Einzelbild herunterladen
 
  

Freitag, 24. September ISA.

Kasseler Neueste NachrlHLe»

10. Jahrgang. Nr. 22t

waren die teuersten Preise bezahlen wollen, während unsere eigene Landiwirttchast infolge unnatürlicher inlLudischer Preisgestaltung me- dergehalten wird, so bleibt uns kein anderer Weg, als durch Verbilligung der Dünge» mittel und der ausländischen Futter­mittel der einheimischen Landwirtschaft die Möglichkeit intensiven Betriebes zu geben. Ich weiß die gegen diese Vorschläge sprechenden Be­denken voll zu würdigen. Die trostlose finan­zielle Lage des Reiches zwingt den Finanzmiti- ster, sich gegen alle A u s g a b e n zu wehren die nicht unvermeidlich sind, und da wir auch in diesem Jahre Milliarden für die Einfuhr zu den hohen Preisen des Weltmarktes ausgeben müs­sen, um nicht zu verhungern, kann ntan es ver­stehen, wenn er Reichszuschösse ablehrtt für Zwecke, deren Erfolg erst später fühlbar wird. Anderseits ist eine solche Verbilligungsaktion auch für die Landwirtschaft politisch uner­wünscht. Man wird ihr das in der üblichen ge­hässigen Weise wieder als Liebesgabe ankreiden und daraus Wertriebene Forderungen auf Herabsetzung der Erzeugerpreise stellen. Aber alles das sind Nebensächlichkeiten, die zurücktre­ten müssen gegenüber der furchtbaren Gefahr, die uns droht, wenn die Landwirtschaft durch eie wirtschaftliche Notlage in großem Umfange zum ertraglosen Betrieb gezwungen wird. Tenn dann ist eine wirtschaftliche Wiederaufrich­tung Deutschlands überhaupt unmöglich da der deutsche Boden die sechzig Millionen Menschen nicht mehr ernähren kann. Ueber die Arbeits- verMtnisse sagt der Verfasser: Die Einstel­lung von Erwerbslosen in die Landwirt­schaft soll nach Bericht eines Rogierungsvertre- ters im Reichswirtschastsrat mit besserem Erfolg durchgesührt worden sein, als vielfach anaenom- me wird. Auch die Ansiedlung ist in die- scn Gesamtplan der Produkttonssteiaerung ein» zubeziehen. Auch die Moor - und O edland- k u l 1 u r gehört in die Reihe der LösunqSmög- lichkeiten, wenn auch dieser Zweig der inneren Kolonisation weit in die Zukunft hineinreicht.

Vorschriften zum Mchsnotopfer.

Schutz des Mittelstandes.

Das Reichsnotopfergesetz enthält besondere Vorschriften, die dazu besttmmt sind, dem Mtt- , telstand einige» Schutz zu gewähren. Bet Ab­gabepflichtigen mit einem steuerbaren Vermö­gen von nicht mehr als 150 000 Mark, die keinen Anspruch auf Pension oder Hinterbliebenen- Fürsorge haben, wird von dem steuerbaren Vermögen bis zu 50 000 Mark ein Viertel re#, ein Drittel, für das überfließende Ver­mögen ein Fünftel resp. ein Viertel abgezo­gen, wenn der Betreffende fünfundvierzig bis 60 resp. über 60 Jahre alt ist. Hier ist ein Schutz für jene zu erblicken, die sich in einigen Jahr­zehnten Arbeit oder sonstiger Tätigkeit Erspar­nisse erübrigt haben, aus dessen Zinsen sie ihren Lebensunterhalt Hauptfach lich bestreiten. .

