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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

stummer 323.

Dienstag, 23. Dezember 1919

Fernsprecher 951 und 952

9. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Dl« «afleter 9i«wfen Roc6rt<tteti ertctelnen rroLknUtch ui» «bot oben bi. T«

*b«imeaintt«Brtl* btttflgt menatl l JO Mark b«i tretet Zaftellu», m4 Ha»« Bestell mixen tetrtxw '«bergeti een bet ®dd)äft«fteüe ober den Boten entgegenpettommcn. truderet, 8erl«p und »i«bautend lr*tboffirebe 28/80. .tut unverlangt etngefanbte «ettrüge kann bte Redaktton eine < eranticcttitnp ober Gemäht in keinem ^alle üdernebmen Rüdzahlung be« Betnasgelde« oder «nlprücbewegen etroataern'd-iordnungsmätztger kte erung au«gefd)U>ITen.

3e(ertioa6Cretfe »> «ndeimtsche «teftriee? Die einspaltig« «ntzeige» Wie 50 W9. ,»m. schlietzliS r«nernng«,uschlagZ, bU einspaltig« Reklame,eile M. 1J0 leins-littekli» Teuerttno«. lufdjUg). b) «^»artige »uftrige ; Die einfpelttge «n,eigen,eile 40 Pfg. und 50/, Steuenmg«. «ulchlag. bi« einspaltige Reklame^ile DL HO und 50»/, Teuerungseuschlaa. Für die RichN«l«U aller durch Aeruiprecher aufgegebene» «»»eigen, sowie für «usuabmebaten tm» Via,« keine Gewähr. - «eschäfi«»elle: »Slnisch« «träte a. leleoOou Ät. W1 u. 062.

Emeute Gefahr in her Sohleuversorgnng

Ration* schreibt in der

Wie dieStraßburger Re-e Rc -un<i meidet, teilt man sich in Pariser eing? '-ißten Krisen mit. daß vis in Dor^ ersinn« be' ndl'chen Ans- liesrnrnaSliften keinesfalls Uber 300 Men- um fassen. In welker Weife diese Personen später abnwrteilt werden sollen, stellt noch nicht fest, doch scheint eS sehr wahrscheinlich. da'; für jcen ein?,einen Fall ein Sonderveriatzren in v o .Wege geleitet wird. Londoner Blätter berichten, daß die Alliierten dura» das neue dentsche<3<-

Worarr liegt es?

Düsseldorf, 22. Dezember. - ^TRr^^chischer Bericht.) Der in Westdeutschland bestehende KoHlemnangel ist immer noch in einem kritischen Stadium. Bemerkenswert ist dabei, daß durch die Transportgelegenheiten und durch die Ver­teilung große Schwierigkeiten entstehen. Die Abgeordneten Erkelenz, JAer und Jantzen haben folgende Anfrage an die Reichsregierung gerichtet:In einer Denkschrift des auS allen drei Richtungen der Arbeiterbewegung zusam- men-gesetzten Arbeiterrats in Düsseldorf werden nachstehende Angaben gemacht: 1. Seit dem 20. November ISIS müssen alle Werke in Düssel­dorf zwei Lage in den Woche feiern wegen Kohlenmangels. 2. Der Rheinischen Me- taMvaren- und Maschinenfabrik ist ein eigener Pendelzug einschließlich Lokomotive be­schlagnahmt. Mit dem Pendelzug versorgte sich das Werk bisher mit Kohlen. Seit der Be­schlagnahme steht der Zug aus einem Reben­geleise, wird nrcht gebraucht, sondern ver­rostet. 3. Ans Len R uHrz echen sind so große Kohlenbestände vorhanden, daß die Ein- legtrng von Feierschichten zu erwarten ist. 4. Es steht in Düsseldorf neben MeSkähnen auch son­stiger Schiffsraum zum Wassertransport von Kohlen zur Verfügung. Diese Kähne sind für Versand auf weitere Entfernungen unbrauch­bar, sind aber zur Versorgung Düsseldorfs aus­reichend. Trotzdem also eine Kohlenversorgung der Düsseldorfer Industrie möglich wäre, ohne Jnanchruchnabme der Bahn, wird diese Versor­gung nicht erlaubt. Ist die ReichSregieruna be­reit, dafür zu sorgen, daß diese lediglich durch übertriebene Handhabung der StationierungS- vorschristen «Abstehende Stillegung der In­dustrie beseitigt wird?'

