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10. Jahrgang.

Nummer 211

Sonntag, 12. September 1920

Fernsprecher 951 und 958.

RentfDretfxr 951 und 953.

’ Ute «efftiet R<u«"ex Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abend!. Der Bbonnemenirpreir betrögt monatt 6.00 Mark bet tret« Znstillun, ins Hans. Beslellnngev werde» lederze« ton der GeschLftSstell« oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, «erlag und Siedaltian SchlachthoMraße 28/30. stur mroerlangt emgefandt« Beiträge kann die Siedaktinn ein» Berantivortnng oder Bewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung der BerngrgeideS oder Ansprüche wegen etwaigernicht ordnungSmähiger Lieferung ausgeschlossen.

JnfertionSpretse < a) «nheimische «u'träge: Die einspaltig «nzeigwi-getke «. UW. M« einspaltige ReNamezeile St X50. » Auswärtige «usträge: Die einspaltige AnMtgengetle W. 1.20, bi» einspaltige Reklame,eile St 2.75, alles etnschlieblich DeneriMgStUschlag Ml» LnZetgenfteuer. - Für die RtchttgkeU aller durch Fernsprecher aukgegeben« Antigen, sowie sür Aufnahmedaten und Plätze kann ein« Bewähr nicht übernommen werden. — Druckerei: Schlachthofstr. 28/30. »eschästlftelle: Kölnische Str. 5. Delephou Nr. «1 u, «r.

Kasseler Neueste Mchrichim

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Bewaffnete Uebergriffe in Sachsen.

Ttaats-AutoritSt.

Besteh« eine RsgievungSgewatt?

Immer neue Hindernisse stellen sich den Be- Mühungen, die Staatskarre aus dem Sumpf zu Kielten, entgegen, und es ist bedauerlich, ernen­nen zu müssen, wie ost es ftlbsMschaffenc Schwierigkeiten sind Es vergeht wohl kaum eine Woche, in der nicht irgend eilt Minister über die Ersüstung seiner Ausgaben tot Ungewissen iß, weT immer Kräfte am Werke furo, dem Wagen Knuddel in di« Speichen zu stecken und rückwärts zu drehen. Gegenwärtig ist es der EiseuHahnnÄmster, der mit hartnäckigen Gegnern zu kämpfen hat. Das unbejiugte Anhalten ,uid Durchstochen von Transportzügen durch Gruppen radikaler Eisenbahner hat uns schon in eine gefahrvolle Stellung gegenüber der En­tente gebracht. Die Regierung wird sür alle störenden Vorkommnisse verantwortlich gemacht und muß mfsltzedessen auch die Macht staden, solche Störungen zu verhüten. Der Erlaß wonach Uebergrifft nicht berechtigter Personen unter Strafe gestellt werden, ist daher nur ein Mittel der Verteidigung. Wie soll der Minister den Aili • ierten gegenüber, die mm einmal di« Gewalt über uns aiisüben, die Gewähr für geregelten Per. kehr übernehmen? Es ist dabei besonders her- vorzuheben, daß französische Transporte ange- halten worden sind, die wir vertragsmäßig durch Deutschland führen taffen mußten, rvie die soge­nannten PoloniaWge und die Transporte für die Ententebesatzunqen in den Abstimmnngs- und losgetrennten Gebieten. Die Vorfälle, daß fremdes Hesresgitt eigemirächtig vernichtet wor­den tft, tosten uns wieder ungeheure Sum­me n, die die ReichSftzianKen unnötigerweise be­lasten. Es ist demgegenüber darauf hinzuweisen daß die Organe der Reichsrsgteruug schon aus Gründen unserer Neutralitätspolitik die ihnen zustehende Kontrolle aenau auLüben und auch bereit sind, geeignete Organe der Arbeitersckmft bei der Kontrolle zur Mitwirkung heranzuziehen. Cs ließe sich alles auf ordnungsmäßigem Wege regeln, wenn auf der andern Sette dazu Geneitst- heit bestände.

