Donnerstag, 2. September 1920.
Kasseler Neueste Nachrichten
10. Jahrgang. — Nr. 202.
um eine Klärung der gegen die Studentenschast crhcbenen Vorwürfe bei Gelegenheit des Tu- muIteS gegen das polnische uttib das französische Konsulat in Breslau herbÄzusühren. Der Ober- prästdent gab im Laufe der Unterhaltung auf di« Vorstellungen der Vertreter der Studenten zu, daß er persönlich die Ueberzeugung habe, daß die Studentenschaft nicht für die Vorgänge verantwortlich gemacht werden könne, daß vielmehr eine größere Anzahl polnischer Agitatoren, darunter eine größere Anzahl Polnischer Studenten, an der Herbelsührutta der Ausschreitungen schuld gewesen seien.
Neue MleLheWne.
Zunahme der Rejchsschulden.
Statt einer Abnahme der schwebenden Reichs, schulden, die seit langem die Höhe der fundierten Schuld überschritten haben, ist, so wird uns aus Berlin geschrieben, im ©egenteri eine Zunahme ei-ngetreten, und alle Wahrscheinlichkeit spricht, zum mindesten solange die Erträge aus den großen Vermögenssteuern noch nicht' eingc- gangen sind, für ein weiteres Anwachsen der auf Kredit und Wirtschaft schwer drückenichen schwebenden Schuld. Gegenüber der immer größer werdenden Finanzuot muß endlich, und zwar bald, etwas Durchgreifendes geschehen. Das unbefriedigende Ergebnis der ersten Sparvrämienanleihe schließt eine Wiederholung dieser Anleiheart zurzeit aus. Von der Anfle- arrma einer Anleihe zu freihändiger Zeichnung würde im Hinblick auf die nunmehr zur Durchführung kommende große Vermögensabgabe schwerlich der notwendige Erfolg zu erwarten sein. Es bliebe somit nur der Weg einer Zwangsanleihe. d>e schon früher unter dem Gesichtspunkte,- die Unterschiede in der Beteiligung an den Kriegsanleihe^eichitUngen aus- zugLeichcn, als zweckmäßig empfohlen wurde. Mag das letzte Wort in dieser ff rage noch nicht gefpoochen sein, so viel ist jedenfalls sicher, deß sehr bald die ReichsfinaniAverwaltung zu entscheidenden Maßnahmen greifen muß, imt endlich die erste Grundlage für eine Wieder- gcfnndung der Reichsfinanzen zu schaffen.
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In diesen Tagen kommen die Besprechungen über die allgemeinen Bewertungsvor- schristen für die Steuerveranlagung des Reichsnotopfers zum Abschluß. Nach Feststellung der endgültigen Fassung wird die Bekanntgabe noch in der laufendem Woche erfolgen. Die Frist für die Einreichung der Steuererklärungen zum Reichsnotopfer endet mit dem 30. September und wird eine weitere Verlängerung nicht erfahren.
In den Händen der PZlen.
Polnische Rache in Soldau.
