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Nr. 303.

Stexitter Jahrgang. iwrimgEwnwrnri i i uhiiii,

Kasseler Neueste Nachrichten

Berlage.

Sonnabend, 29. November 1919.

Zie Ast in Wien.

BerMeuderung von jhmftroerten.

Zn Stftertekb, gan, 6*feut«r# aber in IS len, Hai bie Ror einen n Umfang ange-

nonii: en nut .« Ift bntnii |n rett neu, Latz, wenn die Sil teufe au« der unglücklichen <-tadi nicht sofort «gehör finden, eine fürchterliche Rat« strophe tzereindrecheu wird. Cin Wiener Mit­arbeiter schreibt uns darüber Folgende«: Ein früher Winter war ohne Spätherbst in Wien enwtejoaen. hatte den Bäumen in Gärten und Anlaaen. die sich gerade gold und purpur zu färben begannen, die Kleider vom Leib fl'« rissen, den Tannen und Buchen im Wiener Wld weiße Kapuzen ausqesetzt und das Häuscrmeer tun den Stephans-dom mit glitzerndem Schnee bedeckst Aber es ift in der Millionenstadt iein x einzig er. der an dem frühen Winterbild seine Freude hätte. Es scheint vielmehr, als wurden alle guten Geister die Kaiserstadt verlassen und als hätte eine dumpfe Verzweiflung darin Platz gerissen. Die ©omntwrträume, ine Hoffnun­gen auf einen milderen Frieden, auf eine Hilfe ver Entente, auf eine rettende Repavationskom» misfion sind längst verflogen. und feder Wiener ' weiß, haft ein Winter angebro.t.en ist. d:r ai Leiden und Entbehrungen alle anderen übertref­fen wird. Hunger und Kälte herrschen als grau­same unumschränkte Tyrannen, und die einstig.' stolze Residenz, von deren geistigen Sckxrtzen ganze Generationen gelebt haben, ift draus und dran, ihren Ruf als die deutsche Kunststadt des Ostens inzubüßen und ihr Erstgeburtsr cht für ein Li 'ngericht zu verlieren. Kunsttvcrke für ein Sti Brot, für eine Schaufel Kohle!Es ist eine eifern« Notwendigkeit,," sagt die Regie­rung. und sie geht mit dem Beispiel voran und veräußert an das Ausland wertvolle Kulturgü- ter. Denkmäler einer ruhmreichem Verginacir- heit. um dem darbenden Volk noch einen Monat lang die nackten Lebensmögkichkeiten M geben. Was nützen gegenüber dieser furchtbaren Not die flammenden Proteste der Intellektuellen und Künstler im Land? Ihr Ruf verhallt uugebört Vergehens weifen sie aus die starrenden Lücken in den Galerien und Sammlungen, aus die Kurzsichtigkeit einer Politik, die unersetzliche Kunstwerke verschleudert, ohne damit eine durchgreifende Besserung in Wiens verzweifel­ter Lage zu erzielen. Di« Künstler sind ja alle mehr oder weniiger von dem Geiste des gro­ßen Lyrikers Liliencron beseelt, der mit seinem letzten Groschen sich einen Veilchenstrauß statt eines Stück Brotes erstand, und so meinen st­auch jetzt, wenn man in vier Wochen nun doch untergeben müsse, sei es besser, heute zu sterben Und späteren Generationen Wiens Kuliurschätze zu erhalten.

Aber das Volk hast schon zu viel gelitten und entbehrt, um noch solchen Opfermut auszubr n- gen. Tatsache ift. daß trotz Sckmee intb Frost viele Tausende von Menschen sich nicht eine war­me Stube triften, sich nicht einmal eine wanne Mahlzeit kochen können und daß durch den trost- tofen Stand der Krone 1 Kilo Wurst 160 Kro­nen und 1 Kilo Aepfel bis zu 20 Kronen kosten und das Volk sich weder von Brot, noch von Kartoffeln, noch von Hülsenfrüchten nähren kann, da an allem völliger Mangel herrscht. Wer in den Straßen die blassen, frierenden Menschen stundenlang um einen Bündel Anfeuerholz oder ein paar n affet Buchen scheite hat warten sehen, lernt manches verstehen und verzeihen. In den unwirtlich kalten Stuben, am spärlich gedeck en Dusch, in diesem fast hoffnungslosen Kamps um die unentbehrlichsten Lebensnotwendigketten verliert das Voll den Zusammenhang mit den höheren geistigen Gütern, und selbst die einst wohlhabenden Kreise verproletariftrren.

