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Kasseler Abendzeitung
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Nummer 200»
Fernsprecher 951 und 953.
Dienstag, 31. August 1920
Fernsprecher 951 und 953.
10. Jahrgangs
Der Kampf gegen die Bolschewisten.
Unter dem Joch.
Deutschland« endlose Letde»«zett.
In Breslau hat man vor einigen Tagen das Polnische Konsulat zerstört und auch die von der franzostschen Vertretung bewohnten Räume arg verwüstet. Das geschah aus dem Gefühle höchster Wut gegen Pölert und seine Helfershelfer bei dem Werte schmachvollster Unterdrückung und Drangsalierung in Oderschlesien. Auch an der Saar flammte schon einmal die Empörung der ge- knechteteu Bewohner zu weithin sichtbarer Lohe auf. Run sind die Ereignisse in Bresla-u ein neues Flarmnenzeichen für den Grad der Erbitterung, die über den blinden Haß unserer Nachbarn im Westen in allen deutschen Gauen herrscht. Und tu der Tat, es ist empörend, was unsere Gegner unternehmen, um wrs Deutsche tagtäglich die Rolle der Besiegten fühlen zu lassen» was sie tagtäglich eifmnen, um das zusammengeü rochenc Volk zu quälen und mehr und mehr in ein Stadium der Verzweiflung zu bringen. In MYK- lowitz hat der Vertreter der Bürgerschaft dem sianzösischen General Le Rond mutig ins Antlitz gesehen und ihm die schmachvolle Haltung Frankreichs während der polnischen Aufruhrtage vor Awgen gehalten, hat ihm gesagt, daß Frankreich wicht nur (waS es theatralisch immer wwder versicherte) feine eigentliche Mission, Ruhe und Ordnung zu stiften, nicht erfüllt habe, sondern sogar die Polen bei allen ihren Schandtaten, mit deren Fluch sie sich neuerdings beladen, vielfach indirekt unterstützte. Eine frechere Hintergehung Deutschlands und eine schandbarere Verletzung der heiligsten Gefühle, wie es jetzt in Schlesien geschehen ist, war in der Geschichte der Kulturvölker noch nicht da. Man wird sich aSfo auch nicht sonderlich darüber wundern können, daß die Volksseele überschäunrte und daß es zu Ereignissen kam, wie sie aus Breslau gemeldet wurden.
Solche Vorkommnisie begreiflich finden, heißt natürlich nicht, sie gutheißen, denn sie lösen immer neue Maßnahmen -ms, die für uns drük- kendste Vergeltung bringen. Was Frankreich neben der Auflösung d-s Konsulats in der fchle- fischen Hauptstadt tun Wird, ist in vollem Umfange noch Nicht bekannt geworden. Man pflegt in Paris in dieser Beziehung mit voller Ruhe zu beraten, um nur alle Möglichkeiten der »Wiedergutmachung^ zu erschöpfen. Die derzeitigen Lenker der französischen Poli« haben sich noch nicht zu dem Stadium abgeklärter UrteWsähig- keit hmdurchaorungen das äls unerläßlich bei der Wlederaufrrchtung der Beziehungen zwischen Volkern zu betrachten ist, die sich in einem Kriege Jahre lang gegenüber standen, sie haben sich noch immer nicht des Trimphator-Wthnes begeben können, der all ihr Sinnen und Denken verdunkelt. Und hätten doch, wenn sie die Geschichte des hinter uns liegenden großen Ringens nur in den allergröbstcn Umrissen beherzigen wollten, am allermindesten Ursache zu so blöder Selbst- überhÄmng. Deutschland ist für sie nun einmal das besiegte Schreckgespenst eines halben Jahrhunderts, und seine völlige Knebelung, seine vollkommene Dernichlung ist das A und das Z all ihres politischen und diplomatischen Tuns. Es wäre töricht, wollten wir uns darüber im Zweifel befinden. Und weil es fo ist, hoben wir alle Ursache, solch wilder Gehässigkeit gegenüber größte Ruhe zu bewahren ttrtb Ausbrüche der Wut zu vermeiden, die uns neuer Schikane, neuer schwerer Schädigung aussetzen. Die Folgen der Breslauer Unruhen werden das, so sürchten wir, nur zu deutlich ertoeifm. Schwer drückt das Joch, unter das man Teutschürnd in Versailles und Spa zwang, und der Weg, den wir zu gehen haben, ist voll Drangsal und Demütigung. Es ist der Weg der Besiegten.