®ud »em Soltauer Gebiet, das die Pole» «ach derRuffe« wieder besetzten.kornmen erfchiitternde Nachrichten über die Racheakte der Surüägetebrte« «« der deutschen Bevölkern»«, die ihre Genugtnng übet den <£in$u« der oknsseu und die damit verbundene Befreiung von polnischen BedriiSern zum «u»dru<k brachten. Der Eigentümer F a l a t i k wurde beim Einzug der Polen in Soldau erstochen. Der frühere Gemeindevorsteher und Besitzer Sowa aus Hohendorf wurde aufgehängt. Die Schwester eines früheren deutschen Beamten ist berg «w a l t i g t worden. Der fünfundsiebzig- fähriige Amtsvorsteber in Groß-Koschlau und zehn Besitzer desselben Ortes wurden schwer mißhandelt uno dann sortgeschleppr. Zwölf bis sechzehn Personen aus Grollen führten die Polen gefesselt ab. Weiter gibt ein Zeuge an, daß er etwa dreißig junge Leute von der Stadt- schule nach dem Gerichtsgefängnis habe führen sehen. Ein Gastwirt aus Heinrichsdorf wurde schwer mißhandelt uno blutüberströmt fortgeschleppt. Der Adjutant der polnischen Grenzpolizei in Begleitung eines polnischen Gutsbesitzers hat auf zwei Wagen sitzend: Frauen, die ihre kleinen Kinder im Anne hielten, vom Pferde herunter mit dem Revolver geschossen. Die Frauen, in furchtbarer Brre« gung, riefen in der Verzweiflung den Polen zu:
„Wenn Sie uns nicht retten können, bann reiten Sie uns doch nieder!" Ein deutscher Beamter sah diesen empörenden Vorfall von der Grenze mit an und konnte nicht helfen. Die Polen zerschnitten dem zurückkehrenden Flüchtlingen die aus bett Wagen mirge führten Betten und Decken und suchten nach deutschen Geld« und nahmen es ihnen ab. In Jllowa ist der frühere Malermeister Falkowitz. ein alter schwerhöriger Herr beim Ueberschreiten des Eisenbahngleises von den Polen erschossen worden.
Bei ein nn von den Russen gefangenen polnischen UMerossizier wurde ein Tagesbefehl gefunden in dem es heißt: Beim Einzug der Polen in Soldau ist die Stadt zu plündern. Es ist darauf zu achten, daß den volni- schen Einwohnern nichts getan wird. Weitere Maßnahmen gegm die Bevölkerung, den großen polnischen Freiheitskamvf schmählich verraten bat, werden nach dem Einzug dar Polen bekannt gegeben. Unterschrift: Kommandeur des 7.3. Regiments. Nach Aussagen dieses gefangenen Unteroffiziers ist der volnü.chen Truppe mit- gcteilt worden, daß die Stadt Soldau ange. zündet werden sollte. Der Kommandant des Regiments hat aber anaeordn.n, daß das An- zünden vorläufig zu unterbleiben hat.
Die Erregung der in Neidenburo befindlichen Moldauer, so schließt -der Bericht, ist ungeheuer. Völlig mittellos wagt es. noch keiner, zurückzukehren. Die wenigen noch im Soldauer Gebiet zurückgebliebenen Deutschen versuchen über die Grenre zu flüchten. Die .Hoffnungen aller dieser Unglücklichen ist die H i Ife des deutschen Mutt er lande s. Man erwartet das E'n- oreisen der deutschen Regierung und Revressa- lien gegen alle f» Deutschland wohnenden Polen.
Mgtsftreiche in Rallen?
Am Vorabend großer Ereignisse. iEigene Drafitmelduna.)
London. 1. Septentber.
In Italien wird kaut Nachrichten aus Rom ein Staatsstreich der radikalen Sozialisten, die die Republik ausrufen wollen, erwartet. Tie Ursache soll in der Haltung der Regierung zu suchen sein, die ihre bisherige Politik gegenüber Rußland aus Drängen Englands ändern mußte. In Paris macht man sich über die Lag« in Italien große Sorgen. Nach hiesigen Informationen hat der königliche Hanshosmarschall des Buckingham-Pakaftes bereits feit einiger S«i- Befehl erhalten, di« Räume, die für den Emp- sang fremder Regenten reserviert sind, bereit zu hallen. In der Nacht, bevor dies« Order gegeben wurde, war ein Kurier des italienischen Hofes mit einer persönlichen Botschaft für König Georg any-kammen. Dr kein offizieller Besuch des Königs Victor Emanuel angezeigt fft, hat man daraus kn verschiedenen Kreisen den Schluß gezogen, daß der italienisch« Monarch plötzlich als Flüchtling erscheinen, oder aus einem anderen dringenden Grunde eititreff en wird. (?) Alle Nachrichten aus Rom unterliegen hier feit einiger Zeit einer strengen Zensur.
Zer Ztmerftrelk in WürtteMherg.
