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Nr. 188.

Zehnter Jahrgang.

Kasseler Neueste Nachrichten

Beilage.

Dienstag, 17. August 1920.

Aus aller Welt.

Der Butterschieber.

Aus Görlitz wird aejchricden: Au einem @t»* 6en Tumult kam es bitter Tage tn dem Nach- barWd-tchen Löbau i. S. Torr war aus dem Dcch-nhof ein Fatz beschlagnahmt worden, das unter »er Bezeichnung des Inhalts als Gemüse nach Dresden gehen sollte. Ms man das Fatz öffnrte, entdeckte man darin lA Zentner frtfthc und beste Butter, die von Löbau nach Dresden verschöben werden sollte. Die Nachforschungen ergaben, daß als Msenderm die Löbauer Zen- ttalmolkerei in Frage kam. Di« Nachricht von der Butterschiebung war bald in der ganzen Stadt bekannt und löste, da geradr in Löbau me Butterzutetlung an die Bewohnerschaft sehr knapp ist, große Erregung aus. In den Nach- vrittagsstunden versammelte sich die Arbeiter« scherst aus dem Marktplätze und d-,av sich in gc» ordnerem Zuge nach der Molkerei. Dort war der Leiter des Instituts, der Dlolkereidirektor Tchüneman bald ausfindig gemacht. Gr, sowie fein Gehilfe mutzten aus einem Wagen Platz nehmen, der nun in der Mitte des Arott« UMiges durch di« Stadt gefahren wurde. Der MoEereibirettor wurde gezwungen, ein großes Slakat zu trogen, das weithin sichtbar di- Aus» zrist trug: Ich bin der größte Buttsrschieber. Natürlich erregte der Umzug gewaltiges Auf- seihen, und auf den Straßen sah ein« grotze Men- schmmenge dem eigenartigen Schauspiele zu. Vor dem Rathaus machte der Umzug halt, und eine Arbeiterdepuration übergab dort dem Po­lizeiinspektor die zwei Schuldigen. die numnchr in pol l.) etliche Haft genommen wurden.

Die Apfslernte.

Die Aepsclernte wird in diesem Iaht- tot ganzen hessischen und baherischen Mamtal und in den angrenzenden Gebirgstälern des Oden- Waldes «ich Spessarts ungemein reich- 11 ch ausfallen. Vom Untermain bis zum Qb:r- laus des Flusses hinauf bieten die die Stratzen uotsäimnenden Obstbäume und die großen Obst, bamnanlagen in den Feldern durch ihren über- reichen Behang einen hocherfreulichen Anblick. & weiten Gebieten erreicht die dieSjährM tobsternte den Riesenertrag der Rekordernte vom Jahre 1917. Man rechnet angesichts dies.r «ichen Aepselernte auch schon sicher mit einer erheblichen Senkung der Obstpreise. Der Abhau der Weinpreise dürfte jedenfalls ait* auf den Preis deS n<,tten Apfelweins «6eK^ lich drücken. Ein Anzeichen für die Annahme Hst toon darin zu erblicken, daß für Fallobst weit geringere Presse als im Vorjahre gezahlt wer­den. Man bietet, wie aus Frankfurt berichtet wird, dafür höchstens 510 Mark pro Zentner.

Beendeter Streik. Der Streik der Gast- wirtSanMtellten m Leipzig ist beendet worden. ES soll ein neuer Tarif abgeschloffen werden, der bis zum 31. Oktober Gültigkeit hat. Auch im Tarifstrsit der Musiker ist eine Einigung zustande gekommen.

Einbruch im Schloß Hohenzieritz. Einbre­cher sind in das historische Schloß Hohenzieritz bei Neustrelitz, in dem die Königin Luise ge­storben ist, eingedrungen. Die Einbrecher höben zwölf Taffen rmd ein Schreibzeug von sehr hohem Kunst- und Pietätswert geraubt, v. a. eine Taff« der Königin Luise.