Beschlagnahme tm neutralen Ausland?

Genf. 22. Dezember. Eigen« Drahtmeldung) Der PariserTemps* schreibt: Der Alliierten- Rat da» in seiner Sitzung am Freitag- auf Grund d-S Vertrages von Versailles, der Beschlagnahme der deutschen Guthaben im neutralen Aus' and für die Zwecke der Wiedekgui- machimg seine Zustimmung gegeben.

liegt, statt zur Demoralisierung durch Rente, Er­werbslosenunterstützung oder wie sonst die Na­men heißen für die Dinge, die zum Teil in einer reichen Volkswirtschaft sozialen und wohltätigen Charakter haben, aber in einer armen Volks­und Staatswirtsthaft doch allzu nahe mit Bet­telei verwandt sind. So mutz der Geist der neuen Sozialpolitik für Deutschland aussehen, wenn sie von Segen sein soll. Dr. A. Elster.

Verschärfung der Kohlennot.

Ernste Lage im Ruhr- und Rheingebiet. (Telegraphische Meldung.)

Bochum. 22. Dezember.

Die Kohlenknavphctt auf den westdeutschen Zöchen nimmt bedauerlicherweise wieder zu. In ber Arbeiterschaft in Essen gärt eS. Am Sonnabend fanden in der Stecht große Kund­gebungen statt. Die Lage ist sehr ernst. Wenn es nicht möglich ist. die großen Indu­striebetriebe Mit ausreichenden Kohlen- mengen zu versehen, steht die Stillegung der De. triebe und eine grobe Arbeitslosigkeit i* sicherer Ausiüht. Aus München-Gladvach wird gemeldet - Auz Mangel an Kohlen mutzte die Straßenbahn ihren gesamten Betrieb ein« (teilen. Ferner stehm eine Reihe indu­strieller Werke still, da das städtische Elek­trizitätswerk leinen Strom liefern kann. Aus Halle a. d S. wird berichtet, daß die GaSabgabe von den städtischen Gaswerken wegen KochiemnauaelS eingestellt ist.

tonnt, Me eine unbarmherzige Ausführung deS FriedonSvertrages wünscht. Ich bin überzeugt, oatz eine Revision deS Friedensvertrages m praktischem und gemäßigtem Sinne allgemein gern Meheu wird. Ferner zitiert er das Buch des Vertreters des englischen Finanzmini- teriums an den Friedensverhandlungen in Ver- ailles, KeyneS:Die wirtschaftlichen Folgen deS Friedens'. In dem Buch wird nachgewiesen, daß das Vermögen Deutschlands in phantastischer Weise uberschätztwird Keynes empfiehlt, den Schadenersatz, den Deutschland zu zahlen verpflichtet ist, von acht aus zwei Milliar­den Pfund zu vermindern und daß Deutschland elbst die Termine für die Rückzahlung innerhalb von dreißig Fahren festsetzen dürfe, ferner sollte man endlich Mt der shstematlschen E-rnnischima in di« nrneren Angelegenheiten und trie untere Organisation Deutschlands aufhören. Sobald die Schatzung drS Vermögens Deutschlands einer genauen kritischen Untersuchung unterworfen werde, stehe das Thema von Versailles nur noch auf schwachen Füßen und der Friedensvertrag von Versailles werde in Mißkredit geraten.

Problem der Entschädigungen.