Unveränderte Lage in Stuttgart.
(Privat-Telegramm)
Stuttgart, 1. September
Tie Streiklage ist unverändert. Da die gz- famten Stuttgarter Zeitungen, einschließlich der mehrheitssozialistischen und der unabhängigen, feit Sonnabend früh nicht mehr erscheinen kö.a- ncn, haben die acht nichtsozialistischen Zeitungen znm erstenmal ein gemeinsames Nach- richienblatt heraikSgegeben, das auch zur Verbreitung der amtlichen Drucksachen verwendet werden soll. Die Streikleitung, die in den Händen unabhängiger und kommunistischer Führer lieyt, gäbt ihrerseits 'in eigenes Mitteilungsblatt heraus, in dem die Regierung anfs schärfste angogriffeu wird. Die gestern vormittag unter dem Vorsitz der würt- icn.ber gischen Regierung abgeihaltene Befpre- chrm-g von Vertretern der Arbeitgeber und Mit
gliedern der Stteiküritung über die Voraussetzungen und Bedingungen zur Beilegung des Streiks haben zu einem Ergebnis nicht geführt. Die Verhandlungen werden heute fortgesetzt. Eine gestern abgehaltene Vollversammmlung der Betriebsräte hat beschlossen. den Streik in verschärfter Werse sortzuführen.
AmerilMschLS Weizenmehl.
Ein Kampf um die Einfuhr.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 1. September.
Zwischen dar deutschen Bäckereigenof senschaft und dem Enährungsmini ft er wird jetzt ein Kampf um di« laufende Einfuhr amerikanifchen Weizenmehles geführt. Am heutigen Mittwoch ftu- tet die letzte Entscheidimg in dieser Sache statt. Es handelt sich um die Lieferung von achthundert Waggons feinsten amerikanifchen Weizenmehls, fiir das der Newporter Staat sperband der nordamerikanischen Bäckermeister den deutschen Bäckermeistern zwei Monate Kredit geiväb ten will. Vom deutschen Ernährungsministtr wurde mitgeteilt, daß nicht beabsichtigt sei, di« Einfuhr von Auslandsmehl freizngeben.
EsRera! Hoffmanrr spricht.
Eine Beurteilung dir jetzigen Lage.
(Eigene Drahtmekdung.)
Berlin, 1. September.
In einer Versammlung der Mehrheits- sozialisten in der Patzenhofer Brauerei in Moabit ergriff gefterfr General Hoffmann das Wort und stellte "sich als der von den Frie- densverhandlunMn von V^est-Litowsk her bekannte General vor. Er betonte, daß man aus der gegentoärtigen Lage nur mit .Hilfe der deut- fchen Arbeiter hwausrommcn könne. Das Vaterland müsfe höher stehen als di: Partei. Deutschland brauche die russischen Lebensmittel, aber es werde nicht möglich sein, mit der jetzigen russischen Regierung zu einer Verständigung zu gelangen. Der General ermahnte die Versammlung, die Regierung zu unterstützen und dazu beizuimgen. daß das deutsche Volk sich wieder hocharbeite. General Hofsmann wurde starker Beifall gezollt.
MUSS aus KM.
Es regnet Welter.
Sämtliche Wetterwatt m, die sich mit dem prophetischen Blick in die Wetteiw oAen beschäftigen, haben Mr heute, für den Tag des Ssp- temberbeginns, eine Wenoung zum B-essereu aw- gekündigt. Im Vertrau-n auf die Wissenschaft, die noch „nie" im Stich gelassen hat, überkam uns keinerlei Mitleid mit den schönen Kohlen, die zur Vermeidung von Grippe bei den Großen und Erkältung bei den Kleinen dem Feuer int Ofen übergeben wurden. Zudem war vorgestern eine Helle Nacht mit breitlachen'dem Vollmöud- fchein. Hohes Vertrauen auf die Wutrerwirt- schast, die Meteorologie, hatte aud> jener junge Manu, der gestern mit einer niedlichen Hausbewohnerin auf bem Fensterbrett des Treppenabsatzes meines Hauses saß und zartbesaitet trö- stete: „Siehst Du, morgen wird wieder schönes Wetter, da gehen wir wieder spaz inen, durch die Aue. auf Siebenbsroen und gondeln..."