. Die Vorschläge der Regierung Md aber gar nicht beachtet worden. Gröners Erlaß begegnet sogar offensm Widerspruch. Tie Men- bahner-Kontrollkommission Berlin-Brandenburg veröffentlicht, wie wir gestern telegraphisch mit- teilten, einen Aufruf an die Berliner Eisenbah­ner, in dem zur verschärften Kontrolle, also zur Nichtbeachtung deS Ministerialerlasses, aufgefor­dert wird. Dieser Kampf gegen die Reichsregie- ruug hat damit eine scharfe Form angenommen, wodurch er zu folgenschweren Verwicklungen führen kann. Jnnerpolitffch ist es im höchsten Grade bedauerlich daß dem Verkehrswesen, einer unserer wichtigsten staatlichen Grundlagen, solche Schwierigkeiten bereitet werden. Außen. politisch aber ist es unwug, Zwischenfälle mit der Entente hervorzurufen. Wäre die genannte Kou- troMommission von der Meinrma ausgegangeu, die Anhaltung der Transporte fortzuseiDn, um dem Vaterlande einen Dienst zu erweisen, so wäre die Lkbstcht verständlich — wenn Nicht schon amtliche Kontrollorgane bestünden. .Da aber durch die von der Regierung eingesetz­ten Körperschaften die Kontrolle auSaeübt 'wird, können Sonderhestrebungen nur nachteilig wir­ken, denn die Entente wird uns immer wieder ihre Gemalt stehlen lassen. Daß man auch in Eisendahnerkreisen der Entwicklung der Dinge mit Besorgnis ent^gensieht, geht daraus hervor, daß sel^bst die Funktionäre des Deutschen Eisen- l'ahiierverbaüdes nicht vollständig mit der Ber­liner Kontrollkommission einverstanden sind. Der Allgemeine Eisenbahnerverband ist nicht ge- willt, die Spannung aufs Aeußerste zu treiben, und die Reichsoewerkschaft deutscher Eisenbahn, beamten steht ans dem Standpunkt der Regie­rung. Die Beamten und der Mgememe E.-V. wollen einen etwaigen Proteststreik des Deutschen E.-V verhindern. Ebenso stehen auch die Fack- gewerkschaften, technische, mittlere und untere Beamte einem Streik ablehnend gegemtber.

Hat die Reichsregierung schon dadurch schwere Serges so steht ihr in den nächsten Tagen neueS Aergernis bevor. Am 15. September beginnt der Termin zur Entwaffnung der deutschen, ZivilbevoKerung. wozu auch die Ortswehren ge- woEn Die Opposition hat ja schon ihren An­hängern die Weisung gegeben, Ke »taffen nicht ab}itliefern, hat also auch du^ei eine offene Kampfstellung eingenommen. Die Ablieferung^, frist Häuft immerhin bis zum 1. November, so daß noch mancher voreilige Entschluß bis dahm geändert werden wird. Eins ist aber jetzt schon als ein trauriges Zeichen der Zeit anzusehen: die Zahlung von Prämien für rechtzeitig ab- (»Iteferfe Waffen. Wer bis zum 10. Oktober sei­ner Pflicht nachkonmrt, erhält für jedes astgelie- fette Vtt-litärgewchr hundert Mark Prämie, von dort db bis zum 20. Oktober fönfeig Mark. Was sind das sür Zustände, daß die Regierung sich ge­nötigt steht, dafür, daß man ihre Auoidmmgen pftsthtgemäß befolgt, auch noch Prämien zu xch-

len. Es scheint, daß die Ausgaben noch nicht hoch genug find. Der Verbrauch von Staais- gelldern mirantt immer größere^ geradezu katastro- phaLe Ausdehnung an. Das Schlimmste aber ist, daß die Regierung durch die Prämienzahlung ihre Schwäche eingefteht und zu erkennen gibt, daß sie ohne metallischen Anreiz ihren Erlassen nicht genügend Nachdruck verleihen kann. Regie- lungsverordnungen werden von Rechtswegen er. lassen, um befolgt zu werden. Muß aber die Regierung erst ein Geschenk versprechen, dann ist es um die Staatsautorität schlecht bestellt. Gegeuwartia ist der ReichSwehrmi nister aus Rei­sen, um in den WÄdeutschen Gegenden die Stim­mung zu erkunden. Dabei Mt auf, daß er Bayern meidet. Süddeutschland hat ja in der Eutwaffnungsfrage seine eigene Auffassung, und besonders Bayern sträubt sich gegen die Ablie­ferung der Massen Vielleicht ergebt man in dieser Angelegenheit eine nicht ganz glatte Ab- wiÄumiK K. F. Dr.

Schutstrderans der Sonera.

Bedrohliche Zustände i« Sachse«.

(Privat-Telegramm.)

Dresden, 11. September.

