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10. ZahrgarrK.

Sonntag, 8. September 1920

Fernsprecher 961 mtb 952.

Nummer 205

Fernsprecher 951 und 952.

gnferttonepttUei », 6tn6et«tfd)t «iftröge- Sie -tnspaMg- Snjeigea-gelU SR. 1.00. bu einspaMg, Reklame,«Ue St 2.S0. b) «utolrttge aufträge: $te thtfpaltigt Rn$eig«i|tUe 3JL 1.20, bi* einfpatttge Rekl-me^Ue SR. 2.75. alle« «illschNeßlich e«uenmg«iufd)lag und L-r-igensteueL. Aür di- Richiigkeit aller burch Fernsprecher ausgegebenen L»,eigen, foxrt« für «nfnahmedate» und Platze kann eine Geneühr nicht übernommen werden. Druckerei: Schlachchofstr. 2«/N. «eschüftLstelle - «Slnisch« Str. 6. Telephon Nr. SSI u. SSS.

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Kasseler Meste Nachrichtm

Kasseler AbendzeiLmrg " Hessische Abendzeitung

Frankreich macht Zugeständnisse.

IMor Simons.

Deutschland «nd seins Gegnsr.

Von den Männern, die zurzeit tee Geschicke tcä Volkes leiten, hat eiti F^der die wuchtende Sorge zu tragen, die wie ein Gespenst durch das Land geht. Der Bedürdetsten Emer ist unzwei- seihaft der Außenminister, an dessen Nervensträn­gen alltäglich m schier unerträglicher Weise ge­zerrt toi®, der keine ruhige Stunde sand, seit er sein schweres Amt erhielt. Don den nieder- drückenden Stunden der Konferenz rn Spa dis heute nicht nur für das ganze Volk, nein in ganz besonderer Weise auch für Dr. Sirnons ein dornenvoller LeidenSweig, eine Fülle von Ent­sagung eine nuibsgreuzte Aufopferung für das Land. Das muß dem Außenminister Freund und Gegner lassen: er hat die Schattenseiten sei­nes D8nister-Taseius in einem Umfange aus- gekostet, wie kaum ein Zweiter vor ihm. Deutsch- land! ist arm an Männern, die den Kampf mit der Finsternis deS Alltags des zerbrochenen Vol­kes mutig, ttrfb (was wichtiger erscheint) mit zäher Ausdauer, ansnehmen, die den ganzen Umfang/ die ganze Schwere der Verantwortung fühlen und ihr Bestes geben, um dem Vaterlande $n Holsen, die da VrunvÄstrr sein wollen bei der Wiederaüsrichchung des in Trümmer gesunkenen Heimathauses. Deutschland ist tu dunkler Zeit auch arm an Männern, in denen sich mit dem gu­ten Willen ein hervorragendes Können eint und die das geistige Vermögen auszuwrrten wissen im Spiel der Künste einer Diplomatie, die just Ar dieser kritischen, unheiWhwevön Zeit kompÄzierter sein mag denn je.

Nur zu nahe liegt gerade jetzt die Erinne- rumu an DeutschlcurdS politischen Meister, der berufen war, in den Septemibertagen vor fünf­zig Jahren Wer Frankreich zn Gericht zu sitzen. Rrw $u vepstündlich ist das heiße Sehnen wer- tester VoCMüchten, daß uns ein Mann wie Btsmarck erstehen möge, um uns aus aller Not, aus aller Drangsal wieder emporzuführen in eine lichtere Zeit. Aber vergeblich ist das Har­ren auf einen Führer von eminenter Be­deutung. Wir haben lernen müssen, «ns vom Ueberschwang zu befreien itnb uns genügen z« lassen an Mannern, die willens sind, der Volks- Gesamtheit zu dienen. Wertet man den Außen- ittinifter von heute von diesem Gesichtspunkt, so dürfen wir uns immerhin dem beruhigenden Bewußtsein hingegen, daß wir in ihm einen Vertreter haben, der mit kühler Ueberlegung und frei von allem Ueberschwang der Empfindungen ajuts jeder neuen Lage, vor die er gestellt ist, alles das herausholt, was im Bereiche des Mög­lichen liegt. Von Sva bis Breslau führte ihn der steinige Pfad moderner deutscher Gefchich-re. Daß er diesen Pfad ging, blutenden Herzens viel­leicht, Wer hocherhobenen Hauptes, mag uns ihn, wenn auch nicht als einen Titanen, so doch al? einen kräftigen Helfer erscheinen lassen, lind daß er auch in diesen wetterschwicken Wochen das Richtige ia fernen Entschließungen getrosstn, das darf, nach der einmütigen Zustimmung zu ur­teilen, die seine Darlegungen in der Sitzung der Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten san­den, als gewiß angenommen werden. Nicht viel war es, was Wer diese Sitzungen in die Oef- sentkichkeit drang. Was dem VvWe gesagt wurde, was im Interesse des Staatswohles gesagt wer­den durfte, war ein neuer Beweis, daß die von Simons verfolgte Politik nach unverrückbarem Programm sich auswirrt.