* Elf Waggons mit Lebensmitteln verscho- den. Ans Stettin wird gemeldet: Beamten der Ueherwachungsstelle der Eisrnbahndirrttio« Stettin und Berlin ist es gelungsn, ein« große Schiebung, deren HauptbeteiRgte ein Htlsszug- ^r, ein Zugabfertiger und ein HiWschwffncr auszudecken. Den dr« Beamten ist es ge­lungen, durch Vernichtung achter Frachtbriefe und Unterschiebung gefälschter Frachtbriefe elf Waggons mit Zucker, Hafer, Ackerbohnen und Heringen nach Berlin zu verschieden. Es ist gv= nrngen, -einen Waggon Zucker, einen Waggon Hering« und einen Waggon Ackerbobnen in Bei.

lin anMhalten, während der Inhalt der Wri- aen Waggons bereits in Berlin verschoben war. Beteiligt an den Schiebungen sind ein Kauf­mann Aigismund Schmidt aus Derndurg und ein Kansmann 8Sttfe aus Stettin. Beide sind flüchtig. Die drei Eisendahnbcamten situ» ver­haftet. Sie sind bereits geständig. Fn Berlin wurde ein Briefträger verhaftet, der gegen Be­lohnung von 500 xM ein gefälschtes Apis Mtellte.

Wieder eine Explosion im Stahlwerk Hoesch. Aus Dortmund wird berichtet: Auf dem Essen- und Stahlwerk Hoesch explodierte ein Marttn- ofm, in den btt der Füllung e:ne 38 Zentimeter- Granate geraten war. Etwa io bis 12 Arbeiter wurden zum Teil schwer verletzt, vier fußen be­reits geworden fttn. Das Mariinwrrk S mutz für einige Zeit den Betrieb erstellen.

* Btt einem Postwagenunfall tStlich ver­letzt. Der Direktor der Bayerischen Hypotheken- und Wsckselbauk in München, Rechtsanwalt @ »n, ist in btt Schweiz tätlich verunglückt.

hen Sitten und Bern schlug der Postww den mit Direktor Puehn um, dabei wurde die­ser so unglücklich fortaesckflemdcrt, daß er sofort tot war.

* Unterschlagung eiitcS Zahlmeisters. Der Zahlmeister der EVinger SicherHeft^poliztt von Tcvgern-Parkin wurde nass' Unterschlagung von 280000 Mark flüchtig. Er wandte sich wahr­scheinlich nach Rußland.

* Tödlicher Absturz im Gebirge. Di« Toch­ter des bayerischen Gesandten m Berlin Dr. v. Breger, ist btt einem Ausstieg zu der Dreitor- fpitze hn Wetterffeingebiroe tödlich abaestürzt.

Schreibmaschinenzimmer - Vorsteherin". Die Angestellten deS Dr. Bohlinaschen Anwasts- büros ht Sayda im Erzgebirge führen nach einem BetriebsrotSbeschluffe von jetzt ab fol­gend« Dienlibe,eickm-imgew: AnWaWsbürodirek- tot, Änwa^tsoberselre i är, Anwaltssekretär (eben (TO'V'ctemt'). die St'fte: Büroasststenten, die SchreiLmaMnenidamen: vervslichiete Notariats- gghilfmnen, die Dienstälteste hat die Bezeich­nung .DchrelbmaschLnenzynmer-Vorstöherin" zu führen.

Eine taffe Ter 15 Franks! , Der Tee, bi» anae->chme Zugabe iu den Vergnügilichkeiten der Fünstchr-Unterhakttma der in no-rm^e-n Retten nur kstkchridene Ansprüche an den Geld­beutel astellit hat. Ist zurzeit in Paris ein LuruS geworden, den sich nur noch reiche Leute gestatten können. Werden doch für ein Glas Tee ht ele­ganten Lokalen gegenwärttg 15 Frank? berech­net. Die Güte des in Paris gerechten Tees würde den hoben Dreis nicht rechtfertigen, aber man muß nicht außer Acht kaffen, daß Tee beirrt 'n Paris ausnahmslos mrr in den Tanzlossssen auAaeschenft wird, deren Gäste einen PrttS von 15 Franks für die Taffe als durchaus angemessen ansehen

* Wens Millionen Mark für ein Dserd. Der höch"e Dress, der jemals in Amerika für eu zweiiähriaes Rennpferd ge,*a6Tt wurde, ist jetzt fÜT den Dstanienbrannen Hengst Fmboape ange­legt worven. Das Tier, das von Frier Rock- Rose aus Gdkd stammt, brachte Dollars,

waS einem Wett von etwa fünf Millionen Pa­piermark entspricht. lVnchoape, der aus dem Stall des kalifornischen Dferdezsichters F. H. Roffeter stammt, hat in diesem Jahr zweimal gestattet und beide Mal neftogt Man prophe­zeit ihm eine große Zmrkunst.