Bern, 22. Dezember. (Eigene Drahtmeldung.) ÄuS Paris wird gemeldet: Der Oberste Rat wird sich am Montag früh versammeln Wenn die Friedensabordnung aus London genügende In- nulti onen erhalten hat, wird das Studium der von Deutschland zu verlangenden Entschädigun­gen fortgesetzt. Die Briten hatten, tote schon gemeldet, verlangt, daß an Ort und Stelle in Danzig und in den verschiedenen anderen deutschen Häfen durch Sachverständige Feststellungen stattfinden sollen, über wie­viel Material Deutschland noch verfüge. Die Er­gebnisse dieser Feststellungen können zur Aufklä­rung der bestehenden Schwierigkeiten außeror­dentlich günstig sein. Heber die Materialliefe- nmgen und die Abgabe gewisser Teile an die Alliierten wird wahrscheinlich am Mittwoch zwi- chen den deutschen und den alliierten Sachver- tärdngen eine erste Beratung stattfinden.

Mfgezwirugeves Fasten.

Der Streik der Gastwirte.

»er »weltSg ge Streif her Berliner Gast­wirt«, wobei alle Lokale aes«vloffen Ware*, tollte ein Protest gegen die Regierung fein, ee sind weitere Verhandlungen im Gange.

Ter Proteststreik der Berliner Gastwirte ge­gen die verschärften Verordnungen über den Schleichhandel ist am Donnerstag und Freitag, wie wir telegraphisch berichteten, durchgeführt worden. Es hatten alle Gaststätten in Groß- Berlin ihre Pforten geschloffen. Erst am Sonn­abend früh wurde mit der Ausgabe von Speise und Trank wieder begonnen. Sie sind jedoch lind zwar nicht nur in Berlin, sondern

auch im ganzen Reiche,

fest entschlossen, den Kamps gegen Aus­nahmegesetze und Wuchergerichte mit allen verfügbaren Mitteln durchzusühren und auch vor einem neuen, fristlosen Streik nicht zu- lückzuschrccken. Ueberaus groß ist die Zahl der Zustimmungserklarungeu aus dem Reiche, die namentlich bei dem Deutschen Gastwirteverband und dem Verband der Gast- und Schankwirte für Berlin und die Provinz Brandenburg eingelau- fen sind. Aus Halle ist die Mitteilung ein- gelaufen, daß die dortigen Gastwirte sich ihren Berliner Kollegen angeschlossen haben: dort war ebenfalls die große Mehrzahl der Lokale geschlos­sen worden. ZustimmunaSerklärungen liege« auch aus vielen großen Städten vor, so Bres­lau, Dresden, Frankfurt, Kassel ufw. Dies« Nachrichten aus der Provinz lassen darauf schließen, daß die Bewegung sich über das ganze Reich ausdehnen wird.

Die Folgen der Sperre.

Segen den Mnheitsyaat.

Bayern und Baden erheben Einspruch.

(Privattelegramm.)

München. 22. Dezember.

Die ZentrumSpartei «nd der Bau­ernbund haben für Sonntag allgemeine Protrstversammlimgen in Bayern gegen den in der preußischen LandeSverfammluna angekün- digten heutfifren Einheitsstaat einberufen. In München finde« die Versammlungen an bett Feiertagen statt. Ans Karlsruhe wird ge­meldet: Der badische Staa'Sanzeiger erhebt in einem offiziösen Leitarfikel in scharfen Wor­ten Einspruch gegen den in der preußischen Landesversammlung etnoebrachten Antrag auf Schaffung eines Einheitsstaates.

Der Streit um hie Auslieferung.

Widersprechende Nachrichten.

setz über Abnrt-ilmta der im Kriege begangenen Verbrechen« eine Aendernng ihrer Aus­lieferungsbeschlüsse eintreten lassen.

Sie Friedens'Schwierigkeiten.

Meinungsverschiedenheit zwischen den Alliierten.

(Eigene Drahtmekdung.)