Mein alter Fremvd, der mehr zur veralt'ten Schäferweisheit neigt, denn zur modernen Wissenschaft, hat gelächelt, als ich Weilburg und Mölln und Hamburg und tote die Wetterwarten alle heißm, zwar zögernd, doch pflichtgemäß betreib tote. Er verwies, als wir vom Stammfisch anfstanben, auf den petbfchwarzen Himmel und auf das nasse Pflaster und sagte nur: In meinen Podagrabeinen kribbelt's! Da badfite ich mir: Arme Kleine, du wirst mit beinern Keinen Liebling nicht auf dem Aueteich wnhergoNdeln, höclx stenS in etwa vorhandenen Gummischuhen über die Straße fluchten, wenn's Zeit zur Schul« ist!
Der Alte bat wie immer — wenn's zutraf!
— Recht behalten. Heute früh waren die ältesten Regenschirme wieder in Aktion und alles, was nach Mantel aussicht, ivar „auf der Scheibe." Inzwischen hat auch der Wetterdienst „umgruppiert". Während er noch für morgen den Anbeginn einer ttockeneren Zeit ansagte, wagt er das schon für übermorgen nicht mehr. Er spricht von Fortdauer der jetzigen Witterung. Sagen wir auf gut deutsch: Das Wettw hodd sich dicke usfgeLärd... es regnet weiter! H.
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Was die Wetterwarte sagt:
Wissenschaftlich wird für die nächsten Tage angekündigt: Im Bereiche eines von Osten nach Südwesten ziehenden Landtiefs ist Fortdauer der kühlen, meist trüben. windigen Wttteruna mit zeitweisen Niederschlägen zu erwartm. Das heißt in kurze Formel gedrängt: Kühl, vottoie- aerü» trüb«, böige, lebhafte östliche Winde, wenig iWrmevetänderung, Regenfälle.
Kundgebung der Gemeindebeamteu.
Die gestern bereits erwähnte Kundgebung des Vereins der Gemeindeb-amten für den Stadt- und Landkreis Kassel fand tm stark besuchten großen Saal der Stadt Stockholm statt. Bürodirettor Reinecke eiflärte, daß tue Gc- mekndebeamten sich das nicht mehr nehmen lassen wollten, was man ihnen nach jahrzehnte- sangem Kampf stückweife zugedacht habe. Städ- ttschcr Büroinsveftor Fladung macht« dann längere Ausführungen über die Ursachen, bte zu der jetzigen Kampiansoge des Verbandes der Kommunalbeamt en Preußens an die Regierung geführt haben und verwies auf die bereits mit- aeteilie Kundgebung in Berlin. In Kassel und Kurheffen fei btt Beamtenschaft von den Aus- führungsbestimmungen besonders eng berührt. Hier seien Bestrebungen im Gange, das vorwärts treibend« Rad »er gewerkschaftlichen Entwicklung wieder rückwärts zu dreien. Es gehe nicht mehr, daß ein Beamter mit dem Zylinder in der Hand einen Bettelgang machen müsse. Debaitelos wurde einer Entschließung zuge- stinmrt. die sich voll und ganz auf den Boden der Berliner Entschließungen stellt. Tie Versammelten erwarten von Regierung, ®täbtetaä und von den Gemrrndeverwalttrngen, daß die Beio!- dungsreform der KouiMunalbeamten und Angestellten in KiurHeffen nunmehr mit Beschleunigung durchgeMhrt wird, unter dem Gesichtspunkt der Gleichstellung mit den unmitte'barrn Staatsbeamten. Besonders erwarten sie auch von Regierung und Städtetag, daß sie die Forderung nach Ueberfüfirung der Dauerangestellten in das Beamten Verhältnis nachdrücklich umer- stützen. Der Kurhessische Dtädtetag. der' heute in Debra zu einer Vorstandssitzung Zusammentritt, dürfte sich bereits mit dieser Entschließung beschäftigen
Das Kasseler Brot.