Solange der Staat nicht imstande ist, jedem älter gewordenen Bürger einen gesichörten Le­bensabend zu gewähren, ist es seine Pflicht, ihn vor Steuermaßnahmen zu schützen, di« dem Bürger den Boden seiner selbständigen Eri- sten, völlig entziehen. Steuerpflichtige aus dem Mittelstand können auch, soweit ihr Vermögen nicht über 100000 Mark und soweit sein Jah­reseinkommen nicht über 5000 Mark beträgt, den A n tr a g stellen, daß ihm di« Abgabe ganz oder teilweise zinslos gestundet wird, falls er, ohne Gefährdung seines Lebensunterhaltes, Wr Entrichtung der Abgabe außerstand« ist.

KriegsgefangeNen-Heimkehr.

Beendigung der Verhandlungen mit Rußland.

Mus Kowno wird berichtet: Die Verhandlun­gen über ben Durchtransport der deutschen Kriegsgefangenen durch die russischen Randstaa­ten sind erfolgreich beendet worben. Von deut­scher Seite nahmen daran teil der soziakdemo- lratische Abgeordnete Stücklen. der Leiter der Kriegsgesangenenheimkehr, Schlesinger, und der deutsche Vertreter in Moskau. Hilger. Von russischer Seite Wurden die Verhandlungen ge- fühn von Etduk und Reich. Vom internatio­nalen Roten Kreuz waren Oberst Boirfier und von Wattenswvl anwesend, im Auftrage he9 Völkerbundes Professor Fritjof Nansen. Der

gewählt. Zum Kämmerer wurde Böltz mit 142 Stimmen wieder gewählt. Zum Stadtmedi­zinalrat wurde Dr. Rapnow Schöneberg) mit 117 Stimmen gewählt. Der Stadtbaurat Snb» wig Hofsmann wurde wieder und der Dr.-Jng. Adler zum Verkehrsbaurat neu gewählt. Ter Rest der Wahlen wurde auf Donnerstag vertagt.

Frankreichs PrWdentschaft.

Die reformbedürftige Verfassung.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 23. September.

Rücktransport der Kriegsgefangenen soll auf Nebenwegen über Estland und Finnland er­folgen. Dank dem Entgegenkommen der litau­ischen Regierung wird ein Teil von chnen aber auch aus einem neuen Weg durch Litauen transportiert werben.

Es waren bei den Verhandlungen große technische Schwierigkeiten zu überwinden, da di« schmalspurig angelegt« Strecke Wirballen-Kow- no-Wilna-Molodetschno in eine normalspurig« umgebaut wird und di« russische Alexanderbahn zurzeit der starken Truppentransporte wegen nicht in Frag« kommen kann.

Zer Berliner Gmeindeftreit.

Aus der Preußischen Landesversammlung.

(Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 23. September.

Gestern befaßte sich die Landesversammlung mit der Aenderung des Gesetzentwurfs über die Einheitsgemeinde Grotzberlin. Die bürgerlichen Parteien beantragten einmütig die Hinausschie- bung der Jnkrafttretung des Gesetzes. Es müsse vermieden werden, daß die sozialistischen Par­teien das Verfahren, das jetzt in der inneren Stadtgemeinde Berlins eingeschlagen wird, wo sie jede M i t a r b e i t der bürgerlichen Parteien zurück weifen, auf Grotzberlin ausdehnen. Der Redner der Deutschen Volkspattei, Abg. Dr Leidig, sagte: Unter der Gewaltherrschaft bet' Unabhängigen kann Berlin nicht gedeihen Wir sind gegen das Gesetz gewesen, jetzt stehen wir auf seinem Boden. Aber wir wünschen, daß der Magistrat nickt nur aus besoldeten, son­dern auch aus unbesoldeten Mitgliedern best'ht. Bezüglich des Streites um den Unabhän­gigen Dr. Löwenstein als Oberstadtschulrat wur­den die Ausführungen des Zentrumsabgeiordne- ten Dr. Faßbender von allen bürgerlichen Parteien unterstützt. Sie bekunden das fest: ZusamMenstehen der

