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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hesfische Abendzeitung

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Nummer 307.

Fernsprecher 951 un> 952.

Donnerstag, 4. Dezember 1919.

Fernsprecher 961 xitb 962.

9. Jahrgang.

Sie Alliieelen wötzen die Schuld aus Deutschland.

Europas ßhßse».

Die Beutegier der alliierten Abenteurer.

Mari mutz schon zwei Fremdwort« schreiben, am die Niedertracht der Feinde mit dem ver­dienten Dtatze der Verabscheuung zu kennzeich­nen. .Infamie" ist das Merkmal der Fran­zosen, .Perfidie" das der Engländer. Die Worte ihrer eigenen Sprache drücken am tref­fendsten ihren hervortretenden Clmratterzug auS. Niedere Gesinnung, Ruchlosigkeit, Brutalität sind die Eigenschaften der neuzeitlichen alliierten Politiker, und da jene Männer die gewählten Vertreter ihrer Völker sind auch als Volks- eigensck'-ften zu erkennen. Ein lauwarmer Ein­wand, daß di« Völker gut, nur die Staatsmänner schlecht feien, läßt sich, durch nichts rechtfertigen, denn solange die Staatsmänner mit ihrer Poli­tik. und sei sie von den übelsten Beweggründen geleitet, Erfolg haben, stimmt ihnen das Volk $u. Den am deutlichsten sichtbaren Beweis Haden wir in Frankreich, wo trotz nein, sogar wegen der Unmenschlichkeit des Friedensvertrages fast das ganze Land nationalistisch gewählt und da­mit die Deutschfeiudlichkeft programmäßig fest­gelegt hat. Es war der größte innere Sieg des Deutschenfressers Clemenceau. Auch die markt­schreierisch gepriesene Menschlichkeit der Sozia­listen hat sich als der größte Schwindel erwie- sen, wie hätte es sonst geschehen können, daß die sozialistische Fraktion in der französischen Kammer den beabsichtigten Antrag aus Heim­schaffung der deutschen Kriegsgefangenen zu­rück z o g ? Auch im englischen Volke hat der Haß gegen die Deutschen tiefe Wurzeln geschla­gen. Durch die jahrelange Hetze sitzt dort in allen Schichten der Bevölkerung der Glaube fest, daß an allem Unglück nur die Deutschen schuld seien. Man täusche sich nicht durch einzeln« vernünftige Stimmen, die keinen Einftnst. haben, und un­beachtet verhallen. Die Gesamtheit der Völker, Englands sowohl wie Frankreichs, sieht heute noch und auch fernerhin in Deutschland den wie die Pest zu fürchtenden Feind.

Die neuesten Meldungen aus Paris müssen Jedem die Augen öffnen. Der Alliiertenrat ist .sehr verstimmt" infolge der Erklärung der deut­schen Regierung, die sich geweigert hat. unsere Docks und das Werftmaterial an Ena- land abzuliefern, weil wir nicht dazu venpflich- tet sind und weil es unser Letzter ist. D»e Regierung schlug ein Schiedsgericht vor. Als diese deutsch« Rote veröffentlicht war, sagte man <ms- atmeud:Gott sei Dank, endlich einmal ein mannhaftes Wort/ Wer die englischen Vertreter in Paris nennen unsere gerechte Wei- gening eineUnverschämtheit" und sie wollen uns di« entsprechende Antwort geben. In Eng­land spricht man vonunerhörter Dreistigkeit". Angesichts dieser schreienden Tatsachen durften wohl die England-Freunde, die "unter uns sitzen, ftrr einen Augenblick verstummen. Auch die französischen Vertreter gebekden sich wie roll und benutzen die Gelegenheit, di« deutsche Note wieder gegen unsere kriegsgesangenen Landsleute auszusvielen. Trotz der Proteste neu­traler Körperschaften und Zeitungen und trotz der anerkennenswerten Anregungen des Papstes zugunsten der schmachtenden Gesangenen denken die Franzosen nicht daran, sie freizugeben. Die Vorberelftlugen in Nordsrankreich, wo die vier­hunderttausend Deutsche Sklaveitdienste leisten sollen, werden ohne Unterbrechung fortgesetzt. Damit nicht genug. Ter Alliicrtenrat ist aus Wunsch des Marschalls Foch in Beratungen dar­über eiroge treten, welche Strafmaßnah­men gegen Deutschland zu ergreifen seien, falls es sichdauernd widerspenstig zeige". Wie die Hyänen stürzen sich die Feinde auf das verblu­tende Opfer. Nachdem wir schon das Höchstmaß der Beraubung und Demütigung haben erdul­den müssen, und nach den Wa sfenstillftands-Be- vingungen mehr geleistet haben als wir zu tun verpflichtet sind, sollen wir gehorsam sMhaltcn, bis uns noch das Fell über die Ohren gezogen ist. Sind w'r nicht brav, dann kommt Foch mit seinen farbigen und weißen Soldaten und mit Kanonen. Da er meint, sein militärisches An­sehen leide darunter, wenn er nicht schärfer gegen die wehrlose Zivilbevölkerung auftrete, scheint er doch nicht ganz von seinem bisherigenSieges­ruhm" überzeugt zu sein.