Ms der Heimat.

Wirtschaftliche Rundschau.

Roch dem Stande vom 14. August 1920.

Allgem eine Lage: Die große KristS der Fabrika'ion und des Warenumsatzes Ist zur- zeit noch nicht überwunden. Seit kurzem zeigt sich wieder eilte leichte Belebung bet geschäftli­chen Tätigkeit. Geldmarkt: Die Unklat- beit übet die Entwicklung der politischen Lage steht ein-er lebhafteren GeschäftStSttgkeit hin- dernd im Wege. Lustlosigkeit und plötzliche 11»-- ternehmungSlnst wechseln ab. Industrie:

Di« Industrie kam, infolge ber Epaer Abma. chumgm mit einer ausreichenden Dwinkohlenlie- ferung nicht mchr rechnen. Braunkohlen und sonstige minderwertwe Brennsiofse müffeu ver­wendet werden. Warenmarkt: Am Web- warswmarkt hält die Keine Belebung an. Don der Dtuttg. Garnbörse am 11. berichtet man grö­ßere Nachfrage und anziehende Preise. Die deutschen Gummifabrikcn haben zum drittenmale die Preis« Mr Gummireifen ermäßigt. Der Ver­band deutscher Emallierwerke will die Mindest­preise bis zu 20 Prozent ermäßigen. Nach An­sicht von Sachverständigen ist rin Fallen ber Pa­pierpreise kaum vor April 1921 zu erwarten.

Holzmarkt: Radelrundholz ist schwer ab­setzbar, Grubow- und Papierholz sehr gefragt. Im übrigen mäßiges Geschäft. An den Floß- märten bemerkte man Anzeichen für Belebung des Umsatzes. Für ttnfort. ffigef. Ware wurden etwa 500700 Mark und darunter ab fitbb. ©tat. verlMgt. Am GerbrinLenmarkt ist btt Mäßig anziehenden Preisen ein« bessere Stimmung zu beobachten. Verkehr: Di« Versuche mit drahtloser Telephonir ergaben bisher rin sehr gutes Resultat. Die Stadt Speyer will einen weiten Rheinhafen erbauen. Zur techn. Messe in Leipzig sind 3000 Ausstellerfirmcn angemel­det. Dir Breslauer Herbstmesse findet vom 7. bis 11. 9. statt. Rach der .Voss. Zig." lehnt ter ReichöverkehrSminister eine weitere Er­höhung der Personen- und Gütertarife ab. Arb eitsmarkt: Die Erwerbslosenzisfern sind abermals gestiegen, besonrers im HandelS- goiverbe. Auf dem weiblichem Arbettsmarft blieben die Verhältnisse allgemein unverändert.

Die Maul- und Klauenseuche.

Krsisttetarzt Krexa m SchMchtern hat btt Beobachtung gemacht, daß die Tierbesitzer an Maul- und Klauenseuche erlraulten Tiere, je­nen Tieren, die einen Tag over länger nichts fressen, LeinmmensiMeim oder auch Atizneisn mit der Flasche ei «geben. Tas ist wegen ber Gcsrchr des Verschluckens, aufjedenFall zu vermeiden. Da die Zunge ÄnnfaAS er- krankt und Schlund sowie Kehlkopf der an Aphthenstuche leidenden Tier« gelähmt ist. ber« Mucken sich die Tiere beim aetoattfamw Einge­hen, und der in die Luftröhre und in die Sunge gelangte Freutdkörper löst eine Lungenentzün- düng aus, wodurch an das erkrankte Herz er- neute hohe Anforderungen geflM werden. Hierbei versagt das Herz und das Tier mutz an HerzWhmuug zu Grund« gehe«.

