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Nummer 228

Sonnabend, 2. Oktober 1920

SttitfbtnSti 951 ttnb 953.

10. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 953.

Dt« eofitttt SltueflotRachnchten erscheweuIvöchrnwch fedjtmol und MX» abenb«. Dor >onnement«preW beträgt monatL 6.00 Mark bat freier AMellim, txS Ha»«. Bedienungen werden lederzrtt von der «efchLftrfielle oder ben Boten tutgegengenommen. Trälleret, Verlag und Sebattteu-. Schtachthofftrab« 28/30. Für »»verlangt etngefanbte Beiträge tarnt die Redaktion eine Berantwortnng oder Gewähr in feinem Falle übernehme». Rückzahtung de« Bezngrgelde« oder Ansprüche wegen etwaigernicht ordnungsmäßiger Lieferung ausgeschlossen

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Mder Neueste NüchriKm

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Zunehmende Rüstung dee Alliierten.

Oftpreutzischen Landgrsellschast,

Der Preis

Pfarrer Martin, Bothen&tmota

Rotterdam, 1. OÄovek.

Ein PrLfidentschastS'Kaudrdat.

Aufruf z« Arbeiterverfammlrttrgerr.

Hälfte des Jahres den vollen Umsatz noch tn er-

Arbeiter ttnb Arbeiterinnen, in Set nächsten Wst- che Maffenversammlungen gegen de« Lebens- Mittelwucher zu veranstalte»,

Leipzig, 1. Oktober. (Privat « Telegramm.) Der Landesvorstand der unabhängigen Sozial-

LeereSbermehruug in Amerika.

Rotterdam, 1. Oktober. (Eigene DraHtmel- dmrg.f AuS Washington wird berichtet: Die Anwerbung von Rekruten für die Armee im Monat August beliefen sich ans 19 242 Mann. Mr Juli, die ein wenig größer waren als die im Juni, bezifferten sie sich auf 15831 Mann.

runa der Kartoffel - Zwangs bewirtschaftturg oll demnächst vorbereitet werden.

DaS wettere Programm.

Berlin, 1 Oktober. (PrivattelsgrammM.) Aus Brüssel wird gemeldet, daß morgen stch die Kon­ferenz mit der Frage der internationalen Kre« ditaktion befassen wird, über die der fron- zösrsche Delegierte Eelier referieren soll. Diese Aussprache und der Rest der einzÄnen Berichte werden MS Sonnabend erledigt werden. Für Sonntag sind die Mitglieder der Konferenz zu einem Empfang unter Besichtigung des Hafens und der Stadt Antwerpen eingeladen. Montag und Dienstag nächster Woche werd.» für Kommissions-Sitzungen reserviett bleiben und von Mittwoch au werden die Ent- schliehungen nach den Vorschlägen der Kommis­sionen der Konferenz vorgelegt werden. Am Freitag oder spätestens am Sonnabend kommender Woche dürfte die Brüsseler Konferenz chre Beratungen zum Abschluß bringen.

Set internationale Handel.

®ie Beratungen in Brüssel.

(Eigene Drahtmeldung.)

Brüssel, L Oktober.

Das eingehende instruttive Referat, das ge­stern der belgische H«»elssachverfiändige, der die Diskusfiou Über die Probleme des later« nationalen Warenaustausches ein­leitete, hielt, schildert zunächst die umwälzenden Beränderungen, die der Krieg in der wirtschaft­lichen Struktur und den Handelsbeziehungen der einzelne« Länder hervorgerufen hat. Der Redner gab einen Ueberblick über die Einschränkun­gen und sonstigen Rgelementterungen, denen einzelne Länder während des Krieges und der Uebergangszett in ihrem auswärtigen Handel unterworfen waren. In Konfererrzkreisen hat die Erklärung des englischen und des amerikani­sche« Vertreters, die ganz der reservierten Hal­tung entsprach, die Amerika bereits sett Kriegsende Europa gegenüber eingenommen hat. starke Erbitterung hervorgernfeu. Frankreich, das «och immer die Hoffnung nicht aufge geben hatte, daß die Vereinige« Staaten in irgend einer Form die deutsche Kriegsenttchädigung dis­kontiere« würden, zeigt stch auHerordeutlich ver­stimmt. Auch die französische Presse macht ihrer Enttäuschung in starken Ausdrücken Luft. Das Journal des Debats" weist auf die Bedeutung der von dem Vertreter der Bereinigten Staaten abgegebenen Erklärung hin, daß das Budget der Bereinigten Staaten, das durch die Kriegsschuld stark angeschwollen sei, eine neue Kreditge­währung tatsächlich ausschließe. Es »leibe also Europa nichts anderes übrig, als ich an die amerikanischen Großbanken zu wen­de» oder sich eben selbst zu helfens

ßmähmngr-SchwietigleUe».

