10. Jahrgang»
Sonnabend, 15. August 1920
Fernsprecher 951 und 953.
Nummer 186
Fernsprecher toi und 952.
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Meier Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
Eine südmUche Eegeneegiemng.
Bon Spa bis Genf.
Zwischen zwei Konferenzen.
Wer als airfmerksamer Leser in den letzten Wochen die Zeitungen verfolgt hat, wird gefun* den haben, daß niemals ein größerer Gegensatz der Meirnlngen geherrscht hat als bezüglich der Ergebnisse von Spa. Heiter die scheinbar eindeutigsten Fragen wie den möglichen Um-scmg der Kohlenförderung sind nicht nur die Gegner, sondern sogar die Sachverständigen des eigenen Walkes durchaus uneins. Dabei sei ganz davon abgesehen, daß in jede solche Zukunstsrechnrmg eine groß« Zahl unbestimmter Elemente hinein- iyielen. Insbesondere ist die Kohlenproduktion so sehr von dem guten Willen der Arbeiter abhängig, daß jede Bindung im Grunde unmöglich ist. Immerhin baten die Verhandlungen, wie die sich darin schließenden Erörterungen zweierlei mit völliger Deutlichkeit ergeben: die katastrophale Notlage der deutschen Wirtschaft und die international^ Solidarität der Wirtfchaftsintcressen.. Tie besonderen Schwierigkeiten der deutschen Wirtschaft liegen zweifellos in letzter Linie in Niederlage und Friedensvettrag. Aber die Tatsachen sind mm als gegeben hinzunehmen, und es kommt nunmehr darauf an, sich ernstlich daraus einzu- stelleu. Daß dies in den letzten anderthalb Jahren geschehen sei — oder sagen wir besser: mit Erfolg geschehen sei —, kann nicht wohl be- hanvtet werden.
Obne die img»beirren Schwierigkeiten verkennen zu wollen, mit denen die bisherigen Regierungen zu kämpfen hatten, kann ihnen doch der Vorwurf nicht erspart werden, daß sie die kostbare Zeit mit unfruchtbaren doktrinären Experimenten vielfach vergeudet haben. Nehmen wir nur zwei Beispiele. Minister Simons hat erklärt, daß gewaltige Verschiebungen von Steinkohle vorgekommen feien. Wie ist das möglich, bei dem Gewerbs- zweige, der den Angelpunkt unserer ganzen Mrtschast bildet, bei dem die „Sozialisierung- zuerst eingesetzt hat? Wenn die von ter Revolution treu geschaffenen komplizierten Organisationen der Kohleitwirtschaft nicht einmal erreicht haben, daß die vorhandene Kohl? an den relativ wenigen Orten der Gewinnung — Wie ganz anders Regt das etwa bei Getreide und Kartor- felin! — erfaßt wird, kann man von einem Erfolg dieser Sozialisierung Wohl nicht sprechen. Noch schlimmer sicht cs mit der So- ziaRsterung der Elektrizitätswittschast aus. Das Gesetz vom 31. Dezember des vorigen Jahres sicht noch immer völlig auf dem Papier, Weil die Ausführungsb eftimmungen noch nicht er kaffen worden sind. Aber negative Wirkungen schkimm- ster Art hat es schon gehabt. Aus Furcht vor der augedrohten Enteignung ist der Ausbau der Ekektrizitätswtrtschaft völlig in Stochen geraten und damit nicht nur die eigentliche Elektrizitäts- industrie schwer geschädigt, sondern die ganze deutsche Volkswirtschaft, die auf den Ausbau ter Kraftzentralen unbedingt angewiesen ist.
