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10. Jahrgang.

Mittwoch, 8. September 1920

Nummer 207

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952.

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Frankreich und Oberschlesien

Lösung

fort bereit, in Verhandlungen zwecks aller strittigen Fragen einzutreten.

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Die litauische Regierung schlägt vor, die Fein b- seligkeuen sofort einzustellen, die Delegierte« mit den nötigen Vollmachten zu ent- senden und eine Demarkationslinie zu bestim­men. Als Berbandlungsort wird M a r i a p o l vorgeschlagen. Nach Feststellung einer Temar- kationslinic wäre die litauische Regierung so-

Dte RalTder $eu«ftot Nachricht«! «schein«! wöchenMch sechsmal und paar abend «. S>« SU>onnementlpt«i5 betragt tnonatl. 5.00 Start bet frei« Z-ftellun, in« Hau«. Bestellungen werden i«b«,<it oen der veschäftsitell« ob« den Boten entgegengenommen. Druck««, »«tag und Redaktion; Schlachthofstraße 38/30, Für unoCTtangt eingesandte Beiträge kann die RedaMon eine »«antwortunz Oder Bewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung de« Bezugrgelde« ob« Ansprüche wegen etwatg«ntcht ordnungsmäßiger Lieferung ausgefchlosten.

Die Lage an der Front küßt den Rück­schluß zu, daß man unmittelbar vor dem Eintritt des tatsächlichen Waffenstillstandes stehe. Abgesehen von kleineren Gefechten bei Lemberg und Brest Litowsk, die aber nirgends über Bor- postenplänkele-en hinausgingeu und bei denen höchstens einige hundert Manu zmn Einsatz ka­men, herrscht fast an der ganzen Front Waf­fenruhe. Der Abschluß des formellen Waf­fenstillstandes wird für den Beginn der nächsten Woche erwartet. Die Königsberger Allgemeine Zeitung meldet: Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, finden in Soldau und Jllowo neue Musterungen der Jahrgänge 1900 und 1902 polnischer und deutscher Jünglinge statt. Der Zugverkehr, der bei Soldau und Jllowo bei dem Ruffeneinmarsch unterbrochen war, wird wieder ausgenommen, ebenso der Postverkchr. Nach einer Meldung aus Warschau ist die neue polnische Gegeuoffensive vorläufig abgeschlossen. Die Lage sei fetzt Mtionär. Die Nordfront verläuft östlich von Grodno, die Südfront östlich von Tarnopol. Bei Brest Li- towsk bringe« die Polen Tanks an die Front.

Gegen den Verkehrsminister.

Berlin, 7. September. (Pr ivaitel egramm ] Zwei weitere E:fenb<Hnevverfammlun#en in Berlin und Spandau haben sich gestern gegen die neuen Verordnungen des Mini­sters Gröner erklärt. In den Berliner Werk­stätten waren die Abstrmmungen gestern abend noch nicht beendet; sie dürsten erst heute abge­schlossen werden, da viele Eisenbahner wieder in Spandau und Hermsdorf Munitionszüge für die Reichswehr eigenmächtig angehal­ten haben. Der rote Vollzugsrat hat ge­stern abend beschlossen, die Eissenbahner aufzu- sordern, im .Kampfe gegen die Diktatur des Ministers Gröner" zu verharren und der ak­tiven Unterstützung des gesamten Proletariats versichert zu sein.

Polen nnv Litauen.

Ablehnung polnischer Forderungen.

Selbstverständlich trifft man in Posen heute nicht nur Diplomaten und sozusagen unfreiwil­lige Flüchtlinge; nein, man begegnet auch einer Menge freiwilliger Flüchtlinge, die der Luftveränderung wegen hierher gekommen sind, Natürlich K keiner aus. Angst geflohen,

Die Lage bei Kotono.

Paris, 7. September. lEigene Drahtmeldung) Tie Flugzeugführer melden eine Zusammen­ziehung litauischer Truppen ta j>et Umgebung von Kowno. Bei dem Angriff auf Suw-ilst bedienten sich die Litauer englischer Tanks. Litauen besitze ebenso wie die anderen baltischen Staaten in reicher Fülle Kriegs- marärfal, daS von England geliefert worden sei und das den Krieg gegen Sew-jet-Rußland vorbereiten sollte.

An der Mstont.

Dor Eintritt der Waffenruhe.

(Privat-Telegramm.)

