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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 176

Dienstag, 3. August 1920

Fernivrecher 951 und 952.

10. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und SSL.

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Der russische Vormarsch dauert au

3nfertton«pr«tfe < a) etnb«hntf*e «uftrage: ®te «tnfpatttge Äntetgtn-gettf M ij» Mt etefpattige M. XJO. b) «ulmärttge auftrag«: »t« «tafpalttg« RnjetgenieUe

SUI. 1.26. bt« «tnfpatttge JUtlamejeUe St. 2.75, alles «tnfchlietttch Leuerung«,Uschlag und An,etgenft«uer. gut bte RtchttgfeU aller durch Fernsprecher aufgegebenen «njetgen, fewte für Nufnahmedaten und Platze kann «in« »ernähr nicht übernommen werden. «ruderet: echlachth-fftr.S»/zu. «eschäftsslelle: »»lnstch« Str. a. «elrphon Nr. Ml u. NI,

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Sstpreußms Trennung.

Prl tische Schikane.

Wie uttfer letegronunbienft aus Berlin be- ftchret«, besteht in Regierungskreisen die Ab­sicht, für Ostpoeußem eine besondere amtliche 8er- tretumg in Berlin einzurichten Diese Nachricht klingt zunächst saft unglaublich und hat den An- schem, aLs wolle man die ohnehin schon ko vielen überflüssigen Amtsstellen noch unnötigerweise vermehren. In Wirklichkeit ist sie aber nur ein Beweis für die jammervolle Zerrissenheit, die ö«m deutschen Reiche durch den Versailler Ver. nag und die andauernden feindlichen Maßnah­men entstanden ist. Infolge der Einrichtung des sogenannten polnischen Korridors, der von Polen der Weichsel entlang zur Ostseeküste fuhrt, ist die Provinz Ostpreußen territorial vom akbgeschniitten. Da infolge dessen auch ber Verkehr erschwert ist, wird die Michsregierung nur sehr lansam von den Vorgängen in Cftpveu- feen unterrichtet, andererseits erfahrt die oft« preußische Provinz talregierimg ebenso langsam die.Berliner Beischlüff«. Dieser Zustand ist un­haltbar und muß leider dazu führen, daß Ost? vreußm vernachlässigt wird und immer mehr die ölte enge Verbindung mit dem Reiche verliert wenn nicht sofort Abhilfe geschaffen wird. Wie sehr erschwerend die jetzigen Verhältnisse sind, geht auä folgenden Tatsachen hervor: Bis zu dem Tage der Besetzung des polnischen Korri. dors durch die polnische Regierung bestand ein großer Durchgangsverkehr an Personen und Gütern zwischen der Provinz Ostpreußen und dem Übrigen Deutschland. Dieser Verkehr wurde durch polnische Maßnahmen anfangs auf orwa dreißig Progent seines früheren Umfanges verringert.

Der tätliche D- und Personenzugvettshr be­trug km Jahre 1914 einundveißig, der Güterzug­verkehr dreißig Züge. Nach der Besetzung des Korridors durch Polen durften täglich nur sich? !> uind Pevsonsnyüge nach Danzig oder Königs­berg durch den Korridor fahren, während die ..saihl der Gütemüge von dreißig auf dreizehn oerabges-tzr wurde. Don den D» und Persone.t- iügrn mußten dabei fünf den großen Um­weg Wer Stettin, Stolz, Lauenburg macken, imd nur ein V-Zug konnte über die Hauptstrecke Schneidemühl, Könitz, Dirschau nach Danzig Wren. AbgsscHen von einem unwirtschasitlichen Maschur.-n- und Kohsenverbrauch wurde hier­durch die Fahdzett von friedensmäßig Mt Stun­den auf fünfzehn Stunden für die V-Züge Ber. lin-Königsberg verlängert. Zum Teil war diese Verlängerung der Fahrzeit freilich auch au- Schwierigkeiten zurückzuführen, die Polen bei der Paß- und Zollkontrolle in unerhör- ter Weise vornahm und die an Schikane grenzte. Im Güterverkehr das gleich« Bild. Beispiels­weise ließen die polnischen Behörden durch kleinliche Unterfudnnwn der Frachtbriefe usw. aus Schreib» und umwesentliche Formfehler täg­lich von den Güterzügen in Laüe.nhurg einige Wagen abhängen und bis zur Richtigstellung der Papiere abstellen. Ans diese Weis« befand sich in Lauemburg dau>emd ein Park von etwa fünfzig Wagn, die, obwohl nur zur Durchfahrt durch den Korridor bestimmt, nicht durchgelass.m wurden. Die Folge war Zeitverlust. umwirt- schaftlicbe Berwendttnq des EisembabnmateriaLS und Schaden für Absender und Emvfäng»r der Sendungen.