Zürich, 22. Dezember.

liebet die Art der von Deutschland geforder­ten Kompensationen herrscht zwischen de« Haupt- beteUigten noch immer Meinungsverschiedenheit. Die englische Delegation HM ander Fest­legungen des vom i November fest,

$u dessen Ab ng sie ohne ausdrückliche Ge- nehmiMna der enAischen Regierung nicht er- mächtigt sei. Aber auch innerhalb der fran­zösische« Delegation machen sich entgegen­gesetzte Strömungen geltend. Die Marinesach- verstämdigen berfangen durch Deutschland die Ab­lieferung sämtlicher kleiner Kreuzer, während die politischen Kreise eine Regelung auf Grund der deutschen Vorschläge, die bekanntlich eine Vertei­lung der Auslieferung auf mehrere Jahre vor- jebcn, bevorzugen dürfte«. Diese Gegensätze der Auffassung bringt es mit sich, daß in dem Augen­blick, als die ftanzösische Delegation bereits im Begriffe war, die deutschen Vorschläge anzuneh­men, vom französischen Generalstab ein Ein­spruch erfolgte, dem sich die ftanzösische Dele­gation fügen mußte. Da auch die Regelung die­ses Zwischenfalls einige Zeit erfordert, wurden »ie deutschen Abgeordneten ersucht, genau chre Angabe« z« machen, erstens über die Zahl der in deutschem Besitz befindlichen Schwimmdocks, zweitens über den Zeitraum, in dem die deutsche« Werften Kriegsschiffe zum Ersatz der fünf leichten..Kreuzer und Schwimm- socks fronen rnM tu » nwett

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Kritik dm Friedensvertrag.

Haag. 22. Dezember. (Eigene Dr Der Herausgeber der englischen

Derjenige Tess der Bevölkerung der auf die Speisung in den Gastwirtschaften anaewiefen ist. ist von dem Streik recht unarrgenehm betroffen worden. Man versuchte es, so gut es ging, mit ' ' ina" aus den Lebensmittel- '

b diese Aushilfe in fast jedem ... mrzureichender Ersatz für die gewohnte Restaurationsfpcifung. Besonders in Mitleidenschaft gezogen waren die Hotelgäste, die über Lebensmittels rrten nicht verfügten, die denn auch ihrer Mißstimmung ost in recht erregter Weise Ausdruck gaben Allgemein nehmen sie für die Gastwirte und gegen die Regierung Stel- SZum erstenmale streikten hier nicht Ange- gegen Firmen, sondern ein ganzer Stand, eine Berussschicht, Arbeitgeber und Arbeitneh­mer, in einträchtiger Verbitterung. Von ben Pa- ragraphenschlrngen dex Wucher- und Schleichhaw- gelgesetzgovung wurden ja in letzter Zeit nicht nur die Wirte erfaßt, sondern auch die Kell.

