Sonnabend, 2. Oktober 192#,
Zkasssler Neueste Nachrichtei»
10. Iabrgang. — Nr. 22L
Ring nach Gii.ro pa und vornehmlich nach Eng-Preise von 22 bis 24 Mark pro Zentner für die ein sichtbares Nachlassen der russischen wie lanp. Frankreich. Belgien. Holland, Deutschland. niirtderbemittelte HevoLerung. Auch in Hes- auch der polnischen Artillerietäligßeit.
* fen, Won wo die Bewegung eigentlich ihren •
WoKe und Baumwolle.
Rottcrdon'., 1. Oktober. (Eigene Drobt- Meldnng.s 91 e toti o rf berichtet: Auf dem Wollmarkte nahm' die Nachfrage wieder langsam zu. Die Fabriken machten gute Geschäfte. Tie Preise betrugen für Ohio und Pen- svlvanta ungewaschene Wolle (iO—fi5. Gt6. Tas Washingtoner Ackerchamrmt schätzt den Verbrauch Von Wolle für Fuli auf 37 Millionen Pfund. — Die Vereinigung für den Banmwollhondel in Rotterdam hat eine DauniN»ollbörse eröffnet, die täglich stattfindet Die Vereinigung hofft, in kurzer Zeit 75 bis 100000 Ballen Baumwolle in ihren Lagerhäusern in Rotterdam ständlg vor, tätig zu halten, um dos Geschäft zu beleben.
Anfang genommen hatte, sind die Verhandlungen zwischen den Geweckschaften und BauelN- organisativnen eingcleitet, wenn auch ein abschließendes Ergebnis zurzeit noch nicht vorliegt. Immerhin hat sich der Hessische Bauernbund bei Verhandlungen in Frankfurt dazu verstanden, pro Morgen bis zu zehn Zentner Kartoffeln i'tnn Preise bis zu 20 Ssiark für den Zentner an den wirtschaftlich schwachen Teil der Be- uötterung zu liefern.
AWmMMg in tzZerMsffsN.
Die Verdrängung der Deutsche«, (Privat-Telearomm.l
ViehliesersWZ grr W Entente.
Was Deutschland abgeben soll.
Rach den Wiedergvtmachungsbesiinwiiungen lies Vertrages von Versailles haben wir aI-3 ^sofortige Vorleistung" in den drej Monaten nach Inkrafttreten des Vertrages zu tiefem gehabt: hundertvierzigtausend Milchkühe, vierzigrauseüd Färsen, viertausend Stiere, vierzigtausend Stuten und Fohlen, siebenhundert Hengste, hndertzwanziglausend Schafe, zwölfhundert Widder, fünfzehntansend Schweine, zehntausend Ziegen. Bekanntlich sind von Ben bisher vorgestellten Tieren von den Mmah- mekommisiionen aber außerordentlich viel z u - rückgewiesen worden, sodaß, abgesehen von Schafen, noch nicht einmal die Hälfte der genannten Tiere abgeliefert worden ist. Es standen aber auch bisher noch hie Zahlen aus, wie hoch sich die Gesamtablieferung überhaupt stellen würde. Nach den erwähnten Bestimmungen ist seitens har in Frage kommenden feindlichen Regierungen der Wiedergut- machungskomMlstion binnen sechzig Tagen nach Inkrafttreten des Vertrages eine Liste zu Wergeben, worin unter anderem mich die Tiere anzugeben sind, die nach dem Wunsche dieser Negierungen verlangt werden.