In den Wutausbrüchen der Gegner sehen wir ein bedenkliches Zeichen für die nächst« Zukunft. Neutral« politische Persönnchkeiren in Berlin be­urteilen die Spannung als s e h r e r n st. Sie glauben sogar, wie eine Berliner Meldung sagt, daß di« Lage seit Unterzeichnung des Versailler Vertrages noch nicht so ernst gewesen sei wie jetzt rmd daß möglicherweise noch vor Weihnach­ten unangenehme Ueberraschungen kommen könnten. Es entzieht sich unserer Kenntnis, worauf diese Ansichten gegründet sind. Tie Span­nung ist jedenfalls ganz einseitig hervorgerusen worden, wenigstens karm bei uns. anaeüchts un­serer Ohnmacht, niemand an kriegerische Ver­wicklungen mit Frankreich denken. Daß aber die Franzosen sich neuerdings besonders abenteuer­lustig zeigen, geht aus der Nachricht hervor, daß die Entt-essnneen auS dem Heer« wieder einge­

stellt werden. Man könnte den Befehl als einen verfrühten Karnevalsscherz nehmen, wenn er nicht so verbrecherisch wäre. Wo in aller Welt liegt im heutigen Deutschland eine Gefahr für Frankreich? Möglich ist auch, daß die fran­zösischen militärischen Maßnahmen inner­politische Ursachen haben, die es den gewissen­losen Herren ratsam erscheinen lasten, eine künst­lich gezüchteteSpannung" zu inszenieren. Die Lage wäre aber für Deutschland deshalb nicht weniger ernst! K. F. v-r.

Zar Schicksal der Gefangenen. Der Alliiertenrat leugnet alles.

(Privattelegramm.)

Berlin, 3. Dezember.

Die Antwort des Obersten RateS auf die jüngste deutsche Note wegen Auslieferung der deutschen Kriegsgefangenen ist hier eingetroffen. Eine amtliche Uebersetzung wurde der Presse noch nicht zugängig gemacht. Wir sind aber in der Lage, das Wesentliche an» dem Inhalt der Note, die keine toeitertfx Zugeständnisse macht, mttzuteiken. ES heißt dann: Was die Kriegs­gefangenen anbetrifst, so habe Deutschland nur ein durch den Friedensvertrag, den es unter- zeichnete, festgesetztes Recht, das besagt, daß die Heimsendungder Gefangenen an dem Tage beginnen soll, an dem der Vertrag in Kraft tritt, also nach vollendetem Austausch der Rwkd- Stationen. Jede Abweichung von diesen Be­stimmungen, die einen Teil des Friedensver­trages ausmacht, sei eine Vergünstigung. Die Alliierten behaupten, daß die Anspielung auf französische Versprechen jeder Begründung ent­behre. Die Heimsendung der Kriegsgefangenen sei unterbrochen worden, weil einzelne Punkte des Wassenstillstandes von der deutschen Reme- Tnng aefiwfern ob-- s6et» -.4 - *-

vollständig erfüllt worden seien, -«-.chatt bte Mpt hin gepflogenen Unterhandlungen zu unter­stützen, habe die deutsche Regierung diese Un­terhandlungen in die Länge gezogen undin un­gehörigem Tone" zu diskutieren begonnen. Die volle Verantwortung für alle Folgen liege auf den Schultern der deutschen Regierung, beson­ders für die Zurückhaltung der Gefangenen in Frankreich, die dort wohlwollend und menschlich behandelt würden. Die deutsche Regierung gebe sich alle Mühe, durch die skriegAgesaugenenfraa« die öffentliche Meinung Deutschlands gegen bte Alliierten, besonders Frankreich, aufzuhetzen.

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Weiteres aus der Rote.