Der Preis der DSngemMel.

Di« B-mühunym deS ReirMmtnifterimns für Ernährung und Landwirtschaft, eine Sen» kung der Düngsmittebpreife herbeMisühren. wa­ren bisher vergeblich. Für das lausende Wirtschaftsjahr kann mit einer Senkung der Meffe für künstliche Düngemittel, inSbesond-re für sKSstwfshaMge Düngsmtttel, nicht g:r«ch- ntt werden. Die Bemühungen der zuMudtgeir Stellen müssen sich vorkäusia darauf beischrän- ken, eine Stabilisierung der Preise für das lau­fend« Wirtschaftsjahr zu erreichet^

* Kehrenbach, 16. August. (Httmkehr aus Sibirien.) Nach jahrelanger ftbrrischer Gefan­genschaft kehrte vor kurzem der Arbeiter Her­mann Aubtt in b:e Heimat zurück, von seiner Frau und seinen Kindern aufs sch-nsüchtigste er­wartet. Der schon ost verschollen Geglaubt« war im Herbst 1915 in Gefangenschaft geraten und hat viel erlebt.

* Röhrenfurch, 16. August. (Elektrisches Licht s Di« tleberlandzentrake hat nun auch hier ihr Tageweri voWracht. Seit voriger Woche können wir uns des vrachtvollen Lichtes erfreuen

Homberg, 16. AugeO. sTitelverleihung. Miettmterstützungen.) jFn dem Bezirk des Ban- amtts Treysa sHombera, Kirchhain, Ziegenhain) sind dl« Straßenmeister Hofmann, hier und Säuger-Neustadt zu Oberstraßenmeistern er­nannt worden. Neuerdiuas sind die Unter- sftitzungen für die Erwerbslosen In unserem

Kotts neu festgesetzt und betrage« für bea Per« fon und Tag zwischen 5'und 25 X

*^ineÄ,ch716. August. (Lichtanlage.) Seit eitrigen Tagen erstrahlen auch die Sttoßeu nn« serös Dorfes in bestem efettrischen Lichte. Nach und nach folgen die Privathäuscr, sodaß man hoffen darf, daß Pttroleum- uns Karbtolampen bald mrr noch aushilfsweise zur Devwendmm ^"Sfa, 16. Augrtst. (BeförderunM Sm- deSbaumeifter Taubett, der Vorsteher des h», ft gen Landesbauamtes, ist WM Säumt anamt worden.

UntrngeiS, 16. Augusst. (Don btt Erweck Die Getreidesrute ist fast beendet. Der ErtM der Roggenernte bttbt aSer Mgen den vorfSh« rigen zurück. Der Frost hat in der BlüteMt des Roggens stiäver arichadet

Hersfeld, 16. August- (Befordtttck SrttS- auSschuß-Ufftsttttt Fritz Becker, Sohn des Man« verpMers Heinrich Becker hier, ist Wm KreiS- auSsthuß-Iekrttär in Altena beordert worden

* Schlüchtern, 16. August. (Gegen das Schworzwitd.j Der Kreistag beschloß zur Ver­hütung des Schadens durch ^Wildschweine den KreiSausschntz zu erfurben, für den Abschluß von Wildschweinen KrttsprämGeu ausZufetzen «nd bei der WaatZrsgierng zu beantragen, den staat­lichen ForsiSeamten beim Erlegen von Schwarz­wild das erlegte Tier volMmdig nnentgÄmch zu überlassen. _

* Frankfurt, 16. August, (Amerikanische Stt* b-sgabe.) Sämtliche Angestellten und Bemmen der Metallbank eMelten von einer Tochtergesell­schaft tn Amerika 2 Kisten mtt Ledmsmtttekn al» Präsent. Auk dies« Weise kcnme der Einzelne 12 Dolen Milch. VA Liter Ott, 20 Mund M-Hk und 9 Pfund Mais nach Hans« tragen

