Kasseler Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
He Re fielet NeucNen Nachrtchtm erscheinen wöchentlich sechsmal und «war abends. Ter Sbonnemenllpreli beträgt monatL 6.00 Mark bei freier Zuslelluna ln< Heus. Bestellungen werden lederzeit eon der DeschäftSstelle oder den Beten entgegengeno mmen. £ ruderet, Verlag und Redaktion -. Echlgchthefskratze W/A>, Für unverlangt eingesandte Beiträge kann die Redaktion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem fistle übernehmen. Rückzahlung des BezugSgeldeS oder Ansprüche «egen eiwaiger nicht ordnungLmätziger Lieferung ausgeschlossen.
JnsertionSpreise, a) Einheimische Aufträge, Tie einspaltige Anzeigen.Seite St. 1.00. die einspaltige Reklamezeile M. MO. b) Auswärtige Aufträge: Tte einspaltige Anzeigenzeile M. 1.30. die einspaltige Reklamezeile TL 2.75, alles einschließlich Teuerungszuschlag rn» AnzeigenflAier. — Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Rnknahmedatc» und Plätze kann eine Dsnsähr nicht übernommen werden. — Druckerei! «chlachthofstr.rs/so. «eschästskielle: Kölnische Str. 6. Telephon Nr. 951 u. 952.
Kasseler Abendzeitung =
Nummer 194.
Dienstag, 24. August 1920
Fernkvrecher 951 und 952.
Fernsprecher 951 und 952.
10. Jahrgang.
Der Rückzug des Russenheeres.
VierzigtaussnS Gefangene?
Paris, 23. August. (Privcrttelegramm.s Der
?er Well, aber trotzdem würde es Mi ge- .Matt»- veröffentlicht folgende' Depesche aus «elM ljeinz wen» m UELuungeün« Mmchep- Wa-jchmr^. Das polnische Leer hat Bwft-Li-
SchreckenSLage für Soldau.
KSuigsbrrg, 23. August. (Eigene Drahtmel- dung.s Aus Soldau Md über fünftausend Flüchtlinge, darunter zweitausend Familien, auf oftpreutzischem Gebiet eingetros- fen. Me polnische Zeitungen melden, hat der polnische Staatsrat in Warschau gegen alle deutsche Einwohner Soldaus, welche Kundgebung«« gegen Polen zugestimmt haben, Haftbefehle wegen Hochverrats erlassen und mit ihrer Vollziehung den Kommandanten der polnischen polnischen Armee beauftragt.
Zer russische MltzW.
Zuchtlofigkett Bei de« Bolschswlsten.
tPrivat-Telecrrarmn.i
Danzig, 23. August.
Die Lage im Soldauer Grenzgebiet ist kritisch. Die Polen scheinen una'ufhaltsam vorzugehen und den zurüSweichenden Russen erhebliche Verluste beigebracht g« haben. Aus den Berichten von Flüchtlingen hört man, daß polnische Patrouillen bereits zwölf biö fünfzehn Kilometer westlich von Soldau gesichtet wurden. Ein Zurücks ehe» der bolschewistischen Truppen hat eingesetzt, bei dem die Disziplin, wie beim Vorgehen allgemein anerkannt wurde, in die Brüche z« gehen scheint. Die roten Soldaten bemächtigen sich der Fuhrwerke und fahre« zurück, ohne aus die Kommandoworte ihrer Offiziere zu höre«, die sich selbst mit schweren Knüppeln und vorgehaltenem Re- volver keine Autorität mehr verschaffen können. Voraussichtlich wird sich bei Soldau ein schwerer Kampf entwickeln. Die Russe« Wersen Stellungen in nächster Umgebung auf, unter rücksichtS- loser Heranziehung der männlichen und weibliche Bevölkerung. Die Einwohner flüchten.
AmBierwaldMerSee.
Die Besprechungen in Luzern.
