Meter Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Nummer 187
SormLag, 15. August 1920
RentfvretSer 951 und 953-
10. Jahrgang.
Fernsprecher 951 und 953.
Dauernde Verwirrung in Europa
Zwei feindliche Lager
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Die Raffet« Neueste« Nachrichten erscheiuen wScheutltch sechsmal und zwar abend». T« 1boraiementlvtet* beträgt monatL 6.00 Mark bet frei« Zustellung in» Hau». Bestellungen »«den >ederr«ik oon der «eichäftlftelle od« den Boten entgegengenommen. $ ruderet, ®ertag and Redaktion; Echtachchofstrate 28/30, Für mwerlaikgt etngefanbte Beiträge kann Sie Redaktion eine Beranrworrung Oder Sewahr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung der Lezugrgelder oder Lnivrüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung aurgefchlosten.
nietoCTgefogt würde, auch Polens Todes» «Wagen W. D« Ahhwchackeit«
Zwischen Sowjetrutzland und DeutschSand m der Frage der Entwaffn mig der auf deut- schlls ReichZqebiet üHertreteudcu Polen sowohl den Ententsbotschaftern in Berlin wie der Fric- densk-ousereirz in Paris Mitteilung gegöben, um die strenge Neutralität des Reiches nach veilden Seilen Hin zu beweisen.
Jnierttonrpretse - e) »inheimtsche Aufträge; Die etnfpatttge «nzetgen. Zeile M 1.00, die einspaltige Reklame,eile M. 2.60. b) «urwärtige Aufträge: Die einspaltige Anzeigen,eile M. 1-20. die einspaltige Rellamezeile M. 2.76, alles einschließlich reuerungSzuschlag und Anzeigensteuer. - Für die Richrtgke« all« durch Ferniprecher aufgegebenen Anzeigen, sowie für Aufnahmedaten und Plätze kann eine Bewähr nicht übernommen werben. — Druckerei: «chlachttzofstr. 28/30. BeschäftSstelle: Kölnische Str. 6. Telephon Nr. 951 u. 952.
Unter kindlicher Knute.
Franzosengewatt im Saargebiet.
(Privat-Telearamm-l
Saarbrücken, 14. August.
Am 12. August haben wegen des Beamten- ftreiks Verhandlungen zwischen den Arbeiter-Organisationen und der Militärbehörde stattgefundcn. Die Arbeitervcrtreter verlangten die Anerkennung neuer Forderungen der Beamten, darunter die sofortige Freilassung aller bisher aus Anlatz des Beamtenstreiks verhafte- trn Personen, ferner sofortige Aufhebung deS Belagerungszustandes mit Beendigung des Streiks. Alle früheren Rechte sollen sofort tote- der in Kraft treten. Das sofortige Erscheinen aller Zeitungen wird ebenfalls verlangt. Die Verhandliungen verliefen ergebnislos, wo- rauf die Arbeitervertreter die Verhandlungen abbrachen und den Generalstreik prokla» mirrten, der gestern früh 8 Ahr für das ganze Saargebiet eingesetzt hat. Heute sollen noch ein mal Verhandlungen versuchst werden. — Gerüchtweise verlautet, Präsident Rould habe namens der Regierungslommisston in einer Eingabe an den Völkerbund ersucht, die Rcgirrimg des Saargebicts an Frankreich za übertragen.
3er ßntente-zwksvalt.
Folgen des Streits uur General Wrangel (Eigene Drahtmeldung.)
Gens, 14. August.
Der Pariser „Demps" meldet zinn französisch- eugkischen Korrflift: Ter Beschluß nach Anerkennung des südrnsstschon Generals Wrangel ist km Pariser Ministerrat einstimmig gesatzt worden und war deShasb von Mkllerand auSruführen. Neber die Form der Anerkennung ist Millerand r>ereit, mit England in sreimdschastlichen B e - sprechungen stch zu einigen. Die Anerken- nnng selbst kann n fickt rückgängig gemach, werden, da Frankreich in Rutzland über dreißig Milliarden Franken investiert bat. — Der Londoner „Evening Standard" saft: Der vorgestrig? Beschluß Frankreichs in bezng auf General Wrangel könne nicht endgültig durchgefübrt werden, da er irrig Ende oder eine A e n d'c r u n a des französisch-englischen Zusammengehens her- beifnbren müsse, toeldjcS die ftanzöfisch-britische Politik jetzt fünfzehn Jahre beherrscht hat. - Das Organ Lloyd Georges, „Daily Chro nicke" sagt. Frankreich werde, wenn es weiterhin in Rußland eine Partei gegen die andere Partei auSspicle, bei dieser Ansicht allein stehen müssen. Tas en-rftscl-e Volk verlange den Frieden und wolle sich nicht in einen Krieg hinein treiben lassen, der ein anderes Ziel habe als die Verteidigung der Freiheiten anderer, die zu schützen versprochen worden feien.