Der Verband Sächsischer Landwirte bezeich­net in einer Eingabe an die Regierung das be­kanntlich auch in Sachsen erfolgte Verbot der „Orgesch" als durchaus verfehlt und weist dabei auf die tatsächlich anarchistischen Zu­stände hin, die in der sächsischen Landwirtschaft jetzt herrschen. Die Unsicherheit ist aufs höchste gestiegen. Die Landwirte find ihrer Existenz nicht mehr sicher. Starke Trupps, die bis zu hundert Mann zählen, rauben die Felder aus und leisten selbst der Sicherheitspolizei mit der Waffe Widerstand. Erst jüngst wurde ein Gutsbesitzer, der sein Feld schützen wollte, durch RevolverschÜffe in der Dresdner Gegend getötet. Die ständige Gendarmerie ist völlig machtlos. Da die Landwirte ihres Lebens und Gutes nicht mehr sicher sind, verlangen sie von der Regierung das Recht des Selbstschutzes, deu auch die „Orgesch" lediglich bezweckt hab«,

Zar ®raä6rajtgs=$toMem. Ergebnisse der Abmachungen mit Italien.

kBrivat-Telearamm.1

Berlin, 11. September.

Fn der gestrigen Sitzung des Volkswirt- schaftSausschufses des Reichstages berichtete oer ReichLernährungsminister Dr. Hermes über die Zusammenkünfte in Stresa. Im allgemeinen ging das Bestreben dahin. Mittel und Woge zu finden, auf denen dir Erzeugung von land­wirtschaftlichen Produkten gehoben werden könne. Ferner wurde bei diesen Zusam­menkünften versucht, die uns zur Verfügmrg zu stellenden Vorschüsse in der Weise zu ver­wenden, dap die Art der Ernährungsmittel und ihr .Herkunftsort uns überlassen bleiben. Die dann einsetzende Besprechung über die bisherige Ablieferung von Getreide ergab die Möglich­keit, daß zwei Millionen Tonnen Getreide, deren Aufbringung für die Aushebung den Zwangs- bewirtschaftmlg von Fleisch gefordert wird, bis 1. Oktober zur Verfügung stehen. Die weiteren Besprechungen wurden auf heute vertagt.

Italienische Vorschüsse.

Zürich, 11. September. (Eigener Drahtbcricht.) Wie die vömwsche »Tribuna' meldet, hat der Aci- r-isterrat am Donnerstag in Abwesenheit Gro- littis einen vorläufigen Beschluß für den ita­lienischen Kredit an Deutschland gefaßt. Der Tribima zufolge soll nach dem Antrag de's Fi- nanzministers der KWdit auf ein Jichr für Er- uShrungSAWecke gegeben werden und rund achtzehn Millionen Live betragen.

Ientschland unö die 6ntenle.

Wir werde» nicht gefragt.

Waroex TrckhtSericht.)

Genf 1t. ©efrtentber.

HavaS meldet, daß die Unterredung zwischen Ehurchill und de« ftanzöfisckeu Kriegsmrnister, die sich wttt der Herabsetzung der K o st e n für die Besatzuugsarmee im rheinischen @e6iet beschäftigte, ju keinem Erfolg geführt haben, da der französische Kriegsminister einem Eingriff in die militärischen Sicherungsmaßnahmen des französischen Oberkommandos für das besetzte Gebiet picht habe zusttoinrrn lärme«. — Nach

einem Pariser Telegramm der Baseler Nachrich­ten wird der Vorschlag des belgischen Minister. Präsidenten, die Wiedergutmachungs- kommission in Paris in Abwesenheit der Deutschen zusammentreten zu lassen, wahrschein­lich durchdringen. Tie Brüsseler internationale Finanzkonferenz würde sonst zusammentreten, ohne daß die Frage der deutschen Wiedergut- machmrgSlast überhaupt behandelt fei.

Angehattene Transporte.

Berlin, 11. September. (Privattelegramm.) Im Kieler Kanal sind dieser Tage einige Schleppkähne dänischer, schwedischer und grie­chischer Rationalität angehalten und auf An- ordmmg der Reichsregierung xurückgeschickt wor­den, weil sie Munition der Entente für Polen hatten. Wie uns aus Paris gemeldet tote, hat die gestrige Botffchaftertonsereng, in der Jules Cambon den Vorsitz führte, beschlossen, an die deutsche Regierung eine Protestnote wegen der Anhaltung alliierter Schiffe zu richten

*

Sch adenersatz-Forderung.

Berlin, 11. September. (Privattelegramm.) Anläßlich der Erfurter Borgänge sind von der Ententckommiffion für die von den Eisen- bahnern in Erfurt zerstörte Gewehrmunition Entfchäsigungsanfprüche in Höhe von hun­derttausend Franken gestellt»

BUtihmi der llnabWngigenf

Streit um die Dritte Internationale.