Aber wenn man von den Schlesiern nach den Vorkommnissen in Breslau auch noch so schweres Sühne-Opfer fordert, das eine scheint man jetzt an der Seine gelernt zu haben: daß die'Zustande in der Grenzmark eine schleunige Klärung erhei- schen, daß man den Tag der Abstimmung nicht noch den Wünschen der Polen verschieden kann, sondern daß man die Stimme deS Volkes hören muß, sobald als möglich Und wenn die Stunde ’uft, dann werden die Oberschlesier, die am Deutschtum hängen, bereit sein, sie werden eine Wallfahrt veranstalten aus allen Gauen des Vt- tcrlandes, nm mit ihrer Stimme dafür zu sorgen, daß ihre Heimatscholle deutsche Erde bleibe. Und das ganze geknechtete Vaterland wird sie mit feinen Wünschen geleiten, daß der Tag der Ab- stimrmmg der Tag der Befreiung von brutaler poln isch-frangö sischer WWür sei.
Der Kampf, den Polen gegen Rußland begonnen, ist von Frankreich geschürt und geftüyl. Auch er hat den Zweck. Deutschland zu hindern, seine Beziehungen zu Rußland in einem Um» f inge wieder aufzunehmen, durch den französische Interessen gefährdet werden könnten. Er züÄ auf eine dauernde Lähmung unseres Wirtschasts- lebens und damit auf die Unmöalichkrtt einer baldigen Wiederausrichtunq unserer Heimat. In Ungarn reißen die Pariser Zeflelungen nicht ab. Man möchte eine Donau-Föderarivn zustande bringen, Vm alle Länder des ehemaligen Oester-
reich-Ungarn umfaßt. Daneben schwebt Mille- rand urtb feinen politischen Kumpanen der Man vor, die ehemalige habsburgische Monarchie wieder herzustellen, indem Ungarn, Deutsch-Oesterreich und Bayern zu einem Staate unter der Personal-Union eines HtOsbiurgers Msmnmen- geschwcißt werden. Inzwischen hat sich die sogenannte Kerne Entente (das Bündnis zwischen der Tschecho-Sbowakei und Jugoslawen) gebn- det, der sich voraussichtlich in kurzer ZM auch Rumänien anschKeßen wird. Daß damit die Plane, die man in Paris cmsMgelte, ernstlich bedroht erscheinen, bedarf keiner Betonung, trotzdem Wird man sich von weiterer Wühlarbeit nicht abhalten lassen. Man hofft dabei die Verstimmungen, die in Bayern gegen Preußen bestehen und die sich während des letzten Jahres nicht unbeträchtlich verschärft-hoben (die Haltung des süddeutschen Staates in der Orgesch-Froge ist neuer Beweis dafür) entsprechend ausnützen zu können. Aber man darf zu dem gesundM und kerndeutschen Denken des Bayernlandes das feste Vertrauen haben, daß man dem Werben ans Paris to weitem Bogen aus dem Wege gehör wird. Das Verhalten der Franzosen kennzeichnet auch hier die krummen Wege, die seine Politik zu wandeln gewohnt ist. ***
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Gegen die Bolschewik!.
Sin Aufstand int Kaukasus.
(Eigener Drahtbericht.)