Nach Emchsana der Listen hatte die Kommission zu prüfen, in welchem Umfang die in den Listen aufgeführten Tiere von Deutschland gefordert werden können. Hiernach liegt also, so sagt die ,Deutsche Tageszeitung", der Nepara- tionskommission die Liste der geforderten Tiere bereits seit Anfang März vor, imb inzwischen bat die Entente ihre Gesamtforderung der Deutschland auforlegten Viehlieferungen auch der Neichsregiernng bekanntgegeben: Deutschland soll nicht weniger als achthunderttausend Stück Rindvieh und hundertfünfzigtausend Pferde an die Entente abgeben; die Zahlen für Schafe und Schweine usw. sind noch nicht bekannt. Selbstverständlich sind von diesen Gesamtforderungen die bereits früher geforderten beziehungsweise gelieferten Tiere abzurechnen. Die Lieferung soll ans mindestens drei te l Mer Jahre verteilt werden.
Beuthen, 1. Oktober.
Die Reuter-Agentur meldet: Der Bericht der alliierten Kommission für Oberschle. sien an die alliierten Kabinette stellt in Ueber- einftimmnng mit den Erklärungen des Generals Lerond in Paris eine zunehmende Beruhigung jm Abstimmungsgebiet fest. Die alliierten Kabinette wollen bei Fortdauer der Ruhe in Oberschlesien den Termin der Abstimmung baldigst feststeven. — Von zuständiger Seite wird bestätigt, daß in der oberschlesischen AS- ssimmungspolizei von dreizehn bisher genannten Offizieren nur einer ein Deintscher ist. Oh mich polnische Haller-Offiziere eingestellt sind, konnte noch nicht ermittelt werden. In den Lesehallen für die Abstimmung-Polizei findet man Zeitungen in den verschiedensten Sprachen, besonders polnische, keine deutschen.
Abstimmung im November?
Berlin, 1. Oktober. lPrivattelegrawm.) Das hiesige polnische Konsulat gibt Reiseausweise an die Polen in dem Abstemmuargs- gebiet für den 6. bis 10. November aus.
Sie Wiche, Kirre«.
Rußland wünscht gegenwärtig Frieden. (Eigener Drahtberurst.)
Riga, 1. Oktober.
In einer Unterredung mit Pressevertretern erklärte das Mitglied der russischen Delegation, Ocolemski, auf die Frage, wie er zu der von Rußland zur Sicherung des Friedens geforderten Entwaffnung stehe: Einem Friesens- fdjlttft müsse auch die Demobilisation auf dem Fuße folgen. Auf die Frage, ob Rußland aufrichtig den Frieden mit dem kapitalistischen polnischen Staat wünsche und ob es jetzt die bolschewistischen Ideale aufgeben wolle, erklärte Ocolemski, daß Rußland sich gc=
Das KartMel-PrMM.
Verhandlungen mit den Landwirten.
(Privat-Telegramm.1
Berlin, 1. Oktober.
In vielen Teilen Deutschlands hat man durch Verhandlungen gewisse Vereinbarungen in der Kartoffelversorgung erreicht. In Hannover, wo die Bedarfsmenge noch nickr vorhanden ist, hat Oberpräsident tzloske die Provia- zial-Kartoffekstelle bestehen lassem Aus der han-
genwärtig in einem Stadium befinde, in dem es eine politisch-wirtschaftliche Zusammen-Ar- beit mit Polen wünsche. Auf die revolutionären Erfolge reflektiere Rußland gegenwärtig nicht mehr. Diese interessanten Ausfüh- rungen Ocolemskis wurden dem Berichterstatter auch noch von anderen Mitgliedern der russischen Delegation voll beftätifft
Berichte Vvn der Front.