Basel, 3. Dezember. (Eigene Drahtmeldung.) In der Ententenote wird weiter gesagt. Deutsch­land habe immer seinenschlechten Willen" in der Erfüllung der WaffenstillstandSbedingtrngen gezeigt und würde ihn noch mehr zeigen, wenn es seine Kriegsgefangenftl schon zurückerhalten hätte. Andererseits sei auch eine lebhafte Pro­paganda in den neutralen Staaten und selbst in den alliierten Ländern zu bemerken, um eine Protestaktion gegey di« Z urückhaltung der deutsck-en Kriegsgefangenen bervorzi;rufen. Die Note stellt erneut fest, daß die Kriegsgefangenen in dem Augenblick zurückgesandt werden wür­den, wenn die Alliierten von dem guten Willen Deutschlands, die Waffenskillstarchs- und Frie­densbedingungen zu erfüllen, überzeugt seien.

MederkufbaA-Arbeit.

Besprechung deutscher Arbeitgeber und Arbeiter. (Privattelegramm.l

Frankurt tr. M., 3. Dezember.

In einer gestern in der hiesigen Handelskam­mer abgehaltenen Besprechung nahm der neue Minister für Wiederaufbau. Dr. Geßler, Gele­genheit, mit den an den Arbeiten in Frankreich interessierten Shreefen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Fühlung zu tr.'.rn. Bei seinen ausführlichen Darlegungen ging er davon aus. daß die zu treffenden Maßnahmen im we- fentlichen von den Beschlüssen der französischen Regierung abhängig seien, die hierbei naturge­mäß vom rein nationalen Standpunkt ausgehe. Man werde sich daher vor Übertriebenen Hoff- nngen zu hüten haben und den Erfolg nur im Rahmen der Entwicklung der GrstkMDeziehun- gen zu dem westlichen Nachbar erwarten dürfen. Weiter hob der Minister hervor, es sei gerade der Zweck der Besprechung, von vornherein mit den Interessenten in direkte Fühlung zu treten und ihre Anregungen entgegen zu nehmen. Besonders Frankfurt ist durch seine geographische Lag« berufen, am Wiederaufbau besonders tätig mitzuwirken. Die bereits hier vorhandene Kommission für die Rückgabe von Maschinen bildet tn Verbindung mit Verbän­den von Handel und Industrie eine Grundlage, an die man gegebenenfalls bei neuen Organisa­tionen anknstvfen könne. In der Erörterung, bei der der Begleiter des Ministers. Dr. Kling- hardt, noch längere Ausführungen über eine zu schaffende Vermittlungsstelle für Privat auf­träge der französischen Industrie machte, ka­

men die Wünsche der Arbeitgeber und Arbeit­nehmer a issührlich zur Sprache. Die Verhält­nisse im besetzten Gebiet wurden eingehend be­sprochen und es ergaben sich dabei viele An­regungen für eine weitgehende Auswertung der tot Frankfurt und seiner Umgebung vorhandenen Wirtschaftskräfte. Der Präsident der Handels­kammer versichert« in seinem Schlußwort den Minister des Vertrauens der hiesigen Streife, die es besonders freudig begrüßt hätten, daß ein be­währter Sanner süddeutscher Verhältnisse auf den verantwortungsvollen Posten berufen wurde

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Eine Bitte der Frauen.

Berlin, 3 Dezember. (Telegraphische Mel­dung.) Ter Bund deutscher Frauen zur Befrei, trug der Gefangenen, der dagegen protestiert, daß die Heimsendung der (befangenen mit der Wie­deraufbaufrage verquickt werde, steht sich veran­laßt, eine Bitte an dir deutschen Männer zu richten, sich zu Wiederausbauarbeiten zahlreich zu melden, damit die Gefangenen befreit werden könnten.

Nnaushörlich Arbeiterbewegung.

Der Rote Vollzugsrat in neuer Gestalt.

(Privattelegramm.)

Berlin, 3. Dezember.

Der aufgelöste Rot« Dollzugsrat tot Berlin hat sich als radikale Aibeiterrütegemeinschaft für Deutschland neugebildet. Auch dies« neue Zentrale der radikalen Arbefterrät« Deutschlands stellt sich auf den Boden der Rätediktatur und des Anschlusses Deutschlands an Sowjeiruß- la nd. Diese nett« Bewegung findet aber bei der großen Mehrzahl der Arbeiterschaft keinen An­hang, da sich immer mehr di« Erkenntnis aus- ,rabMitt-*-, rrtchtS x.: er­reichen ist. Die furchtbaren Zustände in Rußland sind gerade ein Beispiel zur Abschreckung.