3?n dem von der Natur mit allen Reizen geschmückten Luzern werden in Meint Tagen politische Besprechungen ftattpirtben, Wer deren Verlauf man naturgemäß nichts Positives hören Mtfis die aber unzweifelhaft eine hohe politisch« Bedeutung in sich schlüchen. Lloyd George, den ewig eifrigen Kauftnanu-PMtiker, sieht man im Gespräch mit dem greifen Givlittt, der aus Italien haübergekommen ist und von dem man auch heute noch hoffen darf, daß er feine Deutschland früher rechthänfigbewissene Freundschaft nicht, durch die Wirren des Krieges ver- anlaßt, m ihr Gegenteil korrigierte. Bei solchem Geschehnis darf es nicht wu:ider nehmen, daß alle politischen Zeichendeuter am Werke sind, nm der Zusammenkunft leitender Staatsmänner den nötigen Rahmen zu geben Sei es auch auf Grund reinster KartenLego- Kunststüde. Daß in diesen politischen Zeichenbeutereien auch die Person des deutschen Außenministers mte nicht geringe Rolle spielte und »och spielt, versteht sich von selbst. Dr. Simons weilt seit etniaer Zeit fum von Berlin, um sich in der. verjüngendem Srlfweiz Mut und Kraft zu holen für all das Schwere, das für ihn noch die drückendste Bürde eines freudelosen Amtes sein wird. Ob er sich tatsächlich aus der Idylle seines Aufenthaltes in den blauen Bergen aufschrecken ließ, um sich ttach Luzern zu begeben, steht heut« ebenso wenig außerhalb des Zweifel-Bereichs, als die Meft düng, Lloyd George und Givlittt hätten das Bedürfnis, mit dem deutschen Außenminister die
stunden Dr. Simons Giolittt und Lloyd George ßegenüber die ganze Wucht der Tragödie, die über Deutschland hereinoebrochen ist. Hütte vor Augen führen können. Wir zweifeln nicht daran, daß damit auch in den französischen Schäumüvein Wasser gegossen worben wäre. Deutschlands im» ne re Lage ist troWos, sogar k a t a st r v p h a I. In unserer Sonntagsausyabe mußten wir Mitteilen, daß im Monat ist bei der Post rund eine Milliarde, ei der Bahn Wer zw ei Milliarden MÄtderemncchmen zu verzeichnen waren. Gibt es ein drastischeres BeiWiel dafür, wie es in der Tat in Deutsckffand ausfleht, ist es angesichts solcher Ziffern wirklich nötig, noch zu irflüren, daß Deutschlirnd überhaupt nichts bezahlen kann?
Das mit dürren Worten Giolitti trud LloyL George zu sagen, wäre eine Aufgabe für Dr S.mons gewesen., die vielleicht das ProMantmi für Genf auf eme anlbere Grundlage gestellt hätte und damit würde die Mintfftr-Zusautmeukttnft am' Vierw-Mfiätter-See für Deutschland in der Tat die Hoche Bedeutung erhalten Huben, die man ihr in diesetr Tagen in allen poKttschen Klitbs und auf allen Bwrbärcken brimißt. * * *
gegenwärtig besonders bedeutsamen Fragen der hohen und höchsten Politik des europäischen Kontinents zu erörtern.
Die geschäftige Phantasie, die leider im-Leben das deutschen Bottes eine so überragende Ralle fpielt, gefällt sich mich fetzt wieder in den gewagtesten Sprünge,:. Schon sah man eine sreunoschaftliche Annäherung zwischen Deutschland und England. Mtd übersah dabei ganz di« tiefe Kluft, die auch heute noch gähnt. Schon tuschelten die Auguren von der Kaltstellung Frankreichs irrtb der NeuordntMg des Papiers von Versailles. Und vwZrßrn dabei das schöne Wort von den Leuten, die sich schlagen und vertragen! Daß Deutschland bei der Minister-Zu- fammenkuust nicht unerwähnt bleiben wird, kann wohl als feststehend angesehen werden, denn die Lösung der immer dringender und drohender werdenden Oslsrageu kann ohne Deutschland nicht gcschehen. Daß EngläNdS allzeit tätiger Krämergeist sich nicht besonders bedrückt suhlte, wenn tr bei etncmt Kuhhandel ins Gedränge geriet ur.tb einen Ausweg wählte, der eigentlich eine Blamage bedeutet firne es in der polmsch-russt- schen Frage aller Welt Kar wurde) ist sttännig- l'ch bcrannt. Und Lloyd George pflegt aus jeder Blüte Honig zu pressen. Nachdem er sich mit seinem Vorgehen gegen Sowjet-Rußland eine Schlapp« geholt und sich mutig rückwärts konzentrierte, versucht er das Geschäft nun anders herum zu drehen Da kommt ihm Italien als Bundesgenosse sehr gelegen Mit GiMtti spielt tr in bezug auf Polen dos gleiche Instrument, und mit den Italienern hofft er auch den Gefahren begegnen zu können, die sich seiner Politik im Osten entgegentürmen. Daß er nebenher rlles daran setzen wird, Frankreich nicht über tlneat gewissen Grad hinaus zu verschnupsen, »ersteht sich Lei einem fo gerissenen Geschäftsmann ganz von selbst.