Königsberg, 1. Oktober. (Privattelegramm) Aus russisch er: Grenzstädten wird gemeldet: Die rote Armee weicht aus der ganzen Front nördlich des fernen zwischen Grodno und Nowo- grodek zurück. Der Rückzug 'der Bolschewisten vollzieht sich teilweise fluchtartig in der Richtung auf Wilna und Minsk. — Aus Riga wird be- ridfiet: Die Unterzeichnung des Waffenstillstandes soll Sonnabend früh erfolgen, wenn
uoverschen Provinz wird berichtet: In Celle haben die Landwirte ihre Bereiffchast erklärt, von jedem Morgen Kartoffelland sechs Zentner zu je 14 Mark $u liefern. Wie der Landrat des Kreises Hannover weiter mitteilt, wollen die Bauern seines Kreises Kartoffeln zum Preise von 20 Mark den Zentner liefern. In Schl e- s i e n sind die Verhandlungen des Schlesischen Landbumdes mit den Geiweckschasten in vollem Gange. Es handelt sich hier um eine Lieferungj
Gange. Es handelt sich hier um eine Lieferunginicht neue Schwierigkeiten eKlirrten. An der von vierzigtausend Zentnern Kartoffeln zum> Kampffront zeigt sich bereits seit Dcittwoch
Austausch von Gefangenen.
Riga, 1. Oktober. (Eigene Drahtmeldung.) Der deutsche Gefangenenaustausch mit S o w- jetrußland. der über Riga geht, ist gegenwärtig unterbunden. Bis jetzt sind von Riga zweihundert Transporte nach den lettischen Häsen abgegangen. — Tas französische HavaSbureau meldet: Die Sowjetregierung teilt in einem Funkspruch mit. daß sämtliche französischen Ofefangciicn. die sich noch in Rußland befinden. Vie Heimreise an getreten haben. Die Sowjet tegterung hofft, daß damit der französisch-russische Streitfall beigelegt sei.
Neus BerZauds-SkLkuisaSign.
Radikale Strömung bei den Seeleuten.
(Privat-Telearamm.)
Hamburg, 1. Oktober.
Unter dem Namen „Deutscher SchiffahriS- bund" hat sich einem Beschluß des Vereinstags des Vereins deutscher Kapitäne und Offiziere entsprechend in Hamburg eine neue Organisation gebildet, die den früher so hoch konservativen Verein mit dem fyiwikalistischen SeemannSbund vereinigt Die radikalen Strömungen, die sich berefts seit längerer Zeit unter den Kapitänen und Offizieren der Handelsmarine bemerkbar gemacht haben unb in der so schlechten sozialen Lage der Seeleute weitere Förderung fanden, haben dann den Sieg davon getragen. Seemanns stund und Offizier sver - ein sind jetzt zusmmnengeschlossen. DoS Vermögen des Vereins deutscher Kapitäne und Offiziere der Handelsmarine geht am 1- Januar 1921 an den Verband über. Die Richtung der neuen Organisation geht aus den Paragraplien 1 der Satzungen hervor, die den Kampf gegen den Kapitalismus als Aufgabe des SchiffahriS- bundes bezeichnen.
NMuMsr HmiÄwerlerisg.
Gegen die Kommunalisierungspläne.
Der Gewerbeverein für Nassau als große nassauische Handwerkerorganis.ttion veranstaltete gemeinsam mit dem Jnnungsaus- schuss in Wiesbaden einen Handwerker-Tag des ihm angegtteberten Stadtverbandes für Hand ° Werk imd Gowerve. Die von rund 500 Handwerkern besuchte Massenversammlung verlies äusserst eindrucksvoll. Eine Entschließung, die einstimmig angenommen wurde, erhebt schärfsten Protest gsgm die Absicht, der Selbstän- tigfeit in der Ausübung eines Handwerks oder Gewerbes dm Todesstoss M versetzen. Hand- tverk und Gcwevoe sind als wichtige Wirtschafts- fakwrcn der Allgemeinheir verpflichtet. Die Handwerker ersircllen daher eine Förderung ihrer Eigenbetrisbe und erwarten von der Re- gisuna, dass diese ihnen die Errungenschaften der Wirtschaftsforschung auf schnellstem Wege dienstbar mad,l, sei es z. B. auf dem Wege der Normung, sei es du'rch Förderung rationeller Bettiebsmethoiden und beschtemrigte Heilung doZ Verdingungswasens. Schließlich wird die Forderung erhoben, daß als sofort zu verfügende Einschränkung ein Verbot selbständiger Kommun alisi eru>ng eolaffen wird und dm politischen Parteien zu verstehen gegeben, was V/t Millionen selbständiger Handwerksbetriebe im Reiche bedeuten, damit sie mit aller Energie jedem Angriff gegen das Handwerk entgegentreten. In einer zweiten Entschließung wird einstimmig der Zusammenschluss des gesamten Handwerks in Wiesbaden in .’inen Stadtverband gefordert, der sich mit den bereits bestehenden Kreisverbanden in dem -Verband Nassauischer Handwerkervereinigungen, Jnnnn- gen. Gewerbsvereine und gewerblichen Genossenschaften" (Gewerbeverein für Nassau) vereinigt und sich mit den in der P rovin z Hessen-Nassau bestehenden übrigen gleicharn- gen Vevbänlden des Regierungsbezirkes KassL und der Stadt Frankfurt a. M. zu einem Hes-
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Luxus.