<Privat-Telearamm.l

Berlin, 11. September.

Die maßgebenden Kreise innerhalb der Un­abhängigen sozialdeinokratischen Pariei halten eine Spaltung der Partei für unvermeidlich. Jp den zahlreichen Befprecknmgen der letzten Tage über die Frage der Annahme oder Ablehnung der Bedingungen der Moskauer Inter- nationale, in denen cs zum Teil recht lebhaft zuging, haben sich bisher die Gegensätze nicht überbrücken lassen. Die Mehrzahl der Wähler tritt angeblich für die Annahme der Bedingungen ein. Diefe von Dämnig, Stöcker, Cohen, Geyer und Andern vertretene Richtung ist in ständigem Wachsen begrifft» und drängt auf eine Urabstim­mung innerhalb der Wählermaffen. Sollte eS hierzu nicht kommen, so will der linke Flügel unter Führung Däumigs aus der Partei anS- scheiden und in engere Beziehungen zu der ko n<- mnnisttschen Partei treten. Wenn auch Däumig vorläufig einer Berschmclzmrg seiner Gruppe mit der kommunistischen Partei ableh­nend gegenübersteht, so werde sich, wie erklärt tote, ans rein organisatorischen Gründen dies schlecht vermeiden lassen, und die U. S. P. D. werde dann unter Leitung von Crispien. Titt- mann, Ledebour, Henke «nd Andern fortbestehen.

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Aebertritte zur alten Partei.

Berlin. 11. September. (Privaftelegramm.) IN Gvoßberlin sind nach einer Mitteilung in der Versammlung der sozialdemokratischen Funktio- r«äre BeMn-Novden vom 1. August ab über tau­send bisherige Mitglieder der U. S. P. D. zu der mehrheitssozialdemokratlschen Par­tei übergetreten. Der Rücktritt zrir alten Partei sei hauptsächlich erfolgt infolge der kommunisti­schen Agitation für ÜAe Unterwerfung der U. S. P. D. wter das Diktat von Moskau.

Sie gemMen Sberfchlefter. Schreckonstage infolge polnischer Greuel.

(Pnvat--TelearamM.f

Dortmund, 11. September.

Die Dortmunder Zeituna veröffentlicht eine» ans Roßberg-Beuthen datierten Brief Über die Zustände in Oberschlesie», in dem btc Schreckenstage dargestellt werden, die die Bevölkeruna i» Obersckfiesten täglich zu erdul­de« hat. Es wird darin gesagt, daß die F r a n • zosen mit den Polen unter einer Decke stecken. Sie haben es runbroea abgelehnt, den Deutschen auf dem Lande zu Hilft zu kommen. Die deutssfen Zeitungen werden sofort verboten, sobald sie über polnische Untaten berichten. Es heißt «an Schluß: Die deutsche Regierung tut nichts zu unserer Hilft, kann es vielleicht auch ni<A- Rur das deutsche Volk kann uns reiten. In jedem Dorfe und in jeder Stadt müssen Protetzversammlungen abäehalten werden, daß eine Besatzung nach Oberschlefien kommt, die ihre Ausgabe auch wirMch erfüllt. Wie ein Schrei müsse diese Sorberuna durch ganz Deutschland halten.-

3er Kleingeldmangel.

Hochbetrieb tn den MLnzstLtten.

»e»«rall wird Ade» Rleingetocumgel g«Nagt. Mit ben ftäbtitotn Papi«rf«eine» tft man nicht »ufcUbcn, w-llSchetn« 6ef<babiflt nnb «nbraudi. da» werben. Deshalb werbe» letzt große Mcnqen klein« Münze» an« eiemtr.lum geprägt. Augenblicklich herrscht in den Münzen die an- gespatmteste Tätigkeit. Zur Behebung des Klein, geldmangels, der -Sich jetzt noch immer sehr stark W, werden tn ben staatlichen Münzen gegen, toäräa nicht weniger als etwa zweihundert Mil. Konen Aluminium-Münzen ausgeprägt. Der Plan, Porzellangeld einzuführen, ist fallen gelassen worden. Dagegen sind Ein- und Zweb- makstücke in Sicht, lieber die Arbeiten in den Münzen macht Ottomar Reichard in der Ra- tional-Zeitung folgende bemerkenswerte AuK- führmrgen: Die Berliner Münze hat ihren Be-, trieb erweitert und arbeitet in drei Schichten, um den Bedürfnissen zu genügens Trotzdem Privataufträge überhaupt nicht mehr a^Zgeführt werben, bleiben bür Prägestempel Tag und Rächt in Betrieb. Die sieben Mlliouen Stück Kleingelbmünzen allwöchentlich allein aus den Werkstätten der Berliner Pftinze herausgehen, muß angenommen werden, daß nach wie vor das Kleingeü» gehamstert wird. Dies ist natürlich gänzlich sinnlos, da der