M ist dte Politik der verschränkte« A r m e, die wir dem Problem des Ostens gegen» Wer betreiben, eine Politik die tot Lande, ge­trieben von den verschieden orientierten po­litischen Schichten, scharf umstritten war und teilweise noch umstritten ist, die aber deshalb von ihrer Richtigkeit nichts einbüßt. Minister Simons hat es in seinen Darlegungen int Aus­schuß selbst erläutert, wie man ihn noch Ost und West festlegen wollte, wie Phantasten chn für einen Kampf an der Seite der Bolschewisten gegen Frankreich, oder umgekehrt an der Seile des Verbandes gegen Rußland zu erwärmen suchten. Man braucht gewiß nicht Diplomat zu fein, um über solche Phantasten, denen die über­hitzte Phantasie mit dem kühlen Verstände durch­geht, kopfschüttelnd zu läckeln. Im Resultat wäre es für Deutschland Keich seb-lieben. mit wem es die Grentetz der Neutralität verlassen und sich ans kriegerische Abenteuer eingelassen hätte: Völliaer Ruin, völlige Verwüstung, vollendetes Chaos wäre der Ausgang gewesen. Russen und Polen, wir wüßten nicht, wer von Beiden nnS am fernsten steht, das haben wir schon einmal an dieser Stelle angedeutet. Für keinen der Kriegführenden und auch nicht für den Verband darf Deutschland die Kastanien aus dem Feuer holen. Rußland, aus dessen wirtschastkiche Be- ziehungea wir ebenso angewiesen sein werden, wie es umgekehrt der Fall fft. muß sich an der Methode der verschränkten Arme genügen lassen und wird es auch tun. Für Frankreich rtnfc da- nit für Polen dagegen bedeutet die deutsche Zu- ückhaltung einen ichwere« Schlag, weil damit <e tatträftiäe Hilfe, die man den Polen zu drin-,

gen gedachte, schwer beeinträchtigt ist. ES er- rcheint nicht schwer, aus diesem Faktum Zusam- menhänge mit dem Verhalten der Franzosen in der Breslauer Frage zu konstruteven. Breslau erscheint den Männern um Millerand unzweisel- gft als eine willLmimene Gelegenheit, einen ein des Anstoßes zu finden und sich für zer­trümmerte Ost-Plüne zu revanchieren. Nach Lage der S-che wird man daher güt tim, auf keine in größerem Umfang dem nationalen Inter­esse Deutschlands gerecht werdende Lösung des neuem Zwistes zu rechnen. Sei's drum! Das Eine wer müssen wir festhalten: Die Poli­tik der verschränkten Arme. Denn nur sie kann das deutsche ReichSschiff aus dem Mrr- sal der Klippen, die es jetzt nmgoben, hinaus- geteiten <m$das freie Meer. ***

@161 Frankreich nach?

Die Eühnefvrdevung an Deutschland.

(Mgene Drahtmekduns.)

Berlin, 4. September.

Die deutsche Antwort nach Paris er Rärt die Unmöglichkeit Deittschlands, in- nerhald acht Tagen dir Forderungen nach Er­mittlung und Bestrafung der Schuldigen an den Breslauer Vorgängen zu erfüllen und die Nn- möglichkeit, innerhalb dieser Frist die verlangte Sühne zu geben. Deutschland hat mm um au- gemessene Berlängernng der Frist und um Zn- geständnis von Verhandlungen ersucht. Ueber diesen Inhalte der deutschen Rote gab Acichsminister Dr. Simous gestern einer An­zahl parlamentarischer Führer ausführliche Mit­teilung, in deren Verlaus der Reichsmimyer weiter betonte, daß von irgend welchen mili­tärischen Repressalien Frankreichs bei Nicht­einhaltung der achttägigen Frist in den Ge­sprächen mit dem französischen Botschafter bis­her keine Rede gewesen sei. Wie der Lokal- anzeiger erfährt, dürste in den strittigen Punk­ten der französischen Rote zwischen der deut­schen «nd der französischen Regierung eine Einigungsbasis gesunden werden.