So ist eS kein Wunder, daß nicht nur im großen Staatshaushalt, sondern auch in den guten und soliden Bürgerhäusern Kunstgegenstä- b« und Familienstücke zu Geld gemocht werden, die einst der Stolz der alteingesessenen Wen r waren. Die Millionenstadt ist trotz Htmger und Kälte Mit Ausländern derart überschwemmt, daß in den großen Hotels und kleinen Gast­höfen kein Zimmer mehr zu bekommen ist. K ns- leute kommen aus Schweden, Frankreich Ita­lien. der Schweiz, die alle die Koniunktnr der tief gesunkenen Krone ausnützen, und alles zu-

|g| Bestellungen auf die Kasseler Neuesten |g| werden schon jetzt Gwn allen Boten, Bri nommen- Soweit der Vorrat reicht liefen

W Lesern die bi? dahin erschienenen Fortsei »Gebrüder Westenwald" kostenlos nach. Bitte, in Freundes« und Bekanntenkreis A Kasseler Neuesten Nachrichten gehören, ar

MWMWWWW!IWWWWWWW sammenkmisen. was in den Wiener Kunst-.- bel- und Iuwelentzandlungen in Kronen feilge- boten wird. Alle diese Waren werden bann mit Riesengewinnen auf dem internationalen Markt in der Schweiz wieder abgesetzt, und der Ausländer, der mit 1000 Frs es sich ersteht, woz der Wiener sich nur mit 20000 Kronen fa.fen tonn. Preist die Kaiserstadt an der Donau als die billigste Stadt der Welt. Der Wiener aber darbt und hungert und kann die imerschwing- l-.chen Preise nicht mehr zahlen und ift tätlich gezwungen, nm sein Leben weiter fristen zu,kön­nen. altererbte Schätze, Teppiche, ecfrie Spitzen, antike Möbel, gute Bilder und Schmuckstücke auf den Markt zu tragen und an das Ausland ab­zugeben.

Es siegt in dieser langsamen aber sicheren Verarmung der einst so blühenden und für 'ihre hol>e Kultur berühmte Stadt eine tiefe Tragik di: iedem Besucher ans Herz greisen muß, und noch ist lein Eiche dieses Elends abzusehen noch ist die Hilfe so spärlich, daß sie nur tote ein Trop­fen auf einen verfenAenden Stein fällt. Vielleicht wird aber in diesem frühen Muter doch durch den Frieden das Gewissen der Welt ausgerüttelt werden und wird dann auch die arme. fcrrinV;» tiefte Republik Oesterreich mit ihrer Drei-Mil- ttonenlMkvlstadt ihren Qualen zu einer bes­seren Zukunft erstehen. H. Schede.

Am aller Wett.

Der Detter and Amerika. .

Den Bewohnern der kleinen Oldenburg: scheu Amtsstodt Cloppenburg ist Heil und Freude wi­derfahren. Nebern großen Teich form die Nach­richt in den stillen Heidewinkel hinein-geschneit, daß der Fabrikant D r ü d i n g in Philadelphia, ein ehemaliger Cloppenburger, der in der neuen Wett zu Reichtum gelaugte, als Liebesgabe für sein notleidendes HeimotnKdtchen 12 500 Pfund Weizenmehl rmd 2500 Pfund Speck zu Schiff gebracht und noch Homburg abgesandt habe. An diese frohe Botschaft war die Bestimmung ge­knüpft, daß die Ware von der Stadtverwaltung brüderlich unter die Gemeinde verteilt werden sollte. Da Cloppenburg kaum dreitausend Ein­wohner zählt, so kommen auf jeden Kops der Be- pölkerung ungefähr ein Pfund Speck und drei Pfund Weizenmehl, gewiß eine schöne Zugabe zu den spärlichen Lebensmittelrotioncu. Der Stodttat hat zudem beschlossen, die Transport- kosten von .Hamburg nach Cl-oppenburg auf den Gemeindesäckel zu übernehmen, sodaß die ameri-- fcrtrtfd* Liebesgabe voll und ganz den EharEer deS Gescheites behält.