gläubig gesinnten (Elemente im Volke

Gestern vormittag hat eine Sitzung beS Ka­binettsrats stattgefunden, in der Millerand eine Erklärung stber seine Ansichten wegen der Revision der Verfassung abgab. Millerand ist der Ansicht, daß bi« gegenwärtige Berfas- sung Frankreichs zwar abgeändert werden müsse, daß dies aber erst dann geschehen könne, wenn die Durchführung des Friedensvertrages und die Reorganisation Frankreichs erfolgt sein werde. Gegenwärtig müsse m«n sich mit einer besseren Auslegung des Verfassungsgesetzes be­gnügen, und zwar in der Weise, daß der Präsi­dent der Republik die Mittel habe, wirksam in die Führung der auswärtigen Politik einzu- greifcn und Verträge zu schließen.

*

Die heutige Wahl.

Genf, 23. September. (Eigene Drahtmel­dung.) Bei der gef tilgen Abstimmung der Frak­tionen der französischen Deputiertenkammer und des Senats für die Aufstellung eines Kandida­ten für die heute in Versailles vorMnehmende Präsidentenwahl hat Millerand 528 Stim­men erhalten, also die Mehrheit der National­versammlung. Die Linke hat keinen Block bil­den können und Millenand wird heute der ein­zige Kandidat sein.

Bettes aus Mel

Das Stadtparlament,

a=

In der gestrigen Sitzung der neuen Ber­liner Stadtverordnetenversammlung wurde die Wahl zum Magistrat auf Grund der Vorschlags­liste des 26er Ausschusses vorgenommen. Zum

vertraulichen Sitzung besonders unterhalten abgesetzten Punkte sollen nunmehr zur Behand­lung kommen: Der Plan für den Grotz-

Ne Berliner Wahle».

Oberbürgermeister Wermuth ist wiedergewählt.

(Prrv at-T elearamm.)

Berlin, 23. September.

Am Montag haben die Stadt eitern wieder mal ein Stelldichein. An der Spitze der Tages­ordnung steht der längst fällige Bericht des M gistrats über die wetteren Wirtschafts- Maßnahmen der Stadt Kassel. Bei- ganrbneter Geheim rat Dr. Schröder wird ihn in einfacher Form erstatten als dies früher beim Bericht über die Kriegs Maßnahmen der Fall gewesen ist. Die in der letzten Sitzung wegen der Anfrage über die Finanzlage der Stadt die Städteltern werden sich darüber in einer

Säuernde Unruhe i» Stallen.

Besetzung der öffentlichen Gebäude.

(Eigener Drahtbericht.)

Mailand, 23. Sepwutber.

Die Blätter teilen mit, daß in Rom weiterhin erst vor kurzem erbaute Paläste vom Volk besetzt werden. Gestern fand die Besetzung eines im Bau befindlichen Palastes statt, in dessen Räume die Menge eindrang. Ferner wurde ein Schulhaus, ein Asyl, eine medizinische Klinik und die Gebäulichkeiten der Staats- ei s enbahn besetzt. Zahlreiche Lastwaa.m fuhren mit königlicher Garde besetzt nach den Orten, wo die Besetzung durchgeft'chrt worden war und säuberten die Lokalitäten, ohne daß es dabei zu Zusammenstößen kam, Gestern wurden bis in die ersten Nachtstunden die betben historischen Villen des Fürsten Bor- lonia besetzt. Der Unterstaatssekretär für die Künste erhob bei der Präfektur gegen die Be­setzung Protest. Der Präfekt schickte zahlreiche königffche Garden und Karbinerie hin, die die Besetzung wieder aushvben.