Der EnLfch«!digu«gSgang.

Berlin, 4. September. (Privattelegvaimm.) Die Franzosen haben sich, wie verlautet, inso­fern zum Rachgedeu bereit erklärt, baß sie nicht mehr <mf dem Entschuldiigungs- besuch des Reichskanzlers Fehpen- bach beim französischen Botschafter Laurent bestehen. Sie sind zufrieden, wenn an seiner Stelle der Reichsaußenminister Simons und ter preußische Minister des Innern Seve- ring erscheinen. Auch dürften sie nicht mehr darauf bestehen, daß Hauptmann von Arutm disziplinarisch bestraft wird. Seine Versetzung m eine PoäviNM»imLs»n dürfte ihnen genügen.

Sie Jus-Kontrolle.

DerkehrSmiuistev «nd Eisenbahner.

(Privat-Telearamm.V

Berlin, 4. September.

Ueber die verschärfte Kontrolle der En - tentezüge durch Deutschland, zur Berhftrde- rmrg der Transporte für Polen, haben die Ge­werkschaften bei der Reichsregierung neue Vor­stellungen erhoben. Aus eine Annahme der neuen Kontrollvorschläge der Gewerkschaften durch die Reichsregierung ist nicht zn rechnen. Es find je­doch vielleicht weitere eigenmächtige Schritte des radikalen Flügels der Gewerkschaften anzuneh­men, wie in der Sitzung des roten Vollzugsrates am Mittwoch angekündigt worden ist. Am ge­strigen Nachmittag test die Reichs kontra! l- ko m Mission der Eisenbahner-Betriebsräte zu einer Sitzung zusammen, um zu der Ableh­nung des ReichSverkehrSministerimns, mit der Kommission erneut zu beraten, Stellung zu neh­men. Dorl-er hatte im Atrstrage der Kommission der Unabhängige Kurt Rosenfeld nochmals versucht, mit dem Reichsverkehrsminister Ver­handlungen anzubahnea, der jedoch nicht zu er­reichen war. Daraufhin wandte sich Rosenfeld an den Reichskanzler, der mitteilen liess, daß die Regierung sich mit der Frage der Bcr- kchrskonteolle erneut beschäftigen wett«.

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Sm Falle eines Kampfer»

Berlin, 4 September. (Eigene DraHttnel- düng.) Die gestrige Konferenz der Eisenbahner- Betriebsräte beschloß, einen Aufruf an die Eisenbahner zu erlassen, in welchem diesen

nrttgeteöt wird, daß für den Fall eines Kampfes die ongstteifterten Arbeiter hinter ihnen stehen würden. Einen entsprechenden Aufruf veröffent­licht heute die soziMMHe Presse.

Zer Stuttgarter Streit.

Aufnahme de» Arbeit am Montag.

(Ppivat-Tetegrammfl

Stuttgart, 4. September.

Bei den gestrigen Verhandlungen wurde aus olgender Grundlage eine Einigung erzieü: Uuterschristliche Anerkennung des Steuerabzuges und der das Verhältnis ztvischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern regelnden gesetzlichen Be- iimmuugen und Vorschriften. Alle Streikenden verden wieder eingestellt mit Ausnahme derjeni­gen, die fich schwere Verschlungen gegen die Betriebsordnung oder Vie Strafgesetze haben zuschulden komnten lassen. Eine Lohn- und Gehaltszahlung findet für die Sperr- und Streiktage nicht statt. Die allgemeine Wie- deraufna^ne der Arbeit erfolgt am Montag rüh. Die Daimler-Motoren-Gesell­schaft hat fich an den Verhandlungen nicht be­teiligt. Es werden mit ihr neue Berhandlunsen gefsthrt unter Mitwirkung der Regierung.

SLrskkstimmung l« Augsburg.

