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ssckr Neueste Nachrichten

Kasseler Mendzettimg Hessische Abendzeitung

Nummer 230

Dienstag, 5. Oktober 1920

Fernlvrecher 951 und 952.

10. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Kohlenllberschuß in Frankreich.

lieber dm Parteien.

Die neue ZLehrverfaffung.

Der verstorbene Freiherr von der Goltz hat in seinem Buche »Das Volk in Waffen" den Satz geprägt .Wehrversassungcn stehen in engster Be­ziehung zur Kulturstufe eines Volks". Wenn sich in diesem Monat der Reichstag mit dem neuen Wehrgesetz zu befassen haben wird, so mag es naheliegen, die Goltzschcn Worte als Maßstab der Beurteilung zn wählen. Einschrän­kung ist jedoch geboten, denn die Arbeit der ge- setzschaffenden Köpfe ist diesmal nicht das Pro­dukt freien Willens, sondern das Erzeugnis der Adhängigkeil von besonderen Verhältnissen un­seres Staatslebens, wie sie Versailles und Dpa gebracht haben. In vier Hauptabschnit- ten liegt das Gesetz vor. Sie sind überschrieben: Gliederung und Befehlsverhältnisse, Lands­mannschaft, Pflichten und Rechte der Angehöri­gen der Wehrmacht und Uebergangs- und Schluhbestimmuugen. Es ist selbstverständlich, daß Fachfragen militärischer und maritimer Art cs sollen nur genannt werden: Gliederung der Wehrmacht, Regelung der Befehlsverhältnisse, Dienstverpflichtung einen breiten Raum ein­ne hm en. Klar und bestimmt tritt hervor, daß wir gewillt sind, den Versailler Vertrag zu er­füllen: der einleitende Paragraph betont die Freiwilligkeit des Dienstes, die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht.

Das hunderttausend Köpfe starke Heer wird vom 1. Januar 1921 ab in zwei Gruppenkommandos, sieben Infanterie- und drei Neiterdivisionen zerfallen, die insgesamt wiederum 21 Infanterie-, 18 Reiter-, 7 Artille­rie-Regimenter und eine Anzahl kleinere, insbe­sondere technische Truppen aufstellen. Die Reichs­marine in einer Stärke von 15000 Köpfen bildet eine Flotte von ^insgesamt Einheiten, wor­unter je 6«8inienschiffe und kleine Kreuzer sich befinden. Die oberste Befehlsgewali über dfe gesamte Heermacht liegt in den Händen des Reichspräsidenten, der Reichswehrminister übt sie in seinem Auftrage aus, ohne in selbständi­gen Entschlüssen gebunden zu fein . Die Zuge­hörigkeit der Wehrmachtangehörigen zur Truppe dauert für Unteroffiziere und Mannschaften zwölf Jahre, für Offiziere fünfundzwanzig Jahre. DiePflichten und Rechte der Wehr- macht" stehen in gewisser Weise unter dem Zei­chen der Zeit. Wir finden hier die gesetzlichen Bessimmungen, daß Unteroffiziere und Mann­fchaften während ihrer Dienstzeit eine vorberei­tende Ausbildung für den tt ebergang in bürgerliche Berufe zu gewähren ist, imb daß sie nach ihrer Entlassung Anspruch auf Ver- sorgungsgebührnifse nach dem Maßstabe des Versorgungsgesetzes haben, die auch für die Ver- sorauna der Hinterbliebenen maßgebend sind. Fähigkeiten und Leistungen bilden künftighin den Maßstab, nach dem Angehörige der Wehrmacht aufsteiaen können: Herkunft und Vermögenslage sind ohne Bedeutung.