Was in dem füllen Sommersitz des englischen Diplomaten in diesen Dagen verhandelt wird, ist unzweifelhaft nicht gleichgültig fitr die Zukunft Europas. Für uns Deutsche aber würden die Besprechungen am Vierwaldstätter See erst dann tot das Stadium lebenswichtiger Bedeutung getreten sein, wenn man unseren Außenminister $u den Konferenzen gsbcten hätte. Erst dann hatten die Tage von Luzern gewissermaßen als ein Vorspiel der Zusammenkunft in Genf gelten können die ja noch kommen soll, erst daun hätte unbeeiinslußt von der zügellosen Gchäsugleit der Franzosen England und Italien einmal mit oaller Klarheit gesagt werben können, was man auf uns feindlich gesinnter Seite m Genf zu erwarten haben wird. Tie Festlegung uns den Umfang unserer finanziellen Ver- vflichtungen steht ja noch aus. In Paris erzählt man dem Volke Wunderdinge von den Summen, di« das niedergerungene Deutschland zahlen muffe, man schwelgt in den Fabelzissern der Kriegs-Entschädigung, man feiert Orgien mit dem Gedanken, daß Deutschland aus-gesogen werden müsse bis auf Len letzten Blutstropfen. Uns doch sollt» man sich an der Seine keinen Augen- bltck Mt UnNaren sein, daß man ent gefährliches Gaukelspiel mit dem Volle treibt wenn man mit Beträgen jongliert, die Deutsch' Yuichi bezablenkann, weil sie nicht in feinem Besitz sind. Zwar kennt man die troAose Finanz- lage uns-ree Landes in Rom ebenso gut wie rn anderen Haupt-
War Lenin eriiiirt.
Fehlschlagen de» Offensive gegen Dolen, (Eigene Drabtrneldung.)
Rotterdam, 23. August.
Sm Moskauer Sowjet teilte Lenin daö Fehlschlagen der Offensive gegen Polen und die Räumung von Pinsk und Grodno mit Der Sowjet beschloß auf Antrag des Revolutionskomitees, von einer Verfolgung ber Pflicht Untreuen und der Sowjetregierung nicht ergebenen Offiziere und Getierale ab- zufehen, der Armee aber den Tank des russischen Volkes auszusprechen. Weiter wird gemeldet, daß anläßlich deS Rückzuges der russischen " ecre kein Todesurteil gegen die Führer der Armee gefällt worden sei. In Kopenhagen liegen riff- sische Berichte vor wonach Wilna und Minsk von den Rrrffen geräumt werden. Die Russen bereiten eine neue Verteidigungslinie hinter Minsk vor «nd gehe« damit auf di« alte Frontlinie vor der großen Offensive zurück. Rach einer Depesche aus Warschau ist Mlawa von den Polen besetzt Die Polen sind im Vormarsch auf S u w a l k i und O st r o w o
iowsk erreicht. Infolge des außerordentlich schnellen Vorgehens der polnischen Truppen sind sechsbolschewistische Divisionen zwischen Medloc und Brest-Litowsk er«geschlossen und man hofft, bei dieser Gelegr«- hett auf dreißig- bis vierzsgtauseud Gefangene.
Sie Komödie von Minsk- Jetzt Abbruch der Friedensverhandlungen?
(Privad-Telearomm)
Paris, 23. Ausust.
PMn hat, wahrscheinlich auf französische An- crdnutog Hin, die Verhandlungen mit den Russen in Mnsk nicht ernsthaft aufgefaßt und diese bisher stets aufzuschieben gewußt. Fetzt meldet eftr Telegramm aus Warschau, daß es nicht zu VerhnnÄkmgen kommt, weil der polnische Vorm-rrsch auch Minsk bedooht und die Russen sich dort zurückziehen ntüffen. Der polni- schen Kanmnission ist drahtlos berichtet worden, daß di« polnische Regierung die russischen Be- dinguntgsn über die Entwaffnung Polens nicht crrmehmen kann. In Warschau erwartet man den Abb euch der Friedensverhan'dlun. gen und die weitere Forffetzung des Krieges Die Nachrichten, welche die polnische Regierung aus Paris erhielt, lautetet sehr ermutigend und geben die Hoffnung zurück, daß der Strait jetzf eine günstigere Wendung fitr Polen behalten wöbe. Neber Jtali ens Rolle macht man sich in Paris die schönsten Illusionen, als ab Italien bereit fei1, uenuenSworte HWe für Polen zu.stellen. Solcherlei Nachrichten sind ausschließlich zur Beeinffttssung der öffentlichen Meinung Fransreichs bestimmt. Weiteren Wert kann man ihnen nicht znmessen. Italien ist öS gänzlich unmöglich, auch mtt daS Geringste gegen Rußland zu unternehmen, da die Revolution vor seiner eigenen Türe wartet und jeden Trg Tatsache werden tarnt, sobald vir italienische Regierung ihre PMttk wechselt
•
Die russischen Bedingungen.