*

Der Riefe von Mexiko.

Viele großartige Geschichten sind uns schon aus MerNo berichtet worden, aber die groß- artigste von ollen ist die Geschickte von dem stei­nernen Mann, der noch einer Depesche in dem Staat Veracruz auSgegraden wurde. Diese versteinerte Gestalt mißt vom Scheitet bis zur Fußsohle nicht weniger als zweiunddreißig Fuß zehn Zoll, und sie wurde von Arbeitern rn der Nähe der kleinen Stadt Nouavamilpo entdeckt. Die Einwohner des Oertchens glaubten steif und fest, daß der Riese einer der Götter sei, die ihre Vorväter verehrt hatten. Jedenfalls läßt seine Größe aus eine übernatürliche Herkunft schrie­ben, denn selbst die fabelhaften Mesen der Bibel lvaren sehr viel kleiner. Die Läuoe deS Og von Bosau wird uns mit sechzehn Fuß sechs Zoll,

IS

Nachrichten für den Monat Dezember M efträgern und Postanstalten enlgegenge- W t wir den am 1. Dezember hinzutretenden W Zungen des ungemein fesselnden Romans M

An unsere Leser richten wir die höfliche g m, die noch nicht zu den Beziehern der M cf unsere Zeitung empfehlend hinzuweijen-

WWVVMW>WW^M!II^"MN^SMS die des Goliath mit zwölf Fuß überliefert. Diese Ungeheuer der fernen Vorzeit waren also nur Zwerge gegen das Wesen, das jetzt in Mexiko so großes Aufsehen erregt. Das Volt von Nana- camilpa gab denn auch feiner Verehrung für den auSgegrabcnen und versteinerten Uebermenschm einen ebenso schönen wir poetischen. Ausdruck. Die errichteten einen Katafalk auf der -Plaza" des Ortes, legten hier den Riesen feierlich hinstn, überdeckten dann seine ungeheure Gestalt mit Vsimnen und stellten eine Ehrenwache um ihn herum Das Ganze klingt wie eine Geschichte von Mark Twain. Aber die Wissenschaft ist im Anzug, und sie wird Aufklärung in die vorläufig noch etwas rätselhafte Angelegenheit bringen. Wie der Bericht schließt,neigen die Gelehrten zu der Ansicht, daß das versteinerte Wesen sich als ein vorgeschichtliches Wirbeltier von nicht menschlicher Herkunft erweifeu wird".

* Die streikenden Kinos. Sämtliche Licht- sPicb-Theater Münchens haben bis auf weiteres als Protest gegen die Erhöhung der Lusttzackeits- fteuer gestsflofsen.

* Schneefchmelze im Schwarzwald und im Alpengebiet. Im ganzen Schwarzwald und im Alpengebiet hat eine außerordentliche Schn ee - schmelze eingesetzt. Rhein und Neckar sind über ihre Ufer getreten und haben das Vorland über­flutet. In Mannheim steht der Rhein bereits an den Hochwafferdämmen.

* Nenesiamesische" Zwillinge. In Wein­böhla bei Dresden wurde vor einigen Tagen eine Frau von Zwillingen entbunden, die, ähn­lich tote die siamesischen Zwillinge, zufammen- gewochfen sind. Diese Toppelgeburten sind außerordentlich selten. Vor einigen Jahren ge­lang es ht Paris dem Professor Doyen durch eine glücklich- Operation, ein derartiges Zwil­lingspaar zu trennen, ohne die Lebeüsseltzstän- digkeit des einzelnen zu gefährden.

* Ein S>lberschaU gestohlen. Ein vollstän­diger Familiensilberschatz und Juwelen tm Werte von Vierhunderttau'end Mack wurde einer Herrschaft in Hannover gestohlen. Die Täter, zwei Dienstmädchen. wurden verhaftet.