Daß mit diesem DurchoangSverkebr den Verkehrsbedürfnis zwischen Ostpreußen und dem übrigen Deutschland nicht im entferntesten Reck- mmg getragen wurde, siegt auf der Hand Die Abtrennung Ostpreußens vom Reich schränkte natürlich daS Bedürfnis an guten Verbindun­gen keineswegs ein, steigerte es hingegen noch. So fah o? in den Monaten Mär, bis Mai aus. Im Juni traf eine bosnische Ministeriaft)erord- mma in Kraft, die die geschilderten VethAtnisse noch weiter verschlnnmett und die gar keinen Zweifel mehr läßt, über die Absicht Po­lens, nämlich t4e rücksichtslos: Abschnü- rang OstipraißenS von Deutschland. Diese Verordnung verweist den gesamten Durchgangs­verkehr durch den Korridor aus die beiden ein­gleisigen Ntzbrnbabnen Konitz-E.zer«k-Mrrten- iwrtMt und Könitz - Grmtdrnz - Deutsch - Ehlau. Ms jetzt kamen diese Leiden Strecken niemals für einen Durchgangsverkehr in Frag:, da sie als Nebenlinien mir einem geringen Personen» und Güterverkehr dienten. Ihr«'technisch.- Un- -»Mommenheit im Verein mit ihrem Zick-Zack- Kurs erschwert eine D:rbmdung mit Danyig avtzerordenAich.

Gleichen Einschränkungen wie der Zuaverkchr unterliegt nach der Berordnnnq auch der P o st -, Tekegraphe n- und Fernspreckver- kehr von und nach Ostpreußen. Anstatt mit fechS D», vier Personen- und zwei Eilgüter >ü- gen dank der gesamt« Posiverkehr nur noch mit einem Schnellzug und zwei Person enzügen opMhgcfühn werden. Anstatt fünfrebn Telegra- rhenleitunaen dürfen mtr noch fünf benutzt wer- den. anstatt sechs FerwfPrechLeitungen nur noch zwei. Die Folge dieser weiteren Etnschrän - Zmea ist für Ostprs-beo unerträglich. Das

ostpreußische Wirrfchaftsleben stirbt mehr und mehr ab. Der Transport von Holz und M.'hl noch Mitteldeutschland stockt. Tie schlechten Te­legramm- und Telephonverbindungen mit Mit­teldeutschland wirken auf Handel und Gewerbe Ostpreußens außerorde-rMch drückend. Kurz, durch die polnischen Maßnahmen erleidet Ost­preußen unermeßlichen Schaden. Dam durch den Russenfeldzug schwer heimgepirchten Land werden neue Wunden geschlagen. Anderersnts aber hängt Deutschlands wirtschaftliche Erho­lung und Leistungsfähigkeit nach den großen GobietSverlnsten im Osten von Ostpreußen in starkem Maße ab, ist doch Ostpreußen eins der we­nigen landwirtschaftlichen Uebcrschußgebiete, die Deutschland noch geblieben sind. D. N. V.

9er ruMS-volnssche Krieg. Koch kein Waffenstillstand.

«Eigener Drahtbericht.)

Warschau, 2. August.

Neber die Bedingungen des Waffen­stillstandes, die von polnischer Seite angestrebt werden, teilte der Vizepräsident des Ministeriums, Duszynski, folgendes mit: Die polnischen Parlamentäre erhielten Instruktionen, zu vertreten: 1. Die Unabhängigkeit des polni- schon Staates und die Ablehnung feder Ein­mischung der Bolschewisten in die inneren Ange­legenheiten des Landes. 2. Die Ablehnung jeder Art Eutwassnung. gleichgültig, ob ganz oder teil­weise. 3. Tie Demarkationslinie nach Lloyd Ge­orges Borschlog. Sollten die Verhandlungen über den Waffenstillstand zu Friedensver- Handlungen führen, so wären die Richt­linien Polens: 1. wiederum die Unabhängigkeit des polniscknn Staates, 2. die Selbstbestimmung der Völker zwischen Polen und Rußland. In zwischen sind am Freitag abend, wie amtlich bestätigt wird, die polnisäzen Parlamentäre bei Kobryn auf der Chaussee Brest-Baranowitschi mit Offizieren der roten Armee zusammcngetros- fen. Die Verhandlungen begannen am'Samstag.