Eine Konferenz im Ministerium.

(Privat-Teloaramuu)

Berlin, 1 Oktober.

Die Frage der Ernährung des deutschen Vol- kes wird in der heute im Reichs-Ernäh­rungsministerium stattfindenden Konferenz gründlich beraten werde«. Zu dieser Konferenz find alle Landw irtfchafts- und Ernährungs Mi­nister der Eivzelstaateu eiugeladeu. Dte Tagesordnung ficht an erster Stelle eine allge- meine Aussprache über die Er nährungsv erhält- niffe Deutschlands vor. Soda«« gelangt auch zur Besprechung die Erhöhung der Brot­ration, das Kmhenbackvcrbot, die Durchfüh­rung der Hafer- Zwangsbew irtfchwstung und die K a r t o f s e l Versorgung, die M i l cherzeuger- breise und die Frage der Ein- und Ausfuhr.

Aus Washington wird derJpu" berichtet: Rach Mtteilungen ans amtlichen Kreisen hat das Staatsdepartenlent in Washington Unter- suchmrgen darüber an gestellt, ob die europäischen Rationen, die Mitglieder des Völkerbundes sind, tatsächlich mit der Abrüstung begonnen haben, die in einem Paragraphen des Vertrages festgelegt wird. Die offiziellen Gewährsleute gebe« zu, daß von Seiten der großen wie kleinen Mächte bisher nicht der geringste Ver­such geumcht worden ist, ihre Heeres- oder Flot­tenprogramme zu beschränken oder herabzusetzen und daß einzelne Nationen sich sogar zu einem noch stärkeren militärische« Pro­gramm veranlaßt gefühlt haben. Vorläufig scheint es, als ob diese Forderung der Liga nur auf solche Nationen angewendet werde« soll, dte sich noch um den Eintritt bewerbe«, nämlich auf die österreichische Republik und Deutschland.

Braunschweig, t Oktober. (Privattelegramm) Die Generalversammlung der deutschen Frie- densyefellfchaft rattern einen Antrag von Gettach .n.n _ - - -

an, wonach Professor Förster, Berlin, für die 1919 ausgefLHtt, doch hofft man, j« ber Metten Wahl des Präsidenten der deutschen Repu- Hälfte des Jahres den vollen Umsatz noch zu er- tit jedem Zwaaa. bcntofraten rrffiei maIS ** Lttedenspemide v«ge- reichen. An Schiffleisch wurden n«r 26 Prozent

«B b-oeui Sowa, demottateu .Sachsens erläßt einen Aufruf «t VHH. IdeS Borfahres erreicht. Das ganze Gefrierfleisch

Dte Fleischausfuhr Argentiniens hat seit de« Anfänge dieses Jahres eine starke Ausdehnung angenommen. In der Hauptsache ist geftoren-S Rindfleisch anSgeführt worden, während die Ausfuhr vo« Schaffleisch «, wünschen übrig läßt. Trotzdem hat die Fleifchausfichr die hohen Zif. rrn vo« 1919 noch nicht erteilt. I« der ersten Hälfte des Jahres wurde an Rindfleisch mir 79 Prozent der Menge des ersten Halbjahres von

dte nach Art der ehemaligen AnstedelmM-Kom^ Mission arbeitet. Bebaute Anstedlerftellen können danach jetzt nicht abgegeben werden. Es fehlt an Baustoffen, und Kr die bäuerliche Ansi«» S auch an Vieh und Inventar. Wenn Aw- lngslustige sich jedoch entschließen können, selbst oder in Form der genoffenfchaft. krchen oder der Schmudeschen Siedlung zu bauen, wird nicht nur ihre Landnachfrage be­friedigt, sondern auch Bauftchrwett gestellt wer­den, soweit das der Betrieb des aufzuteilenden Gutsteesitzes irgend gestattet. Sand und Ki's und $n den Lehm^bmtten der Lehm, soweit er im Gutsbezirk vorhanden ist, wird unentgeltlich ab­gegeben: Holz wird aus den StaaWsorsten zu beschaffen sein. Die Landgefellschaft kauft grö­ßere Güter und teilt sie in Arbeiterstellen von Zwei bis sechs Morgen, in Handwetterstellen von zehn bis zwanzig Morgen und in Bauernstellen von dreißig bis achtzig Morgen, f ~ für ben Morgen Land einschließlich stehender Ernte beträgt fite die Bauei