Zu den Ausführungen des Bäcker-Obermeisters Bornemann wird uns vom Magistrat das Nachstehende geschrieben.- Allgemein hatte man erwartet, daß nach der neuen Ernte eine geringere Ausmahlung des Brotgetreides stattfinden und hierdurch die Qua- lität des Brotes sich wesentlich bessern würd.'. Diese Hoffnung ist leider zu schände geworben, weil bie Reichsgetreide stelle bis jetzt trotz der hohen Druschprätnien nicht genügend ®et reibe mioÄiefrrt bekommt. Nach wie vor muß deshalb die hohe Ausmahlung erfolgen. Außerdem aber ist das Reich durch bte ungenügenden Ablieferungen feiten-S der Landwirte genötigt, sehr teures Aus- l«nibsgetreid; zu vermahlen, das zwar backfähiges aber wesentlich dunkleres Mehl ergibt als das deutsch« Getreide. Obendrein liefert die Reicksaetteidestelle auch noch andere M e b l e zur Stteckung d.'s Brotes, wodurch d'« Qualität de? Brotes auch nicht verbessert wird. Seit Monaion kämpft die Stabverwaltung gegen diese Art der Belieferung an, ohne indessen MbiHe erreichen zu können. Ti« städtische Bevölkerung wird durch d-e Belieferung mit Aus- lanidsgetreide, die hohe Ausmahlung des Ge.rei- des und die Streckung des Brotes mit Mais-, Güsten- und Hülsenfruchtmehlen stark benackttt- ligt. Wenn die Landbevölkerung Helles
Zer KätterSlssall.
Die abnorme Kühle dieser Tage.
Hebet bie meteoeelogifibenSttfammetibäitoe.bie ju bem lallen Weiter bet letzten Zeit führten, wird von einem gBettertunbigen geschrieben; Der Sommer, der nach der meteorologischen Wbglrenzung mit dem 31. August tu Ende geht, brachte für große Gebietsteile Deutschlands einen verregneten Juli, einen nicht viel besseren, feit etwa Monatsmitte meist erheblich kühleren August und zum Schliß noch einen Kälterst^ fall, der als abnorm bezeichnet werden fmiru Die Wetterlage, die wahrcnb fast des ganzen Sommers dadurch gekennzeichnet war, daß flache Ausläufer und Teilminimg einer im hohen Norden liegenden Depression über das Nordsesgebiet hinwegzogen, und hier dauernd veränderliches Wetter brachten, während das Binnenland und Qstdsutfchland einen viel beständigeren und wärmeren Sommer hatten; diese Wetterlage änderte sich um den 20. August herum vollkommen. Seitdem liegt im Westen ein bedeutendes Hochdruckgebiet, das zeitweise mit einem Hochdrnck- rücken nordostwärts bis nach Finnland reicht, aber anscheinend nur ganz langsam nach dem Kontinent vordringt. Dieser ist vielmehr her Twnmelvlatz jener zwar seltenen, aber wenig gern gesehenen Depressionen, bte aus Sübost-Europg in nordwestlicher Richtung Vorstößen und vielfach jene Regen nenaef. innbringe«, bie im Elbe-, Oder- und Weichselgebiet die schwersten Hochwasser Hervorrufen. So fiel Zum Beispiel in den letzten Tagen in Breslau rund 75 Millimeter Regen und in der Gebirgslage wird der Niederschlag noch wesentlich größer gewesen sein.