Wenn die Uebcrnahme einer Nebenbe­schäftigung von der Genehmigung der Vor- gefetzten abhängig gemacht wird, auch die Ver­heiratung ihrer b'darf, fo ist dabei dem Rechnung getragen daß die Wehrmacht nicht einem Tag für Tag gleich arbeitenden Betriebe gleicht, sondern ein Instrument des politischen Willens ist. Hier und da soll es angesetzt wer­den: für Wochen und Monate müssen vielleicht Truppenteile ihre Garnison verlassen weil die Regierung infolge zahlenmäßiger Beschränk"tvg ihrer Kräfte nidtf in der Lage ist, zu jeder Zeit und an jedem Ort ihre Autorität zu wahren. Daher ist auch die politische Betätigung innerhalb des Dienstbereichs, sowie die Zugehö­rigkeit zu politischen Vereinen und die Teilnah­me an politischen Versammlungen untersagt; auch die Angehörigkeit zu nicht-politischen Ver­einen ist von der Genehmigung der Vorgesetzten abbängia. Wie es bei den letzten Wahlen be­reits geschah, so wird auch künftighin das Reckt zur Teilnahme an Abstimmungen in dem Reich, in den Ländern rwd in den Gemeinden für den Soldaten rdben. Vielleicht ist es von Nutzen, auf die Claufewitzschen Worte binzuweison:Man hüte sich, den Geist des Heeres mit Siimmung desstlben z>, verwechseln." Für die kleine Wehr­macht des deutscken Volks darf es nur einen Geiß geben, den des Gehorsams. Oder der politischen Leitung entgleitet die Führung.

Etwas Neuartige? gegenüber früheren Wohr- gesetzen ist die besondere Behandlung lands­mannschaftlicher Rechte. In den einzelnen Ländern werden künftiMn besondere Lan­deskommandanten bestellt werden, bereit Auf­gabe es ist, die Interessen ihrer Länder zu wah­ren, fei es bei besonderen Maßnahmen der Reichsleitting, sei es bei Besetzung der Führer­und Beamtenstellen, sowie bet Ergänzung der Reichswehr. Besondere geschlossene Verbände der einzelnen Länder werden gebildet. Die Truppen erhalten neben der Bezeichnung als .Retchstruppe" eine .landsmannschaftliche"; das

militärtsche Beschaffungs- und Belieferungswe­sen wird in einem Reichsamt zusammengefaßt, in dem die Landesregientngen vertreten sind. Auch haben die Regierungen der Länder das Recht, selbständig bei öffentlichen Notständen und z« polizeilichen Zwecken militärische Hilfe aufzufordern. Anstelle früherer Militärkonven­tionen ist jetzt also das Reichsheer getreten, ohne daß jedoch der föderalistische Gedanke außer acht gelassen wordei ist. Möge die Oeffentlichkeit das neue Gesetz mit dem Auge eines kritischen Beobachters betrachten, möge es ermessen, ob es der Kulturstufe unseres Volkes entspricht, mö­ge es aber dabei bedenken, daß der Standpunkt parteiischen Haderns nicht dazu angetan ist, ob­jektiv das Beste zu erfassen! Die Wehrmacht taugt zu nichts, wenn sie nicht über dem Ge­triebe der Parteien steht! D.N.

Ungleiche Kohlenverteilang.

Frankreich häuft Vorräte auf.

lPrivat-Delearamm.1

Berlin, 4. Oktober.

Die Deutsche Allgemeine Zeitung veröffent­licht eine Zusammenstellung, aus der hervor­geht, daß dw Pariser Gasaustallen eine Reserve von nucnhundertausend Tonnen und die französischen Eisenbahnen eine solche von achthnnderttausend Tonnen Kohlen besitzen, daß also Frankreich unsre Kohlenlieferung im August nicht verbraucht, sondern größtenteils als Re­serve ausgestapelt hat. Die Pariser Gasanstalten haben danach allein fast dreimal soviel Vorräre als sämtliche deutschen Gasanstalten zrrsammru- genommen. Trotzdem muß Deutschland Wetter hin die ungeheure Menge von zwei MMoucn Tonnen monatlich an die Entente liefern, wäh­rend in Deutschland die Industrie und die Haus­haltungen wieder vor großer Kohlennot stehen. Es ist dringend ersorderlich, daß sich die Genfer Konferenz mit dieser Ungerechtigkeit befaßt.

*

Dre Notlage in Deutschland.