Der Kampf geht weiter.

Königsberg, 2. August. (Eigener Doahtbe - richt.) Obwohl die Truppen B i a l y st o ck um 40 Kilometer hinter sich gelassen haben, erklärten amtliche Kreise in Warschau die Lage als noch nicht verzweifelt Sachverständige glauben, daß die Front wieder hergestellt werden könne. (?) Di- polnischen Truppen hätten trotz ihrer Er­müdung ihre KriegSluft behalten und der Etap- Pen dienst, der durch den Rückzug in Unordnung geriet, wurde^von den französischen Offizieren zum Teil wieder hergestellt. Wrs Warschau wird gemeldet: Die Stoßrichtung der russischen Nordarmee geht nicht auf Warschau, sondern zu. nächst nach der Weichsel mtb Thorn, lieber Mlawa schwärmen russische Kavallerie- maffen nach Wlozlawek, um die Bahnlinie durch den polnischen Korridor über Thorn, Wloz­lawek abzuschneiden, wodurch die Ententehilfe über Danzig für Polen unmöglich würde.

*

3tt der Nähe der Grenze.

Berlin, 2. August. (Privattelegramm.) Aus Königsberg wird gemeldet: Im Laufe des Sonntags ist das Bild an der Ostgrenze unverän­dert geblieben. Auch an der Grenze des Kvefl ses Reidenburg sind die roten Truppen erschie­nen und haben die bisherigen polnischen Grenz­wachen vesetzt. Die polnische Stadt Ostro- l e n k a südlich im Kreise OrtelSburg ist Sonntaa früh von den Russen besetzt worden. In Mlawa sind Sonntag abend die Russen e'mnar- chiert. Die polnische Nordfront ist auf Ostrau Pultusk von neuem zurückgenonnnen. Damit ist die FronMnie auf 50 Kilometer der Hauptstadt nahegerückt. Seit Sonntaa früh herrscht in Warschau eine unverkennbare Panikstim­mung. Die wohlhabenden Kreise flüchte« aus der Stadt nach Petrikau.

Sozialiftkn-Kongrsß.

Die Zweite Internationale ta Genf.

(Eigener Drahtbericht.)

Genf, 2. August.

Die Kommission zur Prüfung der Berant- Wörtlichkeit am Kriege hat ihre Entschtte- ßmtg einstimmig beschlossen. Der der,Ische Dele­gierte machte Vorbehalte für die Zustimmung der deutschen Delegation, die wegen der Reichs­tag ^Verhandlungen gestern noch nicht vollzählig war. Anwesend waren Brann, Huö und Stampfer. Sechs weitere Delegierte treffen heute noch cm, darunter Scheideman«. Da­mit werde« ie der zweiten Plenarsitzung die

Deutschen fast vollzählig sein. Ferner find ein getrofsen: Vertreter der polnischen Sozialdemo­kratie und die litauischen Sozialdemokraten. Die Entschließung über die Verantwmtlichkeit mit Bezug auf die bekannte deutsche Denkschrift betom besonders, daß die Deutschen zu spät erreicht hät­ten, daß die auswärtige Politik unter die Kon trolle der Bolksvertretung gekommen sei. Die deutschn Revolution sei fünf Jahre zu spät.

Re Alliierte» gegen Rußland. Kundgebungen für die Einmischung.

(Eigener Drahtbericht.)

Rotterdam, 2. August.

In London fanden gestern. Sonntag, eine Anzahl Versammlungen statt, die für ein Ein­treten der Alliierten auf feiten der Po- len demonstrierten. An den Kundgebungen be­teiligten sich auch Teile deS Brbeiter-BundeS. Ein ungel>eurer Demonstrationszug bewegte sich bis zum Buckingham-Palast unter Vorantragen von Aufschrtifen, die zum sofortigen Einmarsch der alliierten Heere in Polen aufforderten. Bus Newnork wird gemeldet: Der Senatsausschuß hat mit allen Stimmen die Botschaft des Präsi­denten gebilligt, tie die moralisckze Pflicht Amerikas Mlsspricht, Polen seine Freiheit und seine Grenzen zu garantieren.