* Das Goldstück in der Seife. Eine Frau ans Hannover, die ein Stiick Seife von einem fliegenden Straßenhändler gekauft hatte, sand darin ein goldm-s M-Marflfvck. Man nimmt an, daß das Stück Seife au5 einer entwendeten FeldpostseNdUna oder ans einer Postsendung an einen in Gefcmaenschaft befindlichen. Krieger berrübrt. dem die Angehörigen auf diese Art Barmittel senden wollten.

* Deutsche Kinder nach Dänemack. Der dä­nische Mnister Stauning sandte ans Kopen­hagen aus das Telegramm des Reichskanzlers folgende Antwort:Ich habe Aufenthattserlanb- nis für eine neue Anzahl deutscher Kinder bei dänischen Arbeitern für die nächste Zeit erwirkt. Es ist den dänischen Sozialisten eine Freude, an der Heilung der vom Kriege geschlagenen Wunden mitwrtken zu können.

* Die Ern teer gbniffe 1919. Laut der .Sta­tistischen Korrespondenz wurden in Preußen nach bett Vorschützungen der Sa:tenstandJbe- richterstatter aitssthsirßsrch der Abtretirnasaebrete an Brotgetreide einMießkich der stt Rährmit- teffn dienenden Getrei^earten wie Gerste, Hafer und Buchweizen im Ganzen 10,54 Millionen Tonnen gegen 10,27 Millionen Tonnen rat Jah­re 1918 geerntet. Bei d-n Hülsensrüchtm und den Wgebömigen Getreu gen überwiegen die dieS- i übrigen (Srträa» jedoch oft sehr bedent-up die vorjährigen. Für .Kartoffeln und die übrigen

Hackfrüchte sind die geschätzten Mengen sämtlich geringer <6.% im Vorjahre. Sie betragen 16 4 Millionen Tonnen gegen 18,7 Millingen Tonne,> rat Vorjahre

« Ein weißer Stabe. In Goch hat, wie man hört, ein dortiger Kaufmann und Hausbesitzer in biejer Zeit des Wohnungsjammers eine Tat vollbracht, die das Organ der Mieterschntzver. einigung in rotem Druck im Rahmen eine: Ehrentafel für die Mit- und Nachivelt aufzeich­nen sollte. Dieserweiße Rabe" sieht itömliÄ auf dem Standpunkt, daß jemand, der ein Mer- lelickhrhimdert pünktlich den Mietzins für eine Wob-rung bezahlt, sich dadurch ein gewtsscs Eigentumsrecht an den be-rresienden Räumen er- n»arh. Demzufolge hat er einer seit 25 Jahren in einem Raum wohnenden Dame aus Anlaß dieses Mietsiudiläums die Wohnung von jetzt ab unentgeltlich zur Verfügung gestellt.

Kraftwagenrerkehr Lei;»zig-Berlin. Dit sächsische Staatsbahn richtet von heute ab einen Krastwagenverkehr Leipziq-Eerlm ein. Tie ein­malige Fahrt kostet 150 Mack.

* Treue Liebe. Wie aus Brünn gemeldet wird, sand in der dortigen Thomaskircke die Traanlng eines Mädchens mit einem blinden Kriegsinvaliden statt, dem beide Arme fehlten. Der junge Bräutigam schaute hoffnungs freudig aus, trotz seiner Gebrechen und, trotzdem es ihm nicht mehr vergönnt ist, seine Umwelt zu sehen. Es war ein seltsamer Anblick, als die Braut die künstliche Hand des ihr angetrauten Mannes in ihren Arm legte. Es soll sich um eine Lie­besheirat handeln, hei der das Mädchen dem Geliebten auch daun die Treue hielt, da er af> Krüppel heimkehrte.

* Gemütliche Auseinandersetzung. Wie ans Hannover gemeldet wird, hatten in Rc:o tz zwei Russen täte Auseinandersetzung, in dessen Ver­laus der eine dem anderen das Ohr abbiß. Der Betreffende rächte sich, indem er seinem Gegner einen Finger abbiß und diesen ihm ius Gesicksi warf. Tste Kampfhähne hatten sich schließlich so verbissen, daß es eines Kübels kalten Wassers bedurfte, um sie »u trennen.