Königsberg, 7. September.

lVrivat-LkleMamm-l

Kowno, 7- September.

Die MauisdP Regierung hat durch Vermitt­lung der litauische» Gesandtschaft in Berlin eine Rote an Pole« gerichtet, in der sie bedauert, dem Ersuchen der polnische« Regierung, die litauische» Truppe« hinter das in dies er Note be­zeichnete Gebiet zurückzuzichen, nicht ent­spreche» zu können, und zwar zunächst mit Rück­sicht auf die Neutralität gegenüber Rußland uiö» darauf, daß die litauische Re­gierung es für unmöglich erachtet, ein Gebiet, das sie als unumstritten zu Litauen gehörend be- rrachtet, einer fremden Besetzung zu überlaffen.

Posen hat sich rasch in die Rolle gefunden^ v«e in Frankreich einmal Bordeaux gespielt hat. Kaum, daß sich die feindliche Drohung im ihrer ciangen Größe zu erkennen gab, dachte man so­fort au Posen als Zufluchtsort, weniger für die Regierung, die von Anfang an entschlossen «ar, bis zum bitteren Ende auszacharren, als für die Vertualtungsbchörden ntit ihren Archiven und Dokumenten. Aber alles das würde int Sta­dium der Vorbereitung geblieben fein, wenn nicht am Abend des ominösen 13. August ein Ge­neral der Entente, der vom Schlachtfeld mit ver- häirgien Zügeln nach Warschau gejagt war, das diplomatisrl/e Korps alarmleit und zu überhaste­ter Llbreis« gedrängt hatte. Die polnische Re­gierung wurde denn auch ersucht, innerhalb zweier Stunden einen Zug bereit zu stellen. Kein sterbliches Auge Hai freilich die pathetische Feierlichkeit des Abzuges der Diplomaten zu sehen bekommen. Ms Erinnerung an diese Epi­sode bleibt nur eine Karikatur, die man noch beute am äußersten Ende des Bahnhofs in War­schau bewundern kann. Sie stellt einen Herrn von übertriebener kosmopolitischer Erscheinung dar, der eine Thermosflasche in der Hand Mt und tofit allen Zeichen bleichen Entchens in einen Eisenbahnwagen klettert Die Warschauer kennen noch immer nicht begreifen, weshalb die Diplomaten, die doch Automobile und Benzin im Ueberfluß zur Verfügung hatten, in dieser ernsten Stunde die Regierung bestürmten, ihnen mit äußerster Beschleunigung dreihundert Kilo- meter entfernt eine Sommerfrische anzUweisen.

In der Zwischenzeit haben, wie man zugeben muß, die Vertreter der fremden Mächte auch in Posen ihre nützliche Arbeit fortgesetzt, wozu sic iotti'o eher in der Lage waren, als sich die pol- nische Regierung vernünftigerweise beeilte, ihren Cbef des Protokolls nach Pofen zu beordern. Die Diplomatie zeigt ja im übrigen ntit der Philosophie und den anderen spekulativen Dis­ziplinen bt-> Abneigung gegen den Kanonendon- rei der Schlachten. Hier in Posen ftmd sie er­freulicherweise alle wünschenswerten Vorbedin­gungen für die regelmäßige Wederaufnahme ihrer verantwortlichen Tätigkeit vom nerven­stärkenden Fünf-Uhr-Tee bis zur abenbllchen Prkdgepartte die bekanntermaßen als das beste stimurierende Mittel der Güstestätigkeit zu geb- en hat. Posen macht gegenwärtig den Eindruck des Sitzes eines kleinen diplomatischen Frie­denskongresses, der sich hier znsammengestrnden hat, um ahne jede UÜbereilung über die wichtige Frage der territorialen Kompensationen rät Mondgebirge zu verhandeln. Zur Stunde des Rarrämttagsfpazierganyes und auf der Ter- raffe oder der Halle des HotelsBazar" ist die Nnterhaltnng rät regsten Gang: jeden Augenblick klingen einem französische Phrasen-Fragmente wie .Aber mit Vergnügen, mein Herr*, .Exzel­lenz sagten?", »Prachtvoll, ein Dinex M Bellevue ft ganz mein Fall", ins Ohr.

SrkalleNde Freundschaft.

Frankreich und Italien.