cntf welchem Gebiete er auch immer Kegen «rag, abhold. In die Bestimmung seiner alttiberlie- fetteu Gewohnheiten läßt sich der Bayer am allerweniastm eingreifen. Bureaukratische Re­giererei, die vielfach auf Schikane hinausWust, rst ihm ein Greuel. Sich einbilden zu Wollen, vom ernten Tisch aus die Bayern nach dem Re­zept von Aktenzeichen und vermoderten Registra­turen regieren zu können. Wäre lächerlich Daß die Bayern durchaus gewillt und bereit sind, den Reichsnotwendigkeit en, soviel sie nur immer vermögen, Rechnung zu tragen, imb dem Reiche selber auch unter schweren Opfern die Treue zu bewahre«, darüber 6mn und darf eS gar keinen Zweifel geben. Bayern gehört zum Reiche und bleibt beim Reiche/ innerhalb dessen es dte ihm gebührende Stellung einneh­men Will, und das ihm Raum lassen muß für die Entwicklung der nationale« und politischen Eigenarten des BayernvolkeS, worüber wir froh fein müßten, daß heute solche Eigenarten noch vorhanden sind. j n

für den Morgen Land einschließlich etwa an­stehender Ernte beträgt fitr die Bauernstelte 270 b>s 550 Mark. Die in besserer Verkehrslage an­zusetzenden Arbeiter- und Handwerkerstellen kosten 450 bis 600 Mark pro Morgen. Much das ist erstaunlich niedrig. Der Preis für die städti- schen Siedlungen ist freilich höher. Dem K.nrstr Ä. ttwÄ*5*" "*

Nord Md ELd.

Bayerns Verhältnis zum Reich.

In einem Teil der norddeutschen Presse ist br den letzten Wochen viel aus Bayern und die von dort ausgehende Organisattou Escherich ge­schimpft Worden, offenbar Werl in Bayern urÄ» überhaupt in den süddeutschen Staaten jetzt mehr Ordnung herrscht als in Preußen und Sachsen. Deshalb hat man Bayern auch verdächtigt, es wolle sich vorn Reiche trenne«. Dieses Marche« ist von dort aus energisch zurückgewiesen wor­den. Daß die Bayern gar nicht daran denken, vom Reiche sich zu lösen, hat der bayerische Mi­nisterpräsident Kahr gerade in diesen Tagen wie­der mit aller nur wünschenswerten Deutlichkeit aus gesprochen. Und alle Versammlungen der Ordnungsparteieiy die in diesen Tagen abge- hoilten wurden, gaben die Losung der unbe­dingten Reichstreue ans, und die be- treflenden Redner ernteten jedesmal stürmischen, allseitigen Beifall. Aber die Bayern wehren sich dagegen, ihr Land wieder verwildern zu lassen. Wer möchte es ihnen verdenken, nach all bem, was sie durchgemacht haben, daß sie mit aller Kraft danach streben, die Wiederholung von Zer­rüttungen vermeiden, dte ausschlaggebend von fremdländischen und von norddeutschen ra­dikalen Elementen in dieses Land und Boll hineingebracht wurden. Man sollte sich freuen, daß es im Deutschen Reiche einen großen we­sentlichen Bestandteil gibt, in weichem das Pro­gramm der Ruhe, Ordnung und Sicher­heit mit Energie in die WittlichSeit umzusetzen versucht wird. Bayern ist Heute tatsächlich der am meisten beruhigte Teil von Deutschland. Die Ordnung, dte dort staatSPoiitifch und wirtschaft­lich herrscht, ist gefestigt und macht täglich wei­tere Fortschritte. Der Norden könnte sich glück­lich schätzen, wenn'dort die VevMttrisse ebenso gut wären.