gegen den Versuch der Einführung der reli- gionslosen Schule. Der mehrheitssogialistisch« Sprecher Heilmann richtete in seiner Erwi­derung einen scharfen Angriff aus daS Zentrum, der im Haufe besonders ausfiel Hellmann sprach von der Demagogie der Rechtspresse. Einen be­sonderen Angriff richtet« Heilmann gegen die Zentrumspreffe, die im Verein mit der Rechts­presse eine Demagogie in dieser Frage betreibe, die alles übertrifft, was in Deutschland in dieser Beziehung bisher geleistet worden ist. Diese Aeußerung wird mit Heiterkeit im Haus: aus­genommen. Mtt großer Schärft 'roonlbt* sich dann auch der mtabhängige Sprecher, Abg. Leid, gegen das Zentrum und dessen ,Ver­messenheit-. Darin allerdings hatte der Unab­hängige reckt, daß «S nicht anginge, die Schuld an nunmehr in Berlin erwachsenen Zuständen den Unabhängigen Wzumessen, daß daran viel­mehr di« Lauheit der bürgerlichen Parteien Schuld trage. Die Anträge wurden schließlich einem Ausschuß Merwiesen Es folgt die Be­ratung des Antrages Adolf Hofsmann (U S) aus Gewährung von Zuschüssen und Ueher- tenerungsgeldern an die G e m e l n d e n und ge­meinnützige Baugesellschaften, damit die begonnenen notwendigen Bauten zu Ende ge- fübtt werden können. Im Laufe der Debatte teilt ein RegierungSvertreter mit. daß zur Fertigstellung begonnener Bauten bereits 120 Millionen Mark zur Verfügung gestellt seien Ein weiterer erheblicher Betrag werde in dm nächsten Tagen nachfolgen. Der Antrag wird ebenfalls einem Ausschuß überwiesen. --- Die nächst« Sitzung findet heute ftatt,

Oberbürgermeister wurde der bisherige schiffghrtsweg Weser-Donau, weitere Mit- Oberbürgermeister Wermuth mit 107 Stirn - tel für Kriegshinterbliebene und Kriegsibeschä­men, also überwiegender Majorität, wieder! bigte und neben anderem das A n gestellten-

S3

heim der .Gagfah*. Auch die Frage der un- gete ilten Arbeitszeit im Rathaus kommt wieder aufs Tapet. Dann soll zu den WlrtfchltWbeihilfen für Kriegs- und Zi- vilgefangenen ein Teuerungszuschlag von 50 Wozent gewährt werden. Auch Nachbewil- ligungensieten* wieder die Tagesordnurg. Wiederholt war davon die 3Mbe, daß die Volksküche am Holländischen Platz ein zehen wird. Der Magistrat hat sich scheinbar nicht dazu entschließen können. Er har vielmehr eine Vortlage eingebracht, die einen monatlichen Bei­trag von 1000 Mars zur Weiterführung des BoMSküchettbetriebes beantragt Schließlich läuft die Wahlperiode des allgemein geschätzten Stadtschulrats Bobritz ab. Die Stadtverordne­ten werden deshalb die Wahlperiode zu verlän­gern haben. AnStoff* fehlt es also der Mon­tagssitzung nicht

Zum Kapitel Wohnungsnot.

Der Magistrat erinnert heute erneut an seine Bekanntmachung vom 15. IM 1920, wonach jeder Verfügungsberechtigte sobald Wohn- räume einschließlich möblierter Zim­mer gekündigt werden oder sobald sich heraus­stellt. daß sie zu einem bestimmten Termine frei werden, d'.es dem Wohnungsamt binnen drei Tagen anzuzeigen hat. Mr dies nicht tut, läuft Gesicht, daß ein später von ihm vorgelegter gjltetbertrag nicht genehmigt Und der trotzdem eingezogene Mieter zwangsweise aus der Woh­nung entfernt wird. Die Wohnung ist nicht erst dann anzuzeigen, wenn ste stet geworden ist, sondern schion dann, wenn sich heraNsstellt, daß sie in Zukmrft frei werden wird. Wiederholt wird auch gemahnt: Legt die Mletvetträge dem Wohnungsamt rechtzeitig zur Genehmigung vor! Alle Mietverträge, auch die über möblierte Zimmer, sind dem Wohnungsamt zur Genehmi- gitng vorzulegen und sind ohne diese Genehmi­gung nichtig und unwirksam.