Alle Erioartungen, daß Frankrüch von seiner bisher verfolgten Revanche-Politik «blassen unr Vernunftgründen zugängig fein würde, habm sich bisher als leere Hoffnungen erwiesen. Die französische Politik, die unter Giemen1 ceau ihrer Rachsucht und ihrem Haß gegenüber Deutschland frei die Zügel schießen ließ, hat auch unter seinem würdigen Nachfolger Mille- rand nvckM gelernt. Der sadistische Trieb, der von Paris ausgeht und die geradezu viehische Freude, Deutschland bei jeder Gelegenheit neu zu demütigen und zu quälen, hat eher noch eine Steigerung als eine Minderung erfochten. In Parts M man der Ansicht, und das mag sich die deutsche Regierung endlich einmal gesagt sein lassen, daß es nichts gibt, was man von Deutsch­land Nicht verlangen könnte. Die letzten Forde­rungen Frankreichs anläßlich der Breslauer Vorgänge sprechen nur eine allzu deutkiche Sprache dafür, welche Auffassungen an der Seine herrschen. Frankreich ist und blecht der Lust- mörder an dem Frieden Europa?. Diese Erkenntnis ringt sich allmählich auch in den Kreisen der Entente durch, und es fehlte in EiWliand wie in Italien nicht an warnenden Stimmen, die der englischen wie der italienischen Regierung die Folgen vor Augen rücken, die sich aus der weiteren Fortsetzung dieser Hatzpolitik Frankreichs notwendigerweise ergeben müssen. Auch in Deutschland gibt es Dtillionen, die heute in dem Taumel dahräleben, daß die einiger­maßen ruhigen Zustände, wie sie augenblicNich herrscherr, vv« Dauer sei« werden.

Trotzdem dürfen die Gefahren nicht verkannt werden, die sich aus der Politik Frankreichs stän­dig für das gesamte Europa ergeben. England hätte es in der Hand, seinem lieben Freunde an der Seine einmal einen kräftigen Schlag vor den Kopf zu geben, um ibn zur Vernunft zu bringen Aber leider hat Lloyd George, wie das Spaer Abkommen beweist, diese notwend! ac Energie bisher vermissen lassen, und die englische Politik ist, wenn auch innerlich weit von dem Ra- tikaiiSmns der Franzosen entfernt, doch noch immer stark von dem französischen Chauvinismus beeinflußt. Der einzige Staat, der seit Monaten sich mehr un>d mehr von Paris und seiner Politik frei gemacht hat, ist Italien. Die italieni­schen Staatsmänner, Giolitti und Graf Sforza an der Spitze, haben erkannt, daß ein Zusammengehen Italiens und Frankreichs in der Politik gegenüber Deutschland auf die Dauer nicht mehr möglich ist. Die Opposition, die von italienischer Seite gegenüber den französischen Plänen auf der Konferenz in Spa getrieben werden ist, war. wie sich nachträgluh herausge- fiellt hat, stärker, als es in der Oeffentlichkeit be­kannt geworden ist.

Es wäre zuviel gesagt, wenn man behaupten wollte, daß die italienische Politik eine voWom- mene Abschwenkung von der Entente vorgenom- men und sich lediglich nach den Zentral- und Oststaaten hin politisch orientiert hätte. Aber die Wandlung, die sich in der Stellungnahme Italiens speziell gegenüber Frankreich vollzogen hat, ist doch so stark, daß sie auch Paris auf die Tauer nicht verborge« bleiben lan.« Die Fran­zosen, die sich vor dem Kriege rühmen konnten, die Sympathie der ganzen Welt zu besitzen, ha­ben im Laufe des Weltkrieges und nach demsel­ben auch in den Reihen ihrer früheren Bundes­genossen erheblich eingebüßt. In Italien ist man den Spuren Frankreichs bet den Forderungen gegenüber Deutschland nur um deswillen ge­folgt, weil man im anderen Falle lediglich zum Vorteil der Franzosen leer auszugehen fürchtete. Eine Reihe von bekannten und führenden Wis- stirschafts-PoMikern Italiens steht heute auf dem Standpunkt, daß die Forderungen in Gens nicht überspannt weiden sollen, und eine diesbezüa- kiche Denkschrift ist von der italienischen Regie­rung nach Paris gegeben worden. Wenn jed-och Frankreich auch in Genf, was zu vermuten ist, neue ungeheuerliche Forderungen stellt und mit diesen bet England durchdringt so wird naturge­mäß Italien ferne Forderungen ebenfalls höher spannen, nur um den ganzen Raub nickt Frank­reich und England Mein zu überlassen. Am Sinne der rtalierüschen Politik aber liegt dies keinesweM, und das nmß gegenüber der deut­schen Oeffentlichkeit mit allem Nachdruck hevvor- gehoben werden.