Berlin, 4. Oktober. (Privattelsgrmnm.) Es wird zuverlässig festgestellt, daß Deutschland wieder einen kohrenarmen Wint» durchmachen muß. Schon jetzt ist die Belieferung ungerch- fleub. Die Kohlenbelieferung ber deutschen In­dustrie betrug int August für Gasanstalten 30 bis 60 Prozent ihres minimalen Bedarfs; Ee'ek- triziiätsw.-rke Minderbelieferung (gegen Juli) mit der Folge von Sperrstunden und Betriebs- einstellunMn; Ehemische Industrie fünfund- zwanzig Prozent Lieferungsrückgang, neunzehn Betriebe halben den ganzen Monat, zweimrdsech-- zig länger als acht Tage still gelegen; Bnnker- kohle war ganz nngmÄgend; Fischdampfer und Bagger lagen still, die HHen versandeten. Ame­rikanische Dampfer konnten nur für halbe Aus­reise Kohlen erMlpt. Zu Baustoffen bestand zwanzig Prozent Mir derbelieserung (bei un serer katastrophalen Baustoffnot) in Glas und Porzel­lan dreißig bis vierzig Prozent, Textilindustrie zwanzig Prozent, Webereien sechsundreißig Pro­zent NUnderbslieferung.

örSemmMel- und Lshnstsge»

Proteste des deutsche« BeamtenbundeS.

(Prwat-T elearamntj

Berlin, 4. Oktober.

Der Deutsche Beamtenbund hat gestern vor­mittag drei große Protest-Versammlungen ver­anstaltet, die alle sehr zahlreich besucht waren. ES wurden überall Entschließungen angenom­men, in denen der Abbau der LebenSmit- telpreise verlangt und gegen die von den Regierungsvcrtretcrn in der Frage der Beam - tengeselle eingenommene Haltung protestiert wird. Weiter wurden Maßnahmen zur Verhü­tung des völligen wirtschaftlichen Zusammen­bruchs der Beamten gefordert unb schließlich ver­langt, daß die Reichszentrale für Beamtenfiel­len endlich in Wirkfamkeit trete.

Landarbeiter-Streik.

Berlin, 4. Oktober. (Privattelegramm.) Auf einer Anzahl Güter der Provinz Brandenburg sind die Landarbeiter feit Sonnabend in den Streik getreten. Sic verlangen Lohn- erhöhungen von zwanzig Prozent.

*

No tfl ands-Bauaröe lten.

Berlin, 4. Oktober. (Privattelcgramm.'> Rach Mitteilungen aus parlametttarischer Quelle

sind in den neuen Reichs-Etat achthundertfünf­zig Millionen Mark, in den preußischen dröi- hunderifünfzig Millionen zur Vergebmtg staut- kicher RotstOnds-Bauarbeiten zur Be­kämpfung der Arbeitslosigkeit eingesetzt.

Dritte gttiffxttet Messe

Befriedigung bei der Eröffnung?

(Privat-Telcaramm.)

Frankfurt a. M., 4. Oktober.

Die dritte Internationale Frankfurter Messe wurde gestern eröffnet. Die Vorbesichtigurig zeigt, daß von einer Messemüdigkeit nicht bk* Rede fein kann. Der Besuch war überaus groß. Rach der Eröffnung der Buch-Ansstl- lung vereinigten sich deren Veranstalter mit den Ehrengästen, sowie den Vertretern der Stadtver- waltung, der Meffeleitung und der Presse zu einem Frühstück im großen Saale des Frank­furter Hofes. Oberbürgermeister Voigt, ber die Reihe der Festreden eröffnete, deutete die gt gen das Frühjahr festzustellende Ausdehnung des Gästekreifes als ein Zeichen weiteren J^i- teieffes für die Frankfurter Messe und widmete der kttlturelleu Sendung des deutfcheu Buchhan- befis Worte wärmster Anerkennung. Dies ver­galt Professor Kippen berg als Sprecher der deutschen Gefellfchast für Auslandsbuchhandcl mit einem Hoch auf die Stadt Frankfurt a, M. als alte berühmte Pflegestätte geistiger Werte. Direktor Otto Ernst Sntter sprach der Presse den Tank der Leitung des Messeamtes anö, wonach Redakteur Alexander Gießen im Na­men der Presseleute erwiderte. Große Rusin rk samleit wandte sich auf die Ausführungen des englifchen Generalkonfuls Mr. G o s l i n g, der den Dank der Auslandsvertreter für die Ein­ladung zum Ausdruck brachte und unter dem Gesichtspunkt, daß die Zeit die Wiederbelebung von Handel und Wandel gebieterisch fordere, der Frankfurter Messe Erfolg wünschte.