Inpon, Blumen und Ehrenbürgerbrief.
Gestern abend ging ich über die Königstrasse. Damen gingen vor mir her. Nun sehen Sie bloss mal den Luxus! So meine Begleiterin und wies auf seidene Unterröcke, die kokett unter Asfeuhaiutmanteln vorlugten, unter Sammet und anderen ko stbar en Stoffen. O diese Fupons! Wäre ich Chansoiumer, ich schriebe das PUantest» Liedlein darauf. Als Mann aus dem realen Laben reagiere ich aber nur auf das Wort Luxus. Ich bedauere, meine Gnädigste, widersprechen zu müssen. Nach, der neuen Luxussteu Verordnung sind seidene Unterro de kein Luxus.
Die Surussteuerpflicht erstreckt sich nach einer Entscheidung des Reichssinanzministers — Finanzleute wissen am Besim was Luxus ist! — nicht auf seidene Unterröcke aus Taft oder ans Meffaline als Gegenstände der Oberbekleidung. Es gilt dies sogar für Unterrede aus Taft fa- conne, da Tast facorone nicht zu besonders bestimmten feinen Seiden zählt. Damen- st r ü m p f e sind dagegen luxussieuexpflichtig, wenn sie aus 50 Prozent reiner Seide und 50 Prozent mit Seide hinterlegtem Baumwollgarn hergestellt sind. Also bitte: Tragen Sie feieerte Unterröcke und leine Strümpfe — Die treiben keinen Luxus!
Wenn Sie aber Blumeirspenden machen wollen, M Geburtstags- oder Hochzeitszwecken. dann um des HnmneLs willen nichts natürliches — das ist Luxus, denn... Während Gebinde und sonstige Herrichtungen aus natürlichen Blumen und Pflanzen luxn^stenerpslichttg sind, gilt dies nicht für die künstlichen Blumen, wenn nicht etwa in egen ilres Stoffes die Luxus- steuerpslicht eintritt.
Der Unterschied Zwischen Luxus und Nicht - kuxus ist also nicht leicht zu finden. Ganz einwandfreier Lurns ist aber ein — Ehrenbürger brief! Nach dem Buchstaben der erwähnten finanzministeriellen Entscheidung erstreckt sich die Luxusstenerpfficht auf Diplome. Preisbestöti- Mngen aller Art, Ehrenbürgerbriefe und dergleichen. Sie sind dies beim Hersteller als Schmuck- nd Ziergegenfiande der Jmrmemrichtung, auch
wenn Text oder Einzeichnungen auf ihnen noch! nicht angebracht sind. Somit ist es Luxus, sich Verdienste um die Allgemeinheit zu erwerben. Luxus für eine Stadt, solche Männer mit Ehrenbürgerbriefen ausztMichiien. Fast tonnte man glauben, manches von dem, was heule angeordnet wird ist... L u x u s! K K
Liederabend Windgaffen.