Frankfurt, 16. August, (»erschätsi- Paß­kontrolle.) Die Franzosen haben an der <stm%e des besetzten Gebietes wieder eine außerordent­lich scharfe Paßkontrolle surgeführt, die sich «tu menKich atrf die Landstraßen mM»ehnt. Au der Mainzerlandstraßr vor Griesheim wurden am Donnerstag nicht wmiger wie 20 Personen ver- haftet und durch OMzitte verhört, die tonte Misse bet sich statten Waren sie im besetzten Ge­biet wohnhaft, konnten fie nach Feststellung ihrer Perso".alten gehen! und- werden nur vor« Polteriaerich- kommen, wer aus dcm undesetzt« Deutschland kam, mußte tote Strafe sofort zast- Ten oder rittsprcchende Sicherheiten tn Uhr.-nr SchmucksMcken etc. da soffen. Die frmrzSsiich« Befatztmasbebörde in KöNigstem «acht Ybm- faC-8 ausdrücklich daraatf aufmerksam, daß dtt Paßftmtvolle verschÄstst ist.

A«S de« Nachbar-Gebieten.

* Arolsen, ,16. August. (Steuer-Dekretirck Dem hiestaen Sandesdirektoriuut wurde bet ReKerungSsttrttär Gustav Ballett aus Arns­berg überwitten. Er ist als Nachfolger des an das Finanzamt in Eorbach versetzt-'« Herr» Bchrmamr emgusecheu.

Börse«- und Marktberichte.

** Frankfurter Börsenbericht. An der Don» abeud-Börse war die Te^enzmxh wie tn bm letztem Tagen feit. In Elektrvaktren -roftnew die Bergmann-ÄMe zu 245, Schuckett unverän­dert mit 211, Felten und Guilleaume 416 (plus 11 Prozent, Siemens und Halske ca WO (plus 5) Prozent, Lahmeyev 198 (plus 8) Prozent, Sehr fest blieben die Aktien der Licht- tt. Kräfte aritagen A.-G., die zu 151% eröffneten (plus ca. 9-< Prozent). SchiffahrtAverte ließen ein we­nig nach, Mowtcmwerie blieben mtt bebautet Lurembwvger 303%, Harpen 378%, Rhttmfche Stahlwerke 383, Bochmner 442, Mannesman« 425, Mansseld-Kure Mark 4250 M200. Chemie- werte waren still Kaflelcr Faßindustri« 306 (plus 16). Von Valutawerten waren Mexika­ner höher gesucht und gegen Börsenschlrch stiege» sie haussearkig. Sprozenttge SilbermexÄaner er­öffneten mit 314 und schloffen mit 320. Swwz« Goldmexikaner 395. Deutsche Petroleum A.-G. schloffaa mit 1265 b 1295. Die Kriegsanleihe ging auf 79% zurück: tprozentigr ReichSmrleihe stieg auf 69.

Ungeladene Gäste.

3« bett Wohnungen de« ferne« Oste««.

Auch unS fliegt im Sommer mancherlei Ge­tier durch die Fenster, fchwirrt, fummt und klingt in den Stuben. Aber wie gering ist die Zahl dieser ungeladenen Gäste an der Fülle von merkwürdigen Wesen gemessen, die im fer­nen Osten den südlichen Hausbewohner erschrek- ken und umdrängen. Ein anschauliches Bild von diesen Mitbewohnern entwirft Hilda So oe aus Bangkok in Siam in einem englischen Blatt: »Tokay! Tokay! Toka-a-ay!" So kreischt es plötzlich über mir. während ich abnunrslos dafiize. Mit einem Schreckensruf wende ich den Kopf und sehe an der Wand ein lichtgraues Tierchen aus der Eidechsenfamilie, über einen Fuß lang, mit hochroten Tupfen bedeckt, einen Körper, so dick etwa wie mein Handgelenk, und dies Tierchen schreit beständig schrill und laut seinen Ruf .Tokay" mit dem lang bingeroge­nen O- Der wütende Ausdruck der hellen Aeug- lein laßt mich erstarren, und ich fliehe laut schreiend. Die indische Eidechse, di: von ihrem Ruf ihren Namen hat. Ist aber nur dem Land­fremden ein Schreckensbild. Dem Siamesen gilt ste als .Schutzaeist" des Hauses, und in keiner Wohnung fehlt dieser merkwürdige Gerst- Man hält die Anwesenheit eines TokayS für glückbringend, vielleicht weil das Tierchen Hei­nes Üngezieser verzehrt, und wie der Europäer dem Ruf des Kuckucks, so lausch! der Sohn des fernen Ostens dem schrillen Schrei der Eidechse, denn sieben nal wiederholt, kündet er Glück und Reichtum an. Wenn er gereizt wird, kann der Tokay auch beißen. Aber gewöhnlich ist er ein gutes, freundliches Tierchen, das mit der Fami­lie zusammenlebt und während des Tages still an einem schatt'aen Platz hängt. Hauptsächlich in der Nacht lägt er seinen Ruf ertönen, dessen unheimliches Schrillen den Neuling nicht schla- fett läßt.