Eine planmäßige, Zusammenhänge und Folgen genau einwertende und wirklich durchge- führte Wirtschaftspolitik, die zugleich di« denkbarste Steigerung der Produktion wie die größte Ersparung ter Produktionskosten zum Ziele hat, ist-die erste MÄ bei weitem wichtigste Aufgabe für die Regierung. Nur nebenbei sei darauf verwiesen, wie in der gleichen Zeit die freie Wrtschcrft trotz größter Schwierigleiten von sich aus dtesen Weg verfolgt hat. Erinnert sei nur an den Normenausschuß ter deutschen Industrie, dessen Arbeiten für die Erhöhung ter Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gar nicht hoch genug eingeschätzt werden können der beispielsweise in ter jetzt fmiggestellten Reichshochbauordnung die Unterlage zu ter Vereinheitlichung der Bestandteile des Kleinwohnungsbaus sür drt ganze Reich durch- gestihrt hat. Eine andere derartige Organisation ist die .Hauptstelle für Wärmewirtschaft*, zu der sich der Verein deutscher Ingenieure, die Vereinigung ter Elektrizitätswerke und der Verein deutscher Eisenhüttenleute zusammengeschlos- fen haben; auch hier ist praktische, wirklich mrtz- dringente Arbeit geschaffen. Auf diesem Wege allein kann die deutsche Wirtschaft wieder empor- steigeu.
Unter einer Boraussetzung allerdings: daß dieser ihr Ausstieg nicht durch äußere Einflüsse gehemmt wird. Vielleicht nirgends deutlicher als in Spa hat es sich gezeigt, daß Westeuropa eine Wirtschaftseinheit ist. Es liegt nun einmal so, daß Frankreich und Italien aus deutsche Kohle angewiesen sind, daß Deutschland zu dieser Belieferung nur unter Rückgriff auf die oberschlestsche Kohle fähig ist, daß Deutschland französische Erze und englische Schiffe braucht, daß umgekehrt die WestlÄidor, wie die letzten anterthalb Jahre deutlich gezeigt haben, den deutschen Markt keineswegs für den Absatz ihrer Erzeugnisse entbehren können. Man beklagt sich über das Eindringen fremden Kapitals in Deutschland, und sicherlich sind damit eine WLe unerwünichter 9lebe4®it&ngen verbun
den; aber ganz abgesehen davon, daß wir solches Kapital jetzt bitter notig haben, liegt es doch znAcich so, daß nunmehr diese ausländischen Teilhaber deutscher Fabriken am Gedeihen Deutschlands interessiert sind. Man hat in Spa die sachlich unmögliche Kohlenlieferungsmenge des Versailler Vertrages zwar herabgesetzt, stnau hat für die Ernährung ter deutschen Bergleute zu sorgen versprochen, man hat bezüglich Lter- schlesiens eine wenn auch recht unbestimmte Zusage gegeben. Das ist bei weitem noch nicht genug für Deutschlands Notlage. Es ist aber doch bte Anerkennung eines tatsächlich vorhandenen Notstandes und ter europäischen Wirt- schaftsfolidarität. Freilich dürfen muh wir unsere Augen Nicht verschließen und unsererseits vor allem sehen, wie schwor Frankreich noch unmittelbar unter den Lriegsfiolgen leidet. Möge ter Weg des gegenseitigen Verständnisses von Spa über Genf führen; daun Werten Spa und Genf Wegweiser ANN Ziele der europäischen Gemeinwirtschaft feto.
Prof. Dr. WygodzinsTti (Bonn).
Irr M in der Mente.
Ein Streit um SLdvußland.
(Eigener Drahtbericht.)
Paris, 13. August.
In diplomatischen und politischen Streifen wird zur Anerkennung der Regierung Wran - g e l durch die französische Regierimg bemerkt, daß dieser Beschluß, der nur für Frankreich bindend fei, bei weitem nicht die Tragweite haben könne, die die britische Regierung ihm beilegen möchte. Ein Diplomat, ter unter Clemenecau einen her wringenden Posten bekleidete, versuchte in einer Unterredung mit dem Korrespondenten ter Tele- graphen-Univn das Vorgehen MillerandS zu icchtfertigen im Interesse Rußlands wie im Interesse des Weltfriedens überhaupt. Denn bei ter nächsten Londoner Konferenz werde Rußland nicht mehr ausschließlich durch Kamenew und Krassin vertreten fein, da die Sowjetregierung nur einen kleinen Teil ter russischen Nation» hinter sich habe. Nach den Aussagen von Frossard und Eachin, die in Frankreich das extremste Element verkörpern, zählt die S o w j e t p a r t e i nur 630000 Mitglieder. Es ist dies ein unbeträchtlicher Prozentsatz bei einer Bevölkerung von 120 Millionen. Die Empfindlichkeil Lloyd Georges, fuhr der Gewährsmann fort, ist unbedingt übertrieben, wenn man bedenkt, daß er es war, der offiziell Polen ersuchte, die Bedingungen der Räteregierung anzunehmen, was schlimmste Folgen für Frankreich haben kmm.