Di« ausgesprochenen Schubert- oder Schumann-Sänger toeitben im Verhältnis immer seltener. Nicht nur — sondern auch ... Von wegen der Beherrschung. Der Sangbarkeit. Gerade wie Mozart in der Oper. Weil die unvollendete Stimme, die technisch unvollkommene — wenn sie sich überhaupt schon am Liede kraß beleudxet findet — hier sich immer besonders den Kopf anrennen wird. Weil sich diese gläserne Zerbrechlichkeit einfach nicht mit rauhen Händen anpacken läßt. Weil man diesen Duft, diese graciele Beweglichkeit, diese Zärtlichleit tmd BeschNnngung nicht übertünchen kann. Ohne sie vollkommen zu vernichten. Schubert und Schumann müssen ficht bleiben, durchleuchtet, schimmernd. Neckisch, versonnen durchsoelt. Seidige Gespinste, dnftdarrchsvgene Frühlingslüfte ... Herz und Sinne müssen hier einsetzen. Technik und Empfindung.
Daß H>rr Windgassen einen Abend hindurch diese Gebote erfüllen kann, hat er gestern (im grossen Stckdtpacksaal) wieder bewiesen. Nachdem er es schon oft bewiesen hat. Egal, welche Auswahl er nimmt. Die Zerbrechlichsten, wie die etwa» .Stabileren", immer huschen diese Lieder vorüber: weich und zärtlich, wie kosende Hände. Juttner gleiten sie vorl>ei: geschmeidig, gleisend, wie kleine, goldene Filigranketten. Sie lächen und tändeln. Kosen und küssen. Sinnen und leiden, und vergeben in einem leisen, herzbrechenden Weh. Und über das tobende Ge- klatsche der Menge hinaus (sitzend und stehend), über die zovfbeschleiften, sich reckenden, glühenden Meinen Mädchen, über die mit OperngWsern Hantierenden, Rutschenden, die wild da orho fordernden vielen Uebrigen hinweg, löst sich ein Gedanke los: Auffteiaend wie eine buntfarbige Blüte. Wie ein Lbersonnter Somme r- jchmetterling: Daß eS doch etwas Schönes ist
und Grosses um die Kwfft. Und um den Künstler, der sie restlos erfasst. E. P.
HSerlet
Eine Kunsthand für KlavlerLechniker.
Eine künstliche Hand, die chrem Besitzer das Klavierstlmnten ermöglicht, ist nach einer Mil- ieiüuig der Münchener Medizinischen Wochenschrift von einem Klavieckechniter erfunden worden. Die Finger der Hand sind in eine solche Stellung gebracht, daß ihre seitliche Enffernung das Greisin der beim Klavierstimnten hauptsächlich notwendigen Intervalle von Quart, Quint und Oktav gestattet. Die Einstellung der Dorsal- unb Voler-Flexion in den Gelenken geschieht mittels eines Schlüssels, wodurch das Heben und Senken der Finger veranlaßt wird. Der Träger dieser Kunsthand ist dadurch imstande, den Fingern die zweckmäßigste Stellung zu geben, es können alle beliebigen Intervalle eingestellt werden. Die Ausarbeitung, der Pro- theie ist so sinnreich, daß dem Kriegsinvaliden ba§ Weiterarbeiten in seinem früheren Beruf dadurch wioder eruwgücht ist.
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Ser entthronte Barometer.