Hansatag in Frankfurt.

Frankfurt a. M., 4 Oktober. (Privai-Tele- grantnt.) In Anwesenheit von Vertretern aller süddeutschen Staaten und zahlreicher Behörden begann gestern hier die Tagung des Hansa- b n n d e s. Kammerpräsident Dr. Kleefeld sprach über Volkswirtschaft und Wiederaufbau. Er forderte ein Reichsprogramm, Beseiti­gung des Achtstundentages tntb Einfüh­rung einer nationalen Dienstpflicht zur Durchführung des Landkulturprogramms und Anbahnung eines neuen deutschen Wirtschafts- Vereins. Der Hansatag begleitete das großzü­gige Programm mit stürmischer Zustimmung.

Amerikanische »Sorge«".

Bericht auf der Brüsseler Konferenz,

(Eigene Drahtmeldung.)

Brüssel, 4. Oktober.

Als letzte ber auf der Konferenz vertretenen Mächte hat jetzt auch Amerika seinen Bericht über die Finanz- und Wirtschaftslage überreicht. Der Geist iniernationÄer Solidari­tät kommt darin zum Ausdruck, aber auch, daß von der Ungunst der Verhältnisse und von den wirtschaftlichen Sorgen die Vereinigten Staaten betroffen werden. So lieft man, daß in Amerika die Teuerung die gleiche verhängnisvolle Wirkung gehabt hat wie in anderen Ländern, daß auch dort die Bevölkerung unter der Last außerordentlich schwerer Steuern seufzte und diejenigen, deren EinWnfte mit der Preissteige­rung nicht Schritt zu halten vermocht hätten, großen Entbehrungen ausgesetzt waren. Zum Beweise wird angefiihrt, daß infolge der sinken­den Kauflrast der Ausfuhrländer die ameri- lauische Exporiindustrie schwer darniedciliege. daß Spinnereien geschlossen wurden. Schuh-

Sie schwarze Schmach.

Eine Kundgebung in Kassel.

An» Sonntag vormittag iprach Fr!. Dr. Mart cafabe ) Luders, Mitglied des SieichstaLcS «m Evana. DeretnShause tiber die Gewalipotiti nuferer ehemaligen Feinde in den besetzten ® bieten und über die schwarte Schmach. Frl. Dr M. E. Lüder«, dir in Düsseldorf e ne sozial Frauenschule leitet, ist wie selten jemand b rufen, über diese« Thema zu sprechen, Sa fie V Verhältnisse aus niichfter Rehe studieren tanr Einleitend begrüßt der Vorsitzende der D> uwiratischEN Partei die Versamtnlung uni spricht sein Bedauern aus, daß der Besuch ft schwach ist. Wahrscheinlich hat mau sich au, parteipolitischen Rücksichten bewogen lassen, de« Vortrag fernzubleiben. Das ist tief bedauerlich denn die Empörung gegen die unerhörte Ver gewaltigung der besetzten Gebiete ist eine attge- meine, deutsche Bewegung und nicht Sache ein : sondern aller Parteien. Frl. Dr. Mari« Elisabeth Lüders betonte eingangs ihre? Vortrages, daß es keineswegs ihre Msicht fei Propaganda zu treiben. Tieftraurig stimmt es daß der Saal so viele Lücken aufweist. Woller die Leute denn nickst das hören, was zwar fehl schmerzlich für uns Deutsche ist, was aber aus gesprochen werden muß? Sellen denn unser' Landssertte in den besetzten Gebieten glauben wir hätten kein Herz für ihre Lerden? Ein gro­ßer Fehler ist es, daß wir uns mit der aikswir Hißen Politik so wenig befaßt haben. Dieser schweren UntcrlassungsKndc haben wir auch Ausbruch und Ausgang des Krieges mit dem Versailler Friedensoertrage zu versanken. Lei der findet man auch heute noch sehr wenig Ver­ständnis für die ungeheure Schwach, Sie uns durch den Friedensbertrag angetan wirb. Wie sehr wenige Leute gibt es, die den Friedensver- tmg wirklich kennen? Wie wenige kennen das Rhrinlandsabkommen? Leider sind es nur sehr wenige Menscl-en, welche die uns ansdiktiertea Verträge als unsittlich empfinden. Es muß viel mehr ins Volk getragen werden, jeder Deuts.sie muß es wissen, nicht nur ahnen, daß der Frie- dcnsvertrag von Versailles unser Lebensrecht, das Le eens recht einer ganzen Nation, hohn- lacheln>r> mit Füßen tritt und ob dieser unsitt­lichen Tat stolz ist. Wir müssen wissen, daß die­ser Friedensvertrag in der Welt einzig da steht. Dos, was wir unseren Landsleuten jenseits des Rheins entgegenbringen mässen, ist