Wenn in Slaveru die Abneigung gegen Bettln » stark ist, so liegt das nicht in einer Reichs- oerdrosserheit, sondern in der Ablehnung des Berliner raMIctten Terrors, aber auch in der jede Eigenart erstickenden, schematischen Zen­tralisierung, wie sie vom grünen Tisch der Ber­liner Zentralbehörden ans betrieben wird. Ter Fehler liegt darin, daß dort Herrschaften regie­ren, die alles nach Schema F und mit einer alles

Zinsen des ersten Jahres gestundet. \ Stäben der Ostpreußischen Landgesellschaft vr- sehen in den meisten Landkreisen noch Klein- tedlungsyesellschaflen. Kauflustige haben in chrem Antrag anzngeben, ob sie Arbeiter-, Handwerker- oder Dauernstellen, und in welchem Umfange etwa errichten und ob sie den Sflbst- aufbau vornehmen wollen. Auch ist Auskunft über bisherige landwirtschaftliche Tätigkeit und die Vermögenslage zu geben. Landarbeit, auch, zur Vorbereitung auf die eigene Wirtschaft, wird nachgewtescn. Für Kriegsbeschädigte chbt eS eine besondere Lehranstalt in Allenstein. Cs rst kerne Frage, daß auf dieses äußerst gün- strge Anaebvt viele Meldungen einlaufen wer- den. Eine Hauptfrage wäre der Zufammen- sMuß der Siedler, nicht etwa zu genossensibrssh. liebem Landwirtschaftsbetrieb, waS ja auch viel- fach versucht wird, sondern zmn gentefe« schaftkichen Aufbau. Sicher tft, daß die Ostpreußische Sandaefellschast dazu die Hand bio. ten wird. Hauptmann Schmude in Völpke, KreiS Reuhasdensleben, umk, ebenso der Bund Deut­scher Bodenresormer in Berlin werden bei sol-

«»trag auf Zwangswirtschaft.

Berlin, 1. Oktober. (Privat-Telegramm.) Die Berliner Gewerkschaften haben in' einer Vorstellung an die Reichsregierung sich firr die Wiedereinführung der Kartoffel- Zwangswirtschaft ausgesprochen, um die " durch die Freigabe entstandene große Gefahr für ' -ie Ernährung der ärmeren Bevölkerung zu be- i eiligen. Eine gemeinsame Stellungnahme der ' deutschen Gewerkschaften für die Wiedereinsüh-

bttternden Rede aufhören, daß Bayern das übrige Reich nicht genügend mit Lebensrnit­teln versorge und nur Hamsterpolittk zu eige­nem Nutzen betreibe. Das ist ganz und gar falsch. In Bayern sind heute schon mehr als zwei Millionen Zentner Brotgetreide abgeliefert worden und zwar auf Grund eines iäjärfer als anderswo ausgestalteten Erfassungsver- fahrens, aber auch dank einer weit größeren Ablieferuntzsfreudigkeit, als sie man­chen Orts im Reiche sonst zu beobachten ist. Würde überall nach den gleichen Gesichtspunkte« vorgegangen, dann würde unsere Ernährungs- not wesentlich mildere Züge tragen, als das heute leider der Fall ist. Wer in Bayern geweilt hat, wird auch wissen, daß die Rede eitel Ge- flrnrker ist, die Bayern schwämmen in Milch und Fett. Dte Verhältnisse auf diesem Gebiete sind auch heute noch kritisch,> in manchen baye- rilchen Städte« lebt man in dieser Hinsicht unter sehr schwierigen Verhältnissen. Wenn die alkgo. meine Verpflegungslage in Bayern eine bessere ist als tm Norden, so liegt das an der besseren Erfassung und Verteilung der Lebensmittel.

Re Marktlage tot Arrslarck Fleischeinfnhr aus Argentinien. (Eigene Drahtmeldung.)

Tagung der Friedemllga.

Anträge zur Abschaffung veS Krieges.

(Prrvat-TÄearrmml.)

Braunschweig, f. Ottefter.