Es gibt Leute, die im Barometer ein zuverlässiges Wetterorakel erblicken und von ihm unfehlbare Auskunft darüber erwarten, ob am nächsten Tage die Sonne uns lachen oder ein Regen uns in melancholische Stimmungen hüllen wird. Aber gerade in diesem Sommer sind diesen AnHängern des Barometers schwere Enttäuschungen nicht erspart geblieben. Es ist mandimal gerade so, als ob sich dieses würdige wissenschaftliche Instrument über die Vertrastensseligkeat der Menschen lustig mache, denn das Gegenteil von dem tritt ein, was man von dem Glase abgelesen hat. Um in unserer an trüben Erfahrungen reichen Zeit solchen weiteren Barometer-Entläiuschungen vorzubeugen, hat ein Gelehrter eine Warnung erlassen, dass man den Registrierungen des Barometers bei dcr Beurteilung der Wetterlage nicht zu viel Wert beimesse. „SSir können das Wetter nicht beftimmen,* heißt es hier, .indem wir besondere
sen-Nassäuischen Handwerkerbund usammenschiies en, der seine Edsitzenverttetung
mit den übrigen im Reiche b'stehenden Handw^ feitoertwänben im Reichsverband des deutfchru Handwecks finöet
Hafer täglich Fleisch.
Nach der Aufhebung der ZwamBwirtschaft. Die künftige Fleisch ° Versorgung Kristels.
Am morgigen Sonnabend erhall die Bevölkerung zum letzten male Fleisch auf Kartet!, allcrdinos Gefrierfleisch, 100 Gramm bei einem Pfnndpreis von 9,25 Marl. Tann wird die städtische Fleischvertellungsstelle aufgelöst. Wie sich nun die Fleischver- sorgmig der Bevölkerung gestalten wird, darüber gab der Obermeister der Kasseler Flei. fcherinnung, Herr Stadtverordneter Schnell, unserem R. Ist-Mitarbeiter in einer Unterredung folgende intereffmtte Auskunft: Wie sich die Fteischvcrsorguna in der a l l e r« nächsten Zeit gestalten wird? Aus dem Gebiet halben alle Propheten brsher versagt. Die Dinge liegen ft>: Die grossen Berufsstände, die Landwirtschaft mft der Spitzenorganisation, dem Reichswirffchaftsrat der Landwirtschaft, die Vorstände des deutschen FleischergeweUbes und des deutschen Viehihondelsverbandes sind znsam- mengettetem um Richtlinien zu vereinbaren zu dem Zwecke, alle Auswüchse in der Preisgestaltung zu verhindern. Es sollen Richtpreise für Vieh festgelegt tocroen und zwar Stallpreise, keine starren Preise mit dem entsprechenden Nutzen für den Händler und für den Fleischpreis selbst. Zu diesem Bechuf ist das Reich in n eun große Wirtschaftsgebiete eirogeteilt, worunter sich auch Hessm- Nassau befindest Fn jedem solchen Gebiet wird ei« besonderer Ausschuss gebildet, dem die Vertreter der Landwirtschaft, des Viehhandels, der Fleischer und der V e r br a n ch e r angehören. Dieser AnÄschuß hat die Atchgabe, alle Fragen in feinem Wirtschaftsgebiet zu regeln und seiner- seits Richtlinien heranAzugeben. Unser Gebiet ist verhältnismässig gross. Auch Darmstedt gehört dar-u. Deshalb wurde noch eine Unterabteilung gebildet und zwar Kirrchessen mit Waldeck imb Hessen-Darmstadt und Nassau. Wir glauben, betonte der Qbemreister, der bekanntlich eine führende Rolle spielt, aus diese Weise Einfluss auf die Preise zu gewinnen. Dann fuhr er auf eine Zwischen frage fort:
Augenblicklich herrscht allerding »in wüstes Treiben. Aus diesem Grunde sand am Montag in Frankfurt ein außerordentlicher Bezirkstag der Fleischer statst Dabei wurden die Kollegen ganz ernsMch verwarnt, sich zur^Zahlung wahnsinniger Preise verketten M lasten, nur um War- zu bekomMen, die dann knn Menlch kaufst weil er sie nicht bezahlen kann. Die Leute waren auch sehr Vernünftig. Wen:, man jetzt erzühlt, daß einzelne Schweine au geboten werden zu einem Pfundpreis von 16 Mark, so sind wir das der Mleememheit mitzuteilen schuldig. Solche unvernünftigen Preise müssen an der Kaufkraft des Publikums scheitern und diesem kann daher nur der Rat gegeben werden, sich Zurückhaltung auszuerlegen. Etwas Ware muss jeder Metzger haben, aber sehr bald wird sich der Bedarf regeln. Wir haben, so betont: der Obermeister, alle die Hoffnung, dass es innerhalb weniger Wochen gelingt, durch die. Organisation einen wesentlichen Einfluss auf die Preisgestaltung auszuüben. Es sind auch S ch l n ß s ch e i n e vorgesehen. Ganz besonders i ch bin dafür, der Oeffentfichkeit unter allen Umständen zu beweisen, wer das Flei ch verteuert. Der Höchstpreis für Schweine beträgt augenblicklich 3,50 Mark, zu haben sind Jie aber nicht unter 12 Mack. Deshalb wird irch die Alloerneinheil selbst sagen, daß nicht für 6 Mk. verkauft werden tonn, was 12 Mack im Einkauf kostet.