Es geschieht immer häufiger, daß die Miet­verträge erst vorgelegt werden an dem Tage, an dem der neWe Mieter einzieht oder sogar erst, nachdem der neu« Mieter schon eingezogen ist. DaS ist unzulässig. Die Vorlage muß rechtzei­tig, d. h. am besten mindestens 34 Wochen vorher geschehen, damit das Wohnungsamt seine FeststÄungen treffen kann. Wer den Miet­vertrag nicht rechtzeitig votlegt und so das Wohnungsamt vor vollendete Tatsachen stellt, hat gleichfalls damit zu rechnen, daß der Miet­vertrag nicht genehmigt wird Und der trotzdem eingezogene Mieter zwangsweise auS der Wob- nung gesetzt wird. Außerdem wird, so schließt bi« Mahnung, bei jedem Verstoße gegen die Bekanntmachungen deS Magistrats Straf an» zeig « bei bet Staatsanwaltschaft erfolgen.

Kasseler Lehrer-Gesangverein.

Wieder einmal ein Abend (gestern, in der Stadthalle) der Erfüllung! Der Vollendung! Ein Abend restloser Abgeschlossenheit, ftingemodelt in seinen Gliederungen einer, der wieder ein­mal die Sinne dutchwühli, und jenes alücksvoll« Empfinden zeitigt, das unter der Kunst, der ech? ten und großen, jedem Denkenden, Fühlenden, Empfangsfähigen erstehen muß. Längs am Dirigentenpult bedeutet eine ungewöhnliche Kraft. Sprühend, elektrisierend, bis in die Fin. getspitzen durchdrungen von Rhythmus, Emp­findung und Temperament, muß dieser geniale Dirigent fluidummäßig auf seine Spieler und auf die Hörer wirken. Rach dem prachtvoll ge. gebenen Vorspiels zu den -Meistersingern* ge­samte staatliche Kapelle hörte man ein Stim­mungsbild .Am Siegfriedbrunuen* von Fritz V o l b a ch ein pompös amfgebauteS, effekt­volles tonbildlettsch selngezeichnetes Werk. Der Lehrerg-esangvereln setzte sich hier bereits mir bezwingenden Kräften ein; stärker noch traten seine Qualitäten dann natürlich in den folgen­den L-eapella-Ebören hervor, wovon das .Val« cariffima* von Kann durch das Hauchseine Pia­no bestach, und das .Motgenlied* von Rietz mit dem aufjauchzenden Schluß allwo der Rhvth. mus geradezu in zündender Schärfe hervortrat etwas Atemberaubendes hatte in dieser stür­

zenden, donnernden Gewalt.

Dann Mozarts entzückendes .Dom Raschen*, ein graziöser, plätschernder, plappernder Kanon, der wiederholt werden mußte. Uöbetall neben

AeFahüins Glück.

5) Roman von H. Lonrlhs-Mahler.

Es blieb ihm keine Zeit, jetzt weitet darüber ttachAUdenken. Herta Rvdeck verwickelte rhu wieder in eine lebhafte Unterhaltung. Sie ver- Jtanb ganz amüsant zu plaudern, wenn es ihr daraus ankam, das hatte er bei Tisch bemerkt.

Jetzt trat der Dienet zu ihnen.

,8hm, Herr Vetter nehmen Sie noch ein Täsib.'n Mokka?* fragte sie, liebenswürdig lächelnd.

Et verneigte sich und bediente sich.

»Seht gern, gnädigste Kusine.*

Das horte Frau Erika. Mit einem lächeln- den Kopffchütteln trat sie heran. »Ich glaube gar, Ihr nennt Euch noch Sie. Das ist doch Un­sinn unter Verwandten.*

Walter sah Herta lächelnd an.

»Darf ich das verwandschaMiche Du in An­wendung bringen, Kusine Herta?*

, Mit koketter Schelmerei sah ste zu ihm auf und nickte ihm zu.