* Die Spielsalons der Schauspielerinnen. Eine Reihe von Schauspielerinnen hat in W i e n seit Monaten Spielsalons eingerichtet. Trotzdem diese Schauspielerinnen seit Monaten wegen Ueberschreitung der ErsparungSmaßnahmen im Lichtverbrauch immer wieder mit hohen Geld­strafen belegt wurden, ließen sie sich angesichts der hohen Summen, die ihnen dir Spielhöllen einhrachten. dadurch nicht abschreckeu. Infolge- dessen wurden nunmehr die beiden ehemaligen Schauspielerinnen Elsa von Ruttersheim zu drei Monaten und Margarete Zeller zu sechs Wochen Gefängnis und Geldstrafen verurteilt.

* Schutzmaßnahmen gegen die Pest. An­läßlich der aus Konstantinopel gemeldeten Pst't- fälle hat die englische, französische und ttolieiv sche Regierung für all- aus dem Orient kom­menden Schiffe eine 14tägige Quarantäne ver­fügt. Auch an der griechischen Grenze und in Kleinasien sind in den letzten Tagen Fälle von Pest vorgekommen.

* Eine bemerkenswerte Bctonbrücke. Vor kurzem wurde die neue Eisenbahnbrücke über den Oere-Mp in Schweden eingetoeibt. Es ist die größte normalspurige Eisenbahnbrücke aus Be- on, die bisher gebaut worden ift Sie über­spannt den Fluß in einem einzigen großen Bo­gen von 90,7 Meter Spannw-iie.

* Kupfererzlager in Finland. In Finland wurde ein Kupfererzlager dadurch entdeckt, daß ein erratischer Ouarzitblock an einer Stelle ge- f-mdest wurde, wo derartiges Gestein nicht vor­kommt, so daß er während der Eiszeit vor viel­leicht fünfzigtausend Jahren von seiner Ur­sprungsstätte durch einen Gletscher an die Fund­stelle transportiert fein mußte. Die an der Ober- fläche eingeritzten Metscherschraimmen verfolgte man mm nach rückwärts und fand dort, etwa fünfzig Kilometer entfernt, ein mächtige? Kup- fcrerzlager.

* Trockenheit in Australien. Englische Blät- ter melden aus Sydney, daß die Trockenheit in Australien einen beunnrfrtnenben Umfang ar« genommen hat. Große Landstrecken haben sich in wandelnde Sanddünen verwandelt. Städt« und Dörfer sind geräumt worden.

Meister Lampe.

Airs der Hasenjagd.

Wenngleich der Beginn der Hasenjagd schon Ml einige Wochen früher fiel, hat der weidge- kvchte Jäger doch lieber noch eine Zeit laug ge­wartet. denn am besten als Wildpret ist der Hase immer erst im Sanft bc8 November bis Anfang Dozomber. Außerdem hat diese spätere Jahres­zeit den Vorteil, daß gelegentlich schon ziemlch starke Schneefälle eintreten, die für den Hasen­jäger ein sehr günstiges Iaadlvetter darstellen, schon deshalb, weil die frühe Schneebecke bie cha­rakteristischen Führten Meister Lampes so dcut- sich wiedergibt, fein gemächliches Hoppeln mit den zwei Strichfpurcn der Hinterläufe und bei dazwischen liegenden zwei Punktspsiren der Vor­derläufe. ober die nur aus zwei leichten Schräg- strichen bestehende Spur des flüchtigen Tieres. Von den beiden Iagdarten auf den Hasen, der Suche und dem Treibm. wird wohl aud> dieses Jahr wieder hauptsächlich die Suche bevorzugt werden, obwohl sie den Hasenbestand des Re­viers nicht aünftia beeinflußt, als ihr gewöhnlich mehr die festliegenden Hastnnen als die le'cht flüchtigen Rammler »ran Opfer fallen. Dem Fagdbesttzer ist es freilich auch nicht zu verübeln, wenn er es vorziebt. feilte Hasen lieber nach und nach selbst zur Strecke zu bringen, als ein Paar Stundm vergnügten Treibens mit seinem ge­samten Hasenb-stand bezahlen zu müssen. Und wenn die Gefahr droht, daß ein Teil der Ha­sen in ein anderes Revier wechselt, was nicht selten vockonmtt. bleibt nichts anderes übrig, a'z dieser unerwünschten WaMcrlust durch em Trei­ben zuvor zukommcn.