Augsburg, 4. September. lEvgene Drahtinel- dunA) Durch die freigewerkschaftlich ovganisier- ien Arbeiter, Angestellten und Betnebsrare wurde wegen der blutigen Krawalle am Mittwoch für heute der Generalstreik ver­kündet. Dte Werke der Augsburger In -qtrie bleiben jedoch nach einer Erklärung der Unter« neunter r . mit der Begründung, daß der wett- aus aröß" Teil der Augsburger Arbeiterschaft mit dem Vorgehen der radikale,! Älrbeiterschrm durchaus nicht einverstanden seu Auch die bürgerlichen Zeitungen erfchetnen.

Mtzlauds Mißersslge.

Weiter« RikStug d-r Bolschewisten.

(®ome Drahtmeldung.)

Warschau, 4. September.

Die lleberrefte der geschlagenen Rei­terarmee Budjennys ziehen sich flucht­artig in nordöstlicher Richtung zurück. Ein russischer Angnff gegen Busk wurde abgewie- fen. Mn» ist allgemein der Auficht, daß der Frieden bald geschlossen werden wird, zumal die Russen sich nachgiebig zeigen. Polen verlangt die Linie des alten Königreichs Polen imb He Zbrurzlinie, sowie Auftechterhaltung der polmschen Souveränität über Bialhstvk. Pole» erkennt das Selbstbestimmungsrecht der kleinen Völker zwisckpn Polen und Russland an. Polen ist zur Kriegsentschädigung bereit, falls mich Rußland den dusch die Offenfive und den Krieg in Polen verursachten Schaden Mtmacht. Polen ist zur Entwassnnng bereit, falls sie in ganz Europa durchgesührt wird. Polen verlangt die Rückerstattung aller durch die za­ristische Regierung aus Polen verschleppten Gü­ter, Kunstwerke und Gemälde. Die polnische M- ordnung reift am Morttag nach Riga ob, wo der WaffenMstaud in einer Woche, der Ab­schluss des Friedens in vier Wochen erhofft wird. In Pariser politischen »reifen ist man sehr befriedigt über die Verlegung der ruf. sisch-polnischen VerhanHungen nach Riga, da man hofft, die VerhanLlrmgen. ohne fich dirett einzumischen, dort durch den franzofischen und englischen Gesandten besser verfolgen und viel­leicht den Polen beiftehen $n können. Je­denfalls hält man Riga als TaMNgsott für viel günstiger als Reval oder Dorpat, da man in Frankreich glaubt, dass Estland zu sehr un­ter bolschewistischem Einfluss siehe.

Die znsammengeörochene Offenfive.

Genf, 4. SeptemLer. (eigene Drahtmeldung.) Aus Warschau wird gemeldet: Der Zusammen- bmch der neuen russcfchen Offensive zeigt sich in allen Slnordmmgen des poknischen GeneraGabs. Brest-Litowsk fft außer Gefahr. Tie Russen ftrtb auf Ehown Mrückgöwvvfen.

Die Schlacht bei Lomeza.

Basel, 4. September. (Eigene TDahttneldm^g ) Di-e Baseler Rachvrchten melden von der polni­schen Nvrdfvont: Die Russen weichen von Lomcza auf Ostrcchitz. Die viertägige Schlacht bei Lomcza hat mit. dem Kück- me bej SttiiesL^Hbei. 1

Zeitsragen.

Reichstag nnb RegierunA. Die preussische Finanzlage.

.Deutschland wird seine unbedingte NeUkkÄ^ tat im rufsisch-poknischen Konfiift so wie bisher .auch weiter innehalten; weder mit Rußland noch mit Polen eristiert irgend welcher geheime Ver­trags Diese Taffachenfeststellung, die ja gewrz für eine größere OeffentlÄfleit nichts überra­schendes brache, erfolgte bei der numnchrigen. Aussprache im Auswärtigen tztzisschuß des Reichstages durch den Reichsaußenmimster Dr. Simons. Es war dennoch gut, daß bei den vielfältigen Mnnkeleien in der Älnslandspresse, auf welche wieder einmal ein gewisser Teil der deutschen Presse hereingesallen war, eine derar­tige amtliche Feststellung und noch dazu vor je­nem Forum gemacht wurde, welches nach unse- rer Verfassung die Verantwortung für die Fah- rung der Reichsgeschäste in erster Linie dem Vol. ke gegenüber trägt. Auch der übrige Verlauf der Beratungen im Auswärtigen Ausschuß, hat an nennenswertem ne:rem Material nichts Wer daz heraus ergeben, was durch die Tagespresse dem Volke gegenüber schon eingehend vorgettagen u. bssprochen worden war. Es hat deshalb auch Einmütigkeit darWer bestanden, daß Mrs erste kein Anlaß zu einer vor-Ätigen Einberufung des Reichstages gegeben ist.