Vorbereitend» Verhandlungen«

Warschau, 2. August. (Eigener Drahtbericht.) lieber die Zusammenkunft der russischem und pol­nischen Unterhändler in Barwnowitschl wird ge­meldet: Die russischen Forderungen konnten, da die Feldteiegry< nrerb1i1düng noch nicht fer­tig ist. nicht direkt gemeldet werden. Die rote Armee hat angeblich in der ersten Sitzung die liebergäbe Brests verlangt. Der GeneraLstabsches der polnischen Armee ertfärte, Befehle der russi­schen Armee anfgesangen zu haben, wonach die Verhandlungen über den Wasfensiillsiano mindestens biö zum 4. August dauern sollen Diese Zeit will der Stab ber roten Armee zu weitcrem Vormarsch ai:S nutzen. Ter polnische BeneraMabschef kündigt daher schwere Kämpfe für die nächsten Tage an, da tte Ruf- ien unter allen Umständen versuchen werden die Buglinie zu erreichen. Die Erwartung, daß der Wasfenstillstond immerhin zustande kommt hat sich dessen ungeachtet etwas eefdtigt

Die Entente-Truppen.

Gens, 2. AtvWst (Eigener Drahiibericht.) Havas meldet am Sonntag mittag, daß ein Ver­bot aller Nachrichten über Truppenbewegungen der alliierten Heere auf die Dauer von vier Tagen erlassen wurde. Die Franzosen haben die Rheinbrücke» seit Sonntag mit Artillerie besetzt. Jenseits des Rheins sind ungewöhnlich starke Truppen-Ausammenziehuu- gen wahrzunthmeu. Auch mit der Rheinpfalz ind Erschwerungen im Verkehr eiugetreteu.

©ememfome Snleteffen.

Deutschland, Rußland und Oesterreich, / (Eigener Drahtbericht.)

Wien. 2. August.

DieNeue Freie Presse" veröffentlicht eint Unterredung mit dem Außenminister Dr. Si­mons über die Meldungen, wonach die Lon­doner große Friedetlskonferenz, auf der die Ost­ragen zur Verhandlung stehen, ohne Auziehmm Teutsckstands abgehalten werden solle. Dr. Si­mons erklärte, wenn diese Nachricht richtig sei, o sei es sehr erstaunlich, daß Rußland Mstimme daß überM die großen Fragen, die zwischen Rußland und Deutschland zu lösen find, ohne Beteiligung Deutschlands entschieden wer­den sollen. Im Verlaufe der Unterredung kam der Minister auch auf den Zusammenschluß von Deutschland und Oesterreich zu sprechen und erklärte, die Gefahren, die Oesterreich durch die ungarischen Fragen und durch die crfilWich verMrkten Bestrebungen der Herstellung einer Donaufonföderation drohen, seien nur durch e i« Mittel zu bannen, nämlich durch daS Feschalten an dem Grundgedanken, daß es nur eine na- tätliche und rechtmäßige Lösung der deutschen Frage geben tarnt, das sei der föde­ralistische Zusammenschluß aller deut­schen Stämme i» Deutschland und Oester­reich. Auch dieser Gedanke werde und «ässe eiu- miti jur WirSichtait werden, gerade so wie der Gedanke daß Deutschland und Rußland durch stärkste Interessen aufeinander angewiesen sind.

Berichte aus Rußland.

er wirtschaftliche verfall.

®i« lebenben eteuftecuttge« unter«« «eÄeu mitifftet« eimon« über bn angeblich« Aufbau, arbeit der rufUMen «»wjet. Sbegierou» hat aHaemeitt CrKaunctt he»p»rg«rnf«n Bit ««bett deshalb einige Bericht« von Stuften wieder.

Maxim Gsrki, der der Sdwjetregiermlg freundlich gesinm «st, schreibt in dem Bolschewi- fterrMüttPxowda* .Jetzt ist alles DoWeiHen- tuan aeivorden. NichtAdesiowewigor wird die Zerstörung und Vernichtung in immer steigendem Maße fortgesetzt. Die Varibarsn! ans Saratow vollziehen die ZerfftörmrgSarbeit in Pensa, WÄHreNv die Barbaren aus Pensa das­selbe in Samara tun. Man zerstört Wohnhäu­ser, statt Holz verbrennt man alte wertvolle Möbelstücke. Postpakete werden in OeöbiDer eingepackt. Von der Zerstörung gewöhnlicher Gegenstände lohnt es sich Überhaupt nicht zu reden. Daibei glaubt man noch mit der Ver­nichtung des AAcn prahlen $n können. Wird aber etwas Neues ffefchwffen. wird n'ue, eines frechen DoMos würdige Arbeit artHftet?" Gorki gibt auf diese Frage eine verneinens^« Antwort:Es wird schanÄoS nachlässig ge­arbeitet, in böswillig nachTMqer und ver­ständnisloser Weise. Aus Dummheit, ans Mangel an Achtumg^vor feiner eigenen Arbeit vernichtet man unsere Werte, zerstört die Mrt- scha,fit der Revublik. Das sind^K'^nigkeitM, be­sonders für uns die der gangen Welt eine neue Leben Ko rdnung beibringen wollen. Können ab« die Lechner, die selbst nicht orbetien könnest und nicht arbeiten wollen, andere zur zieWewußter Arbeit ernt eben? Der LÄhr.n selbst wird bakd fein letztes Paar Hosen verlieren. Ich glaub: nicht, daß der errropäische Arbe-tor von dem An- Mck des entbEößren Hinterteils seiner russtschen Genossen sonderlich erbamt werden Wird. Die rsvolutionäre soz-aflstische Politik ist gewiß et» was sehr Schönes. '