Warschau, 23. Augttst (PriVattllegrMmr.) Tie von den Sowjetverttetern in Minsk attfge. stellten, der polnischen Regierung bisher -iw aus den Preffet'legrammen -er xolmschen Telegra- phen-Agenttrr bekmuten Bedingungen sind in einzelnen Punkten schärfer als die Bedingungen, die Kamencko der britischen Regierung uw lerbreitet Hatte. Solch« Bedingungen, tote sie die Sowjetreglenmg numnehr arrfftelll, könne die polnische Regierung nicht annehmen. Di« augenblickliche Lage an ber Front dürfte übrigens die Dowjeioertreker veranlassen, ihre neuesten Be« dimgungsn entsprechend zu revidieren und sie zu weiterem Entgegenkommen gefügig zu' machen.
Lbrrschlesische Kr'sts.
BerschSrfung der rage in Kattowttz.
(Privat-Telegrammfi •
Beuthen. 23. August.
Das Bandenunwesen «achte sich gestern besonders in%en Kreisen Tarnowitz mti> Ryv, nik bemerkbar. In dem Kreise Tanwwitz wurden hauptsächlich die Förster, Wirffchastsbeamtc« rmh Lehrer überfallen Die Lehrer Mchieten und der Schulbetrieb liegt still. In B s s m a r ck- 6ü tte wurde gestern nachmittag daS Rathaus von einer polnischen Bande überfallen, die aber blutig abgewieffn wurde. Ueberall ist es g«- frem in dem Ausstandsgebiet zu Schießereien gekommen. Gestern nachmittag machte sich in dem Verhalten der Besatzungsbehörde« ein auffälliger Nmschwung bemerkbar, und zwar nach dem Eingriff des Chefs deS Stabes des Obersten Lp Rond eines Oberleutnants. Die Sicherheitspolizei sinde- jetzt seitens der Besatzimgs. Mürben volle Unterstütz««»
*
Verhandlungen in Beuthen.
Beuchen, 23. August. (Eigene Drochtmekdung.) Gestern nachmittag hoben ht Beuchen zwischen den Führern aller polttikchen Parteien und aller Gewerlschasten Verhandlungen flatt- aesundm, um Mittel und Wege zur Wiöberher- stelltfug der Ordnung zu sinden (8m vierköpfigx Kommission wurde zmn General Graeier nach Kaltowitz entfa-M dem sie folgende Forderung tmterbreitete: Allgemeine Entwaffnung dar De. völkerung, Aufhebung W Belagernngsznftan- des, paritätische u. unparteiische Sicherheijswehr, Abbruch des. MreSs und Wiederaufnahme.
Zer Tom z« Mel.
Eine Besichtigung der Martins-Kirche. «nllißNch der JahrrSversamuiluna dr« Sek stsehea Setei»« ftir Geschlevt« und etltertumeluitbe fand am Sonnabend »»» mtttag in Marttnsrtrche eine »eftch- tigung statt, die eine besondere TScbtutun« durck» einen wertvollen Dortrag des Provintiat- konservater«, Banrat Dr. Loltmeyer, nnd einen ■SefnS) tu der tzegifchen FSrstengrust erhielt.
Die Mattinskicche ist der Dom dor Stadt KassÄ. Es unterliegt keinem Zweifel, daß sie zur Zeit der Stitdtegrmtd'uug unter Kaiser Hein- tich denk Z'weiren der geistlliche MittelpuE ber fogenannten »Freiheit" war. lieber die arftc geistliche Siedlung, die Psarrkirc!)«, ist so gut wie nitchrs bekauittt; nur das wissen wir, daß die Mar- tiuMrche nicht von Anfauß au in der heutigen Größe vorhaulden war. Allerdings gab es einmal eine MariL'tkapelle. Was aus ihr ge- inorben, entzieht sich unserer Keumitnis. Nach den vorhandenen UrluNden war der Bau des Kasseler Doms im Jahre 1364 schon im Gange. Die Battmeister und Bauleute kamen meist aus Ulm. Im Jahre 1367 war der Chor vollendet ... Mit einigen größeren UnttrbrechtmFSn nahm der Ban mehr als hundert Jahre in Anspruch. Von großer Bedeutung war für die Kirche, daß Landgraf Ludwig von einer Wallfahrt ins heilige Land ein Partikel vom Kreuz Christt mitbrachte und es auf der Schulter über Rom nach Kaffdl trug. In Rom schenkte Papst Marttn der Mnste dem Landgrafen noch eine heilige Rose ans Gold mit einet« dreieckigen Saphir. Beide wertvollen Stücke sind oerloren Mgaugen!