WaS tot besonderen die Stellungnahme des Reichsiagsausschnsses zu den schwebenden Ost- fragen, insbesondere zur oberschleftschm Frage angeht, so konnte man fich allerdings au-L. dem der OeffentliäMt übergebenen Berichte kein M. res Bild matiien. Das liegt daran, weil von den einzeln«! Rednern ihre KiesbezÄKichen auf die oberschlesischen Vorgänge sich richtenden Ange­legenheiten für vertraulich erklärt worden sind. Wir können allgemein nur sagen, daß im we­sentlichen kaum ein triftiger Grund für diese Vertraulichkeit vor lag, und daß woht kaum et­was gespnochen worden ist, was nicht arrch in der Oeffentlichkeit wiederholt werden könnte. Indes­sen galt es fürs erste noch gewisse Rücksichten W nehmen, im Hinblick daraus, daß das letzte Wort »t den französischen Süchnefordemngen noch nicht gesprochen ist. Die Verhandlungen '.wischen bet deutschen Regierung und der fran­zösischen Botschaft gechen noch Wettet und na­mentlich wird von Kutscher Seitt nnterstützt durch die einmütvge Haltung des Mlswattigen Ausschusses des Reichstages, Gewicht daraus ge­legt, paß eine in diesen frcmzösichen Forderung ntot verlangte Zitierung des deutschen Reichskanzlers zum Sühnebesuch vor dem ftanzösischen Botschafter abgelehnt wer, den muß. Auch bedeuiet das eine unertraMche Zumutung, vom Reichskanzler eine Blanko-Zu- saae dahingehend «t erhalten, daß derartige Zu- saumterlstöße sich m aller Zukunft nicht wieder

kanzlet unmöglich heMilassen Sie Würd« ja ohnedies auch einer Blankovollmacht ptr die Gegenseite flr ihre H-sranssorderungen gleichkommen. Der Ansschuist-Anwa« ist darum besonders M begrüßen, weÄ er die Relchsregle- runq aussordsrh jenes TaffachenmErial der Oesfentkichreit vorMegen, durch welches darge- tan wtod, wie durch die polnischen Uevergnffe die overschlesische Bevölkerung in eure begrMflch, Eirregung gebracht werden mußte. Bon poeti­schem Gewicht ist bei Betrachtung dieser Dmge die Taffacke. daß die deuffche Regierung in Mer Stellungnahlne ?u den Vorgängen sich saft in ar­ten Einzelheiten auff sämtliche Parteien des Reichstages M stützen vermochte.

Dte trostlose Finanzlage deS RrickteS hinterläßt natorgemäß in den einzelnen Län­dern, wie auch in den Gemeinden die tiefsten Unsren. So ist für die Finanzlage Preu­ßens der Bericht des Zentrirm-Redners tot HauptwuSschuß der preußischen Landesversamm- luna geradezu alarmierend, in dem folgen­de schwerwiegende Feststellungen gemacht wor­den sind: Preußen hatte vor dem Kriege eine Schuldenlast von zehneinhalb MMarden, die aber durch den mit '<wölse>nhalb Milliarden be­zifferten Wert der Eisenbahnen reichlich gedeckt war. Dazu kämm die «ngeheirren Werte aus den Bergwerken, Domänen und Forsten nebst der starken Steuerkraft deS ganzen Landes He beträgt der Schuldenfland Preußens nicht weniger als fünfundzwanzig Milliarden Mark. Der Frtedenswert dei> Eisenbahnen ist damit schon um das Doppette überzeichnet. Z« biefen ftrnfundManzia Milliar­den kommen aber noch die Fehlbeträge im Staatshaushafte für 1920, sowie die auf drei bis vier Millbarden fich dezifferndsn Kosten der Besoikditogsrefonn. Das ergi-bt'mit den obigen lstof!md»wan-ig Milliarden toStzesamt etwa snpumr ud?<wc:^;zig MssRlharÄen