Bis nach uns pflegt diese Regenzone im allgemeinen nicht vorzudringen, dagegen kommen auch wir unter die Wirkung der mit dieser Lust- druckverteilung verbundenen Luftströmungen ans Norden, die bei tagelanget Dauer zu ganz erheblicher Abkühsimg führen, denn je langer sie anhalten, desto nördlicher ist auch der Hermnsts ort dieser Luft, so daß dir Lufttemperatur nach einem unter Sonnenschein verlaufenen warmen R.-.chmittaa in der letzten Zeit an vielen Orten
bis auf sechs Grad herab ging, und auch jetzt noch macht sich die Kühle bei dem irüben, tegnerischen Wetter besonders empfindlich bemerkbar. Immerhin läßt die bisherige Entwicklung der Wetterlage bie Hoffnung auf langsarnnt lieber« gang auf einen beständigeren und etwas wärmeren September zu. Auf der Schneekoppe im Rie- fengebirge ist bei — 1 Grad Schnee gefallen.
Kleine Rnndschan. Städttsche Milchveesorgung.
Die Versorgung Mt 'einwandfreier Milch ist in bett Großstädten eine Haupt Bedingung für ine Ernährung der Kinder und Kranken und daher jetzt Pion besonderer Wichtigkeit. Mit Hilf« der milchwirischaftlichen Maschinentechnik sind mm in verschiedenen Großstädten wie Magdeburg, Nürnberg, MannheMi, Königsberg Braunschweig Musteranstalten errichtet worden, die vielfach auch den Großstädten im Lluslond zum Vorbild gedient haben. Di« Milch wird zunächst im Mildhof gesammelt und im eigenen Laboratorium eiaehend auf ihre Befchaffenh.-ir untersucht. Ans Grund des Befundes wird die Milch entweder als Vorzugsmilch ohne weitere Behandlung sofort in den Handel gebracht, oder als gewöhnlich: KoNsummilch einer entsprechenden Behandlung unterworfen. Die Vorzugsmilch, die unter Beobachtung allergrökt.'r Reinlichkeit von tierärzllch überwachten Küihen gewonnen tft, wird nach dem Melken durch Watte- fllter gereinigt, gekühlt und bann ohne weit-res verteilt. Die gewöhnliche Marttmilrb gelangt noch Feststellung des Gewichts in große Aufnahmebehälter und fließt von hier den maschinellen Reinigungsivorrichtungen zu, die weit wirksamer find als die früher üblichen Seihtücher. Der Reinigung der Milch erfolgt dann bie Erhitzung der einzig« für den mobernen Großbetrieb gangbare Weg, um die Milch von Krankheitskeimen M befreien. Da bei bei früher üblichen Hoch- rbitznug auf 100 Grad Celsius die Milch den »''•'•runter als Rohmilch verlor, verlvendet man Dauererhitzung von dreißig Minuten aus eine Temperatur von 53 Grad Celsius, nie eben falls all« KrankbÄtskeime vernichtet und doch dabei der Milch ihren guten Geschmack läßt.
Die Form des Verkaufs hängt vön örrlichen Verhältnissen ab, docb erfolgt sie in den Großstädten vielfach in Flaschen, und zweifellos ist der Mlchvertrieb in Glasflaschen bi« hygienischste Form, weil bie Glasflasche eine stickte Kontrolle in Bezug auf Reinigung zulläßt. Di« Mschm werben auf befonberen Maschinen gereinigt, dann auf der Füllmaschine mit der vorher ebenfalls gereinigten Milch gefüllt und in eigeniartig konstruierten Fstrschenpa-ssturen der Dauerhitzuno unterz-ogen. Dann werden die Flaschen gekLhlt. Für den großen Kälteibetrieb sind besondere Kältemaschinen vorgesehen, die künstliche Kälte billiger liefern, als es mit Natureis möglich wär«.
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Der Kampf gegen die Motte.