Uneinigkeit der Metallarbeiter.

Berlin, 3. Dezember. (Privattelegramm.) Infolge des zusammengebrochenen Metallarbei­terstrelks haben 11730 Metallarbeiter der Pro­vinz Brandenburg ihren Austritt aus dem Metallarbeiterverbmrd angezeigt.

Akkordarbeit auf den Werften.

Hamburg, 3. Dezember. (Prtvaiteke- grontm.) In einer Versammlung der Werst, arbeitet wurde von mehrheitssozialistischer Seite sestgestellt. daß die radikale Gruppe Vie Arbeiter­schaft terrortfi ere. Unverantwortliche Hetzer und Schreier suchten die Arbeitswilligen in unerhörter Weise zu schädigen. Auch hätten durch die Ruhestörer die Diebstähle zugenvmmen. Der CntMutz der Werstleitung, den Betrieb zu schließen, wurde als berechtigt anerkannt: Die vernünftige Arbeiterschaft will hel­fen, die Ordnung wiederherzustellen. Das beste Mittel dazu sei, die Akkordarbeit in wür­digen Grenzen wieder einzusühren. Bei der Besprechung des Arbeiterrates mit der Direktion der Bulkanweeke kam e« gestern zu einer Eini­gung. Die Arbeiter werden mit Beginn der neuen Lohnwoche wieder eingestellt, sodaß der Betrieb der Werft dann wieder feinen geregel­ten Gang gehen wird. Die Beamten der Werft werben von Freitag ab im Bettieb tätig fein.

Forderungen der Saarbergleute.

Saarbrücken, 3. Dezember. (Eigene Drahtmel- dung.) Die neuen Lohnforderungen der Saar­bergleute sind vom fvarrzösischen Trupven- kontrolldienst entgegengenommen und dem ober­sten Verwalter des Saargebietes weitergegeben worden. Tie französische Verwaltung hat di« bedingungslose Annahme der Forderungen der Saarbergleut« abgelehnt, erklärt sich jedoch be­reit, mit den Führern der Arbeiterschaft tot Verhandlungen einzutreten.

Die Rückkehr aus dem Baltikum.

Ter Abtransport geht weiter vonstattcn. (Privattelegramm.)

Königsberg. 3. Dezember.

Der Abtransport der Baltikum-Trnppen, die bet Memel die Grenze überschritten, sowie des Detachements Cleve, geht so rasch vonstatten, wie es der Mangel an rollendem Material M- läßt. Am 1. Dezember wurde eine deutsche Abteilung einer russischen Pionierkompagme und einige Artillerie-Kolonnen verladen, außer­dem etwa vierzig Angehörige der Eisernen Di­vision. di« von den Letten vollständig ausgeplün­dert waren. Das in Russisch-Skrottingen bereit stehende Jägerregiment wird erst in einigen Ta­gen abtransportiert werden, weil di« Lage in- folac der Kriegserklärung der Letten das Ver­bleiben an der ®re>*T* -korderlich macht.

Wöchnerimen-Schutz.

Die Kasseler Entbindungs-Anstalt. Ihre Ucbernahme auf die Stadt.

(Von mrferm Mitarbeiter.)

Kassel, 3. Dezember.

Die gestrige Stadtverordnetenversammlung entrollte bei einer auf den ersten Blick neben- sächlich erscheinenden Vorlage, der Bewilligung der Mittel für Einstellung einer Säuglings. Pflegerin bei der Entbindungsanstalt tot der alten Stadtkaserne am Königstor eine Frage, die geeignet ist. allgemeine Beachtung auf sich zu lenken: di« Frage der Schaffung besserer Mög- lichrerten zum Zurwettkommen junger Erden­bürger. In der Tat: Es wurde die Sonde an" eine brennende Wunde gelegt. Der sozialdemo­kratische Stadtverordnete Dr. Theiß verwies auf die beschämende und traurige Erscheinung, daß eine Großstadt wie Kassel keine richtige Ent­bindungsanstalt besitzt. Die einzige vorhandene ist staatlich und entspricht in keiner Weise den an eine solche Anstalt zu stellenden Anforderun­gen. Infolge der engen Ramnverhältiriss« kön­nen nicht genug Betten ausgestellt werden. ES gibt nur zehn Kinderbetten. Wenn es jetzt vor- gckommen ist, daß 32 Säuglinge in der Anstalt waren, so mußten immer zwei Säuglinge in einem Bettchen liegen. Andere wurden in Wasch» körben untergebracht, die ans di« Erde gestellr werden mußten I Schwer zu leiden haben Frauen, die untergebracht werden müsse«. Oft­mals ist ihr« Aufnahme abgelehnt worden. Bis­her nimmt auch kein hetstges öffentliches Kran­kenhaus Wöchnerinnen auf, und die privaten An- statten find kostspielig und überfüllt. Die Schuld an diesen Verhältmffen trägt aber, wie Dr. Theiß betonte, weder Arzt noch Pflegepersonal, das übrigens bei Hunger lohn und trostloser Er­nährung Tag '.md Nacht arbeiten traft Deshalb, haben die Pflegerinnen -um 1* AprÄ gekümd-gt. Der erwähnte Stadtverordnete schiebt bte SchkÄ» auf eine