Konstantinopel, 30. August
Fast der ganze Rord-Lankas ns ist im Aufstand gegen die Bolschewisten. Der Anlass hierzu find die Truppenlandungen von General Wrmrgel, die bis zu dem bedeutenden Knotenpunkt TichorjetSkaya vorgedrungen find Die Einnahme dieser Stadt ist bereits gemeldet Die Anapa-Expedition befindet fich fieben Meilen von Novorosfisk, während die Truppen, die auf Lotfija marschieren, mit attberen Truppen zu- scrmmengetroffen find und gemeinsam nach Sotsija vorrücken. Eine Streitmacht von unge= kähr zehntausend ehemaligen Offizieren und Kosaken bedrohen Kislowodsk, die See von Asow unb das Kaspische Meer. Im Osten von Dagestanli find die Moslems in Aufstand ge kommen und haben die Eisenbahnverbindung zwischen Baku und Derbend abgeschnitten. Die rusflschen Bauern Magen fich zu den Äofalen, itm gegen die roten Truppe« z» marschieren. In Persien hoben die Bolschewisten sich in der Gegend von Refcht auf Ettzeli zu- rückziehen müssen, weil Verstärkungen, die and dem Kaukasus erwartet wurden, nicht eintrafen. Tie perflschen Kosaken rmternahmen einen vergeblichen Angriff auf Enzel i, das die Bolschewisten jedoch verteidigten und den Angrifi abschluqen. Falls die russischen Verstärkungen nicht eintreffen, werden fich die Bolschewisten aus Euzeli zurückziehen müssen, und ihre Truppen ans dem Hafen wieder abtransportieren.
Wrangel in Odessa?
Rotterdam, 30. August. (Privattelegramm.) Hier sind Funksprüche aus Odessa von der Eisel- tnrmstation ausgenommen worden, die erkennen lassen, daß die Funkenstation OLessa in den Händen der Armee Wrangel ist.
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Gegen die Unterstützung Wrangels.
Stockholm, 30. August (Privattelegramm.) Nach einer Londoner Mättermeldung erklärte sich KcrenSti mit Entschiedenheit gegen jede Un terstätzung Wrangels durch daS Ausland. Eine solche werde alle Kräfte Rußlands auf die Seite der Sowjet-Regierung bringen.
Hilfe fötWe Polen.
Weitere Kriegsschiffe kommen, (Privat-Telearamm.)
Danzig, 30. August.
Von den im Hafen eingelaufenen sechs eng lischen KrieMclsifsen sind einige hundert Matrosen gelandet und in Kasernen der Stadt untergebracht. Weitere hundert find zur Bewachung der Bahnlinie Danzig-Thorn nach, dem Korridor abgeganyen. Der Danziger Hafen und die Riederiaffrmge» km Hafengebiet find durch englische Torpedoboote gestützt. Seitens der radikalen Aröeiterschaft soll für die bevorsteherrde Woche die Ausrufung des Generalstreiks im Freistaat Danzig vorbereitet werden,
wenn die tot Hafen liegenden englischen Kriegsschiffe nicht zurückgenommen werden.
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Weitere Kriegsschiffe kommen.
Rotterdam, SO. August. (Eigene Drähtm.el- iunig.) Em Londoner Blatt verbreitet die Mel- btmg von der bevorstehenden Teilmobilisier u n g deS englffchen Geschwaders. Dreizehn Einheiten der englischen Flotte sind nach Dan- ug ausgelaufen. Bei Rlchtmmrthme der neuen Friedensbedingungen Polens durch die Sowjetregierung werde die Unterstützung Polens im Kampfe gegen Sowjet-Rußland durch die Alliierten ins Werk gefetzt.
Set russische Gegenstoß.
Bis jetzt keine Veränderungen fichtbar.
(Eigene Drasttmekdung.)
Königsberg, 30. August.
Die russische Gegenoffensive hat bis Sonntag nachmittag an der ostpreutzfiSen Grenze keine Veränderungen der Lage gebracht. Alle Grenzübergänge sind noch von Polen besetzt. Oefllich von Olctzko standen Samstag früh «och einige Russen, die im Laufe des Sonntags auch diese Pofitio« räumten. Die Polen haben an der ganzen Front die dop- pelte artilleristische Neber lege«, heit über die ritsfischen Heere. Lomcze und Bynlistok befinden fich fest in den Händen der Polen. Die Russen melden die Einnahme von Byasifiok. Oefilich vo« Byalifiok dauer« die Kampfhandlungen an. In Galizien macht fich wachsender bolschewistischer Widerstand im £uellgebiet der Zlota Lipa bemerkbar. Der Abzug aller bewaffnete« Bolfchewifien ins Wilna erfolgte bereits Anfang voriger Woche. Durch Verordnung wurde bekannt gemacht, dass von jetzt ab die Berwälttmg des Stadt- und Landkreises Wilna allein de« litauischen Ver- waltungSorganisattone« zukonnnt. Gleichzeitig wurde über Stadt- und Landkreis Wilna der Be- lagennrgszustand verhängt. Gestern erfolgte die endgültige Besetzung Wilnas durch die litauischen Truppen. BenrerlenSwert ist, dass die Polen an dt r Grenze Gräben und Berschanzungen mit der Front nach Deutschland gebaut haben.