net und Köche, die mit der Beschaffung der .verbotenen' Spersen gar nichts zu tun hatten.- Gegen wen streikten sie? Gegen die Regierung. Aber das Publikum war der Prügelknabe. Vor allem das Fremdenpublikum. Tausende und Abertausende von Menschen sind in Berlin auf das Essen in Gasthöfen und Gastwirtschaften an­gewiesen. Das Frühstück, der Nachmittagskaffee, nichts stammt aus der eigenen Küche. Streikt der fremde Witt es wurde ja nicht einmal heißes Wasser in Kanne« geliefert, io mutz der un­glückliche Fremdling ans dem Koffer leben, falls er so klvg war, eine eiserne Ration mitzubrin­gen. Wie die vielen Auslandsmiffionen in Ber- lm, die gewohnt sind, daß man sie, dieSieger*, mit ängstlicher Zuvorkommenheit bedient, dieses plötzliche Aufmucken der Barbaren auffassen? Mußten sie doch zusehen, wie der Hotelangestellte schmauste, während ihnen nicht eine Tafle gereicht wurde. Aber vielleicht beruhigen sieh die Ge­müter, wenn man ihnen klar macht, daß es ja nicht gegen sie, sondern gegen die Regierung ging. Die Herren der Regierung und die hinter ihnen stehenden Parlamentarier hatten während der beiden Fasttage Gelegenheit ... imReichS- t-ag z« essen. Die Hotelbetriebsgesellschaft, die sonst die Speisen für die hungrigen Mitglie­der der Nationalversammlung fiefert, streikte zwar getreu der Streikverpflichtung. Aber die Kellner waren da. Und wozu gibt es denn eins Volksküche in der Nahe? Die lieferte dreihun­dert Gedecke. So sind die Gesetzgeber satt ge­worden. Und das ist eben das Bedauettiche! Wie sollen Parlamentarier, die keine Hungerkur hinter sich haben, hie Rindfleisch in Bouton mit Rudeln gegessen haben, die, nebenbei gejagt, alle immer markenfrei essen, wie fallen die ein Ohr haben Mr die Klagen der Fremden, der Mnggesellen, aller derjenigen, d'-e nicht da« Glück eines »Igenen Heims iv~*> damit strafloser Schleichhandelsverpflegung besitzen? Ist den« die Zeit noch nicht reis, dab -ndlich einmal die cnoß- Lüge gestützt wird? -ragt der Hannoversche Kurier. Die Lüge, daß der Deutsche von seinen Lebensmin-lkarten leben soll? Wer lebt denn von den Karten? Ja, es gab welche, die es toten. Di^> sind aber tatsächlich v-chun- aert. Friedrich Naumann hielt sich in seiner ideak^ Rechtlichkeit an die Rationierung. Er taufte sich nicht wie wir anderm, wir Sünder, hier ein Pfund Butter, dort eine Tafel Schoko­lade. Er hatte es können, fast so gut wie jeder Ander«. Aber er lehnte es als Raub am Natio- ttoleigentum der. LebeuKmitte! ab. ^Er, der

Erwark«nfl der Antw' ^

Berlin, 22 Dezember. (Privattelegramm s Rach Meldungen m-8 Pari- nrrb für Montag bezw. Dienstag mit einer Antwort der Al'>. irrten an den deutschen Gesandten gerechnet. Ob fie bereits die endgültige Entschließung der Alliierten bringt ist nach freu Auslassungen der Pariser Blätter zwrifekhap. w

(Privattelegramm.)

Straßburg. e2. Dezember.

Reue Sozialpolitik.

Htlfe für Den, bet arbeiten will.

_ S« Washington findet eine internationale Beratung sozialer Fragen statt alS erste Frucht einer Wiederversiündtoung der Völker. Deutsche Bertveter sind zugelässen, halb aus Gnade, halb ans Anerkennung der deutschen Sozialpolitik. Aber man wird sich in Deutschland darüber flar fein müssen, daß di« Rolle, die Deutschland in der internationalen Sozialpolitik gespielt hat, fett Jahresfrist völlig geändert ist. Die anderen Kulturländer werden nicht mehr in der den Lrbertetschutz- und Sozialversich gedu-ng das Vorbild sehen, dem sie auS kulturel- fern Interesse nachzueifern haben, das sie aber nut soweit bei sich etnzufirhien geneigt sind, wie Vie Konkurrenzfähigkeit ihrer eigenen Industrie das zuWßt; heute sehen sie es lediglich «ms dem Gesichtspunkt der deutschen KonLurrenz tinerfeits und der Ansteckungsgefahr der sozialen Wünsche andererseits an. Es ist gewiß zu be­achten, daß man gesaFfi hat, die Ententeländer wurden es nicht dulden, daß Deutschland seine Atbetterschaft so viel besser stellt als die Entente, weil feder Fortschritt in dem armen Deutsch­land den reicheren Regierungen vorgehalten wer­den würde, bis er auch dort eingeführt würde. Aber das ist nur zum Teil richtig. Di« Entent« tonn künftig in Deutschland dreinreden, aber ihre Interessen sind seht verschiedene und geteilte. Gewiß wünscht sie nicht, daß durch Hinweis auf vas atme Deutschland ihre eigenen Arbeitermaf- fen begehrlicher werden, denn di» Entente ist heute rein kapitalistisch, aber andererseits wünscht sie auch und muß wünschen, daß Deutschland produktiv bleibt, weil es sonst sei- Mctt 'StiVriidfiungen geaenüi^O^f 3» T'.b-et« nicht nachkommm kann. Der Einspruch der En- tente also wird verschieden sein und diplomattsch behandelt werden können durch eine vernünftige Führuna der deutschen Dozialpolttik. Soll diese aber vernünftig geführt werden, so tonn sie im- möglich ihre Zwle und Entschließimgen von sol­chen immerhin wschsckvollen «nd rücht eiuheit- flchen Wünschen der bisher feindlichen Konkur- »enzvöfler abhängig machen, nach deren guten oder bösen Menen schielen, sondern lediglich wach den LebenSnoiwendigkeiten und Bedürfnis­sen Deutschlands «nd des deutschen Volkes muß sie sich richten.