Da in diesem Jahre in vielen Gegenden Deutschlands ein langer kalter Nachwinter zu verzeichnen war. dürttm auch viele Junohasen. besonders die des ersten ^Satzes, der Kälte zmn Opfer gefallen sein, sodaß die Ergebnisse bei diesjährigen Hasenjagd ganz abgesehen von der immer mehr überhmdnehmcnden Wfldfrevelet, tziokl feine alttuboben Ziffern auftoeifen wer­

den. Die Zahl von achteinhalb Dlillionen Ha­fen. die eine deutfck>e Statistik vor dem Kriege sestftelltc. wirb iebensall? lwenn überhaupt^ so­bald nickst wieder erreicht werden.

Das Hasenfleifch bas wir seines hohen Nähr­wertes Wesen so sehr schätzen, war schon im Altertum miß er ordentlich bekiebt, zinual da man glaubte, von sxinem Genuß schön zu werden, weshalb auch das Svrichwort:Er ißt kein Ha­senfleisch" in dem SinneEr ift häßlich" gedeu­tet wurde. Im achten Jahrhundert war der Genuß des HaserfleischeS durch eint Verordnung des Papstes Zachar'as eine zeitlau« streng ver­boten tote denn auch Moses das Elfen von Ha- seuflcisch nicht erlaubte.

Stnrtti Merlei.

Der Achtstundentag bett» Theater.

Zu der an dieser Stelle gebrachten Dnrs- aung des Deutschen Bühnenvereins schreibt unz der Angestellter-Ausschuß des technischen Perso­nals der StaaÄchen Schauspiele in Kassel: Ob­wohl beim technischen Personal der hiestgien Staatlichen Schauspiele der AchtfiuNdentag noch nicht eiügesührt ift, so kaum doch bie Anregung des Bühnenverein?, daß die Arbeitszeit nur nach den wirklich geleiftetM Arbeiten zu rech ten fei, weck ein Bühnenarbeiter eigentlich nur in den PMlsen brr Vorstellung zu arbeiten haste, so daß er & 58. bei einer siebenftiindiyen Parsifal- anWhrung in Wirflicksteit nur zwei Stunden arbeite, nicht unwidersprochen bleiben. Ganz abgesehen davon, daß dies nur für einen Teil der Arbeiter zutrifft, während die anderen auch während der Vorstellungen zu tun haben und dost« noch große Verantwortung haften, so wird von den Meisten das lange ermüdende Warten oft viel schwerer empfunden als di: eigentliche Arbeit selbst, gor nicht zu reden von den Pro­best und Vorarbeiten. Bedenken denn diese Herren, die auf diese Werfe die Arbeitszeit wie­der ins Ungemefferee ausdehnen wollen gar nicht, daß auch der Bühnenarbeiter während bei canaen Zeit, die er an seiner Arbeitsstelle ver­

bringt, von feiner Familie fern ist? Man könnte ! diese Methode ja auch auf andere Berufe über­tragen. Sv würde z. D. ein Schutzmann nur arbeiten, wenn er feinaud feftnrawt, denn die übrige Zeit geht er ja spazieren; ein Pförtner würde ü-berhaicpi nickst arbeiten, denn er ruht ja den ganzen Tag in seiner Loge ans; ftirz diese Beispiele ließen sich ins Unendliche venmchrcn. Die DÄhnenvorftäude, die bie Arbeit des tech­nischen Perforucks so gering bew-rten, beweisen hier wieder bie sowohl ben technischen Vorstän­den. w'« dem Personal längst bekannte traurige Tatsache, daß sie für bie von den Bühnenarbei­tern zu bewältigenbe Arbeit gar kein Verständ­nis haben.