Fahrlässigkeit der Aufsichtsbehörde. ) Deren Vertreter Stadtverordneter Voepel normte später seinen Namen: Geheimer Medi­zinalrat Dr. Röckwitz soll tot zehn Jahren nur dreimal die ihm unterstellte Anstatt besucht ha­ben. Wahrend er fie Frauen auS dem VoSe empfahl, jöll er sie einer Dame gegenüber als .Schweinestall" bezeichnet haben. Manches er­klärt sich, wenn man weiß, daß diese Anstatt bereits 1803 gegründet wurde. In bet Räumen, die fie heute tirnehat, befindet sie sich schm über hundert Jahre und zwar seit 1817! Frau GanSlandt, die sich seit zwanzig Jahren um die Anstalt bekümmert hat, bestätigte die traurigen Verhältnisse, vor allem wie fie früher Waren. Seit Dr. 2Vaumgart, dem oer Staat übrigens bei jeder Anforderung die größten Schlwieri^efteu in den Weg legt, die Anstalt leitet, ist vieles besser geworden. Vor allem herrsch eine peinliche Sauberkeit. Bemerkens­wert ist die Mitteilung des Bürgermeisters Brunner, daß Landgraf Wichelm, aW er die Anstatt gründete, 400 Taler jährlich bewilligte, und ... diese 1900 Mark bezahlt der Staat mich heute noch keinen Pfennig mehr! Für alles an­dere sorgt di« Stadt, die sich keiner Anforderung entzogen Hai. Der Magistrat Hai gestern be­schlossen, die A n st a I t ohne jede Rücksicht auf die Rechsverhälttrisse auf die Stadt zu über­nehmen und vorerst durch ach wettere Zimmek zu erweitern. In Zukunft wird die Stadt selbst für die Unterbringung der Wöchnerinnen sor­gen. Der neue Vorsteher der Anstalt, Skreisarzt Geh. Medizrnalrat Dr. Heinemamt, hat erklärt, die Anstalt sei zwar nich modern, aber noch für einige Zeit ausreichend. In absehbarer Zett ist leider

das geplante Wöchnertnnenheim cm der Frankfurter Straße nich z-u basten. Mtt den von den Henfchlschen Erben bisher für di«, sen Zweck gestifteten 769 235 Mark ließe sich heut« ein solcher Bau auch nicht durchführen. Der Bür­germeister ließ aber durchblicken, daß in neuen Verhandlungen mtt Geheimrat Heniche! Mittel und Wege zu einer Tät gefunden wurden über die er erst später berichen könne! Trotz heftigen Widerstandes, dem di« Stadt bei ihrer bisher gen Bemühungen tot dieser Hinsicht fie­ber Militärverwaltung begegnete, wird sie aiuf Wetter alle Hebel in Bewegung setzen, um dai ehemalige Rote Kreuz am Königstor. in dem sick ncch das Kriegsgerich befindet, für die End binbungsansiatt frei zu betouunen. Das Rot Kreuz-Krankenhaus hat zugesichert, von jetzt atz sechs, das TiakonUenhaus vier Wöchnerinnen airfzunehmen. Wenn Frau GanSlandt dann vor einer starken Zahl Keuchhusten-Erkran kungen unter den Kindern sprach, so ist di, Frage nach dem Stadtarzt berechtigt, dr 'Hrofeffor Hebel stellte. Diese Wahl endljch vor zunehmen, ist jetzt dringend. Alle dies« Dinge gaben dem Stadtverordneten Häring Veran­lassung, die Schaffung eines Notkranken- Hauses an$itregen. Wenn schon nicht gebaut tverden kann, dann sollte wenigstens ein Ge­bäude freigemacht werden können, das zu einem solchen Krankenhaus umzuwandeln ist, damit eS