Auf der gestern eröffneten Tagung der deut­schen Friedensgesellschorst begründete Chefredak­teur Otto Nuschle, Berlin, einen von ihm einge­brachten Anttag: Völlige Ausschaltung deS Krieges durch internationale Verhandlungen, Abrüstung auch der übrige« Staaten, sosor- tige Aufnahme Deutschlands m de« Völker- bund, Schaffung einer internationale« Exe- kutiv-Armee, Beseitigung von Wehrzwaug und Wehrpflicht und Aufrechterhaltung der hüte ten Ordnung durch Sicherheitspolizei. Dr. Hiller, Berlin, der im Namen der Stettiner Parteigruppe der Fttedensfreunde die Abschaf­fung der Todesstrafe in Deutschland verlangte und ettlärte, dte Dtenswerweigerung solle durch die Fttedensgesellfchast internattonal organifiett werden, stieß auf starken Widettpruch Ein An­ttag Hellmut von Gettachs, der an die Pazifisten aller Länder appelliert, wurde angenommen.

Sstpreußische Siedlmg.

Dsrettstellnng vo« Land für Ansiedler.

Die SiedlnngSfraa« hat üt wetten Volksweisen lebhaftes Inteiefle, besonders bei «riegsteil- nchieern, die nod) nicht wieder ihre alle Tätigkeit aufnebmen konnten. Neber die in Ostprsntzen be­stehende Organisation wird Folgendes derichtetr In Ostpreußen wäre röte dWchgreifende Jmtell-ÄMmisation, eine .energische Äsihrung deS Klein, und Mittelbesitzes"', wie sie das Preußische Landes-Oekonomie-Koillegium i« feiner Entschließung vom 11. Februar 1910 ge­fordert hat, schon langst nötig gewesen. Nicht ratr, weil OsHireußen als bedrohte Grenz­provinz seine besondere Bedeutung hat, son­dern weil es seine Landeskinder eben infolge der Ausdehnung des Großgrundbesitzes zur Ab- w-andeiung bringt und dafür zumeist Fremdstam- mtge ins Land zieht. Während zum Beispiel im Kasseler Bezitt von tausend Menschen 650, im Aachener 681, im Koblenzer 687 Menschen heinwtgebürtig und entsprechend 350, 319, 313 Dtenfchm zngezvgen sind, sind im GuMbinner Bezitt 614 auf tausend zugewandert. Eine plan- müßige Jnnen-Kolouisation str Ostpreußen war bei den Patteiverhüttniffen des früheren Preu^ ßischen Landtags anögeschlossen. Umso, erfreu­licher ist der Bericht der

früher Erlebte in den Schatten stellenden bnreau- kratischen Auffassung .behandelt'. Diese Ber- finer Bureaukratie ist bt ihrer Wirkung Gift für die Reichsfrage. Die Klagen darüber kommen ja nicht nur ans Bayern, fsndern ebenso aus Baden nnd Württemberg, ans dem Rheinland, ans Hessen, ans Schlesien, ja ans vreußischen Landesteilen selber. Die Wurzel allen Nebels liegt ober darin, daß sich der Norden und der Süden immer noch viel zu wenig ver­stehen. Die Aufwisgelung des Mißtrauens, wie wir sie augenblicklich in manchen norddeur- schen Patteiblättern gegen Bayern und den Sü­den überhaupt beobachten tönncn, stellt die größte Gefahr für den Bestand des Reiches der. Die Verbreitung von Schmtdernachrichten nnd Ammenmärchen kann wahrhaftig nicht dazu die- «en, die Beziehungen zwischen Nord und Süd freundlicher M gestalten Diese Herttchnften, die ein derartiges unverantwortliches Spiel treiben, sind die eigentlichen Zerstörer des Reichsgedan- kens. Wenn man sich nur ein bißchen Mühe geben würde, in die bayerische Psyche, in das Wesen der bayerischen Eigenatt einzudringeu, wenn man dte Echtheit und Ratüttichleit dieses DoMsstammes ihrer Büdentung entsprechend bes­ser achten und würdigen würde, müßte eine ganz andere Verständnislmie zuwsge kommen, als das gegenwärtig der Fall rft Gerade in den bayerischen Eigenarten liegen diejenigen Fak­toren, dte wir so bitter nötig haben, wenn wir unser Volksleben wieder zu altem Glanze em« porheben wollen.

Man sollte weiter auch einmal mit der ver-

MM«ll8r-öchw;«drl.

®ie Komödie dee früheren Feinde.

(Eigene Drahtmeldung.)

Amsterdam, 1 Oktober.