Mitgefühl, nicht Mitleid im landlÄrfigen Sinne. Diese Landsleute leiden für uns, ohne davon zu sprechen. Wenn wir den Linksrheinländern auf die Schult tcr Mopfen unib ihnen sagen:Nicht wahr. Ihr bleibt dock» deutsch?!", fo sollten wir wissen, daß wir sic damit beleidigen. Die Deutschen in dem von ehemaligen Feinde besetzten Gebiete denken gar nicht daran, ihr Deutschtum aufzugcben. Str- wollen deutsch bleiben. Wer aber sagt, daß die Deutschen im besetzten Gebiet Mcklich sein könu- ten, weil sie vor dem Bolschewismus, vor Streiks ufw. verschont bleiben, der ist nickst mir herzlos, sondern feige, und dumm zugleich. Lie­ber von einem deutschen Spartakisten aufknöpien, als von einem ehemaligen Feinde beschützen lai- stn! Was würde aus Deutschland, wenn Frankreich einmal das tzft.chrgebict besetzen würde, wenn unsere Gläubiger unsere Hcnipt- tohlenvorrÄe in der Hand hätten? Die Deut- ichen machen sich erfahrungsgemäß über solche brenzliche Fragen wenig Kopfzerbrechen. Sic werden sich auch kaum Micke gegeben haben, darüber nachzndenkcn, wie cs sich im besetzten Gebiet lebt. Vielleicht denken sic bisweilen an die weiten Speck, die es im linksrheinischen Ge­biete geben soll, oder an den Zucker, oder an wer weiß was für schöne Dinge. Daß nufere Landsleute da drüben unter einem ständigen Druck leben, daß die Entente alles requiriert, was sie braucht, benutzt, was sie für nötig tze- indet, darüber denken wohl leider die wenigsten nach. Die Entente-Offiziere unb -Unteroffiziere bringen ihre Verwandten bis zum vierten und ünften Glied-- mit und noch eine Schar von Dienstboten. Die Deutschen sind gezwungen, fünf belegte Räume für achtzig Mark monatlich ab­zugeben. Unverheiratete Offiziere bewohnen fünf Zimmer, ein Kommandant zwei Schlösser, kur den Winter und Sommer, die auf fernen Befehl nmaebaut werden mußten. Die Stoffen des Umbaus beliefen sick auf knapx> zwei Millio­nen Mark. Wenn den kleinen Ackerbürgern ihr Land fortgenommen wird, wenn man vor einem Franzose'! den Bürge rst->ig verlassen muß, wenn man ansehen muß, wie

sckpvarze, gelbe, braune Kolonialsoldaien, die, wie wir wissen, morgens oft eine Prügel- träfe im voraus bttonunen. auf unsere Lands­leute los gelassen werden, wenn man alles das ansieht, dann weiß man von dem Heldentum unserer linksiheimschen Brüder. Sie sind klug genug, mn zu 'vissen, daß sich durch einen Avi­sta ns das uus..gliche tAend auch über andere Teile Dcutschiands au »breiten würde. Sie kämp­fen nicht mit der Waffe, solider i: mit der Seele. Wenn man auf die schwarze Schmach spre-

unb Seifenfabriken sich in einer Krisis befinden.

Internationaler Kredit.

Berlin, 4. Oktober. (Privattclegrmmn.) Aus Brüssel liegen Meldungen vor, wonach bie alli­ierte Delegation zugestimme habe, daß sie Frage der internationalen Kreditgewäh­rung nicht vertagt, sondern noch auf der jetzigen Brüsseler Konferenz zum Aoschlutz gebracht wer­den soll. Soimabend abend gab der Franzosi

Avenol im Namen der ftanzösilchen Delegation j eine entsprechende Erklärung ab. I