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Kasseler Abendzeitung

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Hesfische Abendzeitung

dnferhonSpretfe: i) Einheimische Hui trägt: Die einspaltige Anzeigen-steile 59 Pfg. sein- schließlich DeuertmgSzuschltg), die einspaltige ReNamezeil» Tt. 1.20 letnfchliebNch Teuerung«, zuschlag». b) Auswärtige Aufträge: Die einspaltig- Anzeigen,eile 40 Pfg. unb 50»/. Steuerung«- »uschlag, die einspaltige Reklame,eil« M. i.10 unb 50»/, Teuerung «Zuschlag Für die Richtigkeit aller durch Fern'precher aufgegebenen Anzeigen, sowie für «ufnahmebaten * unb Platze leine Gewicht. S»schLst«stelle: Kölnische Straße 5. Telephon Nr. 951 u. 952.

9. Jahrgans

FreiLag, 12. Dezember 1919

Nnmmer 314.

Fernfprccher 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952

LA Kommission wird nach Ws entfandl.

Sie Waren-NAAMg-

Billige Verkäufe an das Ausland.

Die erschreckende Teuerung aller Waren, die in den letten Wacken wieder besonders zutage getreten ist und auch in den kommenden Wochen weiter andauern wird, bat weiten Kreisen schon Kopfzerbrechen verursacht. Manche Gegenstände sind in den letzten vier Wochen um fünfzig Pro­zent teurer geworden. Die Grüiche für diese bedauerliche Tatsache liegen einmal in der unzureichendenHerstellungin Deutsch­land, die mit dem Verbrauch nicht gleichen Schritt halten kann, dann aber auch in den M a s- senVerkäufen an das Ausland. Die Aus­länder können infolge des niedrigen Martkurses für außerordentlich billige Preise fünfen, so daß sie, nach ihrem ausländischen Geld berechnet, die Waren halb geschenkt bekommen. Wie unklug diese Verschleuderung ist, geht aus den Berichten der auAÄndischen Industrien hervor, die sich über die deutsche Schloudertonkurrenz bellagen. Do beschäftigen sich zum Beispiel verschiedene Industrien, sowie die Presse der Schweiz mit der Ueberschwemmung des dortigen Marktes mit bil­liger deutscher Ware, die infolge der Valutadifse- renz zu Preisen geliefert werden kann, die unter den .Herstellungskosten der Schweizer Fabrikanten liegen. Die Ursache dieser Lage der notleidenden Schweizer Industrien ist wenn auch nicht die einzige, so aber doch die hauptsächlichste der Sturz des deutschen Wechselkurses. Daneben spricht mit, daß die schweizerischen Industrien noch im letzten Kreigsjahre ohne Rücksicht auf den Preis Rohstoffe zusammenkanften, deren Einfuhr erst viele Monate nach dem Einkauf möglich war, und die, durch Transportkosten, Zinsoerluft Mkd Versicherungsspesen erheblich verteuert, zum Teil erst jetzt verarbeitet werden können.

Reben den elektrotechnischen Spezial- fabrilen beschweren sich am nachdrücklichsten die Schweizer Möbelfabrikanten über die ausländische Einfuhr, die nach Angabe des Gene- ralsekretärs Stucki auf einer weiteren Sitzung des Sachverftändigeuausschusies im Oktober 1919 in den hauptsächlichsten Positionen schon 40 bis 100 Prozent mehr als int Oktober 1913 betragen habe. Tie Möbelindustrie behauptet, daß die deutsche Konkurrenz sie um 150 Prozent und mehr unterbiete. Ebenso klagt die Schweizer Papierindustrie über die deutsche Konkur­renz. Angeblich werden von Deutschland Papier- sorten zur Hälfte oder zum dritten Teil des Preises angebotcn, für den die schweizerischen Fabriken sie Herstellen können. Klagen erhebt feiner die Schweizer Maschinenindustrie über die deutsche Konkurrenz, die vor allem bei Werkzeugmaschinen eingesetzt hat, von denen zwar 1919 nicht soviel wie im letzten Friedens- Halbjahr, immerhin aber bedeutend mehr als in den Vorjahren eingeführt wurden. Zu den not­leidenden Industrien rechnet sich auch die schwei­zerische Automobilindustrie. Zwar hat Derrtschland der Schwerz im ersten Halbjahr 1919 noch für über 6,5 Millionen Francs Auto­mobile abgenommen, und seinerseits für knapp 2 Millionen geliefert, doch hat sich das Bild in den letzten Monaten zu Unguusten der Schweiz verschoben. Benachteiligt fiihlt sich ferner die Kl e i n e i s e n i n d r. st ri e. Werkzeuge aus Eisen im Gewicht von weniger als zwei Kilo­gramm gehören zu den Waren, in denen die Ein­fuhr aus Deutschland im ersten HaRsiabr 1919 die Einfuhr im letzten Friedenshalbiahr der Menge nach bedeutend übertroffen hat. In diesem Zusammenhänge sind auch Fahrräder zu erwäh- nen, von denen im ersten Halbjahr 1919 aus Deutschland 13 967 Stück cingeführt wurden, ge­gen 11919 un gleichen Zeitraum 1914. Weiter empfindet die Schweizer Brauindustrie die neuerwachte deutsche Konkurrenz sehr unlieb­sam. Sie stellt die den deutschen Brauereien ge­gebene Erlaubnis, für die Ausfuhr ein viermal stärkeres Bier zu brauen als für den einheimi­schen Verbrauch, als eine Art Schmutzkonkurrenz Lin und fordert in großen Anzeigen die Bier­trinker auf, das deutsche Bier zu boykottieren. Schließlich rechnet sich noch die Konfektions­industrie zu den unter deutscher Einfuhr lei- dendotr Erzeugerkreifen.