Dor allem muß man aber arbeiten.

Man könnte zehntwusende von Beispielen ähn­licher Art ansWhren. Im ganzen wird durch ste eine Atmosvhäre des allgememm SchSendrianS der Fatilkheit und verbrecherischer Nachlässigkeit geschaffen. Wir bttben noch nie so schlecht und so nnredlich gearbeitet wie fetzt. Teilweise ist das eine Fotae der schlechten ErnKhrung, der körperlichen <LÄWäche, aber in Noch viel größr- rem Maße ist es der Mangel em Verantwortlich. keitsaeflM für das, was in Rußland gefchrHt.^ Ein Ebener Kenner Rußlands, der Mitarbeit ter der Leivziger Neuesten Nachrtchten m Hel- singsors, schreibt: Nach den Angaben, die mir ein soeben aus Moskau hier eingetroffener rus­sischer Kaufmann macke, der die ganze Entwick­lung ber boMhewistckch. t Herrsibaifl rntterM* hat, ist die wirtschasMche Lage Rußlands eine überaus traurige und das, V»6 die bolsche-- wistMen Filihrer der Abordnung bet englischen Sozialisten, die vor kurzem Rußland bereist hat, von dem winschaftlichen Wiederaufbau Ruß­lands erMU haben- Äßt sich kaum aufrechterbal- ten. Was die Industrie ht Rußland arrbe trifft, ko kann bisher von einem Aufbau nicht di« Rede fem. Die meisteri Fabriken sinh außer Betrieb. Die Maschinen sind durch die intensive Inmrsprlrck'nahme während des Krieges völliq verbraucht und nie rrxmotttiert Word», fh daß für den Wiederaufbau der Indussirie Jahre et- fordervich sind. Der Bezua neuer Maschinen ans dem Auslande ist einerseits durch die schwierige finanzielle Lage Rußlands in Frage gestellt, an­dererseits werden die Maschinen liefernden Staaten in «Met Linie die eigene Industrie so­wie dieseniae der am meisten durch den Shrier tu Mitleidenschaft gezogenen westemwpMhen Staaten infiandsetzen. Rußland wird

das Stiefkind sei« und bleiben.

Für Rußland wird daher mrfangs nur die Ein« fuhr von Fabrikatrn in Frage kommen, und die russische Industrie wird, wenn iSr Wiederauf­bau endlich »Äungen, jede^allS einen sthwwm Sdrmlpf M bestechen habm, um sich den Mar» hn eia-nen Sande wieder zu sichern. Hohe Schutz- Mke werben das einzige Mftel sein, der ruf. sifch-n Industrie wieder auf di« Deine su h-en. Was besonders tne Tertitindustri« artbetrifft, so wknd dies« n«h fttbrelang mtt Roh­stoffmangel M kämpfen haben. In deu erftan KrieoSjahven betrug der Baumwollbedarf etwa B M-lliattch, Pud, voy berent etwa 22 Millio­nen Pud durch BarmÄuolle mtS dem astatischen Rußland gedeckt Warden. Jetzt kisgt die Bavm- wollkulltrer ht Turkestan völlig darnieder. Einzeln» Gebiete sind iEommen zerstört, z. v. die Mugmrßhe Stovv«, wo die gangen Bewässo» uunK<mSagen, Dr dir femergett dir ruMchr än aienma MMonen vevonSgabt hat, vernichtet find, fiftr berat IStstarütatzunq sind

Jahre wti> neue Mission enans gaben erfvrdeMch. Die BevöSerwtz, ht Zwtttfyn httie fetoenett -ms Perantafflmg der Regierung den Getreidebau aufgegeb-en hub war $tem an? - sckSietzlichen Anbau von Baumwolle übergegan- L-n. Die BaremSvöllLtHiete lebten nur von ein-