Das Verhältnis zwischen Frankreich und Ata- Ken ist keräeswegs mehr so freundschaftlich wie ehedem Es steht fest, daß di- Sympathien Ita­liens _für Deutschland heute mindestens ebenso groß sind, wie für Frankreich. Die italienischen Staatsmänner erweisen sich als wesentlich weit- fehendere PolttWer als die französischen. Ita­lien befindet sich zwar heute noch als Bundes­genosse innerhalb der Eatmte «nd wird auch Es ihrem Ringe in greifbarer Zeit nicht aus- scbeiden; denn der Versailler Friedensvertrag hält künstlich, wenn auch vielleicht nur mehr schwächlich das Baud zusammen, Vas ernst im Kriege Ue gemeinsame Rot um dre Entente ge-

Zer Kampf sm LberMeftm.

Die Pole» geben keine Waffe« ab!

(Eigene Drahtmeldung.)

Kaitowitz, 7. September.

Der englische Kreis - Kontrolleur in Beuthen Major O ttley, der infolge der politifchen E«t. Wicklung seinen Abschied eingereicht, aber noch nicht bewilligt erhalten hat, erklärte entern dxttt- schen Verräter gegenüber, daß eS unmöglich sei, von den Polen Waffen herarrszubekommen. Er hat hinzugefügi, daß seiner Ansicht nach die Abstimmung nicht ftattfinden könne, b e v o r d i e Waffen nicht abgegeben sind. Unter diesen Umständen ist die Besorgnis der deutschen Bevölkermtg bmtcrrtb im Steigen, zumal das Gerücht verbreitet wird, daß man in Paris mit der Absicht vorgeht die Volksabstimmung überhaupt nicht ftattfinden zu las­se«. In Verbindung mit diesem Gerücht steht die Mitteilung eines polnischen Blattes, wonach in Par-s schon die Frage aufgeworfen tourte, ob es nicht richtiger wäre, Oberschlesien den Po­len ohne Abstimmung (!) zu geben. Wenn man and) inbezug auf Frankreich bei uns in Deutschland auf jede Erpressung und Vergewal­tigung gefaßt sein darf, so erscheint es doch an­gebracht, der Mitteilung über neue hinterlistige Pläne der Franzosen vorläufig mit einiger kühler Reserve gegenübcrzustche«.

Mlungen hat. Aber trotz alledem ist innerhalb der italienischen Politik die Neigung unverkenn­bar, mit den früheren Zentralmächrän, vor allem aber mit den OMörtrn, der Dschscho-Slowakei und über diese mit Jugoslawien zu einer enge­ren Verbindung zu gelangen und sich allmählich an die Spitze der »Kleinen Entente" zu fetzen Die Gefühle firr Frankreich sind in Italien nie­mals übermäßig herzlich gewesen. Im KriegS- rrn'.fch erzeugte Stimmungen beweisen keinesfalls das Gegenteil. Frankreich soll ftd> darüber kei­ner Tääschimg hinigeben, daß Italien bei einer weiteren Fortsetzung seiner Rachepolitik sich mehr und mehr von ihm abwendet, und daß die ita- lienifd/en Staatsmänner nicht daran denken, das Schicksal ihres Landes mit dem eines Staates nt verknüpft"«, dem der letzte Rest von politischem Verstand cchhmtden gekommen ist. S.

Das Kabinett «nd Oberschlesisn.

Berlin, 7 September. (Prikattelegramm.) Das ReichSkabinett beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung mit der Frage der Autonomie Oberschlestens. Außenminister Simons har im Ausschuß für Auswärtiges erklärt, daß die Ge- währenq der Autonomie an OberstMesien nichi auf Kosten des Reiches öder Preußens geschehen dürfe. Zu Beschlüssen kam es in der gestrigen Sitzung des Reichskavinetts nicht.