Der Schaden, den die Kleidermott« alljährlich unseren Wollvvrräten zu fügt, ist weitaus erheblicher, als bte meisten Menschen wissen, da die Mottenräupchen sich nicht nur mit den Frasst el- len der Löcher, in denen sie sich einslpinnen, begnügen, sondern auch noch die feinen, weichen Oberflöchenhätchen der Gewebe Obfiesien und dadurch bie Wollstoffe nock ganz besonders schädigen. Mtt den mamttcfaltigeit bisher bekannten Mottenvertilgunasmitteln wie Naphtalin, Kampfer. Pfeffer, Zeitungspapi-er und dergleichen erzielt man zwar gelegentlich ganz gute Erfolge, dock verlangen alle diese Methoden ein« fast tmablässige, forgfaltige Ueberwachung der vor bett Motten zu sichernden Grgmstänb', ga.-rz. abgefehen davon, daß sie durch chren in der Regel ziemlich scharfen Geruch auch oft sehr unan- gnt-ebnt empfunden werden. Auch das Klopsen und Lüften gewährt ebensowenig einen sicheren Sckutz, wie das häufig« Belichten, durch das matt der Mottengefahr oft vorzubeugen suckt. In der Zeit zwischen JUni und September find eben, ungeack«t aller Vorbeugungsmittel, alle in dunklen Räumen aufbewährten Wollwaren in beständiger Gefahr, von den Motten angegriffen zu werden. Dfe Unznkängfichkeit aller bisher angewandten Methoden hak nun die Wissenschaft auf einen Weg geführt, der bis jetzt noch nicht beschritten war. nÄmlick zu entern Verfahren, das darin besteht, die Wolle selbst derart zu verändern, daß sie von vornherein von den
Motten verschmäht wird. Einige (Merdinos bedingte) Erfolge hat man bereits mit gewissen Färlmnasmethoden erzielt, so z. B. mir der Eosinfärbung: doch blieben selbst im günstigsien Falle alle rein weißen Wollstoffe nach wie vor gefährdet. Neuerdings ist es nun aber gelungen, einen chemisch m Stoff herzustellen, der, ähnlich wie die Farbe, der Dolle unmittelbar eitttoerleibf wird, jedoch weit sicherer als jeder Farbstoff die Gewebe vor den Motten schützt. Da man mtt dem njuen Mittel sowohl gefärbst- mi« auch ungefärbte Wolle imprägnieren kann, so ist es möglich, nicht nur den neuen Geweben, sondern auch älteren Stossen «inen zuverlässigen und dauernden MottensdMtz zu verstihat. was zumal gegenwärtig sehr wichtig ist. da man ge- rad: in Mn oster Zett verschiedentlich eine Zunahme der Mottenplaae sestgestÄlt hat. Wäre es durchführbar, all« Wollgewebe derart zu im- vrägnstren, so wär« daditich eine groß« Ge- fl.hr für unsere kostbaren WoMestände beseitigt
Die Maul- nah Klauenseuche.
Aus Anlaß des Austretems der Maul- und Klauenseuche, die in mehreren Landestcilen unsere Rtridvishbestände wieder schwer 6eimgc= sucht fiat, ward auf di: Heilwirkung der B t e rbe f e gegen diese tücktscke Krankbeit bingew!«- scn und zwar soll ein französischer Land wirt- fchaftsinfpektor der Akademie der Wssenchaften in Paris dieses Mittel angegeben haben. Dieser hab« die Tiere vier Tag: lang morgens und abends je 260 Gramm frisch«, in ein Liter Das frr ausgestellte Bierhefe trinken lassen. Ti« Tiere hätten das Mittel gern genommen, und nicht nur feien die Eiterstellen im Munde schon nach vicrundzwanzig Stunden vernarbt, auch das so aefürditete Fußleiden sei sobr schnell wieder geschwunden. Auch ttodene Hefe habe >k gleiche Heilwirkung eine Lösung von fünfzehn Gramm Zucker, Mnfzig Gramm trockener Hefe in ein öfter lauwarmen Wassers, zwei Siurdv» vor Gebrauch warm gestellt, habe ihn die Sachen Resultate erzielen lassen wie mit der frischen Hefe. Kein Ti«r habe seine Milch verloren und keines fei länger als vier Tage krgnk «wesen. Das Richtigste ist jedenfalls, einen tüchtigen Tierarrt iu befragen.