.Das darfst Du, Vetter Walter. Mama Hal Recht, es ist Unsinn, daß wir so förmlich mitein- ander verkehren. Leider haben wir uns erst jetzt kennen gelernt.*

.Was ich tief bebaute*, versicherte et artig.

Hertas Augen blitzten ihn an.

.Wirklich ohne Phrase?*

Seine Augen blickten ernst.

.Phrasen sind mir widerwärtig, Kusine.*

Frau Erika zog sich zurück, befriedigt bei sich konstatierend, daß durch das vetttmMche Du die beiden jungen Menschen einander schon näher gerückt worden waren»

Hetta plauderte noch lebhafter als zuvor mit Walter. . Sie brtitierte mit ihrer Schlagfertigkeit und machte von ihren schönen, aber seht gefall­süchtigen Augen gründlichen Gebrauch.

Aber was Walter Römer berücken und be» Mtbern sollte, mißfiel ihm. Et erkannte seht bald Hertas Leine kokette Manöver. Und kokett»

Frauen gefielen ihm nicht. Er wat es nur zu sehr gewöhnt, daß die Frauen mit ihm kokettier­ten, er wußte, daß sie in ihm di« glänzende Par­tie und höchstens noch den hübschen intereffanten Mann sahen.

Walter wat zu ernst veranlagt und wollte anders bewertet werden. Das leichte, kokette Spiel stieß ihn immer wieder ab, wenn er ein­mal einer Frau begegnete, die ihm aus den ersten Blick gefiel. Gerade, toetl er sich bewußt wat, bessere Werte zu vergeben zu haben, als seinen Reichtum und fein Aeußeres, wat er mit leich­tem kokettem Spiel nicht zu fesseln.

Er suchte ganz im stillen nach einer Frau, die nach diesen tiefinneten Werten seines Wesens suchen würde unb sich ihm nicht gleich bedin­gungslos ergab, nur weil er reich und ansehnlich wat. Und weil er bisher eine solche noch nicht gefunden hatte, war er dem Gedanken an eine Ehe noch nicht näher getreten. Daß seine Mut­ter darüber sehr betrübt wat, wußte er. Et ahnte auch, daß sie chn nicht ohne bestimmte Ab­sicht zu einem längeren Besuch bei seinen Ver­wandten veranlaßt hatte. Sie hatte ihm zu viel von seiner Kusine Herta gesprochen, chm immer wieder ihre Photographie gezeigt und ste nicht genug rühmen können.

Die Photographie hatte ihm nicht mißfallen, unb et hatte das offen ausgesprochen, ohne zu ahnen, welche Pläne seine Mutter daraus baute. Erst als st« ihm immer wieder zuredete, Rodecks für einige Wochen zu besuchen, mertte et die Ab­sicht. Da er ober feine Mutter sehr liebte und verehrte, wollte er sie durch eine Weigerung nicht betrüben. Schließlich konnte er sich die Kusine Herta immerhin anfehen, Und er war sogar fest entschlossen, sie unter allen Umständen sympa­thisch $u finden.

Aber schon jetzt war er sich darüber flat ge­worden, daß ste niemals Gefühle in ihm aus­lösen würde, die chn veranlassen konnten, den unausgesprochenen Wunsch feiner Muntter zu erfüllen.

Hingegen begann ihn, vom ersten Augenblick deS Begegnens an, ein anderes weibliches Wesen

stark zu intereffieren. Tas wat Britta Riedberg. Ihr« anspruchslose Bescheidenheit, ihre holde Anmut und Lieblichkeit, di« wunderschönen btau- r-.en Augen mit den goldenen Lichtfunken darin­nen, die eine so reiche Seele verrieten, und das herrliche Haar' alles das zog chn an und mach­te einen tieferen Eindruck auf ihn, als es bisher je einer Frau gelungen war.

Waltet Römer zog dieses ernste junge Mäd­chen magnetisch an. Immer wieder sah er zu Dtttta hinüber. Sie vermied eS aber, seinem Blick zu begegnen.