Die Verhandlungen.
Posen, 14. August. (Eigen.' DrahtmeDung.) Die polnischen Unterhändler trafen mit den Russen in Minsk zuswmrn.m, doch werden die Besprechungen wegen des Waffenstillstand eS und des Friedens erst heute, Sonnabend, zwi. scheu 5 und 7 Mr morgens ausgenommen werden. DuS Warschau wird ge.neTdet: Die pol- nische Kommission telegraphierte nach Warschau, ratz die Russen ihre letzten Bedingungen für die EinsteAmtg-der Feindseligkeiten nickst ge. mildert hätten. Sie erwarteten die Zustimmung der polnischen Regierung küs letzte Nacht.
Um den Stevrrabzug.
Die ReichSkasse kann nicht verzichte«. (Vrivat°Telearamm.l
Stuttgart, 14. August.
Da der Plan des zehnprozentigen Steuer- a b z u e s bei der Arbeiterschaft der württember- gischen Großindfistrie Mehrfach Widerstand gefunden hat und mehrere Betriebsleitungen mit Gewalt gezwungen worden waren, den abge- zoHtzch OtenerLxtrng «Lcher Seran^Mzahlen, fand gestern im Arbeitsministerium Württembergs eine Taguna der Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmergruppen statt, der auch Staatssekretär Mösle vom Reichsfinanzminifftrium, der seinen Urlaub unterbrochen hat, beiwohnte. Staatssekretär Mösle erklärte cs für eine absa- lute Unmöglichkeit, auf die Durchführung bsS Einkommensteuergesetzes zu verzichten und die Einkommenstetter zu ermäßigen. Vor einer Steuersabotage könne nicht dringend genug gewarnt werden, denn diese müsse letzten Endes zum Staatsbankerott führen. Während dieser Verhandlungen demonstrierten fünftausend Arbeiter der staatlichen Eisenbahnwerkstätten vor dem Eisenbagngene- raldirettionsgebäude gegen den Steuerabzug.
Kasseler Abendzeitung <
der Sobor, mit ihrer interessanten Geschichk». Mit ihren fünf byzantinischen ZwiebeMuppelu und ihrem GGecfentu nrt der sich in bvefer republikanischen und katholischen, von Italienern und Jesuiten erbauten Stadt wär eint Minaret auftreckt Es war der Will- des allmächtigen Zaren, der die Kirche als äußeres Zeichen seiner göttlichem und irdischen Macht aus diesem lateinischen Vorwerk seines asiatischen Reiches erstehen ließ, Wr.' die Legende erzählt, weissagte andern Tage tat dem der Grundstein der Kirche erngesegnet wurde, ein ereifer Pope, daß mit der Ferfta- stellnwg des Tempels auch Rußland am Ende «einer Tage ongetongt sein würde. Ink <hahre 1914 wurde die Kirche fertig. Ms dann mit Hilfe der Entente Polen wieder aufaerichtct rmrrde, faßte man im ersten Augenblick den Ent- 'chluß, die Kirche einzureißen. Schon ging mim ■’xtnm, den Glockenturm niederzulegen, als sich das Gerücht einer anderen Weissagung verbrei» täte, nach der an dem Tay, an dem die Kirche
Eine Hand wäscht die aufcere. Hatte ihm Frankreich zur „Regierung" verhalfen, so gab er set.nen Könnern großzügige Versprechungen. Sein RegierungSprogramm, das mir gestern durch Telegramm kurz mittÄlten, ist in diesem Zusammenhang nicht ohne Interesse. Sehr verrückend bietet er dem russischen Volke die Mög- ktchkeit, seinen freien Willen über die anzuneh- mende Reyicrunysform zu äußern. Die persönliche Unverletzlichkeit aller russischen Staatsbürger ohne Unterschied der Abstammuny und Religion soll stcherychtellt wenden Der Gnmd und Boden soll denen übertragen werden, die ihn bebauen, ebenso sollen die Interessen der Handwerker und Arbeiter gewahrt Werdern Tas sind Zweifellos schöne Worte; aber hatten die Bol- fchewisten nicht et-'-is Aehnleches versprochen 1 Und Ivie halben sie es gehalten? Daß General Wrangel die Macht zur Durchführung hat. ist ganz ausgeschlossen. D-ock> hat dies alles für Frankreich keine Bedeutung. Des Pudels Kern liegt im letzten rühreuden Satz versteckt. „Tie Regierung von Südrutzland wich alle internationalen Verpflichtungen, die die ehemalige Zaren- rrgienrng gegenüber auswärtigen Regierungen Lhernoumnesr hat. anerkennen. Sie wich ferner die Verpflichtung übernehmen, die Schulden Rußlands an Frankreich zu bezahlen " Hört, hörtN Das also ist das neue HandeksgeschLft der Franzosen. Dieses diplomatische Kunststück hat aber in London nerbsfi- Zuckungen hervorgentfen. Unerhört. Wie konnte die französische Regierung, die doch mit der britisch«! alliiert ist, hinter dem Rücken Lloyd Georges diese Eigenmächtigkeit begehen. Die britische T ivlomatie duldet keine Nebenherrschaft, zumal Lloyd George versucht, mit Sowjet ruß- land y* einer friedlichen Verständigung zu Iran-
Ausschreitung dsn Streikenden
Mißhandlung, Zerstörung und Schießerei.
