Kohle nur in ganz beschranktem Umfange in Frage kommt, so bleibt nut der Torf übrig, der "im Vergleich zur Dteiin- und Braunkohle zwar minderwerttg ist, der sich aber doch weit besser verwenden läßt, als der in Heizungsfragen nicht erfahrene Laie im allgemeinen glaubt Vor allen Dingen hat der Dorf den
planten Gesetzes möglich ist.
Inzwischen hat die Sozialisscrungsfrage einer, ausgeprägten wirtschaftspolitischen und damit unter den heutigen Verhältnissen auch unmittelbar politischen Charakter erhalten. Bei oen Bergarbeitern steht die Sozialisierungsforderung rot Vordergründe aller Handlungen. Ter Berg- arbeiterverdand, der vierhundertfechzig- tansend Mitglieder umfaßt, hat die vermehrte Arbeitsleistung von der .unverzüglichen Verwirklichung der Sozialisierung des Bergbaues“ abhängig gemacht. Ter Verband hat in den Verhandlungen dur^chticken lassen, daß, falls die zugesagte Sozialisierung nicht erfolge, sofort die Üederschichten-Abkornmen gelöft würden. Das Würde unmittelbar eine Sänäenmg der Kohlenförderung von zwei bis drei Millionen Tonnen monatlich ausmachen. Darüber hi::ans hat man jckd« Erörterung über die achte Ar- beitsstunde abgelehnt, wenn nicht die Sozi alisierungsfrage gelöst sei. Welche Bedeutung die achte Arbettssruudc tm Bergbau haben würix. maa daraus zu ersehen sein, daß allein diese Stunde jährlich eine Mehrfötzderung an Kohle von etwa sieden bis acht Millionen Tonnen ri'.ihringen würde. In der sozialdomokrati- jchen Presse wird such bereits darauf hingstoie-
ll« die öszialifiernaz.
Eine nette Wirtschaftsordnung.
Der Kampf um die Sozialisierung ist aus der ganzen Linie im Gange. Die Sozialisierung de: Betriebe war mit die erste uttd am lautesten Vertretene Forderung nach der Revolution. Als man an die nähere Behandlung des Problems ging, fand man doch manches Hindernis, und man sprach dann einschränkend von der Sozialisierung der „dazu reifen“ Betriebe. Der Streit zwischen der unentwegten Anhängern der Sozialisierung und den gemäßigten Vertretern wuchs sich dann zu einem politischen Kampf aus, und die Stellungnahme in ihrn wurde v>ets'rck> als Prüfstein für die Mein -wahre rmd echte“ sozialistische Gesinnung hingestellt. Eine So- zialisierungs-Kommtsston wurde von Reichsweaen eingerichtet, und nach wechsetoollcm Schicksal ist sie mit zwei in den Endergebnissen verschiedenartigen Denkschriften hervorgetreten. Aber auch jetzt wär« die Sozialisierungsfrag.' noch nicht in Fluß gekommen, wenn nicht tue furchtbare Finanzlage des Reiches zu einem Entschluß in der Richtung der Schaffung einer ausgiebigen Einnahmequelle für das Reich gedrängt hätte. Das aber ist auch der Kernpunkt: Dr« Aussicht, durch eine Sozialisierung auch eine Steigerung der Produktion und twmit eine wesentlich erhöhte EinnahmeqtteIle zu gewinnen. Die Anschauungen über dieze Dinge gehen natürlich sehr weit auseinander. Vorerst wird von Reichswegen die Sozialmr- rung der Kohle angestrebt. Die Berghauinter- iffenten stehen in dieser Frage im Gegensatz zu her Masse derer, die die Sozialisierung des Bergbaues für eine Notwendigkeit aus mnerpolitt- fchen Wie aus wirtschaftlichen und finanziell m Gründen halten. Der Führer dieser Gruppe, der Kohlenkönig Sttnnes, hat triefet Tage im wirtschafispolitifchen Ausschuß des ReichsWirt- schastsrates erklärt, daß die Frage der Kohlen- soziMsierung nicht für sich allein Mlöfi werden könne Voraussetzung wäre ein völliger Umbau unserer Gesamtwirtschaft.
fen, daß auf Grund der Beschlüsse des internationalen Beraorbeiter-Koutzresses in Genf die Sozmlisierung des Bergbaues .mit allen Mit- rcln, möglicherweise durch den Generalstreik“ erzwungen werden soll. Auf diese BeschWsse Wurden auch di e deutschen Bergarbeiteroer bände verpflichtet. Es handelt sich also um eine Frage von allergrößter wirtschaftticher und polttischer Tragweite. Der Kamps um die Sozialisierung ist im Fluß. Don feinem Ausgange wird em gut Teil dis Schicksals vcm Reich und Volk in nächster Zukunft abhängen. G. M.
getreten. In einzelnen Orten wer- Notstandsarbeiten nicht gemacht.
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