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Rußland will weiter kümpsen.
Rotterdam, 30. August. (Privattelegramm.) Ter große Sowjet in Mossau soll beschlössen haben, die milttärischen Operationen gegen Polen fortzusetzen bis zur Wiedererreichung einer stratigesch-günstigen Fronttage und die Zwangs- aushcbunig aller Bürgerlichen vom zwanzigsten hiS WM fünfunAdreißfgsten Jcchre anznordnen.
Neuer mo Sberschlesten.
Sine Wiederholung der Polen-rlebergaiffe.
(Eigene Drahttnerdung.)
Breslcm, 30. Auguffi.
Entgegen bat Meldungen von einer beginnen den Eutspannunlg in Oberschlesien hat auch der Sonntag eine Anzahl neuer Hand streiche und Uebergriffe der polnische« Insurgenten gebracht. In Rybnik hielte» die Polen gestern unter de« Augen der Besatzungsbehörden eine« Appell vo« etwa zwei- bis dreihundert Bewaffneten ab. In Dichau veranstaltete« dir polnischen Insurgenten Ausschreitungen in den Häuser« der Deutsche« mW Haussuchungen und Besckfiagnahmungen von Waffen. Aus Ber«« wurden achtzehn Deutsche von polnischen Bewaffneten verhaftet und mit Gewalt über die Grenze gebrmÄ. Nirgends i« Oberschlesien zeigt sich der Begttm einer ernstlichen Entwaffnungsaktion durch die Entente. Die Sage für die Deutschen bleibt nach wie vor verhängnisvoll und gefährlich. I« Kattowitz herrscht eine gewisse Nervosität unter den Franzosen, wüche durch eine« angeblichen Zwischenfall zwischen stanzöfist^n und italienischen Soldaten, bexw. Offizieren hervorgerufen ist. Der Bevölkerung gegetrSber verhalten sich die Franzosen iw de» letzte« Tagen etwas herausfordernder. Ma« nimmt jedoch an, daß es doch Mr Ablöfrmg der französischen BesatzrmgStrnppe« kommt.
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Eine Riesenkundgebung in Berlin.
Berlin, 30. August. (Privaüelcgramm.) Gegen die VergewaltiWng Oberschlesiens hat ge- fknt eine Riesenkundgebung im Lustgarten zu Berlin ftattgefurtben. Dechzigtausend Teilnehmer wurden gezählt. ES kam im Aw Muß daran zu einem DamanstrationszuL
Politische Wetterwarte.
Ans den «reigniffen der Zeit.
®ie Durchführung der Entwaffn«», der DedSl. kerun,. S^wirrigkettrn in Bayern. Die Reick,«» treue in Sefaljr. Der eteuerfireil in der deutschen Industrie. Betenntniste der dritten Internationale. In Bayern scheint man von der Frage der Entwaffnung der Einwohnerwehren sogar die Reichs treue abhängig machen M wölken. Der »Bayerische Kurier" sicht in der Haltung der preußischen Regierung zur O r g e s ch. frage eine Gefährdung des RekhSgebankensi unb verlangt, daß die batzerifchen Verwallungs» Maßnahmen in Preußen Anerkennuttg finden. Das sei eine selbstverständliche bundesstaatliche Verpflichtung. Wer dieses bundesstaatliche Ge- setz in so ungeschickter Weise verletzt, wie die preußische Regierung es tue, bet müsse sich auch der Folgen bewußt sein, die ein solches Vorgehen auslösen kann. Di« bayerische Regierung müsse rücksichtslos Frönt nracheu gegen das Vorgehen der preußischen Regierung. „Es handelt sich nicht nur um eine Rechts- und Staatssrage, sondern es handelt sich um die Gesährdung des R e i ch S g e dankens. Hinter dieser Gefährdung steht das drohende Gespenst der Main-Linie. Diesmal wird das Main- Linie-Gespenst aber nicht durch angebliche süddeutsche separatistische Bestrebungen art die Wanb gemalt, das drochenbe Gespertst entsteht durch daS