Als Schutzmaßnahmen gegen die Einfuhr aus Deutschland wurde von einem Teil der Inter­essenten ein unbedingtes Einfuhrverbot, von an­deren eine Kontingentierung 1-cr Einfuhr ge- wünscht, während andere die Erhebung vcn Zu- schlagzöllen als Ausgleich für Valutadifferenz forderten oder das Heil darin erblickten, Deutsch­land zur Aufhebung seiner Einfuhrverbote zu zwingen. Demgegenüber betonten die Schweizer Regierungsvertreter sowohl, wie die Vertreter des Sachverständigenausfckmsses, daß eine Ein­fuhrbeschränkung die ganze Konsumentenschaft der Schweiz schwer treffen würde. Auch müsse das Verhalten des Auslandes im Falle eines Erlasses von Einfuhrbeschränkungen bedacht wer­den. Auch Zollzuschläge seien schlecht durchführ­bar. Man könne schließlich für eine Ware doch nicht einen Zoll erheben, der ein mehrfaches des Wertes der Ware selbst ausmacht. pb'td-m sei

eine Entscheidung über die anzuwendenden Grundsätze unmöglich. Wenn auch die schweize­rische Regierung von der Einführung von Im portbeschränkungcn bisher abgesehen hat, so ist es durchaus nicht ausgeschlossen, daß sie sich schließlich doch noch dem Druck der in Mitleiden­schaft gezogenen Kreise fügen und zu Maß­nahmen gegen die deutsche Einfuhr greifen wird. Mso so weit muß es erst kom­men. Konnten wir nicht schon längst aus den Verhältnissen lernen. Was von der Schweiz gilt gilt auch von den anderen Ländern. Die nach dem Auslande gelieferten Waren hätten viel teurer verkauft werden müssen, daun wäre nickt so viel ins Ausland entschwunden und wir hät­ten doch mehr dtohstoffe als Austausch dafür er­halten. Dadurch wären unsere Herstellungspreise verbilligt worden und die deutschen "Käufer brauchten nicht fo unter der Teuerung zu bluten, wie es jetzt leider der Fall ist.

IkMWmd MS die SeinSe.

Entsendung einer Kommission nach Paris.

(Privattelegramm

Berlin, 11, Dez.

Der Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten trat gestern vormittag zu einer kurzen Bespre­chung zusammen. Der Münster des Auswärtigen schilderte die drrrch die E n t e n t e n o t c n ge- schafsenc Lage und entwickelte bett Stand­punkt der Reicksregicrung. Im An­schluß au diese Besprechung hielt nachmittags das ReichSkabinett eine Sitzung ab, um die heute her morgen nach Paris abzusendende Antwort lestrnlegen. Die deutsche Regierung wird altsich- zcftig eine Fachkommission nach Par s ent senden mit her Aufgabe, aus Grund genauer Un­terlagen der Entente nachzuweifen, daß die M (iefertntg von 400 000 Tonnen schwimmendem Werftmaterial ben völlige» Ruin der deutschen Schiffahrt bedeuten würde. Zu dieser Fack fommiffion wird, entgegen pariamcntlV'sfhen Ge­rüchten, der Vorsitzende der demokratischen Par fei, Petersen, nickt gehören. ES verlautet, daß Geheimrat von Sirnson die Kommission führt

Widerspruch im Parlamentsausschuß

Berlin. 11. Dez. (Privattelegramm.) In der vertraulichen Sitzung des Ausschusses für aus wärtige Angelegenheiten in der Nationalver­sammlung war die Stellungnahme der Par­teien zum Inhalt der deutschen Antwortnote an die Entente Gegenstand der Verhandlung. Es war eine nicht geringe Opposition gegen die mit- gcteilte Entschließung des Reichskabmetts vor­handen. Zu Beschlüssen kam es nicht,

Drohung der Betriebsräte.