Tokay ist aber durchaus nicht der einzige ungetedene Gast, mit dem sich die Hausfrau im fernen Osten vertragen muß. Sem Vetter aus der großen Familie der Eidechsen, der ^sching - tschok", ist sehr viel rahlreicher und

rennt Tag und Nacht an den Wänden und Decken herum. Er steht aus wie ein kleiner grauer Fisch und wird garnicht beachtet, wenn er nicht hie und da einmal plötzlich von der Decke einem auf den Nacken fällt- Und dann die vielen Käfer! Das sind keine europäischen Käfer, winzige Tierchen, vor denen die Frauen doch unbegreiflicherweise einen solchen Abscheu haben, sondern es sind wahre Käferriesen, rote z. B- der KokuSnuß-Käfer, ein großes run­des Ding von dem Umfang einer Maus, das durch die Luft springt und mit einem hörbaren Plumps niederfällt. Dieser Käser frißt die- chereinbände, indem er große Stücke herausreißt. Meine besondere Anfechtung sind die Heuschrek- ten, deren Bewegungen im Zimmer ein Geräuch verursachen wie ein ewiges Knistern von steifem 'stapier. Wenn ste des Nachts zwischen den Bäumen flattern, dann machen ihre Flügel ei­nen Lärm, rote wenn Tausende von Spatzen da wären- Auch die riesigen Regenkröten des Ostens sind nicht jedermanns Sache.

Aber an ste gewöhnt man sich viel rascher als an die scheußlichen Spinnen, die so groß sind wie Eier, eine ungezählte Zahl von langen Beinen von sich strecken und gtfiig sind. Aber merkwürdig! Von all diesen Scheusalen und SchreckenStteren umdräut, lebt man doch ganz ruhig und sicher, denn die ungeladenen Gäste tun dem menschlichen Mitbewohner saft nie et­was. Diejenigen, die am harmlosesten und niedlichsten auSsehen, sind wie so oft im Leben die gefährlichften. Das sind die klttnen Ämei« sen, von denen besonders die roten alles an- fressen, was in ihre Nähe kommt.

Bunter Allerlei.

Ser «Polarforscher als Srkimo.

Der Isländer Stefansson, der Ltticr der wichtigen kanadischen Erpeditton im Beau­fortsmeer und Heu westlichen Tttlen des ark- ttsch-amerikanischen Archipels, hat wahrend sei­ner Polarretsen völlig die Lebensgewohnhetten der Eskimos angenommen und er empfiehlt in einem Aussatz seine Methode den anderen Polar­forschern als die prattifchste Art und Wttse, um