Hetta wich kaum von seiner Seite, und so gern er auch ein wenig mtt Britta geplaudert hätte, wußte et doch nicht, ob et e< tun durste.

Nach einer Weift sah et, daß sie im Hause veffchwand. Sie war nicht mehr nötig hier draußen und ging anderen Pflichten nach.

Das arme Kind! dachte er mitleidig.

2.

Auch an den folgenden Tagen gelang es Wal­ter Römer nur selten, einige flüchtige Worte mit Britta zu wechseln

So vergingen einige Tage.

Trotz aller Bemühungen Hertas und ihrer Angehörigen blieb Walter Römer seiner Kusine gegenüber in streng verwandtschaftlichen Gren­zen. Soviel Hertas Eltern und Schwester auch de» beiden jungen Leuten Gelegenheit gaben, allein zu sein, soviel Herta sich auch bemühft, den Detter zu fesseln, er blieb sich immer gleich. Hetta kam ihm feinen Finget breit nähet. Und it betonte immer wieder das verwandtschaftliche Verhältnis. Dafür wurde aber sein Interesse für Britta Riedberg immer intensiver. Er war «in feiner Beobachtet, unb es entging ihm nicht, wie unethött die Arbettskrast BrittaS von ihren Verwandten ansgenützt wurde. <£r bemerkte auch mit heimlicher Enttüstung, wie lieblos man ihr von allen Seiten begegnete.

Niemand hatte ein gutes, warmes Wort für sie, niemand erkannte ihr fleißiges Schaffen an. Höchstens der Hausherr hatte zuweilen ein Wort der Anetkemvmg für sie und sagte , auch einmal

zu Walter:

»Wenn wir Britta nicht Hätten, wurde c8 überall hapern.*

Aber das hätte er nicht in Gegenwart seiner Damen sagen dürfen.

Wenn etwas Waltet in feinem Vorsatz, Hetta niemals feine Hand anzubieten, hätte bestärken können, bann war eS ihr liebloses Verhalten Brittas gegenüber.

S.

Am nächsten Morgen erhob sich Walter Rö­mer seht zeitig. Er war überharcht ein «ruh- ausstehet und pflegte zu Hause von fleben bis acht Uhr jeden Morgen auszuretten, eh« er an feine GefeMste ging. Aber hier im Haufe seiner Verwandten stand man später auf, und er hatte nicht gewußt, was er mit seiner Zeit anfangen sollte. Um neun Uhr wurde erst gefrühstückt. Deshalb hatte er die ersten Morgenstunden bis­her zu Spaziergängen benutzt. Denn vor neun Uhr waten die Damen nicht sichtbar.

Er war mit seinem Anzug fertig Und zün­dete sich eine Zigarette an. In demselben Mo­ment sah er Britta unten im Gatten auftauchen und zwischen den Büschen verschwinden. Sie itita einen ziemlich großen Korb am Arme. Wie -ast immer bei der Arbeit, wat sie in ein blaues Leinengewand gekleidet, und darüber hatte sie eine weiß« Schütze gebunden. Ganz schlicht schmiegte sich das Kleid an den jugendschöneu Körper, und der goldbraune Flechtenknoren leuch­tete an Sonnenlicht wie gesponnenes Gold.

lFortsetzuna folgt.)

Humor in ernster Zeit.

Die krankhafte Schwellung. Zu einem viel­beschäftigt en Arzt tarn eines Tages ein Panntt, der über Herzbeschwerden Sagte. De:gwtzr* Mann nahm nur eine oberflächliche Untersuchung vor und sagte dann, auf bi« Hetzstelle deutend: ,Es scheint eine bedeutend« Schwellung vorzulie. gen, die möglichst rasch vermindert werden muß.* £>, Doktor,* rief der Pattem mtt ängstlicher Miene,bitte, nicht zu sehr! Diese Schwellung ist nämlich meine Brieftasche!*