(Privat-Telegramm.)
Königsberg, 14. August
' Nachdem gestern die Schlichtungsverhandlun een im Oberpräsidnrm in Königsberg ergebnislos verlaufen waren, fanden schwere Ausschreitungen der Streikenden statt. Mehrere Arbeitgeber wurden schwer mißhandelt, sodaß sie im Krankenwagen weggeschafft werden mußten' Heute moroen sammelten sich wiederum Tausende von Streikenden in den Hauptstraßen. Fuhrwerke, sowie Wagen von Lebensmitteln wurden umgestürzt. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgem-mmeu. Auf dem Holstendamm '.rnrde die Wolfsmühle vcn den Streikenden ge. stürmt. Die dort untergebrachte Abteilrmg der Reichswehr feuerte auf die Menge. Bisher wurden, zwei Tote «uv sieben Verwwwete gaartoct
Tragische Runden.
Warschau in der Furcht vor dem Feind.
Das Schicksal der polnischen Sa,!p«stad« hängt nur «och von wenige» Tagen ab. Aller D»r- aut ficht »ach wird die Vs» Norden anriirkende rusfische Armee nicht eher ruhen, di« Warschau tu ihre» Künden ist. Leder die bange Stimmung tu bee Stadt liegt sorgende Schilderung vor. Es Mt Augenblicke, in denen Warschau! den Eindruck einer itt kritischer Stunde befindlichen, SelagertenStadt macht. Eine Welle lähmenden Schreckens brandet über die bintfle Menge dahiu und stürzt sie in stumpfe Gleichgül-' liglett. NenV.ch abends als die Meldung ein» traf, daß Abteilungen der roten Retterei bereits in Lomza gesehen worden seien, stnnmclteni sichdi« Frauen der Stadt zu einer Prozession, die die Straßen durchzog und alle Passanten beschwor, zu den, Fahnen zu eilen und zur Front zu gehen. Bäuerinney, berufstätige innige Mädchen, alte Mütterchen mit schwarzen Spitzenhäubchen, Frauen mit Säuglingen tm Arm vereinigten sich zu einem Zug von unabsehbarer LätHe. Sie trippelten im Regen dahin und schrien in ebenso einstimmigem wie eintönigem Chor: »Laßt euch anwerbenl", »Sie dürfen nicht hierherkommen!" — »Wir sprechen mit keinem ZivMifien mehr!" — »Zur Front, zur Front!" Dieser
Alarmruf der schrillen Frauenstimmen
britische Regierung hat gestern der französischen eine energische Rüg- erteilt. Ein Riß bleibt trotz aller Beschwichtigung bestehen, denn die wähl' Gesinnung und die politisck>en Gegensätze sind allzu deutlich hervovgetreten. Da jetzt von ftauzösischer Seite versucht wird, die öffentlich' Aufmerksamkeit auf die »deutsche und die bolschewistische Gefahr" abzülenken, heitzt es für uns, auf ber Hut zu sein. Deutschland muß sich jetzt größte Zurückhaltung auferlegeu, um den englftch-franzosischen Streft nickst zu stören Je größer die Uneinigkeit Kvischen dem Alliierten, desto besser Ur unst K. F. Dr
An Ostpreußens Grenze.