Berlin, 11. Dez. sPrivattclegrcrmm.) Von einigen vierzig revolutionären Betriebsräten ist gestern beschlossen worden, wenn die Reichs«: giernng durch ausweichende Antworten die m l Iarischen und wirtschaftlichen Maßnahmen gegen Deutschland veranlassen sollte, also wenn fi? nickt bedingungslos unterzeichnet, zu Massen limdgebungen des Proletariats gegen die Regierung im ganzen Reiche aufzufordern.

Die militärische Vorbereitung.

Berlin, 11, Dez. (Privattelegramm.) Aus Köln wird gemeldet, daß Offiziere und Mann schäften des englischen BefatziingsgsbieteZ Befehl erhielten, bis auf weiteres ihre Garnison­orte nickt zu verlassen. Airs Paris wird be­richtet: Am Montaa, den 15. Dezember, wird Marschall Fach die Ermächtigung zur Kündi­gung des Waffenstillstands

R-euter meldet aus Paris: Der A''sertrnrat wird sich nächsten Montag über die Maßnahmen schlüssig machen, dir Marschall Fock für die Alli­ierten Armeen verlangt. Eine nochmalige Nöte soll Nun nicht mehr abgehen.

«

Rach" der Unterzeichnung.

Berlin, 11. Dez. (Privattelegramm.) Eine Havasdepcscke vom Dienstag meldet, daß Ser Handlungen mit Deutschland über die Frag- der bei Scapa Flow versenkten deutschen Schisse erst nach (?) der Unterzeichnung des Zu- satzprotokolls ausgenommen werden.

Jas NNterrrchtS'HrsdleM.

Schwierigkeiten im Beratungsausschuß. (Privattelegramm.)

Berlin. 11. Dezember.

Die Frage der Schulvorstände hat im Nnter- richtsauSschuß der Preußischen Landesvrrsamm- lrmg zu Schwierigkeiten zwischen dem Zen­trum und den Sozialdemokraten ge­führt. Es handelt sich im wesentlichen um zwei Forderungen des Zentrums. Zunächst verlangt

cs die Aufrechterhaltung be3 konfeff ionel- len Charakters der Lehrerbilbungs-An- -takten und zweitens die Sicherung der Zuge­hörigkeit des Geistlichen zur Ortsschul- ö e h ö r d e. Die größte Schwierigkeit verursacht sie erste Forderung, die innerhalb der Lehrer- .reife scharfe Gegncrsäprst findet. Ein Zentrums- ;ebner sagte wenn der Ausschuß die Geistlichen ton der Schrnbeh-irde ausMießen wolle, müsse cieS die Auflösung der Regierungä- m e h r h e i t zur Folge haben. Auch würden die Randgebiete von Deutschland abfaLen. Bei allen Mitgliedern des Ausschusses lrerrschte große Er­regung. Heilte sanden Besprechungen über die Lage sowohl im Staatsministerium w>e bej den Fraktionen statt. Wie verlautet, bleiben die Demokraten und Mehrheitssozialisten auf dem von ihnen eingenommenen Standpunkt sieben.

Man rrchnet mit einem Kompromiß.

Berlin, 11. Dezember. (Privattelegramm.) Die Zentrumsftaftion der Laudesversammlung trat gestern abend nach stürmischer Verhandlung zu einer Beratung zusammen. Deut Vorstoß wird in den eigenen Reihen des Zentrums keine über« wiegende" Bedeutung beigemessen. Er scheint mehr ein persönliches Unternehmen des Abge- orbneteu Dr. Lauscher zu sein. Es ist aber nicht ganz sicher, daß ihm die ganze Partei durch dick und dünn folgen und es auf einen Bruch ankommen lassen wird.

Arche StemrirWM.

Sind Erzbergers Steuervorlagen gesichert?

Berlin, 11. Dezember. (Privattelegramm.) In einer gestrigen Mehrheitssozialiftischen Ver- it.mmlung in Potsdam sprach ein mehrheits- 'vziälisttscher Funktionär, daß die Annahme- der Zrzbergerschen Steuervorlagen in der National­versammlung mit einer Mehrheit von 120 Stim­men gesichert sei.