in den Gebieten des ewigen EiseS längere Zeit leben zu können. Wie er ausführt, wurde er dadurch, daß er selbst als Esssmo lebte, in den Stand gesetzt, mit sehr wenig Gepäck »uszukom- men, sich fti unbekannten Gegenden frei beWe­tten und dort lange Zeit aufhalteu zu können. Er erprobte die Möglichreit, daß ein Menfch sich nur mit Fleisch und Fischnahrung gesund «ich körperlich kräftig zu erhalten vermag und daß man auch ganz ohne Salz leben tarnt. Er fand Ule arktischen Regionen hn Gebiete so reich an Tieren aller Art, daß man nur mit der Jagd- unb Lebensweise der Eskimos genau vertraut sein muß, um sich jahrelang feine Nahrung aus dem Lande selbst zu verschaffen. Deshalb führte er gar keine Lebensmittel und Brennmaterial bei sich, wahrend andere Forscher sich mit großen derarttgen Vorräten belastet hatten, und paßte M völlig den Verbältniffen der Polargebiete an. anstatt die BebÜrfniffe des Kulturmenschen dahin zu verpflanzen. So vermochte et auf einem einzigen Hundeschlitten alle Bedürftiiffe für einen mehrjährigen Aufenthalt in ber Ark­tis unterzubringen und verfah sich nur reichlich mit Munition, berat er tat festgestellt, baß man sich mtt einem Pfund Munition bei großer Sparsamkeit zwei Tonnen Lebensmittel vettchus- sen tarnt. Aehnliche Erfahrungen wie Stefaus- son haben auch Nansen und Rasmussen bei ihren Forschungsreifen gemacht. Aber keiner hat bis­her bie Meisterschaft Siefanffons erreicht, als Eskimo zu leben und deshalb waren ferne Er­folge in dieser Hutsicht am größten.

Au« grauer Dorzeit.

Im Süden der Bucht des dänischen Mesund wurde kürzlich ein Wikingerschiss entdeckt, das nach dem Gutachten btt Sachverständigen keinen geringeren Wert hat, als das berühmle ,Eis- berg-Schtfft, Es handelt sich btt diesem letzten MN die Reste eines Wtkingerschiffs, die vor Fah­ren, in Eis gebettet, von Fslandstschern an der Küste von Grönland gefunden worden waten. Ein noch vollendeteres Muster ernxs Witino.w- fchiffs wurde im Fohre 1880 in einem Grabhügel bei Coss'ad in der Räbe von Lhrifiianta autge- fttnden. Di« beiden genannte? Schiffe dürften im neunten Jahrhundert gebaut worden tarn.

ste gehören zur Zähl und Klasse feuer Schisst, mit denen bie Wikinger ein halbes Fcchrtousend, bevor Eoliumhus AmerAa entdecktes den Attaw- tttoea Ozean Überquert hatten.

*

Sin See mit VeUchrndnft.

Auf der Halbinsel ManMhitak int Kaspische« Meer Regen fünf sonderbare Keine Seen. Heber einem von ihnen Regt rin so dichtes Saget bmt Salzkristallert, daß ein Reiter ruhig darüber zet­ten tarnt. Der zweite Ser zttchnot sich durch feine sÄPamte Farve aus, die schwach rötüch ist. Er ist gleichsam tn einen glänzend weißen Rah­men von SaLzjkristallM -ringefatzt und sei« Was­ser, das nur die Farbe von rot M violett wech- scln tarnt, hat einen besonderen Geruch nach Veilchen. Stan nimmt an, daß sowohl bet Ge­ruch wie die Farbe von den Stof npflanzen hate rühren, big in großer Zahl im Wasser wachsen.

An bie Alliierten.

Den Schmachvertrag habt Ihr erfotmen, Als Fht im .Rat ber Fünfe* saßt Und noch berauscht im Siegerwahm Die Welt mtt Eure« Zrrkel maßt, Fht teiltet Länder auf und Meere, Verschobt bie Grenzen sktupelfrei. Verschobt die Heimat von Million«^ Fht Oberschieber von Vttsailles!

Fhr Nahmt uns Waffen, Schifte, Kohlen,

Und wollt noch unser ganze? Geld, Fhr möchtet, daß wir Eure Sklaven, Und Fhr die Herren dieser WeÜ.

Doch jetzt schon quälet Euch die State, Schämt Euch des Sprößlings schwach« fttnf Und vorn den Fünfen leugnen Drei« Bescheiden ab die Vatettchaft.

Die andern Beiden ftrßütett weiter.

Sie sehn im Öfter neue Rot,

Wo ihrem arg .uitzlunynen Werte Der Anfang seines Endes droht. Wird Euer Dünkel mm bald enden? Fhr großen Stümper dieser Zett, Sucht mir vergebens ttuMschüchtern, Fhr bleibt doch immer t»a£