Költtgsberg, 14. 'August. (Privattelegramm.) Rach Meldungen aus Thorn sind gestern tat ge- > muten ehemals preußischen Gebiet, das an Polen abgetreten wurde, die militärischen Ein- L?rulttn85I>efe^lc an elle Mänrter zwi- chen 18 und 45 Jahren ausgegeben worden, obwohl stete Einberufung nach dem Versailler Vertrag nicht zulässig ist. — Wie wir erfahren, bat dl- douljche ReAerung boa dem Roaeawech-
Der Enrcntesircit nm Eüdrußiand.
Stuf einem Fleckchen Erde in Südrußland, auf der Halbinsel Krim, die ins Schwarze Meer Wetnragt, sitzt ein junger General, der russische Baron Wrangel, der schon in der Zarenarmee Offizier war, auch während des Zusam- nkenbruchs beim Heere blieb, dann aber unter Denikin als Generalleutnant gegen die Bolschewisten kämpfte. Ws Denikin tm vorigen Jahre die endgültige Niederlage erlitt, verschwand Wrangel Mr lärwere Zett, tauchte aber vor einigen Monaten aus der Krim ans, wo er eine Armee fanwndte, di- etwa fünfzehntauseNd Mann zählen soll. Während jetzt die bolschowistische Armee trtit dvn Polen beschäftigt ist, versucht Wrangel, der etwa sechsunddieißig Jahre alt ist. den russischen Süden seWstäudiq zu machen und eine Gegenregierung zn bilden, als deren Diktator er vorläufig au stritt. Er bekleidet sein , Amt aus eigener MachtvoWommenheit, denn eine Wahl durch das Volk oder eine Ernennung durch eine Volksvertretung hat nicht stattgesunden. Kürzlich meldete einmal die fvanMösifche Presse, daß in Sudrutzland «ine Gegenrövoiution entstanden sei womit sie das Dorhandenfein des Generals Wrangel mit seinem Heerhäufsein men te. Obwohl man sich sagen kann, daß eine so geringe Truppenzahl nichts geacn die große Russeuarmee aus richten kam, griffen die Franzosen nach dem netten Mann wie nach einem Retter in der Not. Sie hofften, er werde die Russen von ihrem Polenkrieg ablenken und brachten ihm Munition überS Schwarze Mer«. Da er bis jetzt militärisch noch nicht den geringsten Einfluß ausgeWt hat, versuchte Frank- re t ch ihn p o l i t i sch zu stärken und> hat deshalb die »Regierung Wrangel für Südrußlaud" anerkannt, nachdem Wranael sich durch den sranzösifchen Vertreter in SüdMtzland mit Mille- raud versiänditzt hatte.
Strom von Flüchtlingen in die Stadt geleitet. Hier, auf den Bahnhösest, sitzen sie zu Hanf um ihre armseligen Habselig- ketten, unter denen der blanfgeschenerte Samowar tote eine schmerzliche Erinnerung an das ferne Haus und den verlorenen Frieden dieses Hauses wirkt. Gange wandernde Dörfer sieht mau auf den Bahnhösert Warschaus. Da sind Bauern mit der russischen »Rnbazka" neben steifleinenen Amerilanern in Khaki und Landsleute aus Lowicz mit Röcken, deren gelbe und grüne Schnüre ihnen das Ansehen vou Papa- aeiem gäben, dazwischen französffche Damen mu dem uuvermeidlkchen Gefolge von Hutschachteln tmd hänbchcwgeschmückten Kammerzofen, und da- neben die Gruppe schwarzgekleideter Juden mit leichenfahlen Gesichtern und traurigen Augen. — Orient und Okzident: wer kennt den Kern dcS Problems, dos sich hier zeigt? Da ist
dir russische Kathedrale,
Auch ZtaNen gegen Frankreich.
-. Ruw'14. August. (Eigene Drahtmelldunal Die gesamte italrentiche Presse wendet sich scharf Srtmfrctc^S überraschende Mion. Die Blutter ider N'.ckstnng erblicken darin eine Ge- sahrdung des europä'ischen Friedens ,.Jdea Nrrttona-lc" fegt, Frankreich fei bei der leb« ten zum Mtzglucken verurteilten Verteidigung des Vcrfatller Friedensvertrages angelangt.
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Rußland verlangt Aufklärung.
-,^°"^dam, 14 August. (Eigener Draht- Reuter meldet, daß Sowjetrust- land vor der Forffetzuny der Verlmndlunaen !?'" den Polen von England Aufklärung “b” b,= blnrrkenmmg des Generals Wrangel Frankretch eingefordert hat. Der durch ^^o^^Se6enc Atnkspruch weist auf die Zu
Irr rufsifch-volnifche Krieg.