* * *

Das Reichsnotopfer und die Feinde.

Berlin. 11 Dezember. (Telegraphische Mel­dung) de Paris" meldet zu den Vcr- 'andlmtgen in der Deutschen Nationalverfamm- -nng über die Beschlagnahme der deutschen Vermögensabgabe durch den Verband, : die Stellungnahme der Verbündeten sich aus 'cm Friedensvertrag ergeben würde. Nicht die '"schlagnusi'ue der Vermögensabgabe sei das -tie! der Verbündeten, sondern die restlose ? ifassr? ng des deutschen Vermögens "iir die Wiedergutmachun-i. D'e Handhabe zur Erfassung des beittfelfen Vermögens biete aller­dings dir jetzt in Vorbereitung befindliche eutsche Bermögrns-Bernnlagung.

Französische Beurteilung

Haag, 11. Derember. (Eigene Drahtmeldung.) v'ie ZeitungL'Oeuvre" (sozialistisch) besvricht 'ie Lage folgendermaßen: In diplomatischen Steifen ist man überzeugt davou, daß Oester- e i ch im März bankerott fein wird und daß 'n Deutfchland kurz nackber der Staats- bankerott eintreten wird Diese doppelte Ka- 'astrophe würde entsetzliche Folgen haben.

Sie MMqen Vertrüge.

KohlenmiLtausck mit der Tschecho-Slowakei. lVrivattelegramm.)

Berlin. 11. Dezember.

Der neue Kohlenvertrag zwischen Deutschland inb der Tsckecho-Slowakei, der in Berlin unter« fertigt worden «st, wurde auf fechs Monate ab­geschlossen und läuft vom 1. Dezember 1919 bis um 31. Mai 1920. Ihm zufolge Hai die tschecho- '"howakrsche Regierung 200 000 Tonnen Braun­kohlen monatlich an Deutschland zu liefern und für diese monatlich 195 000 Tonnen oberschle­sische Steinkohlen abzunehmen. Außer dieser Menge hat die " ''ckeckio-Slowakei noch monatlich viertausend T tuten Braunkohlen und Deutsch­land dreitausend Tonnen oberschlesifchc Stein« kohle an die Grenzgebiete zu lieftrn. Die deutsche egienntg verpflichtet sich, ihre eigenen Wagen äcreitzustcllen. Rur fünfz-shutaufend Tonnen des monatlichen Kontingents müssen mit schecho- slowakrschen Wagen befördert werden.

*

Ein Vorbehalt Brasiliens.

Basel, 11. Dez. (Eigener Drahtbericht.) Wie den Schweizer Blättern aus Rio de Janeiro oemeEbet wirb, soll trotz bei bereits erfolgren An­nahme des Frösde-nsvertrages von Versailles, cmschließlick des Völkerbundvrrtrages, das bra­silianische Parlament noch eine Ein­wendung gegen den Vertrag gemacht haben. Die Entschließung besagt, daß Brasilien in gleicher Weise toi? die Vereinigten Staaten von Nord­amerika, den Friedensvertrag nur unter Vorbe­halt annehme.

Sie BemöseusaSsghr.

Beratung in der Nationalversammlung.

(Telegraphischer Bericht.)

Berlin, 11. Dezember.

Die gestrige Sitzung brachte eine sachliche Er« ßrtennig über das Reichsnotopfer. Zu die­sem Gesetzentwurf äußerte sich der sozialdemokra­tische Wgeordnete Dr. Braun- Franken, die Szenen am Tage vorher hätten bewiesen, daß die Rechte einen Finanzminister aus ihren Reihen in die Regierung bringen wolle, der Deutschland aus dem finanziellen Elend retten solle. Er fuhr fort: Herrn Hugenbergs Angriffe waren sorgfältig stilisiert. Herr Hugenberg, der die Beamten des KriegSministeriums korrum­piert hat, will von Korruption reden. (Präsident Fehrenbrach rügt diesen Ausdruck.) Hugenberg hat Landesverrat getrieben, indem er ein Stück wertvollen deutschen Landes dem Feinde anbot. (Präsident Fahrenbach: Ich kann diesen Aus­druck nicht zulasscn, wie ich ihn gestern nicht zu­gelassen habe.) Es ist nicht zu befürchten, daß die Entente Hand an das Nowpfer legt. Zu dem Entwurf haben wir nur wenig Abänderungs- an trüge. Abg. Farwick (Ztr.): Zu schonen sind bei der Aufpannung des Besitzes die Fa­milie und die werbende Arbeit, und das ist im Gesetz geschehen. Die Zwangsanleihe ist inner» sich unhaltbar. Ich erkläre namens aller Par­teien aus dem besetzten Gebiet: Wir ver­wahren uns dagegen, verschachert zu werden.