Da4 gestörte Einvernehmen.
P a r i S, 13. August. (Eigener Drahtbericht.) Man leugnet nicht mehr de» Eindruck, daß das Einvernehmen der Entente gestört sei. Aus diesen Eindruck aber bauen sich alle Hossnungen in Berlin und Moskau. Die Nachricht des „Daily Telegraph", daß möglicherweise die M o s- lauer Regierung auf den Att ter französischen Regierung mit ter Kriegserkläruntz antworten werte, werte in Paris nicht ernst genommen. Indessen wünscht man in parlamentarischen Kreisen eine sofortige Einberufung des Parlaments. An der Spitze dieser Bewegung stehen einige Parlamentarier mis der Umgebung von Paris, die hervorheben, das Parlament könnte nickst länger auf eine offizielle Darstellung durch den MinisterprSsidenten verzichten, ter sich gegenwärtig auf einer Inspektionsreise durch die befreiten Gebiete im Norden befindet. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Ministerpräsident seine Reise unterbrickst, falls die Umstände seine Anwesenheit in Paris erheischen sollte«.
$et russisch-polnische Krieg.
Warschaus bedrohte Lage.
(Eitzene Drahtmeldtmg.)
Posen, 13. August.
Renier meldet aus Warschau vom Donnerstag: Warschau ist vom Norden her unmittelbar bedroht. Die Russen rücken zwischen stphenow und Wlozlowsk langsam vor, sind jedoch noch nicht an die zweite polnische Hauptstellung Plozk-Pultusk herangerücki. Ter polnische Generalstab hofft, die zweite Verteidigungslinie mttebingt zu halten — Havas meldet vom Donnerstag abend «ms Warschau. Ter mfilleristffche Angriff mtf Warschau hat auch am Doirnerstag noch nicht begonnen. Die Russen sind nicht weiter vorgerückt. Die Polen halten noch die Bahnlinie Jwangorod-Kalu- schin jensetts der Lichnlinie besetzt, das die Russen vor zwei Tagen geräumt hatten. — Bon anderer Seite wird berichtet, daß russtsche Ka
vallerie bereits vor Warschaus östlicher Festung Praga gestern angekommen ift
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An Ostpreußens Grenze.
Berlin, 13. August (Priv.rttelegraimnrm > -jur Lage an ter ostpreußischen Grenze wird aus Königsberg gemeldet: Es besteht keinerlei Grenz- berbindimg mit Pillen mehr. Von G r a j e w o bis östlich von Mlawa stehe« die russischen Truppen an den Grenzübergängen. Ihre Stärke im Grenzbereich wird auf eine Division geschätzt Alle russischen Grenzwachen find te- teutschen Sprache mächfig und verkehren freitnb schaftlich mit den deutschen Grenzwachen. Südlich von JohanniSburg steht auch russische Kavallerie.
Ergebnisse don Whe.
Pessimistische Auffassung in Frankreich.
(Eigene Drahtmeldung.)
Gens, 13. August.
Nach einer „Journal"-Meldung gab Millerand in ter Pariser Pressekonferenz vorläufige Mitteilungen über die Ergebnisse der Konferenz in Hythe. Er sprach, daß der Verzicht auf militärische Hilfe für Polen mir (Mange Geltung behalte, wie die Verhandlungen zwi - scheu Polen und Rußland bauern. Sollten die Verhandlungen resultafloS ausgehen und die Russen ihren Vormarsch nicht einstellen, so be- halte sich Frankreich die Freiheit seiner Entschlie- ßuna vor. Er, Millerand, glaube nicht, daß eine --pttrniffische Auffassung berechtigt sei. Marschall Fach stehe gutachtlich auch auf diesem Stand - punv. Die Lage bleibt nach wie vor sehr ernst und könne bald m wichtigen Entscheidungen führen. Wahrscheinfich werte England seine Kriegsflotte in die Ostsee senden. Frankreich werte in diesem Falle seine Truppe« von Ober- schlefien nach Pose« ins Feuer schicken. ES heißt, daß Clemeneeau letzter Tage Besprechungen mit Poinearee ^md anderen Anhängern dieser Richtuna hatte, um ein bestimmendes Wort mitzureten. Die französische Arbeiterschaft schweigt sich in dieser Frage auS, die für ihre Zukunft ebenso wichtig ist, wie für die englischen Arbeiter. Ob dies Zufall ober Absicht ist, muß sich noch in diesen Tagen zeigen.