Wett des Metalls wett geringer

ist, ailS die ausgeprägte Zahl. 80-PfennfgWcke aus Aluminium haben einen Metallwert von fünf bis sechs Pfennigen. Einpfennigstücke aus Aluminium werden allerdings nicht mehr her- gestellt, weil bei diesen der Metallwert den Zahlenwert übersteigt. Ebensowenig 1- Und 2- Pftnnigstücke aus Kupfer, die drei bezw. sechs Pfennige wert sind. Da das Reich mit der MünzausprägUna ein .gutes Geschäft" macht, trat es alles Interesse daran, möglichst große Scheidemünzen herauszubringen. Von den sechs Staatsmünzen Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, Karlsruhe und Dresden-Akuldcn- bütten verfertigt Berlin allein viernndfünfeig Prozent aller Münzen. Von öE-Pfenuigstückeu aus Aluminium, die sich güt bewährt ha­ben, sind bisher hundertzwanzig Millionen im Umlauf. Achtzig Millionen werden noch aU-zge- pvätzt, da der Staatsauftrag auf zweihundert > 'Millionen Stück lautet. 10-PfennigMcke aUK Zink und 5-Pfenngiftücke aus Eisen werden fünfzehn MMonen Stück allwöchentlüh auf den Geldmarkt gebracht. — Gold und Silber wird nicht mehr ausgeprägt: hingegen im Auf­trage Privater vielfach zu Barre« eingeschvwl- zen. Kilogramm Gold kann man sich schon gegen Zahlung der geringen Gebühr von 4,50 Mark zum Klumpen ballen lasser. Eine Gold­probe kostet 7 Mark, eine Silberprobe 4£0 Mark..

Es kommen ober wenig Münzen, vielmehr

Schmuckstücke nur Einschmelzung.

Mit dem Porzellan-aeld ist e3 nichts.. Die Meißner Manufaktur, die ein Angebot gemacht bat, ist nur in der Lage, wöchentlich fünftausend Stück zu liefern. Ein Tropfe« auf den heißer Stein. Andere Porzellantztbrikcn mit der Her» stellung zu betrauen, ist wegen der mangelnden KontrollmöglichLeit nicht ratsam. Außerdem sind die Stücke leicht zerbrechlich. SSe habe« allerdings ben Vorzug, schwer gefälscht Werde» zu könne». — Ein Lichtblick eröffnet sich Uns: Gegen Weihnachten werden die Legierungsver. suche für 1- und 2-Markstücke abgeschloffe« sein, und mit her Ausprägung kann dann be­gonnen werden. Das Reichsfinanzminrstermm würde auch die Ausprächmg eines 5°Markstückes gerne sehen, doch sind die Beratungen hierüber noch nicht abgeschlossen. Edelmetall kommt auch bei diesen größeren Münzen nicht zur Verwen­dung. So besteht die Aussicht, daß in absehbarer Zeit die zerrissenen «nd bejchmußten Em- und Zwermarffcheiue, vielleicht auch die Füirf-Marf- scheine aus unserer Geldtasche verschwinde« «nd die Hosentasche oder baS Portemonnaie Wied« zu Ehmen kommen.

Sauere Mission und Steuern.

Schädigung der Wohltätig^.

Mag schveM «ns: Unter den EurrichvMge», die wesenölich zmn allgemeinen Wohl beitragen, stehe« die Werke der Inneren Mission mit -hreu erprobten Bwcufsarbeitern obenan. Lecher wird es ihnen tot neuen Staate immer schwerer ge­macht, mit ihren Aufgaben zurecht zu kämmen, da er durch die Art ferner Steuergesetzgebung auf dem Wsge ist, ihnen die Lebensadern zu mi- ietfwn&en. Sehr unangenehm wirft dir Kapi­tal rentensteuer, welche die Einkürftte vie­ler milder Stiftungen erheblich schmäwrt. Wird auch aus Antrag eüt Teil dieser Summen wie- dererstattet, so fehlen sie doch zur rechten Zett, so daß die Verwaltungen sich durch Banworsthsiffe zu hohen Zinsen Hufe suchen müssen. Roch en. angenehmer werben die hohen Schenkung*- tzeuern empfunden, die manchem Wohltäter das Schenke» geradezu verleiden. Ist eS einem

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