Wenn man die gegebenen Realitäten «nd Wahrheiten richtig versteht, ergibt sich dann aber, daß die neue Sozialpolitik Deutschlands feine Geldsozicflpokitik fein kann, sondern eine P r o - duktivsozialpolitik sein mutz, das heißt feine Renten- und Unterstützung^ Fürsorge, son­dern eine Arbeitsfürsorge. Und das aus mancherlei Gründen: Erstlich wird jede Ausbeffe- tung der geldlichen Leistungen aus Versicherung een, auch aus Löhnen, die Vergleiche und Kampfstellung des AuskaM>«s herauSlocken und Deutschlands Arbeiterschaft insofern lähmen, ohne sie andererseits zu fördern. Denn mit Für­sorge für Zeiten der Nicht arbeit ton« man wohl Wohltätigkeit treiben und in einem reichen Lande ganze Bevölkerungsschichten auf die Tauer em­porheben, aber akute rasche soziale Mrsorge in einem niedergebrochenen Bolle und einer schwer ringenden Volkswirtschaft ist daS nicht. Denn es kommt weiter als besonders wichtiger Grund hinzu, daß Staat und Reich in Deutschland kein Geld dazu haben. Sie hohen es tat­sächlich nicht, und sie können und bürfen es dazu nach den notwendigen Erfüllungen des Fne- benSverttages ard? nicht haben. Zudem kommt, daß mit Geld bei dem Entwertungsstande des deutschen Geldes auf die Dauer nicht viel Für­sorge geschafft werden kann.

Die Kehrseite ist die: Mit menschlicher, tat« sächlicher Unterstützung und Hilfsstellung muß die Arbeitskraft, d« Arbeitergefundbeit her Arbeitswille gehoben werden. Das tut dem deutschen Volke not, kostet verhältnismäßig we­niger Geld, bat keine ausgesprochene Kampfstel- kung gegen das Ausland, ruft den Reid nicht wach, Debt die Produktivität, ist wahre Sozial- jwlittk. die der kommenden Zeit angepatzt ist. Tas heißt aber: der Grundsatz, der in der Kriegsbeschädigtenflirforae schon lange geltend ist, nämlich den Beschädigten nicht mit Almosen zu einem Bettelleben zu verfuhren, sondern ihn arbeitsfähig und »u einem vollgültigen Glied der menschlichen Arbeitsgemeinschaft zu machen, die­ser Grundsatz mutz der Leitsatz der gangen deut­schen Sozialpolitik werden. Richt Rente ist das Wesentlich«, sonder« Vermittlung der eigenartigen Arbeitsgelegenheit, die für eine für­sorgebedürftige, geschmälerte Arbeitskraft itoch ausreicht. Hilfe des einen Kollegen und Kame­raden für den anderen, stark ausgeprägter um glänzend organisierter öffentlicher Dienst tatkrät tiger Hilfe für jeden der a .beiten will also gewaltige Steigerung der Produktivität und der Arbeitsfreude deS Einzelnen dadurch, haß jeder Rest von Arbeitskraft ausqcuntzt, ge­pflegt, wieder großgezoqen wird und daß die soziale Hilfe in der Zuweisung von Austtägen «nd Arbeitsgelegercheiten, dem freundlichen und rnergrsche» -insichren zu nützlicher Betätigung

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