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England bleibt unschlüssig.
Rotterdam, 13. August. (Eigener Draihtbericht.) Reuter tmfllbet: Die englische Regierung richtete einen FmÄspnrch nach Moskau, der die Wa>f senruhe zwischen Polen und Sowjet, vußland tonerhalb fünf Tagen verlangt. Dir indische Regierung kündigt für den Fall teS Nichtzaistandekommiens ten Abbruch aller Ver- bindungen zwischen den AMerten und Sowjet« rußland an. — Aus London wird berichtet: Lloyd George hat sich zum König begeben, um ihm einen Vortrag über die äußere Lage und die französische Politik zu halten. Wie verlautet, werden Mllerand und Llohd George sich tn .Kürze zu einer neuen Konferenz in Boulogne Neffen. — Die englischen Eisenbahnerführer hrben dem englischen Premierminister eine Entschließung geschickt daß die gesamte bri« tische Ersenbahnerschaft die Arbeit einstel« I c n wird, sobald das. -?tinisterium einen neuen Krieg Wesen Polen tetortoorten würde.
Umtriebe in Koblengebiet.
Gefährliche kommunistische Agitation.
(PrAutt-Telearamm.)
Essen. 13. August
In einer hier abgehaltenen kommunistischen Versammluna wurde von dem Redner ter freien Bergarbeiter-Union unter anderem erklärt: Die Union sei bestrebt, im Ruhrkohlenbergbau das Verfahren von Ueberschichten zu verhindern. Er wies daraus hin, daß durch den Fortfall ter Ueberschichten im ganzen Ruhrkoh- lenbergbau ein tätlicher FörderauSsall von sechzehntmffend Tonnen entstehen würde, sodaß Deutschland dann nicht mehr in ter Lage sein könnte, das Kohlenabkommen von Spa zu erfüllen und man wäre dann einen wesentlichen Schritt auf dem Wege zur Revolution wei tergekommen. Die Entente Werde dann zwar in das Ruhrgebiet einrücken. Mau müsse ober damit rechnen, daß in absehbarer Zeit ter Belagerungszustand im Ruhrgebiet doch Wieder erklärt werde. Da sei eh ganz gleichgülttg, ob man unter roten Hosen oder unter deutscher Reichswehr stehe.
Kampf gegerMbeilsnot
Erwägung amtlicher Maßnahmen.
Di« «r6e«8lenafeit, M« durch den verminderte» Warenverbranch feit einigen Monaten *u- genommen hat, verursacht der Fndnftrie nnd em Bewerbe «roße Sorge. Jetzt ist diese Frage auch im Reich« • Wirtschaft« - Ra« besprochen worden, worüber folgender Bericht »erlieg«. Gleich nach dem Zusammentritt des Reichs- wirrschastsrats hatte ter frühere Nvichswiri- schaftsmtoister Wssell einen Antrag eiitgöbracht, der Maßnahmen gegen di« zunehmende Arbeitslosigkeit zur Erörterung bringen sollte. Der wirffchaftspolitische und sozialpolitische Ausschuß des Reichsüoirtfchastsrates hatten diese Frage einem Unterausschuß zur Untersuchung überwie- sen. Sie Ergebnisse ter Verhandln«- gen, die unter Zuziehung von Sachverständigen geführt Worten sind, liegen nunmehr vor und sind den beiden Hauptnusschüssen bekauutaogebeii Worten Der Umfang der Arbeitslo si gleit Wird, so heißt es totem Bericht, in Weiten Kreisen noch vielfach unterschätzt, Weil in vielen Industriezweigen vorerst noch keine Entlassungen erfolgt sind, sondern zu einer Verkürzung ter WochenarbeitsZeii geschritten worden ist. Di- Ursache der Krise ist nicht eine Ueberproduktio«, sondern eine Unterkonsumtion, die auf die Stet- gerung ter Warenpreise über die allgemein« Kauflraft hinaus zurückzuführen ist. Tie Verteuerung ter Waren ist in erster Linie auf die hohen Siohstoffpreise, dann aber auch aus übermäßige Gewinne zurückzuführen. Will man die Absatz- und Produktionsstockungen vermeiden und eine dauernd« Gesundung ter Wirtschaft herbeisühreu, so muß eine Angleichung der Wa reup reife ass die Kauffrast erreicht werten.