Die Ruhekur al? Schönheitsmittel.

Die Beoftachtung, daß bre Frauen von heute älter aus letzen, als sie in Wicklich-eit sind, und daß sie überhaupt schneller alt werdest, ist des öfteren gsmacht worden. Eine Ninon de Seite» los, die noch als Urgroßmutter mit siebzig Jah­ren die Herzen der Jünglinge zu entflammen wußte, erscheint unS als etwas ganz Unvovstell-- bares, irnd wir wurden an bie'e Geschichte über­haupt nicht fffattfben. wenn ste träft durch die be- geffterten Schilderungen der Zeitgenossen dieser Frau so gut bezeugt wäre. Aber auch sonst wa­ren im achtzehnten Jaftck»urchert Damen noch in einem Mer bas Entzücken der Herrenwelt, in dem ste heute sännst sich auf das Altenteil der Großmutter zurückgezogen haben. Ein Arzt, der diese Erscheinung vom medizinischem Staulo- pumkt aus eingehender nachaegangeu ift, weist dar­aus hin, daß diese ^Schönheiten von einjst, bie sich so gut gehalten haften, einen viel größeren Teil ltzres Lelums im Bette verbrachtem, als unser: Frauen. Eimen Tag ber Woche verlebte die Mo­dedame deS Rokoko überbautit ganz hn Bett, und an diesemRuhetag" ließ sie sich durch nichts stören. Ruhe der Nerven und Vermei­dung von Aufregungen ift aber das beste und toickflamste Schönheitsmittel, das der Frau .zur Verfügung steht. Die Mädchen unserer Taae. die deck aamien Taa über arbeiten und die hatte

Nacht durch tänzelst müssen sehr viel älter aus­sehen, <ttz sie sind, denn sie leben in einem Tem­po, das der Lebensform vergangener Jahrhun­derte gegenüber dieselbe Schnelligkeit besitzt, wie ein Auto gegenüber einer Postkutsche.Das Unglück bei unfern Frauen'", so sagt der Arzt, ift das, daß sie zu viel Energie Haden. Si« wollen ihren Nerven nickst die genüoende Ruhr gönnen, und je nervöser sie werden, desto schwe­rer sind sie zu einer Ruhekur zu bewegen. Nichts ift aber so gefährlich für das gute Aussehen at? Zeichen der Ermüdung. Eine Frau die müde anssieht. sieht nickst Wbsch aus. Geistige Ermü­dung aber drückt sich im den Zügen noch schärf« aus, als körverkiche Ermüdung, und so beding» bie Nervenerschöpfung ein Häßlichwerben bei Züge. Schlaf und Ruhe, das sind die großen Verschönerer, nnid jede Frau, mag sie noch so imig und schön fein, verliert diese höchsten Gü­ter, wenn sie d»es nickst beackstet. Mag sie auch noch fo viele DerschönerunasinfKtute heirck'cn. sich mit aDen möglichen Essenzen und Salben behandeln, nichts kann ihr die blühende Frisch' die anmutige Lebhaftigkeit deS Ausdrucks, den Glan, der Augen, und die blühenden Farben verleihen, ben Schlaf und Ruhe hervor- zaubern."

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3m bannen Südamerika.

Der englische Major Fowcett unteinatzm 1913 eine Forschungsreise in Bolivien, von der er 1915 zurückkehrte und jetzt erst einen Bericht veröffentlicht. Nach diesem lyericht stieß er im Quellgebiet des Madidi auf eine dickte Jndio- nerdetiölkerung. die bisher noch nie mit Weiße» zusaMmengekommen ift. Fowcett schätzt ihre Zabl auf gegen hunderttausend, ltte bildest ver­schiedene Stämme, die in beständigem Kampfe mit einander leben. Ihre Wohnstätten find große Hütten von hundert ssuß Durchmesser enfc ffebjäg Fuß Höhe, Ist jeder Hütte wohnen zwan­zig und noch mehr Familien um eine gemein­same Feuerftelle herum. Auffällig ist, daß ihre Sprache mit keiner der bekannten Iichiaue: sprachen WereinfÜmmt.