Russen im poknifchen Korridor.
(Privat-Telegramm.)
Thorn, 14. August.
Seit gestern find starke rusfifche Kräfte an der ostpreußifchen Grenze versammelt. Gegen Sol- da u ist russische Artillerie im Vormarsch. Süd- iif) von Lyck steht auf polnischer Sette ein russischer Panzerzug. Die Russen beginnen die Grenze durch Stacheldraht abzusperreu. — Weiter wird gemeldet: Die Russen habe« auf ihrem Vormarsch nach Thorn Serpez besetzt. Rtot. He« Plonch und Plock sind die Russen auf BelSk zurückgeworftn worden. — Aus Worfchau roiri) gemeldet: Di« Lage vor Warfchuu zeigt keine Veränderung. Der Einbruch der Russen! in die polnifche Rordfroni bei PultuSk hat zur! ttilweifen Rückverleguna der poknifchen Linien biS hinter Pultusk geführt
men. Der schon in Hythe begonnene Riß Zwischen England und Frankreich Hai sich zu einer Kluft erweitert, die schwerlich ganz M überbrücken fern wirb.
Rach Sage der Sache hat sich Frankreich mit voller Absicht in Gegensatz zur englischen Politik gestellt. Die Wirkung ist aber unheShoS Wenn die Londoner Telegraph enagenturen berichten, daß das ftanzSstsche Vorgehen wie eine Bombe in England eingeschla- gen hat, versteht man Sie Erregung der Lon- dauer politischen Kreis« und der Presse. »Tally Retos" erSart mit echt englischer KaWherzigkeit, .wenn Frankreich seine eigenen Wege gehen wolle, müsse die Auflösung der Entente erwogen werden." Auch em Teil der englischen Arbeiter verttitt diesen Standpunkt Sehr heftig äußort sich der sonst gemäßigte »Star": »Man ist in London der Ansicht, daß die EntscheidtMa Sei Franzosen nur den Zweck haben toime, den Frieden zu verhindern, der im Osten geschlossen werden sollte. Der Schritt Frankreichs führte dazu, die alliierten und assoziierten Mächte in zwei jeindliche Lager zu spalun." Dem- gegenüber schimpft die französische Presse weidlich auf England. In bat beiderseitigen Regierungen har man aber infolge der »Bombe" eir.cn großen Schreck bekommen und es geschicht schon alles mögliche, ich den Streit «. iü&t ben. Dre
griff in der Nacht der verlassenen, lichtlosen Straßen wie der ekstatische- Schrei einer Wenge von Fanatikern ans Herz — In den großen Vlrkehrsa>dern des Zentrums merkt man davon freilich nickstS. Hier drängen sich die Leute zn ben Kaffees imb zu den. Kassenschaltern der. Kinottz^euter. Aber das ist kaum als Leichtsinn zu betrachttn. Es ist das UntethaltirngsbMirf- nis einer müde und apathisch gewo-rd-enen Gesellschaft und die MeichgAttgkeit, die sich darin ausspricht, kennzeichnet im Grunde nur das menschliche Bedürfnis, in dem Auf und Ah des äußeren Alltagslebens ein Gegengewicht zu finden, das schlecht und recht das' gestörte innere Gleichmaß Herstellen HA'st. Was soll in diesem Falle und in eurem Augenblicke, in dem das bolschewistische Heer in der Nähe der Stadt ist, ein Mann, dessen Amt es nicht ist, zu käimpsen, wohl anders tun, als sich eine Shtgel vor den Kopf zu schießen oder aber frühstücken zu gehen? Und deshalb lobe ich den Wars<hauer„ der die letzte Eventualität wählt. Auf Schritt und Tritt wird einem ins« Ohr geflüstert: »Wer würde wohl glauben, daß die Bolschewisten schon vor den Toren stehen? Nach dieser schönen Entdeckung seufzt der Fragesteller tief auf und begibt sich, rutgWcklich, wie er ist, im Bewußtsein finiter Pflicht der Lebenserhaltung ins nächste Kaffeehaus. — Wenn man sich in Wahrheit überzeugen will, tote der Puls Marschaus schlägt, ’fo muß man auf die Bahnhöfe gehen, die hier tote überall das Sicherheitsventtl des überhitzten Kessels einer erregten Großstadt darstellen. Der Anmarsch der bolschewistischen Heere hat feit Wochen schon einen