Kasseler Neueste Nachrichten

* Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

gnferttonipretft! a) »tnh-imtsch« ttufttäg«: Die dnfoarttge «nzeigm-Zeil- M. LOO. dir einspaltig« R«ktame,«Ue M. 2.50. b) ÄuSroärttgc »ufttäge: Di« etnfpattlg« Anzeiger:,-«« M. 1JO, bi« «infpaltig« Reklame,-ile M. 2.75, alle« einschUetzkich reverungSzuschlag und Anzeigensteuer. - Für bte Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen An zeige«, sowie für »ufnahmebaten unb Plage tarnt eine »ewähr nicht übernommen werden. Trucker kl: «chlachttzofstr. 28/zo. <8efa,aftSüette: «olnische Str. ä. Telephon Rr.05lu.2Sr.

Jas polnische Bordeaux-

Güße« Nicht«»» in Posen.

Filippo «ac»t, der ttalientftöe Beriehitrfbatie» an der polnischen Fron«, entwlrft in einem Ja. lyrisch gefärbten Vrees ein «rgStzvch«» D ld do« Lede t« tm heutigenPoznan--. <N heiße darin Mau kommt heute, plaudert Saechi, hierher, um ein bißchen frische Luft zu schöpfen. Eräe traditionelle Provinzstadt mit einem GemM aus GennÄt!i«hkeit, die etwas stets, und erneut strammen Mkitarismus. der etwas sthüversöÄrg gewirkt hat. ein Mittelding zwischen einer Vfi- lenstädt und einem von!phast aufgemaelsten Pan­theon ... das war Posen, an dem die Augen des Kaisers Wohlgefallen hatten. Heute heißt die StadtPoznan" umd ist das ins Pvi--, nifdje übersetzte Bordeaux". Aber es kam. aiwh fein, daß es sich im gegebenen Augenblick zu einer VendSe wandelt; denn trotz den feind­lichen Bajonetten glimmt hier der Funke ver­haltener Parteileidenschast. der sich jeden Augen­blick zur offenen Flamme entfachen kann. Unter dem robusten polnischen Patriotismus verbirgt sich erä zäher Unabhängigkeitssnm tot Denken unb Empfinden. Die preußische Lchrzeit ist in Pofen nicht ohne nachhaltigen Einfluß geblieben. Schon wenn man aus dem Zuge steigt und sich im Bahnftof von dem Schutzmann di« Trofchken- nummer geben läßt, kommt einem das zum Be- vMßtscto. Diese preußische Lehrzeit hat ihr Gu­tes und Schlechtes Die schuf eine ernste Dis­ziplin, Ausdauer in der Arbeit und Verantwort» ltchkeitsaefüHl, bahnte gleichzeAitz aber jener echtdeutschen pairtikularistiscken Eifersüchtelei den Weg, die der großen Tradttiou und der kleiuen

Die Äesheüe derSlsenbsh».

Ei» neuer Willküratt.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin. 7 September.

Auf dem Bahnhof Erfurt Haven Eisen- vnhnarbeiter, wie amtlich mitgeteilt wird, cm 3. September einen mit Munition beladenen Wa gen von einem vorschriftsmäßig angemeldeten Ententenachschnbzug abg.-hängt, ob­wohl auch dieser Wagen ordnungsmäßig kennt­lich gemacht worden war. In den Verhandlun­gen mit den Arbeitern erreichte die Etfenvahn- direttion die Zusicherung, daß der Wagen mit dem nächsten Ententezug weiterlausen sollte Trotzdem haben am 4. September Eisenbahn arbeitet verschiedener Dienststellen den Wagen entladen nnd die Mtmüion auf freiem Felde verbrannt. Der Reichsver- k e h r s m i n i st e r hat die Eisenvahndirektion telegraphisch angewiesen, sofort alle bei dem Ab­hängen und Entladen des Wagens und der Ver­nichtung der Munition beteiligten Arbeiter ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist zu entlas­sen und sie außerdem der Staatsanwalt­schaft zur gesetzlichen Verfolgung anzuzeigen und für den der Eisenbahnverwaltung etwa ent- ftehenden Schaden haftbar zu machen. Tas Vor­gehen der Arbeiter bedeutet, wie uns zu dem Erfurter Vorkommnis von privater Seite tele­graphiert wird, ohne Zweifel eine Verlet­zung der Bestimm»ngen des Ver­sailler Vertrages. Dre Polonialzüge ent halten Nachschub für die interalliierte Befat- zrmgstruppe in Oberschlesien und haben das Reckst, Deutschland ungehindert zu passieren. Der Zug war an der Grenze bereits kontrolliert und ansdrücklrch als zugelassener Trans­port der Entente deutlich erkennbar bezeichnet.