9 Wir sind noch nicht tot.

Wir sollen noch fünfzehn Jahre das Elend der Besetzung ertragen, aber wir bleiben deutsch. (Beifall.) Abg. Dr. Petersen (Dem.) er- klärt, daß seine Partei in der zweiten Lesung für das Gesetz stimmen werde, für die dritte Lesung sich aber ihre Stellung Vorbehalte. Abg. Dr. Becker-Hessen (D. Vpt.): Der Bettag von jährlich zweieinhalb Milliarden durch den Besitz wäre aufzubringen durch eine laufende Abgabe vom Vermögen auf Grund wiederholter Veran­lagung des Reinvermögens nach progressiv stei­gendem Steuersatz und ferner durch eine Steuer­veranlagung, die nach der Vermögensabgabe muzulegen ist. Minister Erzberger: Der Weg, den der Antrag Rießer und Becker vor- schlägt^ ist eine sehr schwankende Brücke. Gewiß gibt es Bedenken gegen das Notopfer. ES gibt aber stärker? Gründe, die uns zwwgen, diefe Bedenken hinlanzustellen. Der ungeheure Gegensatz der hohen Vermögen und die Vermö- geiislc-sigkeit ist auSprgleichen. Die große Masse der Arbeiter erträgt es nicht mehr, die großen Vermögens«nsammlungen vor und während des Krieges bestehen zu lassen. Diese müssen ab gebaut werben. Das ist auch der führende Gedanke des RotopferS. Rur steuerliche Gerechtigkeit kann zur Ruhe, zur Arbeit, zur Aufwärtsbcwegung führen. Die Vorlage will den

VermögenSftand vom 31. Dezember 1919

zur Grundlage einer erheblichen Vermögens- abgabe machen. Dieser Vorschlag vermißt die Nachteile der Arnstadtschen Zwangsanleihe, di» in einem halben Jahre dreißig Milliarden aus dem Wirtschaftsleben herausnehmen will und da­für Papier wiedergibt, das etwa fünf Milliarden Wert hat. Das ist unmöglich. Das Notopfer entzieht dem Gesamtvermögen 2.8 Milliarden jährlich einschließlich der Zinsen UebrigenS sehen bei Entwurf sowohl wie die ReichSabgäbenord- rung Erleichterungen vor bei etwaiger Verringerung der Vermögen in den nächsten drei Jahren. Demgegenüber baut sich die ZwangS- anleihe ebenfalls auf dem Stande vom 31. De­zember 1919 auf. Abg. Farwick verspreche ich, daß die Familien und die Wirtschaftskraft bei der Ausführung des Gesetzes geschont werden sollen. Die kleinen Rentner sollen jeden­falls geschont werden. Bei mittleren Vermö­gen bis 3U 200000 Mark werben bei vier und mehr Kindern Erleichterungen zu schaffen fein. Das Notopfer muß aus fiuauziellen, inner- politischen und wirtschaMchen Gründen schnell­stens verabschiedet werden. Rach weiteren Be­merkungen der Abgeordneten Wurm (U. S.), Hugenberg (Deutsöhuatl.), Heim (b. k. Fr.), St r e f« m a n n (D. Vpt.), Dr. Braun (Soz.) und Katzen stein (Soz.) folgt die namentliche Absti-mmung über den Antrag Becker-Rießer auf Zurückverweisung der Vorlage an den Ausschuß. Es stimmen ab 279 Abgeordnete.. Der Antrag wird mit 236 gegen 43 Stimmen abgelehnt. Paragraph 1 des Gesetzes wird nach Ablehnung des Zusatzantrages Arnstadt in der Kommis- stousfassung angenommen.

Nach längerer Aussprache werben eine Reihe von Paragraphen nach der Fassung des Ausschuf, fcs angenommen. Bei Paragraph 5 will Abg. Gruber (Soz.) auch die Kirche und ihr Ver­mögen unter das Notopfer bringen. Von den Sparkassen fallen nur die den Gemeinden und Gemeindsverbänden gehörigen Einlagen abgabe- stei fein. Minister Erzberger: Bezüglich der Sparkassen wäre es nur recht, wenn Sie «tl Regierungsvorlage zurückkehrten. Wenn Sie aber den polittfchen Vereinen, Turnvereinen usw. Steuerfteiheit geben, fo müssen Sie sie auch der Kirche geben, sonst wäre dies ein ausgejprochen