Vorschläge zur Produkfionsförteimug.
Zur Erzielung der möglichsten Mehrproduk- tton und zur Vermeidung Produktionsfetndlicher Unternehmertätigkeit hält der Ausschuß solgende Maßuabmen sür notwendig: Der Abbruch von Betrieben oder die Einschränkung de- Pröduktionsmöglichkeit eines Betriebes unterliegt einer Anrneldungspslicht und ist von ter Genehmigung einer amtlichen Stelle ab- häugig. Der Verkaus von Betriebsmitteln an das Ausland unterliegt ter Genehmigung. Die Stillegung von Betrieben ist in jodeln Falle durch einen Sachverst ändi genau sschuß auf ihre volbs- tvirtschasrhche Berechtigung hin zu prüfen. Dem Ausschuß mutz das Recht gewährt werden, Maß- nahmen zur F o r t f ü h r u n g des BeMckbes zu treffen. Ms folche Matznahmen kommen die Er- teiUmg von öffentlichen Aufträgen, die Gewährung von Betriebskapital durch genossenschaftlichen Zufammenschlutz in betracht. Die unter öffentlicher Aufficht stehenden RMtoffgesEchaf- ten sollen ihre Rohstoffe ten Verbrauchern M den Marktpreiseu abgebeu, und schließlich kommt die Gewährung von Ausfnhrerlaubuiffeu in besonderen Fällen in I ctracht. Alle diese Ausgaben sollen einer selbständigen öffentlichen Stelle übertragen werten. Sollte selbst unter Gewährung dieser Hilfen ein Betrieb stillgelegt werden, so sM diese Stelle das Recht haben, das Uster» nehmen im Interesse ter Allgemnnheit w et. terzuführen oder weiterführen zu lassen. Auf der anderen Seite soll aber die hisheritz« Behördenzersplitteruug durch eine Vereinheitlichung der Wrffchaftsressorts beseitigt werten. Tie Ausfuhr vou Rohstoffcu muß untersagt wer* len, sobald der Weltmarktpreis höher als der Inlandspreis ist. Schließlich schlägt ter Ausschuß vor, to Erwartung, daß nach Durchführung dieser Mittel und Wege die Arbeitslosigkeit stark eingeschränkt wird und nur solche Fälle von Arbeitslosigkeit vorhanden sind, dix wirklich unvermeidbar waren, daß die zeitliche Begrenzung der ErwerbSlofenunterstüyung auf sechsundzwanzis Wochen für die Zukuust fallen gelassen wird. — Neben diesen allgemeinen Maßnahmen hat der Ausschuß noch die Zustände ter von der Absatz- stockung besonders betroffenen Gewerbe untersucht imd
zur Behebmrg in diesen Industrien folgmte Mittel vorgeschlagen: Für die Schuht i n du str i e ist die Turchfülhrbarkeit eines Haute- Monopols zu prüfen UNO so lange das nicht be- steht, eine behördlich« Uebertyachung der Auktie- nen durchzufithren. Beschränlng des Ausfuhrverbotes auf Gebrauchsschuhwerk und Besclnün- kung der Einfuhr auf solche Schuhe, die nicht im Jnlaitd hergestellt werten können. In ter Pu - p t erer zeugung ist unter der Voraussetzung daß eine gemetowirffchaftliche Regelung ter HolzwtrlsckMst erntritt, die B.ffiejrrung der zu itnem Verbände znsa mmenmffagteu Fabriken mit billigem Papierholz zu fordern, dami: dir Herstellun« von Druckpapier zu erschwinglichen Pr«!sen ermöglicht wird. Schließlich ist für di Schiffahrt ter Mev-raustmu der deutschen Handelsflotte zu ermöglichen und den erwerbslosen Seeleuten diestberufliche Umstellung zu er, leichtern. Endlich glaubt der Ausschuß, Laß Ve: freiwillige Zustrmmensckfluß arbeitsloser Kräf:, MM Zwecke des UebergaugS in die Land- wirtichaft oder ten Bergbau w förterr