gewaltsame H iweindrängen der bayerischen Laudesteile in eine defensiv--separatistische Politik. Bayern wird und kann seine Einwohnerwehren nicht anfgeben, darmff darf «um in Berlin, so schreibt das genannte bayerische Blatt, Gift nehmen. ES wird an ihr mit der ganzen Zähigkeit, deren der süddeutsche Stamm fähig ist, festhalten unb wird feinen Standpunkt unter allen Umständen durchsetzen! DaS sollte der preußischen Regierung zu denken geben! Man sollt: in Berlin auf die Eigenart der Süddeutschen mehr Rücksicht nehmen. Z« diesem letzte- rett Satze möchten wir noch bemerken, daß man in Bayern sich schließlich der Erkenntnis von der Notwendigkeit der Entwaffnung nicht verschließen wirb. Die deutsch: Reichsregierurtg ist in einer Zwangslage. Das müssen vernünftige Elemente in Bayern eben doch auch einsehen. Weder die preußische Noch die Rekchsre- akruttfl kann cm der Eüiwaffmmgsfrage etwiS äirtitom, da die in Spa muerschriebenen Der- Pflichtungen durchgcführt werden müssen. Für Bayern kann gerade nm der Reichs nnhett willen wirklich keine AnSniahme gemacht werden. Auch wen« die Entente noch sv sehr lockt,, für Süddeutsche irt der Entwaffmmgssrage gesonderte Verhandlungen zuzulaffen.
Der Steuerstreik, der wegen des zehn» Prozentigen Abzugs vom Lohne verschiedentlich zu beobachten war und der inzwischn eine nn- heilvolle AuAdehmmg erfahren bat, ist geeignet, unser ganzes Steuereinzugsverfahren auf Gru'td des netten Einkomnienstsucr-Gffetzes zu gefährden. Die Lage ist viel ernster, als sich weitere Kreise anscheinend es vorstellen. Jetzt nehmen sogar, wie es in Württemberg geschehen ist, ganze Lanboskonferenzen sogigldemdkrati scher Gewerkschaften Enffchließungen gegen den Sten- erabzug an und färb .Tn ferne Beseitigung. Man kann bnrchaus den Münchener Neuesten Nachrichten zustmrmen. wenn sie m diesem Vorgehen sagen: Menn dieser indirekte Steuerstreik bei einem Teile der Arbetterschaft noch weiter ttm sich greift, dann steht unser Staatswesen vor dem völligen Zusammenbruch. Mart svlfte meinen, auch die Arbeiterschaft muffe sich die Frage vorlegen, wo das Deutsche Reich, nach einem verlorenen Kriege, der einen Versailler Vertrag jur Folge hatte, die Mittel eigentlich hermchmen soll. Zur Ordnung seiner zerrütteten Finanzen bleibt dem Staate nun einmal neben dem Versuch der Steigerung bet Erzeugung nur der Weg der Besteuerung aller Staaatsbür- act übrig. Die Besteuerung der sämMchen Lohn- empsänger ist vraktisch nur durch einen Steuerabzug vom Lohne durchMsrchwn. ES darf wohl daran erinnert werden, daß gerade van svMli- stffcher Seite diese Form der DesteuerrMg vittfach empfohlen worden ist. Schließlich möge die Arbeiterschaft doch nicht vergessen, daß letzten Eudes das Loch im Steuersäckel d«S Staates das Aufhören jeder Sszial- volitik zur Folac Laben mutz, sie also immer wieder selbst getroffen wird. Der Staat sind wir selbst, dem gegenüber jeder einzelne von uns, mag er Unternehmer sein oder Lchn- empKnqer, nach Maßgabe seiner Leistungsfähigkeit Verpflichtungen hat.
In der Berliner „Freihett" werden die V:r- öffentkickungen aus den Dokumenten der dritten Internationale publiziert, die ftr Moskau festgelegt worden sind. Die dritte International erstrebt darnach die volle Vernichtung des Staate» zu der als Uebergang»?- ftafc die Schaffung einer itttex«ati»«alea