Wie (tefaat sollen Verbraucher in den hiesigen Ausschuss vertreten sein. Es wird W.-rt darauf gelegt, baü die Gewerkschaften herange- Mgen werden, atber auch die Hausfrauenorganisationen. Sie alle floffen wissen, wie das Geschäft zusarnmenhänat. Selbstverständlich lebt auch der Metzger vom Verdienst, daß jedoch dieser Nutzen so niebria geihalten wird wie mohlich, liegt im
Arten der Witterung mit besonderen Erscheinungen des Luftdruckes in Zusammenhang setzen. Die Angaben, daß bei der und der Höhe schönes Wetter, bei einer anderen „veränderliches* oder „Stegen" eintreten soll, fhti> durch die Wissenschaft nicht zu rechtfertigen. Früher nahm man an, daß nasse Luft leichter ist als trockene und daß sich deshalb die Stücke des Luftdruckes durch den Stand des Barometers ausdrücken lässt. Die moderne Meteorologie aber schreibt Veränderungen des Luftdruckes „einer gemeinsamen Tätigkeit des Windes der Erdumdrehung und des Widerstandes der Erdoberfläche" zu, und man nimmt auch an. daß die Lustdrnckber- lrältnisse mit vorläufig noch wenig erforschten elektro-magnetischen Erscheinungen zusammenhängen. Mit diesen Fortschritten der Wissenschaft kann der arme Barometer nicht gleichen Schritt halten, und so bediert er beim imm;r mehr von seinem Nimbus und wird sich darein finden müssen, dato ganz xmn „alten Eisen" ge- warfen zu werden.
Filrfte« der Re-publir.
Die französische Republik hat in dem bekannten Dichter Paul Fort fett geraumer Zeit einen „Fürsten der Dichter" und besitzt daneben noch einen minder bekannten „Fürsten der Erzähler", d.n auf den etwas isländisch anfitn- aenden Namen Han Ryner Höck. Irgendwo gibt es auch einen zum „Fittstm des Ehanson" erhobenen Dichter. Das sind für eine Republik reichlich viel Fuvstlichkeiten. Es scheinen noch immer nicht genug. Eine Pariser Zeitschrift er klack, dass im Interesse einer gedeihlichen Zukunftsentwicklung der ftanzöstschen Literatur wie der Gerechtigkeit die Wahl einer „Fürstin" >ine unerlässliche VorbedinMng sei. Was den Männern recht ist, ist den Frauen schlteßl-ch auch billig, und an Schriftstellerinnen, die als Prätendentimren auf den Thron der Dichter - fünften Anspruch machen können, ist ja auch kein Mauzest Wenn die französisch.' Literatur nun einmal nicht ohne Fürstin auskommen kann, so ist nicht einMsehen, weshalb man nicht auch Fürsten der Dramatiker, der Effvisten und anderer llterarischer und journalistischer Sonderge- bitfe erwählst
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