Um 1430, zur Zeit der AblLsse. erhöhte sich hie Bautätigkeit. Zehn Jähre später toar die Kirche so gut wie vollendet, aW das ganz« Gewölbe des Mittelschiffs einstürzte und mehrere Tote unter den Trümmern begrub. Ter Schaden wutbe bckld behoben, denn 1452 war das Mittelschiff wieder neugefügt. Eine wo- senMchr Älendernng erftthr der Charakter der Kirche unter PHKipp dem Großmüiigew der den Kasseler Dom als Grablege der Hess schen Landgrafen bestirrmte. FrÄher diente diesem Ztr-eck« die Elisabethkirche in Marburg, ganz früher das Ahnaberger Kloster und die Brüderkit che in Kassel. Die Gruft muß sich unter den ersten Platzreihen vor dem Mtar befunden haben. Leider wissen wir nichts mehr davon. Sie ist versel-wunden und zMaschüttet. Vielleicht ist fie auch, was öfters vorkam. eingebrochen. Beiges-etzt wurden darin unter anderen die Gemahlin des Landgrafen Philipp und als letzter — im Jahre 1632 — Landgraf Moritz. Danach wurde die Gruft geschlossen. Später ließ Land- graf Wilhelm der Fünfte unter dem alten Ka- pitelslaal eine nette Gruft anlsgen. Er war bet erste, der in dieser Gruft beigesetzt wurde Das war im Jahre 1640. Da der Landgraf bereits 1637 stach und in diesem Jähr« erst mit dem Bau begonnen wuroe, stand der Sarg nttt bei Leiche drei Jahre über der Erde.
* * *
Etwas Außergewöhnliches ist die Kirche nicht, Sie wird zwar in den Kunstgeschichten erwähnt, aber nicht näher besprochen weil sie Mfftisch auf Vorbilder zurückgeht. MS Halleultrche besitzt sie große Aehnlickfkeit mit der Marburger Elisa- beMirchr, die 1235 erbaut wurde. Eine große Ucbereinstrmmung besteht in den Matzen. Di« Elisabethkirche ist 56, die MartinSkirche 55,20 Meter lang, bie ERfabothkirche 21,55, die Martins- iirche 21,60 Meter breit. Während ober die Mar- lnrger Kirche gleich in allen drei Schiffen 20.20 Meter hoch ist, hat die Kasseler Hauptkirche im Mittelschiff eine Höhe von 16,60, in den Seitenschiffen ein« solche von 14,70 Metern. Das kommt r-aM, daß Schwierigkeiten bei der gottschen Ueberwölbuny, die noch in Marburg auftratee, in Kassel bereits überwunden waren. Eine EigeutsiMlichkeit unterscheidet die Kassier Kirch« Von anderen alten Tomen: Es fehlt baS GemWd« vorn jüngsten Gericht am sogenannten Triumphbogen am Chor, das, soweit es nicht im Laus« d«r Zeit verschwunden ist, in den Keinftett hessischen Dorfti oben gefunden wird. Trotzdem hielt man an der Tradition fest, und sd findet man ed im Schlußstein des Chors. Dort sitzt Christus, di« Hände mit den NägelmaLen erhoben, am Mtinde die Zeichen feiner Macht- Szepter und Schwert. Die Schar feiner Slpostet umgibt ihn. Oben schweben zwei Engel, die, Posaunen blasend, die Toten aus den Gräbern rufet«. Rechts und links davon befinden sich als Mrbitter Maria und Johannes.
Ettt schönes Denkmal der Slcnatffance ist in dem gewaltigen Epitaph dos Landgrsen Philipp erhalten, Via ton seinem Sohn gestiftet wurve und verumtltch in der Zeit von 1567 bis 1572 sertiggeftellt worden ist. Besonders wertvoll ist das noch vorhandene Epitaph des Prinzen PHi- lipp, dem tn der Schlacht bei Lutter am Barenberge meuchNngs getöteten Sohu des' Landgra- ftn Moritz. Di« Orgel ist 1610 als ein Meisterwerk des Hamburgers Hans Scheer auf- aestellt worden. Als chäter eine arobe ütneufc